Thael'Aíz, Planet der Nemet * Band 3 * (eBook)
184 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-6951-8058-5 (ISBN)
19 - »Feinde« begegnen sich
Zweieinhalb Tage hatte die Nakúyon mit schwerer See zu kämpfen und musste die Mannschaft oft gegen den Wind kreuzen, um das im Nordosten liegende Gestade Sufaks zu erreichen.
Thargad verbrachte die meisten Stunden des Tages bei den Vólds unter Deck, obwohl ihm – bei dem recht heftigen Seegang – nicht weniger blümerant in der Magengegend war. Sein Sekundärbemühen, nämlich das Vertrauen Naókis vollständig auf seine Seite zu ziehen, erfüllte sich indes zu seiner uneingeschränkten Zufriedenheit. Yoolij hatte gar Mühe, die so völlig auf den Menschenmann bezogenen Tiere, welche sich, auf sonderbare Weise, einen Narren an ihm gefressen zu haben schienen, etwas zur Seite zu drängen, wenn sie mit ihrem Liebsten zusammen sein wollte.
Man musste kein Prophet sein, zu ahnen, dass Ún und Naóki sich bald paaren würden, denn es schien wie eine glückliche Fügung, dass die beiden tierischen »Separatisten« und Sonderlinge sich gefunden haben durften.
Noch vor Sonnenaufgang des 27. Qerbatai tauchten die Konturen Nephanes am Horizont auf.
Im Trüb des anbrechenden Tages lag eine weite, langge-streckte Bucht vor ihnen. Im Hintergrund ein riesiger, recht steil aufragender Felskegel, sowie, zu seinen Füßen und an seinen flacheren Flanken, zahlreiche Gebäude und Mauern, welche sich bis zum Gipfel hinaufzogen.
Thargad, der, mit Yoolij im Arm, das, im schweren Gewölk wie mit den virtuosen Pinselstrichen eines überirdischen Meistermalers, zaghaft hindurchbrechende Rot des Feueropals Phans am Osthorizont bestaunte, schlang seinen Ctan in der herben Morgenfrische enger um den Leib und fragte Val t'Ran, mit dem er sich, während der Reise, schon etwas angefreundet hatte, nach der imposanten Festung auf der Bergspitze.
»Das ist der ›Afen‹, die – ehemalige – Residenz der Methi Djan. Sie war ein Mensch – so wie Du, t'Jeem-Ifhan.
Wie die Verhältnisse im Moment liegen, werden wir sehen – ich bin über die aktuellen Umstände in Nephane nicht auf dem Laufenden. Soviel ich weiß, hat die Ylith-Methi von Indresul, als Protektorin von Nephane, einen vorübergehenden, nichteinheimischen, Prokurator über die Stadt bestellt – danach werden die Dinge wieder von uns selbst autark geregelt werden können. Allerdings im Sinne des Imperiums, versteht sich...«, fügte er säuerlich hinzu.
»t'Ran..!«, kam Erof t'Irain auf die Gruppe der Drei zu. »Anbetrachts dessen, Nephane nun genau vor der Nase zu haben, übertrage ich Dir hiermit offiziell das Kommando über die Nakúyon. Du sollst als Interimskapitän und nicht als freigelassener Gefangener mit den Deinen stolz heimkehren! Wäre Dir das recht..?«
»Und ob mir das recht wäre..!«, besserte sich Vals Stimmung augenblicklich.
t'Irain machte nur eine auffordernde Geste und verbeugte sich, wobei Thargad die Standfestigkeit der Nemet-Schiffsbesatzung bei jedwedem Seegang zum wiederholten Male bestaunte.
»Chal«, rief t'Ran seinen ehemaligen Stellvertreter auf der Tavi mit einem Wink herbei.
»Was ist, Val..?«
»Wir haben ab sofort das Kommando auf der Nakúyon.
Tkel soll das Steuer übernehmen.
Lun, Mnek und Pewit in die Wanten. Holt die Segel ein. Punj zum Bug – ich will, dass der Junge die Anlegetaue auf die Pier rüberwirft.
Steh nicht herum – wir haben zu tun! Verschollene Helden kehren zurück in die Heimat«, fügte t'Ran grinsend nach.
»Aje, Käpt'n«, sputete Chal sich und gab die Befehle weiter.
Val beorderte den Rudergänger aus Indresul herbei: »Konaf, ich brauche zwanzig Mann auf den Ruderbänken.«
»Sofort..!
A-Mannschaft, Sten, an die Riemen«, hallte der raue Bass Konafs über Deck.
Schnell wurden die entsprechenden Bänke von den dafür vorgesehenen Mannschaftsteilen besetzt.
»Riemen lösen und zu Wasser lassen!«
Fast perfekt synchron polterten die Ruder durch die Duchten in die Tiefe und platschten ins Meer.
»Und... - durchziehen!
Und... eins, und... eins, und... eins...«, gab Konaf einen gemächlichen Takt an.
»Fünf Grad Backbord«, korrigierte Chal Tkel am Steuerrad, »die Wellen treiben uns sonst zu weit ab...
Ja..., so ist es gut!«
Am Kai wurde man auf die unbekannte Bireme aufmerksam, welche auf die Hafeneinfahrt zuhielt. Drei Männer kamen auf die Pier, um das anlegende Schiff in Empfang zu nehmen und festzuzurren.
Einer jener, der die herübergeworfenen Taue auffing und um die Poller auf dem Landungssteg schlang, rief erstaunt aus: »Hey... Das ist ja Punj..! Es ist Punj t'Kales!«
*
Die Nachricht der Heimkehr von sieben tot geglaubten Matrosen verbreitete sich, ungeachtet der noch so frühen Stunde, bald wie ein Lauffeuer. Angehörige wurden verständigt und fanden sich im Hafen ein. Ergreifende, teils erschütternd emotionale Szenen spielten sich ab. Szenen des Glücks – teilweise nur schwerlich bemäntelt, um den nemetischen Konventionen des Anstands in der Öffentlichkeit gerecht zu werden. Freudentränen flossen reichlich und drückten das aus, was, aus diesem Grunde, an Gesten unterblieb.
t'Irain verabschiedete sich mit seiner Indresuler Mannschaft von der Nakúyon und marschierte die Straße, durch das Stadttor, zur Festung hinauf. Die Matrosen lechzten nach zwei, ihnen nun zustehenden, Tagen Landurlaub, inklusive einer Nacht in den beheizten Räumen des Afen.
Die Kadese wurde erst für morgen früh, den 1. Saragátai, erwartet.
»Jemand sollte t'Elas Bescheid geben!«, meinte ein Hafenarbeiter zu Val.
»Unbedingt, mein Freund, Du hast Recht!
Mnek«, sagte er zu dem gerade Nächststehenden der überlebenden Tavi-Besatzung, »laufe bitte zum Hause Qtas und rufe ihn zum Hafen herunterzukommen, denn es gibt, neben der Freude einer ›Auferstehung der Toten‹, noch ein Schiff zu bestaunen: Sein ihm, von der Methi Ylith, geschenktes Eigentum – eine flotte Bireme mit sechzig Riemen..!«
»Aje«, strahlte Mnek übers ganze Gesicht und hielt, in schnellem Schritt, zielstrebig auf sein Ziel, die »Straße der Familien« zu.
Val blickte etwas wehmütig zur Kulisse der Stadt herauf, denn die Narben des sommerlichen Bürgerkrieges waren noch nicht ganz beseitigt; teilweise nur notdürftig kaschiert...
Trotzdem ging er zu Thargad, Yoolij, Niu und Hug - am anderen Ende des Kais - hinüber; kaum bemüht, seinen geheimen Stolz auf die Stadt seiner Ahnen zu verbergen: »Nun, wie gefällt euch die Stadt? Ist sie nicht – auf ihre besondere Weise – eine Perle..?«
»Ja, sie hat etwas Reizvolles! Erinnert mich entfernt an eine Balkanstadt am terranischen Mittelmeer. Sie sieht - bedingt durch das Geschehene - derzeit nur ein wenig ›ramponiert‹ aus...«, pflichtete Thargad ihm bei und zog seine Kapuze tiefer in die Stirn, denn das Wetter begann, wegen eines momentan einsetzenden eiskalten Nieselregens, schmuddelig zu werden.
Er sah aus dem Torbogen der Stadtmauer Mnek mit drei weiteren Leuten, recht heftig gestikulierend, zum Hafenbecken herunterstapfen. Eigentlich liefen sie mehr, als dass sie gingen, denn eine schier ungezügelte Wiedersehensfreude beschleunigte, ganz entgegen der nemetischen Yhia, ihre Füße.
Als die Gruppe näherkam, die unverhohlen von einer Traube Neugieriger begleitet wurde, erkannte Thargad, dass, neben der beeindruckenden Statur des herbeigerufenen Nemet aus dem Hause Elas-in-Nephane, ein Mensch fassungslos auf die Nakúyon starrte. Die dritte Person war eine recht zart aussehende, junge Sufaki, die sich eng an der Seite des Pylaners hielt.
»Komm, Yoo, das muss er sein – unser Lieutenant Kurt Liam Morgan..! Das sollten wir uns nicht entgehen lassen – sein Gesicht zu sehen, wenn wir ihm entgegentreten«, grinste er in schelmischer Vorfreude, wieder in ein menschliches Antlitz schauen zu können.
Thargad wusste, dass er Val nicht extra auffordern musste, strebte dieser schon, wie magnetisch angezogen, auf seinen verehrten Kapitän und Freund zu.
Die beiden Ióbeaner hatten sogar Mühe mit dem Nemet mitzuhalten.
»Qta..., Qta, welch Freude..!« t'Ran verbeugte sich in tiefer Ergriffenheit vor dem Neuankömmling.
»Val, Du lebst! Wie wunderbar! Mnek hat mir schon einiges erzählt und zu erklären versucht, aber ich erlebe das alles gerade wie in einem Traum!«
Thargad streifte bewusst seine Kapuze herunter; ließ sein langes, blondes Haar hervorlugen, sodass die Aufmerksamkeit des menschlichen Begleiters - ohne Worte - auf ihn und Yoolij gezogen wurde.
Kurt gaffte sie betroffen an, als würde sein gebündeltes Interesse zwei Gespenstern begegnen. Das sah so drollig aus, dass Thargad heftig auflachen musste.
»Mister Morgan, lassen Sie sich mal kräftig die Hand schütteln«, löste er sein verwundertes Gegenüber aus der Verblüffung - nicht ohne in ihm eine neue Frage aufzuwerfen.
»Woher kennen Sie meinen Namen? Wo kommen Sie...
| Erscheint lt. Verlag | 2.10.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | Gestrandet auf fremder Welt • Kontakt mit "Eingeborenen" • Liebe und Freundschaft • Sci-Fi / Fantasy • + spirituelle Elemente |
| ISBN-10 | 3-6951-8058-7 / 3695180587 |
| ISBN-13 | 978-3-6951-8058-5 / 9783695180585 |
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