Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de

Das Geheimnis vergangener Tage (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
350 Seiten
Aufbau digital (Verlag)
978-3-8412-3573-2 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Das Geheimnis vergangener Tage - Norma Curtis
Systemvoraussetzungen
4,99 inkl. MwSt
(CHF 4,85)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen

Ein Koffer voller Erinnerungen. Ein Geheimnis, das drei Generationen verbindet.

Als Thea das alte, abgenutzte Leder des Koffers berührt, ahnt sie nicht, dass dieser das Leben ihrer Familie für immer verändern wird. Zwischen vergilbten Papieren entdeckt sie eine Geschichte von Verlust und Hoffnung - eine Geschichte, die ihre Großmutter Hedi jahrzehntelang verborgen hielt.

1945: Hedi Fischer wird aus dem Zug gestoßen und durch die Tore eines Konzentrationslagers getrieben. Verzweifelt sucht sie nach einem vertrauten Gesicht - nach jemandem, der ihr das Gefühl gibt, nicht völlig allein zu sein. Doch in einer Welt, in der das Überleben vom bloßen Zufall abhängt, bleibt ihr nur ihr Verstand ...

Gegenwart: Thea hat ihre Großmutter nie kennengelernt - bis sie plötzlich die eigenwillige 90-Jährige bei sich aufnehmen soll. Und das ausgerechnet jetzt, wo sie ihren Job in der Stadt überstürzt gekündigt hat und sich in ein abgelegenes Cottage zurückziehen wollte. Hedi schweigt über ihre Vergangenheit, über den tiefen Riss, der sie und Theas Mutter seit Jahrzehnten trennt. Doch als Thea ihren alten, abgewetzten Koffer entdeckt, kann sie nicht widerstehen. Was sie darin findet, ist schmerzhafter, als sie es je erwartet hätte - und stellt alles infrage, was sie über ihre Familie zu wissen glaubte ...

Ein bewegender und emotionaler Roman, der zu Tränen rührt. Perfekt für Fans von Fiona Valpy, Kristin Hannah und Rachel Hore.



Norma Curtis wuchs in Wales auf und lebt heute in London. Sie liebt das Schreiben in all seinen Formen - ob Kurzgeschichte oder Roman. In ihren Geschichten legt sie besonderen Wert auf lebendige Charaktere, optimistische Wendungen und eine gute Portion Humor. Als ehemalige Vorsitzende der Romantic Novelists' Association ist sie eine preisgekrönte Autorin, gefragte Mentorin und erfahrene Rednerin. 

1

HEDI


HEUTE

Mit ihren inzwischen dreiundneunzig Jahren saß Hedi auf der Couch im Wohnzimmer, umklammerte die Hand ihres Ehemannes und hoffte, Harry auf die Art daran zu hindern, dass er ihr entglitt. Inzwischen war es später Nachmittag, und durch die Fenster fiel ein Streifen Sonnenlicht auf das gestreifte Sofa, den blassblauen Teppich, ihre weißen Haare und auf Harrys sonnengebräunte, fleckige, von blauen Venen durchzogene Hand.

»Lass mich den Arzt rufen«, flehte sie Harry mit gepresster Stimme an.

Ihr Mann bedachte sie mit einem warmen, ruhigen Blick aus seinen milchig grünen Augen, lächelte und schüttelte den Kopf. Zum Sprechen fehlten ihm der Atem und die Energie, deswegen drückte er die Dinge, die er sagen wollte, jetzt mit seinen Blicken aus.

Sie streichelte sein Haar, und die paar kupferroten Strähnen, die sich in dem Grau gehalten hatten, riefen Erinnerungen an ihre gemeinsame Jugend wach. »Du darfst mich nicht alleinlassen, Harry«, wies sie ihn mit strenger Stimme an. Ihr Akzent verriet auch nach all den Jahren noch, dass Englisch nicht ihre Muttersprache war.

In Hedi wogte ein Gefühl der Panik auf. Sie hatte keine Ahnung, wie sie den Verlust ertragen sollte, doch sie hatte keine andere Wahl. Und wenn Harry nicht mehr wäre, würde sie sich damit trösten, dass sie ihm bald folgen würde und sie dann wieder zusammen wären. »Kann ich dir irgendetwas Gutes tun, mein Lieber?«, fragte sie.

Er lenkte seinen Blick von ihr aufs Fenster und das Sonnenlicht, und als er blinzelte, nahm sie den goldenen Schimmer seiner hellen Wimpern wahr. Dann wandte er sich ihr mit wehmütiger Miene wieder zu.

»Was ist?«, erkundigte sie sich. »Willst du am Fenster sitzen und hinausschauen?«

Er atmete tief durch, und Hedi sah den gleichmäßigen Puls unter der Haut an seinem Hals über dem Schlüsselbein und hätte ihn am liebsten dafür, dass sein Herz noch schlug, geküsst.

»Hedi, mein Mädchen«, sagte er, und seine Stimme klang verblüffend fest. »Ruf Maggie an.«

Sie starrte ihn an. Sie würde alles für ihn tun, doch zuerst versuchte sie, an seiner Miene zu erkennen, welche Absicht mit dem Wunsch verbunden war. »Du willst, dass ich sie anrufe? Jetzt gleich? Nach all den Jahren?«

»Ja. Jetzt gleich.«

Bei diesen Worten klang er wie der alte Harry, was für Hedi so beruhigend war, dass sie ihm nicht widersprach. »Okay, auch wenn du erst was essen musst.«

Ihr Mann entzog ihr seine Hand, und als er eine wegwerfende Geste machte, wusste Hedi, was das hieß.

»Wie du willst.« Sie schüttelte missbilligend den Kopf, stand aber auf und ging das kleine, rote, lederne Adressbuch holen. Es hatte früher neben ihrem Telefon gelegen, aber seit sie einen Namen nach dem anderen hatten streichen müssen, hatten sie es zwischen all den alten Büchern, die sie während ihres Lebens sicher nicht noch einmal lesen würden, ins Regal gequetscht. Weswegen hatten sie die Dinger nicht schon längst entsorgt? Sie wusste nicht, warum sie sie die ganze Zeit behalten hatten, und stieß zornig aus: »Ich frage mich, was wir mit all den alten Schinken sollen!«, denn es war besser, wenn sie auf die Bücher schimpfte als auf Harry.

Da das Adressbuch ziemlich klein war, fand sie es nicht gleich. Sie stemmte ihre Hände in die Hüften, starrte auf die Buchrücken und fragte sich, warum er gerade jetzt auf diese Idee kam. »Es nützt nichts, Harry, ich …« Bevor sie ihren Satz beenden konnte, sah sie es. Da ist es ja.

Sie nahm das Büchlein in die Hand und blätterte es durch. Die Tochter war darin nicht unter Lewis, sondern unter Maggie aufgeführt. Die zahlreichen Adressen, die sie von ihr hatten, nahmen fast zwei Seiten ein, die Nummer aber war in all den Jahren dieselbe geblieben, und sie hatten sie sich sorgfältig notiert und zweimal unterstrichen, damit sie sie sofort fänden, wenn es nötig war.

Sie ging zurück zur Couch, nahm wieder neben Harry Platz und zeigte ihm die Seite mit der Telefonnummer. »Hier. Ich habe sie gefunden.«

»Gut«, stieß er mit leiser Stimme aus.

»Aber was soll ich zu ihr sagen? Einfach, dass du Hallo sagen willst?« Als er zusammenzuckte, korrigierte sie sich: »Dass wir ihr Hallo sagen wollen«, und tätschelte sein Knie.

Auch wenn sie schon seit Jahren nicht mehr bewusst an ihre Tochter dachte, machte sie sich täglich Sorgen und bedauerte zutiefst, dass es zu diesem Bruch gekommen war.

Als Eltern hatten sie und Harry jämmerlich versagt, das war ihr klar. Sie hatten damals längst die Hoffnung auf ein eigenes Kind aufgegeben, und als sie dann plötzlich doch eines bekamen, hatten sie bei der Erziehung alles falsch gemacht und Maggie als die große Freude ihres Lebens hoffnungslos verwöhnt.

Sie hatten ihrer Tochter jeden Tag erklärt, wie wundervoll sie sei, aber schließlich hatten das auch alle anderen über sie gesagt. Die Lehrer hatten sie geliebt und sie zur Aufsichtsschülerin und Klassensprecherin gemacht, was hieß, dass Hedis Meinung von ihrem Kind nicht falsch gewesen war. Und Harry hatte ihr den emaillierten Anstecker, auf dem Ich bin perfekt gestanden hatte, mitgebracht, und lachend hatte Maggie ihn sich an die Brust gesteckt, obwohl auch Maggie selbst klar gewesen war, dass sie den Button ganz zu Recht bekommen hatte, weil sie ohne Fehl und Tadel war.

»Ich weiß nicht«, sagte Hedi jetzt zu Harry, so, als hätte sie die Sätze laut gedacht. »Niemand ist perfekt.«

Und trotzdem hatten sie sich eingeredet, dass ihr Kind genau das sei.

Zum Bruch war es gekommen, als Maggie eines Mittags nicht mit ihnen hatte essen wollen. Sie hatte ihnen erklärt, sie hätte keinen Hunger, und als sie den Teller mit dem Essen fortgeschoben hatte, war Hedi aus der Haut gefahren. Als Maggie sich auch weiterhin geweigert hatte, das ihr vorgesetzte Essen anzurühren, hatte ihre Mutter sie mit zornbebender Stimme angefahren: »Du weißt nicht, wie es mir in deinem Alter ging! Du hast noch nie in deinem Leben echtes Leid erlebt!«

Dann hatte Hedi ihrer Tochter auch noch eine Ohrfeige verpasst und das Gefühl gehabt, als knallte sie damit die Tür zu ihrer eigenen Vergangenheit ins Schloss. Doch oh, das schreckliche Geräusch, als ihre Hand auf Maggies Wange traf, es war wie ein Peitschenhieb gewesen, und sie konnte es noch immer hören. Zornbebend war Maggie aufgesprungen, hatte ein paar Sachen eingepackt, sie mit dem Enkelkind, das Harrys kupferrotes Haar besaß, verlassen und war nie mehr heimgekehrt. Natürlich war es unverzeihlich, dass sie ihrer Tochter ins Gesicht geschlagen hatte, das war Hedi bewusst. Doch wenn sie sich entschuldigt hätte, hätte sie ihr auch den Grund für ihre Verfehlung erklären müssen, doch um ihr Geheimnis jetzt noch zu enthüllen, hatte sie es über viel zu lange Zeit bewahrt.

»Ich werde ihre Nummer wählen, aber du musst mit ihr sprechen.« Widerstrebend griff sie nach dem Telefon und tippte furchtsam Maggies Nummer ein.

Und dann kam ihre Tochter an den Apparat. Die Stimme! Genau wie ihr Gesicht hätte sie Maggies Stimme überall sofort erkannt.

In Hedis Augen stiegen Tränen auf. Es waren Tränen der Erleichterung, weil das verlorene Kind nach all den Jahren gefunden war.

»Maggie, hier spricht Hedi.« Hätte sie vielleicht noch deine Mutter sagen sollen? Doch sicher kannte ihre Tochter keine Hedi außer ihr. »Harry möchte mit dir reden. Hier, Harry.«

Sie reichte ihm das Telefon, und er presste es lächelnd an sein Ohr. »Hallo, Liebes. Mir? Mir geht es gut. Schön, von dir zu hören. Erzähl, wie geht es dir?«

Noch immer lächelnd, schloss er die Augen, und Hedi atmete tief durch, stand auf und strich ihr Kleid über den Knien glatt. Sie war nervös. Sie wollte auch mit Maggie sprechen, und sie hoffte, ihre Zunge, die gelegentlich ein bösartiges Eigenleben führte, würde nicht das Falsche sagen oder ihre Tochter rüde anfahren.

Sie trat ans Fenster und sah auf die Straße. All die Autos, die dort fuhren, als wären sie mit einer Schnur verbunden, an der jemand sie gemächlich in die eine oder andere Richtung zog. Und hinter all den Wagen und versteckt hinter den Bäumen dehnte sich die Heide aus.

»Das klingt, als wäre...

Erscheint lt. Verlag 1.9.2025
Übersetzer Uta Hege
Sprache deutsch
Original-Titel The Hideaway
Themenwelt Literatur Historische Romane
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte abgewiesene Liebe • Aussöhnung • Befreiung • Bergen-Belsen • Familiengeheimnis • Kate Morton • Kerry Barrett • Konzentrationslager • Liebesroman • Lucinda Riley • Neuanfang • Soldaten • Soraya Lane • Verfolgung • Zweiter Weltkrieg
ISBN-10 3-8412-3573-5 / 3841235735
ISBN-13 978-3-8412-3573-2 / 9783841235732
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Wasserzeichen)

DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasser­zeichen und ist damit für Sie persona­lisiert. Bei einer missbräuch­lichen Weiter­gabe des eBooks an Dritte ist eine Rück­ver­folgung an die Quelle möglich.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich
Das Ende der Welt. Roman

von Sabine Ebert

eBook Download (2025)
Knaur eBook (Verlag)
CHF 18,55