Thael'Aíz, Planet der Nemet * Gesamtband * (eBook)
462 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-6951-7810-0 (ISBN)
Vorspann; das parallele Geschehen...
Die Endymion starb lautlos; ein künstlicher Stern, der aufglühte und erlosch.
Kurt Morgan beobachtete dieses Vergehen, die Augen auf den Scanner seiner Überlebenskapsel gerichtet - bis es nichts mehr zu sehen gab. Als es vorbei war, schaltete er das Gerät auf Vorwärtssicht um und konzentrierte sich auf sein Überleben.
Achtzig Männer und Frauen hatten auf der Endymion gedient. Neunundsiebzig von ihnen hatten sich soeben in Materiepartikel, Staub und Dampf aufgelöst - genau wie ihr Raumschiff, das mit ihnen untergegangen war.
Zwei Winkel-Grad sonnenwärts stand eine weitere rauchende Trümmerwolke. Das war der Gegner gewesen - weitere hundert Leben, die mit ihrem Schiff ausgelöscht worden waren. Elemente von Dutzenden von Welten, Zerstörer und Zerstörte, welche sich noch immer auf Kollisionskurs befanden...
Die Zentrale würde von diesem Zusammenstoß niemals erfahren. Es gab keine Möglichkeit, eine Nachricht abzusetzen. Einer der Hauptplaneten der Hanan, Aeolus, mehrere Lichtjahre entfernt, wurde, durch ihren kriegerischen Zugriff, nahebei in eine ausgebrannte Schlacke verwandelt - und die Endymion, Kurts Schiff, das den Kreuzer der Hanan verfolgt und angegriffen hatte, ließ dem Oberkommando keinerlei Bericht über diese Aktion zugehen. Sie hatten das Unternehmen spontan, den überraschend aufgetretenen Umständen Rechnung tragend, auf eigene Faust durchgeführt - das andere Schiff, wie ein Bluthund, gejagt, aufgespürt, unter Feuer genommen und vernichtet - und waren dabei selbst vernichtet worden.
Er hatte als einziger überlebt - noch..! Die Rettungskapsel hatte keinen Starantrieb - weit würde er mit ihr nicht kommen...
Ein namenloser Stern und sechs unbekannte Planeten lagen unter seinem Scanner. Der zweite ließ berechtigte Hoffnung aufkeimen, dass ein Mensch dort vielleicht günstige Umweltbedingungen antreffen könnte...
°°°
Im Verlaufe von sieben Tagen rückte der verheißungsvolle Globus näher - sein Bild wurde immer deutlicher und detaillierter: Ein blauer Himmelskörper, dessen Atmosphäre von Wolkenstreifen durchzogen war. Zwischen wirbelndem Gewölk wurden rostbraune Flecken trockenen Landes sichtbar. Der Planet besaß einen riesigen Mond; im Übrigen stellten die Sensoren in allen Einzelheiten erdähnliche Verhältnisse fest. Es war ein Planet, für dessen Eroberung die Allianz einhundert Schiffe geopfert haben würde - und den sie schon längst besetzt haben würde, wenn sie von seiner Existenz gewusst hätte.
Der befürchtete Gegenschlag der Hanan blieb aus... Nirgends konnte er ein Raumschiff entdecken, das ihn bedrohte. Die verheißungsvolle Welt füllte den Bildschirm des Scanners mittlerweile völlig aus. Kurts Stimmung schwankte zwischen euphorischer Hoffnung, gepaart mit Neugierde, und hoffnungsloser Angst.
»Hoffnung«, weil er eigentlich mit seinem Leben schon abgeschlossen hatte und es nun so aussah, als solle er doch noch eine Chance bekommen; und »Angst«, weil ihm erst jetzt wirklich bewusst wurde, wie allein er war... Bis vor Kurzem hatte er sich an die Möglichkeit geklammert, die bloße Existenz des Feindes als imaginäre Gesellschaft betrachten zu können.
Aber die Endymion war über die Grenzen des bekannten Raums hinausgeschossen, bevor sie unterging. Wenn keine Hanan hier waren, dann gab es auch keine anderen menschlichen Wesen, so weit vom Zentrum der wichtigen Sonnen und Siedlungskolonien entfernt.
Das bedeutete vollkommene, absolute Einsamkeit..!
*
Die keilförmige Kapsel setzte hart auf. Sie war glühend heiß geworden. Metallplatten verwarfen sich, platzten an den Schweißnähten auseinander. Der plötzliche Druckanstieg lastete wie ein tonnenschweres Gewicht auf Kurts Körper. Vor seinen Augen tanzten wilde Ringe - graue und rote und schwarze...
Er hing seitlich in den Gurten, die ihn davor bewahrten, in den Stauraum zu fallen und brauchte einige Zeit, um sich von ihnen zu befreien. Seine Nerven lagen blank. Als er die ihn, wegen des Aufpralls, stramm fesselnden Gurte endlich gelöst hatte, öffnete er das Luk, ohne sich zuvor vergewissert zu haben, ob er in der Atmosphäre des unbekannten Planeten überleben konnte - es gab sowieso keine andere Wahl..!
Atembar.
Nachdem er die Rettungskapsel verlassen hatte, stand er einige Zeit nur da und blickte sich um - von einem Horizont zum anderen. Niemals hatte er auf seinen Reisen zu diversen Planeten bisher Ähnliches gesehen! Soweit die Sichtgrenze reichte, erstreckten sich Wälder; unzerstörte Natur, welche von vielfältigem Leben zu wimmeln schien. Kurt lachte zur Sonne hinauf; Tränen strömten über sein Gesicht. Er ließ sie einfach vom Wind trocknen. Die klare, würzig riechende Luft erlöste ihn von der erstickenden Hitze, welche sich in seine Kleidung eingenistet hatte.
Als Kurt den Wald verließ, senkte sich das Niveau des Terrains merklich - eine Bergflanke, ein felsiger Abhang, ein schmaler Strand und dahinter die Unendlichkeit eines Ozeans. Die Sonne stand schon tief am westlichen Firmament, als er einen Weg durch die zerklüfteten Felsen zum Ufer gefunden hatte.
Dort warf er seine mitgenommene Ausrüstung in den pulverfeinen, trockenen Sand und blickte verzückt auf die See hinaus, die blauer war, als er sie jemals gesehen hatte. Dicht vor der Horizontlinie lag eine kleine, verstreute Inselgruppe. Der elfenbeinweiße Sand war mit den »Abfällen« des Meeres bedeckt: Treibholz, Tang und Muschelschalen von pastellfarbenem Gelb und Rosa. Ausgelassen, wie ein Kind, bückte er sich und tauchte die Hände ins Wasser, das seine Stiefel umspülte, kostete ein paar Tropfen des salzigen Nass' und spuckte sie wieder aus. Er hätte wissen müssen, wie Meerwasser schmeckt, aber er hatte es noch nie wirklich probiert; er hatte noch nie den Geruch der See in der Nase gehabt, noch nie einen Ozean - wirklich - gesehen...
Kurt klaubte einen Brocken Treibholz auf, schleuderte ihn weit hinaus in Richtung der sanft heranrollenden Wellenkämme, die sein verdrehtes Stück Wurzel, peu à peu, gemächlich wieder zum Ufer zurücktrugen. Irgendetwas in seinem Inneren kam zur Ruhe, als er erkannte, dass all die Legenden seiner raumwandernden Vorfahren auf Wahrheit und Realität basierten - selbst auf einem so abgelegenen Planeten wie diesem sich bestätigten, den noch nie eines Menschen Fuß betreten hatte.
Er watete eine Weile durch das flache Uferwasser, barfuß und mit vorsichtigen Schritten, um nicht versehentlich auf etwas Giftiges zu treten. Mit einem Stock stocherte er auf Flächen am Grund, die ihm verdächtig erschienen, bevor er den nächsten Schritt machte - besonders unter Steinen, um dort gegebenenfalls hausendes Kleingetier aufzustöbern.
Allerdings wurde es rasch dunkel und der Wind frischte kühl auf.
Kurt dachte daran, dass er sich auf die heranrückende Nacht vorbereiten musste, sammelte eine größere Menge trockenen Holzes und entfachte ein Feuer. Es war die Finsternis, die ihm am meisten zu schaffen machte; in der er sich so einsam fühlte, wie in der Weite des Raumes zwischen den Sternen.
Er hatte Vögel gesehen - aber sie flogen zu hoch, um sie genauer erkennen zu können; er hatte die Schalen von Mollusken am Strand gefunden und im flachen Uferwasser eine Unzahl kleiner Fische und andere Meerestiere aufgescheucht. Einige Male waren auch Landtiere von eher geringer Größe vor ihm geflohen, als er durch das hohe Gras gestrolcht war. Nichts indes hatte ihn bisher bedroht, und keine alarmierenden animalischen Laute störten die Stille der Nacht...
Allein - seine Phantasie erschuf Gefahrenbilder und -szenarien von einem Dutzend anderer Welten, sodass er angespannt blieb und bei jedem Geräusch zusammenzuckte.
Die Wellen der heranrollenden See klatschten im leisen Rhythmus auf den Strand, während sich zuweilen kaum handtellergroße Raubkrebse, auf ihrer Suche nach Nahrung, neugierig bis an die Grenze des Lichtscheins seines Lagerfeuers vorwagten.
Schließlich stand er auf, warf eine gehörige Ladung Holz in die gierig züngelnden Flammen und legte sich so nahe wie möglich ans wärmende, knisternde Feuer, bevor er, in seine Decke geschlungen, einschlief...
*
Halme des Strandhafers raschelten; der mit kiesigen Steinchen durchsetzte Sand knirschte. Kurt hob prüfend den Kopf, kniff die Augenlider zusammen, um über die Glut des halb niedergebrannten Feuers hinauszublicken. Einige Meter hinter dem Ufersaum, im schon tieferen Wasser, reckte sich ein »Drachenkopf« in den sternübersäten Nachthimmel; hob und senkte sich behäbig schaukelnd, synchron zum Gleichmaß der Wellenbögen.
Was war das denn..?!
Noch im Halbschlaf und völlig konsterniert fuhr er erschrocken in die Höhe, griff automatisch nach seiner Strahlenpistole, wurde jedoch, schon im Ansatz seines Vorhabens, von mehreren Körpern zu Boden gerissen. Die unbekannten Angreifer, welche Größe und Gestalt von Menschen hatten, waren äußerst kräftig und agil. Kurt spuckte Sand, schlug um sich, rang darum, sich wieder zu...
| Erscheint lt. Verlag | 10.10.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | Gestrandet auf fremder Welt • Kontakt mit "Eingeborenen" • Liebe und Freundschaft • Sci-Fi / Fantasy • + spirituelle Elemente |
| ISBN-10 | 3-6951-7810-8 / 3695178108 |
| ISBN-13 | 978-3-6951-7810-0 / 9783695178100 |
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