Aufgebrochen.
GNT Publishing GmbH (Verlag)
978-3-86225-148-3 (ISBN)
1969 beginnt in Jena ein Physiker-Jahrgang sein Studium. Er geht durch DDR, Wende und Gegenwart, erlebt Brüche, Aufbrüche und Erfolge. 37 Porträts zeigen aus erster Hand, wie ostdeutsches Know-how dieses Land mitprägte.
Wir erfahren von Laserforschung an der Universität, Hochleistungsoptik aus der Lichtstadt Jena, Mikroelektronik in Erfurt und Polymerforschung in Dresden. Wir begegnen den Entwicklern der Multispektralkamera und des Sternsensors, des DDR-Mikroprozessors, des Infrarot-Spektrometers im James-Webb-Teleskop und der Hightech-Keramik aus Hermsdorf; wir befragen Menschen, die Verwaltung, Umweltschutz und neue Einrichtungen in der ehemaligen DDR und nach der Wende voranbrachten.
Wer sich in "MINT" bewegt - Mathematik, Ingenieur- und Naturwissenschaften sowie Technik -, lernt Ungewissheit zu meistern. Daraus entsteht Haltung. Daraus entsteht Gestaltungskraft. Daraus entsteht Motivation.
Was dieses Buch authentisch zeigt:
- Wie Expertise aus dem Osten in Raumfahrt, Mikroelektronik, Polymer- und Lasertechnik Weltmarktprodukte formt.
- Wie Zivilcourage, Ausreise und Friedensarbeit Biografien öffnen.
- Wie MINT als Denkwerkzeug durch Krisen trägt und Türen in neue Karrieren aufstößt.
Der Autor und Fotograf Roland Hensel, selbst Teil dieser zum sozialistischen Aufbau reformierten "Matrikel 69", hat zahlreiche Gespräche geführt, Porträts aufgenommen und ein vielstimmiges Panorama ostdeutscher Lebenswege geformt: Klar im Blick, reich an Einsichten, ermutigend für Zeiten des Umbruchs. Ein Kompendium von Ost-Erfahrungen für ein Deutschland der Zukunft.
Weitere Infos: Aufgebrochen.org
1950 geboren in Greiz, Abitur mit Facharbeiterabschluss als Maschinenbauer, Studium der Physik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena 1973 Diplomarbeit bei Carl Zeiss Jena, Abteilung für Numerische Werkzeugmaschinen 1980 Spezialschule für Fotografie 1988 Journalist in Wirtschaft und Verwaltung, Köln 1973–1986 Kundendienstingenieur bei Carl Zeiss Jena, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zentralen Geologischen Institut Berlin, freiberuflicher Bildjournalist und Fotograf 1986 Ausreise in Bundesrepublik 1988–2010 Technischer Redakteur, Senior Kommunication Manager, Pressesprecher bei Siemens in Erlangen Seit 2010 freiberuflicher Fachjournalist und Fotograf.
Über Lebenswege von Menschen, die 1969 anfingen, in Jena Physik zu studieren.
Dieses Buch zeichnet die Lebenswege höchst unterschiedlicher Menschen auf. Sie alle eint, dass sie 1969 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena ein Physikstudium begannen und es erstmals in nur vier statt fünf Jahren abschließen mussten. Freude an Naturwissenschaften und Technik sowie Neugier auf kommende Herausforderungen waren wesentliche Triebfedern für diese sportliche politische Vorgabe. Es war eine Zeit, als Astronomie und Raumfahrt en vogue waren, Kernkraft als Energie der Zukunft galt und ein Studium der Naturwissenschaften beliebt war. Die jungen Leute entwickelten im Studium Beharrlichkeit, Durchhaltewillen und hohe Frustrationstoleranz - Eigenschaften, die sie auf ihrem späteren Berufsweg vielfach benötigen würden.
Alle waren sie Kinder der ersten Nachkriegsgeneration. Ihre Eltern hatten Krieg, Flucht und Vertreibung, Hunger und Not kennengelernt. Dies prägte deren Erziehungsstil. Und so entwickelten auch die Kinder Willenskraft und Resilienz, um Rückschläge zu bewältigen und Ziele zu erreichen. Aufgeben war keine Option. Wer zum Beispiel damals das Abitur ablegen wollte, hatte gleichzeitig auch einen Beruf zu erlernen. Und so wurden die künftigen Physiker zunächst Maurer, Weber, Elektriker, Schlosser oder Maschinenbauer, Molkereiarbeiter, Gärtner oder Krankenschwester. Die meisten der hier Porträtierten empfanden die Lehrzeit als Bereicherung.
Die Friedrich-Schiller-Universität Jena war ein Vorreiter bei der Durchführung der 3. Hochschulreform der DDR. Um innerhalb von nun vier Jahren ein naturwissenschaftliches Studium mit dem Diplom abzuschließen, brauchte es einen heute kaum mehr nachvollziehbaren, streng getakteten Studienablauf. Dazu gehörte auch eine 70-Stunden-Woche von montags früh bis Samstagmittag.
Weil viele Studenten zu Studienbeginn noch keinen Wehrdienst abgeleistet hatten, wurden außerdem Wehr- und Zivilschutzdienst integraler Bestandteile des Studiums. Natürlich hatte jeder seine eigene Einstellung zum Staat und definierte für sich rote Linien, die er nicht überschreiten wollte. Und wer aus christlicher Überzeugung den Dienst an der Waffe verweigerte, wurde einfach exmatrikuliert.
Trotz des engen Zeitkorsetts organisierten die Physikstudenten ein Kulturpraktikum im Thüringer Wald, einen Physikerfasching in der Mensa, sie gründeten die bis zur Wende äußerst erfolgreiche Konzertreihe "Musik im Hörsaal" und fuhren in den Sommerferien zusammen nach Bulgarien. Nicht alles war im Sinne der FDJ-Organisation und der Hochschulleitung. Doch Schwierigkeiten räumten sie entschlossen aus dem Weg. Auch das war wegweisend. Dies und das gemeinsame Zusammenleben auf engstem Raum in Studentenbaracken mit Vierbettzimmern prägten ein Gemeinschaftsgefühl, das bis heute gelebt wird und für heutige Verhältnisse ungewöhnlich ist.
Nach dem Studium wies die staatliche Absolventenlenkung - eine zentrale Zuweisungspraxis in der DDR - den frisch diplomierten Physikern Arbeitsstellen in Betrieben der gesamten DDR zu. Für treue Genossen unter den Hochbegabten vergab die Sektion Forschungsstipendien; alle anderen konnten sich an anderen Hochschulen oder Instituten bewerben, um zu promovieren oder habilitieren. Letztendlich arrangierte man sich, heiratete, wartete auf eine Wohnung und erzog seine Kinder. Nur wenige entschieden sich für einen anderen Weg. Sie sattelten um, ergriffen einen anderen Beruf oder verließen die DDR - teils durch Flucht, teils durch Ausreiseantrag.
1989 leitete der Fall der Mauer den Zusammenbruch der DDR ein. Dieses einschneidende Ereignis zerstörte bis dahin geradlinig verlaufende Karrieren. In strukturschwachen Gebieten gab es von einem Tag auf den anderen keine Arbeitsplätze mehr. Kombinate wie Carl Zeiss Jena, die Keramischen Werke Hermsdorf oder Robotron schickten Tausende von Mitarbeitern in die Arb
| Erscheinungsdatum | 25.10.2025 |
|---|---|
| Verlagsort | Berlin |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 167 x 240 mm |
| Gewicht | 814 g |
| Themenwelt | Literatur ► Biografien / Erfahrungsberichte |
| Schlagworte | Akademie der Wissenschaften der DDR • Astronomieunterricht • Berufsbiografie • Bildungsgeschichte • Biografie • Biomedizintechnik • Carl Zeiss Jena • CMOS-Technik • DDR • DDR-Bildungssystem • DDR-Industrie • DDR-Wissenschaftspolitik • Elastomere • Erfurt • Fotolithografie • Frauen in der Wissenschaft • Fraunhofer IKTS • Fraunhofer IOF (Jena) • Free Jazz • Friedrich-Schiller-Universität Jena • Funkwerk • Hans-Knöll-Institut (HKI) • Hermsdorf Keramik • Hochleistungsoptik • Hochschulreform (DDR) • Holographie • Industriegeschichte • Integrierte Optik • Interferometrie • IPHT • IPHT Jena (Leibniz-Institut) • Jena • Jena-Optronik • Jenoptik • Keramische Werke Hermsdorf • Kernkraftwerk Lubmin • Kernkraftwerk Stendal • Kohärenzoptik • Kristallzüchtung • Lasermaterialbearbeitung • Lasertechnik • Linsenloses Mikroskop • Lufthygiene • Medizintechnik • Mikroelektronik (DDR) • Mikrooptik • Mikroskopie • MINT • Multispektralkamera • Musik im Hörsaal • Nationalpreisträger • Nd:YAG-Laser • NIRSpec (James-Webb-Teleskop) • Oral History • Ostdeutschland • Physik • Physik-Biografie • Physikdidaktik • Polymerwerkstoffe • Porträt • Prozessorentwicklung • Raumfahrt (DDR) • Raumfahrt (Sensorik) • Reifenforschung • Republikflucht • Robotron • Sammelband • Sollbruchstelle • Staatssicherheit • Stasi • Strahlenschutz • Systembiologie • Thüringen • Thüringer Forschungspreis • Transformation nach 1990 • Transformationsprozesse • Treuhand • Tschernobyl 1986 • Ultrakurzzeitspektroskopie • Umweltpolitik (DDR) • Wende 1989/90 • Wiedervereinigung • Wissenschaftsgeschichte • Wissenschaftskommunikation • X-Fab • Zeiss-Planetarium Jena • Zeitgeschichte • ZIMET • Zukunftspreisträger |
| ISBN-10 | 3-86225-148-9 / 3862251489 |
| ISBN-13 | 978-3-86225-148-3 / 9783862251483 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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