The Summer Of Love And Lies (eBook)
918 Seiten
epubli (Verlag)
978-3-8197-6715-9 (ISBN)
Jessica Stute wurde 1991 geboren und lebt und arbeitet seitdem auf dem Land südlich von Hamburg. Schon im Kindesalter beschäftigte sie sich kreativ mit dem Illustrieren und Verfassen von kleinen Geschichten. Sie hat Kommunikationsdesign studiert und arbeitet heute als Social Media Managerin und Grafik Designerin. Die Begeisterung für die USA sowie die Liebe zur Musik inspirieren sie immer wieder zu spannenden, emotionalen Plots und Schauplätzen. Ihre Geschichten befassen sich meist mit Randgruppen und menschlichen Abgründen, gespickt mit einer Prise Popkultur. Besucht Jessica auch auf Instagram unter: frollein_jessy_schreibt
Jessica Stute wurde 1991 geboren und lebt und arbeitet seitdem auf dem Land südlich von Hamburg. Schon im Kindesalter beschäftigte sie sich kreativ mit dem Illustrieren und Verfassen von kleinen Geschichten. Sie hat Kommunikationsdesign studiert und arbeitet heute als Social Media Managerin und Grafik Designerin. Die Begeisterung für die USA sowie die Liebe zur Musik inspirieren sie immer wieder zu spannenden, emotionalen Plots und Schauplätzen. Ihre Geschichten befassen sich meist mit Randgruppen und menschlichen Abgründen, gespickt mit einer Prise Popkultur. Besucht Jessica auch auf Instagram unter: frollein_jessy_schreibt
The Beginning Of Summer
Eliza
Juni 2017 | San Francisco | Kalifornien
Nun sag schon, Elly, was war es dieses Mal?« Meine beste Freundin Philline hievt mit Schwung mein petrolfarbenes Surfbrett von der Halterung ihres Buggy-Jeeps und dreht sich erwartungsvoll und schmunzelnd zu mir um. »War er ein Fuckboy? Wohnt er noch bei seiner Mama? Oder war es der Klassiker: Es liegt nicht an dir, sondern an mir?«
Ich senke den Blick und lächele in mich hinein. »Weder noch«, antworte ich nur knapp und nehme ihr mein Board aus der Hand.»Nick hat ehrlicherweise gesagt, dass es ein schlechter Zeitpunkt für eine Beziehung sei, weil er ab dem Herbst an die Ostküste ans College geht.«
Philline verdreht die Augen. »Ach komm, El, das kaufst du ihm ab? Würde man sich wirklich davon abhalten lassen, wenn man sich echt was bedeutet? Wenn du mich fragst, war das ’ne faule Ausrede. Er will sich bloß nicht festlegen, damit er am College freie Bahn für Abenteuer hat. So sieht es aus. Ich kann einfach nicht glauben, wie viel Pech du immer bei Typen hast.«
»Und wenn schon, Phi, ich glaube, es hätte sowieso nicht gepasst. Ich habe da schließlich auch noch ein Wörtchen mitzureden. Und eine Fernbeziehung kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Er war einfach nicht der Richtige.« Gekonnt schlüpfe ich in meinen kurzärmeligen Neoprenanzug und knote mir meine langen Haare zu einem Dutt zusammen. Pip, meine Mom, sagt immer, sie haben die Farbe von Sand. Blonde, von der Sonne gebleichte Strähnen vermischen sich mit dunkelblonden darunterliegenden. Für so einen Effekt würden so manche mit Sicherheit viel Geld beim Friseur lassen.
»Ja, ja, Online-Dating, der Fluch unserer Generation. Ich sag’s dir, unsere Spezies wird irgendwann aussterben, weil niemand mehr vor die Tür geht. Und weil keiner sich mehr festlegen und sich lieber alle Optionen offenhalten will. Wenn der Richtige kommt, dann ist er es auch über eine gewisse Entfernung,« behauptet Philline und greift ebenfalls nach ihrem eigenen Board. Sie wachst es mehr schlecht als recht und klemmt es sich anschließend unter den Arm. »Na, los. Bist du soweit?«
Ich nicke und folge ihr den schmalen Trampelpfad zwischen den Dünen hinunter, vom Parkplatz bis zum Ocean Beach.
»Kann ja nicht jeder seine große Liebe bereits in der achten Klasse treffen, so wie du und Hunter.« Ich gebe ihr einen liebevollen Klaps auf die Schulter und sie grinst nur, erwidert aber nichts darauf.
Heute ist der perfekte Tag zum Surfen. Das dachten sich offensichtlich viele andere auch, denn bereits der Parkplatz ist brechend voll mit bekannten Gesichtern aus der Surfszene, und auch am Strand tummeln sich Gruppen klassischer Surfer oder Kitesurfer zwischen einigen neugierigen Zuschauern und Touristen.
Der Himmel ist ziemlich trüb für Ende Juni und der Wind fegt über den Sand hinweg, sodass meine Augen zu tränen beginnen. Es sieht so aus, als könne es später am Abend noch Regen geben.
Ich liebe dieses Rauschen. Das des Windes um meine Ohren, zusammen mit dem der brechenden Wellen. Das Meer mit seinen Gezeiten ist für mich eine der wahrhaftigsten Formen einer Naturgewalt. Wenn man weiß, wie, kann man sie jedoch bezwingen und sie für den eigenen Vorteil nutzen. So wie ich, wenn ich mich gleich in die Fluten stürze.
Ich bekomme eine Gänsehaut und meine hellen Härchen auf meinen Unterarmen stellen sich auf, als ich entschlossen neben Philline kurz vor der Gischt stehenbleibe und auf den Pazifik schaue.
Von den zwanzig Grad, die heute in den Straßen San Franciscos herrschen, ist hier draußen nichts mehr zu spüren. Der Wind trägt entfernte Rufe anderer Surfer im offenen Meer zu uns herüber. Die Möwen kreischen über uns und weiter rechts sitzt eine Gruppe Jugendlicher, die lachen und dabei über ihr Handy blecherne Electro-Beats hören.
»Ich hoffe, du bist in Form.« Philline zwinkert mir zu. »Ich werde dich nämlich vernichten.«
»Heute vielleicht. Aber ganz bestimmt nicht beim Surf Cup.«
»Träum weiter.« Sie grinst mir provozierend zu und rennt los. Wenn es um die Wassertemperatur geht, ist sie echt hart im Nehmen. Sie stürzt sich immer sofort hinein, während andere noch zitternd bis zu den Knien im Wasser stehen.
Ich hole einmal tief Luft, umklammere mein Board und laufe ihr wild entschlossen hinterher. »He, warte auf mich.«
Bäuchlings auf meinem Brett liegend und die Leash, die mich und mein Surfbrett verbindet, um mein Fußgelenk gebunden, paddele ich so weit raus, bis ich meine beste Freundin endlich wieder eingeholt habe. Sobald sich meine Haut an die Wassertemperatur gewöhnt hat, die fast identisch mit der Außentemperatur ist, fühlt es sich beinahe warm an meinem Körper an.
Einige Meter trennen mich mittlerweile vom Festland. Die weicheren Wellen schwappen behäbig unter meinem Körper entlang und lassen mich auf meinem Board auf und ab wippen.
Schaut man von hier nach links, sieht man dort nichts weiter als den kilometerlangen Ocean Beach. Blickt man nach rechts, beginnen dort unmittelbar die leichten Hügel vom Lincoln Park, die den Blick auf die dahinterliegende Golden Gate Bridge verwehren. In noch weiterer Entfernung liegt im trüben Nebel das angrenzende klüftige Festland rund um Sausalito. In meinem Rücken wacht der schicke Sunset District sowie der Golden Gate Park, San Franciscos grüne Lunge. Ich kenne diese Stadt in- und auswendig, weil ich hier lebe, seit ich drei Jahre alt bin. Und beinahe genauso lange stehe ich leidenschaftlich gern auf einem Surfbrett.
Philline ruft mir etwas zu, aber ich kann sie nicht richtig verstehen. Ich bin bereits viel zu sehr darauf fokussiert, jede vermeintliche Welle, die sich vor uns aufbäumt, zu inspizieren und abzuchecken, wann der perfekte Zeitpunkt gekommen ist, um sie zu meiner Welle zu machen.
Durch den weißgrauen Himmel werde ich geblendet und ich halte mir eine Hand über meine Augen. Die da hinten könnte was werden.
Philline hat sie auch entdeckt. Aber meine Position ist die bessere, daher überlässt sie mir diese erste Chance. Außerdem gilt: Pro Welle immer nur ein Surfer. Aus Sicherheitsgründen. Aber auch ein unausgesprochener Ehrenkodex unter den Sportlern.
Vor jedem angehenden Ritt greife ich einmal fest um meine Muschelkette, die ich vor Jahren geschenkt bekommen habe, als ich meinen allerersten Contest gewonnen habe, und denke dabei kurz an Dad. Du bist die Welle, sage ich stumm vor mich hin und höre dabei seine Stimme, wie er mir das immer motivierend zugerufen hat, als er es mir damals auf Hawaii beibrachte.
Ich fokussiere mich auf die immer näherkommende Wasserflut und konzentriere mich nur noch auf den weiß schäumenden Kamm. Immer näher taste ich mich heran und bringe mich in Position. Jeden Moment bereit, mich aufzurichten.
Jetzt, denke ich. Mit meinen Händen greife ich links und rechts an den Rand meines Boards, winkele meine Beine an, gehe in die Hocke und dann ... löse ich meine Hände, stelle mich leicht gebeugt auf und halte gekonnt die Balance, während die Welle mich mitreißt. Ich fliege. Gleite fließend mit dieser gigantischen Wassermasse unter mir meterweit dem Ufer entgegen. Die Arme nach links und rechts ausgebreitet, federe ich jede Gegenbewegung ab und stemme meine Füße fest auf den frisch gewachsten Kunststoff. Wasser spritzt mir auf meine Wangen.
Das ist der Moment, in dem ich einfach weiß: Ich liebe das, was ich tue. Für den Moment bin ich mir selbst genug. Und ich brauche keinen Typen, der sich nicht sicher ist, ob er mich will. Und noch eine Sache weiß ich ganz genau: Verdammt, ich werde den Surf Cup in San Diego im September gewinnen.
Erschöpft fahre ich mir durch mein Gesicht und lasse das Süßwasser der Stranddusche neben dem Parkplatz das Salz auf meiner Haut wegspülen.
»Und du willst wirklich nicht mit auf diese Semesterparty?« Philline befestigt währenddessen unsere beiden Surfbretter wieder behutsam auf der Dachreling ihres Jeeps. »Ich könnte dich um acht Uhr abholen. Da werden ganz bestimmt auch ein paar Jungs aus dem Abschlussjahrgang kommen.« Sie zwickt mir liebevoll in die Seite und ich verdrehe die Augen.
»Ich glaube, ich habe erst mal die Nase voll von Dating-Material«, murmele ich erschöpft, meinen Neo bis auf die Hüften heruntergezogen, und kämme meine strohigen Haare notdürftig mit meinen Fingern durch. Das schreit nach einem Conditioner. Dieses ständige Salzwasser ist Gift für meine Locken.
»Ich lasse bestimmt nicht zu, dass du dich wegen einem Typen die ganzen Sommerferien über einigelst und dich nur aufs Training versteifst.« Sie runzelt die Stirn und lässt sich auf dem Fahrersitz nieder. »Wir sind immerhin im zweiten Semester an der USF. Eine bessere Zeit kriegen wir nicht mehr, El. Also entspann dich mal für einen Abend.« Sie gibt mir einen liebevollen Klaps auf die Schulter.
»Ich igel mich nicht wegen Nick ein. Und du willst mich doch nur gleich wieder verkuppeln und mich so vom Training ablenken, damit du am Ende des Sommers besser bist als ich.« Ich lache und strecke ihr im Scherz die Zunge raus. Unsere Rivalität ist immer bloß gespielt. Wir würden uns beiden den Sieg von Herzen gönnen. Obwohl, bei Philline bin ich mir da manchmal nicht ganz sicher ...
»Ich überlege es mir«, sage ich dann, um meine Freundin zu besänftigen. »Ich schreibe dir nachher noch mal, okay?«
Philline lässt den röhrenden Motor an und fährt schwungvoll vom Parkplatz. »Ich verlass mich drauf, El.« Danach säuselt sie noch überdreht in mein Ohr: »Partayyy«, was aber durch den Motorenlärm und den dröhnenden Dance-Beat, den sie...
| Erscheint lt. Verlag | 15.7.2025 |
|---|---|
| Verlagsort | Berlin |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | Familie • Historie • Liebe • New Adult • Romantik • Spannung • USA |
| ISBN-10 | 3-8197-6715-0 / 3819767150 |
| ISBN-13 | 978-3-8197-6715-9 / 9783819767159 |
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