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Mein Leben vom Piffke (Malerlehrling) zum Master of Professional (eBook)

Ein Leben im Handwerk erzählt mit Herz und Humor
eBook Download: EPUB
2025
200 Seiten
BoD - Books on Demand (Verlag)
978-3-6951-2883-9 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Mein Leben vom Piffke (Malerlehrling) zum Master of Professional - Franz-Josef Esser
Systemvoraussetzungen
7,99 inkl. MwSt
(CHF 7,80)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
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Kunden, Kollegen, Katastrophen: Jupp erzählt, wie das Leben spielt Willkommen in der bunten Welt des Malermeisters Jupp: wo Farbe auf Charakter trifft und der Alltag in Anekdoten leuchtet. In dieser humorvollen und herzlichen Autobiografie nimmt uns Jupp mit auf eine Reise durch über 60 Jahre Handwerksgeschichte. Vom Lehrling der Nachkriegszeit bis zum stolzen Jubiläum seines Familienbetriebs erleben wir hautnah Begegnungen mit skurrilen Kunden, treuen Weggefährten und familiären Herausforderungen. Dabei steht stets der Mensch im Mittelpunkt: mal grantig, mal lehrreich, oft urkomisch. Mit feinem Gespür für die Komik des Alltags und einem großen Herz für das Handwerk erzählt Jupp Geschichten die berühren, schmunzeln lassen und das echte Leben feiern. Ein authentisches Stück gelebte Heimatliteratur für alle, die mit einem Augenzwinkern auf das Leben blicken und wissen: Jede Farbschicht erzählt ihre eigene Geschichte.

Jugend


Früher, in jungen Jahren, war ich recht gut im Handstand. In unserem Dorf konnte ich von einer Kneipe bis zur anderen auf den Händen laufen. Meine Freunde wetteten mit mir, dass ich es nicht schaffen würde, die Strecke von der »Kupferkanne« bis zur Pizzeria »Ernesto« auf den Händen zurückzulegen. Es waren etwa 100 Meter entlang der Bordsteinkante. Aber ich habe es tatsächlich geschafft und die Wette gewonnen. Darauf haben wir in geselliger Runde gefeiert und getrunken. Ich war stolz und fühlte mich topfit.

Als ich vierzehn Jahre alt war, kaufte sich mein Vater ein neues Motorrad: eine schwere Dürkopp. Damit fuhren meine Eltern hin und wieder in den Urlaub. Meist aber stand die Maschine unberührt im Stall. Mit meinen Freunden, unter anderem mit Duck, Matschö, Hermann und Herbert, traf ich mich fast jeden Abend bei den Feldern an der Kiesgrube, die später zu einer Mülldeponie wurde. Eines Abends kam uns die Idee, mit der Dürkopp meines Vaters eine Spritztour zu machen. Wie gewohnt stand die Maschine im Stall, während meine Eltern gemütlich Fernsehen schauten. Also schnappten wir uns die Dürkopp und fuhren damit zur Kiesgrube. Wir waren schlank und wendig. Deshalb war es für uns kein Problem, zu dritt oder auch zu viert auf der Dürkopp zu sitzen. Da es uns so gut gefiel, wiederholten wir die Ausflugsfahrt an mehreren Abenden, ohne dass meine Eltern etwas bemerkten. Eines Abends, bei einer weiteren Spritztour, bekamen wir die Maschine nicht mehr zum Laufen und mussten sie nach Hause schieben.

Einige Tage später ging mein Vater mit mir zum Stall, um nach der Dürkopp zu schauen. Er fragte mich, ob ich jemanden kennen würde, der die Karre für 5 Mark kaufen wolle, damit sie endlich aus dem Stall verschwände. Sofort klingelte es bei mir. Ich fragte meinen Freund Duck. Er war begeistert von dem Preis und schlug vor, die Dürkopp in ein Gokart mit schneller Beschleunigung umzuwandeln. Also karrte ich die schwere Dürkopp Richtung Endstraße, in der Duck wohnte. Nach circa drei Wochen, mithilfe mehrerer Schrauber, war unser Werk vollbracht und es stand ein großartiges Gokart vor uns. Das Gefährt musste mit den Füßen gelenkt werden, der Motor wurde durch schwere Schrauben gehalten und der Tank war oben angebracht. Alles war gut befestigt – und ab ging es zur Probefahrt.

Wir brachten die umgebaute Dürkopp zur Ausfahrt Broichweiden – heute befindet sich dort die Autobahnauffahrt in Richtung des Aachener Kreuzes. Damals war das Teilstück noch gesperrt, aber für uns war es kein Problem. Diese Auffahrt war die ideale Piste für unser Vorhaben. Zur Probefahrt hatten sich viele Freunde und Neugierige mit ihren Fahrrädern oder zu Fuß eingefunden. Alle waren gespannt. Dann startete unser Schrauber Duck den Motor. Dieser Klang, ein Traum! Alles staunte, als die Maschine mit enormer Geschwindigkeit loslegte. Nach einigen hundert Metern geriet Duck jedoch in Schwierigkeiten: Weil er mit den Füßen lenkte, hatte er die Geschwindigkeit unterschätzt und das ganze Gefährt fiel in alle Einzelteile auseinander. Das Fußvolk und die Radfahrer am Wegesrand reagierten mit Entsetzen und Staunen. Als wir an dem Trümmerhaufen ankamen, galt unsere Sorge zuallererst dem Fahrer. Ducki war zum Glück unverletzt. Zusammen luden wir die Teile der Dürkopp auf die Fahrräder. Der Rest wurde von ungefähr dreißig Kindern und Jugendlichen, die ohne Räder unterwegs waren, mitgenommen und bei Ducki abgeliefert. In Mariadorf sprach sich der Vorfall rasch herum. Ich gehe davon aus, dass es wahrscheinlich der erste Unfall auf der A4 Richtung Broichweiden/Aachen war.

Wir ließen uns davon aber nicht ins Bockshorn jagen und entwickelten bald den Plan, das Fahrzeug wieder zusammenzubauen und weiter aufzurüsten. Nach vierzehn Tagen war es so weit, die Karre war wieder startklar. Wir schoben sie auf den Bordstein. Doch plötzlich stand unser Dorfpolizist mit seiner schweren BMW neben uns. Er bestaunte unsere Arbeit und wusste anscheinend genau, was wir vorhatten. Mit undurchdringlicher Miene schüttelte er den Kopf, sodass wir uns wieder auf unser Privatgrundstück zurückzogen. Den Mut, die Probefahrt zu wiederholen, konnten wir dann doch nicht aufbringen.

Einige Tage später ging mein Vater mit mir wieder zum Stall. Mit Entsetzen fragte er mich: »Wo ist die Dürkopp hin?« Ich erklärte ihm, dass ich die Dürkopp für 5 DM verkauft hätte, wie wir es zuvor besprochen hatten. Mein Vater sagte darauf nur: »Was sollen wir uns Stress machen? Es bringt ja doch nichts. Die Dürkopp ist halt weg und die 5 DM sind natürlich schon ausgegeben, mein lieber Sohn, richtig?« Mein Vater nahm es gelassen. Von unserem Abenteuer mit dem umgebauten Gokart erzählte ich ihm lieber nichts.

Ich denke gerne an die Zeiten zurück, in denen wir unsere Windvögel noch selbst gebaut haben. Damals gab es auch Drachen zu kaufen, aber das nötige Kleingeld dafür hatten wir nicht. Also griffen wir zu unseren Werkzeugen und bauten uns die gewünschten Windvögel selbst. Ducki war unser bester Bastler. Er konnte sogar Kastendrachen herstellen. Einmal entschieden wir uns für einen sehr großen Drachen, mit einer Länge von über 2 Metern. Allein der Schwanz des Drachens maß 30 Meter. Wir verklebten den Vogel mit Packpapier und verpassten ihm die richtigen Gewichte, die Ducki vorher ausgerechnet hatte. An dem Drachen werkelten wir zusammen mit zahlreichen Kindern im Alter von dreizehn bis sechzehn Jahren. Nach mehreren Tagen schwerer Teamarbeit war der großartige Windvogel fertig. Stolzgeschwellt gingen wir auf das Feld hinter dem Kieswerk, um den Drachen auf Jungfernfahrt zu schicken. Alle waren voller Erwartung und freuten sich. Dann ging die Post ab: Der Riesendrache schoss nach oben und stand wie eine Eins in der Luft. Wir hatten ungefähr 5.000 Meter Nylonschnur auf einer Rolle und gaben immer mehr Schnur ab. Ein Jugendlicher aus unserer Gruppe, der eine Lehrstelle in einer Aachener Fabrik hatte, hatte die Schnur mitgebracht. (Später wurde die Spule in der Fabrik vermisst.) Als wir die kompletten 5.000 Meter von der Rolle abgelassen hatten, fühlten wir zwar den starken Zug des Drachens, konnten ihn aber schon seit einer Stunde nicht mehr sehen. Heute wäre eine solche Höhe mit dem Flugverkehr nicht mehr vereinbar. Früher war es wahrscheinlich auch verboten, einen Drachen so hoch steigen zu lassen. Aber es kümmerte uns nicht. Allerdings mussten wir den Vogel wieder auf den Boden holen. Ducki hatte sich dafür etwas ausgedacht: Er drehte sein Fahrrad um, stellte es auf dem Sattel ab, montierte die Reifen ab und spulte die Schnur auf der Felge auf. Nach einiger Zeit jedoch riss das Nylonseil und der Windvogel war weg. Ob er zur Küste oder in Richtung Mosel geflogen war, wussten wir nicht. Wir hakten den Windvogel als großartiges Erlebnis ab und planten neue Dinge. Es war immer was los!

Jetzt möchte ich Ihnen von Oki erzählen – denn Oki war zu meiner Jugendzeit ein Idol! Oki war etwa fünfzehn Jahre älter als ich, aber ein toller Mensch. Wenn Oki in die »Kupferkanne« kam, waren alle begeistert. Er konnte sich Nägel durch die Wange oder durch den Handrücken drücken und Rasierklingen kauen. Das war für Oki ganz normal. Zur damaligen Zeit war noch niemand in meinem Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis tätowiert. Aber Oki trug einige Tattoos. Er war mit weißen Hosen bekleidet und braungebrannt. Schon allein mit seinem Äußeren machte er Eindruck auf die Frauen. Abends stand er gerne an der Theke in unserer Stammkneipe. Weil er fast nie arbeitete, wurde er oft auf ein Bier eingeladen und wir hatten mächtig Spaß miteinander. Eines Abends kam er wieder zur »Kupferkanne« und sagte zu uns, dass er Probleme mit unserem Dorfpolizisten Peter hätte. Dieser Peter, der auch regelmäßig die »Kupferkanne« besuchte, kam kurz darauf zur Tür herein und ging direkt auf Oki zu. Er stellte sich vor ihm auf, schüttelte den Kopf und lachte. »Hör mal! Das war ein Ding!«, sagte er zu Oki. Dann wandte er sich zu uns und begann zu erzählen: »Ein Kollege und ich waren neulich in Alsdorf auf Streife. Wir fuhren durch eine Geschäftsstraße mit vielen Läden. Da ging plötzlich ein Kellerschacht auf und Oki lugte heraus. Als er uns Polizisten sah, wollte er wieder abtauchen. Doch ich konnte Oki rauslocken. Der Rest war reine Routine.« Das Gelächter an der Theke war nicht zu beschreiben. Auch Oki hatte Spaß ohne Ende. Bezahlen brauchte er an diesem Abend kein einziges Bierchen. Er und der Dorfpolizist Peter wurden von den Gästen der »Kupferkanne« eingeladen. Oki war wie ein Freund für uns, denn er hatte immer ein offenes Ohr. Nach seiner Festnahme hatte Oki seine Verhandlung, musste aber nicht ins Gefängnis, nicht einmal eine Geldbuße bezahlen. Öfter lachten wir über diese Sache und über die alltäglichen Dinge, die so passierten.

Im Alter von vierzehn Jahren war ich fast jeden Abend mit meinen Freunden unterwegs. Wir kurvten auf unseren Maschinen durch die Gegend. Ich fuhr mit meinem Einsitzer, einem Vorgängermodell des heutigen Mofas, mit einem Motor von Miele. Die kleine Maschine war wendig und sehr schnell. Ich beherrschte...

Erscheint lt. Verlag 19.8.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
Schlagworte Autobiografie mit Humor • Berufsbiografie mit Herz • Biografien aus dem Berufsleben • biografische Handwerkererzählungen • Buch über das Leben als Malermeister • Ehrliche Lebensgeschichten • Erinnerungsbuch für Handwerksfreunde • Familienbetrieb Memoiren • Generationengeschichten aus dem Handwerk • Geschichten mit Humor und Tiefgang • Handwerkerbiografie mit Herz • Heimatliteratur Handwerk • Humorvolle Autobiografie Handwerker • Humorvolle Männerlektüre • Humorvolle Reflexion • Lustige Alltagsgeschichten • Malermeister Biografie Buch • Memoiren aus dem Alltag • Nostalgiebuch für Handwerker • nostalgische Handwerksgeschichten
ISBN-10 3-6951-2883-6 / 3695128836
ISBN-13 978-3-6951-2883-9 / 9783695128839
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