The Girl in Room 12 (eBook)
436 Seiten
Aufbau digital (Verlag)
978-3-8412-3666-1 (ISBN)
Ein Mord. Ein Geheimnis. Eine Ehefrau, die niemandem mehr trauen kann.
Als eine junge Frau tot in einem Hotelzimmer gefunden wird, erschüttert die Nachricht die ganze Stadt. Doch für Hanna wird sie zum persönlichen Albtraum - denn in der Tasche ihres Mannes Max entdeckt sie die Schlüsselkarte zu genau diesem Zimmer.
Seit Wochen wirkt Max fahrig, kommt spät nach Hause. Hanna fürchtet, dass er sie betrügt - aber könnte er auch in einen Mord verwickelt sein?
Sie will an seine Unschuld glauben. Doch je tiefer sie gräbt, desto mehr Zweifel keimen in ihr. Was, wenn sie den Mann, mit dem sie ihr Leben teilt, nicht wirklich kennt?
Und wenn die Wahrheit ans Licht kommt - wie weit wird sie gehen, um ihre Familie zu schützen?
Kathryn Croft glaubt seit ihrer Kindheit an die Macht von Geschichten und hat einen Abschluss in Medienwissenschaften und Englischer Literatur. Bevor sie mit dem Schreiben begann, arbeitete sie im Personalwesen und als Lehrerin. Sie lebt mit ihrer Familie und zwei Katzen in Guildford, Surrey. Mehr Informationen zur Autorin unter www.kathryncroft.com
EINS
»Wo ist Daddy?«, fragt Poppy zum hundertsten Mal an diesem Abend.
Ich bin gerade dabei, das Risotto umzurühren, doch halte jetzt inne und beuge mich zu ihr herunter, sodass wir auf gleicher Augenhöhe sind. Sie ist jetzt fünf Jahre alt und für ihr Alter ziemlich groß, aber in diesem Moment sieht sie so winzig aus wie eine ihrer Puppen. Sie trägt ihren regenbogenfarbenen Lieblingspulli über ihrem blauen Schul-Sweatshirt, obwohl die Heizung an ist. Ich habe nichts dazu gesagt – ich habe schon vor langer Zeit gelernt, die Kleiderwahl meiner Tochter zu ignorieren.
»Er wird bald hier sein«, versichere ich Poppy und streiche eine Strähne ihres schokoladenbraunen Haars beiseite, die ihr über die dunklen Augen gefallen ist.
Sobald die Worte meinen Mund verlassen haben, verfluche ich mich selbst dafür, meiner Tochter dieses Versprechen gegeben zu haben. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wann Max zu Hause sein wird. Bis vor ein paar Monaten hat er immer geschrieben, um uns wissen zu lassen, wann er ungefähr heimkommen wird, aber irgendwie ist diese Routine abhandengekommen, und keiner von uns hat nach dem Warum gefragt. Aber ich bin mir nur allzu bewusst, dass sich eine neue Normalität in unser Zusammenleben geschlichen hat.
Ich lasse das Risotto in der Pfanne vor sich hin köcheln und gehe ins Wohnzimmer – Poppy mir dicht auf den Fersen –, um erneut einen Blick nach draußen zu werfen. Wir wohnen in einer der ruhigeren Straßen in Putney, und an einem Winterabend wie heute könnte es genauso gut schon Mitternacht sein und nicht erst achtzehn Uhr.
Niemand ist draußen, und auch Max’ BMW ist nirgends zu sehen. Mein roter Toyota Yaris steht alleine in der Einfahrt.
Poppy zieht an meinem Kleid. »Daddy ist immer arbeiten«, beschwert sie sich. »Oder wütend.« Seufzend schaut sie aus dem Fenster.
Eine Sekunde lang registriere ich nicht, was sie da sagt. Die Worte klingen so fremd. Es passt einfach nicht, dass sie sich auf Max beziehen. Den Mann, der immer ein liebender und freundlicher Ehemann und Vater war. Die Sorte Vater, der sich zu seiner Tochter auf den Boden setzt und jedes Spiel mit ihr spielt, das sie will.
Bis das alles plötzlich aufgehört hat.
»Erinnerst du dich daran, wie wir darüber geredet haben, dass Daddy im Moment sehr viel Stress auf der Arbeit hat?«, sage ich. »Wenn Erwachsene in ihren Jobs viele schwierige Dinge erledigen müssen, dann sind sie manchmal zu Hause ein bisschen … grummelig.«
Poppy runzelt die Stirn, während ihr fünf Jahre altes Gehirn versucht, denn Sinn meiner Erklärung zu verstehen. »Aber du nicht. Und du arbeitest auch.«
Ich lächle. Wie kann ich meiner Tochter erklären, dass es für mich anders ist? Einen eigenen Buchladen zu besitzen, bringt auch Probleme mit sich, aber dieser Job ist meine Leidenschaft und fühlt sich kaum wie Arbeit an. Ich genieße die Herausforderungen, die damit einhergehen, selbstständig und Ladenbesitzerin zu sein. Whispering Pages war ursprünglich der Buchladen meiner Mutter, doch vor sechs Jahren habe ich ihn von ihr übernommen. Was eine der besten Entscheidungen meines Lebens war. Er gibt mir eine Identität neben meinem Dasein als Mutter und Ehefrau, und so sehr ich Max und Poppy auch liebe, gehe ich geradezu darin auf, den Buchladen zu führen. Ich liebe es, jedem, der in den Laden kommt, eine Art Zuflucht zu bieten. Wie eine Reise in die Vergangenheit. Innerhalb dieser Wände scheint die Zeit stillzustehen, und ich glaube, das gefällt den Leuten, die nur für ein paar Minuten ihrem hektischen Leben entfliehen wollen.
»Wir haben unterschiedliche Jobs«, sage ich zu Poppy.
»Ich weiß.« Sie verdreht die Augen. »Daddy macht etwas mit Zahlen. Und die sind super schwer.«
Max ist Finanzanalyst bei einer globalen Technologiefirma, und er würde vierundzwanzig Stunden am Tag arbeiten, wenn er nicht schlafen müsste.
Ist sein Stresslevel deswegen in letzter Zeit so hoch? Mein Gefühl sagt mir, dass mehr dahinter steckt – er hatte schon immer anstrengende Jobs, seit ich ihn kennengelernt habe. Was hat sich also geändert?
Ich umarme Poppy, und wir drehen uns wieder zum Fenster um. »Komm«, sage ich. »Sehen wir nach dem Risotto, bevor es in der Pfanne anbrennt.«
Als ich das Essen auf den Tisch stelle, habe ich noch immer nichts von Max gehört. Erneut überprüfe ich mein Handy, aber er hat mir keine Nachricht geschrieben, dass er später kommt. Also lasse ich seinen Teller leer und setze mich zu Poppy an den Tisch, verliere mich in ihren Erzählungen über die Vorschule und versuche, das nagende Gefühl, dass etwas nicht stimmt, zu ignorieren.
Als wir zu Ende gegessen haben, sage ich Poppy, dass sie jetzt ihr Bad nehmen muss.
»Aber ich will noch auf Daddy warten!«
»Ich weiß. Und er wird bald hier sein. Wäre es nicht schön, wenn du schon bettfertig wärst, wenn er nach Hause kommt? Dann kann er dir eine Geschichte vorlesen.« Wieder mache ich ein Versprechen, von dem ich nicht weiß, ob ich es halten kann.
»Okay«, sagt sie widerwillig, steht langsam auf und geht nach oben.
Poppy ist fertig im Bad und schon im Schlafanzug, als sich unten ein Schlüssel im Türschloss dreht. Sie schaut mich an und wartet darauf, dass ich nicke, bevor sie nach unten rennt, um Max zu begrüßen. Vor ein paar Wochen hätte sie dafür noch nicht auf meine Zustimmung gewartet.
Ich halte den Atem an und gehe runter. Ich will es mir selbst nicht eingestehen, aber es ist, als wartete ich darauf, dass ein Fremder nach Hause kommt.
Welche Version von Max werde ich heute antreffen?
Max hält Poppy in den Armen. »Ich weiß, ich habe versprochen, zum Abendessen zu Hause zu sein«, sagt er und lässt sie los. »Tut mir leid.«
Seine Stimme klingt sanft. Weich. Sie gehört zu dem Max, den ich geheiratet habe.
Ich lächle und betrachte ihn vorsichtig, sehe keine Sorgenfalten in seinem gebräunten Gesicht. Und in seinem blauen Anzug sieht er richtig gut aus. Es ist der Anzug, den ich ihm zum Geburtstag geschenkt habe. Ich bin das Risiko eingegangen, ihn selbst auszusuchen, obwohl er genauso wählerisch wie seine Tochter ist, was Klamotten angeht.
Ich gebe ihm einen Kuss. »Ich kann dir das Abendessen aufwärmen.«
»Das mache ich schon selbst«, sagt er und zieht sein Jackett aus.
Poppy folgt ihm wie ein Schatten. Vielleicht kann sie auch spüren, dass er heute Abend wieder der Alte sein könnte.
»Kann ich noch unten bleiben, während du isst?«, fragt sie. »Bitte? Nur dieses eine Mal.«
»Es ist schon später als sonst«, sage ich warnend. »Und du hast morgen Schule.«
Vielleicht habe ich Angst, dass Max genervt sein könnte. Zurzeit braucht es nicht viel, ihn zu verärgern.
Poppy schaut Max an. »Bitte«, fleht sie, diesmal mit leiserer Stimme.
Er wuschelt ihr durch die Haare. »Okay, nur dieses eine Mal.«
Sie quietscht und schlingt ihre Arme um ihn. »Ich hatte heute Eis«, erzählt Poppy ihm, als wir in die Küche gehen.
Max grinst. »Wirklich? Ich hoffe, du hast mir etwas aufgehoben.«
»Du kannst ein bisschen was davon haben.« Poppy lacht. »Aber erst, wenn du dein Abendessen aufgegessen hast.«
Max lacht, hebt sie hoch und wirbelt sie herum.
Alles ist normal.
»Wie war dein Tag?«, frage ich und stelle Max seinen Teller hin.
Er nimmt etwas Reis mit der Gabel, bevor er antwortet: »Ganz gut.«
Ich werfe einen Blick auf Poppy, die auf dem Fußboden mit ihrem Polly Pocket-Spielzeug spielt, aber nicht zuhört. Sie scheint die Stumpfheit seiner Antwort nicht zu bemerken. Oder dass wir ihn normalerweise gar nicht davon abhalten können, über seine Arbeit zu reden.
Max blickt auf. »Wie war deiner?«
Ich nicke und unterbreche das unangenehme Schweigen. »Katy ist schon wieder zu spät gekommen. Zum Glück hat Cole sich bereiterklärt, an der Kaffeebar einzuspringen, bis sie gekommen ist.«
Ich sage nichts darüber, dass es mich sehr viel Überzeugungsarbeit und das Versprechen, dass er dafür früher nach Hause gehen darf, gekostet hat. Natürlich hat er dieses Angebot nicht angenommen. Das tut er nie. Manchmal glaube ich, dass sich Coles ganzes ...
| Erscheint lt. Verlag | 1.7.2025 |
|---|---|
| Übersetzer | Christina Kagerer |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | THE GIRL IN ROOM 12 |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller |
| Schlagworte | Affäre • Bestseller aus Großbritannien • Ehefrau • Ehemann • Ehemann unter Verdacht • Geliebte • Gillian Flynn • Hotel • Mord • Paula Hawkins • Thriller |
| ISBN-10 | 3-8412-3666-9 / 3841236669 |
| ISBN-13 | 978-3-8412-3666-1 / 9783841236661 |
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