Lift Up Boy (eBook)
178 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-6951-7818-6 (ISBN)
Lukas Remien, 1979 geboren, lebt in Hamburg und arbeitet dort als Grundschullehrer. Seinen Weg zur Arbeit bestreitet er mit Fahrrad und Bahn. Pro Fahrt ist er über eine Stunde durch das gesamte Stadtgebiet unterwegs - genug Zeit, sich inspirieren zu lassen und auch etwas zu schreiben. Lift Up Boy ist sein erster Kurzroman.
3
Bandprobe
Unser Proberaum liegt weiter in der Innenstadt als mein Wohnort. Im östlichen Teil gibt es einen alten Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, in dem Proberäume für Bands eingerichtet wurden. Einen davon mieten wir ein- bis zweimal im Monat.
Markus, unser Drummer, ist bereits da, als ich zur Tür reinkomme. Ich gehe direkt zu ihm, neben seinem Schlagzeug kniend blickt er zu mir auf und wir begrüßen uns mit Ghettofaust. Er schraubt kurz weiter an seinem Schlagzeug, dann setzen wir uns auf ein altes, verblichenes Sofa, welches in der Ecke steht.
»Bierchen?«, fragt Markus mich mit hochgezogenen Augenbrauen.
»Warum nicht«, antworte ich, während ich gähnend meine Arme strecke.
Er holt einen Sechserträger Bier aus dem Rucksack und öffnet mit seinem Schlüsselbund zwei Flaschen. Eine gibt er mir.
»’N bisschen Mucke machen und ’n Bierchen trinken aufm Samstag – kann man machen«, ist mein Gedanke dazu.
»Hab mir ’ne neue Gitarre gekauft«, bringe ich kurz darauf leicht verschmitzt, aber grinsend vor. »Aus USA, Marke kannte ich bis dato nicht. Hab ’ne ähnliche von der Marke im Gitarrengeschäft gesehen. Gefiel mir super, bis auf Farbe und Form. Hab dann eine im Internet mit anderer Farbe und Form derselben Marke gefunden … und einfach mal gekauft. Ist gebraucht, aber alles top.«
»Krass!«, staunt Markus.
»1000 Flocken«, sage ich.
Markus zieht die Augenbrauen hoch und pfeift anerkennend, während er schon gespannt auf meine Gitarrentasche schaut. Wir holen die Gitarre aus der Tasche und begutachten sie ausgiebig. Hals, Tonabnehmer, Body, alles wird begutachtet. Demonstrierend klampfe ich ein paar Akkorde. Markus hört wohlwollend zu und bekundet dann seine Zustimmung bezüglich der Gitarre.
»Hab mir nichts gekauft, aber ein Cover für unsere Scheibe gemacht«, verkündet er nach abgeschlossener Begutachtung, ein wenig Stolz nicht verhehlend.
Er zieht eine DIN-A4-Zeichnung aus seinem Rucksack und gibt sie mir. Gleich auf den ersten Blick finde ich die Zeichnung cool. Markus hat Talent meiner Meinung nach. Das Bild zeigt eine Wiese vor einem Waldstück. Es ist Winter. Es liegt Schnee und die Bäume sind kahl. Vor dem Waldstück sieht man ein paar Wintertiere (Rehe und einen Hasen) stehen oder sitzen. In einem der Bäume sitzt ein Rabe. Es scheint gutes Wetter zu sein. Der Himmel ist blau. Die Szene wirkt idyllisch. Auch der am Himmel schwebende Schwarm fliegender Untertassen, der wild mit Lasern um sich feuert, ändert, obwohl eigentlich völlig destruktiv und fehl am Platz, nichts an der idyllischen Stimmung. In der Mitte steht in weißer dünner Schrift unser Bandname »Taekwondo«. Darunter etwas kleiner der Albumtitel: »Rebels«.
»Mann, Digga, das ist echt erste Sahne!«, kommentiere ich die Zeichnung anerkennend. Wenn das Album dazu, welches wir demnächst aufnehmen wollen, so klingt am Ende, wie das Cover aussieht, bin ich sehr zufrieden.
Ich gebe ihm die Zeichnung zurück und trinke einen Schluck Bier. Wir reden kurz über das letzte Spiel des FCs, da kommt auch schon Klaas, unser Bassist, zur Tür herein.
»Moin. Zeig mal her deine neue Klampfe!« (ich erzählte ihm bereits davon), ist das Erste, was er sagt. Dabei schaut er sich suchend im Raum um, bis er sie entdeckt.
»Darf ich?«
»Na klar, hau rein.«
Klaas setzt seine Basstasche ab, nimmt sich meine Gitarre und fängt an, darauf zu spielen.
»Cooles Teil«, ist seine Meinung dazu.
Nachdem auch Klaas danach das Cover bewundert hat, fangen wir an die Instrumente einzurichten und einzustöpseln. Jeder spielt vor sich hin, wir reden noch über dies und das, bis Markus schließlich das Startzeichen gibt und wir anfangen gemeinsam zu üben.
Der erste Song, den wir spielen, heißt »Grey Surface« und ist eine eher punkige Nummer. Der Song ist einfach zu spielen, macht Spaß und ist für mich auch nicht schwer zu singen. Den letzten Teil spielen wir noch einmal, da er noch nicht gut klang. Danach das ganze Lied noch einmal. Im zweiten Durchlauf passt alles. Bass und Kick treffen gut zusammen, die Gitarre sägt mit knackigen Akkorden dazwischen. Nachdem der letzte Akkord ausgeklungen ist, greifen wir zum Bier und trinken einen Schluck.
Klaas guckt in die Runde. »War cool, fand ich. Was jetzt?«
Markus, der beim Entstehungsprozess der Lieder viel zur Struktur der Songs beiträgt, schlägt vor, »Robots on Mars« zu spielen.
»Passt gut zum Cover«, sagt er grinsend. Wir überlegen kurz und stimmen zu. Markus zählt an.
»Robots on Mars« ist ein längerer und, wie ich finde, komplizierter Song. Gerade darum finden wir ihn alle ziemlich gut. Er ist aber auch nicht einfach zu spielen. Spieltempo und Spieldynamik haben viel damit zu tun, ob der Song gelingt. Man könnte auch sagen, das Gelingen ist etwas tagesformabhängig. Der Text dagegen ist eher einfach gehalten:
Robots on Mars, troopers on Mars,
Blast them away, is it OK?
Buildings on Mars, people on Mars,
Blast them away, is it OK?
Whatever on Mars, wherever on Mars,
Blast it away, it should be OK.
Or not?
Heute geht der Song ganz gut von der Hand. Ist dies der Fall, sorgt dies gleich für eine euphorisierende Stimmung bei uns.
»Wir müssen auch mal live spielen. Ist doch ordentlicher Stuff, den wir hier abliefern«, ist daraufhin auch Markus’ Kommentar auf das gute Gelingen des Songs.
»Jupp«, stimmen wir zu.
Der Probetag erstreckt sich noch bis in den Abend. Wir spielen existierende Lieder, versuchen uns an einem neuen, unfertigen Lied, plaudern zwischendurch, bestellen uns ein paar Pizzen und trinken noch ein weiteres Getränk. Insgesamt sind wir mit unserer Performance heute zufrieden.
Gegen 20.00 Uhr sagt Markus schließlich, dass er sich noch mit Klara treffe. Er wollte es wohl beiläufig klingen lassen, das gelang ihm aber nicht so recht. Die Vorfreude in seiner Stimme war nicht zu überhören.
»Ach, Klara. Die triffst du aber häufig in letzter Zeit, oder?«, stellt Klaas grinsend fest.
Markus erwidert ein trockenes »Kann schon sein«. Er ist schon zügig dabei, seine Snare zu verstauen und seine Sachen zusammenzusuchen. Klaas und ich schauen uns grinsend an, freuen uns aber für Markus. Wenn das was werden sollte, wären wir nicht mehr drei, sondern nur noch zwei Singles in der Band.
Klaas und ich ziehen ihn trotzdem noch ein wenig auf bezüglich des Themas Klara. Dann ist Markus mit dem Satz »Ciao Leute, hat gerockt, wir hören wegen nächster Probe!« auch schon zur Tür raus.
Auch Klaas und ich packen unsere Sachen zusammen und verabschieden uns voneinander. Klaas muss weiter Richtung Innenstadt, er ist mit dem Fahrrad da. Ich mache mich auf den Weg zur S-Bahn.
Gegen 21.00 Uhr sitze ich schließlich wieder auf dem Rad und radele von der S-Bahn-Station aus nach Hause. Wir haben Februar. Es ist aber nicht besonders kalt, ein milder Wind weht und zum Glück regnet es auch nicht. Mein Weg führt im ersten Abschnitt durch ein Industriegebiet, welches an einer großen Kreuzung endet. Hier beginnt das Landgebiet. Eine Hauptstraße führt zwei Kilometer nur geradeaus an zunächst noch vereinzelten Industriegebäuden und dann fast ausschließlich an Feldern und Wiesen vorbei. Danach kommt der Marschweg.
Als ich in diesen einbiege, fallen mir die Hinfahrt und das verlassene Haus wieder ein. Nach kurzer Fahrt auf dem Marschweg rückt es in mein Blickfeld. Nach und nach wird die Front erkennbar, so auch das obere Fenster, in dem heute Nachmittag ein Licht brannte. Das Fenster ist jetzt nur schwach zu erkennen. Es ist bewölkt, nur ein wenig Mondlicht schimmert durch die Wolkendecke. Ein Licht scheint im Fenster nicht zu brennen, das ganze Haus macht wieder einen verlassenen Eindruck. »Muss wohl ein Landstreicher gewesen sein«, assoziiere ich und radele schließlich weiter.
Zur Rechten erstreckt sich eine große Weidefläche. Weiter hinten, auf der anderen Seite der Weide, ragen dunkel Silhouetten vereinzelter Bäume auf. Ich betrachte sie kurz, wende meinen Blick dann aber wieder auf die Straße.
Als ich kurz darauf nach links, zum jetzt auf meiner Höhe befindlichen Haus, schaue, erschrecke ich – in einem der oberen Fenster brennt wieder das Licht!
Ich fahre weiter, werde aber langsamer. Circa 20 Meter vom Haus entfernt halte ich schließlich an, den Blick auf das erleuchtete Fenster richtend. Ein Schauer läuft mir über den Rücken. »Echt gruselig«, denke ich, im nächsten Moment aber schon nach rationalen Erklärungen suchend. Dann ist der Landstreicher eben noch da und hat gerade ein Licht angemacht, folgere ich im Weiteren. Die Erklärung scheint logisch. Ich werde wieder ruhiger, steige wieder auf und fahre weiter. Nach circa 50 Metern schaue ich mich noch einmal zum Haus um. Das Licht ist wieder aus.
»Seltsam, warum war es nur so kurz an?«, frage ich mich. Einem vagen Impuls folgend, halte ich abrupt an, drehe das Fahrrad...
| Erscheint lt. Verlag | 2.10.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | Gesellschaftsroman Gegenwartsliteratur Mystery Twist • Junge Erwachsene New Adult • Mysterien und Unerklärliches Alltagsveränderung • persönlicher Wandel • soft science fiction |
| ISBN-10 | 3-6951-7818-3 / 3695178183 |
| ISBN-13 | 978-3-6951-7818-6 / 9783695178186 |
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