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Der Putsch des alten weißen Mannes (eBook)

Die Brandstifterin
eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
552 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-6951-4740-3 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Der Putsch des alten weißen Mannes -  Henning Liebeskind
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Es geht um Leben und Tod. Der Professor greift mit einer Hau-Ruck-Aktion in die Bakterien-Forschung ein, die Gold zum Lachen bringt, aber erfolgreich ist. So scheint es jedenfalls. Ein Feind erweist sich als Freund, der dem Professor ein Abschiedsgeschenk macht, über das sich zu freuen sich eigentlich verbietet. Gold steigert sich um Kopf und Kragen in eine neue Liebe hinein und unternimmt zur Ablenkung eine Fahrt nach München, die sich als Entjungferungsmission entpuppt. Nach halb erfüllter Pflicht überfällt ihn ein Dämon seiner Vergangenheit. Zurück in Jena, liegt der alte Popov im Sterben. Und sterbend will der beichten, wer oder was Anuschka wirklich ist. Der Besuch in einem Geisterhaus, der zum Horrortrip wird, lässt für Gold Gewissheiten ins Wanken geraten...

2


Auf Sie ist Verlass“, murmelte der kleine Mann, ohne sich umzuwenden.

„Sagen Sie das nicht zu früh.“

„Doch, doch... Da bin ich mir sicher. Schauen Sie nur. Es brennt schon wieder. Wo mag das sein?“

Seidel bedauerte, das Fernglas nicht dabei zu haben und legte sich auf die Gegend um Ammerbach fest.

„Lange war nichts mehr gewesen, und auf einmal brennt es wieder. Gestern erst, und heute schon wieder. Der Feuerteufel muss im Urlaub gewesen sein. Aber egal! Haben Sie etwas für mich, Herr Professor?“

„Selbstverständlich.“

„Erneut mit einer Beschriftung! Vielen Dank!“

„Ich muss dazusagen, dass ich Ihnen etwas nicht vollständig Erforschtes und Verstandenes übergebe. Feststeht zwar, dass sich in der Bodenprobe Bakterien befinden, die sämtliche Kunststoffsorten abzubauen vermögen. Und das sehr schnell und in großen Mengen. Aber was soll ich sagen? Manchmal funktioniert es – manchmal funktioniert es nicht. Es scheint, als ob sie eine Anreizung akustischer Art benötigen. Im Sinne eines lauten Knalls. Ich hatte nicht genügend Zeit, um den Mechanismus zu durchdringen. Den Rest müssen nun eben Ihre Auftraggeber machen.“

„Oh, das werden Sie. Da bin ich mir sicher.“

Der kleine Mann hatte geduldig und freundlich lächelnd zugehört.

„Haben Sie auch MIR etwas mitzuteilen? Ich meine…“

„Ich weiß, was Sie meinen. Dr. Gold hatte vier mächtige Fürsprecher.“

„Fürsprecher? Wer…?“

„Wissen Sie? Früher war das viel einfacher: Wenn man was erreichen wollte, hat man sich an den Familienvorstand gewandt. Das war der Ehemann oder Vater. Es gab ein Gespräch von Mann zu Mann, und die Sache war geritzt. Nach dem Motto: Ein Mann – ein Wort. Dann wurden Gesetze geändert, die Gleichberechtigung hielt Einzug, und plötzlich müssen Sie sich an die Frauen wenden, wenn Sie was erreichen wollen. Deren Männer haben nichts mehr zu melden. Aber die Frauen bilden sich bloß ein, die neuen Herren zu sein. In Wirklichkeit sind es die Kinder. DIE KINDER... Selbst das herrschsüchtigste Weib will geliebt werden, von ihren Kindern, und tut deshalb immer, was die wollen.“

„Die vier mächtigen Fürsprecher…?“

„Sind die vier Kinder meiner Auftraggeber. Jawohl, so ist das.“

„Aber woher…?“

„Fragen Sie mich was Leichteres! Ich hab mich auch gewundert. Ich dachte, ich müsste alles ganz von vorn erzählen, als ich die Kinder ins Gebet nahm. Aber die wussten schon so gut wie alles. Das einzige, was sie noch nicht gewusst hatten, war, dass ihre Mütter mich beauftragt haben, Dr. Gold zu töten. Und dass sie wildentschlossen sind.“

„Furien sind nicht ohne Grund weibliche Wesen.“

Der kleine Mann lachte.

„Ein schönes Bild! Denn wie wilde Furien sind auch die Töchter zu den Müttern marschiert und haben mit ewigem Liebesentzug gedroht, sollte dem schönen Woldemar auch nur ein einziges Haar gekrümmt werden.“

„SCHÖNER Woldemar?“

„Ja, der Ruf Dr. Golds in der Damenwelt reicht so weit wie bis nach Frankfurt.“

„Wie kann ich Ihnen nur danken?“

„Sie müssen mir nicht danken. Eher müsste ich mich bei Ihnen bedanken. Dass Sie meinen Zweifel an diesem Auftrag verstärkt haben. Ich hatte ja schon von Anfang an und besonders seit der Rückfahrt von München das Gefühl gehabt, dass es falsch wäre, Dr. Gold zu liquidieren.“

„Warum hatten Sie den Auftrag angenommen?“

„Weil ich einer der Auftraggeberinnen was schuldig bin. Sie ist es, die sich immer um meine Katze kümmert, wenn ich auf Dienstreise bin. Sie war es auch, die mir zu meinem Beruf verholfen hat. Wollen Sie die Geschichte hören?“

„Gern.“

Das war nicht gelogen. Seidel interessierte sich wirklich. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Geschichte seines Vaters. Ganz abgesehen davon, dass alles andere unhöflich gewesen wäre.

„Vor vielen Jahren hatte sich meine Nachbarin an mich gewandt. Mit einem Problem, dass nicht sie betraf, das sie aber trotzdem nicht loslassen wollte. Weil es ihr leid tat... Meine Nachbarin hatte als junge Lehrerin mitbekommen, wie an der Schule, wo sie nach dem Referendariat zu arbeiten begann, ein Schüler wieder, wieder und wieder drangsaliert wurde. Bis hin zu körperlichen Misshandlungen.“

„Warum?“

„Tja, warum? Das ist eine gute Frage. Warum sind Menschen so? Warum tun Menschen sowas? Homo homini lupus. Sie kennen diesen Spruch?“

„Der Mensch ist des Menschen Wolf.“

„Ganz genau! Im Kindesalter fängt das schon an. Wobei ich persönlich der Meinung bin, dass man bei Dreizehnjährigen nicht mehr von Kindern sprechen kann. Wenn die mit Springmessern hantieren und andre quälen und ausrauben können, dann sind es keine Kinder mehr. Das Problem bestand darin, dass die junge Lehrerin alles versucht hatte, das Treiben zu unterbinden. Obwohl es nicht mal ihr eigener Schüler war, der ständig drangsaliert wurde. Kollegen, Direktorium, alle möglichen Ämter, Polizei, Justiz, Politik, Ethikrat. Alles hatte sie durchprobiert. Niemand fühlte sich zuständig. Weil sie selber Angst hatten. Weil die bewussten Schüler zu einer bestimmten, sehr bekannten Familie gehörten. Und mit der wollte sich niemand anlegen. Ich habe mir das Ganze angeguckt, meine Beobachtungen gemacht und fand alles bestätigt, was mir erzählt worden war. Da habe ich nicht lange gefackelt und kurzen Prozess gemacht... Schockiert Sie das, Herr Professor?“

Der antwortete nach einer längeren Weile:

„Schockiert müsste man sein, dass niemand dem drangsalierten Schüler helfen wollte. Dass SIE erst haben eingreifen müssen. Warum ist das so?“

„Das liegt doch auf der Hand: Wie immer und überall ist es eine Machtfrage. WER hat Macht? Wer hat die WAHRE Macht? War es am Ende des Römischen Reiches der Kind-Kaiser Romolus Augustulus? War es dessen Vater? Oder war es Odoaker? Auf den Frankfurter Fall gewendet lautet die Frage: Wer hatte hier die wahre Macht? Schule, Ämter, Polizei, Justiz und Politik? Oder diese eine Familie, die groß und brutal genug ist, dass jeder vor ihr Angst haben muss? Was glauben Sie? Hat man sich zum Beispiel getraut, ihr Bußgeldbescheide zu schicken, als die Impfpflicht galt und Big Family sich nicht hatte impfen lassen wollen? Na, was glauben Sie, Herr Professor?“

„Vermutlich nicht.“

„Natürlich nicht! Deswegen tobt sich der Rechtsstaat woanders aus. Weil der Justiz der Mut fehlt, sich mit Problemen der Gegenwart auseinanderzusetzen, kümmert man sich lieber um die Vergangenheit, verändert rückwirkend Gesetze, senkt Schuldanforderungen ab, um immer wieder neue Kriegsverbrecherprozesse abhalten zu können. Denn DAS verspricht Publicity. Man macht sich lieb Kind. Man schreibt Rechtsgeschichte. Man demonstriert, dass man die korrekte Gesinnung besitzt und Nazis nicht davonkommen lässt. Staatsanwälte und Richter können nachts gut schlafen. Bei sowas steigt ihnen niemand aufs Dach. Die Angeklagten sind viel zu alt dafür. Und ihre Kameraden, wenn sie überhaupt noch leben, ebenfalls. Auch von ihren Familien dürfen sie keine Hilfe erwarten. Selbst die Kinder wären zu alt für Vergeltung. Und die Enkel und Urenkel wollen den Job nicht verlieren. Es ist also völlig gefahrlos, uralte Leute vors Gericht zu zerren.

Wenn sie sich aber Big Family vorknöpfen würden, sähe die Sache anders aus. Da senkt man doch lieber die Schuldanforderung für Kriegsverbrecherprozesse weiter und weiter herab und heimst Renommee als Nazi-Jäger ein. War es früher erforderlich, Menschen getötet oder gequält zu haben, reicht es jetzt, als Wachmann seine Runden gedreht zu haben. Selbst wenn man nie auch nur einen Schuss abgegeben hat. Zumindest nicht auf einen Häftling. Langsam gehen der Justiz die alten Männer aus, die man noch halbwegs lebendig vors Gericht schleifen kann. Und anstatt sich jetzt endlich mal mit Gegenwärtigem zu befassen, werden die Anforderungen abermals herabgesenkt. Jetzt reicht es aus, einen Stift in der Hand gehalten zu haben. Ja, sogar kleine Schreibkräfte sind nun der Beihilfe am Holocaust schuldig.

Dann müsste es ja auch Beihilfe sein, wenn die Frau eines Einbrechers ihrem Ehemann für unterwegs ein Butterbrot schmiert. IST das so? WENN man Beihilfe SO WEIT fasst, dann bitte überall. Vor allem in Bezug auf Big Family. Dort wissen doch alle deren Mitglieder um die kriminellen Machenschaften. ALLE leisten ihren Beitrag. ALLE leisten Beihilfe. Mit dem Prinzip der so weitgefassten Beihilfe aus den Kriegsverbrecherprozessen HIER angewendet, könnte man den kompletten Clan einkassieren, und alle seine Straftaten würden nicht mehr stattfinden. Und dennoch wird es nicht gemacht.“

„Warum nicht?“

„Können Sie sich die Antwort nicht selber denken, Herr Professor? Es gehört eben MUT dazu, Big Family aus dem Verkehr zu ziehen. Während...

Erscheint lt. Verlag 8.10.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
Schlagworte Kunststoff • Natur • Plastik • Rettung • Untergang
ISBN-10 3-6951-4740-7 / 3695147407
ISBN-13 978-3-6951-4740-3 / 9783695147403
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