Zementia Silberhaar (eBook)
276 Seiten
epubli (Verlag)
978-3-8197-4877-6 (ISBN)
Finja Stoldt studierte Geowissenschaften, spielt Klavier und Hammond-Orgel und gibt sich normalerweise total viel Mühe, ernsthafte und durchdachte Fantasybücher zu schreiben. Ihre Freude am Schreiben und Erfinden von Geschichten begann bereits in der Schulzeit. Ein inspirierender Traum lieferte schließlich die erste Idee für ihre Fantasyreihe Sekandert. Unter dem offenen Pseudonym Stinja Foldt schreibt sie nun außerdem humorvolle FUNtasybücher. Sie mag gern Katzen, Hunde und Einhörner und sucht in ihrer Freizeit nach Drachenfossilien (bisher leider erfolglos, aber mit unbeirrbarem Enthusiasmus). Instagram: finja_stoldt_autorin TikTok: finja_stoldt
Finja Stoldt studierte Geowissenschaften, spielt Klavier und Hammond-Orgel und gibt sich normalerweise total viel Mühe, ernsthafte und durchdachte Fantasybücher zu schreiben. Ihre Freude am Schreiben und Erfinden von Geschichten begann bereits in der Schulzeit. Ein inspirierender Traum lieferte schließlich die erste Idee für ihre Fantasyreihe Sekandert. Unter dem Pseudonym Stinja Foldt schreibt sie nun außerdem humorvolle FUNtasybücher. Sie mag gern Katzen, Hunde und natürlich Einhörner (wer nicht?). Instagram: finja_stoldt_autorin TikTok: finja_stoldt
Kapitel 1 – Zementia wäscht Wäsche (alles ist noch wie immer)
In einer Welt, die epochal erstaunlich stark an das europäische Mittelalter erinnert, aber in der es außerdem Magie und lustige und weniger lustige magische Wesen und Zauberer und Einhörner und noch viel mehr dergleichen gibt, da gab es einmal ein kleines Bauerndorf. In diesem Dorf lebte eine junge Frau von zarten siebzehn Jahren. Ihr Name war Zementia Silberhaar. Sie hatte silbernes Haar.
Anmerkung: Aufmerksame Lesende werden sich sicher jetzt schon fragen, warum Zementia Silberhaar denn dann ausgerechnet Zementia heißt. Der Name klingt schließlich wie Zement und Zement ist grau. Nicht hübsch-glänzend-wunderschön-anmutig-silbern, sondern beton-stumpf-hässlich-Hochhäuser-Straßen-grau. Wenn sie aber doch silbernes Haar hat, wäre dann ein Name wie Silberline Silberhaar nicht passender? Oder vielleicht Silbille Silberhaar? Silberina, Silbera, Silberita, Silberelle – man könnte die Liste endlos weiterführen.
Warum also ausgerechnet Zementia? Nun, das ist schlichtweg reiner Zufall. In dieser Welt sind Zement und Beton noch gar nicht erfunden, daher können die Bewohner diesen Namen auch nicht damit assoziieren. Zementia ist hier ein ganz normaler Frauenname, wie es bei uns Namen wie etwa Linda, Belana, Adretta, Bintje oder Cheyenne-Hannelore auch sind.
Keiner wusste, warum Zementia Silberhaar silbernes Haar hatte, aber es war schon seit ihrer Geburt so, und schnell gehörte es zur Normalität, sodass sich niemand mehr darüber wunderte. Sie wuchs bei ihrem Onkel und ihrer Tante in einem schäbigen, ärmlichen Bauernhaus auf. Ihre Eltern waren verstorben, als sie noch ein Säugling gewesen war, und sie hatte keinerlei Erinnerungen mehr an sie. Ihr Onkel besaß ein kleines Stück Land, auf dem er Rüben anpflanzte. Diese verkaufte die Familie auf dem Markt, und von dem wenigen Geld, das sie dafür bekamen, bestritten sie ihr bescheidenes Leben.
Zementia machte sich gerade mit einem Holzeimer auf den Weg zum Dorfbrunnen. Ein paar junge Frauen standen tuschelnd zusammen. Schnell senkte sie den Kopf und huschte an ihnen vorbei. In den Augenwinkeln sah sie, wie die anderen kichernd auf sie zeigten. Schon immer war sie eine Außenseiterin unter den Gleichaltrigen im Dorf gewesen. Denn sie war nicht wie die restlichen Mädchen. Sie war anders. Außergewöhnlich. Seltsam. Zum Beispiel liebte sie es, stundenlang ihre Nase in ein Buch zu stecken und in wundersame Welten abzutauchen. Außerdem besuchte sie gern die Pferde, die auf der Wiese hinter ihrem Haus standen, und pflückte Blumen, die sie zu kunstvollen Sträußen arrangierte. Nachts schaute sie oft träumerisch in die Sterne, und sie mochte Katzen. All diese unfassbar ungewöhnlichen Eigenschaften machten sie zu einem Sonderling, mit dem die anderen, normalen Mädchen nichts zu tun haben wollten. Darum verbrachte Zementia die meiste Zeit ihres Lebens damit, mit ihrem Onkel das Feld zu beackern, ihrer Tante im Haus zu helfen oder mit Lesen, Pferdestreicheln und Blumenpflücken.
Sie band ihren Eimer an das Seil des Brunnens und ließ ihn hinab. Nachdenklich beobachtete sie ihre Spiegelung im Wasser. Ihre türkisblauen Augen hatten die Farbe des Meeres, wenn die Sonne an Wintersonnenwende genau auf ihrem Zenit steht und fast vollständige Windstille herrscht (circa Windstärke 1 bis 2 auf der Beaufortskala). Winzige goldene Splitter funkelten wie Diamanten in diesem unendlichen Blau und zarte lila Äderchen durchzogen es wie die Äste kahler Bäume an einem Herbsttag. Ihre buschigen, aber nicht zu buschigen Augenbrauen waren wohlgeformt, ihre Lippen voll und rot, und sie hatte eine zauberhaft niedliche Stupsnase.
Zementia sah sich selbst allerdings komplett anders. Ein schwerer Seufzer entwich ihr. Ihre Augen waren so hässlich und langweilig! Genau wie ihre fürchterlichen grauen Haare. Ganz zu schweigen von ihrer Nase, die in ihrem Gesicht riesig und knubbelig hervorstach. Und ihre Lippen waren viel zu voluminös und rot. Manchmal wünschte sie sich, genauso schön wie die anderen Mädchen zu sein. Doch dieses Glück würde ihr wohl niemals vergönnt sein. Viele in ihrem Alter waren längst verlobt oder sogar bereits verheiratet, aber an Zementia hatte bisher noch niemand Interesse gezeigt – na ja, mal abgesehen von den sieben Heiratsanträgen von diversen jungen Männern aus der Umgebung, die alle sowohl ganz ordentlich aussahen, liebevoll und zuvorkommend waren, als auch über ausreichend Besitz verfügten, sodass sie ihr ein gutes und sorgloses Leben hätten ermöglichen können. Leider hatten sie alle eines gemeinsam: Sie waren eben nur ziemlich gewöhnliche Leute, die weder aussahen wie ein Prinz noch einer waren. Und ein Schloss besaßen sie schon mal gar nicht. Zementia hatte ja nun wirklich keine besonders hohen Ansprüche an einen potenziellen Ehemann, aber zumindest einen gewissen Standard sollten die Bewerber dann doch zu bieten haben können.
Zu diesem Zeitpunkt war sich die arme Zementia also absolut sicher, dass sie ihr ganzes Leben allein verbringen und einsam und traurig sterben würde.
Sie riss sich von ihrem unansehnlichen Spiegelbild los und brachte den vollen Eimer zurück nach Hause. In der Küche stand ihre Tante Margarete Meckermotz und rührte meckernd in einem Topf.
»Da bist du ja endlich, du nichtsnutziger Nichtsnutz! Na los, steh da nicht so verträumt in der Gegend herum, sondern mach dich gefälligst an die Arbeit. Die Wäsche wäscht sich nicht von allein!«
Im Gegensatz zu Zementia hatte Margarete Meckermotz leider nur unscheinbares aschblondes Haar, das überhaupt nicht seidig, glatt und glänzend über ihre Schultern fiel, sondern krause Locken bildete, außerdem sehr dünn war und schnell zu Spliss neigte, sodass es ständig fisselig aussah.Somit lag es natürlich auf der Hand, dass sie – wie jede anständige Ziehmutter mit obligatorischem Hang zur Boshaftigkeit – ihre Pflegetochter ein klitzekleines bisschen hasste. Als Zementia noch ein Kind gewesen war, hatte sie ihr daher Kleidung aus schäbigen Säcken genäht, obwohl eigentlich genügend Geld für Kinderkleidung vorhanden gewesen wäre. Aber sie war einfach viel zu geizig dafür, mehr als unbedingt nötig für Zementia auszugeben. Seit Zementia älter war, trug sie die aussortierten, tausendmal geflickten Kleider ihrer Tante auf, und deren Verachtung für sie wurde nur umso größer, weil dieses blöde Ding sogar in diesen Lumpen unverschämt gut aussah.
»Zementia! Ich sagte, steh nicht so verträumt und nutzlos in der Gegend herum und wasche endlich die Wäsche!«
Tante Margarete Meckermotz hatte vollkommen recht – Zementia stand tatsächlich etwas dümmlich im Weg herum und träumte vor sich hin. Sie dachte gerade darüber nach, ob Wasser eigentlich wirklich keinen Geschmack hatte oder ob die Menschheit einfach kollektiv beschlossen hatte, dass Wasser auf der Geschmacksskala auf dem Nullpunkt lag – alles, was sich darüber, also im positiven Bereich befand, schmeckte gut, und alles, was sich in negativen Bereich befand, schmeckte schlecht. Ob andere Völker wohl dieselbe Geschmacksskala benutzten? Für Elfen mit ihren hohen Ansprüchen an die Welt war sicher so etwas wie Kirschkuchen der Nullpunkt. Für sie schmeckte Kirschkuchen also neutral und erst alles darüber gut. Da Wasser auf dieser Skala ja um einiges unter Kirschkuchen lag, musste dies für Elfen sicher ungenießbar sein. Vielleicht tranken sie deswegen die ganze Zeit nur Saft und Cocktails und so etwas. Ob es sich wohl lohnte, diese Theorie zu testen? Dafür brauchte man dann erst einmal eine ausreichend große Gruppe Menschen und eine ausreichen große Gruppe Elfen. Mittels Fragebögen konnte man zunächst ermitteln, welches Lebensmittel für welches Volk im Allgemeinen gut und welches weniger gut schmeckte, dann konnte man auf dieser Grundlage eine Skala entwickeln und ...
»ZEMENTIA, BEWEG DICH ENDLICH!«
Erschrocken zuckte sie zusammen und vergaß in dieser Sekunde für immer ihren kompletten Gedankengang. Was wirklich schade war, denn hätte sie ihre Theorie tatsächlich getestet, wäre sie daraufhin die erfolgreichste und bekannteste Wissenschaftlerin im Bereich der Geschmacksforschung geworden. In einigen Jahren hätte sie sich von dem Geld, das sie mit ihren Büchern und Vorträgen zu dem Thema verdiente, ihr eigenes Schloss kaufen können. Tja, aber dank Tante Meckermotz waren nun alle Überlegungen wieder in der endlosen Weite ihrer Gedanken verschwunden und somit auch die Chance auf ein erfolgreiches Leben. Sie musste also weiterhin davon träumen, eines Tages einen Mann (im besten Falle einen Prinzen) kennenzulernen, der schon ein Schloss besaß, in das sie dann einfach mit einziehen konnte.
»Entschuldige, Tante«, murmelte sie und huschte mit dem Eimer in den Garten, um die Wäsche zu waschen. Sie grüßte ihren Onkel, der gerade vom Feld zum Abendessen heimkam, und begann mit der Arbeit.
Ihr Onkel trug den Namen Achim Ackerbeackerer, und das war im Grunde auch schon seine vollständige Existenz. Er war ein hart arbeitender Bauer, der gedanklich meistens nur damit beschäftigt war, ob die Rüben auch gut anwuchsen und dass es ja nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig regnete. Wie alle hart arbeitenden Bauern trug er stets karierte Hemden und schlammbeschmierte Stiefel und er besaß eine kleine Plauze. Wie alle hart arbeitenden Bauern war er nicht besonders redselig, und wenn er doch mal etwas sagte, dann brummte oder murmelte er es. Wie alle hart arbeitenden Bauern kannte er eigentlich nur drei Gefühle:
1. Ich muss aufs Feld.
2. Ich muss mir mit meinen Kumpels in der Taverne einen reinbechern.
3. Ich muss schlafen.
...| Erscheint lt. Verlag | 24.6.2025 |
|---|---|
| Verlagsort | Berlin |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | absurde Fantasy • Drachen • Einhörner • Fantasyparodie • Komödie • lustige Fantasy • Zementia Silberhaar |
| ISBN-10 | 3-8197-4877-6 / 3819748776 |
| ISBN-13 | 978-3-8197-4877-6 / 9783819748776 |
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