Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de

Sigina (eBook)

Heimkehr der KELTEN an die SIEG
eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
396 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-8192-5833-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Sigina -  Susanne Lauer
Systemvoraussetzungen
10,99 inkl. MwSt
(CHF 10,70)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen
Die Bonner Autorin Susanne Lauer mäandert in ihrem neuen Roman entlang der Sieg, im Dreiklang von Beobachtung, Reflexion und Erzählung. Der Strom ist keine statische Kulisse im Rheinland. Die Sieg ist Schauplatz, Historie und Zeitgeschehen, Handelnde und Spiegel der Protagonistin zugleich. «Sigina» ist nicht nur äußerlich betrachtet ein Reiseroman, der auf der Erinnerungsebene Tod und Verlust behandelt und auf der Erzählebene Themen wie Aufbruch, Zusammenhalt, Individualität und das gewollte Anderssein mitlaufen lässt. Die schillernden Persönlichkeiten sorgen für Spannung und reichlich Situationskomik. Ein literarisches Muss für Naturfreunde, Wanderer, Lokalpatrioten, Individualisten und Liebhaber des humorigen Gefechtes.

8. U


Donnerstag, 27. Februar. Er schnürt seine Laufschuhe, packt den Rucksack, fährt mit dem Bus nach Hennef zum Bahnhof. Wochenmarkt. Sonnig. Acht Grad. Er mag den langen Schlauch, mit dem er zum Treppenaufgang der Gleise mäandert. Er mag die historische Zeichnung im Eingang, links an der Wand. Er grüßt den Mann, der stets um diese Uhrzeit auf dem kalten Boden in der Unterführung sitzt. Mittleres Alter, dunkle Haare, Schnauzbart, immer freundlich, Gitarre auf dem Schoss. Spielt er, schallt seine Musik bis hoch auf Gleis zwei. Das hebt die Stimmung. 8:50 Uhr. Die Regionalbahn neun Richtung Siegen fährt ein. Pünktlich. Für die deutsche Bahn hat Morgenstund’ Gold im Mund. Je später der Tag, desto größer ihr Chaos. Acht Minuten Fahrt liegen vor ihm. Mehrmaliges stures Drücken auf den grün blinkenden Knopf an der Tür. Geduld. Einmal drücken reicht nicht. Erst die alten Passagiere raus, dann die neuen rein. Er steigt ein. Der Zug rollt los. Durch einen Graben, an bewaldeten Felswänden vorbei. Sie tarnen die atemberaubende Landschaft. Wiederauftauchen! Die Sieg stromert zur Linken. Dann plötzlich rechts. Dunkel. Ein Tunnel! Auf beiden Seiten der Campingplatz Happach. Der Fluss wird vom Sonnenlicht geblendet, muss blinzeln. Einmal unbeobachtet, wechselt die Sieg klammheimlich die Seite. Da! Ein Zug aus der Gegenrichtung. Angekommen in Eitorf. Ausstieg in Fahrtrichtung rechts.

Eitorf zelebriert das analoge Zeitalter. WLAN-free! 19.500 Einwohner im digitalen off. Hinzu kommen die Besucher, die verzweifelt das Internet suchen und zum digitalen Detox gezwungen werden. Seine Wander-App ist verunsichert. Er verlässt den Bahnhof in Richtung Hauptstraße. Lauscht den Radionachrichten. Der Moderator hat wohl einen Sprachfehler. Er stottert. Hat er doch nicht! Das Smartphone hat einen digitalen Wackelkontakt, auf der verzweifelten Suche nach einem Netz. Sein Hirn setzt die abgehakte Botschaft zu einem Sinn zusammen. Aha, so könnte es gehen! Deutschland wird heute die Türkei überflügeln.

In Nordrhein-Westfalen sind bis zu zwanzig Grad angesagt, in Antalya werden es nur dreizehn. Da möchte er ja sowieso nicht hin. Außerdem ist er kein Typ, der Hitze liebt. Er gehört eher der nordischen Rasse an. Kühle Temperaturen, frische Luft, wenn all das durch seine Stadtlunge rauscht, dann ist das göttlich! Er biegt nach rechts ab. Komoot hat sich eingeloggt. Zeichnet auf. Er durchläuft das Industriegebiet West, folgt dem Wiesenpfad am linken Sieg-Ufer. Nach anderthalb Kilometern zweigt er nach rechts ab, wechselt über eine Brücke auf das andere Flussufer, biegt nach links ab, folgt nun dem asphaltierten Weg.

Was er eigentlich vorhat? Er sucht sie! Sie muss sich doch irgendwo länger aufhalten. Eine Art Bleibe haben, ein Lager. Sie kann doch nicht immer nur den ganzen Tag laufen, immer an der Sieg entlang. Bei jeder erdenklichen Witterung. Er sucht nach ihren Zeichen, nach Spuren, Indizien, nach irgendetwas, das ihm sagt, dass sie da war. Am schönsten wäre es natürlich, sie ist da. Er würde sie sehen. Das Forsythien-Gelb vor dem tiefblauen Himmel sieht phantastisch aus! Die ersten Frühblüher.

Der Frühling ist da. Vier Ziegen dösen auf einer leer gefutterten Weide. Hinter ihnen ruht ein tatenloser Traktor. Stillleben.Wie auf einem Gemälde.

Er lässt seinen Blick schweifen. Von links über die Sieg hinweg nach rechts und dann wieder zurück. Ohne Unterlass! So wie das Pendel einer Uhr, schwenkt er seinen Kopf von links nach rechts, von rechts nach links, tick tack, tick tack. Wer ihm begegnet, wird ihm einen Käfigkoller unterstellen. Dass er zu lange eingesperrt gewesen wäre. Sieht bestimmt befremdlich aus. Aber einen Käfigkoller hat er nicht. Er schaukelt ja nicht mit dem Oberkörper hin und her. Er lässt nur seinen Blick wandern. Dann ist es vielleicht ein Tick? Nicht normal! Stereotyp. Aber was soll er denn tun, bitteschön?! Er muss doch gleichzeitig überall hinschauen, um überhaupt eine Chance zu haben. Ist ihm egal, was die anderen Leute jetzt denken! Um diese Zeit wird er sowieso kaum jemandem begegnen. Sonderlinge genießen früh am Morgen mehr Narrenfreiheit. Stehen nicht so unter Beobachtung. Nein, es ist kein Tick! Seine Bewegungen sind nicht unwillkürlich, sie sind gewollt!

Aber er kann sie nirgends entdecken. Noch nicht einmal einen Fußabdruck von ihr. Deine Spuren im Sand. Howie könnte ihm jetzt auch nicht weiterhelfen. Der ist sowieso ziemlich korpulent geworden. Wahrscheinlich könnte er mit seinem Tempo gar nicht mithalten.

Eigentlich sind sie sogar zu fünft. Er geht genau in der Mitte. Links die Eisenbahntrasse, darunter stromert die Sieg. Alles in Bewegung, alles im Fluss. Der Fluss ist beständig bei ihm, Züge rauschen nur ab und zu an ihm vorbei. Rechts die bewaldeten Höhenzüge des Bergischen Landes. Mittendrin der Höhenweg. Er. Macht fünf.

Nach vier Kilometern hört sein Weg plötzlich auf. Er hat keine Wahl. Er ist gezwungen, den Höhenweg zu nehmen. Soll nach Merten führen, gehört auch zu Eitorf. Ein 368-Seelen-Ort. Wenn im Wald ein sehr schmaler, unbefestigter Weg abrupt steil nach oben führt, dann schöpft er Verdacht. Dann schwant ihm Böses. Dieser hier scheint noch nicht einmal ein offizieller Wanderweg zu sein. Er prüft bei Komoot, wie lange er nun durchhalten muss.

Er klettert über breite Baumstämme, die mitten auf dem Weg liegen. Der Höhenweg mäandert in Kurven. Keine Absicherung. Kein Geländer. Felsbrocken. Jetzt bloß nicht ins Tal hinunter schauen! Er klettert ziemlich langsam. Legt sein ganzes Gewicht nach links. Wenn er jetzt abrutscht und stürzt, dann bevorzugt er die stacheligen Brombeersträucher zu seiner Linken, nicht den freien Fall rechts hinunter ins Tal. Irgendwie ist ihm ein wenig schwindelig. Dabei ist es doch gar nicht so heiß. Oder ist es doch schon wärmer geworden? Zwei Jacken hat er schon unterwegs ausgezogen und im Rucksack verstaut. Sein Smartphone befindet sich im Flugmodus. Bloß keine Geräusche. Das mindert die Konzentration bei solch’ einer ungewohnten Herausforderung. Das macht ihn nur nervös. Er wünscht jetzt keine Ablenkung. Er möchte genau hören können, ob irgendwo etwas fällt, ein Felsbrocken sich über ihm löst. Er zieht vorsichtig an Ästen, bevor er sich ihnen anvertraut, sich an ihnen festhält. Er prüft ihre Widerstandskraft.

Sich an einem Zweig festzuhalten, der sofort abbricht, wäre nicht nur dämlich, sondern fatal. Dann stürzt er heute tatsächlich noch nach unten.

Wie gern würde er hinunter ins Tal schauen! Er weiß schon, was er da sehen würde. Die wunderschöne Tochter der Berge, die knallblaue Sieg, die im Sonnenschein einfach nur phantastisch vor sich hin glitzert, die tief unten durch Berge und Wälder aller erdenklichen Grüntöne stromert. Wenn er das doch schon weiß, ja dann braucht er ja auch gar nicht hinunterschauen. Ob sie vielleicht zu ihm hinaufschaut? Was mag sie dann wohl denken? Das möchte er sich lieber nicht ausmalen. Sie hält ihn bestimmt für einen Dilettanten. Für irgendetwas Artfremdes, das noch niemals in den Bergen war, das vor allem nicht klettern kann und Furcht hat. Also Menschenkenntnis hat sie, sollte sie solches von ihm denken.

Verdammt!
Irgendwann muss die Kraxelei hier doch ein Ende haben!

Tatsächlich. Es ist geschafft! Er ist im Nirgendwo hoch oben ankommen, erleichtert und völlig durchgeschwitzt. Er prüft die Außentemperatur.

Dreizehn Grad. So warm ist das nun auch wieder nicht! Doch die Sonne scheint und er ist in der Höhe. Eine Bank! Was für ein Ausblick! Wie weit er von hier aus gucken kann. Er sieht den Kirchturm von Eitorf. Da unten ist sie! Die Sieg. Wie schön sie ist!

Was er sieht, hat Gewicht, drückt ihn auf seiner Bank nieder. Bewegt ihn zum Bleiben. Er mag gar nicht mehr aufstehen. Es vergeht eine Dreiviertelstunde. Er tut nichts. Er genießt den Panoramablick. Lange hatte er nicht rasten wollen. Ein Biker rauscht die Schlossstraße hinab.

Er macht sich auf den Weg. Biegt nach rechts ab. Läuft bergauf. Erreicht Merten. Ein Schloss, eine Burg und so weiter. Vor der kleinen Bushaltestelle biegt er noch einmal rechts ein. Flaniert an Burgmauern vorbei. Ist auf dem Dreitälerweg. Er marschiert weiter, bis er an eine Eisenbahnbrücke kommt. Sie hat fünf Bögen. Manche hier im Siegtal haben nur vier.

Gut drei Stunden ist er jetzt schon unterwegs. Rund neun Kilometer liegen hinter ihm. Er kann sie nicht finden. Siebzehn Grad. Die Textilien kleben an ihm. Zu sonnig, zu warm! Er ist dankbar für diesen Frühlingstag. Die Morgenstunden sind die schönsten.

Nicht so viel Volk zwischen den Füßen.

Ein Damen-Komitee kommt ihm schwatzend entgegen. Die Frauschaften sind in Au los gepilgert. Machen einen Rundweg. Zehn Kilometer. Sie sind älter als er.

Er kehrt um. Läuft zum Bahngleis in Merten. Nummer zwei. Um zwölf Uhr 42 nimmt er die S12 nach Blankenberg. Die Fahrt dauert exakt 180 Sekunden. Reisen in...

Erscheint lt. Verlag 21.7.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Historische Romane
Schlagworte Aufbruch • Entwicklungsroman • Fluss Sieg • Historie • Lebenskonzepte
ISBN-10 3-8192-5833-7 / 3819258337
ISBN-13 978-3-8192-5833-6 / 9783819258336
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Wasserzeichen)

DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasser­zeichen und ist damit für Sie persona­lisiert. Bei einer missbräuch­lichen Weiter­gabe des eBooks an Dritte ist eine Rück­ver­folgung an die Quelle möglich.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich
Das Ende der Welt. Roman

von Sabine Ebert

eBook Download (2025)
Knaur eBook (Verlag)
CHF 18,55