Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de

Ein Mädchen aus Køge (eBook)

Roman
eBook Download: EPUB
2025
372 Seiten
BoD - Books on Demand (Verlag)
978-3-6951-5194-3 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Ein Mädchen aus Køge - Anne M. Weilandt
Systemvoraussetzungen
6,99 inkl. MwSt
(CHF 6,80)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen
Die Liebe hört niemals auf.
Und sie verzeiht alles ...


Im Frühjahr 1888 kommt die junge Mari Jansson nach Kopenhagen, um sich zur Malerin auszubilden. Gut hundert Jahre später gibt eines ihrer Bilder in einem Sommerhaus an der Flensburger Förde dem Dänen Poul Schiøtz und der deutschen Touristin Hanne Weber Rätsel auf. Gehörte Mari Jansson zu den Freiluftmalern, die hier in Egernsund vor dem Ersten Weltkrieg die Sommer verbrachten? Hanne begibt sich auf Spurensuche. Aber nicht nur Mari Jansson, auch der charmante Best Ager Poul geht ihr nicht mehr aus dem Sinn ...

Anne M. Weilandt lebt und arbeitet in Hamburg und liebt Dänemark seit ihren Kindertagen.

I


HERBST 1885, KØGE BEI KOPENHAGEN

Wie kalt und grau es heute wieder war! Die letzten warmen Tage schienen ewig her zu sein. Auf den Wiesen gegenüber dem Hafen weideten längst keine Kühe mehr, nur ein paar Fischernetze trockneten auf dem dürren Gras. Eine Windbö fegte schwarzgraue Regenwolken über den bleifarbenen Oktoberhimmel, zerrte an ihren Röcken und zwickte in ihre Wangen. Fröstelnd schmiegte Mari sich tiefer in ihr wollenes Umschlagtuch. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und spähte angestrengt über die Mündung der Køger Au auf die Bucht hinaus. Weit draußen, wo Himmel und Wasser ineinander vergingen, lag Schweden, die Heimat des Vaters. Manchmal erzählte er den Geschwistern und ihr von dem Apfelhof, auf dem er aufgewachsen war. Einige Jahre noch, dann wollte sie endlich selbst nach Schonen hinüberfahren und die blühenden Apfelbäume am Meer mit eigenen Augen sehen, statt sich mit einem sehnsüchtigen Blick in die Ferne zu begnügen.

Ein scharfer Windstoß wirbelte Papierfetzen und Unrat von den Pflastersteinen des Hafenplatzes auf. Sonnenstrahlen schienen durch die Wolken, wie Lichtfinger strichen sie über das tiefblaue Wasser der Bucht. An einigen Stellen schimmerte es blaugrün auf. Sie musste dem Vater von dieser ungewöhnlichen Farbe erzählen. Vielleicht konnte er ihr helfen, sie mit ihren eigenen Farben nachzumischen?

Aage drückte ihre Hand. »Ich muss pieschen!«

Mari sah auf den kleinen Bruder nieder. »Warte, bis wir zuhause sind!«, sagte sie bestimmt.

Aage schob das Kinn vor. »Ich muss aber jetzt.«

Mari seufzte. Nun musste es schnell gehen. Sonst würde Aage seinem Drang freien Lauf lassen, bevor sie seinen Hosenlatz aufknöpfen konnte.

Sie blickte zu ihrer Schwester Ebba, die Aages andere Hand hielt. »Hilfst du mir grad?«

Gemeinsam lösten die Mädchen die Knöpfe aus den widerspenstigen Knopflöchern an den Hosenseiten. Dann hielt Ebba den Latz nach unten, damit Aage sein Geschäft verrichten konnte.

Ein Arbeiter rollte Fässer auf einer Schubkarre an ihnen vorbei und zwinkerte ihr zu. »Schön festhalten!«, sagte er.

Ebba lachte, Mari schlug die Augen nieder. Die Schwester war erst acht Jahre alt, deshalb erfasste sie noch nicht, welcher Hintersinn in den Worten des Mannes lag. Aber sie, die drei Jahre ältere, verstand, dass dies eine von jenen Bemerkungen war, mit denen Männer Frauen gern in Verlegenheit brachten. Außerdem erinnerte der vorbeieilende Arbeiter sie daran, dass sie gar nicht hier sein sollten. Die Mutter hatte ihr aufgetragen, das Senfpulver für ihr Fußbad aus der Apotheke zu holen und gleich im Anschluss nach Hause zu kommen. Aber wenn sie in der Nähe war, musste sie einfach zum Hafen vorlaufen und übers Wasser schauen. Hier unten fühlte sie sich dem Apfelhof in Kivik so nah, als wäre er nur einen kleinen Spazierweg von einer Viertelmeile entfernt. Der Hof kam ihr vor wie das Paradies, wo es nicht wie daheim dauernd Zank und Streit gab.

»Fertig!«, verkündete Aage.

Mari knöpfte seinen Latz zu und nahm ihn an die Hand. »Beeilen wir uns lieber! Und kein Wort zu Mutter, dass wir hier unten am Wasser waren«, fügte sie hinzu, während sie den belebten Hafenplatz überquerten und an den Lastseglern vorm Zollkontor und dem Haus des Hafenmeisters vorbei hasteten.

Ebba nickte.

Aage fragte: »Warum nicht?«

»Darum nicht!«, erwiderte Mari. Aage würde ihre Erklärung ohnehin nicht verstehen, plapperte aber gern aus, was er aufgeschnappt hatte. Die Mutter war sowieso gereizt genug gewesen, als sie gegangen waren. Sie wollte keinesfalls ihren Ärger auf sich ziehen.

»Ich kann nicht so schnell!«, quengelte Aage und blieb stehen.

Mari betrachtete ihn halb ärgerlich, halb mitleidig. Er konnte ja nichts dafür, dass die Mutter ihr den kleinen Bruder aufbürdete.

»Gut, ich trage dich bis zu den Bahngleisen«, sagte sie nachgiebig und nahm ihn auf den Arm. »Danach läufst du wieder, ohne zu murren, ja?«

Am Ende trugen Ebba und sie Aage abwechselnd den ganzen Weg an den Hintergärten der Häuser entlang bis zur Brogade.

Vor der Apotheke ließ Mari den Bruder erschöpft aus ihren Armen gleiten. »Die Stufen kannst du wohl selbst hinaufgehen«, sagte sie. »Na, los!«

Die Glocke über der Tür läutete, als sie eintraten.

Mari holte tief Luft. Inmitten der hohen, alten Schränke mit den vielen beschrifteten Schubladen kam sie sich immer klein und unbedeutend vor. Heute fiel außerdem nur wenig Licht auf die bunt bemalten Porzellankruken und braunen Gläser auf den Borden, die sonst den strengen Eindruck ein wenig abmilderten. Da fühlte sie sich gleich noch unbehaglicher. Und zu allem Überfluss stand nicht der Apotheker, sondern Hansen, sein Gehilfe, hinter dem Thresen. Mari mochte ihn nicht, sein Blick war so stechend und er schnarrte beim Sprechen. Nun, sie konnten nicht ewig am Eingang stehen bleiben, also nahm sie Aage an der einen und Ebba an der anderen Hand, ging zu Hansen vor und grüßte ihn höflich.

Er musterte sie eine Weile mit seinen kalten Augen, dann fragte er: »Na, Mari Jansson, du sollst wohl was an die Fru Apotheker ausrichten?«

Mari antwortete nicht, schlug stattdessen den Kleidersaum hoch und legte die zwanzig Øre aus der Tasche ihres Unterrocks vor Hansen hin. »Eine große Tüte schwarzes Senfpulver, bitte.«

Hansen hob die Brauen. »Bist du nicht ein bisschen jung für solche Mittelchen?«, schnarrte er sie an.

Die Röte schoss ihr in die Wangen. »Ich … aber«, stammelte sie.

Der Vorhang hinter Hansen wurde zur Seite geschlagen und die Frau des Apothekers trat neben ihn.

Mari und Ebba knicksten, Mari flüsterte dem Bruder zu, einen Diener zu machen.

Die Fru Apotheker lächelte sie an, dann wandte sie sich an den Gehilfen: »Jetzt geben Sie der Kleinen schon das Pulver, Hansen. Es ist sicher für deine Mutter, Mari?«

Mari nickte erleichtert, die freundliche Fru Apotheker konnte sie gut leiden.

»Fein!« Und während Hansen mit Messlöffel und Waage hantierte, fuhr sie fort: »Bitte richte deiner Mutter aus, dass ich sie die Tage zum Bügeln erwarte. Es hat sich allerhand Plättwäsche angesammelt.«

Mari knickste erneut. »Wie Fru Apotheker wünscht.«

Als die Frau des Apothekers hinausging, erhaschte Mari einen Blick auf das gebauschte Hinterteil ihres Kleides mit den feinen Schleifen und Bändern. Sie unterdrückte ein Lächeln. Vornehme Damen gebrauchten ein eigens angefertigtes Kissen, um ihren Rock auszupolstern, hatte die Mutter ihr erklärt, als sie im Nähzimmer der Fru Apotheker die Weißwäsche ordneten und Mari das Kissen mit dem Bindeband entdeckt hatte. Ein seltsamer Einfall, sich ein Kissen um die Hüften zu binden, statt es unter den Kopf zu legen! Aber da die Fru Apotheker nichts dabei fand, hatte es wohl seine Richtigkeit.

Hansen legte ihr die Tüte hin. »Macht siebzehn Øre«, sagte er.

»Mutter sagt, die Tüte kostet 34 Schilling«, wagte Ebba sich vor.

In Hansens Augen glomm ein Funkeln auf. »Niemand rechnet mehr in Schillingen!«, erklärte er kurz angebunden und legte Mari das Wechselgeld hin. »Und jetzt raus mit euch, ich habe zu tun.«

Der Himmel hing wie ein fahles Laken über dem Kirchturm und den Hausdächern der Kirkestræde, nur wenig Licht drang durch die tief hängenden Wolken.

Oder dämmerte es bereits? Wenn Mari die Sonne nicht sehen konnte, hatte sie immer Mühe, die Tageszeit abzuschätzen. Hoffentlich war es früher, als es schien! Sie lief vor den Geschwistern an der langen Fachwerkmauer des Böttcherhofs entlang und drückte das schwere Hoftor auf. Aus der Werkstatt drang Hämmern und Klopfen auf den gepflasterten Platz mit der Pumpe und dem stillen Örtchen hinaus. Mari schaute zum Hinterhaus hinüber und erschrak. Aus einem der Fenster im oberen Stockwerk hinter dem hölzernen Umgang schien bereits Licht! Aber zündete Madam Beck ihre Lampe nicht immer sehr rechtzeitig an? Und die Mutter wartete nicht unter der Haustür auf sie, also waren sie wohl gar nicht so lange fort gewesen, wie sie gefürchtet hatte.

In der Stube roch es nach geschmorten Zwiebeln, der Wassertopf stand auf dem Herd. Die Mutter saß am Tisch, die Waschbalge zu ihren Füßen, und nahm ihren Eintritt mit gerunzelter Stirn zur Kenntnis.

Mari hielt sich nicht damit auf, aus den Holzpantinen zu schlüpfen und ihr Umschlagtuch abzulegen. Sie holte das Senfpulver und die Münzen aus ihrer Tasche und reichte sie der Mutter hin. »Bitte sehr, Mor! Die Fru Apotheker erwartet dich die Tage zum Bügeln.«

Die Mutter nickte und sah sie scharf an. »Ihr wart lange fort!«

Aage lief auf sie zu und drückte sich an ihre Röcke. »Ich musste pieschen, aber diesmal ist meine Hose trocken geblieben. Ebba hat den Latz gehalten.«

Die Mutter strich ihm lächelnd übers Haar, dann drehte sie sich zu Ebba: »Gut gemacht, und jetzt hilf ihm mit seinen Schuhen und der Jacke....

Erscheint lt. Verlag 5.11.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Historische Romane
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Dänemark • Frauen und Familie • Historischer Roman • Historisches Geheimnis in neuem Licht • Kopenhagen • Künstlerische Selbstfindung und Liebe • Kunst verbindet Kulturen • Liebesgeschichte über Generationen hinweg • Liebesroman • Malerin auf Spurensuche • Sommerromanze Norddeutschland
ISBN-10 3-6951-5194-3 / 3695151943
ISBN-13 978-3-6951-5194-3 / 9783695151943
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Wasserzeichen)

DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasser­zeichen und ist damit für Sie persona­lisiert. Bei einer missbräuch­lichen Weiter­gabe des eBooks an Dritte ist eine Rück­ver­folgung an die Quelle möglich.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich
Das Ende der Welt. Roman

von Sabine Ebert

eBook Download (2025)
Knaur eBook (Verlag)
CHF 18,55