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Es sei denn, es geschieht ein Wunder (eBook)

Ein Israel-Roman nach einer wahren Begebenheit.
eBook Download: EPUB
2023 | 1. Auflage
256 Seiten
Gerth Medien (Verlag)
978-3-96122-600-9 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Es sei denn, es geschieht ein Wunder -  Elke Ottensmann
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Linda ist fest entschlossen, zum Judentum zu konvertieren und zieht nach Jerusalem. Die ersten Monate lebt sie dort glücklich ihren Traum. Doch eine kurze Reise nach Ramallah sorgt dafür, dass sich das Blatt wendet. Denn dort betritt die 19-Jährige eine völlig andere Welt und begegnet Achmad, einem jungen Muslim, in den sie sich auf den ersten Blick verliebt. Linda beginnt ein aufreibendes Doppelleben: auf israelischer Seite jüdisch, auf palästinensischer Seite muslimisch. Trotz großer Bedenken ihrer Eltern in Deutschland scheint Linda nichts von ihrem Vorhaben abbringen zu können, Achmad zu heiraten. Als sie ihr neues Leben an seiner Seite beginnen will, geschieht etwas, das erneut alles auf den Kopf stellt ... Ein bewegender Roman, der auf wahren Begebenheiten beruht - mit fundierten Einblicken in das Alltagsleben in Israel.

Elke Ottensmann, 1968 in Alpirsbach geboren, lebt heute mit ihrer Familie in der Nähe von Kaiserslautern. Sie schreibt am liebsten über das wahre Leben.

„Damals waren wir beide 13 Jahre alt, wir hatten dann lange keinen Kontakt mehr. Letztes Jahr habe ich Achmad aber im Internet gesucht, als ich wusste, dass ich nach Israel komme. Ich habe ihn gefunden und bin seitdem wieder in gutem Kontakt mit ihm und seiner Familie.“

„Warum wollten seine Eltern denn nach Palästina ziehen?“

„Ursprünglich stammen sie von hier, sein Großvater ist aber irgendwann nach Argentinien ausgewandert. Ich weiß nicht so genau, warum sie plötzlich nach so langer Zeit nach Palästina zurückgegangen sind, vielleicht, weil sie hier im Gegensatz zu Argentinien eine riesengroße Verwandtschaft haben.“

Ein großes rotes Warnschild am Straßenrand tauchte auf und zog Lindas Blick auf sich. Der Bus fuhr gerade langsam genug, dass sie den Text lesen konnte: „Diese Straße führt zur Zone A unter palästinensischer Autorität. Für israelische Staatsbürger ist das Betreten verboten, lebensgefährlich und gegen das israelische Gesetz.“

Mariana, die das Schild ebenfalls gesehen hatte, sagte: „Gleich begeben wir uns sozusagen auf eigene Gefahr in Zone A.“

„Ja, und wenn wir nicht mehr rauskommen, haben wir Pech gehabt.“ Wie zwei Verschwörer blickten die beiden Freundinnen sich an und nickten, und aus allen vier Augen leuchtete freudige Aufregung. Mariana hatte mit Achmad vereinbart, dass er sie an der Bushaltestelle abholen würde, dann konnte ihr Abenteuer beginnen.

Kaum hatte der Bus den Qalandia Checkpoint passiert, kam es Linda so vor, als tauche sie in eine komplett andere Welt ein. Während sie weiterfuhren, kamen einige wunderschöne Villen in Sicht, und vor kleinen Läden mit schön geschnörkelten, arabischen Schriftzeichen an der Wand hingen Kleider und Spielsachen. Sogar Möbel standen zum Verkauf an der Straße. Händler priesen schreiend ihre Ware an, kleine Jungs schlängelten sich vorbei an hupenden Autos und Motorrädern, um Taschentücher oder Schokolade zu verkaufen, hier und da schob jemand einen voll beladenen Brot-Wagen durch die Straßen.

Kurze Zeit später hatten sie den Busbahnhof in Ramallah erreicht und stiegen aus. Achmad war nicht da. Mariana rief ihn an und erfuhr von ihm, dass er noch etwas erledigen müsse, aber bald käme. Linda, die nicht länger warten wollte, schlug vor, die Stadt schon mal auf eigene Faust zu erkunden und sich an einer anderen Stelle mit ihm zu treffen. Mariana war skeptisch. „Wir kennen uns doch gar nicht aus, wie sollen wir denn einen anderen Treffpunkt finden?“

„Mit dem Navi.“ Linda zeigte auf ihr Handy. „Wenn Achmad sich nachher meldet, kann er uns einfach sagen, wo wir hinkommen sollen.“ Damit war Mariana einverstanden, und nachdem sie Achmad mit einer WhatsApp-Nachricht Bescheid gegeben hatte, begaben sich die beiden Freundinnen in das Getümmel der belebten Straßen von Ramallah.

Autofahrer hupten, ein junger Mann mit einem Tablett Kaffeebecher lief, ohne zu schauen, über die Straße. Ein Kleinbus hielt abrupt an, die Tür flog auf und der Fahrer schimpfte wild gestikulierend. Die Luft roch nach Benzin, doch ein Stück weiter schlug Mariana und Linda der weitaus angenehmere Geruch von Ingwer und anderen Kräutern entgegen. Sie waren an einem Markt angelangt. Dort herrschte reges Treiben, und schon waren sie mittendrin im Gewusel unzähliger Menschen.

An bunten Marktständen priesen Verkäufer lauthals Kleidung, Obst, Gemüse, Spielzeug und Schmuck an, begleitet von noch lauterer Musik aus Lautsprechern. Vor einem Hauseingang saß eine alte Frau mit lila Kopftuch auf einer Treppenstufe, umringt von bunten Plastiksäcken voller Kräuter, die sie zum Verkauf anbot. Eine streunende, magere Katze schlich sich an, schnüffelte vorsichtig an einem der Säcke und war im nächsten Augenblick wieder verschwunden. Neben der Frau stand eine Karre auf drei Rädern, voll beladen mit leuchtend roten Tomaten, und ein paar Schritte weiter gackerten Hühner, eng zusammengepfercht in einem Käfig.

Fasziniert von dem reichhaltigen Warenangebot unter den farbenfrohen Schirmen merkten Mariana und Linda gar nicht, dass sie sich immer tiefer in das Gassengewirr begaben. Sie sahen sich Schmuck und Lederwaren an, sogen den Duft der Gewürze ein und staunten über die Vielfalt und Fülle an Obst und Gemüse. An einem Stand mit bunten Kopftüchern probierte Linda gerade einen Hidschab12 an, als Marianas Handy klingelte. Achmad wollte wissen, wo sie waren. Doch weder Mariana noch Linda hatten in dem Wirrwarr von Gässchen darauf geachtet, wie sie gelaufen waren, und jegliche Orientierung verloren. Linda nahm das perlenbestickte, pinkfarbene Tuch vom Kopf und legte es auf den Tisch zurück. Mit den Augen suchte sie die Häuserreihen auf beiden Seiten der Gasse nach einem Straßenschild ab, sah aber nirgendwo eins. „Keine Ahnung. Sag ihm, dass wir auf dem Markt sind und er uns eine Adresse in der Nähe nennen soll, dann kommen wir mithilfe des Navis dorthin.“ Mariana tat, wie geheißen, woraufhin sich zwischen ihr und Achmad eine längere Diskussion entspann, von der Linda aber so gut wie nichts verstand, da sie Spanisch miteinander sprachen.

Nach dem Gespräch berichtete Mariana: „Als ich Achmad gesagt habe, dass wir unser Navi benutzen wollen, hat er erst mal gelacht und gemeint, das ginge nicht, weil es hier nicht funktioniere. Aber er hat mir Name und Adresse von einem Kleiderladen gegeben, wo wir uns treffen können. Wir sollen einen Händler auf dem Markt nach dem Weg fragen.“

„Wieso sollte das Navi hier nicht funktionieren? Wir haben Empfang, und in Jerusalem benutze ich es doch auch öfters ohne Probleme. Gib mir mal die Adresse.“ Linda öffnete die Navi-App auf ihrem Handy, tippte Stadt und Straße ein und wartete darauf, dass die Route berechnet wurde. Ungläubig starrte sie auf das Ergebnis. Mariana fragte: „Was ist los? Müssen wir zu dem Kleiderladen weit laufen?“

„Keine Route gefunden. Linda schüttelte den Kopf. „Seltsam, die Straßen von Ramallah werden überhaupt nicht angezeigt. Also hatte Achmad doch recht.“ Sie wandte sich an den Kopftuchverkäufer, der in gebrochenem Englisch erstaunlich wortreich den Weg erklärte. Er nahm sogar Papier und Kugelschreiber und machte eine Skizze von den Gassen, die sie entlanglaufen mussten. Genau vier Minuten später standen Linda und Mariana vor dem Laden, und weil Achmad noch nicht da war, gingen sie hinein. Die Stille, die sie empfing, war wohltuend. Ein kleiner, untersetzter älterer Mann in einem dunkelblauen Kaftan aus Seide mit langen Fledermausärmeln begrüßte sie auf Englisch und fragte, womit er dienen könnte. Linda sagte ihm, dass sie sich etwas umschauen wollten, woraufhin der Verkäufer eine weit ausladende Armbewegung in den Laden hinein machte und dabei so breit lächelte, dass seine Goldzähne blitzten.

An goldfarbenen Ständern hingen teure Mäntel, elegante Abendkleider, knöchellange Röcke und aufwendig bestickte Blusen aus Satin oder Seide. Besonders angetan waren Linda und Mariana von den farbenfrohen, mit hübschen Blumenmustern bestickten langen Kleidern. Mariana hielt ein schwarzes Kleid vor sich, das vorne überreich mit kleinen roten Blumen bestickt war. „Das ist ein traditionelles Kleid in Palästina. Wie findest du das?“

„Total schön, aber etwas mehr Farbe würde dir noch besser stehen.“ Linda nahm ein ockerfarbenes Kleid mit bunter Blütenstickerei vom Bügel. „Darin siehst du bestimmt total cool aus! Probiers doch mal an!“ Während Mariana in der Umkleidekabine verschwand, entdeckte Linda einen Ständer mit festlichen Kleidern, von denen eines schöner war als das andere. Ganz besonders gut gefiel ihr ein langes, rubinrotes Kleid, über und über mit Perlen und Glitzersteinchen bestickt. Die Ärmel aus Tüll waren mit Pailletten versehen, die in allen Regenbogenfarben schillerten, der Rock war mit einer spitzenbesetzten Rüsche gesäumt. Das Kleid war so schön, dass es locker als Hochzeitskleid durchgehen konnte. Wie sie wohl darin aussehen würde? Sie nahm es vom Bügel und hielt es sich vor dem danebenstehenden Spiegel an. Dabei sah sie Mariana in dem ockerfarbenen Kleid von hinten auf sie zukommen, gefolgt von einem jungen Mann, der sie um beinahe zwei Köpfe überragte. Das musste Achmad sein. Linda hängte das Kleid an den Ständer zurück, und als sie sich wieder umdrehte, stand sie den beiden gegenüber. Linda fand, dass Mariana in dem Kleid sehr hübsch aussah, ihr Blick wanderte jedoch sofort weiter zu dem großen, gut aussehenden Mann hinter ihr. Er war lässig und gleichzeitig elegant gekleidet, trug eine offene schwarze Lederjacke, ein weißes T-Shirt, hellblaue Jeans und weiße Markenturnschuhe. An seinem Handgelenk glänzte silbern eine Armbanduhr wie auch die großgliedrige Kette am Hals. Das schwarze, kurze Haar war akkurat geschnitten, sein Gesicht mit den kräftigen Zügen vom Kinn bis zu den Ohren von einem äußerst gepflegt aussehenden Bart eingerahmt, der seine Vollendung in Form eines perfekt getrimmten Schnurrbarts fand.

Mariana stellte vor: „Linda, das ist Achmad – Achmad das ist Linda.“ Achmad lächelte Linda charmant an, und ihre Blicke begegneten sich. Linda sah in zwei tiefbraune, ungewöhnlich geschwungene Augen, die so sanft aussahen, dass sie für einen Augenblick lang wie verzaubert daran hängen blieb. Nie zuvor war sie einem Mann begegnet, der sie so aus der Fassung gebracht hatte. Wie im Traum hörte sie sich selbst Hallo sagen und stellte dabei verärgert fest, dass ihre Stimme einem Krächzen sehr nahe war. In nahezu...

Erscheint lt. Verlag 22.8.2023
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Adoleszenz • Doppelleben • Flucht • Generationenkonflikt • Glaubensunterschiede • Islam • Israel • Jerusalem • Judentum • Jüdisch • Konvertieren • Liebe • multikulturell • Muslim • Muslimisch • Palästina • Ramallah
ISBN-10 3-96122-600-8 / 3961226008
ISBN-13 978-3-96122-600-9 / 9783961226009
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