Tod auf dem Aper Dorfplatz (eBook)
194 Seiten
BoD - Books on Demand (Verlag)
978-3-8192-4082-9 (ISBN)
Geboren 1971, aufgewachsen in Bad Zwischenahn und nach dem Abitur lange Jahre als Fitnessfachwirt tätig gewesen. Sie lebt mit einem Hund glücklich im schönen Ammerland und träumt von einem Resthof, auf dem sie Schafe und noch mehr Hunde halten kann.
1
Das Telefon klingelte früh am Morgen, es war gerade mal kurz nach fünf Uhr. Silke war schon eine Weile wach und hatte den Ofen angeheizt, nachdem sie mich in den Hof gelassen hatte, senile Bettflucht, Ihr versteht. Es war Frühjahr, die Luft war schön, aber es war auch noch immer etwas frisch am Morgen und des Abends, sodass ich meine alten Knochen dann gern am Ofen wärmte. „Marc, so früh? Du hast Urlaub und solltest ausschlafen.“, lachte Silke und begrüßte den Kommissar fröhlich am Telefon. Ich schaute aus meinem kuscheligen Bett am Ofen zu Silke hinüber. Silke lauschte in den Hörer und ich sah sofort, dass etwas nicht stimmte. Ihr Gesicht hatte plötzlichen einen ernsten Ausdruck angenommen und sie stand mit dem Hörer bewegungslos, fast schon erstarrt an der Küchenzeile. „Das kann nicht sein...“, Silke rang nach Worten und blickte zu mir herüber. Ich konnte Tränen in ihren Augen sehen und mühte mich aus meinem Bettchen, um zu ihr zu gehen. „Marc, Ihr müsst euch irren, das kann nicht sein...“, Tränen rollten Silke bei diesen Worten die Wangen herunter. „Nein, wir kommen!“, Silkes Tonfall war energisch geworden, „Warte dort auf mich und Siley, wir sind in zehn Minuten da.“
Mit schief geneigtem Kopf sah ich Silke an, etwas stimmte hier überhaupt nicht, ich hatte sie noch nie vorher so traurig gesehen. Silke weinte bitterlich, sie ballte die Fäuste und sackte dann zu Boden. Ich drückte mich eng an sie und Silke drückte ihr Gesicht in mein Fell. Wir hockten eine Weile so da, ich hatte keine Ahnung, was los war, aber Marc Rohloff, der Kommissar musste Silke etwas Furchtbares erzählt haben. Vorsichtig stupste ich Silke mit der Nase an, damit sie sich aus ihrer Position löste. „Siley... ich kann es nicht glauben...“, Silke sah mich mit großen Augen an, sie nahm meinen Kopf in ihre Hände und blickte mir in die Augen. „Rainer...“, sie schluchzte, „Rainer ist tot.“ Ich riss meine Augen auf und sah Silke ungläubig an. Rainer war doch gestern Abend noch bei uns gewesen. Wie konnte er tot sein? Silke drückte mich fest an sich und küsste mir den Kopf. „Wir müssen nach Apen, deine Nase wird gebraucht.“ Sie holte tief Luft, straffte die Schulter und stand auf. Mit einem Küchentuch wischte Silke sich die Tränen aus dem Gesicht, „Wir wecken Andreas.“, sagte sie.
Der Tierarzt lag in dem Gästebett eingekuschelt in seine Decke und schlief noch tief und fest. Silke sah ihn von der Tür aus an und überlegte, wie sie ihn wecken sollte. Andreas Hand hing aus dem Bett und ich ging darauf zu und leckte sie ihm. Mein Plan ging auf und Andreas wurde wach. Er rieb sich die Augen und sah uns erstaunt an. „Guten Morgen, Ihr beiden. Habe ich verschlafen?“ Er reckte sich, um auf seine Uhr zu schauen. „Es ist erst halb sechs.“, stellte Andreas erstaunt fest und setzte sich im Bett auf und sah Silke an. „Was ist passiert?“, erschrak er, als er Silkes Gesichtsausdruck bemerkte, die bis dahin noch kein Wort gesagt hatte. „Rainer...“ „Ja?“ „Rainer ist tot.“ Andreas sah Silke mit offenem Mund an. „Rainer? Aber er war doch gestern noch...“ Der Tierarzt war ebenso geschockt wie Silke. Anfänglich hatten sich Rainer und Andreas nicht leiden können, da beide Gefühle für Silke hatten, doch im Laufe der Zeit wurden die beiden gute Freunde und wir alle haben viel Zeit gemeinsam verbracht.
Andreas schlug die Decke zur Seite und stieg mit bloßem Oberkörper aus dem Bett. Er war ein attraktiver Mann, der regelmäßig trainierte und ich bestaunte seine Muskeln. Mit geöffneten Armen ging er auf Silke zu und nahm Silke fest in seine Arme. „Es tut mir so leid. Woher weißt du es? Hatte Rainer einen Unfall?“ Silke lehnte ihren Kopf an seine Brust und kämpfte wieder mit den Tränen. „Marc hat angerufen. Rainer wurde auf dem Aper Dorfplatz gefunden. Wir sollen dort hin kommen.“ „Auf dem Aper Dorfplatz?“, wunderte sich Andreas, fragte jedoch nicht weiter nach. Er gab Silke einen Kuss auf die Stirn, „Ich ziehe mich an, wir können sofort los.“
„Soll ich lieber fahren?“, fragte Andreas und hielt Silke am Arm fest, als sie auf der Fahrerseite einsteigen wollte. „Nein, schon gut, ich fahre.“, lehnte Silke ab und sah den Tierarzt an. Wir fuhren schweigend die Hauptstraße entlang in Richtung Apen. Ich sah aus dem Fenster meinen Freund Barney mit Hanne laufen und bellte kurz. Silke sah in den Rückspiegel und folgte meinem Blick. Hanne winkte fröhlich und Silke grüßte sie zurück. „Hanne ist aber früh dran.“, meinte Andreas. „Sie muss sicher gleich arbeiten.“, antwortete Silke und blickte starr auf die Straße. Ich konnte ihr ansehen, dass sie mit den Tränen kämpfte, doch sie riss sich zusammen und wir erreichten den Dorfplatz, der von Polizisten nur so wimmelte.
Helle Scheinwerfer erleuchteten den Platz und Silke parkte unseren Wagen vor dem Absperrband, das rund um den Platz von der Polizei gespannt worden war. Andreas öffnete seine Tür und stieg aus, er blickte sich um und suchte Marc Rohloff. Silke hielt das Lenkrad noch immer fest in den Händen und vermied es, auf den Dorfplatz zu schauen. Von meinem Platz im Kofferraum aus konnte ich nicht viel sehen und so winselte ich leise, damit Silke endlich auch ausstieg und mich rausließ. Sie straffte die Schultern, holte tief Luft, blies diese wieder laut aus und löste den Gurt. Andreas hatte inzwischen bereits den Kofferraum geöffnet und leinte mich an, damit ich nicht drauflos rannte und Spuren zerstörte. „Siley, bleib bei Fuß.“, wies er mich an, doch ich strebte zur Fahrertür, um bei Silke zu sein, sie brauchte mich jetzt an ihrer Seite, das spürte ich, als sie ausstieg. Andreas hob seinen Arm und wollte ihn um Silkes Schulter legen, doch er sah davon ab, da Silke ihm die Leine aus der Hand nahm und ihm dabei einen seltsamen Blick zuwarf. „Komm, lass uns Marc suchen.“, sagte sie und wir liefen los.
Der Kommissar sah uns und kam uns entgegen. „Silke...“, begann er, „Willst du wirklich...“, Marc brach seine Frage ab und wies mit dem Kopf leicht in Richtung Mitte des Dorfplatzes. „Ja, ich muss.“, meinte Silke und der Kommissar sah Andreas mit einem fragenden Blick an, der diesen mit einem Schulterzucken beantwortete. Ich blieb dicht an Silkes Bein, um ihr beizustehen, aber auch, da mir selbst etwas flau im Magen war. Rainer war ein langjähriger Freund gewesen und mir fielen auf dem Weg zur Mitte des Dorfplatzes viele schöne Erinnerungen mit ihm ein. Wir hatten ein paar Mordfälle mit ihm zusammen aufgeklärt und er hatte Silke immer ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert, wenn wir gemeinsam Zeit verbracht hatten. Silke lief geradewegs ohne zu Zögern voran. Marc und Andreas folgten uns.
Ich sah zu Silke auf als wir bei Rainer ankamen. Sie bemerkte meine Unsicherheit und lächelte mich leise nickend an. „Mir geht es genauso.“, flüsterte sie und beugte sich zu mir hinunter, um mir den Kopf zu streicheln, „Aber wir schaffen das.“ Silkes Worte gaben mir wieder Mut und wir schauten auf den Mann am Boden. Rainer lag rücklings mit geschlossenen Augen am Boden. Die Arme lagen eng an seinem Körper und auch die Beine waren lang ausgestreckt. Silke hockte sich neben Rainers Kopf und sah ihn an. Tränen liefen ihr die Wangen herunter. Andreas hockte sich neben Silke und wusste nicht recht, was er tun sollte. Allen war der Schock anzusehen. Rainer lag tot vor uns und es schien wie ein böser Traum zu sein. „Was ist denn passiert? Wisst Ihr schon etwas?“, fragte Silke und wischte sich die Tränen ab. „Wir glauben, dass es ein Unfall war, da die Verletzungen ganz typisch danach aussehen.“, erklärte Marc ganz sachlich, wobei auch ihm anzusehen war, dass er sehr betroffen war, immerhin hatten sich Rainer und Marc ebenfalls gut gekannt.“ „Du hast Zweifel, das sehe ich dir doch an.“ Silke sah zu dem Kommissar auf. „Nun ja... bisher sind das nur Vermutungen, aber...“ „Aber was?“, fragte Silke ungeduldig. „Es ist die Art, wie Rainer hier liegt, das sieht eher so aus, als ob er hier abgelegt wurde.“ Silke sah mich an und überlegte kurz, „Du meinst diese gerade Haltung und dann noch mitten auf dem Dorfplatz, oder? Hier kommt gewöhnlich kein Auto mal zufällig mitten in der Nacht vorbei. Außerdem wäre Rainer hier auf seinem Nachhauseweg auch nicht vorbeigekommen.“ „Genau.“, stimmte Marc ihr zu und Andreas zupfte sich an seinem Bart.
Die unwirkliche Situation mit dem toten Rainer vor uns wurde von dem Gerichtsmediziner unterbrochen. „Moin Marc.“, nickte er, „Silke, Andreas.“, grüßte er uns. Der Mann legte eine Hand auf die Schulter, „Als Marc mich angerufen hat, war ich geschockt. Es tut mir leid, ich weiß, dass Ihr Euch sehr nahegestanden habt.“ Silke quälte sich ein Lächeln ab, „Ja, das haben wir. Ich kann das noch gar nicht fassen. Rainer war mein engster Vertrauter.“ „Ich werde Rainer genau untersuchen. Marc hat mich bereits am Telefon...
| Erscheint lt. Verlag | 3.7.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller |
| Schlagworte | Humor • Hunde • Krimi • Labrador • Regionaler Krimi |
| ISBN-10 | 3-8192-4082-9 / 3819240829 |
| ISBN-13 | 978-3-8192-4082-9 / 9783819240829 |
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