Mozart konnte nicht helfen (eBook)
360 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-8192-5827-5 (ISBN)
Gudrun Leyendecker ist seit 1995 Buchautorin. Sie wurde 1948 in Bonn geboren. Siehe Wikipedia. Sie veröffentlichte bisher über 110 Bücher, unter anderem Sachbücher, Kriminalromane, Liebesromane, und Satire. Leyendecker schreibt auch als Ghostwriterin für namhafte Regisseure. Sie ist Mitglied in schriftstellerischen Verbänden und in einem italienischen Kulturverein. Erfahrungen für ihre Tätigkeit sammelte sie auch in ihrer Jahrzehntelangen Tätigkeit als Lebensberaterin.
Kapitel 3
Katharina kennt man als Freundin der Witwe, und sie ist sofort bereit, mir ein paar Auskünfte zu geben.
In ihrem hellen Wohnzimmer entdecke ich eine besonders freundliche Atmosphäre, die durch etliche Blumen-Arrangements farbig unterstützt wird.
Während sie in ihrer Cappuccino-Tasse herumrührt, betrachte ich sie genau. Ich schätze die schlanke, gepflegt aussehende Frau auf etwa Mitte dreißig.
„Hat Patrick Feinde gehabt?“ frage ich geradeheraus.
„Jeder Mensch hat Feinde“, behauptet sie prompt, und ich sehe sie erstaunt an.
„Wie kommen Sie darauf? Es gibt doch sehr friedliche und liebenswerte Menschen, die niemandem etwas zuleide tun. Wen sollten die stören?“
Katharina schmunzelt. „Die braven Engel werden von denen gehasst, denen sie im Weg sind. Und das sind oft Menschentypen, die ganz und gar keine Engel sind.“
„Wem könnte Patrick im Weg gewesen sein“, hake ich nach. „Hatte Natalie vielleicht einen Freund?“
„Als berufstätige Hausfrau mit zwei Kleinkindern hat man gar keine Zeit dazu“, behauptet sie „aber ich bin sicher, dass dieser allwissende Lehrer unter seinen Schüler einige Feinde hat.“
Überrascht sehe ich sie an. „Ist das nur eine Vermutung, oder wissen Sie etwas darüber?“
„Da gab es mal so eine alte Geschichte, ich glaube es ist jetzt schon zwei oder drei Jahre hier. Da hat ihm jemand eine rote Flüssigkeit über das Auto gekippt. Sie sah aus wie Blut, war aber doch Farbe. Und zu diesem Zeitpunkt stand sein Wagen auf dem Schulparkplatz.“
Ich staune. „Das hat mir bis jetzt noch niemand erzählt. Natürlich kann dort jeder gewesen sein, aber es ist naheliegend, dass diese Tat von einem Schüler oder einem Kollegen ausgeführt wurde. Ich werde mich auf jeden Fall darum kümmern. Wissen Sie mehr darüber?“
„Nein, ich glaube, Patrick hat eine Anzeige gegen Unbekannt eingeleitet, aber, soviel ich weiß, hat es nichts gebracht.“
„Es könnte eine Spur sein“, überlege ich. „Aber trotzdem möchte ich doch noch etwas über die Ehe Ihrer Freunde wissen. Wie waren sie so als Paar? Haben sie sich gut verstanden?“
Katharina hebt die Augenbrauen. „Sie stellen aber Fragen! Sie sind bestimmt nicht verheiratet. Haben Sie einen Partner?“
„Im Moment bin ich solo“, verrate ich ihr, „und verheiratet war ich auch noch nicht. Vermutlich warte ich auf den Traumpartner.“
Sie grinst und sieht mich mitleidig an. „Den findet man nur in Romanen. Wissen Sie denn nicht, dass Männer und Frauen gar nicht zusammenpassen?“
Ich seufze. „Es gibt einige Lektüre, in denen ich ähnliche Hinweise fand. Sie sollen sehr verschieden sein, die männlichen und die weiblichen Exemplare der Spezies Mensch. Aber das hat doch nichts zu bedeuten, dann ist die Anziehung eben viel größer.“
„Wenn Sie das wirklich glauben, haben Sie noch keine lange Beziehung hinter sich gebracht. Die Frauen bemühen sich zwar um eine Emanzipation, aber die Männer können damit gar nicht umgehen.“
„Wie meinen Sie das?“ erkundige ich mich neugierig.
„Die Frauen verlangen in der neuen Zeit mehr von sich, aber die Männer auch von ihren Frauen. Früher hatten die Frauen den Haushalt und die Kinder zu versorgen, und nebenbei mussten sie den Ehemann noch etwas verwöhnen. Aber in der heutigen Zeit sind Frauen berufstätig und müssen sich um alles andere noch nebenbei kümmern. Jetzt sind sie doppelt beschäftigt, und die meisten Männer tun sich schwer mit ihren zugedachten Aufgaben im Haushalt und in der Familie. Die wenigen rühmlichen Ausnahmen verdienen einen Orden.“
„Und wie war das bei Patrick?“
„Er hat sich zu Hause auch kein Bein ausgerissen“, weiß Katharina. „Aber das ist natürlich noch kein Grund für Natalie, ihren Ehemann umzubringen.“
„Dieses Motiv ist mir alleinstehend auch zu schwach, da müsste schon noch einiges dazukommen“, gebe ich zu. „Wie war Patrick denn zu seiner Frau und seinen Kindern? Wenn Sie eine langjährige Freundin sind, konnten Sie doch bestimmt schon einen Einblick bekommen haben.“
„Hinter die Fassaden kann man selten blicken. Denn ich bin ja auch eine Fremde, vor der man sich anders verhält als ohne Zeugen. Nein, wenn Sie etwas über die Ehe wissen wollen, dann müssen Sie Natalie schon selbst fragen. Ein offensichtliches Motiv hat sie jedenfalls nicht.“
Ich lasse nicht locker. „Hatte er eine Freundin oder eine Geliebte?“
„Wenn man davon ausgeht, dass er die Korrektheit in Person war, dann müsste man daraus folgern, dass er absolut treu war. Aber man sieht eben in keinen Menschen hinein. Für mich ist er immer ein Rätsel gewesen.“
Ihre letzten Worte lassen mich aufhorchen. „Können Sie mir das genauer erklären?“
„Auf mich wirkte er immer sehr seriös, aber auch ein wenig unnahbar. Meine Freundin kenne ich sehr lange, und ich war auch Ihre Trauzeugin, aber mit ihm bin ich nie richtig warm geworden. Es war stets eine Distanz zwischen ihm und mir, und sie ging nicht von meiner Seite aus. Aber das kann auch daran liegen, dass ich gegen viele Typen, die ständig jemanden belehren wollen, eine Aversion habe, um nicht zu sagen, wahrscheinlich schon eine Allergie. In seiner Gegenwart wurde auch der älteste Mensch zum Schüler, man fühlte sich ständig von ihm beobachtet und befürchtete, von ihm getadelt zu werden.“
Ich atme tief. „Das hört sich aber doch schon gar nicht mehr so freundlich an“, finde ich.
Sie lacht spöttisch. „Natürlich nicht. „Aber wenn Sie jeden Menschen umbringen wollten, der so ist wie Patrick, dann müssen Sie die halbe Menschheit auslöschen.“
„Ja, es gibt eine ganze Reihe von Besserwissern. Doch nicht alle behandeln den Rest der Welt herablassend. Und solange das Ganze nicht in Nörgelei ausartet, wird man vermutlich mit diesen Menschen umgehen können. Können Sie sich an irgendeine spezielle Situation erinnern?“
„Ich denke, in mancher Hinsicht hat ihm die Flexibilität gefehlt. Ja, einmal habe ich erlebt, dass er recht stur war. Wir waren alle zusammen auf einem Sommerfest der Gemeinde. Eigentlich hatte er gar nicht mitgehen wollen, weil er keinen Spaß an dieser Festivität hatte. Aber Felix, sein Sohn hatte sich zum Geburtstag gewünscht, dass die ganze Familie zusammen dorthin geht, weil sie offenbar nicht oft etwas zusammen unternehmen. Patricks schlechte Laune stand ihm auf dem Gesicht geschrieben, und so hatte er bald auf dem Festgelände überall etwas, an dem es etwas auszusetzen gab. Die Kinder wollten einmal Zuckerwatte probieren, aber der Vater war komplett dagegen und meinte, der Zucker sei schlecht für die Zähne. Womit er ja auch eigentlich recht hat!“
„Und? Wie ist es ausgegangen?“
„Am Ende hatten alle schlechte Laune, denn die Kinder durften nichts von der Süßigkeit probieren, und Natalie und Patrick haben sich auf dem Rückweg auch noch deswegen gestritten.“
„Wenn er sich häufig so ausnahmslos streng verhielt, kann das schon zu Störungen im Familienleben geführt haben“, stelle ich für mich fest. „Ich finde, es sollte Regeln mit Ausnahmen geben. Genauso, wie das Leben eben so spielt. Aber es gibt Personen, die sich für schwach halten, wenn sie nicht ständig konsequent sind.“
„Ich nenne das stur“, teilt mir Katharina mit. „Die Welt ist so bunt und hat nicht diese Klischees, die sich manche Menschen wünschen. Es gibt Wochentage, aber es gibt auch den Ausnahmetag, den Sonntag. Es gibt Sterne, die ihre Bahnen laufen, und es gibt Sternschnuppen, die alle Regeln durchbrechen. Man sollte alles mehr oder weniger spontan und Situations gemäß entscheiden.“
Ich atme tief. „Verbotene Zuckerwatte ist sicher noch kein Mordmotiv. Aber ich muss doch auch Natalie eingehend befragen.“
„Das gehört sicherlich zu Ihrer Arbeit, aber für Natalie lege ich die Hand ins Feuer. So, wie es bei ihnen in der Familie zuging, geht es in vielen Familien zu. Die heile Welt, mit Friede, Freude und Eierkuchen, die gibt es nicht. Und Problemthemen gibt es in einer Familie massenhaft. Zwei Menschen zusammen sind schon viel, genug, um sich streiten zu müssen. Aber je mehr dazukommen, desto mehr Probleme gibt es. Paare sollten erst einmal in Therapien gehen, bevor sie heiraten“, schlägt Katharina vor. „Prophylaktisch wie die Besuche beim Zahnarzt.“
„Da ist was dran, vielleicht sollte man auch konstruktiv streiten lernen. Aber in der Theorie ist das alles einfach, und in der Praxis steckt man dann doch fest.“
Sie grinst. „Aha! Sie haben ja doch schon ein bisschen Ahnung. Aber wer Patrick umgebracht hat, der muss ihn schon gehasst haben. Denn das war keine Tat im Affekt,...
| Erscheint lt. Verlag | 10.7.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller |
| Schlagworte | Eifersucht • Emanzipation • Konflikte • Konkurrenz • Mord |
| ISBN-10 | 3-8192-5827-2 / 3819258272 |
| ISBN-13 | 978-3-8192-5827-5 / 9783819258275 |
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