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(M)achtlose Demokraten -  Dieter Harrsen

(M)achtlose Demokraten (eBook)

Meine Zeitreise als Redakteur (1830-1850)
eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
420 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-8192-4002-7 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
9,99 inkl. MwSt
(CHF 9,75)
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Woran scheitert die Demokratie im 19. Jahrhundert? Welche Wechselwirkungen bestehen zum sinnlosen "Bruderkrieg" im dänischen Gesamtstaat? Antworten findet Dieter Harrsen in seiner Zeitreise. Als Redakteur durchlebt er fiktiv die Jahre von 1830 bis 1850. Authentisch beschreibt der Autor mit zahlreichen Zitaten aus historischen Dokumenten, Schriften und Zeitungen die damaligen "Frühlingsjahre" der Demokratie. Verbunden mit zahlreichen analytischen Betrachtungen zu bedeutenden Personen jener Zeit wie Uwe Jens Lornsen, Harro Harring, Jungbohn Clement, Reimer Claussen, Wilhelm Beseler, Theodor Olshausen, Orla Lehmann, Anders Ørsted, Peter Hiort Lorenzen, Robert Blum, Johann Jacoby, Karl Marx und dem jungen Otto von Bismarck. Das Buch schließt mit der Erkenntnis: "Demokraten brauchen gute Soldaten!"

Der Autor ist 1958 auf der Insel Pellworm geboren und aufgewachsen. Seine ersten "politischen Erfahrungen" machte er als Mitbegründer und Redakteuer einer Schülerzeitung. Im Alter von 16 Jahren beginnt Dieter Harrsen in Husum eine Ausbildung beim Kreis Nordfriesland. Nachdem er dort zahlreiche Abteilungen durchlaufen hat, folgt 1991 die Berufung zum Leitenden Verwaltungsbeamten für Pellworm und die dazugehörenden Halligen. 2007 wird Dieter Harrsen bei einer Direktwahl zum Landrat des Kreises Nordfriesland gewählt. Er übt dieses Amt zwölf Jahre aus. Sein Motto für Demokratie und Meinungsfreiheit lautet in Anlehnung an Voltaire bis heute: "Auch wenn ich nicht deiner Meinung bin, werde ich alles dafür tun, dass du sie jederzeit frei äußern kannst!"

Prolog


Früh habe ich durch Elternhaus und Schule auf meiner Heimatinsel Pellworm den Zugang zur Politik gefunden. Vor allem die wöchentlich von der Schuldirektorin verwaltete Bücherei enthielt Schätze fürs Leben.

Die dicken Bände über Konrad Adenauer, Carlo Schmid und John F. Kennedy habe ich bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad nach Hause balanciert. Dort verschlang ich die wertvolle Fracht in ruhigen Ecken unseres Bauernhofes. Meine Eltern förderten mein Interesse zusätzlich: Sie schenkten mir das über 400 Seiten starke Buch „Die große Flut: Chronik der Insel Strand“.

Waldemar Augustiny beschreibt dort authentisch die Ursachen des Unterganges der Insel Strand im Jahre 1634. Faszinierend war für mich nicht nur der schicksalhafte ewige Kampf mit den Naturgewalten, sondern auch die genaue Beschreibung der friesischen Selbstverwaltung.

Ich durfte schnell die demokratische Besonderheit Nordfrieslands erkennen. Wer Deiche baut, kann das nur mit den Nachbarn zusammen. Benötigt verbindliche Regelungen, die sich auf die Einbindung und Akzeptanz aller Grundstückseigentümer gründen.

Von meiner Großmutter Dorothea erfuhr ich zudem viel über ehemalige Ratmänner in unserer Familie. Jene Ratmänner, die bei Augustiny so eindrucksvoll als verantwortliche, aber auch mit Fehlern behaftete Kommunalpolitiker beschrieben werden. Ich spürte früh, mich als Erwachsener im Sinne dieser friesischen Tradition für die Allgemeinheit einsetzen zu wollen.

Meine starke Partnerin Marina hat dieses Engagement von Beginn an unterstützt. Wir sind auch politisch stets auf einer Wellenlänge geblieben. Haben uns schon in der Schulzeit „kennen gelernt“. Ich erinnere mich an eine Begebenheit während der gemeinsamen Schulreise in Berlin: Wir blicken von einer Anhöhe in den Ostteil der Stadt. Sind uns einig: „Viele fühlen sich im Westen der DDR überlegen. Aber nicht wegen der Freiheitsrechte, sondern leider in erster Linie wegen des größeren Wohlstandes!“

Das beschäftigt uns bis heute. Sind wir insgesamt ausreichend bereit, unsere Demokratie und unsere Werte gegen Anfeindungen von innen und außen zu verteidigen? Oder droht gar ein Rückfall ins 19. Jahrhundert?

Es lohnt sich deshalb, diese besondere Zeit näher kennenzulernen. Wo die Macht von Königshäusern und Militär das Schicksal der Völker bestimmte.

Auf diese Zeitreise habe ich mich begeben. Dabei bleibe ich heimisch im Herzogtum Schleswig. Denn dessen Schicksal hat die deutsche und europäische Politik in der Mitte des 19. Jahrhunderts mehr als jede andere Region beeinflusst.

Welche persönliche Rolle sollte ich einnehmen? Der eines Redakteurs schien mir am geeignetsten. Auf der Schnittstelle zwischen öffentlicher Meinung und handelnder Politik. Mit allen Herausforderungen. Vor allem durch die staatliche Zensur.

Als Quellen konnte ich tausende Seiten von Schriften, Büchern und vor allem Tageszeitungen auswerten. Nach täglichem Studium manchmal in Träumen die damalige Zeit „durchleben“.

Mein besonderer Dank gilt meiner Partnerin Marina. Sie hat in den vergangenen fünf Jahren akzeptiert, dass ich täglich für einige Stunden abwesend und im 19. Jahrhundert unterwegs war.

Aus all den dort gewonnenen Informationen und Eindrücken sind die nachfolgenden Erinnerungen entstanden:

1. Erinnerungen aus den Kisten

Beim Schreiben dieser Memoiren – in den Jahren 1872/73 - stehe ich vor einer großen Herausforderung: Über fast alle Jahre hindurch habe ich Rücksicht auf die Zensur genommen. Schon die eigenen Gedanken waren davon betroffen. Das soll für dieses Buch nicht gelten. Die „Schere im Kopf“ muss verschwinden.

Ich werde das Buch dem ältesten Sohn meines Bruders übergeben. Möge er oder mögen seine Nachfahren entscheiden, wann selbst die Preußen die Zensur so gelockert haben, dass dieses Buch erscheinen kann.

Offensichtlich ist die Zeit gekommen. Sonst hätten sie das Buch nicht in ihren Händen.

(Hinweis des Großneffen: Wir haben das Buch ungekürzt ein Jahr nach Bismarcks Tod im Jahre 1899 veröffentlicht.)

Meine berufliche Zeit als Redakteur beginnt 1831. Wir durchleben Hoffnungen und Enttäuschungen im Wechsel. Ich schreibe bewusst „wir“. Meine Frau Mille ist bis heute meine starke Partnerin. Von ihrer dänischen Mutter selbstbewusst und emanzipiert erzogen.

Wir haben ein großes privates Archiv angelegt. Fast 100 Kisten. Sie sind nummeriert und nach Datum sortiert. Mit dem Sammeln und Sortieren beginnen wir schon in den ersten Berufsjahren. Es ist unsere Möglichkeit, mit der Zensur umzugehen. So geht nichts verloren. Freiheit, wenigstens in den Kisten.

Das ist jetzt unser großer Schatz. Auch für dieses Buch. Wir berichten so nicht nur aus der Erinnerung, sondern aus der Mitte der Aufzeichnungen und gesammelten Presseberichte. Vor allem aus der „Kölnischen Zeitung“ haben wir viele Artikel ausgeschnitten. Oft sogar ganze Ausgaben abgelegt.

Für dieses Buch haben wir unsere Dokumente und Erinnerungen bis 1850 zusammengefasst. Jene Jahre, die im Kampf um die Demokratie die Machtverhältnisse der nächsten Jahrzehnte geprägt haben. Wir blicken auch auf vergangene Jahrhunderte zurück. Nur so sind diese besonderen Jahre des Umbruchs zu verstehen.

Den Beruf des Redakteurs haben wir stets gemeinsam als politische Mission gesehen. Auch Mille hat recherchiert und eigene Beiträge veröffentlicht. Meist anonym, weil Frauen bis heute weder Wahlrecht noch eine eigene politische Meinung zugestanden wird.

2. Der Inselfriese und die Dänin

Früh steht fest, dass Mille keine Kinder bekommen kann. Nach einer Fehlgeburt. Die Trauer ist riesig. Mille will, dass ich neu heirate. Das kommt für mich nicht infrage! Mille ist meine Jugendliebe. Ich habe von Anfang an gespürt, dass sie die Richtige ist. Vor allem ihr großes Einfühlungsvermögen ist eine besondere Gabe. Und ihr Ehrgeiz, sich jeder Herausforderung stellen zu wollen!

Mille hat ihren Vater nicht wirklich erlebt. Sie war noch im Säuglingsalter, als er starb. Seitdem war ihr Onkel bis zur Heirat ihr bestellter Vormund. Zumindest auf dem Papier. Tatsächlich regelte ihre emanzipierte Mutter Jette alles.

Mille ist nicht nur selbstbewusst, sondern ausgesprochen tolerant. Geprägt von ihrer Kindheit in Flensburg. Einer Stadt, die vom selbstverständlichen Miteinander der Kulturen profitiert. Diese Erfahrung fehlt mir als „isoliertem“ Inselfriesen zunächst.

Ich bin und bleibe aufgrund meiner Herkunft und den frühen Diskussionen mit dem ersten Rathmann meiner Heimatinsel zuvorderst ein „glühender Nordfriese“. So wie Mille mir die Wertschätzung der kulturellen Vielfalt vermittelt, kann ich sie davon überzeugen, dass Nordfriesland eine demokratische Schlüsselrolle zukommt. Durch die hier früh praktizierte Form der kommunalen Selbstverwaltung sind kleine Republiken entstanden. Diese können für die künftige Verfassung des Gesamtstaates Dänemark ein gutes Vorbild sein.

Meine Kindheit ist von der Insel Pellworm geprägt. Der bereits erwähnte erste Rathmann der Insel ist unser Nachbar Novock Friedrichsen. „Onkel Novock“ erkennt früh meine politische Neigung. Schenkt mir die beiden Bände von Greorgi Leti über das Schicksal von Oliver Cromwell. So lerne ich früh, warum die englische parlamentarische Demokratie dem übrigen Europa noch heute voraus ist. Gleichzeitig zeigt das Schicksal Cromwells aber auch, dass das Militär zum „Staat im Staate“ werden kann. Die Bücher begleiten mich in den nächsten Jahrzehnten. Ich sehe später viele Parallelen - vor allem mit Preußen.

Ich darf „Onkel Novock“ bei einigen Terminen begleiten und mit ihm über die Gemeindeangelegenheiten diskutieren. Früh wird mir bewusst, dass er ein „Voltaire auf Pellworm“ ist. Nicht nur äußerlich erinnert er mit seinem langen Zopf, den Kniehosen und den silbernen Knöpfen an den berühmten französischen Philosophen. Auch seine liberalen und modernen Ansichten heben sich von der ansonsten konservativen Inselgemeinschaft ab.

Meine frühesten Kindheitserinnerungen führen zum Eiswinter des Jahres 1813: Die hohen Eisschollen an den Außendeichen, verbunden mit den anschließenden großen Deichschäden, als bei Tauwetter die Stürme einsetzen. Ebenso die Freude und Erleichterung in der Familie, als das Wasser in einer Nacht auf dem Höhepunkt rechtzeitig zurückgeht.

Die Katastrophe von 1825 erlebe ich als Jugendlicher. Mehrere Deichbrüche versalzen die gesamte Insel. Seither hat salzfreies Trinkwasser für mich einen besonderen Wert. Ich stelle, egal wo ich gerade bin, bei Regen jedes verfügbare Behältnis auf.

Von Anfang an ist klar, dass ich später nicht auf Pellworm politisch wirken kann. Das Wahl- und Stimmrecht ist an Grundbesitz gebunden. Mein älterer Bruder...

Erscheint lt. Verlag 29.9.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Historische Romane
Schlagworte 19. Jahrhundert • Demokratie • Frankfurter Paulskirche • Gesamtstaat Dänenmark • Uwe Jens Lornsen
ISBN-10 3-8192-4002-0 / 3819240020
ISBN-13 978-3-8192-4002-7 / 9783819240027
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