Vom Tante-Emma-Laden zum Klick (eBook)
140 Seiten
BoD - Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-7070-6 (ISBN)
Der Autor blickt auf 50 Jahre Detailhandel zurück. Heute als Pensionär ist er begeistert, mit welcher grossen Leidenschaft er die 5 Dekaden in der Schweiz im Non Food Detailhandel miterlebt und auch ein wenig beeinflusst hat. Seine Erfahrungen im Einkauf und Verkauf auf internationaler Ebene konnten ihn neue Wege aufzeigen und hat über 5 Dekaden seine Kunden immer bestens und optimal zum Erfolg geführt.
Kapitel 1
Die Anfänge: Eine atemberaubende Reise durch die Welt des Detailhandels
Die Geschichte des Einzelhandels umfasst den Verkauf von Waren und Dienstleistungen an Verbraucher in allen Kulturen und Epochen von der Antike bis zur Gegenwart. Jahrtausend v. Chr. entstanden in den Städten des Nahen Ostens Einzelhandelsmärkte, als die Zivilisationen Geld schufen, um den Handel zu erleichtern. Verschiedene antike Zivilisationen im Nahen Osten und in Europa richteten Märkte unter freiem Himmel ein, auf denen Händler und Produzenten ihre Waren an die Verbraucher verkaufen konnten. Die ersten bekannten dauerhaften Handelszentren, die Foren, wurden im antiken Rom errichtet. Es wird vermutet, dass ähnliche Handelszentren auch in China entstanden sind. Im ersten Jahrtausend v. Chr. war der chinesische Einzelhandel sehr umfangreich und umfasste auch Markenartikel und Verpackungen.
Im mittelalterlichen Europa kauften die Verbraucher nicht mehr in festen Läden ein, sondern gingen direkt zu den Werkstätten der Handwerker. Verderbliche Waren wurden auf Märkten oder von Straßenhändlern verkauft. Das erste Einkaufsviertel Europas, Chester Rows, entstand im dreizehnten Jahrhundert in England. Damals waren die Läden in der Regel nicht grösser als Stände, und die Händler hielten ihre Waren bis zum Verkauf ausser Sicht. Je nach Grösse der europäischen Städte gab es tägliche oder wöchentliche Märkte und Messen. Im Europa der frühen Neuzeit entwickelten sich feste Läden mit festen Öffnungszeiten zur vorherrschenden Form des Einzelhandels. Immer mehr Geschäfte verkaufen Waren des täglichen Bedarfs, anstatt sich auf bestimmte Waren zu spezialisieren. Die Läden wurden auch immer grösser, damit die Kunden in ihnen stöbern konnten. Mit dem Aufkommen der Gemischtwarenhändler wurde auch der Großhandel vom Einzelhandel getrennt, und die Verbraucher kauften wieder in Geschäften und nicht mehr in Handwerksbetrieben ein.
Es ist einfach grossartig, einen so lebendigen und authentischen Einblick in die Anfänge des Detailhandels zu bekommen – aus der Perspektive eines Menschen, der mittendrin war und die Entwicklung hautnah miterlebt hat. Man spürt förmlich das Feuer, die Aufbruchsstimmung und die Passion, mit der die ersten Schritte in diesem atemberaubenden Geschäft gemacht wurden.
Erlauben Sie mir, Sie auf eine Reise mitzunehmen – eine Reise durch die herausfordernde Welt des Detailhandels, wie ich sie erlebt habe und wie sie sich im Laufe von über fünf Jahrzehnten tiefgreifend gewandelt hat. Es ist eine Geschichte, die von Tradition und Wandel, von Pioniergeist und grossen Träumen erzählt. Und ich hoffe, Sie spüren dabei auch die Leidenschaft und die Passion, die all diese Jahre in mir brannte.
Im Jahr 1976, als ich gerade zwanzig Jahre alt war und meine kaufmännische Ausbildung fast abgeschlossen hatte, ergab sich für mich eine grossartige Gelegenheit, im Detailhandel Fuss zu fassen. Ich durfte für einen kranken Außendienstmitarbeiter einspringen, der für die italienische Schweiz zuständig war. Da ich gebürtiger Italiener bin, waren mir Sprache und Kultur vertraut – ein unschätzbarer Vorteil. Mit zwei Musterkoffern voller Marzipan- und Zuckerdekorationen für Torten zog ich von Backstube zu Backstube, um die Kundschaft persönlich zu begeistern. Es war harte, ehrliche Arbeit, geprägt von unzähligen Telefonaten und simplen Kundenkarten. Doch gerade diese Momente lehrten mir eine wertvolle Lektion: Hinter jeder Verkaufstransaktion steht die Beziehung zu den Menschen, das Gespür für ihre Bedürfnisse und die Freude am direkten Miteinander – etwas, das in der schnelllebigen Onlinewelt leicht vergessen wird. Ich war begeistert vom Erfolg, den ich Tag für Tag erleben konnte. Die Kunden entschieden sich für unsere Produkte, da sie wussten, dass wir zuverlässig und loyal sind.
Die täglichen Bestellungen, die ich jeden Abend in einem Umschlag an die Firma sendete, waren für mich etwas ganz Besonderes, denn das war mein Tagwerk. Es ging mir nicht darum, als 20-Jähriger mit einem schönen Auto zu fahren oder mich im „Außendienst“ wichtigzumachen. Nein, für mich war es immer der Kontakt, und mir war immer wichtig, dass der Kunde zufrieden war. Später habe ich immer wieder von Kunden gehört, die ich betreut habe – unabhängig davon, ob ich Zuckerblümchen, Sicherheitsschuhe oder Software verkauft habe. Sie sagten mir immer wieder: „Wenn du bei mir warst, hatte ich immer den Eindruck, dass ich etwas verpasse, wenn ich jetzt nichts kaufe.“
Damals, in einer Zeit, die heute fast schon nostalgisch anmutet, spiegelte der Detailhandel eine Welt wider, die wir so heute kaum mehr kennen. Es war eine Zeit des Wandels und der grossen Chancen – und auch des Abschieds von Vertrautem. 1970 war ein Meilenstein für die Schweiz: In Spreitenbach öffnete mit dem Shoppi das erste Einkaufszentrum des Landes seine Tore. Für die Konsumentinnen und Konsumenten bedeutete das eine regelrechte Revolution. Plötzlich lag alles, was man zum täglichen Leben benötigte, unter einem Dach – und dazu gab es noch bequeme Parkplätze, die lange Wege und lästiges Umherirren ersparten.
Doch während die Menschen begeistert die neue Bequemlichkeit genossen, litten die kleinen, liebevoll geführten „Tante-Emma-Läden“ unter diesem rasanten Wandel. Diese kleinen Geschäfte waren mehr als nur Einkaufsorte. Sie waren Treffpunkte im Quartier, Orte mit einem vertrauten Lächeln, einer herzlichen Begrüssung, einem freien Ohr für Sorgen und Wünsche. Dass viele von ihnen bald gezwungen waren, sich neu zu erfinden oder gar zu schliessen, hat viele berührt – nicht nur die Inhaberinnen und Inhaber selbst, sondern auch die Kundschaft, die dort mehr als nur Produkte kaufte.
Es war weit mehr als ein Wandel der Infrastruktur – es war eine tiefgreifende Veränderung im Einkaufsverhalten. Die Digitalisierung, die Jahre später in ihren Siegeszug startete, und Giganten wie Amazon, die mit einem Klick alles Vorausgesagte und Unerwartete erreichten, banden die Welt enger zusammen. Doch gerade in diesem Umbruch wurde plötzlich sichtbar, wie wichtig es ist, den Menschen hinter dem Kunden nicht aus den Augen zu verlieren.
Früher war die Beziehung zum Kunden von Herzlichkeit und Nähe geprägt. Zeitungsinserate, bunte Flyer, aufwendig gestaltete Schaufenster, die mit Hingabe arrangiert wurden, und liebevolle Infopromotion waren die Mittel, mit denen man seine Kundschaft erreichte und begeisterte. Jedem Besuch lag eine persönliche Betreuung zugrunde, die weit mehr war als eine Verkaufstechnik: Es war ein echter Dialog mit dem Kunden, ein Einfühlen in seine Bedürfnisse und Wünsche.
Das Personal, das Herzstück dieses Ganzen – gut geschult, mit Fachwissen und viel Empathie ausgestattet, war es der Schlüssel zum nachhaltigen Erfolg. Hier ging es nicht nur darum, Produkte an den Mann oder die Frau zu bringen, sondern Vertrauen aufzubauen, den Kunden zu begleiten, ihn zu verstehen und immer wieder erneut zu begeistern.
Und dann war da noch das Ladenlayout – eine wahre Kunstform, die mit gezieltem Licht, Farben und der perfekten Warenpräsentation spielerisch den Blick lenkte und zum Kauf animierte. Der Laden war eine Bühne, auf der das Produkt den Hauptauftritt hatte, untermalt von einer Atmosphäre, die einlud und Freude bereitete. Es war ein sensibles Gespür, das den Unterschied machte: herauszufinden, was sich der Kunde wünschte – oft bevor er es selbst wusste – und dann genau das richtige Sortiment bereitzustellen.
Heute, in einer Zeit, in der Onlineshopping und digitale Algorithmen die Einkaufswelt dominieren, fühlt man sich manchmal an diese alten Tage zurückversetzt. Denn trotz aller Technik bleibt die Sehnsucht nach echter Verbindung, nach Wertschätzung und Nähe. Der Wandel im Detailhandel hat vieles verändert, doch die menschliche Beziehung bleibt unersetzlich – sie ist der wahre Schatz, der auch in der Zukunft Bestand haben wird.
So erinnern wir uns mit Wärme und Respekt an jene Zeiten zurück, in denen das Einkaufserlebnis weit mehr war als ein blosser Akt des Kaufens. Es war eine Begegnung, ein kleines Abenteuer des Alltags, das unsere Welt ein wenig persönlicher machte. Und vielleicht, ja, können wir gerade aus diesem Stück Geschichte lernen, wie wir auch heute noch die Menschen in den Mittelpunkt stellen und mit Empathie und Leidenschaft begeistern.
Die 80er und 90er Jahre – was für eine unvergessliche Zeit, nicht wahr? Für uns Einkäufer war es wie eine frische Brise, die durch die alten Strukturen wehte und uns plötzlich Türen öffnete, von denen wir nie zu träumen gewagt hatten. Plötzlich gab es diese aufregenden neuen Impulse: Boutiquen, die mit ihrem Charme und ihrer Individualität verzauberten, und spezialisierte Warenhäuser, die genau das boten, wonach immer mehr Kunden suchten – Vielfalt, Qualität und das besondere Etwas.
Und dann waren da die Großflächenanbieter, die den Markt revolutionierten. Namen wie Jumbo und Carrefour schallten durch die Einkaufsstrassen und brachten eine Auswahl mit...
| Erscheint lt. Verlag | 25.6.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Biografien / Erfahrungsberichte |
| Schlagworte | Detailhandel • Digitalisierung • Tradition trifft Zukunft • Wandel • Zukunftsperspektiven |
| ISBN-10 | 3-7693-7070-8 / 3769370708 |
| ISBN-13 | 978-3-7693-7070-6 / 9783769370706 |
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