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Soll sein Schulem II: Faroys! -  Daniel Zylbersztajn-Lewandowski

Soll sein Schulem II: Faroys! (eBook)

Ein autobiografisches Zeugnis jüdischer Identität
eBook Download: EPUB
2025 | 7. Auflage
390 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-6951-2006-2 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
10,99 inkl. MwSt
(CHF 10,70)
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Erinnerung und Reflexion - eine lebendige Reise durch jüdisches Leben. Daniel Zylbersztajn-Lewandowski lässt mit den zwei Bänden von "Soll sein Schulem" seine Familiengeschichte lebendig werden - eine tief bewegende Erzählung über die Schicksale seiner Vorfahren vor und während des Holocausts. Im zweiten Teil "Faroys" teilt er mit uns seine eigenen Erfahrungen als Kind von Holocaust-Überlebenden in Deutschland und später in Großbritannien. Offen spricht er über Antisemitismus, Ausgrenzung und die Suche nach Zugehörigkeit, immer begleitet von der Hoffnung auf Versöhnung. Dieses Werk verbindet autobiografische Erzählungen mit historischen und gesellschaftlichen Reflexionen - ein Muss für alle, die von authentischen Geschichten berührt werden wollen.

»Faroys«1 ist der zweite Teil der Serie »Soll sein Schulem« und die Fortsetzung von Teil eins, »Zores«. Das Vorwort und die Danksagung sind jeweils gleich, da sie für beide Bände gelten.

Vorwort und Danksagung


»Niemand kann a Geiss zwingen, rückwärtszulaufen.«

Wolf Zylbersztajn, z«l

»Vielleicht die wichtigste Form des symbolischen Erinnerns ist die Erzählung. Die Person, die sich erinnert, versucht, das in chronologischer Reihenfolge zu platzieren, was ihm:ihr geschehen ist. Außerdem ist die Erzählung ein bewusster und unbewusster Versuch des Teilens und hat somit einen intersubjektiven Aspekt … Die Erzählung spiegelt den Zustand der Person, aber die Bildung der Erzählung hilft zur Wiederherstellung der Selbstintegrität. Wenn ein Geschehen, selbst ein traumatisches, in eine Selbsterzählung gebracht werden kann und wiedererzählt werden kann, dann ist dies bereits ein wichtiger Bestandteil des Heilungsprozesses.«2

Tihamér Bakó & Katalin Zana in Transgenerational Trauma and Therapy (2020).

Was ist das für eine Geiß, eine Geiß, die keiner zwingen kann, rückwärts zu gehen? Ist sie eine gewöhnliche Ziege? Hat es jemand schon mal versucht und geschafft?

Ist es ein Sündenbock, den man nach Azazel schickte und der nicht mehr zurückkommt? Mein Vater Wolf Zylbersztajn ben-Zwi-we-Szyfra z«l dachte eher an das Vergangene, wann immer er diese alte Weisheit mit der Geiß zitierte.3 Sachen, die unabwendbar seien, die er versäumt hätte und jetzt, mit all seiner Lebenserfahrung, sähe.

Papa war wohl einer von vielen Überlebenden der Schoa, der gerne im Besitz einer Geiß gewesen wäre, die mit ihm zurück in die Zeit vor den Zores des Zweiten Weltkriegs 1939 und vor der Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 reisen würde.4 Vielleicht wäre diese die Zukunft kennende Geiß so in der Lage gewesen, seine Eltern Szifra und Herszik, und Fiszl und Dawid, die Brüder meines Vaters, und seine Großmutter und viele andere zu warnen, die alle in der Schoa ihre Leben verlieren würden. Möge die Erinnerung an sie alle ein Segen sein.

Es heißt, dass der Messias uns lebende Menschen eines Tages wieder mit den Verstorbenen vereinen soll. Das mag manchem Hoffnung schenken, doch mein Vater glaubte nicht daran. Trotzdem liegt er heute zur ewigen Ruhe auf dem G‘tt gesegneten jüdischen Friedhof in München und wartet eben doch auf den Messias, so wie alle Toten dort, während seine Seele womöglich dafür sorgt, dass »die Bayern« (FC Bayern) wieder ein gutes Jahr haben und es endlich Frieden zwischen Israel und seinen Nachbarn gibt.

Meine Eltern Wolf und Corrie gaben mir den Mittelnamen Zwi, nach meinem Großvater Herszl. Opa Herszl, ich konnte ihn nie zärtlich Opa nennen, erlag im Zwangslager in Skarżysko-Kamienna einem Typhusausbruch, verursacht durch die unmenschlichen und unhygienischen Umstände, welchen »die sauberen Deutschen« ihre Versklavten aussetzten. Zwi, darunter versteht man in Israel eine Gazelle, also im weitesten Sinne ein Hirschchen, oder eine Geiß. Eine Ziege selber bezeichnet man auf Hebräisch jedoch als aes.

Auch ich kann das Geschehene nicht ändern, ja, nicht einmal alles als Geschichte rekonstruieren. Soll sein Schulem ist nur ein versuchter Rückblick, der nichts an dem ändert, was war. Durch das Verstehen und das Durchdenken des Vergangenen wird jedoch die Stärke unseres Gangs in die Zukunft gestärkt. Es dient zur Weitergabe an die nächste Generation, ganz nach jüdischem Brauch – le dor va dor.

Für meine Tochter Ziporah Zylbersztajn, ihre Generation und alle, die ihr folgen, und zur Erinnerung an alle, die uns begleiteten und jene, die vor uns kamen und die wir nie kennen lernen durften.

Zum gesegneten Gedenken an meine Tante Roza Silberstein z«l, die gerade noch Bergen Belsens überlebte, an Abraham Silberstein z«l, meinen Onkel, Überlebender des Buchenwald-Komplexes und Theresienstadts, meinen Onkel Mosche Silberstein z«l und seine Frau Chaftje z«l, meine Tante, die beide dem Schlimmsten durch eine frühe Flucht entkamen, an meine ermordete Großmutter Szyfra – ich hätte sie gerne gesehen und umarmt – und meinen Onkel Fiszl, und Onkel Dawid, der die Freiheit kommen sah, sie aber nicht mehr erlebte und noch in Theresienstadt starb. Zur gesegneten Ehre meines Großvaters Gerhard z«l: »Ich kämpfe bis heute mit Dir um Deine Rechte und gegen das Vergessen dessen, was man Dir antat, und hätte Dich gerne getroffen und mit Dir darüber gestritten, was deutsch und was jüdisch ist.« Durch die Recherchen erfuhr ich, dass zahlreiche Familienangehörige auf der Seite meiner Mutter in Auschwitz und andernorts umkamen. Auch ihnen, von deren Leben ich nur in Fragmenten erfuhr, gilt dieses Buch. Möge die Erinnerung auch an sie alle ein Segen sein.

Zur gesegneten Erinnerung an meine Tante Gerda Cavallini z«l. Gerda versuchte immer, meine Fragen zu ihrer Kindheit und ihren Jugendjahren zu beantworten. Sie verstarb inmitten der Recherchen für dieses Buch im August 2020.

Zum gesegneten Gedenken an meine liebe Cousine Hanni z«l, der Tochter des Bruders meines Onkels Moisze und seiner Frau Chaftjie, meiner Tante, welche am 1. Inyar 5781 (13.4.2021), einen Tag nach der »Jahrzeit« (trad. jüd. Trauerjahr) meines Vaters, einem Krebsgeschwür erlag. Sie versuchte stets, mit mir zu teilen, was sie wusste, auch wenn es wenig war. Monate, bevor sie starb, konnte ich ihr eine hebräische Googleübersetzung der damals noch nicht redigierten vorläufigen Kapitel über unsere Familie in Szczekociny schicken. Es war immer mein Wunsch, dieses Buch in fertiger Ausführung mit Hanni und meiner Tante Gerda zu teilen, aber zwei Bücher gut zu schreiben, benötig viel Zeit. Ich schaffte es zwar nicht, fertig zu werden, bevor sie ablebten, aber die beiden sind Teil des Ruach Nefesch (hebr. Seelenwind) dieses Buches, vereint mit dem unserer Vorfahr:innen.

Soll sein Schulem dient dem Gedenken an die Welt unter Schoaüberlebenden in der bayerischen Hauptstadt München, in der ich aufwuchs. Außerdem ist es zum Dank an meine Stütze und Frau Claudia und der Erinnerung ihrer Familie und ihre Vorfahren geschrieben worden, die durch die transatlantische Sklaverei schritten und, sobald es ihnen möglich war, ihre Freiheit in Freetown suchten, für sie ein Zion in Westafrika.

Die Toten unserer beiden Familien mahnen vor allzu blinder Arroganz, Selbstsicherheit und vor allzu eifrigem Nationalismus.

Yossi und Agnieszka (Aga Piskiewicz) Bornstein, Yossi ist ein Sohn eines Überlebenden aus Szczekociny. Sie haben sich jahrelang persönlich für die Erinnerung der jüdischen Menschen und Geschichte von Szczekociny eingesetzt. Yossis und Agas Initiative ist es zu verdanken, dass ich überhaupt mit meiner Mutter im Jahr 2011 nach Szczekociny gekommen bin und mich mit allen anderen Überlebenden und ihren Nachfahren an der Aufgabe mitbeteiligen konnte, die Erinnerung und Ehre der dortigen jüdischen Kehilah (hebr. Gemeinde) aufrechtzuerhalten. Danke auch für die Erlaubnis, Fotos und Zitate aus den Memoiren von Izyk Mendel Bornstein, Vater und Stiefvater der beiden, wiedergeben zu dürfen, und für das mir Zur-Verfügung-Stellen des polnisch übersetzten Erinnerungsbuches »Pinkes Szczekociny« der jüdischen Überlebenden der Gemeinde Szczekciny. Dass ihr euren Sohn Daniel genannt habt, wird mir immer eine Ehre bleiben.

Imran Manzoor wurde ein indirekter Begleiter dieses Projekts, zumindest, was den ersten Teil angeht, denn es war er, der mich vor Jahren bat, mit Schüler:in-nen in England über die Erfahrungen meiner Familie in der Schoah zu sprechen. Imran traf ich zunächst aufgrund meiner Arbeit für »Oasis of Peace UK«, als ich Erziehungsberater war. Später begleitete er mich auf den jüdischen Friedhof von Sosnowiec, wo ich für meinem Onkel Kaddisch sagte. Danke an das Kulturamt Sosnowiec, für den Zugang, den sie mir zum Jüdischen Friedhof gewährten. Auch an Imrans Gattin Ewelina Chmielik meinen Dank für ihre Gastfreundschaft.

Danke an die »USC Schoa Foundation«, dafür, dass sie meinen Vater interviewten und dass ich das Material für dieses Buch benutzen durfte, und an Le Monde Diplomatique für die Erlaubnis, das Kapitel »Ich werde Brite« hier wiedergeben zu können, was die großartige Idee von Oliver Pohlisch, einem Kollegen der taz, war.

Für ihre Auskünfte möchte ich ebenfalls Stefan Walter und Wolfgang Hei-drich von der Initiative »Flößberg gedenkt« danken. Wolfgang ging mit mir durch den Wald, um mir Spuren vom Lager Flößberg und den dortigen Friedhof zu zeigen, wo man jener, die dort im Lager um ihr Leben gekommen sind, gedenkt. Dr. Jürgen Wolf führte mich mehrere Stunden lang durch die Überreste Schliebens, gab Informationen zu Schlieben weiter und half ungefragt mit Verbesserungen des Manuskripts. Noch vor der Veröffentlichung dieses Buches sorgte er für eine angemessene Erinnerungstafel an meinen Vater und seine...

Erscheint lt. Verlag 30.7.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
Literatur Romane / Erzählungen
ISBN-10 3-6951-2006-1 / 3695120061
ISBN-13 978-3-6951-2006-2 / 9783695120062
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