2052 - Permalife (eBook)
242 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-6951-4731-1 (ISBN)
Dipl.-Inform. Volker Paul hat lange als Softwareentwickler im Bereich Datenbanken gearbeitet und beschäftigt sich unter anderem mit Künstlicher Intelligenz und den Möglichkeiten - Chancen wie Risiken - die sie bietet, in Gegenwart und Zukunft. Beim Schreiben dieses Romans wurden diese Möglichkeiten sowohl theoretisch als auch praktisch ausgelotet.
Kommune-Besuch
Nachdem sie sich von Robert verabschiedet hatten, sagte Bettina: „Na, das scheint ja wohl was zu werden mit den beiden, Frank und Bianca, oder?”
Peter antwortete: „Ist ihnen doch zu gönnen, oder?”
Und er sah sie liebevoll an und dachte an die schöne Zeit, als sie sich kennengelernt hatten.
Das war vor knapp einem Jahr. Seither waren sie praktisch unzertrennlich. Ihre Freunde sahen sie fast nur noch zusammen, sei es bei gemeinsamen Unternehmungen oder entspannten Abenden. Trotz ihres jungen Alters wirkten sie oft wie ein altes Ehepaar, das schon viele Jahre miteinander verbracht hatte. Sie stritten sich oft, aber wer genauer hinsah, merkte, dass es meist nur ein vorgeschobener Streit war – damit es zwischen ihnen nicht durch zu viel Harmonie langweilig wurde.
Sie wohnte ja noch in einem Studentenwohnheim, war aber oft in seiner WG anzutreffen. Dort praktizierten sie Arbeitsteilung: Sie war für Wäsche, Nähen, Dekoration zuständig – Sachen, die er oft für überflüssig hielt – und er für praktische handwerkliche Dinge. Er kritisierte an ihr, dass sie alles mit Klebeband zu reparieren versuchte. Sie kritisierte an ihm, dass er viel zu schnell mit Hammer und Akkuschrauber zur Stelle war.
Trotz dieser kleinen Reibereien hatten sie in den großen Fragen des Lebens erstaunlich ähnliche Ansichten. Oft überraschten sie ihre Freunde damit, auf eine Bemerkung gleichzeitig und mit fast den gleichen Worten zu reagieren – als hätten sie ihre Antwort vorher abgesprochen. Dieses beinahe telepathische Verständnis war vielleicht das Geheimnis ihrer Beziehung: Sie brauchten keine perfekte Harmonie, weil sie wussten, dass sie immer auf derselben Wellenlänge waren.
Peter hielt dekorative Sachen eher für überflüssig. Er war handwerklich geschickt, bastelte gerne und übernahm Reparaturen im Haushalt; hantierte am liebsten mit dem Akkuschrauber.
Im Studium hatte Peter gerade mit Mühe den Bachelor in Physik geschafft und war sich nicht sicher, ob er sich auch noch den Master antun wollte – es war ihm zu theoretisch.
Bettina übernahm die Aufgaben, die für Peter oft wie unnötiger Aufwand erschienen: Wäsche, Nähen, und vor allem Dekoration. Sie liebte es, kleine Verschönerungen vorzunehmen, während er nur den Kopf schüttelte und meinte, man könne auch gut ohne all das auskommen.
Bettina hatte den Bachelor in Biologie geschafft, als sie Peter kennenlernte. Dann folgte für beide die wohl schönste Zeit ihres Lebens. Sie machten zusammen Musik, spielten Frisbee, unternahmen Wanderungen – egal was, Hauptsache zusammen. Diese Zeit war aber für ihr Studium eher unproduktiv. Sie schwänzten ihre Vorlesungen und stellten fest, dass sie beide eher praktisch und pragmatisch veranlagt waren.
Bettina hatte sich im Studium für Botanik interessiert und konnte sich auch gut als Gärtnerin vorstellen. Ihre Wohnheimzeit ging zu Ende, und ihr war klar, dass sie, wenn sie ihr Wohnheimzimmer verlassen musste, mit Peter zusammenziehen würde. Dieser hatte sein Zimmer in einer WG – eng, aber geschickt genutzt. Er hatte sich ein Hochbett gebastelt: oben das Bett, in der Mitte ein Schreibtisch und unten lag noch eine weitere Matratze, auf der er sich gerne gelegentlich ausruhte. Jedes Mal, wenn er sein Hochbett ansah, ertappte er sich dabei, auf sein Meisterwerk stolz zu sein und sich zu fragen, ob er nicht besser Schreiner hätte werden sollen. Und dann verfiel er oft ins Grübeln, wie es jetzt beruflich weitergehen sollte. Privat war jedenfalls klar: mit Bettina.
„Wegen der Kommune… Robert will erstmal sehen, wie so eine Kommune generell funktioniert“, sagte Bettina. „Er hat nicht vor, einer bestimmten Kommune beizutreten.“
Peter zog eine Braue hoch. „Aha. Also ist das mehr so eine Art... Recherche-Reise?“
„Ja, ich glaube schon. Ich hab den Eindruck, er will vielleicht sogar selbst eine gründen. Irgendwann.“
„Selbst eine gründen? Allein?“
„Nein, er hat mal von schottischen Freunden gesprochen, die ähnliche Ideen haben. Vielleicht will er das mit denen zusammen aufziehen. In Schottland.“
Peter machte ein zweiflerisches Gesicht. „Das klingt mir etwas abenteuerlich.“
Bettina zuckte mit den Schultern. „Ist es auch. Er redet nicht oft konkret darüber. Ich glaube, die Pläne sind einfach noch nicht so weit.“
Peters Mundwinkel drückte deutlich seine Skepsis aus. „Willst du dir das auch ansehen? Und willst du, dass ich da mitkomme?“
„Ja und ja“, antwortete sie. „Aber versuch dabei nicht so dreinzugucken wie jetzt. Die brauchen nicht gleich zu wissen, dass du nichts davon hältst.“
„Ich werd’s versuchen...“, seufzte er.
Nach der langen Autobahnfahrt zog nun die hessische Landschaft gemächlich an ihnen vorüber: Wiesen, kleine Wälder und Dörfer wechselten sich ab, während das Auto von der Bundesstraße auf eine schmale Nebenstraße einbog – kaum mehr als ein asphaltierter Feldweg. Robert, Peter und Bettina näherten sich ihrem Ziel: der Kommune Siebeneichen.
„Das müsste gleich da vorne sein“, sagte Robert und deutete auf eine Stelle, an der sich der Wald ein wenig lichtete.
Unter hohen Bäumen lag ein kleiner Parkplatz, auf dem eine junge Frau in Jeans und Strickpulli wartete. Sie hob den Kopf, als das Auto näherkam.
„Das könnte Lena sein“, meinte Robert und lenkte den Wagen in die Einfahrt.
Sie stiegen aus, reckten kurz die Beine und näherten sich der Frau, die ihnen mit offenem Lächeln entgegentrat.
Bettina sprach sie an: „Hallo, wir sind mit Lena verabredet – bist du das vielleicht?“
Die junge Frau nickte: „Ja, genau. Willkommen in Siebeneichen. Ihr seid pünktlich – das kommt nicht oft vor.“
Peter grinste: „Wir hatten eine gute Reiseleitung.“
Lena lachte. „Dann kommt mal mit, ich zeig euch den Hof.“
„Wie lange gibt's das Dorf eigentlich schon?“, fragte Bettina neugierig.
„So etwa dreißig Jahre“, antwortete Lena. „Die Idee war, eine Gemeinschaft mit einem hohen Selbstversorgungsanteil zu gründen – und mit gemeinsamen Werten. Nachhaltigkeit, ökologische Lebensweise, gegenseitige Unterstützung.“
Sie führte sie über den Innenhof.
„Hier ist unser Haupthaus. Der Innenhof ist ein bisschen das Herz der Gemeinschaft – hier essen wir zusammen zu Mittag. In unseren Speisekammern kann sich jede und jeder Lebensmittel nehmen. Wir versuchen, die Kosten solidarisch zu tragen – also dass jede Person das gibt, was sie geben kann.“
„Also nicht jeder zahlt das Gleiche?“, fragte Robert interessiert.
„Nein. Gleich ist nicht unbedingt gerecht. Wer mehr hat, kann mehr geben. Wer weniger hat, gibt weniger – aber bringt sich vielleicht auf andere Weise ein. Mit Zeit, mit Arbeit, mit Ideen. Es gleicht sich oft aus.“
Peter strich sich übers Kinn. „Und was bedeutet denn ‚gerecht‘?“
Bettina warf ihm einen warnenden Blick zu, aber Lena reagierte gelassen.
„Gerecht heißt für uns, dass jede und jeder nach den eigenen Möglichkeiten beiträgt“, erklärte sie. „Manche haben mehr Geld, manche weniger. Dafür bringen andere vielleicht mehr Zeit oder handwerkliches Können ein. Es gleicht sich oft aus – jedenfalls, wenn man nicht erwartet, dass alle exakt dasselbe leisten müssen.“
Robert nickte. „Das finde ich das Interessante an dem Modell. Es geht um Vertrauen – und um ein anderes Verständnis von Fairness. Nicht alles in Zahlen zu fassen, sondern auf die Gemeinschaft zu schauen.“
Peter verzog leicht den Mund, sagte aber nichts weiter.
Lena schlug vor, zum Garten zu gehen.
„Gerne“, antwortete Bettina und sah sich um. „Wenn ich das alles so sehe, was ihr alles habt, dann denke ich mir: Gut, ihr habt ja eigentlich alles hier. Kommt ihr überhaupt noch raus aus dem Dorf?“
Lena lachte leise. „Also, wir wollen ja eben nicht Aussteiger sein, sondern wir wollen ja trotzdem noch Teil der Gesellschaft sein – eher so was wie ein Modellprojekt, das zeigt: Also, so kann man eben auch anders leben. Gut, manchmal erwische ich mich auch dabei, dass ich tagelang nicht hier herauskomme. Aber ich bin auch immer mal wieder draußen unterwegs und besuche meine Familie oder Freunde.“
Sie bogen um eine Ecke und traten in einen weitläufigen Garten mit Beeten, Hochbeeten und zwei großen Gewächshäusern.
„So, jetzt sind wir im Garten. Hier sind die Gewächshäuser“, erklärte Lena. „Ich werde mir jetzt ein paar Kisten schnappen, und Salat ernten, und Bohnen. Willst du mithelfen?“
„Klar, wenn ich kann“, sagte Bettina.
Lena zeigte ihr, welche Pflanzen geerntet werden konnten. Bettina machte sich gleich ans Werk. Robert versuchte sich ebenfalls beim Ernten, fragte vorsichtig nach und ließ sich von Lena zeigen, wie man die Bohnen am besten abpflückte. Peter hingegen hielt sich vornehm im...
| Erscheint lt. Verlag | 15.10.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | Avatar • Kommune • Künstliche Intelligenz • Überwachung • Virtual Reality |
| ISBN-10 | 3-6951-4731-8 / 3695147318 |
| ISBN-13 | 978-3-6951-4731-1 / 9783695147311 |
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