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Notärztin Andrea Bergen 1543 (eBook)

Der große Tenor

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 1. Aufl. 2025
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-7517-8868-7 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Notärztin Andrea Bergen 1543 - Gesine Sonntag
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Er war einmal ein Star. Giovanni Taberino - ein Name, der Opernhäuser füllte, ein Mann, der mit Stimme und Präsenz ganze Säle in Atem hielt. Jetzt liegt er nach einem nächtlichen Unfall völlig hilflos, verletzt und verwirrt im Elisabeth-Krankenhaus. Der schlimme Unfall war kein Zufall, die Demenz hat ihn völlig aus der Bahn geworfen. An seiner Seite sind Walter, sein langjähriger Lebenspartner, besorgt und erschöpft vom langen Nicht-Wahrhaben-Wollen, und Johann, Giovannis Neffe und einziger Verwandter, der Walter die größten Vorwürfe macht. Die beiden Männer verbindet wenig - außer dem Wunsch, das Richtige zu tun. Vor allem Johann wirkt zerrissen zwischen Pflichtgefühl und innerer Distanz. Ich würde ihm gerne helfen und habe auch schon eine Idee. Ich könnte ihm die Journalistin Leona vorstellen. Sie ist selbst Angehörige einer demenzkranken Mutter und begleitet diese mit leiser Stärke. Vielleicht gelingt es ihr, Johann die Angst zu nehmen - vor der Krankheit, vor der Presse, vor der Verantwortung und vor dem, was Nähe wirklich bedeutet.

Der große Tenor


Er war einmal ein Star. Giovanni Taberino – ein Name, der Opernhäuser füllte, ein Mann, der mit Stimme und Präsenz ganze Säle in Atem hielt. Jetzt liegt er nach einem nächtlichen Unfall völlig hilflos, verletzt und verwirrt im Elisabeth-Krankenhaus. Der schlimme Unfall war kein Zufall, die Demenz hat ihn völlig aus der Bahn geworfen.

An seiner Seite sind Walter, sein langjähriger Lebenspartner, besorgt und erschöpft vom langen Nicht-Wahrhaben-Wollen, und Johann, Giovannis Neffe und einziger Verwandter, der Walter die größten Vorwürfe macht. Die beiden Männer verbindet wenig – außer dem Wunsch, das Richtige zu tun. Vor allem Johann wirkt zerrissen zwischen Pflichtgefühl und innerer Distanz.

Ich würde ihm gerne helfen und habe auch schon eine Idee. Ich könnte ihm die Journalistin Leona vorstellen. Sie ist selbst Angehörige einer demenzkranken Mutter und begleitet diese mit leiser Stärke. Vielleicht gelingt es ihr, Johann die Angst zu nehmen – vor der Krankheit, vor der Presse, vor der Verantwortung und vor dem, was Nähe wirklich bedeutet.

Das Opernhaus lag in Dunkelheit, und die Schwüle der Sommernacht schlich durch die Ritzen der alten Wände. Nur die Bühne war schwach erleuchtet. Ein einsamer Scheinwerfer warf sein Licht auf den abgewetzten Holzfußboden und die hohen, goldenen Vorhänge, die still wie stumme Zeugen hingen. Die Reihen der Sitze im Zuschauerraum lagen im Schatten, ein Meer aus leeren Stühlen, die auf ihren nächsten Beifall warteten.

Inmitten dieser Stille stand Giovanni Taberino, den Blick fest auf die imaginären Zuschauer gerichtet. Mit einem langsamen Schritt bewegte er sich vorwärts, sein Blick immer wieder suchend auf einem Zettel in seiner Hand. Er hob die Arme und ließ sie wieder sinken. Seine Bewegungen waren bedacht, aber nicht mehr so elegant, wie sie es einmal gewesen waren.

Er legte seinen Zettel beiseite und begann erneut. »Mal sehen, ob es nun sitzt«, murmelte er und strich sich mit einer schnellen Geste über den Bart. »Das ist nicht richtig. Noch einmal.«

Walter Stone saß auf einem der Klappstühle am Rand der Bühne, die Hände um eine kleine Glasflasche mit Mineralwasser geschlossen. Seine Schultern waren leicht nach vorne gebeugt, die Müdigkeit der letzten Tage zeichnete sich in den Falten um seine Augen ab. Doch er schwieg. Er wusste, dass jede Bemerkung Giovannis Frust nur verstärken würde.

Giovanni drehte sich leicht zur Seite, probte eine Verbeugung, dann einladende Gesten mit den Händen, als ob er die Menge begrüßen wollte. Es war die siebte Wiederholung derselben Sequenz – ein unbarmherziger Versuch, die perfekte Abfolge in seinen Kopf einzubrennen.

»Gio«, begann Walter vorsichtig. »Es ist spät. Lass uns nach Hause gehen.«

»Ich kann nicht!« Giovannis Stimme hallte von den Wänden wider, nicht laut, aber mit einer Schärfe, die Walter zusammenzucken ließ. »Wie soll ich es richtig machen, wenn ich nicht übe? Die Schritte verschwinden ... einfach ... verschwinden.«

Walter stand auf. »Es ist bereits Nacht geworden. Denkst du nicht, dass es ... «

»Nein!« Giovanni hob eine Hand, als wollte er Walter stumm halten. »Es muss richtig sein.«

Seine Augen glitzerten unter dem Scheinwerfer, doch Walter erkannte den Ausdruck darin: Angst.

Die Bühne knarrte leise unter Giovannis Schritten, als er zurückging und die Bewegung noch einmal begann. Doch diesmal war etwas anders. Ein Knirschen kam aus der Dunkelheit über ihnen. Walter blickte nach oben, hin zu den alten Bühnenscheinwerfern.

»Gio, Stopp!« Walters Stimme war plötzlich laut, drängend. »Zurück!«

Doch die Warnung kam zu spät. Mit einem metallischen Klirren und einem dumpfen Ruck löste sich eine der Lampen aus ihrer Verankerung. Sie stürzte herab, schlug auf dem Boden auf und zerbrach in Dutzende von Splittern.

Ein Schrei durchschnitt die Stille. Giovanni sank zu Boden, dunkles Blut sickerte durch den Stoff seiner Hose und breitete sich in einem erschreckend schnellen Tempo aus. Aus dem Oberschenkel ragte ein großer Metallsplitter. Ein Teil der Deckenlampe hatte sich in Giovannis Oberschenkel gebohrt.

Walter stürzte auf ihn zu. »Gio! Halt ganz still!«

Seine Hände zitterten, während er ein Tuch aus seiner Jackentasche zog und es sehr fest um den Oberschenkel band, um den Blutfluss zu stoppen. »Ich rufe den Krankenwagen. Alles wird gut. Hörst du mich? Alles wird gut.«

Giovanni wollte etwas sagen, aber seine Stimme brach. Stattdessen legte er eine zitternde Hand auf Walters Arm, als wollte er sich an ihm festhalten und ihm stumm versichern, dass er noch bei Bewusstsein war.

Das blaue Licht des heraneilenden Krankenwagens erhellte die Fassade des Opernhauses. Walter wich nicht von Giovannis Seite, hielt seine Hand fest umschlossen, während die Sanitäter begannen, Giovanni zu untersuchen.

»Das Bein ist abgebunden«, sagte Walter mit fester Stimme, obwohl seine Augen feucht glänzten.

***

Die Nacht war still, und die Straßen der Stadt lagen unter einem dünnen Schleier aus Nebel, der die Laternen in ein weiches, diffuses Licht tauchte. Dr. Andrea Bergen saß auf dem Beifahrersitz des Notarztwagens, ihre Gedanken bereits bei dem Notfall, zu dem sie gerufen worden war.

»Opernsänger«, hatte der Funkspruch gesagt. »Schwere Verletzung am Oberschenkel, starke Blutung.«

Andreas Augenbrauen hoben sich leicht. Ein berühmter Patient bedeutete oft zusätzliche Aufmerksamkeit, und das Krankenhaus hatte in den letzten Jahren lernen müssen, wie man mit Journalisten und neugierigen Blicken umging. Doch das spielte im Moment keine Rolle. Für sie war es vor allem ein Mensch, der Hilfe brauchte – alles andere war Nebensache.

»Wie lange noch?«, fragte sie den Fahrer, während sie die medizinischen Informationen auf dem Tablet überprüfte, das sie mitgenommen hatte.

»Fünf Minuten, wenn die Ampeln mitspielen. Die Sanitäter sind schon vor Ort.«

Andrea nickte und strich sich eine lose Strähne aus dem Gesicht. Die Nacht war noch jung, doch sie spürte die vertraute Mischung aus Anspannung und Konzentration, die sie bei jedem Notfall erfasste. Es war dieser Zustand, in dem alle anderen Gedanken verblassten und nur die nächsten Schritte zählten: Stabilisieren. Behandeln. Leben retten.

Über das Funkgerät meldete sich ein Rettungssanitäter, der bereits vor dem Opernhaus war, und wies auf eine Abkürzung hin.

»Was wissen wir über den Patienten?«, fragte Andrea Bergen.

Der Rettungssanitäter antwortete zügig und konzentriert:

»Giovanni Taberino. Neunundsechzig Jahre alt. Bekannter Opernstar. Unfall bei einer Bühnenprobe. Großer Metallsplitter im Oberschenkel, wahrscheinlich tiefe Wunde. Blutverlust, aber stabile Vitalzeichen.«

»War ein Ersthelfer vor Ort? Wurde der Blutverlust schnell gestoppt?«

»Sein Freund Walter Stone. Er hat sofort gehandelt und auch den Vorfall gemeldet. Er sagt, es sei eine alte Bühnenlampe gewesen.«

Andrea nickte. »Wir sind gleich da. Sicher nehmen wir ihn mit. Ihr könnt alles vorbereiten.«

Als Andrea ankam, war Giovanni bereits vorsichtig auf die Trage gehoben worden. Seine Augen waren geweitet vor Schmerz, doch sie zeigten auch etwas anderes – eine Mischung aus Angst und Stolz, die Andrea innehalten ließ. Mit ruhiger Stimme sprach sie zu ihm, stellte sich vor und begann, routiniert zu arbeiten.

»Das wird gleich besser, Herr Taberino«, sagte sie sanft, während sie den Zugang zur Vene legte und weitere Anweisungen gab.

Ihre Freundlichkeit und Ruhe wirkten nicht nur auf Giovanni beruhigend. Auch Walter, der nervös neben der Trage stand, schien einen Moment lang zu entspannen.

Giovannis Atmung wurde flacher, sein Blick ruhiger. Andrea warf Walter einen schnellen, aufmunternden Blick zu, bevor sie aufstand. »Wir bringen ihn jetzt ins Krankenhaus. Sie können mitfahren.«

Walter nickte, doch bevor er in den Krankenwagen stieg, blieb er einen Augenblick stehen und ließ den Blick durch das Opernhaus gleiten. Die Bühne lag verlassen da, die zerbrochene Lampe ein Symbol für alles, was in letzter Zeit in Giovannis Leben ins Wanken geraten war.

»Ich bin bei dir, Gio«, sagte er leise, als er sich neben Giovanni setzte.

Seine Hand suchte nach der seinen, während die Sirenen die Stille der Nacht durchbrachen.

***

Das helle Licht im Aufwachraum brannte wie ein Widerspruch zur Dunkelheit der Nacht draußen. Andrea Bergen und der Chefarzt der Chirurgie, Professor Hebestreit, traten ein, noch in die grünen Kittel gehüllt, die sie während der Operation getragen hatten.

Die OP war gut verlaufen, der Splitter war entfernt worden. Andrea Bergen hatte die Wunde genäht. Giovanni Taberino lag in seinem Bett, seine Haut war blass, doch seine Vitalzeichen waren stabil.

»Herr Taberino«, sagte Professor Hebestreit, während er neben das Bett trat. »Hören Sie mich?«

Giovanni blinzelte, als müsse er sich an die Helligkeit gewöhnen....

Erscheint lt. Verlag 13.9.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
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ISBN-10 3-7517-8868-9 / 3751788689
ISBN-13 978-3-7517-8868-7 / 9783751788687
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