Pyrovandia - Sei deine Flamme (eBook)
356 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-6951-4633-8 (ISBN)
Catherine van Bruce ist eine vielseitige Kreative mit einer großen Leidenschaft für Geschichten in all ihren Formen. Sie arbeitet als Marketingspezialistin für erklärungsbedürftige B2B-Softwareprodukte, ist Sängerin der Rockband Mulberry Sky und Host des Podcasts himmeblabla, einem Spin-Off des himmeblau-Magazins, für das sie mehrere Jahre als Redakteurin tätig war. Geboren 1990 in Rosenheim und aufgewachsen im idyllischen Bruckmühl in Oberbayern, wo sie bis heute mit ihrem Mann und Katze Luna lebt, begleitet sie die Liebe zu Fantasy-Romanen seit ihrer Kindheit. Mit Pyrovandia erfüllt sie sich den lang gehegten Traum einer eigenen Fantasy Saga - und schenkt der Welt eine Geschichte voller Magie und Emotion.
1
13. APRIL 2017 – HELIA
»Ich will nicht lange um den heißen Brei herumreden. Es tut mir leid, Helia, aber ich muss dich leider entlassen.«
Marcus’ Worte hallen in meinem Kopf wider wie ein Echo, das nicht verstummen will.
Hat er das gerade wirklich getan? Hat er mich tatsächlich gefeuert?
»Wow.« Mehr bringe ich nicht heraus. Meine Kehle schnürt sich zusammen, als würde jemand versuchen, mich zu erwürgen. Angst kriecht in mir hoch. Keinen Job mehr zu haben, bedeutet wegfallende Routinen. Das ist nicht gut. Ich zwinge mich, Marcus anzusehen, und merke, wie traurig er aussieht.
Alles halb so wild, Helia. Er hat dir gerade gekündigt, aber du bekommst das hin. Ja, er sieht traurig aus, aber es ist nicht deine Aufgabe, ihn jetzt zu trösten. Deine Aufgabe ist es, dich um dich selbst zu kümmern. Er wird damit klarkommen. Er ist nicht so wie du.
Ich schlucke die aufkommenden Sorgen um meine Zukunft und meine verwirrenden Gefühle meinem Chef gegenüber hinunter und senke den Kopf. Der geflieste Boden des Balkons, auf dem wir sitzen, schimmert im Sonnenlicht gelblich. Normalerweise genießen wir hier draußen als Team unsere Mittagspausen oder gemeinsame Feierabendbiere. Der Anlass heute ist weniger erfreulich.
»Sag doch was«, bittet er mich, doch ich kann nicht.
Ich hole tief Luft und presse erneut ein »Wow« heraus. Mehr geht nicht. Ich weiß nicht, wie man in einer solchen Situation richtig reagiert. Mir wurde noch nie gekündigt. Neue Umstände sind für mich immer schwierig und am liebsten wäre ich gerade allein, um in Ruhe über alles nachdenken zu können.
Aber ich bin nicht allein. Mir gegenüber sitzt Marcus und sieht verzweifelt aus. Mein Herz wird schwer. Vielleicht sollte ich ihn umarmen? Oder sollte er mich umarmen? Das alles ist irritierend. Und zu all diesen Emotionen mischt sich noch die Unsicherheit darüber, wie ich meine nächste Miete zahlen soll.
»Ich hätte es mir denken können«, flüstere ich.
Marcus runzelt die Stirn.
»Seit ich am Montag aus dem Urlaub zurückgekommen bin, bist du mir aus dem Weg gegangen. Mir war klar, dass da etwas im Busch sein muss.«
Mein Hals kratzt. Enttäuschung kriecht in mir hoch, unaufhaltsam wie eine eisige Flutwelle. Ich fühle mich zurückgewiesen. Und das nagt an mir. Die letzten Jahre habe ich so viel Zeit in diese Kanzlei gesteckt, Überstunden geschoben, gelernt, mich in das Team einzufügen. Der letzte Punkt war kein Zuckerschlecken. Nach dem Vorfall war es nicht leicht, mir einen stabilen Alltag und soziale Kontakte aufzubauen. Der Job ist dabei ein wichtiger Anker für mich geworden – und jetzt? Plopp. Weg. Einfach so, als hätte jemand mit einem Dartpfeil einen Luftballon zerstochen.
Marcus steckt sich eine Zigarette in den Mund und zündet sie an. Er raucht immer, wenn er nervös ist. Es knistert, als er den ersten Zug nimmt, der Qualm wabert gemächlich zu mir herüber. Wie gern ich jetzt auch eine rauchen würde, aber dieses Laster konnte ich mir vor Jahren abgewöhnen. Verkrampft versuche ich, das Verlangen nach einer Kippe zu zügeln und die Tränen zurückzuhalten, die sich langsam, aber sicher in meinen Augen sammeln.
Weinen? Nein. Ich bin stark.
»Zu wann kündigst du mir?«, frage ich mit einer Stimme, die mir kratzig und fremd vorkommt.
»Zum 15. Mai«, gibt er zurück und stößt eine kleine Rauchwolke aus. Bevor er weiterreden kann, entfährt mir schon wieder dieses dämliche kleine Wörtchen: »Wow.«
Aber was soll ich sonst sagen? Das geht alles ziemlich schnell. In gerade einmal einem Monat bin ich weg.
Ich brauche einen neuen Job. Am besten sofort. Arbeitslosigkeit wäre der Anfang vom Ende für mich. Auf keinen Fall darf ich in ein Loch fallen … Wie viele Steuerkanzleien gibt es wohl im näheren Umkreis? Und wie viele davon suchen aktuell eine Steuerfachangestellte?
Während ich innerlich aufgewühlt meine Jobchancen abwäge, zieht Marcus erneut an seiner Zigarette.
»Es tut mir leid«, sagt er noch mal leise, fast gebrochen.
Das glaube ich ihm. Und am liebsten würde ich ihn jetzt doch in die Arme nehmen, um ihn zu trösten, erkenne aber die Ironie der Situation. Eigentlich bist du diejenige, die getröstet werden sollte.
Ich kann es nicht ertragen, wenn es Personen um mich herum schlecht geht – schon gar nicht, wenn ich der Grund dafür bin. Ich mag Harmonie. Will, dass sich alle wohlfühlen. Und so passe ich mich meiner Umgebung immer entsprechend an. Das ist anstrengend, sorgt aber dafür, dass es mir besser geht.
»Ist schon gut, Marcus. Verrätst du mir noch den Grund?«, frage ich schließlich und schenke ihm ein kleines Lächeln. »Warum muss ich gehen? Vor ein paar Wochen hast du noch von neuen Plänen für die Kanzlei gesprochen. Außerdem sollte ich doch demnächst mit der Weiterbildung zur Steuerfachwirtin starten.«
Marcus seufzt. »Uns sind gerade zwei große Mandanten abgesprungen, deswegen bin ich dazu gezwungen, Personalkosten zu reduzieren. Ich habe gehofft, dass ich nie in diese Lage komme, aber es geht nicht anders. Du bist die einzige Angestellte ohne Kinder, daher … Ich hoffe, du kannst das verstehen.«
Ich verstehe es. Natürlich. Das ist das Problem. Ich verstehe immer alles. Und um zu kämpfen, fehlt mir gerade die Kraft. So wahre ich den Schein, es ginge mir einigermaßen gut, um ihm die Situation ein wenig leichter zu machen.
»In Ordnung«, gebe ich knapp zurück und zwinge mich innerlich zur Ruhe. »Ich muss das jetzt erst mal sacken lassen. Ist es okay, wenn ich Feierabend mache?«
Marcus nickt. Ich stehe auf und gehe in das Großraumbüro. Mein Kollege Nick sieht mich an und Bestürzung zeichnet sich in seinem Gesicht ab. Sein Schreibtisch steht neben der Balkontür. Vermutlich hat er alles mitbekommen.
Ich schüttele den Kopf. Auf keinen Fall will ich Mitleid. Zwar steigt die Trauer über den Jobverlust weiter in mir auf, aber hier werde ich ihr sicher nicht freien Lauf lassen.
»Mir geht’s gut, wirklich.«
»Alles klar«, murmelt Nick besorgt und presst die Lippen aufeinander. »Du kannst dich jederzeit melden, Helia.«
Meinen Rucksack fest umklammert, rufe ich möglichst fröhlich »Tschüss, bis morgen!« in die Runde und verlasse das Gebäude.
Draußen empfängt mich ein lauer Frühlingswind. Ich verharre für einen Moment orientierungslos. Was jetzt? Mein Blick fällt auf meine Armbanduhr. Der Zug ist schon weg. Also gut. Kaufhaus. Ablenkung.
Während ich gehe, tippe ich eine Nachricht an Mat:
Wurde gerade gefeuert. Ruf mich an, sobald du kannst. Love u.
Kaum drücke ich auf Senden, klingelt auch schon mein Handy. »Hey«, hauche ich.
»Helia, alles okay?« Mat klingt besorgt.
»Mir wurde gerade gekündigt. Und ich bin ehrlich ziemlich durch den Wind.«
»Oh, Babe … Ich hole dich ab. Wo bist du?«
Er ist unglaublich. Ich bin so froh, dass ich ihn habe. Mat ist mein Ruhepol. Mein sicherer Hafen, wenn alles den Bach runtergeht. Er ist der einzige Mensch, bei dem ich mich nie verstellen muss, der mich so nimmt, wie ich bin.
»Du bist der Beste. Danke! Ich besorge mir etwas zu trinken und setze mich in den Park. Pingst du mich an, wenn du da bist?«
»Alles klar, ich beeile mich!«
Im Kaufhaus entscheide ich mich für ein eiskaltes Bier und eine Tafel Schokolade. Beides fühlt sich gerade nach Trost an. Im nahe gelegenen Park finde ich einen freien Platz und öffne die Flasche mit meinem Taschenmesser.
Auf der Bank gegenüber sitzt ein junges Pärchen, neben dem ein Kinderwagen steht. Als der Kronkorken poppt, sehen sie mich irritiert an. Oh weh. Ich passe wohl eher weniger in ihr perfektes Weltbild. Zerfetzte Shorts, ein ausgewaschenes schwarzes Shirt, abgewetzte Chucks, die langen braunen Haare mehr schlecht als recht zu einem Messy Bun gebunden. Einige meiner Tattoos blitzen zudem unter meiner Kleidung hervor.
Gedankenverloren fahre ich über die Tätowierung an meinem linken Unterarm. Eine brennende Rose. Ich habe sie mir nach meinem 18. Geburtstag stechen lassen, gleich nachdem – schnell schiebe ich den Gedanken weg und nehme einen großen Schluck. Meine Kehle jubelt. Die Schokolade überlebt exakt viereinhalb Minuten. Danach geht es mir minimal besser.
Das Pärchen starrt immer noch. Instinktiv ziehe ich den Kopf ein und mache mich klein. Mit Aufmerksamkeit auf meine Person konnte ich noch nie gut umgehen. Ich versuche, sie zu ignorieren und schließe die Augen. Die warme Frühlingssonne prickelt auf meiner Haut.
Alles wird gut. Eine Kündigung ist kein Weltuntergang. Ich habe Mat. Ich bin nicht allein.
Neben mir raschelt es im Gebüsch. Ich öffne die Augen und registriere eine Bewegung rechts von mir. Ein schwaches, blaues Flackern in einem Strauch erregt meine Aufmerksamkeit. Verunsichert schüttele ich den Kopf. Nein. Das kann nicht sein. Ich sehe genauer hin,...
| Erscheint lt. Verlag | 29.9.2025 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Pyrovandia |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | chosen one • Fantasy • Prophecy • Romantasy • Slow Burn |
| ISBN-10 | 3-6951-4633-8 / 3695146338 |
| ISBN-13 | 978-3-6951-4633-8 / 9783695146338 |
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