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Wer bin ich? - Toni Waidacher

Wer bin ich? (eBook)

Der Bergpfarrer 523 – Heimatroman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025
100 Seiten
Blattwerk Handel GmbH (Verlag)
978-3-69049-377-2 (ISBN)
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(CHF 3,40)
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Mit dem Bergpfarrer hat der bekannte Heimatromanautor Toni Waidacher einen wahrhaft unverwechselbaren Charakter geschaffen. Die Romanserie läuft seit über 13 Jahren, hat sich in ihren Themen stets weiterentwickelt und ist interessant für Jung und Alt! Toni Waidacher versteht es meisterhaft, die Welt um seinen Bergpfarrer herum lebendig, eben lebenswirklich zu gestalten. Er vermittelt heimatliche Gefühle, Sinn, Orientierung, Bodenständigkeit. Zugleich ist er ein Genie der Vielseitigkeit, wovon seine bereits weit über 400 Romane zeugen. Diese Serie enthält alles, was die Leserinnen und Leser von Heimatromanen interessiert. Die fünfundzwanzigjährige Dagmar Janner war bis in ihr Innerstes aufgewühlt und erschüttert. Auf dem Sterbebett hatte ihr Corinna Janner, die sie, seit sie denken konnte, Mama genannt hatte, gestanden, dass sie, Dagmar, gleich nach ihrer Geburt zur Adoption freigegeben und von ihr, Corinna Janner, sowie deren inzwischen verstorbenem Mann Gustav, adoptiert worden war. In ihren, Dagmars, Adern, floss also nicht das Blut von Corinna und Gustav Janner. Jetzt befand sich Dagmar in ihrer Wohnung, genau gesagt im Wohnzimmer ihrer Wohnung, saß mit rot geweinten, verquollenen Augen in einem der Sessel und starrte blicklos auf einen unbestimmten Punkt an der Wand. Es überstieg ihr Begriffsvermögen. Sogar den Namen ihrer leiblichen Mutter hatte ihr Corinna verraten können. Er lautete Martina Hagn. Martina war siebzehn Jahre alt gewesen, als sie von ihr, Dagmar, entbunden worden war. Auf Drängen ihrer Eltern hatte sie ihre Tochter zur Adoption freigegeben. Bald nach der Geburt war sie nach St. Johann im Wachnertal verzogen, weil sie dort eine Arbeit als Bedienung in einer Gaststätte angenommen hatte. Die näheren Umstände, wer beispielsweise der Kindsvater war oder aus welchem Grund Martina Hagn nach St. Johann verzogen war, waren nicht bekannt. In Dagmars Kopf wirbelten die Gedanken. Die Tatsache, dass sie nicht die leibliche Tochter von Corinna und Gustav Janner war, änderte nichts daran, dass sie das Gedenken an die beiden voll Liebe in ihrem Herzen trug. Jetzt aber drängte es sie, die Frau kennenzulernen, deren leibliche Tochter sie war. Martina Hagn! St. Johann! Wachnertal!

Die fünfundzwanzigjährige Dagmar Janner war bis in ihr Innerstes aufgewühlt und erschüttert. Auf dem Sterbebett hatte ihr Corinna Janner, die sie, seit sie denken konnte, Mama genannt hatte, gestanden, dass sie, Dagmar, gleich nach ihrer Geburt zur Adoption freigegeben und von ihr, Corinna Janner, sowie deren inzwischen verstorbenem Mann Gustav, adoptiert worden war.

In ihren, Dagmars, Adern, floss also nicht das Blut von Corinna und Gustav Janner.

Jetzt befand sich Dagmar in ihrer Wohnung, genau gesagt im Wohnzimmer ihrer Wohnung, saß mit rot geweinten, verquollenen Augen in einem der Sessel und starrte blicklos auf einen unbestimmten Punkt an der Wand. Es überstieg ihr Begriffsvermögen. Sogar den Namen ihrer leiblichen Mutter hatte ihr Corinna verraten können. Er lautete Martina Hagn. Martina war siebzehn Jahre alt gewesen, als sie von ihr, Dagmar, entbunden worden war. Auf Drängen ihrer Eltern hatte sie ihre Tochter zur Adoption freigegeben. Bald nach der Geburt war sie nach St. Johann im Wachnertal verzogen, weil sie dort eine Arbeit als Bedienung in einer Gaststätte angenommen hatte.

Die näheren Umstände, wer beispielsweise der Kindsvater war oder aus welchem Grund Martina Hagn nach St. Johann verzogen war, waren nicht bekannt.

In Dagmars Kopf wirbelten die Gedanken. Die Tatsache, dass sie nicht die leibliche Tochter von Corinna und Gustav Janner war, änderte nichts daran, dass sie das Gedenken an die beiden voll Liebe in ihrem Herzen trug. Jetzt aber drängte es sie, die Frau kennenzulernen, deren leibliche Tochter sie war.

Martina Hagn! St. Johann! Wachnertal! Drei Begriffe, die eine Spur zu ihrer leiblichen Mutter darstellten. Martina Hagn musste ungefähr zweiundvierzig Jahre alt sein. Ob sie allerdings noch Hagn hieß, war fraglich, denn es war nicht auszuschließen, dass sie geheiratet und den Namen ihres Mannes angenommen hatte.

Dagmar konnte nicht sagen, was bei ihr überwog: Die Trauer um Corinna Janner, die sie in all den Jahren für ihre Mutter gehalten hatte, oder die Erschütterung nach deren Geständnis, dass sie tatsächlich nicht ihre leibliche Mutter gewesen war.

Sie brauchte jemand, mit dem sie reden konnte. Ihr Freund Bertram fiel ihr ein. Er war immer wie ein älterer Bruder zu ihr gewesen. Sie rief ihn an. Bertram meldete sich: »Hallo, Dagmar.« Seine Stimme nahm einen beklommenen Klang an, als er fragte: »Ist etwas mit deiner Mutter?«

Er wusste um den schlechten, lebensbedrohlichen Gesundheitszustand von Corinna Janner.

»Sie ist vor einer Stunde gestorben.« Dagmars Stimme klang brüchig. »Ich hab‘ an ihrem Bett gesessen, als sie die Augen für immer geschlossen hat.« Wieder wurde sie von einer Woge der Wehmut überrollt, sie schluchzte und hatte gegen die Tränen anzukämpfen. Schließlich fuhr sie mit brüchiger Stimme fort: »Ehe sie gestorben ist, hat sie mich in etwas eingeweiht, das sie fünfundzwanzig Jahre lang als Geheimnis gehütet hat. Sie hat mir gestanden, dass ich von ihr und Papa adoptiert worden bin. Gleich nach meiner Geburt hat mich meine leibliche Mutter zur Adoption freigegeben.«

Bertram war baff. Ihm fehlten die Worte. Er vergaß sogar, seine Anteilnahme am Tod von Dagmars Mutter auszudrücken. Erst nach einer Weile murmelte er völlig losgelöst: »Dann – dann bist du gar nicht das leibliche Kind deiner Eltern.« Diese etwas verquere Äußerung verriet, wie sehr ihn die Eröffnung irritierte, geradezu überforderte.

»Ich bin net das leibliche Kind der beiden Menschen, die ich mein Leben lang für meine Eltern gehalten habe«, verbesserte Dagmar ihren Freund.

»Donnerwetter! Gut, dass ich sitze. Das haut mich ja glatt aus den Pantoffeln.«

»Was denkst du, wie mir zumute war – wie mir immer noch zumute ist?«, entgegnete Dagmar. »Es war wie ein Schlag ins Gesicht.«

»Und jetzt?«, fragte Bertram.

»Nun, vor dem Gesetz bin ich wie das leibliche Kind von Corinna und Gustav Janner zu behandeln. Ich könnte die Sache auch auf sich beruhen lassen. Allerdings konnte mir die Mama noch den Namen meiner leiblichen Mutter und ihren letzten bekannten Wohnort nennen.«

»Ich glaube, ich weiß, was du vorhast, Dagmar!«, stieß Bertram hastig hervor. »Du willst dich auf die Suche nach deinen Wurzeln machen, stimmt’s?«

»Sehr richtig.«

»Davon rate ich ab«, erklärte Bertram kategorisch. »Wer weiß, was dich erwartest, solltest du tatsächlich deine leibliche Mutter finden. Sie wird einen Grund gehabt haben, als sie dich zur Adoption freigegeben hat. Es könnte zur größten Enttäuschung deines Lebens ausarten. Das ist ein Vierteljahrhundert her. So eine alte Sache soll man nicht mehr aufrühren. Ich kann es auch dramatischer formulieren, nämlich, so: Wenn man in einem alten Dreck rührt, fängt er wieder an zu stinken.«

»Davon lass‘ ich mich nicht leiten, Bertram. Sobald die Mama beerdigt ist, mache ich mich auf den Weg nach St. Johann. Ich will nichts unversucht lassen, um meine leibliche Mutter zu sprechen und sie zu fragen, warum sie mich damals weggeben hat. Die Mama hat mir erzählt, dass es auf Drängen ihrer Eltern geschehen ist. Martina Hagn war damals erst siebzehn Jahre alt und ihre Eltern hielten sie womöglich nicht für reif genug, um ein Kind aufzuziehen.«

»Das sind Spekulationen«, versetzte Bertram. »Wie gesagt: Ich rate davon ab. Du kannst auf eine glückliche Kindheit zurückblicken. Bewahre das Gedenken an deine Adoptiveltern so, als wären es deine leiblichen Eltern gewesen.«

»Natürlich, Bertram. Sie spielen die bedeutendste Rolle in meinem Leben und ich werde in ihnen immer meine Eltern sehen, jene beiden Menschen, die mir lieb und teuer sind. Ich will aber herausfinden, wo ich wirklich herkomme. Ich will, dass mir meine leibliche Mutter die Frage nach dem Warum beantwortet. Vielleicht kann sie mir sagen, wer mein wirklicher Vater ist. Ich schließe nicht aus, dass ich vielleicht sogar Geschwister habe. Ich will das wissen, Bertram. Darum werde ich nicht ruhen, bis alle meine Fragen beantwortet sind.«

»Wenn du es dir in den Kopf gesetzt hast, werde ich es dir wohl kaum ausreden können«, brummte Bertram. »Ich an deiner Stelle würde jedoch erst mal ein paar Nächte drüber schlafen. Ich würde mir auch nicht allzu viele Gedanken deswegen machen. Deine Mutter hat dich damals weggegeben. Also war es ihr egal, was aus dir werden würde. Sie hat sich scheinbar nie drum bemüht, herauszufinden, wie es dir geht. Du hast für sie keine Rolle gespielt. Ich bin mir sicher, dass deine Suche nach ihr – solltest du sie finden -, in einer herben Enttäuschung endet.«

»Ich werde mich jetzt erst einmal um die Beerdigung der Mama kümmern«, erklärte Dagmar. »Dann muss ich zum Pfarramt, um einen Trauergottesdienst zu arrangieren. Ich denke, den morgigen Tag bin ich damit beschäftigt, die Beerdigung und das ganze Drumherum zu organisieren. Ich melde mich wieder, Bertram.«

»Geh in dich, Dagmar, und fang erst gar nicht an, nach deiner leiblichen Mutter zu forschen«, sagte Bertram mit Nachdruck. »Du könntest es bereuen. Ach ja, als du mir das eben erzählt hast war ich derart perplex, dass ich völlig vergessen hab‘, dir zu versichern, wie Leid es mir tut wegen deiner Mama. Sie war noch viel zu jung, um zu sterben. Ich bin mit meinen Gedanken bei dir, Dagmar. Und das sag‘ ich nicht nur so. Ich fühle mit dir.«

»Danke, Bertram. Der Tod fragt halt nicht nach dem Alter. Für die Mama war es wahrscheinlich eine Erlösung. Ihr Leben war nur noch ein einziges Siechtum.«

»Dennoch ist es nicht gerecht, wenn man so früh sterben muss«, erwiderte Bertram. »Du weißt, dass du mich jederzeit anrufen kannst. Ich bin immer für dich da, Dagmar. Vielleicht schau‘ ich morgen Abend mal bei dir vorbei. Ein bisschen Abwechslung wird dir guttun.«

»Du kannst jederzeit kommen«, erwiderte Dagmar, dann verabschiedete sie sich und beendete das Gespräch.

*

Die Beerdigung ihrer Mutter war vorbei. Dagmar befand sich in ihrer Wohnung und konnte sich nicht entscheiden. Vielleicht hatte Bertram recht und die Suche nach ihrer Mutter würde in einer herben Enttäuschung enden.

Ihr Chef hatte ihr eine Woche Urlaub gewährt, damit sie die Beerdigung, die erforderlichen Behördengänge und alles, was sonst noch nach dem Tod ihrer Mutter zu erledigen war, unter Dach und Fach bringen konnte. Sie hatte ihm nicht erzählt, dass sie als Säugling von Corinna und Gustav Janner adoptiert worden war. Warum auch? Es war einzig und allein ihre Sache. Sie musste schließlich auch vollkommen auf sich gestellt damit fertig werden.

Sie rief beim Einwohnermeldeamt der Gemeinde St. Johann an und erkundigte sich, ob eine Frau Martina Hagn gemeldet war. Unter Hinweis auf den Datenschutz verweigerte man ihr jedoch die Auskunft. Der erste Rückschlag!

Sie telefonierte wieder mit Bertram. Er war in den vergangenen Tagen zweimal bei ihr zu Besuch gewesen, hatte Worte des Trostes gefunden und versucht, ihr Mut zu machen. Und er hatte ihr immer wieder aufs Neue, und zwar eindringlich, davon abgeraten, nach ihrer leiblichen Mutter zu forschen.

Doch der Entschluss, sich auf die Suche zu machen, verfestigte sich in Dagmar mehr und mehr. Sie kontaktierte ihren Chef, den Geschäftsführer eines Discounters, und fragte, ob sie auf die Schnelle eine weitere Woche Urlaub haben könne. Nunmehr verriet sie ihm auch, warum sie den Urlaub benötigte. Sie wollte sich nach St. Johann begeben und Nachforschungen über ihre leibliche Mutter betreiben.

Ihr Chef hatte Verständnis für ihr Anliegen. Wenn er eine Vertretung für eine weitere Woche auftreiben könne, stehe ihrem Wunsch nichts im Weg, erklärte er. Eine Viertelstunde später kam der Rückruf. Der Urlaub war genehmigt. Dagmar bedankte sich und der...

Erscheint lt. Verlag 1.7.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Alpen • Heimat • Hüttenwirt • Liebesgeschichte • Liebesroman • Martin Kelter Verlag • Pfarrer • Sebastian Reiter • Sonnenwinkel • Sophienlust • Toni
ISBN-10 3-69049-377-3 / 3690493773
ISBN-13 978-3-69049-377-2 / 9783690493772
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