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Apology for Me (eBook)

eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
238 Seiten
epubli (Verlag)
978-3-8197-6716-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Apology for Me -  Merle Charlott
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Wie lange braucht ein gebrochenes Herz, um zu heilen? Reicht ein halbes Jahrzehnt aus, um über sie hinwegzukommen? Ember hat Amherst, Sutton und das Gedichteschreiben hinter sich gelassen. Fünf Jahre später hat ihr neues Leben in London sie voll im Griff. Doch dieses Leben hält Herausforderungen bereit, die Embers gesamte Identität infrage stellen. Währenddessen hat Sutton Ember hinter sich gelassen. Fünf Jahre später hat ihr altes neues Leben in Amherst sie voll im Griff. Doch als ihre eigene Hochzeit näher rückt, kann sie die Fragen nicht länger ignorieren. Wie lange braucht ein gebrochenes Herz, um zu heilen? Reichen 3.328 Meilen aus, um über sie hinwegzukommen?

Merle Charlott wurde 1996 in einer Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen geboren. Heute lebt sie mitten auf dem Kiez in ihrer Herzensstadt Hamburg, leitet ein veganes Café in Eppendorf, schreibt Drehbücher und produziert eine Web-Serie. In ihrer Freizeit teilt sie auf ihrem Instagram-Account Eindrücke aus ihrem Alltag im Großstadtgetümmel und untermalt diese mit ihren Gedichten. »Apology for Her« ist ihr Debütroman.

Merle Charlott wurde 1996 in einer Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen geboren. Heute lebt sie mitten auf dem Kiez in ihrer Herzensstadt Hamburg, leitet ein veganes Café in Eppendorf, schreibt Drehbücher und produziert eine Web-Serie. In ihrer Freizeit teilt sie auf ihrem Instagram-Account Eindrücke aus ihrem Alltag im Großstadtgetümmel und untermalt diese mit ihren Gedichten. »Apology for Her« ist ihr Debütroman.

Kapitel 2

»I would not paint – a picture –

I’d rather be the One«

– Emily Dickinson, 1862

Arvin

Liebe – sofern man die Worte meiner Schwester verwenden wollte –, Liebe war vergänglich. Und Vergänglichkeit hatte viele Facetten. Hauptsächlich Hässlichkeit. Liebe – falls man meine Worte verwenden wollte – war hässlich.

Warum erzählte ich das? Warum beschäftigte ich mich überhaupt mit der Definition und Sinnhaftigkeit von Liebe? Einem Gefühl, das mir vor langer Zeit abhandengekommen war. Wahrscheinlich, um ferner der Frage auf den Grund zu gehen, wann und vor allem warum mir die Liebe abhandengekommen war.

Als ich Sutton das erste Mal gesehen hatte, war sie bereits ein paar Tage in der Stadt gewesen. Zweiundzwanzig und gerade erst aus Manhattan hergezogen. Die Großstadt hatte ihre Spuren hinterlassen. Sie passte nicht in die Kleinstadt. Sie fiel auf. Sie fiel mir auf.

Sie hatte auf der Treppe vor dem Eingang des Antiquitätenladens ihrer Schwester gesessen. Zu ihren Füßen einen Coffee-To-Go-Becher aus dem Mary’s Crisis. Der Braune aus nachhaltigen, recycelten Materialien zum Aufpreis von einem Dollar, den hier keiner sonst bereit war zu zahlen.

Meine Schwester Ember war Stammkundin im einzigen rein veganen Café der Stadt gewesen. An diesem Tag saß sie wie immer in dem grünen Ohrensessel vorm Schaufenster, wo sie normalerweise unzählige Stunden verharrte. Dem waldgrünen Ohrensessel, wie sie sagen würde. Warum auch immer es wichtig war, die Farbe eines Gegenstandes so genau wie möglich zu spezifizieren.

Während Ember tief in ihr Notizbuch versunken gewesen war, hatte sich Sutton in ihrem Anblick verloren. Ich hatte es sofort gewusst. Konnte es in ihren Augen sehen. Ja, Sutton war vielleicht mir aufgefallen, aber Ember – Ember war Sutton aufgefallen.

Sie hatte sie durch die Linse ihrer Kamera beobachtet. Es war eine alte, analoge Kamera. Ein teures Hobby. Aber auch ein schönes. Es passte zu ihr, auch wenn es sie zum Klischee machte.

Ich hatte sie von der Straßenecke aus im Blick behalten. Kam gerade aus der Kanzlei meines Vaters. Hatte dort die Nacht verbracht und den x-ten Kater in dieser Woche ausgeschlafen. War gegangen, bevor der erste Anzugträger das Büro betrat. Wenn ich betrunken nach Hause gekommen wäre, hätte mein Vater mich bemerkt und mir eine Standpauke über Moral, Zucht und Ordnung gehalten. Er hatte an diesen Tagen oft bis tief in die Nacht an seinem Schreibtisch gesessen.

Sutton, die Fremde aus New York, hatte einen gewöhnungsbedürftigen Kleidungsstil. Ich stieß sie völlig vorverurteilend in die Öko-Schublade und hatte auch nicht vor, sie dort alsbald wieder herauszulassen. Ich stempelte sie ab. Ich schloss die Möglichkeit aus, dass ich jemals mit ihr im Bett landen würde, doch auf ihre verschrobene Art hatte sie etwas Anziehendes.

Ein paar Wochen später hatten wir das erste Mal miteinander geschlafen. Es war heißer, wilder, rein auf Befriedigung orientierter Sex gewesen. Ich wünschte, wir könnten das wiederholen. Wenn wir jetzt miteinander schliefen, dann war der Sex nichts als wütend. Wütend, aber gut. Besser als mit all den anderen, doch viel zu selten. Sutton schlief lieber mit Frauen. Mit einer Frau, um genau zu sein. Rachel Lachlan war die ultimative Inkarnation einer Femme fatale. Woher ich den Begriff kannte? Ember hatte ihn mir beigebracht und erklärt.

Femme fatale; eine besonders attraktive und verführerische Frauenfigur in Kunst und Literatur. Was – wenn man die Worte meiner Schwester verwenden wollte – Mrs. Carpenter zu einem stilistischen Mittel machte.

Sutton

Ich war heimatlos in einen Hafen eingefahren, der Schiffbrüchigen keine Zuflucht gewährte. Seit fünf Jahren tat ich tagein, tagaus nichts anderes, als mich zu verstecken. Vor dem Gerede und den neugierigen Blicken der Leute.

Mein Schwager Willem hatte Amherst neun Monate nach dem Tod meiner Schwester verlassen. Er behielt das Greyhouse, doch es blieb auf unbestimmte Zeit geschlossen. Verstaubte vor sich hin und wurde zu dem, was es einst verkaufte. Zu einer Antiquität.

Zu meinem fünfundzwanzigsten Geburtstag hatte Arvin mir das Greyhouse geschenkt. Er hatte es Willem zu einem Spottpreis abgekauft. Erst ein halbes Jahr später war ich bereit gewesen, den Laden zu betreten. Es fühlte sich falsch an, zwischen all den alten, ausrangierten, unter einer dicken Staubschicht verschwindenden Dingen zu stehen. Ich wollte keine Antiquitäten verkaufen, das war Hunters Leidenschaft gewesen, nicht meine.

Ihre Gegenwart war in jedem Gegenstand spürbar. Mein Kopf betrog meine Augen regelmäßig mit der Vorstellung, sie noch immer hinter dem Tresen sitzen zu sehen. Sie lächelte mir ermutigend zu, als wollte sie sagen, dass sie hinter jeder meiner Entscheidungen stehen würde, egal, welche Konsequenzen diese mit sich brachten.

Also veranstaltete ich einen Flohmarkt, um all das Zeug auf einen Schlag loszuwerden. Ich behielt nur einen alten Massivholzschreibtisch, zwei Staffeleien, drei Regale und vier analoge Kameras. Von dem Erlös der anderen Dinge kaufte ich mir ein paar Zimmerpflanzen für den grünen Flair, Filme für die Kameras, Leinwände und Farbe. In der Hoffnung, ich würde dadurch den Bezug zu meiner Leidenschaft wiederfinden.

Während ich im Greyhouse mein Atelier einrichtete, stattete mir Embers Tante Lorna einen Besuch ab. Sie kündigte sich nicht an. Das tat Tante Lorna grundsätzlich nicht. Sie kam und ging, wie es ihr beliebte. Verließ die Stadt manchmal für mehrere Monate, und wenn sie zurück war, blieb sie nur ein paar wenige Tage. Northhill war nicht ihr Zuhause, sondern ihr Lager.

Arvin und ich lebten zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr auf Northhill. Sein Vater ertrug meine Anwesenheit nur mit dem nötigen Abstand. Der einzige Grund, warum er meine bloße Existenz duldete, war die Tatsache, dass ich die Mutter seiner Enkel war. Doch Edgar war weiterhin der Auffassung, ich würde seinen Sohn ausschließlich wegen dessen Erbe daten. Das Geld und das soziale Ansehen der Dawsons könnten mich dabei nicht weniger interessieren. Aber sie brachten gewisse Vorzüge mit sich und ich hatte gelernt, diese für mich zu nutzen.

Wir hatten ein Haus direkt gegenüber dem Dickinson Museum gemietet. Ich schrieb mich für einen Kunstkurs am Amherst College ein und wählte im Nebenfach Literatur, nur damit ich weiterhin im Museum arbeiten konnte. Ich blieb Sue und bekam in jedem Semester eine neue Emily an die Seite gestellt. Aber auch im echten Leben war ich eine junge Mutter, die vom Vater ihres Kindes hintergangen wurde. Und wie Sue war ich eine Mutter, die dem Mann an ihrer Seite etwas vortäuschte.

Meine emotionalen Seitensprünge verarbeitete ich seither in meiner Kunst. Doch anders als Ember und Emily wollte ich meine Werke nicht länger verstecken. Ich wollte mich nicht länger verstecken. Ich wollte zu der Version von Sue werden, die nicht länger im Schatten der Familie stand, in die sie eingeheiratet hatte. Ich wollte zu der Version von mir werden, über die geredet wurde, weil ihre Kunst die Leute überwältigte, faszinierte und beeindruckte. Ich wollte beeindruckend sein.

Lorna war eines der Poster aufgefallen, die ich ein paar Monate zuvor überall in der Stadt verteilt hatte. Ich lud Amherst dazu ein, meiner ersten Vernissage beizuwohnen.

»Eine Frage der Unvollkommenheit?« Mit Nachdruck hatte sie mir einen der Flyer auf den Schreibtisch gepfeffert.

»Es ist auch schön, dich zu sehen, Lorna.« Wir waren in den letzten Jahren nie wirklich warm miteinander geworden. Doch sie war mir immer noch sympathischer als Arvins Eltern. Was auf Gegenseitigkeit beruhte.

»Warum hast du mir all das hier verschwiegen?« Sie deutete in den noch sehr leeren und kahlen Raum. Alles, was das Greyhouse zu diesem Zeitpunkt beherbergte, waren die Kunstwerke, an denen ich arbeitete. Malereien, die Rachel und mich zeigten, ohne Rachel und mich zu zeigen.

Ich war gerade dabei gewesen, mir im Hinterzimmer eine Dunkelkamera einzurichten.

»Ich bin ein Niemand«, sagte ich nun. »Warum solltest du dich für die Kunst eines Niemands interessieren?«

Lorna stellte Kunst aus, die Rang und Namen hatte. Die sich einer großen Beliebtheit erfreute und bereits ein Stammpublikum mit sich brachte. Wie sollte sie sonst Geld verdienen?

»Jede:r hat eine Geschichte zu erzählen, auch ein Niemand«, entgegnete sie. »Und du, süße, unscheinbare Sutton, hältst Geschichten zurück, die ich nur zu gerne hören würde.«

Einfach so hatte Lorna mich zu ihrem neuen Projekt gemacht – das ich bis heute geblieben war.

»Ich will, dass du was über die Liebe machst.« Nachdem sie wieder einmal für Wochen im Ausland verschwunden war, kehrte sie unangekündigt nach Amherst zurück. Im Schlepptau hatte sie ihr neues, altes Spielzeug. Die personifizierte Exzentrik. Kurt Brewster, der Gitarrist der Indieband Rooftops, mein ehemaliger Kollege aus dem Mary’s Crisis. Und eine fixe Idee, die sie unmittelbar mit mir umsetzen wollte.

»Du willst, dass ich etwas über meine Liebe zu Arvin ausstelle?« Ich beobachtete Kurt dabei, wie er sich breitbeinig an meinen Schreibtisch setzte und sich die Gliederpuppe von der Platte schnappte, um daran herumzuspielen.

»Nicht zu Arvin.«...

Erscheint lt. Verlag 15.7.2025
Verlagsort Berlin
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Dreiecksbeziehung • Entwicklung • gay romance • Gedichte • queere Liebe • Selbstfindung • Selbstliebe
ISBN-10 3-8197-6716-9 / 3819767169
ISBN-13 978-3-8197-6716-6 / 9783819767166
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