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Das Blut der weißen Pferde (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025
482 Seiten
BoD - Books on Demand (Verlag)
978-3-8192-8983-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Das Blut der weißen Pferde - Herbert Schida
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Die Thüringer hatten im Jahre 529 die Franken in der Nähe des heutigen Eisenach besiegt. So mancher Krieger wurde im Kampf verwundet oder getötet. In vielen Sippen lagen Freud und Leid eng beieinander. Herwald, der Sippenälteste von Rodewin, weilt nun in Walhall und sein ältester Sohn Harald wurde schwer verwundet. In Zukunft soll es zwischen den Franken und den Thüringern ein lange währendes Friedensbündnis geben. Geiseln werden ausgetauscht. Im Geheimen schmiedet der Frankenkönig Theuderich jedoch bereits neue Angriffspläne. Hartwig, Herwalds zweiter Sohn, kommt als Geisel an den fränkischen Königshof und lernt dort viel Neues kennen. Er erfährt, dass die Franken einen erneuten Angriff auf seine Heimat planen. Mit dem Bruder von Radegunde, die später die Heilige genannt wird, flieht er aus Reims und warnt die Thüringer. 531 kam es zur großen Schlacht an der Unstrut, bei der die Thüringer unterlagen.

Herbert Schida wurde 1946 in Neuroda, einem kleinen Dorf in Thüringen, geboren. Die Schule besuchte er in einigen Orten der Gemeinde Wipfratal, in Arnstadt und in Erfurt. Nach dem Technikstudium an der TH Ilmenau ging Herbert Schida nach Berlin und arbeitete in einem Institut auf dem Gebiet der Supraleitung. 1980 übersiedelte der Autor mit seiner Familie nach Wien. Hier war er in einem internationalen Konzern tätig und reiste dienstlich oft nach Israel (1989-1991) und in die Volksrepublik China (1994-2004). Neben seinem Beruf befasste sich Herbert Schida seit 1975 mit der Malerei und Grafik und hatte seit 1984 Ausstellungen im In- und Ausland. Mehr ist hierzu auf seiner Homepage unter www.schida.net zu finden. In den letzten Jahren widmete er sich verstärkt der Geschichte des Thüringer Königreiches. Als Mitglied der Elgersburger Ritterschaft ist ihm auch die Erforschung der Heimatgeschichte ein wichtiges Anliegen. Sie bildet einen Grundstein für diesen Roman.

1. Wahl des Gaugrafen


Silbern glänzte der Reif auf den Wiesen und die Morgenkälte drang durch die Kleidung. Hartwig, ein Sohn des im Krieg gegen die Franken gefallenen Gaugrafen von Rodewin, war mit seinem Sklaven Sigu schon kurz nach Mitternacht aufgebrochen, um ein Stück Wild zu erlegen. Als Morgenmensch liebte er es, den Tag sehr früh zu beginnen. Wenn er lange vor den anderen auf den Beinen war, hatte er das Gefühl, ihnen voraus zu sein. Auf der Burg des Königs Herminafrid war das Jagen eine seiner liebsten Beschäftigungen. Die beiden Prinzen Amalafred und Baldur, mit denen er fast den ganzen Tag zusammen verbrachte, waren Langschläfer und sie konnten dieser Neigung ihres Freundes nichts abgewinnen.

Eine Stunde von der Burg entfernt gab es eine Waldlichtung, die regelmäßig von Rehwild aufgesucht wurde und wo Hartwig schon öfter Jagdglück hatte. Hier versteckte er sich mit Sigu, seinem Sklaven, am Rande des Unterholzes und wartete geduldig. Mit den ersten Sonnenstrahlen waren die Rehe zu sehen. Vorsichtig traten sie aus dem geschützten Dickicht des Waldes, stets auf der Hut, bevor sie langsam weiter gingen und dabei ästen. Der Wind stand gut und er hatte seinen Standort so gewählt, dass die Tiere keine Witterung aufnehmen konnten.

Da kam eines der Rehe nah heran. Er spannte den Bogen und der Pfeil zischte durch die Luft. Es war ein guter Schuss und das Tier fiel, in die Brust getroffen, nach wenigen Schritten zu Boden. Die übrigen Rehe jagten in wilder Flucht zurück in den Wald. Hartwig ging zu dem erlegten Reh und weidete es aus. Er packte es seinem Sklaven auf die Schultern und sie liefen zurück zur Burg.

Dies war ein Morgen, wie er ihn mochte, schönes Wetter, Morgensonne und Jagdglück. Er konnte sich nichts Schöneres in diesem Moment vorstellen. Auf dem Heimweg dachte er daran, wie er vor vielen Jahren mit seinem Vater oder manchmal mit seinem großen Bruder Harald frühmorgens in der Umgebung von Rodewin jagen ging. Dies war jetzt nicht mehr möglich. Sein Vater starb im Krieg gegen die Franken und sein Bruder Harald verlor dabei ein Bein und wird wohl nie mehr zur Jagd gehen können. Das alles passierte erst vor wenigen Monden, eine Zeit, in der sich so viel im Thüringer Königreich ereignete.

Jetzt lebte Hartwig auf der Herminaburg, dem Königssitz der Thüringer. Er war der Gefährte von Baldur, dem Neffen des Königs Herminafrid. Der Prinz und seine Schwester Radegunde kamen nach dem Tod ihres Vaters Bertachar in die Obhut ihres Onkels, der nun alleiniger König des großen Thüringer Reiches war. Es erstreckte sich vom Norden des Harzes bis zur Donau und von der Elbe bis zur Werra. Nach dem Sieg gegen die Franken, kam im Westen noch das Gebiet zwischen Werra und Fulda hinzu.

Hartwigs Braut Elke lebte bei ihrem Vater, dem Gaugraf Weibel vom Elbkniegau. Er hatte sie schon lange nicht mehr gesehen und sehnte sich nach ihr. Die Hochzeit war zwischen den beiden Vätern für das kommende Jahr vereinbart worden und sein zukünftiger Schwiegervater Weibel wollte ihm ein Stück Land in seinem Gau schenken. Dann könnte er jedoch nicht bei Baldur auf der Herminaburg, dessen Gefolgsmann er war, sein. Was sollte er tun?

Am Burghof war schon reges Leben. Alle gingen ihrem Tagwerk nach. Sigu lieferte das erlegte Reh in der Küche ab und bekam von der dicken Köchin einen süßen Brei zum Frühstück vorgesetzt. Er konnte sich hier am Königshof nicht beklagen, denn sein Herr brauchte seine Dienste nur selten und so machte er sich in der Küche nützlich. Hier gab es immer viel zu tun und er übernahm gern die schweren Arbeiten, wie das Heranschaffen des Wassers oder Spalten des Brennholzes.

Die Herrschaften schliefen noch und Hartwig sah vor dem gemeinsamen Frühstück nach den Pferden. In den Ställen waren die weißen Rösser in separaten Boxen untergebracht. Sein Hengst hatte auch eine eigene Box. Er wieherte, als er zu ihm kam. Sigu hatte ihn schon gestriegelt, bevor sie gemeinsam zur Jagd gingen. Das edle Tier war ein Geschenk seines Vaters für die bestandene Jungkriegerprüfung. Es leckte an seiner Hand und scharrte leicht mit den Vorderhufen.

„Heute werde ich mit dir wieder ein wenig ausreiten, damit du mir im Stall nicht verrottest“, sprach er in ruhigem Ton und der Hengst schien ihn zu verstehen und nickte heftig mit dem Kopf.

Es war Zeit, zur Essentafel zu gehen und das gemeinsame Frühstück einzunehmen. Die Königin saß mit ihrer Tochter und Radegunde schon am Tisch. Als der König kam, fragte er mürrisch, warum Amalafred und Baldur noch nicht anwesend waren.

„Die haben bestimmt wieder verschlafen“, meinte die Tochter und kicherte in die vorgehaltene Hand.

„Was gibt es da zu lachen?“, schalt sie ihr Vater. Sofort verstummte sie und blickte nach unten.

„Kennst du den Grund für ihre Verspätung?“, wollte ihr Vater noch von ihr wissen. Sie traute sich nichts zu sagen.

In dem Moment kamen Amalafred und Baldur in den Raum.

„Warum kommt ihr zu spät zum Frühstück?“, schnarrte Herminafrid sie an.

„Entschuldige Vater, wir waren noch in der Kapelle zur Morgenandacht“, antwortete sein Sohn Amalafred.

„Die könntet ihr nach dem Frühstück verrichten oder entsprechend früher aufstehen.“

Irgendwie war der König an diesem Morgen missgelaunt. Vielleicht hatte er schlecht geschlafen oder Ärger mit dem Bau seiner neuen Burg gehabt. Allen war klar, dass es besser wäre, ihn an diesem Tag nicht zu reizen.

Das Essen wurde aufgetragen und keiner sprach mehr ein Wort. Der König sah in die Runde und zuletzt blickte er Hartwig an.

„Ich habe gestern Nachricht von deinem Bruder erhalten, er bittet dich zu ihm. Es steht die Wahl zum Gaugrafen des Oberwipgaus an und da möchte er dich gern dabeihaben. Du kannst also heute schon abreisen.“

Hartwig versuchte seine übermäßige Freude zu unterdrücken.

„Ich danke dir mein König, aber ich hätte noch eine Bitte.“

„Was möchtest du? Sprich!“

„Dürfte mich Baldur begleiten? Meine Sippe würde ihn gern einmal wiedersehen.“

„Die Bitte ist dir gewährt. Doch bleibt nicht länger weg, als es sein muss. Mein Sohn Amalafred kann auch mit euch ziehen und sehen, wie man auf dem Lande lebt.“ Herminafrid stand auf und ging eilig aus dem Raum. Alle schienen aufzuatmen. Der König war ein cholerischer Mann und wenn er schlechte Laune hatte, versuchte ihm jeder auszuweichen.

Die drei jungen Männer freuten sich sehr, dass sie für ein paar Tage verreisen durften. Sie gingen in ihre Kemenate und packten ein paar Dinge für die Reise ein. Die Königin gab Hartwig ein kleines verschnürtes Bündel und bat es seiner Mutter zu geben.

Eilig ritten die drei aus dem Burgtor in Richtung Rodewin. Sie wählten den kürzesten Weg, damit sie noch vor dem Dunkelwerden dort ankommen konnten.

An einem Bach machten sie gegen Mittag Rast und verzehrten ihren Reiseproviant, den die dicke Köchin mitgegeben hatte. Als Amalafred sein Pferd an das Bachufer zum Tränken führte, sprach Baldur ganz leise zu Hartwig.

„Das war eine prima Idee, dass du den König gefragt hast, ob ich dich begleiten darf. Aber von mir und Ursula darfst du Amalafred nichts verraten. Möglicherweise verplappert er sich bei seiner Mutter und ich könnte großen Ärger bekommen.“

„Natürlich werde ich nichts sagen. Du kannst doch allein nach Alfenheim reiten und Amalafred bleibt so lange bei mir in Rodewin.“

„Es ist das Beste, wenn wir es so machen. Ich werde ihm sagen, dass ich einen alten Freund dort besuchen will.“

„Das geht schon in Ordnung“, beruhigte ihn Hartwig. Amalafred kam zurück und war bereit, weiter zu reiten. Von den dreien war er der Jüngste und im Sattel nicht so ausdauernd, wie Baldur und sein Freund. Oft fragte er, ob sie eine kurze Pause machen könnten, doch die anderen beiden drängten ihn durchzuhalten.

Am späten Nachmittag erreichten sie völlig entkräftet Rodewin. Der Ritt war sehr anstrengend, auch für Baldur und Hartwig, die vor der Schlacht gegen die Franken als Meldereiter ähnliche Strecken im Tagesritt bewältigen mussten und daher solche Strapazen kannten.

Die Wiedersehensfreude war bei allen groß. Als Amalafred von seinem Hengst abstieg, konnte er sich kaum auf den Beinen halten. Jaros und Siegbert halfen ihm ins Haus zu kommen, damit er sich dort an den Tisch setzen und ein wenig ausruhen konnte. Die anderen beiden mussten erst einmal erzählen, wie es ihnen am Hof des Königs Herminafrid erging. In den schönsten Farben schmückten sie das Leben dort aus, dass alle bis auf Harald aus dem Staunen nicht herauskamen.

Der Sippenälteste Harald wusste, dass nicht alles, was golden glänzt, wirklich Gold war. Er hatte Herminafrid kennengelernt und vermutete, dass es bestimmt nicht leicht war, mit ihm unter einem Dach zu leben. Doch das behielt er für sich. Die Zuhörer würden sich über das echte Burgleben ohnehin keine rechten Vorstellungen machen können.

Waltraut, Hartwigs Mutter, hatte das...

Erscheint lt. Verlag 3.7.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Historische Romane
Schlagworte Franken • Geschichte • Merowinger • Thüringen • Völkerwanderung
ISBN-10 3-8192-8983-6 / 3819289836
ISBN-13 978-3-8192-8983-5 / 9783819289835
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