Falsches Spiel mit Miss Betsys Herzen (eBook)
256 Seiten
CORA Verlag
978-3-7515-3170-2 (ISBN)
Betsys Schicksal scheint besiegelt: Sie muss eine Stelle als Gesellschafterin antreten, um ihre vom Ruin bedrohte Familie zu unterstützen. All ihre Bemühungen, in dieser Saison einen vermögenden Adligen als Ehemann zu gewinnen, sind kläglich gescheitert. Noch ein letzter Besuch bei ihrem Bruder auf dem Lande, bevor ihr entbehrungsreiches Leben beginnt ... da begegnet ihr die Liebe in Gestalt des charmanten Gutsverwalters James. Sein Kuss lässt ihr Herz aufgeregt klopfen, auch wenn James weder vermögend noch adlig ist. Was Betsy nicht weiß: James ist ein Viscount, hat aber einen sehr guten Grund, ihr das zu verschweigen!
<p>Annie Burrows wurde in Suffolk, England, geboren als Tochter von Eltern, die viel lasen und das Haus voller Bücher hatten. Schon als Mädchen dachte sie sich auf ihrem langen Schulweg oder wenn sie krank im Bett lag, Geschichten aus. Ihre Liebe zu Historischem entdeckte sie in den Herrenhäusern, die sie gemeinsam mit ihren Eltern und ihrer älteren Schwester besichtigte. Weil sie so gern las und sich Geschichten ausdachte, beschloss sie, Literatur zu studieren. An der Universität lernte sie ihren Mann, einen Mathematikstudenten, kennen. Sie heirateten, und Annie zog mit ihm nach Manchester. Sie bekamen zwei Kinder, und so musste sie zunächst ihren Traum von einer Karriere als Schriftstellerin vergessen. Doch ihr Wunsch zu schreiben blieb, und nach mehreren gescheiterten Versuchen wurde ihr Roman "His Cinderella Bride" angenommen und veröffentlicht. Inzwischen sind weitere Regency-Romane von ihr erschienen.</p>
1. KAPITEL
James Patterdale, der älteste Sohn des Earl of Darwen und mit seinem eigenen Titel der Viscount Dundas, verharrte an der Kreuzung und fragte sich, welchen Weg er einschlagen sollte.
Er blickte zu seiner Linken und dann zu seiner Rechten. In gewisser Weise glaubte er nicht, dass es etwas ausmachen würde, welchen Weg er wählen würde. Wohin er sich auch auf Lord Bramhalls Gut begab, er war sicher, dasselbe vorzufinden. Er hatte nur eine einzige, recht unbequeme Nacht im Herrenhaus verbracht, das nahezu verfallen war. Heute waren ihm während seines Ausritts zum nächstliegenden Dorf viele Dächer aufgefallen, die einer Reparatur bedurften, und Läden, die aussahen, als würden sie kaum über die Runden kommen. Der einzige Ort, der noch zu gedeihen schien, war das Wirtshaus, was für die Nüchternheit der Anwohner nichts Gutes verhieß.
Wohin er auch blickte, entdeckte er Zeichen der Verwahrlosung. Im Park lagen die Äste der Bäume, die während eines Unwetters herabgerissen worden waren, noch immer dort, wo sie gefallen waren, und versperrten den Menschen den Weg. Auf den Ackerländern hatte sich Unkraut auf den Feldern ausgebreitet, die stattdessen einträgliche Ernten hätten hervorbringen sollen, wenn man sah, wie fruchtbar der Boden hier war. Und um das Herrenhaus herum hatten auf den Wiesen, die früher wahrscheinlich gepflegte Rasenflächen gewesen waren, bunte Wildblumen überhandgenommen.
Perfekt! Genau ein solches Projekt hatte er gebraucht. Sein einziges Dilemma war, wo er beginnen sollte.
Er war kein besonders belesener Mann und hatte die Poesie ganz besonders verabscheut, aber als er jetzt so auf seinem Pferd saß und überlegte, in welche Richtung er weiterreiten sollte, kam ihm der Gedanke, dass er unversehens auf eine Metapher für sein Leben gestoßen war.
Denn obwohl er gesund und reich war, hatte er in letzter Zeit das Gefühl gehabt, dass er weder ergiebig noch bedeutsam war. Im Grunde genau wie Lord Bramhalls Gut, das eigentlich ausgesprochen ertragreich hätte sein sollen.
Socks rührte sich unter ihm, als würde ihr seine Anspannung auffallen. James beugte sich vor und tätschelte ihr den Hals.
„Ich weiß, du möchtest dich bewegen und etwas tun, nicht wahr? Ich auch. Deswegen bin ich hergekommen.“
Er hatte überall erzählt, dass er die Hausparty verlassen musste, weil seine vor Kurzem verheiratete Schwester Daisy seine Hilfe brauchte. Er sollte ihrem Mann Ben aus den Schwierigkeiten helfen, in denen er im Moment steckte – in diesem Fall, seinem Gut. Es war nicht Bens Schuld, dass das Anwesen in so übler Verfassung war. Er hatte gerade erst geerbt, und obwohl er bereits Pläne gefasst hatte, hatte er sie sofort aufgegeben, als es Bonaparte irgendwie gelungen war, von Elba zu flüchten. Und so war es Ben wichtiger erschienen, zu seinem Regiment zurückzukehren. Daisys Brief hätte in keinem günstigeren Moment kommen können, denn James war mit seiner Familie am Ende seiner Geduld angelangt.
Jeder von ihnen schien den gesamten Sommer immer in der Wattlesham Priory zu verbringen – mitsamt so vielen Freunden, wie sie in dem weitläufigen Haus nur unterbringen konnten. Und während alle anderen sich blendend zu unterhalten schienen, hatte er selbst ihren Eskapaden mit wachsendem Ärger zugesehen. Für seine jüngeren Brüder war es natürlich großartig. Sie amüsierten sich mit dem üblichen Zeitvertreib, hielten Scheingefechte auf dem ganzen Anwesen ab oder spielten sich gegenseitig Streiche. Aber James war jetzt vierundzwanzig Jahre alt und hatte schon längst keine Freude mehr daran, ahnungslosen Freunden mit einem Eimer Wasser über deren Tür eine Falle zu stellen oder sie mit im Gebüsch versteckten Drähten zu Fall zu bringen, um das zweifelhafte Vergnügen zu haben, sie mit dem Gesicht nach unten in einer Pfütze landen zu sehen.
Seine vier jüngeren Brüder hatten ihn beschuldigt, ein Spielverderber geworden zu sein, und verkündet, dass er nicht das Recht habe, so herablassend zu sein, nur weil er der Älteste sei. Daraufhin hatten sie ihre Bemühungen verdoppelt, ihn auf ihr Niveau herabzuziehen, und er hatte ihnen im Großen und Ganzen widerstanden. Aber er hatte seinem Vater nicht ausweichen können, der ihn dafür gescholten hatte, dass er angeblich jedermanns Freude einen Dämpfer versetzte.
„Du solltest junge Leute in ihrer Verspieltheit ermutigen“, hatte er sich beschwert – ziemlich mürrisch, wie James fand. „Jungen in dem Alter brauchen eine gesunde Weise, ihrem Übermut Luft zu verschaffen.“
Was so ziemlich der letzte Tropfen gewesen war. „Als Vater vierundzwanzig war“, teilte er Socks beleidigt mit, da er in letzter Zeit das Gefühl hatte, sein Pferd sei das einzige Geschöpf, mit dem er reden konnte, war er seit fast zehn Jahren schon Earl gewesen. Ihm hat niemand im Nacken gesessen und ihm gesagt, wie er sich verhalten sollte. Niemand erwartete von ihm, unmöglich hohen Erwartungen gerecht zu werden, während man ihm gleichzeitig verweigerte, richtige Arbeit zu leisten. Und noch wichtiger, er war damals schon verheiratet gewesen und ich und Daisy waren schon auf der Welt. Niemand hat sich ihm damals in den Weg gestellt und ihn davon abgehalten, erwachsen zu werden.
„Zum Henker, Socks“, fuhr James fort und hob erstaunt die Augenbrauen. „Gleich zwei Erleuchtungen in ebenso vielen Minuten.“ Denn ihm war klargeworden, dass es genau das war, was sein Vater tat. Er hielt ihn in einem Zustand der Unreife gefangen und erlaubte ihm nicht, erwachsen zu werden, indem er sich weigerte, ihn irgendwelche Verantwortlichkeiten übernehmen zu lassen. James wünschte nur, er hätte das vorher erkannt. Es hätte ihm vielleicht ermöglicht, eine konstruktivere, vernünftigere Unterhaltung mit seinem Vater zu führen, statt einfach nur zunehmend bitterer zu werden, weil er das Gefühl hatte, mit dem Kopf gegen eine Wand zu laufen.
„Dem Himmel sei Dank für Daisys Brief im genau richtigen Moment“, informierte er Socks, die schnaubte und den Kopf schüttelte, als würde sie vollkommen verstehen, was er meinte. Das war das Großartige bei Pferden – diese Bindung, die sie zu jedem knüpften, der sie ritt. „Denn er lieferte mir die perfekte Ausrede abzureisen, bevor Vater mich hinauswerfen oder ich voller Wut davonstürmen konnte. Bevor wir Worte gewechselt hätten, die zu einem völligen Bruch zwischen uns geführt hätten.“
Socks warf den Kopf zurück und tänzelte ein paar Schritte weiter.
„Ja, genau so habe ich mich gefühlt. Als müsste ich mit den Hufen scharren. Wenn ich welche hätte, heißt das. Weil ich mich … beweisen wollte, nehme ich an. Für Leute wie Ben ist es ja gut und schön. Sie können einfach losmarschieren und sich mit Ruhm bekleckern. Aber kannst du dir vorstellen, was für ein Chaos ich verursachen würde, wenn ich einem Regiment beitreten würde, so wenig, wie ich über Kriegstaktiken und dergleichen weiß? Bestenfalls wäre ich nur eine Bürde für alle und schlimmstenfalls würde ich nicht nur mein Leben wegwerfen, sondern auch das all jener unglückseligen Untergebenen, die unter meinem Kommando stünden. Und wofür? Um zu zeigen, dass ich jetzt ein Mann bin und kein Junge mehr?“
Er schnaubte. Und Socks folgte seinem Beispiel, als würde sie jedem seiner Worte zustimmen.
„Aber hier könnte ich wirklich etwas bewirken“, überlegte er laut und sah sich um. Denn mit der Landbewirtschaftung kannte er sich aus. Vater ließ ihn vielleicht nicht an den Entscheidungen teilhaben, aber er ermutigte ihn, zuzusehen und zu lernen, damit er in der Lage sein würde, die Zügel zu übernehmen, wenn es so weit war. Obwohl das noch gute vierzig Jahre dauern konnte, wenn er bedachte, wie jung sein Vater gewesen war, als er angefangen hatte, das Kinderzimmer mit seinem Nachwuchs zu füllen.
„Es muss etwas in der Luft hier liegen“, sagte er. „Plötzlich ist mir alles völlig klar. Daisys Brief war genau, was ich brauchte – eine einmalige Gelegenheit, etwas zu tun und gleichzeitig Vater zu zeigen, dass ich bereit bin. Sie hatte vollkommenes Vertrauen in meine Fähigkeit, hier alles für sie in Ordnung zu bringen, während Ben dabei ist, Bonaparte zu verprügeln. Und Vater konnte schließlich nichts dagegen einwenden, dass ich meiner Schwester helfen wollte, oder? Nicht, nachdem er mir – mein Leben lang – eingebläut hat, es sei meine Pflicht, ein gutes Beispiel für meine jüngeren Geschwister abzugeben. Ha!“
Socks scharrte diesmal wirklich ungeduldig mit den Hufen.
„Genau“, sagte James, beugte sich vor und klopfte ihr auf den Hals. „Wird höchste Zeit, dass wir nicht hier sitzen und darüber nachgrübeln, wie wir hergekommen sind. Lass uns vom Weg abgehen und über das Land reiten. Mal sehen, was uns da erwartet, was meinst du?“ Er lenkte Socks’ Nase hügelauf. „Würde mich gar nicht wundern, wenn wir an einem so schönen Tag wie heute bis zu den walisischen Bergen sehen können.“
Das war das Einzige auf Bens Ländereien, an dem er nichts auszusetzen hatte. Die Aussichten. Wohin man auch blickte, es bot sich einem ein atemberaubender Blick auf eine schroffe Hügellandschaft mit felsigen Tälern und reißenden Flüssen. Die Erde, die diese Hügel bedeckte, war nicht von der dünnen Sorte, die man in einigen Gegenden der Welt vorfand und die nicht mehr als Stechginster und Farnkraut hervorbrachten. Die Hügel hier wiesen eine reiche, üppige Vegetation auf. Und davon, dachte er verärgert, sollte man Gebrauch machen und nicht brach liegen lassen.
...| Erscheint lt. Verlag | 19.8.2025 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Historical |
| Übersetzer | Eleni Nikolina |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | bücher für frauen • Cora • cora bücher • cora historical • cora liebesromane • cora neuerscheinungen • cora romane • Cora Verlag • cora verlag kindle • eBook • ebook liebesroman • Frauenroman • highlander liebesromane • Historische Liebesromane • historisch roman • Liebesgeschichte • Liebesroman • Romantische Bücher |
| ISBN-10 | 3-7515-3170-X / 375153170X |
| ISBN-13 | 978-3-7515-3170-2 / 9783751531702 |
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