Die Legende von Moira: Sophia (eBook)
388 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-8192-7373-5 (ISBN)
A. J. Kavka war schon als Kind ein Fan von Paralleluniversen und den unendlichen Möglichkeiten, die sich durch jene eröffnen. Die Liebe zur Science-Fiction ist bis ins Erwachsenenalter geblieben und inspirierte A. J. schlussendlich zur Trilogie »Die Legende von Moira«, in der es um Themen wie den Klimawandel sowie den verantwortungsvollen Umgang mit unseren Ressourcen und neuen Technologien geht. Hierbei werden wissenschaftliche Erkenntnisse, neue Konzepte zur nachhaltigen Stadtplanung und Belletristik miteinander verbunden, um sie greifbarer zu machen und Lösungen für eine bessere Welt von Morgen aufzuzeigen.
KAPITEL 2:
42 IST NICHTD IE ANTWORT AUF ALLES
»Darauf zu hoffen, dass es eine Antwort auf alle Fragen gibt, ist einfach zu verlockend. Dass die Menschheit jene eines Tages auch erhalten und verstehen wird, grenzt jedoch an Dummheit und Arroganz.« (Alex, Erde 1776)
Erde 1, 2029 nach Christus, zwei Wochen nach Apophis
Rebecca rappelt sich nach ihrem Sturz wieder auf.
»Sie ist auf. Das bedeutet …« Sie sieht Tim mit einem mulmigen Gefühl an, als würde sie erst jetzt die Tragweite der Ereignisse begreifen.
»… nichts Gutes«, beendet er ihren Satz.
Auch wenn sie es nicht zugeben wollen, machen sie sich nun doch Sorgen. Sie mögen keine echten Freunde von Alexander sein, aber sie fühlen sich ihm dennoch verbunden. Jener würde das nicht verstehen, angesichts der Dinge, die nur Monate später passieren werden, aber er ist nicht hier. Also gehen Rebecca und Tim nun vorsichtig durch das Haus, in dem sie vor einer Weile noch zum Kaffeetrinken waren. Sie laufen durch das ganze Haus, doch Alexanders Eltern sind genauso spurlos verschwunden wie einst er selbst.
***
Nachdem sie alle Räume abgesucht haben, landen sie in Alexanders Jugendzimmer. Es wirkt fast, als hätte er bis zu seinem Verschwinden noch darin gewohnt. Zumindest haben seine Eltern die Sachen aus seiner Wohnung dort untergestellt als wäre er noch bei ihnen. Rebecca und Tim gruselt es ein wenig, aber nach kurzem Zögern durchsuchen sie das Zimmer und finden eine Kiste mit Aufzeichnungen unter Alexanders Bett. Sie setzen sich hin und sehen die Notizen durch. Sie entdecken nicht viel Neues, weil sie von den meisten Unterlagen bereits Kopien haben, aber sie finden ein Buch von Douglas Adams in der Kiste. Rebecca schlägt eine Seite auf, die mit einem Post-it versehen ist. Sie findet eine handschriftliche Anmerkung am Rand und liest sie vor.
»42 ist die Antwort auf alles.8« Sie sieht Tim stirnrunzelnd an, weil sie die Geschichte nicht kennt. »Weißt DU, was das bedeutet?«, fragt ihn Rebecca.
»Ich würde ja im Internet nachschauen, aber …«, meint Tim nur kopfschüttelnd und sieht dabei auf seine Hosentasche, wo sich sonst sein Smartphone befunden hat.
Sein kompakter Computer, sein virtuelles Gedächtnis, um sich Telefonnummern, Geburtstage und Termine zu merken. Es ist sein Gesundheitsberater, der ihm sagt, dass er noch nicht genug Schritte gegangen ist oder zu wenig geschlafen hat. Es ist sein Kommunikator, um mit dem Rest der Welt sprechen oder schreiben zu können. Es ist sein Zahlungsmittel, das er nur vor einen Sensor halten muss, um zu bezahlen. Es ist sein Einkaufsberater, weil es ihm ständig anzeigt, wo er das gewünschte Produkt am günstigsten erwerben kann und ob es Alternativen dazu gibt. Zudem sind die eingebauten Kameralinsen seine Augen, die seine Umgebung betrachten oder ihm den Weg zeigen. Es ist einfach eine schier unerschöpfliche Quelle des Wissens. Und was er durch dieses Gerät alles weiß, selbst, wenn er es gar nicht wissen will: Wie schlecht sein Lebensstil ist, dass er zu viel oder zu wenig isst, dass er noch nicht die neuesten Produkte besitzt, dass es Verschwörungstheorien gibt, die Menschen früher oder später töten oder wie viele Events der eigene Freundeskreis ohne ihn besucht. Es ist, als gäbe es kein Leben ohne dieses Gerät, dabei gibt es in Wahrheit kein echtes Leben MIT diesem Gerät. Das allerdings würde der jungen Aktivist:innengruppe nicht mehr klar werden, denn nur Monate später werden sie nicht mehr existieren.
Stattdessen fragen sich Rebecca und Tim gerade, wie sie am besten herausfinden können, was dieses Zitat bedeutet. Sie müssen jedoch feststellen, dass sie ohne Internet nichts weiter tun können als die Kiste mitsamt der Unterlagen mitzunehmen. Sie können dieses Rätsel schließlich auch im Bunker lösen. Sie sehen sich trotzdem noch einmal in seinem Zimmer um. Erst da wird ihnen bewusst, dass bereits Menschen vor ihnen hier gewesen sein müssen. Die angelehnte Haustür und das vorgefundene Chaos lassen jedenfalls keinen anderen Schluss zu. Alexanders Bücher haben sie zum Glück nicht angerührt, deshalb blicken Rebecca und Tim nun auf ein Regal, das gegenüber vom Bett an der Wand hängt. Als sie sich weiter umsehen, entdecken sie, dass neben dem Bett ebenfalls Kisten voller Bücher stehen. Da sie sich im Bunker eine Bibliothek angelegt haben, stöbern sie alle Kisten durch, um ihnen sinnvoll erscheinende Bücher mitzunehmen. Sie haben zwar ein schlechtes Gewissen, aber ein Eintrag im Kalender in der Küche lässt sie glauben, dass Alexanders Eltern wie jedes Jahr Silvester am Brandenburger Tor gefeiert und jene Nacht wie die meisten anderen nicht überlebt haben. Sie werden also kaum die gesammelte Literatur ihres verschwundenen Sohnes vermissen, dafür kann jene ihnen aber noch helfen. Er verfügt immerhin über eine beachtliche Büchersammlung aus allen möglichen Fachrichtungen, die ihre kleine Bibliothek perfekt ergänzen würde. Ihr einziges Problem ist nun, diese zu Fuß zum Bunker zu transportieren. Sie packen also so viele Bücher, wie sie tragen können, in ihre großen Trekking-Rucksäcke. Anschließend streifen sie noch ein letztes Mal durch das Haus, müssen aber feststellen, dass jegliche Kleidung und Nahrungsmittel geplündert wurden und entdecken im Wohnzimmer ein Bild von Alexander und seinen Eltern, das sie ebenfalls mitnehmen. Dann verlassen sie das Haus und machen sich auf den Rückweg.
***
Kurz vor Sonnenuntergang kommen erst Rebecca und Tim und dann die beiden anderen Aktivisten wieder im Bunker an. Ihnen allen ist der Schock anzumerken. Deshalb machen sie sich schweigend daran, die Suppen und Eintöpfe, die die anderen in der Zwischenzeit gekocht haben, in große Behälter abzufüllen und ihre nachhaltig entwickelten Schüsseln aus Bambus sowie Löffel und Suppenkellen auf einen alten Bollerwagen packen. Sie ziehen ihn vorsichtig durch den U-Bahn-Tunnel und halten währenddessen die Behälter fest, damit nichts herausschwappt. Sie kommen nur sehr langsam voran, sodass es bereits dunkel ist, als sie endlich über der Erde angekommen sind.
Auch oberhalb ist der Weg beschwerlich, doch nach einer Weile sind sie in Berlin-Mitte angekommen und versuchen, mithilfe spezieller Taschenlampen den Weg zu beleuchten. Schließlich entdecken sie eine Gruppe von Menschen, die gerade Trümmer zur Seite räumen. Bei diesen Wintertemperaturen muss jenen sehr kalt sein, vielleicht auch deshalb ziehen sie es vor, sich körperlich zu betätigen, um sich aufzuwärmen. Als sie die kleine Gruppe mit dem Bollerwagen und den Suppenbehältern entdecken, nähern sie sich ihr. Sie genießen die heiße Suppe und den Eintopf, als hätten sie seit Tagen oder Wochen nichts mehr gegessen — vermutlich, weil es genauso ist. Als die Behälter schließlich leer sind und sich die Gruppe auf den Rückweg macht, sind sie so erschöpft von den Eindrücken des Tages, dass sie kein Wort sprechen.
***
Erst, als sie später im Bunker ankommen, sich die Kleidung ausziehen und selbst eine Portion Suppe gegessen haben, um sich aufzuwärmen, wird ihnen bewusst, was da draußen los ist. Was dort oben seit Wochen geschieht. Aber noch immer können sie nichts anderes tun als zu schweigen. Rebecca und Tim ziehen sich deshalb auf ihre Betten zurück und lesen sich die Aufzeichnungen von Alexander durch. Einige von ihnen kennen sie bereits, andere dagegen sind neu für sie. Sie fühlen sich urplötzlich in eine andere Welt versetzt. Vielleicht fühlen sie sich auch nur so, weil sie einfach nicht wahrhaben wollen, dass sich das grausame Bild über der Erde nun ihre Realität nennt.
Erde 42 (Erde 1: 2029 nach Christus, zwei Wochen nach Apophis)
Auch Rahel und Alexander werden jetzt grausam von der Realität überrascht. Sie sitzen beim Arzt und ihnen gefällt die Antwort nicht, die sie gerade erhalten. Die Antwort auf eine Frage, die sie nie stellen wollten. Dabei war sich Alexander so sicher, dieses ganz besondere Strahlen bei Rahel gesehen zu haben. Doch das scheint er sich nur eingebildet zu haben, denn die morgendliche Übelkeit ist kein Zeichen ihrer Schwangerschaft, sondern lediglich eine Nachwirkung ihres multidimensionalen Reisens und der veränderten Umweltbedingungen auf dieser Erde. Das trifft Alexander schwer, denn er hat sich ihr gemeinsames Familienleben auf diesem ganz besonderen Planeten schon in allen Einzelheiten ausgemalt. Vielleicht sogar ein Leben fernab der Mission. Rahel, die nicht über sein Ausmaß an Fantasie verfügt, scheint das auf den ersten Blick weniger zu schockieren, immerhin ist sie sich der geringen Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft in ihrem hohen Alter bewusst. Und doch kann auch sie ihre Enttäuschung nicht verbergen. Als sie wenig später die Arztpraxis verlassen und in den Himmel starren, da wirkt dieser auf einmal nicht mehr so wunderschön. Das sonst so überwältigende Farbspiel am Morgenhimmel ähnelt heute vielmehr einem Blutbad.
***
Die nächsten Wochen verbringen Rahel und Alexander deshalb umso mehr damit, eine Lösung für die sterbenden Universen zu finden. Diese ist angesichts der immer schneller voranschreitenden Zeit jetzt...
| Erscheint lt. Verlag | 14.7.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| ISBN-10 | 3-8192-7373-5 / 3819273735 |
| ISBN-13 | 978-3-8192-7373-5 / 9783819273735 |
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