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1665: Die Luftschlacht von Stralsund -  Herold zu Moschdehner

1665: Die Luftschlacht von Stralsund (eBook)

Zeugnisse einer Begegnung mit Außerirdischen
eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
146 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-6951-0815-2 (ISBN)
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(CHF 5,85)
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Stralsund im Jahr 1665. Über der Reede stehen Erscheinungen am Himmel, die keine Segel tragen und keine Vögel sind. Fischer reden von einer Luftschlacht, die Stadt versucht das Geräusch der Gerüchte mit Ordnung zu übertönen. Inmitten dieser Tage hebt ein Böttchergeselle am Schilfrand etwas aus dem Wasser, das nicht von hier ist. Was folgt, ist kein Spektakel, sondern eine leise Verabredung zwischen Menschenpflicht und Fremdem. Der Roman erzählt in der Stimme der Stadt. Ein Meister, der Stille hält. Ein Offizier, der lernt wegzusehen. Ein Prediger, der einen Glockenschlag zu viel schenkt. Ein Apotheker, der Wasser beruhigt. Ein Kupferstecher, der Platz sticht, damit Wahrheit hineinpasst. Und Hans, der Geselle, der begreift, dass Rettung selten Lärm macht. Rat und Garnison zählen, schreiben, ziehen Netze. Die See antwortet mit Höflichkeit. Am Ende steht keine Heldentat, sondern eine Entscheidung, die eine Stadt bewahrt, ohne sie zu rühmen. Basierend auf zeitgenössischen Stimmen, Chroniken und Spuren entfaltet sich die Chronik einer Begegnung mit Gästen von den Sternen. 1665 Die Luftschlacht von Stralsund ist ein dokumentarischer Roman über Maß und Mut, über das Schweigen, das schützt, und die Augenblicke, in denen eine Gemeinschaft sich selbst treu bleibt, während etwas aus einer anderen Ordnung an ihre Kante tritt.

Herold zu Moschdehner ist Autor und Rechercheur an der Grenze zwischen Geschichtsschreibung und erzählerischer Reportage. Vier Jahre lebte er in Stralsund, dicht an der Reede und widmete sich dort intensiv den Überlieferungen zur "Luftschlacht" von 1665. Seine Arbeit verbindet Archivstudien, maritime Quellen und lokale Stimmen zu einer nüchternen, doch atmosphärischen Rekonstruktion des Phänomens. Aus diesen Recherchen entstand "1665 Die Luftschlacht von Stralsund", ein dokumentarischer Roman über Maß, Schweigen und die Möglichkeit außerirdischer Besucher.

Kapitel 1 – Stralsund am Morgen danach


Der Morgen tat, was Morgen tun: Er tat so, als wüsste er nichts. Die Glocke von Sankt Nikolai fuhr ihre Schläge durch die Gassen, die Krähen saßen wie immer auf den Balkenköpfen, und über dem Hafen brannte das dünne Blau, das ein klarer Tag sich leistet, wenn der Wind nach Osten steht. Die Stadt nahm ihre Ordnungen auf, als hätte niemand vom Wasser her mit erhobenen Augen gestanden: Fässer wurden gerollt, Luken verschraubt, Türen aufgestoßen, Besen ins Pflaster gerieben, bis der Staub kurz dunkler wurde.

Der schwedische Posten vor dem Tor wechselte die Männer, die Stiefel polterten in derselben Strenge wie gestern. Weit hinten klirrte ein Harnisch, mehr Metall als Mann, und in den Höfen redeten Frauen mit den Eimern in der Hand die erreichten Preise herbei, die der Markt noch nicht beschlossen hatte. Man sah die Dinge, die man immer sah: die Tücher, die über Seile geworfen wurden, um Salz und Schweiß aus der Nacht zu ziehen; die Pferde, die ihre Köpfe schüttelten, als wollten sie die Fliegen davon überzeugen, die Fliegen zu lassen; den Bäckerjungen, der schon beim dritten Korb aus dem Gleichgewicht kam.

Und doch lag in dieser Geschäftigkeit ein anderes Gewicht. Man sprach leiser, und wenn man lachte, brach das Lachen zu früh ab. Die Männer, die hinter den Tresen der Brauhäuser standen, polierten Krüge, als könnte man in blankem Zinn erkennen, was einem entgangen ist. Die Händler, die mit Tüchern handelten, ließen die Finger etwas länger als nötig über die Stoffe hinken, als prüften sie nicht nur die Ware, sondern die Welt. Als die ersten Wagen aus dem Umland auf den Markt rollten, traten Köpfe in den Toren nach, um zu sehen, ob von dort dieselben Gesichter kämen wie immer, oder ob die Nacht andere geschickt hätte.

In einer Werkstatt am Wasser stand ein junger Mann, den die Stadt nur im Vorübergehen kannte, so wie sie alle kennt, die verlässlich sind. Hans Tidemann, Geselle beim Fassbinder und Holzhändler Bartold, wischte die Bank frei, hob Nussbaum- und Eichenleisten aus dem Stapel und prüfte mit dem Daumen die Faser, als könnte der Daumen bereits wissen, was die Hand später arbeiten würde. Er hörte die Stimmen draußen, aber sie legten sich nur wie dünne Farbe auf seine Gedanken. Das Holz hatte seine eigenen Sätze, und wenn man ihnen nicht zuhörte, rächten sie sich in Splittern.

„Du bist früh“, sagte Meister Bartold, als er den Kopf unter dem Balken hindurch steckte. Er trug das Gesicht, das er morgens trug, bevor ihn jemand um Preisnachlass bat. „Die Stadt ist auch früh. Wenn einer vom Himmel erzählt, stehen drei auf, um hinaufzusehen, und fünf, um zu bestreiten, was die drei gesehen haben.“

Hans nickte. „Man sagt vieles“, sagte er und strich den letzten Span vom Brett.

„Man sagt immer vieles“, erwiderte der Meister. „Heute verkauft man trotz allem. Setz die Reifen an, wir haben eine Ladung Hering, die noch heute raus muss. Die Schiffe fragen nicht nach Zeichen.“

Vor ihren Fenstern zog das Hafenleben vorbei. Männer mit Stricken, die mehr Knoten kannten als Worte, Schiffer, die an den Kanten ihrer Felle ihre Herkunft trugen, Gesichter, die der Wind gezeichnet hatte, ohne je eine Feder in die Hand genommen zu haben.

Ein Böttcher gegenüber prüfte die Dichtheit seiner Dauben, indem er die Fuge mit dem Ohr suchte, so wie ein Musiker nach dem leisen Falschen sucht. Ein Karren mit Teer rollte, langsam, als fürchte man, die Luft könne die Last anzünden.

Die Kunde vom Himmel war noch taufrisch. Ein Prediger hatte schon in der Frühe an einer Ecke gestanden und davon gesprochen, dass Zeichen nicht für Staunen gemacht seien, sondern für Umkehr. Ein Ratsherr – Merten, der mit dem ungeduldigen Bart – war im Rathaus zu sehen gewesen, wie er einem Schreiber erklärte, dass die Stadt keine Bekanntmachung herausgebe, weil die Stadt keine Wunderverwaltung sei. Vor Sankt Nikolai hatten zwei alte Seemänner um die Wette geschworen, was sie gesehen hatten. Der eine hielt auf Vögel mit nassen Federn, die das Licht breche, und der andere auf schwedische Geheimübungen. Ein dritter schwieg und sah auf seine Hände, als stünde dort eine Antwort, die niemand verdiene.

Hans trug Fässer aus dem Hof, zwei Mann pro Tonne, und spürte in den Handflächen die körnige Wahrheit der Arbeit. Zwischen den Gängen fing er Fetzen von Erzählungen auf, die an ihm hängen blieben wie Fäden: „…wie Schiffe, nur ohne Wasser…“, „…die Luft hat geschlagen im Bauch…“, „…eine runde Platte über der Kirche, wie aufgenagelt…“. Er legte die Arme in den Rhythmus der Last und merkte, dass sein Schritt sich dem ernsten Takt der Glocke anpasste, obwohl sie gerade schwieg.

Am Markt standen die Fischweiber wie immer mit den Füßen fest, die Körbe vor dem Bauch, die Tücher straff, das Urteil in der Stirn. Aber wenn jemand das Wort „gestern“ sagte, bekam es Raum, als hätte es jeder in Reserve mitgebracht. „Gestern, sagt ihr?“ – „Gestern haben die Netze gezittert, ohne Wasser.“ – „Gestern war das Licht zu hell, wo Schatten sein sollten.“ Da und dort fuhr sich jemand über die Arme, als wäre Wind gegangen, den nur er gespürt hatte.

Die Garnison, deren Aufgabe es war, Ordnung zu sein, war ordentlicher als üblich. Ein Offizier ließ eine Kolonne in der Nähe des Hafens antreten, sah hinauf, als könne er das Geschehene herabordern, und gab dann den Befehl, auseinanderzugehen, um zu zeigen, dass nichts war. Zwei junge Soldaten diskutierten mit den Augen und schwiegen mit dem Mund; wer redet, wenn ein Vorgesetzter schweigt, redet zu lang.

In der Apotheke am Külpeltor polierte der Apotheker die Glasballons, als seien es die Kugeln einer anderen Wahrheit. Er rückte die Mörser, wog ein Pulver und sagte der Kundin, dass Schlaf ein Kraut sei, das der Himmel nicht austeile, auch wenn er Zeichen gebe.

Beim Schmied in der Fährstraße wurde der Blasebalg so gleichmäßig getreten wie sonst, aber der Schmied sah einmal zu oft nach der Tür. Und am Nikolai-Kirchplatz blieb eine Gruppe von Kindern stehen und zeichnete mit Kreide Kreise auf das Pflaster, weil jemand erzählt hatte, dass runde Dinge den Himmel anziehen.

Hans brachte die letzte Tonne an den Kai. Das Wasser roch nach Tang, und auf der Oberfläche lag eine dünne, hellere Haut, als habe sich nachts etwas darauf ausgeruht, das nicht fischen wollte. Ein Klüverbaum schob sich langsam an ihm vorbei, und der Mann auf der Back rief kurz und knapp, wie man ruft, wenn man alles schon tausendmal gerufen hat. Hans wischte die Hände an der Schürze ab und blieb einen Atemzug länger stehen, als nötig gewesen wäre. Die See stand da, als hinge in ihr ein Gedanke, der zu schwer war, um zu sinken.

„Hans!“, rief der Meister. „Reifen!“ – „Komme!“ Er drehte sich um, und die Arbeit nahm ihn wieder in Besitz. Das Holz, der Zapfen, die Nut, der Schlag, die kleine Bewegung mit dem Handgelenk, die das Ganze zusammenhält. In den Pausen rieb er das Harz aus den Fingern, ohne hinzusehen, und manchmal – nicht oft – fühlte er einen ganz leichten Druck in der Brust, kein Schmerz, eher ein Echo, als hätte jemand den Raum gestern gemessen und seine Maße in ihm gelassen.

Der Tag setzte seine Bilder fort. Ein Kaufmann aus Greifswald stritt mit einem Stralsunder über die Qualität eines Tuches, beide lagen falsch und doch obsiegte einer. Eine Magd ließ eine Schüssel fallen, die klirrte, als wäre sie aus zwei Metallen zugleich. Ein alter Mann blieb mitten im Gehen stehen und sah lange in die Luft, und als man ihn fragte, sagte er nur: „Ich prüfe, ob sie noch leer ist.“ Ein Junge malte die runde Form mit dem Ruß vom Ofen an eine Hauswand, bekam dafür einen Klaps und ein Lachen, das er nicht verdient hatte.

Am späten Vormittag nahm die Stadt den ersten tiefen Atemzug, wie sie ihn immer nimmt, wenn der Handel in Gang gekommen ist und das Mittag nicht mehr fern ist.

Die Gerüchte legten sich, nicht weil sie geringer wurden, sondern weil sie in die Körper einsickerten und dort einen Platz fanden. Die Worte wurden wieder kürzer. Man wog, man zahlte, man fluchte, man trug.

Sogar die Möwen, die sich am Morgen heiser geschrien hatten, fanden zu ihrem unverschämten Gleichmaß zurück.

Hans zog den letzten Reifen dicht und prüfte die Fuge mit dem Finger. „Gut“, sagte der Meister, ohne hinzusehen. „Nimm dir eine Stunde, wenn du willst. Der Kopf arbeitet nicht, wenn er von Arbeit heißt.“ Es war eine seiner Sätzen, die man erst beim dritten Mal verstand. Hans nickte, legte das Werkzeug ordentlich hin, wusch die Hände in einer Schale mit kaltem Wasser und trat vor die Werkstatt.

Die Luft am Hafen hatte einen Beigeschmack, den er nicht benennen konnte. Kein Teer, kein Fisch, kein Salz, kein fauliges Holz. Etwas Reines, das nicht hierher gehörte, wie der Geruch, der in einer Kirche steht, wenn niemand darin ist. Er ging ein Stück...

Erscheint lt. Verlag 2.10.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
Schlagworte Ausserirdische • Bobitz • Mecklenburg • Schwerin • Stralsund
ISBN-10 3-6951-0815-0 / 3695108150
ISBN-13 978-3-6951-0815-2 / 9783695108152
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