Earthventure in Fernost (eBook)
260 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-8192-5662-2 (ISBN)
»Earthventure in Fernost« ist der dritte Band der humorvollen Science-Fiction-Reihe von Beatrice Sonntag. Mit dieser neuen schrägen Geschichte über Wilonks Heldenreise zur Erde tut die Autorin das, was sie am besten kann: über eine Reise schreiben. Beatrice hat nämlich schon 147 Länder bereist und träumt davon, irgendwann einmal zu den Sternen zu fliegen. Bis das möglich ist, tut sie es in ihrer Fantasie.
EINS
Unterkommandantin Wilonk blätterte durch die Artikel der Angrodan international News. Ein Bild sprang ihr ins Auge. Es zeigte diesen merkwürdigen übermotivierten Reiseunternehmer, der irgendwie in die Sache mit der vermeintlichen Entführung und nichtartgerechten Haltung von intelligenten Haustieren zu tun gehabt hatte. Sie vergrößerte die Buchstaben auf dem von der angrodanischen Polizei bereitgestellten Datenpad.
„… bieten wir touristische Abenteuerreisen zu diesem entlegenen Planeten namens Erde an. Dutzende zufriedene Kunden haben bereits davon profitiert, dass Besucher auf der Erde keinerlei Schutzbestimmungen respektieren müssen“, stand da. Wilonk schüttelte den Kopf. Durfte man das einfach so schreiben? In der Presse? Das schrie ja geradezu nach Protesten der Gesellschaft für Spezies-Rechte oder der Vereinigung für Planetenschutz.
Sicher war es nur eine Frage der Zeit, bis dieser Planet unter Schutz gestellt wurde und dann konnte dieser Reiseunternehmer nicht mehr einfach so Touristen zur Erde fliegen und sie dort frei herumlaufen lassen. Im Grunde war das unverantwortlich. Diese armen Kreaturen auf der Erde! Ob sie jetzt intelligent waren oder nicht, war dabei fast nebensächlich.
Sie blätterte weiter und las den Abschnitt, in dem Josh interviewt wurde. Diese Erdenbewohner waren wohl tatsächlich intelligent, auch wenn sie keine Raumschiffe bauen konnten. Das Alien, das sich Josh nannte, hatte sich vehement für die Rechte der Grobionen eingesetzt.
Auch Wilonk vertrat die Meinung, dass keine fühlende Lebensform gegen ihren Willen als Haustier gehalten werden sollte, dass intelligente Spezies selbst bestimmen sollten, wie und wo sie lebten.
Wilonk blickte auf und ließ den Blick durch das Großraumbüro schweifen. Haplu aus der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit stand am Lunkeboxo 4000 Plus, dem neuen ultramodernen Getränkeautomaten, und massierte sich die Kopfnoppen am Stirnansatz, während er darauf wartete, dass sein Getränk in den Becher tropfte. Er sah einfach hinreißend aus mit seiner walrossförmigen Figur, den klobigen Füßen und dem rundlichen tiefgrünen Gesicht. Ob er wusste, wie gut er aussah?
Wilonk beobachtete jede seiner Bewegungen mit schmachtendem Blick und lächelte zögerlich, als er schließlich mit seinem Becher in der Hand an ihr vorbei ging.
„Ihr beiden, mitkommen!“, brüllte Kommandantin Oglonk und zeigte auf Unterkommandantin Wilonk und den göttlich schönen Haplu. Beide erstarrten kurz, schauten alarmiert in Richtung der Kommandantin, dann sich gegenseitig an, dann wieder zu Oglonk, die noch immer mit der Hand über ihrem Kopf wedelte. „Was schaut ihr so überrascht? Mitkommen!“
Hastig folgten die beiden ihrer Vorgesetzten in einen Besprechungsraum, wo Oglonk mithilfe einer Wandtafel erklärte, was sie von ihren Mitarbeitern erwartete. „Es geht um die Galliupfeier der angrodanischen Regierungsorganisationen, an der auch die Polizeibehörde teilnimmt.“
„Ja, Kommandantin?“ Wilonk war sich unsicher, was sie mit der Galliupfeier zu tun hatte, denn die Abteilung für außerberufliche Aktivitäten organisierte alle Feiern.
Oglonk hämmerte auf die Wandtafel. Darauf war eine rot blinkende Statistik zu sehen, aus der hervorging, dass 84% der Bewohner von Angrodan die Meinung vertraten, dass Polizeibeamte langweilig, inkompetent und bürokratieverliebt waren.
„Die Umfrageergebnisse sind alarmierend. Begriffe wie Schneckenreiter und Regentropfenzähler sind gefallen!“ Oglonk deutete mit einem der Zeigefinger auf Wilonk, als sei sie persönlich für die Wortwahl der Befragten verantwortlich. Wilonk schluckte.
„Kein Wunder.“ Haplu machte eine abfällige Bewegung mit der Hand und nippte an seinem Getränk.
„Wie meinen Sie das? Kein Wunder?“ Oglonks Finger verharrte in der Luft, eine Handbreit vor Wilonks Gesicht.
Haplu ließ seinen Becher sinken und deutete mit einer langsamen Kopfbewegung auf Wilonk. „Langweilige, inkompetente Regentropfenzähler!“ Er schaute die Kommandantin an und zuckte mit den Schultern.
Wilonk schnappte nach Luft. „Ich muss doch sehr bitten …“
„Wir wollen mal nicht persönlich werden“, sagte Oglonk beschwichtigend. „Jeder Mitarbeiter kann hier seinen Beitrag leisten.“ Bei diesen Worten starrte die Kommandantin auffällig Wilonk an, die ihren Blick langsam in Richtung Boden gleiten ließ. „Die Galliupfeier kann hier einen entscheidenden Beitrag leisten.“
Irritiert schnellte Wilonks Blick vom Boden zurück zur Kommandantin. „Inwiefern?“
Die Galliupfeier war eine uralte Tradition auf Angrodan, deren Ursprünge nicht vollständig bekannt waren. Fest stand, dass sie einmal im Jahr begangen wurde. Bei einer Galliupfeier fanden sich Ehepartner zusammen und es wurden Verlobungen bekannt gegeben. Daher waren die Hauptakteure von Galliupfeiern heiratsfähige Frauen und Gruppen von je drei Männern.
Es hatte in der Vergangenheit Vereine und andere Zusammenschlüsse gegeben, aber seit einigen Jahrhunderten war es Tradition geworden, dass Firmen und Konzerne eigene Galliupfeiern ausrichteten. Dies war Mode geworden, nachdem der galaxiebekannte Verhaltensforscher Krikmanselm Lurku herausgefunden hatte, dass Ehegruppen mit einem ähnlichen Bildungsgrad und Berufsbild achtmal glücklicher waren als Ehegruppen mit unterschiedlichen Betätigungsfeldern. Wie genau er das gemessen hatte, blieb sein Geheimnis, aber aus irgendeinem Grund hatte diese Studie einen nachhaltigen Einfluss auf die Tradition der Galliupfeiern auf Angrodan.
„Sie beide nehmen doch wohl an der Galliupfeier teil?“ Oglonks Frage klang mehr wie eine Feststellung oder wie ein Befehl.
„Jawohl, Frau Kommandantin“, rief Haplu. „Wir sind konsolidiert und unser jarintischer Käfer ist kurz vor dem Schlüpfen.“
Kommandantin Oglonk schlug die Hände vor der Brust zusammen. „Ach, wie schön!“
So, so, dachte Wilonk. Der göttliche Haplu war konsolidiert. Das bedeutete, dass er mit zwei anderen Männern eine Galliupgemeinschaft gegründet hatte. Oft entstanden diese Dreiergruppen schon in Jugendjahren, während der Ausbildung oder bei Freizeitvereinen wie zum Beispiel beim Körperforming oder bei Backwettbewerben, bei denen Törtchen entstanden, die zum Körperforming benutzt wurden. Hatte sich eine Dreiergruppe einmal zusammengefunden, ging sie nur in den allerseltensten Fällen wieder auseinander.
Die Galliupfeier war das Ereignis im Leben eines jungen Angrodaners, bei dem sich die Weichen für die Zukunft stellten. Die Galliupgruppen führten ermüdende Tänze auf, backten Törtchen von erlesener Qualität und Kunstfertigkeit und demonstrierten ihre Fertigkeiten im Umgang mit zukünftigem Nachwuchs, indem sie ihren jarintischen Käfer präsentierten. Dazu muss man wissen, dass jarintische Käfer die verwöhntesten und anspruchsvollsten Lebewesen der Galaxis sind. Sie schlüpfen nur, wenn sie über Monate hinweg besungen, gestreichelt, auf konstanter Temperatur gehalten und massiert werden. Und zwar nicht nur ab und zu, sondern 52 Stunden am Tag. Die drei Mitglieder einer Galliupgruppe wechselten sich für diese zeitraubende und heikle Aufgabe ab. Ohne angrodanische Galliupgruppen wäre der jarintische Käfer längst ausgestorben, denn nur ein Bruchteil der jarintischen Käfermütter überlebt die aufwendige Pflege ihrer Brut. Die meisten sterben an schierer Erschöpfung.
„Und Sie, Unterkommandantin Wilonk?“ Die Kommandantin wandte sich Wilonk zu.
„Ich bin noch in der Vorbereitung meiner Heldenreise“, nuschelte sie.
„Was machen Sie?“ Die Kommandantin kam ins Schwärmen. „Ein Kampf gegen die Riesenspinnen auf Krapilon IV? Besteigung des Gummivulkans auf Betalba? Bezwingung von Kreissägensalamandern in den Zuckerhöhlen?“
Haplu kam einen Schritt näher. War er möglicherweise interessiert?
„Ich weiß es noch nicht.“ Wilonk spürte, dass ihre Ohren heiß wurden. Allein der Gedanke an Kreissägensalamander oder Riesenspinnen ließ sie erschaudern.
„Dann wird es aber Zeit“, rief Oglonk.
Haplu winkte ab und drehte sich weg. Oh nein. Wilonks Gedanken ratterten. Wenn sie sich nicht augenblicklich etwas einfallen ließ, hätte sie die vielleicht einzige Gelegenheit, Haplu zu beeindrucken, verspielt. Und wenn sie nicht vor der Galliupfeier ihre Heldenreise unternahm, wären Haplu und seine Galliupgruppe an eine andere Frau vergeben.
„Sobald Sie Ihre Entscheidung getroffen haben, möchte ich darüber informiert werden, Unterkommandantin Wilonk“, sagte die Kommandantin. „Wir als Polizeibehörde tragen eine wichtige Verantwortung. Die Bevölkerung hält uns für bürokratische Regentropfenzähler. Schlump ist der neue Trend. Wir können es uns nicht erlauben, nicht schlump zu sein. Suchen Sie sich also bitte eine absolut schlumpe Heldenreise aus und berichten Sie darüber bei der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit.“ Sie zeigte auf Haplu, der ja für...
| Erscheint lt. Verlag | 14.5.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| ISBN-10 | 3-8192-5662-8 / 3819256628 |
| ISBN-13 | 978-3-8192-5662-2 / 9783819256622 |
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