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Das Rafaelskreuz (eBook)

Delbrücker Schicksale (Hochstift Paderborn) Das Blutbad des Jahres 1604 und der Dreißigjährige Krieg historischer Roman
eBook Download: EPUB
2025
408 Seiten
BoD - Books on Demand (Verlag)
978-3-8192-7055-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Das Rafaelskreuz - Frank Bernd Lukass
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Rafael, der Held des Romans, wird 1604 auf dem Waldbauernhof in Delbrück (Hochstift Paderborn) geboren. Es ist das Jahr, in dem span. Söldner in Delbrück und Umland ein furchtbares Massaker anrichten. Der junge Rafael möchte Marie (aus Salzkotten) heiraten, muss sich aber in Paderborn als Landsknecht der kaiserlichen Truppen anwerben lassen, um gegen die Protestanten in Böhmen und Prag zu kämpfen. Beide Kriegsparteien verüben schlimmste Gräueltaten. Raffael aber steht auf der Seite von Anstand und Menschlichkeit. Er kämpft nur um das eigene Überleben. Die Verbrechen seiner Truppe veranlassen ihn schließlich zur Fahnenflucht. Damit beginnt eine Odyssee, auf der er von treuen Weggefährten und einer Köchin des Trosses begleitet wird. Als sie an der Pest stirbt, errichtet er ihr zu Ehren ein Kreuz. Tiefes Gottvertrauen lässt ihn gefährlichste Situationen überstehen und in die Heimat zu Marie zurückkehren. Die dramatischen Ereignisse des gut recherchierten Romans werden durchweg eindringlich geschildert - eine starkfarbige große Geschichtsstunde! Man wird unweigerlich in das jeweilige Geschehen hineingezogen.

Frank Bernd Lukass (geb. 1969) stammt aus Delbrück in NRW und arbeitet als Werkzeugmacher. In seiner Freizeit ist er seit vielen Jahren schriftstellerisch tätig: Neben der Darstellung schwieriger alltäglicher Lebensumstände zählt zu seinen zentralen Interessengebieten die Beschäftigung mit historischen Themen. Hierzu hat er sich durch intensive Lektüre profunde Kenntnisse angeeignet. Wenn es seine Zeit zulässt, geht er auch dem Angler-Hobby nach. Sein Buch "Tanz der Maifliegen. Erzählungen aus einem Anglerleben" ist 2012 im Verlag "Deutsche Literaturgesellschaft" erschienen. In dem Band "Heldengedenken?" von Gudrun Pausewang (Verlag für Akademische Schriften, Bad Homburg 2015) ist er mit einem seiner Gedichte vertreten. Sein Debüt-Roman "Komm doch einfach mit! Aus dunklen Schatten durch Träume zu neuem Glück" (Norderstedt: BoD) ist 2024 erschienen.

Aus heiterem Himmel


Die Dorfbauernschaft lag in einer flachen Landschaft, die im Westen mit dichten Buchenwäldern durchzogen war. Etliche glasklare Fließgewässer bahnten sich mäandernd ihren Weg durchs Gelände. Im Süden wurde das Land hügelig. Die Hügel, sogenannte „Endmoränen“, waren Zeugen der letzten Eiszeit. Im Osten gab es Moore und gefährliche Sümpfe, die nur von den Ortskundigen sicheren Fußes betreten werden konnten.

Der Waldbauer hieß Stefan. Er war sechzig Jahre alt und mit Ida verheiratet. Die beiden waren schon glückliche Großeltern, denn ihr Sohn Bernd, der den Hof in wenigen Jahren übernehmen sollte, hatte mit seiner Frau Rosalie drei wunderbare Kinder.

Von den Menschen in diesem Landstrich war zu ihrem Schutz eine ganz ausgeklügelte Verteidigungsanlage geschaffen worden: Um die Bauernschaft verlief eine hohe Dornenhecke; und es gab überall an deren Grenze Wachposten: die sogenannten „Weckerhöfe“. Sichteten die dort lebenden „Wecker“ Truppenbewegungen oder Raubritter, so schlugen sie mit Hilfe von Glocken und Hörnern Alarm. Dieser Alarm wurde von den anderen Weckern aufgenommen und dann weitergeleitet.

Ertönte nun ein solcher Alarm, griffen alle Landwehrmänner ab dem vierzehnten Lebensjahr zu ihren Waffen, um sich an den Schlinghöfen und anderen abgesprochenen Treffpunkten zu sammeln. Alle Frauen, Kinder und die alten Männer machten sich dann auf den Weg in den Sumpf. Dort waren sie vor Angreifern sicher, da kein Fremder es wagen könnte, dieses Gebiet zu betreten, ohne sich der Gefahr auszusetzen, im Sumpf zu ertrinken.

An diesem Sonntag war in Delbrügge gerade das Hochamt beendet worden, und die Gläubigen verließen die Kirche, als der Alarm vernommen wurde. Das Dorf Delbrügge hatte eine seiner Verteidigungsanlagen direkt um die Kirche herum errichtet. Die engen Zugänge zum Kirchplatz wurden mit Palisaden versperrt und Schießscharten mit Männern belegt.

Alle Männer, die an dem Hochamt teilgenommen hatten, wurden jetzt zur Verteidigung des Dorfes verpflichtet. Die Frauen durften im Kirchenschiff verbleiben. Auch Stefan begleitete seine Ida in die Kirche, um sich dann mit einem Kuss von ihr zu verabschieden. Danach holte er von seinem Kutschkarren seinen alten Säbel und sein Jagdgewehr, das sich immer in einer Holzkiste im Karrenboden befand. Dann suchte er sich einen geeigneten Platz, an dem er seine Muskete einsetzen konnte. Stefan glaubte im Moment noch nicht daran, dass es zu Kampfhandlungen kommen würde.

Doch zu diesem Zeitpunkt nahm das Drama an einer anderen Stelle der Bauernschaft seinen Lauf: Der Wecker, der den Alarm ausgelöst hatte, wusste nicht, dass es sich bei den spanischen Söldnern um Durchreisende handelte: Es waren keine Besatzer oder Angreifer. Der Graf von Rietberg hatte nämlich den Paderborner Fürstbischof um Erlaubnis für die Durchquerung des Territoriums gebeten, und der Bischof hatte seine Zustimmung gegeben.

Die Durchreise-Genehmigung wurde allerdings nicht an die Delbrügger Wecker weitergegeben. Also vermutete man eine feindliche Handlung. Infolgedessen waren dann die Männer bei tiefstem Frost in ihre Verteidigungsanlagen gestürmt, um sich auf die Lauer zu legen. Die Bauern waren zwar nicht so gut bewaffnet wie die Söldner, aber es gab einige Dutzend Radschloss-Karabiner und Musketen. Etliche Säbel, Degen, Dolche, Äxte und alte Schwerter wurden ebenfalls genutzt.

Als die arglosen Spanier eine Sammelstelle der Bauern passieren wollten, schossen drei junge Männer in ihrem Übereifer ihre Steinschlossgewehre ab. Sie hatten auf prächtig gekleidete Männer gezielt, die auf edlen Pferden vorüberritten. Zwei spanische Reiter fielen stark blutend vom Pferd. Einer von ihnen blieb mit einem Kopfschuss sofort tot liegen. Der andere Reiter versuchte, sich zwei- bis dreimal wieder vom Boden zu erheben. Das Blut, das aus seiner Brust und seinem Mund tropfte, verfärbte den Schnee rot. Dann blieb der Spanier röchelnd auf dem Bauch liegen, um kurze Zeit später an Ort und Stelle zu sterben.

Die Spanier, die nach dem unverhofften Angriff auseinandergestoben waren, hatten in kürzester Zeit ihre Lage erkannt. Nun schossen sie in die Dornenhecke hinein, wo sie ihren Feind vermuteten: Ganze Salven sausten durch die Hecke. Janosch, ein Knecht vom Thomashof, der sich hinter einem Baum zu verstecken suchte, wurde von einer Kugel am Hals getroffen. Das Blut sprudelte wie wild aus der zerrissenen Halsschlagader. Der Janosch zappelte wie ein geköpftes Huhn hin und her. Dann blieb er ausgeblutet auf einem Baumstumpf liegen, wo er sein Leben aushauchte.

Überall vernahm man nun spanische Befehle und Trompetensignale. In kürzester Zeit fanden die spanischen Infanteristen einen Weg durch die Dornenhecke. Nach einem Scharmützel der spanischen Söldner mit etwa einem Dutzend Verteidiger zeichnete sich die deutliche Überlegenheit der Berufssoldaten ab. Die Bauern waren allesamt von Degen zerstochen sowie von den Kugeln der Pistolen und Musketen durchsiebt worden.

So gelangten die Spanier ins Innere der Verteidigungsanlage, die von den Bauern schon vor etlichen Jahrzehnten zum Schutz vor Raubrittern errichtet worden war. Hohe Dornenhecken bildeten einen Schutzwall, den man nur sehr schwer überwinden konnte. Was gegen kleinere Räuberbanden durchaus hilfreich war, sollte sich bei den gut ausgebildeten Söldnern als minder guter Schutz erweisen: Die Infanteristen räumten die Hindernisse, die auf einem in die Verteidigungsanlagen führenden Weg verbaut waren, weg, sodass die Kavallerie auch ins Innere gelangen konnte. An die zweihundert bestens ausgebildete, auf Rache dürstende Reiter ritten im Galopp, den Feind suchend, durch die Anlage.

Die Bauern erlebten ein großes Debakel, als die Pferde donnernd auf die Barrikaden zuliefen. In kürzester Zeit war die Luft voller Pulverdampf, und man vernahm zwischen den Schüssen die metallischen Klänge der Säbel- und Degenhiebe. Überall, wo Spanier und Bauern aufeinandertrafen, wurde verbissen gekämpft: Für die einen ging es um Haus, Hof und das nackte Leben, für die anderen um Rache, Stolz und die Ausführung eines Befehls. Die Bauern konnten den spanischen Söldnern, die schon auf vielen Schlachten ihre Erfahrungen gesammelt hatten, nicht das Wasser reichen.

Irgendwann hatte sich die spanische Kavallerie bis zum Dorf durchgekämpft. Am Rande des Dorfes versammelten sich die Reiter, um die Verteidigungsanlage zu erkunden. Der Kern des Dorfes bestand aus einer Wehrkirche, die von etlichen Häusern kreisförmig umrahmt war. Zwischen den einzelnen Häusern gab es einen sehr geringen Abstand, sodass der Zwischenraum in kürzester Zeit verbarrikadiert werden konnte. Die Bauern hatten dann auch alles so gut wie möglich verrammelt und die kampffähigen Männer auf die strategisch wichtigen Punkte verteilt. Nach kurzer Beratung schickte der Hauptmann drei Reiter los, um den Infanteristen und der Batterie den Weg zu weisen. Der Hauptmann legte vorher aber noch fest, dass ein Geschütz reichen würde. Drei Gruppen Infanterie sollten bei den restlichen fünf Batterien verbleiben.

„Hier wird es nicht mehr sehr viel Gegenwehr geben, wenn unser Geschütz gesprochen hat“, schrie der Hauptmann voller Wut.

Er konnte es immer noch nicht glauben, dass eine friedlich dahinziehende Kolonne auf solch hinterhältige Art angegriffen wurde. Für den Hauptmann war es eine Frage der Ehre, den Tod der zuerst gefallenen Offiziere zu rächen.

Die Delbrügger in ihrer befestigten Kirche ahnten schon Böses, weshalb der Pastor, gemeinsam mit den Frauen, den dornigen Rosenkranz zu beten begann. Frierend standen die Bauern hinter den Schießscharten der Häuser und den verschlossenen Toren. Lauernd und hoffend, dass sie vielleicht doch nicht angegriffen würden, schien ihnen die Zeit allzu langsam zu vergehen.

Einige Stunden später war das spanische Geschütz in Stellung gebracht. Die Kavallerie, die sich ein wenig ausgeruht hatte, saß wieder auf. Die Musketiere luden all ihre Waffen; eine Gruppe Pikeniere nahm Stellung auf. Der spanische Hauptmann ritt die Front seiner Leute ab, positionierte sich in Frontrichtung und hob seinen Arm. Als er den dann fallen ließ, erschwoll der ohrenbetäubende Knall des Geschützes. Das hölzerne Tor der Delbrügger Bastion wies ein großes Loch auf, aber es hielt dennoch. Die Kanoniere luden die Kanone erneut.

Diesmal wählten sie aber einen anderen Geschoss-Typ aus, der mit Verzögerung explodierte. Dann gab der Hauptmann das Zeichen zum Abfeuern: Mit einer ungeheuren Wucht war das Tor zerborsten. Die Bauern, die einige Meter hinter dem Tor in ihren Stellungen lagen, wurden von herumgeschleuderten Holzteilen und Steintrümmern in Stücke gerissen. Außer Johann vom Timmerhof kamen alle dabei um. Ihm aber wurde ein Bein abgerissen. Trotzdem versuchte er, sich unter schauerlichem Wehklagen mit Hilfe seiner Hände kriechend in die Kirche zu retten.

Mit donnerndem Hufschlag drang die spanische Reiterei durch das zerschossene Tor auf den Kirchplatz. Den Delbrüggern gelang es zwar noch, drei der spanischen Reiter vom Pferde zu schießen. Aber das hatte die Kavallerie nicht ernsthaft aufhalten können: An die hundert...

Erscheint lt. Verlag 25.6.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Historische Romane
Schlagworte Delbrück • Dreißigjähriger Krieg • Paderborn • salzkotten • Schlacht am Haspelkamp 1604
ISBN-10 3-8192-7055-8 / 3819270558
ISBN-13 978-3-8192-7055-0 / 9783819270550
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