Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de

Der Bergdoktor 2297 (eBook)

Wenn das Licht schwindet
eBook Download: EPUB
2025 | 1. Aufl. 2025
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-7517-8772-7 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Der Bergdoktor 2297 - Andreas Kufsteiner
Systemvoraussetzungen
1,99 inkl. MwSt
(CHF 1,90)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen

Mit gerade einmal achtundzwanzig Jahren trägt Oliver Moser die Last eines ganzen Lebens auf seinen Schultern: Der Tod des Vaters, eine fragile Mutter, eine verletzte Schwester - und ein kleiner Neffe, der zu ihm aufblickt wie zu einem Helden. Der Hof verlangt ihm alles ab. Schwäche darf er sich keine leisten. Doch Oliver kämpft längst mit einer Wahrheit, die er tief in sich vergraben hat: einer Diagnose, die seine Welt in Dunkelheit taucht. Netzhautdystrophie. Unheilbar. Ein schleichender Verlust des Augenlichts, der seine Tage enger, seine Nächte einsamer macht. Niemand weiß davon. Nicht seine Familie. Nicht seine Freunde. Niemand darf merken, dass er an seine Grenzen stößt. Als eine junge Polizistin im Dorf auftaucht, um eine Serie mysteriöser Wildereien aufzuklären, gerät Olivers mühsam errichtete Fassade ins Wanken. Elisa Hasenbichler ist scharf, entschlossen - und plötzlich überzeugt, dass ausgerechnet Oliver der Täter sein könnte ...

Wenn das Licht schwindet


Ein junger Bauer erblindet und muss sich in ein neues Leben hineinfinden

Von Andreas Kufsteiner

Mit gerade einmal achtundzwanzig Jahren trägt Oliver Moser die Last eines ganzen Lebens auf seinen Schultern: Der Tod des Vaters, eine fragile Mutter, eine verletzte Schwester – und ein kleiner Neffe, der zu ihm aufblickt wie zu einem Helden. Der Hof verlangt ihm alles ab. Schwäche darf er sich keine leisten.

Doch Oliver kämpft längst mit einer Wahrheit, die er tief in sich vergraben hat: einer Diagnose, die seine Welt in Dunkelheit taucht. Netzhautdystrophie. Unheilbar. Ein schleichender Verlust des Augenlichts, der seine Tage enger, seine Nächte einsamer macht. Niemand weiß davon. Nicht seine Familie. Nicht seine Freunde. Niemand darf merken, dass er längst an seine Grenzen stößt.

Als eine junge Polizistin im Dorf auftaucht, um eine Serie mysteriöser Wildereien aufzuklären, gerät Olivers mühsam errichtete Fassade ins Wanken. Elisa Hasenbichler ist scharf, entschlossen – und plötzlich überzeugt, dass ausgerechnet Oliver der Täter sein könnte ...

»Da ist nix mehr zu machen.« Oliver warf seinen Schraubenschlüssel hin, ohne sich darum zu kümmern, ob dieser im Werkzeugkasten oder auf dem Boden im Stroh landete. Stattdessen fuhr er sich mit einer Hand durch die Haare und murmelte einen derben Fluch. Seine Worte verhallten in der einsamen Scheune, wurden verschluckt von der Dunkelheit, die sich allmählich ausbreitete.

In ihm – und um ihn herum.

Er lehnte sich mit einer Hand gegen den Traktor, der seit einiger Zeit hustende Geräusche machte und den er eigentlich reparieren wollte. Früher hätte er das Gefährt auseinanderschrauben und wieder zusammensetzen können. Ja, er hätte sogar behauptet, es mit verbundenen Augen tun zu können.

Tja, inzwischen wusste er es besser, nicht wahr?

Die Sonne neigte sich bereits tief im Westen über den Zillertaler Bergen und tauchte den Himmel in ein Spektakel aus roten und goldenen Schattierungen. Oliver kniff die Augen zusammen und spähte durch das offene Scheunentor in Richtung Horizont, aber was er sah, war mehr eine Erinnerung als ein echter Anblick.

In der Dämmerung konnte er kaum noch eine Kuh von einer Scheune unterscheiden. Seit einiger Zeit fraß sich die abendliche Dunkelheit früher als sonst in sein Blickfeld, trübte seine Sicht und ließ ihn ob der Verschlechterung seines Zustandes verzweifeln. Er brauchte jedes Quäntchen Licht, das er bekommen konnte, und verwünschte jede anbrechende Nacht.

Noch vor einem halben Jahr hatte ihn seine Erkrankung kaum beeinträchtigt. Er hatte sie verdrängen können und sich eingeredet, alles wäre noch wie immer.

Doch das war es nicht.

Seine Welt wurde immer dunkler. Und in den Abendstunden war es am schlimmsten.

Bei hellem Tageslicht fand er sich noch ganz gut zurecht, aber abends lagen die Dinge anders. Wo andere einen wundervollen Sonnenuntergang sahen, erblickte er nichts als Schwärze.

Grimmig richtete sich Oliver nun auf und starrte auf den Traktor, der kaum mehr als eine verschwommene Silhouette war. Früher hätte er ihn leicht selbst reparieren können. Doch das war ihm inzwischen nicht mehr möglich.

An diesem Nachmittag hatte er nach dem defekten Bauteil suchen wollen. Er hatte gedacht, nein, gehofft, er könnte da anknüpfen, wo er aufgehört hatte, doch selbst im hellen Sonnenschein war es ihm unmöglich gewesen, den Fehler zu finden. Und jetzt in der Dämmerung? Unmöglich! Vor seinen Augen verschwamm alles in Schlieren. Es war kein Trost, sich an die vertraute Arbeit zu machen. Es war eine Qual.

Verzweiflung stieg in ihm auf und schwappte mit eisigen Wellen über ihn hinweg. Oliver wandte sich um und wollte die Scheune verlassen. Dabei stolperte er über etwas, das auf dem Boden lag und das er nicht bemerkt hatte.

Instinktiv breitete er die Arme aus, packte den nächstbesten Halt ... und spürte eine Explosion rotglühender Schmerzen in seiner Hand. Er hatte in die Heugabel gefasst, die an der Wand lehnte. Einer der metallenen Zinken bohrte sich in seine Hand.

Oliver fluchte, riss seine Hand zurück und spürte, wie warmes Blut über seine Finger sickerte. Er tastete nach der Verletzung ... und fühlte Blut. Eine Menge Blut. Rasch zog er sein Taschentuch hervor und wickelte es um seine Hand. Dann bückte er sich nach dem Hindernis, das ihn beinahe zu Fall gebracht hätte, und ertastete ... ein Seil.

Eines, wie es genutzt wurde, um die Kälber anzubinden, wenn der Tierarzt kam.

Er fühlte die grobe Hanfschnur, und ein bitterer Geschmack breitete sich in seinem Mund aus. Er vergaß das pulsierende Ziehen in seiner Hand. Dieses Seil ... Wie einfach es wäre, es zu nehmen und über den Haken zu hängen, mit dem früher die Mehlsäcke hochgehievt worden waren, und dann ... ein Ende zu machen. Endlose Finsternis.

Unwillkürlich schlang er die Finger seiner gesunden Hand fester um das Seil. Es war verlockend.

In jedem wachen Moment lauerte in ihm das Grauen vor dem, was kommen würde. Schon bald würde er keine Wiesen und Felder mehr sehen, die sich im hellen Sonnenlicht vor ihm ausbreiteten. Nicht einmal mehr Umrisse ... oder wenigstens helle und dunkle Schlieren. Nichts mehr.

Er würde blind sein.

Dieser Gedanke begleitete ihn vom Aufwachen bis zum Einschlafen. Er hatte eine namenlose Angst davor, ohne die Reste seines Augenlichts zurechtkommen zu müssen. Irgendwann würde es dazu kommen. Und dieser Tag rückte erbarmungslos näher.

Oliver presste das Seil so fest zusammen, dass seine Finger schmerzten. Wenn er jetzt ein Ende machen würde ... er müsste nicht länger dahinsiechen ...

Plötzlich drang von irgendwoher das vergnügte Kichern eines Kindes und riss ihn aus seinen trüben Gedanken. Er ließ das Seil so abrupt los, als hätte er sich verbrannt, und sein Gesicht erwärmte sich, weil er sich so sehr schämte.

Wohin hatten sich seine Gedanken da nur verrannt? Seine Familie brauchte ihn doch! Der Bub – sein Neffe – der hing an ihm. Linus sah in ihm einen väterlichen Freund. Und es gab einiges, das Oliver ihn noch lehren konnte.

Seine Schwester verließ sich in vielem auf ihn, seit der Schürzenjäger, mit dem sie verlobt gewesen war, das Weite gesucht hatte. Und seine Mutter war so zerbrechlich, seit der Vater nicht mehr da war ...

Nein, er durfte sich nicht aufgeben!

»Noch net«, murmelte Oliver und wandte sich wieder dem offenen Scheunentor zu.

»Oliver?« Die Stimme gehörte seiner Mutter. Als er hinaus ins Freie trat, halfen ihm die letzten Reste Tageslicht, die Silhouette seiner Mutter auszumachen. Sie kam direkt auf ihn zu. »Ich hab dich schimpfen gehört. Hat der Marder wieder einen Sack mit Saatgut zerfetzt?«

»Nein. Jemand hat ein Seil rumliegen lassen.«

»Ach, Bub.« Sie lachte und klang erleichtert. »Ich weiß ja, wie sehr du Unordnung verabscheust, aber so arg ist das net.«

Oliver schwieg. Seine Mutter wusste nicht, dass ihn unerwartete Hindernisse jederzeit zu Fall bringen konnten. Er hatte es bisher noch nicht über sich gebracht, seiner Familie von seiner Erkrankung zu erzählen.

Seit Jahren schob er es auf. Anfangs war das nicht schwer gewesen, denn seine Beschwerden hatten ihn kaum beeinträchtigt. Inzwischen war es schwieriger. Er fand Ausreden für seine Ungeschicklichkeit oder bezahlte Helfer dafür, die Dinge zu tun, die ihm nicht mehr möglich waren. Doch das Geheimnis lastete wie ein Bleigewicht auf seiner Seele.

Seit dem Tod des Vaters trug er die Verantwortung für den Hof. Die Familie war hier seit über hundert Jahren heimisch. Von früh bis spät waren alle auf den Beinen, versorgten Kühe, Hühner und Schafe und bewirtschafteten die beiden Ferienwohnungen, die ein zusätzliches Einkommen sicherten.

Arbeit gab es mehr als genug. Die Fäden liefen alle bei Oliver zusammen, der seinem Vater in der Leitung des Hofes nachgefolgt war. Ein Aneurysma hatte Franz-Josef Moser kurz vor seinem fünfzigsten Geburtstag unerwartet aus dem Leben gerissen.

Fünf Jahre war das inzwischen her. Und noch immer klaffte die Lücke in ihrem Leben. Oliver arbeitete hart, um den Hof zusammenzuhalten. Doch wie lange würde er das noch schaffen?

Vor einigen Jahren hatte er die Diagnose hereditäre Netzhautdystrophie bekommen. Seine Augen versagten unaufhaltsam ihren Dienst.

Begonnen hatte es damit, dass er immer wieder von Kühen angerempelt worden war, die urplötzlich neben ihm auftauchten, als wären sie aus dem Boden gewachsen. Er hatte sich mehrere schmerzhafte Tritte auf den Fuß eingehandelt, bis ihm gedämmert war, dass er nicht mehr sah, was sich rechts oder links von ihm tat.

Gesichtsfeldeinschränkung, hatte die Augenärztin es genannt, die er schließlich aufgesucht hatte. Wo gesunde Menschen seitlich von sich noch Bewegung wahrnahmen, war bei ihm nichts mehr. Inzwischen sah er immer weniger scharf – und er brauchte mehr Licht, um etwas erkennen zu können. Und sein Sehvermögen würde sich immer weiter verschlechtern. Bis zur Erblindung.

Er presste die Kiefer...

Erscheint lt. Verlag 2.8.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2017 • 2018 • Alpen • Alpen-Krimi • alpenkrimi kindle • alpen-roman • Arzt • Arztroman • Arztromane • Bastei • bastei hefte • bastei heftromane • bastei romane • bastei romane hefte • Bergdoktor • Berge • Bergpfarrer • Bergroman • berg romane • bergromane • bergromane kindle • bergromane kindle ebook • Bestseller • Bianca • Cora • Deutsch • dr daniel • dr laurin • dr norden • Dr Stefan Frank • eBook • E-Book • eBooks • Fortsetzungsroman • Frauen romane • Frauenromane • Großdruck • große-schrift • Hans Ernst • Heft • Heftchen • Heftroman • heftromane bastei • Heimat • Heimat-Krimi • Heimatromane • heimatromane bastei • heimatromane hefte • Heimatromane kindle • heimatromane kindle ebook • heimatromane kindle ebooks deutsch • hermann-broch • Hütte • Julia • Kelter • Kindle • Landarzt • Liebe • Liebesromane • liebesroman heimat • Mira • Patient • Reihe • Rettung • Romanheft • Roman-Heft • romantik deutsch • romantisch • schicksalsromane • schicksalsromane kindle • schicksalsromane kindle ebooks deutsch • schöne romane • Schwarzwald • Serie • spannend • steingruber • Toni-Hüttenwirt
ISBN-10 3-7517-8772-0 / 3751787720
ISBN-13 978-3-7517-8772-7 / 9783751787727
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Wasserzeichen)

DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasser­zeichen und ist damit für Sie persona­lisiert. Bei einer missbräuch­lichen Weiter­gabe des eBooks an Dritte ist eine Rück­ver­folgung an die Quelle möglich.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich
Roman

von Wolf Haas

eBook Download (2025)
Carl Hanser (Verlag)
CHF 18,55