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Neulich bei der Hexe (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
148 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7575-9800-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Neulich bei der Hexe -  Dennis Weiß
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Im ersten Teil lebt eine schrullige Lebkuchenhexe in einem märchenhaften Haus aus Süßigkeiten und wird von Versicherungsvertretern, Jugendamt und Influencern heimgesucht. Während Hänsel und Gretel verzweifelt versuchen, dem Backofen zu entkommen, entwickelt sich das Knusperhäuschen zur offiziell anerkannten Pflegeeinrichtung - inklusive Spiegelabo zur Selbstwertstärkung und Kochmagazinen mit zweideutigen Rezeptideen. Die Hexe glänzt in ihrer Rolle als Gastgeberin - mit Ofen und Humor. Im zweiten Teil gründen vier emanzipierte Märchenfiguren - Ro, Mimi, Soe und Runa - eine feministische Girlband namens GrimmGirls. Mit Songs wie 'Rebellinnen' bringen sie Glamour, Gesellschaftskritik und Popkultur auf die Bühne. Ihre Show wird zum Spektakel, das nicht nur das Publikum, sondern auch festgefahrene Rollenbilder im Märchenland aufrüttelt. Die dritte Geschichte folgt dem mysteriösen Agent Fabel - einem verschrobenen, brillanten Märchenspion mit einem Talent für Rätsel, Tarnung und moralische Grauzonen. In geheimer Mission durchstreift er das Märchenland auf der Suche nach einer finsteren Verschwörung: Jemand sammelt gefährliche Zutaten, um die Realität selbst zu verdrehen. Fabels Spur führt ihn in tiefe Wälder, zu alten Feinden, und zu einer Entscheidung, die alles verändern könnte.

Er beschreibt sich selbst ausdrücklich als Hobbyautor. Seit 2013 veröffentlicht er Bücher. Dabei liegt das Interessensgebiet sowohl im Fantasy/ Mystery als auch im Kinderbuchbereich.

Er beschreibt sich selbst ausdrücklich als Hobbyautor. Seit 2013 veröffentlicht er Bücher. Dabei liegt das Interessensgebiet sowohl im Fantasy/ Mystery als auch im Kinderbuchbereich.

Die Entstehung der GRIMMGirls


"Schlaf dich schön, Rosalie"

Es war einmal in einem Königreich, das technologisch so fortschrittlich war, dass sogar die Tauben Drohnen waren. Leider war das Königspaar damit heillos überfordert.

Der König trug täglich Rüstung – nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil er meinte, „dieser neumodische Kram wie Jeans“ würde „das Rückgrat weichkochen“. Die Königin glaubte, WLAN sei ein Dämon aus dem Osten und verbot alles, was blinkte, piepste oder eine Update-Funktion hatte. Sie hielt TikTok für ein aggressives Insekt und Smartphones für moderne Flüche.

Sie lebten, als wäre das Mittelalter nur ein paar Steuerreformen entfernt. Und doch – oh Wunder! – bekamen sie ein Kind. Eine Tochter. Rosalie.

Das Königreich jubelte. Der Hofstaat fiel in Ohnmacht. Und das Königspaar ließ prompt alle digitalen Glückwünsche verbrennen. „Brieftauben sind ehrlicher“, sagte der König, der bis heute glaubte, eine E-Mail sei eine Brieftaube mit Bleivergiftung.

Zur Taufe veranstalteten sie ein Fest, das so analog war, dass sich selbst die ältesten Gäste fragten, ob man überhaupt noch lebte. Statt Musik gab es Dudelsack. Statt Fotos ein Hofmaler mit Sehnenscheidenentzündung.

Sie luden jede Menge Leute ein – Adelige, Ritter, Feen – aber natürlich vergaßen sie eine. Oder, wie sie es formulierten: „Diese esoterische Resteverwertung vom Schicksalsrand“.

Tante Karenza. Sie war die Schwester der Königin, aber irgendwie hatte sich da ein Gendefekt eingeschlichen. Während die Königin brav Knigge las, braute Karenza Träume aus Wermut und schimpfte auf die Welt, während sie Tarotkarten mit Wodka reinigte.

Die Königin behauptete, man habe sie „versehentlich übersehen“. Wahrscheinlich hatte sie den Namen auf ihrer Pergament-Einladungsliste einfach mit Essig verwischt.

Karenza kam trotzdem. Im schwarzen Samtumhang, mit glitzernden Totenschädeln im Haar, betrat sie den Saal, als gehöre er ihr. Alle erstarrten.

„Wie nett, dass ihr mich nicht eingeladen habt“, begann sie mit einem Lächeln, das einem das Zahnfleisch vereiste. „Keine Sorge. Ich bringe trotzdem ein Geschenk mit.“

Sie trat ans Kinderbettchen, beugte sich über das Baby, das noch nichts von Flüchen, Pflichten oder konservativen Eltern wusste, und flüsterte:

„Wenn Rosalie sechzehn wird, wird sie sich an einem spitzen Gegenstand stechen. Und schlafen. Für immer. Also… bis irgendein Dahergelaufener meint, er müsse seine Lippen an fremdem Eigentum ausprobieren.“

Ein Fluch mit Fußnote. Klassisch Karenza.

Dann verschwand sie – nicht in Rauch, sondern in passiv-aggressivem Funkeln. Der König war außer sich. Die Königin rief nach Weihwasser. Beide riefen nach dem Henker, doch der konnte keine Hexen exekutieren, die sich in Glitzernebel auflösten.

„Wir müssen sie beschützen!“, rief der König. Und beschloss, alle spitzen Gegenstände zu verbieten. Wirklich alle.

Stricknadeln, Spindeln, Häkelnadeln, Zahnstocher – selbst Igel wurden in Sicherheitszonen verbannt. Die Königin ließ eine Vorschrift erlassen, die das Tragen von Broschen nur unter königlicher Aufsicht erlaubte. Der Hofstaat begann zu flüstern, dass vielleicht sie selbst der Fluch war.

Rosalie wuchs also auf in einer Welt ohne moderne Technik – nicht wegen des Fluchs, sondern wegen ihrer Eltern.

Keine Tablets, keine Musik-Apps, kein Fernsehen. Sie wurde mit Märchen groß, auswendig gelerntem Etikettebuch und einem sprechenden Papagei, der Latein fluchte. Ihre Spielkameraden waren Porzellanpuppen mit seelenlosen Glasaugen und ein Reitpony namens „Herr Senf“, das keine Kurven mochte.

Während die Welt draußen in Streams und Smart Homes versank, wuchs Rosalie auf wie eine Disney-Prinzessin auf Sendepause.

Mit sechzehn war sie wunderschön – auf diese altmodische Art, die in Schwarzweißfotos funktioniert. Ihre Eltern planten eine Geburtstagsfeier, bei der weder WLAN noch Meinungsfreiheit zugelassen waren.

„Keine Experimente“, sagte der König.

„Kein Internet!“, sagte die Königin.

„Kein Spaß“, murmelte Rosalie.

Natürlich war sie neugierig. Alle sechzehnjährigen sind neugierig. Und so schlich sie sich in der Nacht vor ihrem Geburtstag durch die Gänge des Schlosses. In einen alten Turm, den niemand mehr betrat, weil dort ein Stromkabel lose hing. (Nicht dass jemand wüsste, was es war.)

Dort traf sie eine alte Frau. Die saß vor einer Spindel. Einer echten. Antik. Punktgefährlich.

„Was ist das?“, fragte Rosalie.

„Das“, sagte die Frau, „ist Handwerk.“

Rosalie war fasziniert. Keine Regeln, keine Etikette. Nur eine Bewegung. Einfach. Echt. Sie beugte sich vor.

„Nicht anfassen“, warnte die Frau. „Man schläft schnell ein, wenn man endlich sich selbst berührt.“

Aber es war zu spät. Rosalie stach sich. Und fiel. Sie schlief.

Nicht dramatisch. Eher wie jemand, der nach sechzehn Jahren konservativer Kontrolle zum ersten Mal in die Realität kippt.

Der König fiel ohnmächtig über seine eigene Prinzipienreiterei, die Königin bat um Beistand aus dem Vatikan, und das Schloss versank in eine tiefe, staubige Stille.

Viele Jahre später kam ein junger Mann vorbei. Kein Prinz, sondern ein Influencer, der sich „Prinz Kev“ nannte und bei TikTok Videos über „mentale Resilienz durch Selfies“ machte.

Er suchte eine Kulisse für ein Retrovideo. Fand das Schloss. Und Rosalie.

„Whoa“, sagte er. „Wie ästhetisch vintage.“

Dann küsste er sie. Nicht aus Liebe. Sondern aus Contentgründen. Rosalie wachte auf.

„Wer bist du und warum klebst du an meinem Gesicht?“, fragte sie.

„Ich hab dich gerettet!“

„Hast du auch gefragt, ob ich gerettet werden will?“

Kevin starrte. Er war verwirrt. Er hatte ein Happy End erwartet. Aber Rosalie war wach. Richtig wach. Nicht nur körperlich.

Sie stand auf, sah sich um, erinnerte sich.

„Wo sind meine Eltern?“

„Tot. Von der Zeit überrollt.“

„Ah. Ironisch.“

Sie schulterte ein Kissen und ging.

Neue geschichte

Glück im Abgang“
Rosalie heiratete Prinz Kev nicht.

Nicht etwa, weil er ein schlechter Mensch war – er war einfach... belanglos. Ein Smoothie aus Selbstoptimierung, Charisma und unangebrachtem Körperkontakt. Er sprach in Podcast-Zitaten und küsste Menschen, bevor er sie grüßte. Rosalie hatte lange geschlafen, aber nicht lange genug, um sich für sowas zu entscheiden.

„Ich hab mich zu lange von anderen wecken lassen“, sagte sie. „Jetzt geh ich selbst los.“

Und so schnürte sie ein Bündel – metaphorisch, denn niemand benutzt mehr Bündel – und verließ das Schloss. Kein Plan. Keine Eskorte. Keine Krone. Nur das Bedürfnis, endlich mal nicht zur Prinzessin, Retterin oder moralischen Lehre zu taugen. Einfach Rosalie sein. Oder wenigstens rausfinden, was das überhaupt bedeutet.

Die Welt da draußen war groß, laut und – zu ihrem Glück – voller Irrsinn.

Ein paar Tage später, in einem ziemlich postkartenreifen Wald, begegnete sie einem Mädchen. Etwa in ihrem Alter, roter Hoodie, Picknickkorb in der Hand. Sah aus wie jemand, der freiwillig für eine Anti-Zucker-Kampagne posierte. Das Mädchen wirkte nervös. Blick nach links, Blick nach rechts.

„Alles okay bei dir?“, fragte Rosalie.

„Ich bin auf dem Weg zur Großmutter“, sagte die Rote. „Wie immer. Jeden Dienstag. Pflicht ist Pflicht.“

„Und warum siehst du dabei aus, als würdest du gleich in eine Steuerprüfung stolpern?“

Rotkäppchen zögerte. Dann platzte es aus ihr heraus:

„Ich will da gar nicht hin! Ich will raus! Reisen! Vielleicht Tätowiererin werden oder Poetin oder einfach mal ausschlafen! Aber nein – jeder erwartet, dass ich brav durch den Wald tapse, dem Wolf ausweiche und Kuchen liefere, als wär ich ein DHL-Bote mit Teenagerkomplex!“

Rosalie nickte. Das kannte sie.

„Dann komm doch einfach mit.“

„Wohin?“

„Keine Ahnung. Aber wenigstens nicht zur Großmutter.“

Rotkäppchen blinzelte. „Aber was ist mit dem Märchen?“

Rosalie grinste. „Glaub mir, das wird eh gerade umgeschrieben.“

Also zogen sie los. Zwei junge Frauen mit schlechtem Orientierungssinn und sehr gutem Instinkt für Unsinn. Sie gingen barfuß, aßen Beeren, die wahrscheinlich nicht tödlich waren, und erzählten sich Geschichten über Albträume in Korsetts und höfische Tischmanieren. Rosalie zeigte Rotkäppchen, wie man ein Feuer macht. Rotkäppchen zeigte Rosalie, wie man „Nein“ sagt, ohne sich dafür zu entschuldigen. Es war großartig. Frei. Unkontrolliert. Und genau da begann das Problem.

Der Wolf hatte alles gehört.

Er war – wie immer – hinter dem nächsten Busch gewesen. Lauschte. Spionierte. Schmiedete Pläne. Nicht aus Bosheit – es war einfach sein Job. Er war der Wolf. Er war der Konflikt in der Geschichte. Ohne ihn – kein Spannungsbogen, keine Moral. Nur zwei Teenager im Wald, die sich gegenseitig Selbstbewusstsein einreden.

„Moment mal“, murmelte er. „Wenn Rotkäppchen nicht zur Großmutter geht – was soll ich dann tun? Wer spielt dann die Großmutter Wer wird dann gefressen? Und vor allem: Wie soll das Märchen enden, verdammt?! Das ergibt doch alles keinen Sinn!“

Er hetzte den beiden hinterher. Aber nicht mit Zähnen – mit Fragen. Er stellte sich ihnen in den Weg. Dramatisch. Wind in den...

Erscheint lt. Verlag 13.7.2025
Verlagsort Berlin
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Comic / Humor / Manga Humor / Satire
Schlagworte Hexe • Kritisch • Märchen • Parodie • Sarkasmus • witzig • Wolf
ISBN-10 3-7575-9800-8 / 3757598008
ISBN-13 978-3-7575-9800-6 / 9783757598006
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