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Spin my Heart (eBook)

Tanz auf dem Eis
eBook Download: EPUB
2022
335 Seiten
dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH (Verlag)
978-3-98637-965-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Spin my Heart - Jeannine Molitor
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Beide sind auf dem Eis zu Hause. Doch können sie es gemeinsam zum Schmelzen bringen?
Die romantische Sports-Romance vor Kanadas magischer Winterlandschaft

Als Anna in der Vorweihnachtszeit im verschneiten Kanada ankommt, um sich für die Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft zu qualifizieren, rechnet sie nicht mit einem so unterkühlten Empfang: Der Eishockeyspieler Fynn, bei dessen Familie sie für die Zeit des Wettkampfs wohnen wird, zeigt ihr die kalte Schulter. Die begabte Eiskunstläuferin stürzt sich dennoch motiviert ins Training für die bevorstehende Qualifikation. Auf keinen Fall möchte sie sich ablenken lassen – vor allem nicht von einem schlecht gelaunten Fynn. Doch als Annas größte Konkurrentin sie beschuldigt, den Wettkampf manipuliert zu haben, lernt sie unerwartet eine andere Seite an ihm kennen. Fynn setzt alles daran, Anna zu helfen ihre Unschuld zu beweisen. Dabei können die beiden die aufflammende Anziehungskraft zwischen ihnen nicht ignorieren …

Erste Leser:innenstimmen
„Außergewöhnlich schöne Sports Romance – tiefgründig und unterhaltsam-frisch zugleich!“
„Anna und Fynn sind wirklich ein Traumpaar und ich habe sofort mit ihnen mitgefühlt und -gefiebert.“
„Romantische Lovestory und wunderschönes Setting in Kanada!“
„Ein nicht nur für Eiskunstlauf und Eishockeyfans rundum empfehlenswerter Liebesroman.“



<p>Jeannine Molitor wurde 1998 in Mutlangen geboren. Sie entdeckte fr&uuml;h ihre Liebe zu B&uuml;chern und schrieb bereits im Grundschulalter erste fantastische Kurzgeschichten. Derzeit lebt sie mit ihrem verr&uuml;ckten Kater im Landkreis Schw&auml;bisch Hall und arbeitet an weiteren Geschichten, die in ferne Welten entf&uuml;hren und das Herz h&ouml;herschlagen lassen sollen.</p>

<h2>Kapitel 1: Anna</h2> <p>Mein Atem bildet kleine, wei&szlig;e W&ouml;lkchen in der kalten Winterluft Kanadas. Ich ziehe den karierten Schal bis &uuml;ber die Nasenspitze und die Bommelm&uuml;tze tief in die Stirn, wodurch die vorbeilaufenden Menschen nur meine blaugr&uuml;nen Augen zu sehen bekommen.</p> <p>Mein Blick wandert immer wieder von dem Display meines Handys auf die verschneite Stra&szlig;e vor dem Airport in Halifax und mit jeder verstreichenden Minute w&auml;chst meine Nervosit&auml;t. Ob sie mich vergessen haben?</p> <p>Zweifelnd werfe ich einen weiteren Blick auf die digitale Uhr des Handys. Schneeflocken fallen darauf, die ich mit dem Daumen wegwische. 15:45 Uhr. Inzwischen stehe ich seit zwanzig Minuten vor dem Flughafen und warte. Nicht nach der Handynummer von Papas altem Schulfreund gefragt zu haben, stellt sich in diesem Moment als ein gro&szlig;er Fehler heraus.</p> <p>Gerade, als ich denke auf dem vermaledeiten Gehweg bald zur Eisstatue zu gefrieren, f&auml;hrt ein schwarzer Pick-Up mit Ladefl&auml;che vor und kommt direkt neben mir zum Stehen. Das Beifahrerfenster wird heruntergelassen und ich werfe automatisch einen Blick in das Innere des Wagens.</p> <p>Ein junger Mann, h&ouml;chstens ein paar Jahre &auml;lter als ich, beugt sich &uuml;ber das Lenkrad, wobei ihm eine dunkelblonde Locke in die Augen f&auml;llt, und mustert mich. &raquo;Anna?&laquo; Er spricht das erste &raquo;A&laquo; wie ein &raquo;&Auml;&laquo; aus.</p> <p>Mein Nicken gleicht vermutlich dem eines Roboters, so festgefroren bin ich inzwischen. Aber immerhin hat das Warten ein Ende.</p> <p>&raquo;Steig ein.&laquo; Er lehnt sich wieder zur&uuml;ck in seinen Sitz und schlie&szlig;t das Fenster.</p> <p>Perplex blinzle ich zweimal. Der spart wohl W&ouml;rter. Ich &ouml;ffne die T&uuml;r und warte, bis er mir wieder den Kopf zuwendet. &raquo;Wer bist du?&laquo;</p> <p>&raquo;Ich soll dich hier abholen.&laquo;</p> <p>Sehr hilfreiche Antwort. Immer noch unsicher ziehe ich die Augenbrauen nach oben, worauf er ein genervtes Seufzen ausst&ouml;&szlig;t und sich weiter in meine Richtung beugt. &raquo;Wir haben in den n&auml;chsten Wochen das zweifelhafte Vergn&uuml;gen unter einem Dach zu leben, solange du bei deinem Tanzwettbewerb mitmachst. W&uuml;rdest du jetzt bitte einsteigen, damit wir auf den Highway kommen, bevor dort die H&ouml;lle losbricht?&laquo;</p> <p>&raquo;Eiskunstlauf&laquo;, korrigiere ich ihn.</p> <p>Er f&auml;hrt sich frustriert durch das Haar und sch&uuml;ttelt den Kopf. Doch da tats&auml;chlich sonst niemand wei&szlig;, dass ich f&uuml;r einen Wettbewerb hier bin, lasse ich mich auf den Sitz sinken. Die Heizung l&auml;uft auf Hochtouren, wor&uuml;ber ich dankbar bin.</p> <p>Er sieht wieder zu mir und dann aus dem Beifahrerfenster raus. &raquo;Hast du nicht etwas vergessen?&laquo; Ich folge seinem Blick und sehe meinen knallpinken Koffer einsam und allein auf dem Gehweg stehen.</p> <p>&raquo;Oh.&laquo; Mehr bringe ich nicht heraus. Stattdessen sp&uuml;re ich, wie mir die Hitze in die Wangen steigt. Schnell &ouml;ffne ich die Autot&uuml;r, schnappe den Koffer und bugsiere ihn auf die Ladefl&auml;che. Misstrauisch werfe ich einen Blick nach vorn auf die Fahrerkabine. Hoffentlich rutscht mein Gep&auml;ck nicht zu viel hin und her. Wer wei&szlig; schon, welchen Fahrstil der Typ an den Tag legt.</p> <p>Ich lasse mich abermals auf den Beifahrersitz fallen und schlie&szlig;e die T&uuml;r, da f&auml;hrt er schon los. Ohne ein weiteres Wort zu sagen. Einige Minuten sitzen wir stillschweigend nebeneinander, w&auml;hrend er den gro&szlig;en Wagen sicher in den fahrenden Verkehr einf&auml;delt. &raquo;Wie hei&szlig;t du?&laquo;</p> <p>&raquo;Fynn.&laquo;</p> <p>&raquo;Bist du Richards Sohn?&laquo; Ich bemerke zwar, dass er nicht unbedingt zu den redseligen Menschen geh&ouml;rt, gebe aber nicht so schnell damit auf, ein Gespr&auml;ch in Gang zu bringen.</p> <p>&raquo;Stiefsohn&laquo;, antwortet Fynn wieder nur einsilbig. Wow. Er macht es einem wirklich schwer.</p> <p>Unschl&uuml;ssig sehe ich ihn von der Seite an. &raquo;Wir m&uuml;ssen nicht miteinander reden. Aber &hellip;&laquo;</p> <p>&raquo;Gut&laquo;, unterbricht er mich und streicht sich mit der rechten Hand durch die Locken. Dabei l&auml;sst er den Verkehr keine Sekunde aus den Augen.</p> <p>Dieser Zwischenruf nimmt mir den Wind aus den Segeln. Ich sehe aus dem Fenster. Um ehrlich zu sein, habe ich mir die Reise anders vorgestellt und in mir regt sich die Bef&uuml;rchtung, dass die n&auml;chsten zwei Wochen lang werden.</p> <p>Ich beschlie&szlig;e, mir von Fynn meinen Aufenthalt nicht vermiesen zu lassen. Vielleicht hat er einen schlechten Tag und morgen sieht die Welt anders aus? Ich sollte nicht zu fr&uuml;h urteilen. Immerhin bin ich diejenige, die ihren Koffer vor dem Flughafen hat stehen lassen. Wer wei&szlig;, was er &uuml;ber mich denkt? Bestimmt h&auml;lt er mich f&uuml;r eine bl&ouml;de Pute.</p> <p>Ich drehe den Kopf nach rechts und schaue aus dem Fenster. Dicke, wei&szlig;e Schneeflocken fallen vom Himmel und verschleiern meine Sicht auf die Au&szlig;enwelt. Sie legen sich auf die Fensterscheibe und hinterlassen darauf hunderte Wasserbahnen. Dennoch erkenne ich die Farben der vorbeizischenden Autos auf dem Highway. Und wenig sp&auml;ter das Dunkelgr&uuml;n der sich unter dem Gewicht des Schnees biegenden Tannenzweige.</p> <p>Nach einer Stunde fahren wir endlich den schmalen Weg zu einem Blockhaus hinauf. F&uuml;r den Gel&auml;ndewagen ist der verschneite Weg kein Problem. Papa h&auml;tte es mit seinem alten Golf vermutlich nicht geschafft, direkt vor der Treppe zu parken. Trotzdem w&uuml;rde er ihn nie gegen einen Neuwagen austauschen. Daf&uuml;r h&auml;ngt er zu sehr an ihm.</p> <p>Der alte Golf erinnert mich immer an die zahlreichen Ausfl&uuml;ge, die wir zu dritt unternommen haben, als Mama noch am Leben war. Vor allem der zuerst geplante Museumsbesuch, der aufgrund einer Reifenpanne ausfiel, ist mir im Ged&auml;chtnis geblieben. Stattdessen sind wir in ein Fast-Food-Restaurant und anschlie&szlig;end ins Kino gegangen, w&auml;hrend die Werkstatt sich um den Schaden gek&uuml;mmert hat. Wir hatten unheimlich viel Spa&szlig; und ich war fast dankbar f&uuml;r die Panne. Bei dieser Erinnerung legt sich ein L&auml;cheln auf meine Lippen.</p> <p>Sobald Fynn den Motor ausschaltet, &ouml;ffne ich die Autot&uuml;r und stolpere hinaus an die frische Luft. Mein Blick wandert umher und bleibt dann auf dem gem&uuml;tlich wirkenden Blockhaus vor mir h&auml;ngen. Die wei&szlig; eingerahmten Fenster mit den gr&uuml;nen Fensterl&auml;den und das helle Holz erwecken einen freundlichen Eindruck. Auf der linken Seite erkenne ich einen kleinen Schuppen, der seine besten Tage hinter sich hat. Die grauen Bretter wirken morsch und die schmale T&uuml;r h&auml;ngt etwas schief in ihren Angeln.</p> <p>Ich sehe zur&uuml;ck zu der dunklen Haust&uuml;r, &uuml;ber der sich das Dach zu einem Dreieck formt, und aus der mir ein rundlicher Mann mit einem herzlichen L&auml;cheln auffordernd zuwinkt. Das wird Richard sein, Papas ehemaliger Schulfreund. Ich erwidere sein L&auml;cheln und drehe mich um, als sich jemand laut neben mir r&auml;uspert.</p> <p>&raquo;Willst du Wurzeln schlagen?&laquo; Fynns graublaue Augen betrachten mich argw&ouml;hnisch. Ich sch&uuml;ttle den Kopf und m&ouml;chte ihm den Griff meines Koffers aus der Hand nehmen, doch er presst ein &raquo;Das mache ich schon&laquo; zwischen zusammengekniffenen Lippen hervor.</p> <p>&raquo;Danke.&laquo; Das Wort klingt aus meinem Mund eher nach einer Frage. Kurz &uuml;berlege ich, ob ich irgendetwas getan habe, das ihn beleidigt hat. Aber mir f&auml;llt beim besten Willen nichts ein.</p> <p>Vorsichtig, um nicht auszurutschen, laufe ich die paar Schritte auf die Treppe zu und steige die wenigen Stufen hinauf. Ehe ich mich versehe, schlie&szlig;en sich zwei starke Arme um meinen K&ouml;rper und ich werde beinahe zerquetscht. &raquo;Ich freue mich sehr, dass du uns besuchst.&laquo; Richard l&ouml;st die Umarmung und ich sehe perplex zu ihm auf. Diese herzliche Art von Begr&uuml;&szlig;ung habe ich nicht erwartet. &raquo;Nur schade, dass Andreas nicht dabei ist. So, wie ich ihn kenne, l&auml;sst es die Arbeit nicht zu. Nicht wahr?&laquo;</p> <p>&raquo;Ja, er hat im Krankenhaus sehr viel zu tun.&laquo; Das ist die Standardaussage, die wir seit fast f&uuml;nf Jahren benutzen. Im Endeffekt brummt Papa sich die Extraschichten selbst auf. Er will das so.</p> <p>&raquo;Richard!&laquo;, ruft eine Frauenstimme aus dem Inneren des Hauses. Dann vernehme ich eilige Schritte, die auf uns zukommen. Eine dunkelhaarige, schlanke Frau schiebt Richard zur Seite und stellt sich neben ihn in die T&uuml;r. &raquo;Lass das arme M&auml;dchen erst einmal hereinkommen.&laquo; Sanft l&auml;chelt sie mich an und feine Lachf&auml;ltchen bilden sich dabei um ihre braunen Augen. Sie strahlt f&ouml;rmlich und ist mir sofort sympathisch.</p> <p>&raquo;Du hast Recht, Liebling.&laquo; Richards ohnehin rotes Gesicht nimmt mehr Farbe an und er tritt hastig zur Seite. &raquo;Komm rein, Anna.&laquo;</p> <p>Staunend betrete ich das Innere des Hauses. Wir stehen direkt im gro&szlig;z&uuml;gigen Wohnzimmer mit angrenzender, offener K&uuml;che. Die Einrichtung ist schlicht, aber behaglich, und in hellen Braun- und Gr&uuml;nt&ouml;nen gehalten. Das gro&szlig;e Sofa l&auml;dt zu gem&uuml;tlichen Filmabenden und der dunkelgr&uuml;n und braun karierte Ohrensessel zum Lesen vor dem Kaminfeuer ein.</p> <p>&raquo;Ihr Haus ist wundersch&ouml;n, Mrs. Gagnon.&laquo;</p> <p>&raquo;Das ist lieb von dir, danke. Aber nenne mich gerne Sophia.&laquo; Ihr offenes Lachen erf&uuml;llt den Raum und das dunkelbraune Haar gl&auml;nzt im warmen Licht der Lampen. &raquo;Mrs. Gagnon war meine Mutter.&laquo; Immer noch l&auml;chelnd zwinkert sie mir zu und ich kann nicht anders, als ebenfalls zu lachen.</p> <p>Die Aufregung f&auml;llt mit jeder verstreichenden Minute mehr von mir ab und macht einer bleiernen M&uuml;digkeit Platz. Ich schaffe es nicht, das G&auml;hnen zu unterdr&uuml;cken, und hebe mir rasch die Hand vor den Mund. &raquo;Entschuldige. Der Jetlag.&laquo;</p> <p>&raquo;Aber daf&uuml;r brauchst du dich nicht zu entschuldigen. In Deutschland w&auml;re es zehn Uhr abends, wenn ich mich nicht t&auml;usche. M&ouml;chtest du dich ein wenig ausruhen?&laquo;</p> <p>Zuerst will ich verneinen, doch der Flug war anstrengend, weil meine Gedanken st&auml;ndig um meine K&uuml;r und den bevorstehenden Wettbewerb kreisten. Ein wenig Ruhe w&uuml;rde mir sicher guttun. Ich nicke und schenke Sophia ein kleines L&auml;cheln. &raquo;Das w&auml;re eine gute Idee, danke.&laquo; Auch wenn ich nicht glaube, dass ich schlafen werde. Daf&uuml;r ist noch nach dem Abendessen Zeit.</p> <p>Ihre Augen bleiben f&uuml;r einige Sekunden auf mir liegen, bevor sie sich ihrem Sohn zuwendet. &raquo;Fynn? W&uuml;rdest du Annas Sachen bitte nach oben bringen und ihr das G&auml;stezimmer zeigen? Ich muss in die K&uuml;che und nach dem Essen sehen. Es m&uuml;sste in der n&auml;chsten Stunde fertig sein.&laquo;</p> <p>&raquo;Du meinst das Zimmer, das bis gestern noch mein Eishockeyraum werden sollte?&laquo;</p> <p>Sophias Augen spr&uuml;hen Funken. &raquo;Nein, ich meine das Zimmer, das du ohne unsere Zustimmung in eine Rumpelkammer verwandelt hast. Wir haben bereits dar&uuml;ber gesprochen, dass dieser Raum ein G&auml;stezimmer ist und auch bleiben wird. Und jetzt h&ouml;r bitte auf damit und zeige ihr das Zimmer.&laquo; Einige Sekunden lang fechten die beiden ein stummes Blickduell aus, bis Fynn leise fluchend den Kopf senkt, meinen Koffer packt und ein &raquo;Komm mit&laquo; knurrt.</p> <p>Es f&auml;llt mir schwer, mit ihm mitzuhalten, denn er hetzt mit gro&szlig;en Schritten durch das Wohnzimmer, die Holztreppe hinauf und durch den langen Gang bis zur vorletzten T&uuml;r. &raquo;Das ist es.&laquo; Er stellt meinen Koffer ab und schiebt sich an mir vorbei, um wieder hinunterzugehen.</p> <p>&raquo;Warte&laquo;, halte ich ihn zur&uuml;ck und er bleibt ruckartig ein paar Schritte von mir entfernt stehen, dreht sich jedoch nicht um. &raquo;Es tut mir leid, dass du das Zimmer wegen mir r&auml;umen musstest. Das wusste ich nicht.&laquo;</p> <p>Fynn linst &uuml;ber die Schulter und scheint zu &uuml;berlegen, ob er etwas sagen soll. Doch dann l&auml;sst er mich wie eine alte Ramschkiste vor der Haust&uuml;r einfach stehen. Was war das denn? Kopfsch&uuml;ttelnd starre ich auf den Fleck, wo er eben noch stand. Aus dem soll mal einer schlau werden.</p> <p>Ich drehe mich um und betrete das Zimmer, in dem ich die n&auml;chsten zwei Wochen wohnen werde. An dem gro&szlig;en Fenster im hinteren Teil des Raumes, vor dem ein heller Schreibtisch mit Stuhl steht, h&auml;ngen leichte, wei&szlig;e Vorh&auml;nge mit winzigen beigen Musterungen. Mit drei kurzen Schritten gehe ich auf den Holzschrank an der gegen&uuml;berliegenden Wand zu und werfe einen Blick hinein. Bis auf ein Fach, in dem frische Bettw&auml;sche liegt, ist er leer. Kurzerhand entscheide ich mich dazu, meine Kleidung einzur&auml;umen. Es dauert ohnehin ein wenig, bis das Abendessen fertig ist.</p> <p>Papas geschocktes Gesicht steigt vor meinem inneren Auge auf, wenn er mich dabei sehen w&uuml;rde, wie ich die Klamotten feins&auml;uberlich in den Schrank einr&auml;ume, anstatt sie wie &uuml;blich im ganzen Zimmer zu verteilen. Er hat mich immer Chaos-Prinzessin genannt. Meine Mundwinkel wandern wie von selbst nach oben bei dem Gedanken an den Spitznamen, obwohl ich von ihm schon l&auml;nger nicht mehr so genannt wurde. Daf&uuml;r sehen wir uns zu selten. Bei dem Gedanken an ihn f&auml;llt mir ein, dass ich mich noch gar nicht gemeldet habe. Rasch ziehe ich mein Handy hervor und tippe an ihn und meine beste Freundin Lena eine kurze Nachricht, dass ich gut bei den Gagnons angekommen bin und mich jetzt einrichte. Da der Akku fast tot ist, sehe ich mich nach einer Steckdose um und werde neben dem schmalen Bett f&uuml;ndig. Es steht rechts neben dem Fenster und ein rot-wei&szlig; gemusterter Comforter liegt darauf. Ich schiebe meinen leeren, pinken Koffer darunter, stecke mein Handy ein und lasse mich dann seufzend r&uuml;ckw&auml;rts auf das weiche Bett fallen. Es ist gem&uuml;tlich und wenn ich jetzt die Augen schlie&szlig;e, w&uuml;rde ich sofort einschlafen. Da bin ich mir sicher. Tief atme ich den Geruch nach frisch gewaschener W&auml;sche ein und blicke einige Momente an die wei&szlig;e Zimmerdecke.</p> <p>In zwei Tagen werde ich das erste Mal in der Eishalle trainieren. Mein K&ouml;rper kribbelt bei dem Gedanken daran, bald wieder auf dem Eis zu stehen. Das Gef&uuml;hl der Freiheit, der Kufen auf dem Eis und dieser kurze Augenblick, in dem es sich anf&uuml;hlt, als k&ouml;nne man fliegen. Diese Schwerelosigkeit, wenn man zum Sprung ansetzt und das pure Gl&uuml;cksgef&uuml;hl, wenn man mit jeder Pore seines K&ouml;rpers sp&uuml;rt, dass das Element gelungen ist.</p> <p>In den vergangenen Wochen konnte ich an nichts anderes als an die Qualifikation zur Eiskunstlauf-WM denken. Ich habe viel Zeit in der Eishalle verbracht und ge&uuml;bt und in jeder freien Minute au&szlig;erhalb der Halle bin ich in Gedanken meine K&uuml;r durchgegangen. Es war ein sehr harter Weg. Die Wettbewerbe, um diese Qualifikation zu erreichen, haben viel von mir abverlangt und mich bis an meine Grenzen gebracht. Aber jetzt bin ich tats&auml;chlich hier.</p> <p>&raquo;Das Essen ist fertig.&laquo;</p> <p>Ruckartig setze ich mich auf und sehe, dass Fynn im T&uuml;rrahmen steht und mich mustert. Seine Mundwinkel zucken und in seinen Augen blitzt der Schalk auf.</p> <p>&raquo;Komme schon.&laquo; Eilig stehe ich auf, streiche den Comforter glatt und schiebe mich an Fynn vorbei, der immer noch grinsend in der T&uuml;r steht.</p> <p>Bestimmt macht er sich lustig dar&uuml;ber, wie ich vertr&auml;umt an die Zimmerdecke gestarrt habe und in Gedanken versunken war.</p> <p>Ein k&ouml;stlicher Duft erf&uuml;llt das Wohnzimmer und lockt uns direkt in die offene K&uuml;che, wo der Tisch zum Abendessen gedeckt ist.</p> <p>&raquo;Setz dich, Anna.&laquo; Richard schiebt den Stuhl an seiner linken Seite zur&uuml;ck und l&auml;chelt mich auffordernd an. &raquo;Ich hoffe, du isst gerne Suppe mit verschiedenem Gem&uuml;se. Sophia hat ihre wunderbare Soupe aux pois gekocht.&laquo;</p> <p>&raquo;Das klingt perfekt f&uuml;r den Winter&laquo;, antworte ich.</p> <p>&raquo;Ganz richtig.&laquo; Sophia kommt schwungvoll auf uns zu und stellt einen gro&szlig;en Topf vor uns ab.</p> <p>Im selben Moment tritt Fynn hinter sie und legt eine Kelle daneben. &raquo;Ich habe einen B&auml;renhunger.&laquo; Er l&auml;sst sich auf den Stuhl gegen&uuml;ber von Richard fallen und greift nach dem Topfdeckel, um sich etwas von der Suppe zu sch&ouml;pfen.</p> <p>&raquo;Wer den ganzen Tag auf dem Eis verbringt, kann nur hungrig sein.&laquo; Richard lacht dr&ouml;hnend und klopft seinem Stiefsohn freundschaftlich auf die Schulter. Fynn scheint sich unter der Ber&uuml;hrung sofort zu versteifen und l&auml;chelt gezwungen. Es sieht aus, als w&uuml;rde ihm das k&ouml;rperliche Schmerzen zuf&uuml;gen.</p> <p>Erstaunt hebe ich die Augenbrauen. &raquo;Du kannst Schlittschuhlaufen?&laquo;</p> <p>&raquo;Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen. Ich spiele Eishockey. Zumindest normalerweise.&laquo; Fynn wirft mir einen kalten Blick zu, unter dem ich sofort zu einer Eisstatue erstarrt w&auml;re, wenn er magische Kr&auml;fte besitzen w&uuml;rde.</p> <p>Und da f&auml;llt es mir wieder ein. Das Zimmer, in dem ich die n&auml;chste Zeit schlafen werde, hat Fynn als seinen Hockeyraum bezeichnet. &raquo;Stimmt, das habe ich vergessen&laquo;, nuschle ich und wende meinen Blick ab. Eilig probiere ich den ersten L&ouml;ffel der Suppe, die Richard mir inzwischen in den Teller gesch&ouml;pft hat. &raquo;Die Suppe schmeckt wunderbar. Anders als zu Hause. Viel intensiver. Welche Zutaten hast du verwendet?&laquo;, wende ich mich an Sophia.</p> <p>&raquo;Gr&uuml;ne und gelbe Erbsen, Zwiebeln, Sellerie, Karotte in Rinderbr&uuml;he&laquo;, z&auml;hlt sie an der Hand ab. &raquo;Oh, und einen Schinkenknochen. Das verleiht noch einmal zus&auml;tzlich W&uuml;rze. Es freut mich, dass es dir schmeckt.&laquo; Sie schenkt mir ein warmes L&auml;cheln.</p> <p>In den n&auml;chsten Minuten genie&szlig;en wir schweigend die hei&szlig;e Suppe. Es ist keine unangenehme Stille wie im Auto mit Fynn. Man hat nicht das Gef&uuml;hl, etwas sagen zu m&uuml;ssen.</p> <p>&raquo;Warst du schon einmal in Kanada?&laquo; Richard sieht mich fragend an und ich schlucke schnell die warme Suppe hinunter, um ihm zu antworten.</p> <p>&raquo;Leider noch nicht. Aber es war schon immer mein Wunsch, hierher zu kommen. Ich bef&uuml;rchte nur, dass ich in den n&auml;chsten zwei Wochen nicht allzu viel zu sehen bekomme. Abgesehen von der Eishalle.&laquo;</p> <p>&raquo;Vielleicht k&ouml;nnten wir morgen etwas unternehmen. Was denkst du, Anna?&laquo; Sophia streicht sich eine Haarstr&auml;hne hinter das Ohr und sieht mich erwartungsvoll an.</p> <p>&raquo;Das f&auml;nde ich sch&ouml;n.&laquo;</p> <p>&raquo;Solange es nicht Fallschirmspringen oder Bungeejumping ist&laquo;, wirft Richard ein und sch&uuml;ttelt sich, als w&uuml;rde er eine l&auml;stige Fliege loswerden wollen. Als er meinen fragenden Blick auff&auml;ngt, schmunzelt er, w&auml;hrend Sophia die Augen verdreht. Doch ihre Mundwinkel zucken auff&auml;llig. &raquo;Meine Frau ist ein kleiner Adrenalinjunkie. Lass dich von dieser karierten Kochsch&uuml;rze mit den R&uuml;schen und dem st&auml;ndigen Kochen blo&szlig; nicht in die Irre f&uuml;hren.&laquo;</p> <p>Ich werfe Sophia einen erstaunten Blick zu, die sogleich abwehrend die H&auml;nde hebt. &raquo;Keine Sorge. Ich habe eher an einen Ausflug nach Halifax gedacht&laquo;, wendet sie sich an mich.</p> <p>&raquo;Das w&auml;re super. Ich hatte nicht so viel Zeit, um mich &uuml;ber die Gegend schlauzumachen, aber die Waterfront w&uuml;rde ich gerne mal sehen.&laquo; Kaum habe ich die Worte ausgesprochen, ert&ouml;nt gegen&uuml;ber von mir ein lautes Aufst&ouml;hnen. Ich drehe meinen Kopf und blicke in Fynns genervtes Gesicht.</p> <p>&raquo;Das volle Touri-Programm also. Ich bin raus.&laquo; Er schmei&szlig;t die Serviette auf seinen leeren Teller, schiebt den Stuhl laut quietschend &uuml;ber den Boden und verschwindet mit langen Schritten nach oben.</p> <p>Perplex sehe ich ihm nach. &raquo;Welche Laus ist ihm denn &uuml;ber die Leber gelaufen?&laquo;</p> <p>Sophia seufzt leise und Richard legt einen Arm um ihre schmalen Schultern. &raquo;Ich glaube, der Umzug macht ihm zu schaffen&laquo;, gibt sie zu und versucht sich an einem etwas schiefen L&auml;cheln.</p> <p>&raquo;Ich wusste nicht, dass ihr erst vor Kurzem hergezogen seid.&laquo; Hilflos sehe ich zwischen den beiden hin und her. &raquo;Und ich dachte, ich h&auml;tte irgendetwas falsch gemacht.&laquo;</p> <p>&raquo;Oh nein. Mach dir da bitte keine Gedanken.&laquo; Richard winkt mit beiden H&auml;nden ab.</p> <p>&raquo;Er wird sich bald an die Situation gew&ouml;hnt haben&laquo;, f&uuml;gt Sophia hinzu. Sie scheint &uuml;ber das Thema nicht sprechen zu wollen, weswegen ich meine Neugier herunterschlucke und nicht weiter nachfrage.</p> <p>&raquo;Ich bin ziemlich m&uuml;de und w&uuml;rde mich gerne ein wenig hinlegen.&laquo;</p> <p>&raquo;Selbstverst&auml;ndlich. Brauchst du noch irgendetwas?&laquo;</p> <p>&raquo;Ich w&uuml;rde ein Glas Wasser mit nach oben nehmen, aber ansonsten bin ich wunschlos gl&uuml;cklich. Danke.&laquo; Ich stehe auf und l&auml;chle Richard und Sophia an. &raquo;Gute Nacht.&laquo;</p> <p>&raquo;Schlaf gut, Anna&laquo;, antworten beide gleichzeitig.</p> <p>Die Treppen geben ein leises Knarzen von sich, als ich nach oben in mein Zimmer gehe. Aus dem Schrank ziehe ich einen bunten Pyjama hervor und wechsle im Badezimmer nebenan rasch die Klamotten. Dann lege ich mich aufs Bett und sehe zum Fenster in die Dunkelheit hinaus.</p> <p>Ich w&auml;lze mich hin und her auf der Suche nach einer bequemen Position. Obwohl ich m&uuml;de bin, kann ich nicht schlafen. Die Eindr&uuml;cke des Tages sind zu pr&auml;sent in meinem Kopf und Fynns abweisendes Verhalten trifft mich mehr, als ich mir eingestehen will.</p> <p>Kurzentschlossen stehe ich wieder auf und inspiziere meine Handtasche, die ich achtlos auf dem Tisch habe liegen lassen. Wie bei vielen anderen Frauen gleicht auch meine einem schwarzen Loch. F&uuml;r einen Moment habe ich Angst, den E-Book-Reader vergessen zu haben. Doch dann ziehe ich ihn mit einem weithin h&ouml;rbaren &raquo;Da bist du ja!&laquo; hervor. Bl&ouml;derweise habe ich ihn mit zu viel Schwung herausgeholt. Meine Tasche f&auml;llt mit einem lauten Plumpsen herunter und ihr gesamter Inhalt ergie&szlig;t sich &uuml;ber den Boden: Zeitschriften, Kugelschreiber, Geldbeutel, Kaugummis, Kopfh&ouml;rer, die Trinkflasche, die ich mir am Flughafen gekauft habe und mein Schl&uuml;ssel, der wohl am meisten L&auml;rm verursacht.</p> <p>Sofort b&uuml;cke ich mich, um alles wieder einzur&auml;umen. Da ert&ouml;nen laute Schritte im Flur und wenige Sekunden sp&auml;ter wird die T&uuml;r aufgerissen.</p> <p>&raquo;Geht das auch noch lauter? Soll ich dir vielleicht dabei helfen, das Zimmer auseinanderzunehmen?&laquo; Fynn steht wutschnaubend in der T&uuml;r und seine graublauen Augen spr&uuml;hen Funken.</p> <p>Mein Gesicht brennt. &raquo;Sorry, mir ist die Handtasche runtergefallen.&laquo; Wie eine Idiotin deute ich mit dem Finger zuerst auf die dunkelbraune Tasche und dann auf den restlichen Inhalt, der auf dem Boden verstreut liegt.</p> <p>&raquo;Was du nicht sagst.&laquo;</p> <p>Ich schlucke fest und wei&szlig; nicht genau, was ich antworten soll. Daher wende ich mich von Fynn ab und fahre damit fort, die Sachen zu verstauen. Die ganze Zeit &uuml;ber liegt sein Blick auf mir. Wieso verschwindet er denn nicht wieder?</p> <p>Erst als meine Kopfh&ouml;rer ihren Weg zur&uuml;ck in das schwarze Loch gefunden haben und ich die Tasche auf dem Tisch ablege, macht sich Fynn ohne ein weiteres Wort zu sagen aus dem Staub. Das Letzte, was ich h&ouml;re, ist, wie er die T&uuml;r laut hinter sich ins Schloss zieht.</p> <p>So ein Arsch.</p> <p>Kopfsch&uuml;ttelnd gehe ich mit dem E-Book-Reader auf das Bett zu, ziehe den Comforter zur&uuml;ck und lasse mich auf das Laken fallen, das auf der Matratze festgezurrt ist. Lesen w&uuml;rde mir dabei helfen, zur Ruhe zu kommen. Das hat es bislang immer.</p> <p>Ich springe bis zu dem Kapitel vor, das ich zuletzt gelesen habe, und lasse mich tiefer in das Kissen sinken. Ich finde direkt wieder in die Geschichte und werde in eine magische Welt hineingezogen, die weit weg von Kanada ist, und endlich schaffe ich es, abzuschalten.</p> <h2>Kapitel 2: Anna</h2> <p>In der Nacht wache ich immer wieder auf. Es hat nicht daran gelegen, dass das Bett unbequem oder ich nicht m&uuml;de genug war. Im Gegenteil. Das Problem lag in Fynns Verhalten. Ich verstehe, dass es nicht leicht ist, an einem neuen Ort von vorne anzufangen. Aber dadurch hatte ich das Gef&uuml;hl, nicht willkommen zu sein und in eine Familie einzufallen, die sich zuerst untereinander zurechtfinden sollte. Aber auch die Nachwehen des Jetlags haben ihren Teil zu der unruhigen Nacht beigetragen.</p> <p>An Schlaf ist jetzt jedenfalls nicht mehr zu denken. Ein Blick auf die Uhr meines Handys verr&auml;t mir, dass es ohnehin bereits acht Uhr ist. Seufzend rutsche ich aus dem Laken hervor, werfe den Comforter zur&uuml;ck und stehe auf. Vielleicht hilft mir ein Schwall kaltes Wasser, um wach zu werden. Mit einem dunkelblauen Wollpullover und einer ebenso dunklen Jeans &uuml;ber dem Arm und meiner Kulturtasche in der Hand gehe ich in das Badezimmer nebenan.</p> <p>&raquo;Raus hier!&laquo;</p> <p>Als w&auml;re ich gegen eine unsichtbare Wand geknallt, halte ich ruckartig an. Direkt vor mir steht Fynn und er ist nur mit einem Handtuch um die H&uuml;fte bekleidet. Ich schlucke mehrmals nacheinander. Sein Haar ist noch nass und Wassertropfen bahnen sich einen Weg von seiner durchtrainierten Brust &uuml;ber die Bauchmuskeln, um schlie&szlig;lich unter dem Badetuch zu verschwinden. Meine Augen folgen ihnen, als w&uuml;rden sie magnetisch von den Tropfen angezogen werden.</p> <p>&raquo;Bist du taub?&laquo; Fynns laute Stimme rei&szlig;t mich schonungslos aus der Erstarrung und ich schaffe es, meinen Blick von seinem K&ouml;rper loszurei&szlig;en.</p> <p>&raquo;Was?&laquo; In diesem Moment verstehe ich kein Wort von dem, was er sagt.</p> <p>Ohne auf die Frage einzugehen, legt er eine Hand um mein Handgelenk und zieht mich aus dem Badezimmer heraus. Seine Ber&uuml;hrung sendet kleine Blitze durch meinen K&ouml;rper. &raquo;Stalkst du andere immer beim Duschen?&laquo;</p> <p>Die Frage hat dieselbe Wirkung wie ein Eimer voll mit eiskaltem Wasser, der &uuml;ber meinem Kopf ausgesch&uuml;ttet wird. &raquo;Da&hellip; Das war keine Absicht! Ich wusste nicht, dass du im Badezimmer bist&laquo;, verteidige ich mich halbherzig.</p> <p>Fynn lehnt sich an den T&uuml;rrahmen und ich versuche, den Blick auf seine Augen gerichtet zu lassen. &raquo;Das n&auml;chste Mal k&ouml;nntest du einfach klopfen.&laquo;</p> <p>&raquo;Sagt derjenige, der einfach T&uuml;ren aufrei&szlig;t und rumbr&uuml;llt&laquo;, erinnere ich ihn an den vorherigen Abend. &raquo;Du k&ouml;nntest einfach abschlie&szlig;en.&laquo;</p> <p>Fynn hebt eine Augenbraue und seine Mundwinkel zucken. &raquo;Du bist gerade mal einen Tag hier und stellst schon Anspr&uuml;che?&laquo;</p> <p>Tief atme ich ein und wieder aus. Mann, der Kerl bringt mich auf die Palme. &raquo;Jetzt h&ouml;r mir mal gut zu. Es war keine Absicht. Ich wollte nur &hellip;&laquo;, versuche ich mich noch einmal zu erkl&auml;ren, bevor ich von Schritten auf der Treppe unterbrochen werde.</p> <p>Nur wenige Sekunden sp&auml;ter steht Sophia neben uns. &raquo;Ist alles in Ordnung?&laquo; Verwundert sieht sie zwischen Fynn und mir hin und her. Ihr Blick bleibt einen Moment l&auml;nger an dem Aufzug ihres Sohnes h&auml;ngen.</p> <p>&raquo;Anna wollte mich gerne beim Duschen beobachten. Aber ich mache das, um ehrlich zu sein, lieber ohne Zuschauer.&laquo;</p> <p>Die Hitze kriecht mir in die Wangen. Oh, bitte Erdboden. Tu dich auf und verschlinge mich. Mehrmals &ouml;ffne ich den Mund und setze zum Sprechen an, doch ich bekomme kein weiteres Wort heraus.</p> <p>Fynn f&auml;hrt sich mit einer Hand durch die nassen Locken und scheitert kl&auml;glich daran ein ernstes Gesicht aufzusetzen.</p> <p>&raquo;Anna, du kannst unser Bad benutzen. Hinter der Treppe, die zweite T&uuml;r links. Ich muss mich um das Essen k&uuml;mmern.&laquo;</p> <p>Ich nicke eilig. Dankbar f&uuml;r eine Entschuldigung, um dieser unangenehmen und vor allem peinlichen Situation zu entgehen. Im Weggehen h&ouml;re ich, wie Sophia in zischendem Tonfall etwas zu Fynn sagt und er darauf antwortet. Aber die genauen Worte verstehe ich nicht.</p> <p>Unten gehe ich ins Badezimmer, schlie&szlig;e ab und lasse mich tief einatmend auf die Kante der Badewanne sinken. Das war peinlich. Sehr, sehr peinlich. Und noch schlimmer wurde es, als Sophia dazukam. Warum bin ich nicht vorher sichergegangen, dass niemand in dem Raum ist? Die Frage kann ich mir selbst beantworten: Weil ich mir sonst keine Sorgen dar&uuml;ber machen muss. Mein Vater und ich wohnen zwar offiziell gemeinsam in einem Einfamilienhaus in Hamburg, aber die meiste Zeit bin ich dort alleine. Er arbeitet viel. Nimmt st&auml;ndig Extraschichten im Krankenhaus an und manchmal habe ich Angst, dass er das macht, um mir aus dem Weg zu gehen.</p> <p>Mit einem ruckartigen Kopfsch&uuml;tteln verbanne ich diese negativen Gedanken aus meinem Kopf. Ich will weder dar&uuml;ber noch &uuml;ber den Badezimmervorfall weiter nachdenken. Also stehe ich auf, putze mir die Z&auml;hne und ziehe mich um. Nachdem ich mir dann mehrmals kaltes Wasser ins Gesicht gespritzt habe, f&uuml;hle ich mich schon fast wie ein Mensch.</p> <p>&raquo;Guten Morgen, Anna&laquo;, gr&uuml;&szlig;t mich Richard, als ich auf der Treppe stehe, um meinen Schlafanzug und den Kulturbeutel wegzur&auml;umen. Er sitzt auf dem gro&szlig;en Ohrensessel vor dem Kamin. Die Zeitung liegt aufgeschlagen auf seinem Scho&szlig; und vor ihm auf dem Tisch steht eine orangene Kaffeetasse. &raquo;Ich hoffe, du hast gut geschlafen. H&auml;ttest du Lust, heute nach Halifax zu fahren?&laquo; Richard f&auml;llt mein fragender Blick auf, denn er setzt unsicher nach: &raquo;Du wolltest dir doch das Hafenviertel ansehen. Und Halifax bietet noch mehr Sehensw&uuml;rdigkeiten.&laquo;</p> <p>&raquo;Oh ja, das w&uuml;rde ich gerne sehen. Wenn euch das keine zu gro&szlig;en Umst&auml;nde macht.&laquo;</p> <p>Richard winkt mit der Hand ab. &raquo;Das machen wir sehr gerne. Es ist auch nicht ganz uneigenn&uuml;tzig.&laquo; Er lacht leise. &raquo;Fynn m&ouml;chte die ein oder andere Besorgung machen. Das trifft sich also gut.&laquo;</p> <p>Zwei Stunden sp&auml;ter sitzen wir in Richards Wagen. Eingequetscht wie die Sardinen in einer zu kleinen Blechb&uuml;chse, denn die H&auml;lfte der R&uuml;ckbank ist voll mit Hockeykram, der nicht mehr in den Kofferraum gepasst hat. Zu allem &Uuml;berfluss habe ich den Platz in der Mitte &ndash; direkt neben Fynn.</p> <p>Sophia dreht sich nach hinten um und sieht uns skeptisch an. &raquo;War es wirklich notwendig, die ganze Hockeyausr&uuml;stung der letzten zehn Jahre mitzunehmen?&laquo;</p> <p>&raquo;Ihr wolltet, dass ich mitkomme. Dann kann ich genauso gut das Zeug mitnehmen, um es zu verkaufen und mich im Shop nach neuen Sachen umsehen.&laquo; Das ist also der Grund f&uuml;r Fynns pl&ouml;tzlichen Meinungswechsel. Hockey-Besorgungen.</p> <p>Sein Knie ber&uuml;hrt meinen Oberschenkel und ein Kribbeln durchzuckt meinen K&ouml;rper. Eilig drehe ich das Bein nach links, um die Ber&uuml;hrung zu unterbrechen. Im selben Moment sp&uuml;re ich seinen Blick auf mir liegen, doch ich ignoriere ihn und sehe stattdessen geradeaus zum Fenster raus.</p> <p>In jeder Kurve lehne ich mich in die genau entgegengesetzte Richtung auf den Hockeykram, um nicht auf ihn zu rutschen, aber meine Bem&uuml;hungen funktionieren leider nicht wie erhofft.</p> <p>&raquo;Pass doch auf!&laquo;, zischt Fynn, als ich ihn in einer besonders engen Kurve aus Versehen ansto&szlig;e und ihm sein Handy dabei aus der Hand f&auml;llt.</p> <p>&raquo;Sorry, das war nicht mit A&hellip; &laquo;</p> <p>&raquo;Nicht mit Absicht. Schon klar&laquo;, knurrt er. &raquo;Irgendwann ist das etwas unglaubw&uuml;rdig.&laquo;</p> <p>Bevor ich etwas erwidern kann, ert&ouml;nt ein &raquo;Wir sind gleich da&laquo; von vorne und ich schlie&szlig;e meinen ge&ouml;ffneten Mund wieder. <i>Einfach ignorieren</i>, sage ich mir selbst in Gedanken.</p> <p>Zehn Minuten sp&auml;ter fahren wir auf einen Parkplatz, der bereits gut gef&uuml;llt ist. Richard muss ihn mehrmals umrunden, bevor er einen freien Platz findet, der gro&szlig; genug f&uuml;r den Wagen ist.</p> <p>Sobald das Auto steht, &ouml;ffnet Fynn die T&uuml;r und springt hinaus. So, als w&uuml;rde er so schnell wie m&ouml;glich Distanz zwischen uns bringen wollen. Bevor ich aussteigen kann, klatscht er mir die Autot&uuml;r vor der Nase zu.</p> <p>Frustriert rutsche ich auf seinen Sitz hin&uuml;ber, &ouml;ffne die T&uuml;r und steige aus. &raquo;Danke, sehr liebensw&uuml;rdig.&laquo; Vielsagend sehe ich Fynn mit hochgezogenen Augenbrauen an und deute hinter mich auf das Auto.</p> <p>&raquo;War nicht mit Absicht.&laquo; Mit einem breiten Grinsen zwinkert er mir zu. Am liebsten w&uuml;rde ich es ihm aus dem Gesicht wischen. Emp&ouml;rt schnaube ich auf. Wie kann man nur so unausstehlich sein?</p> <p>&raquo;Kommt ihr?&laquo; Richard und Sophia stehen Hand in Hand einige Schritte entfernt und sehen fragend zu uns.</p> <p>Es ist kein weiter Weg, bis wir auf dem Waterfront Boardwalk angelangt sind. Das in der Wintersonne glitzernde Wasser und die im Hafen liegenden Boote, in den verschiedensten Formen und Gr&ouml;&szlig;en, ziehen meinen Blick f&ouml;rmlich an.</p> <p>&raquo;Der Hafen geh&ouml;rt zu den Gr&ouml;&szlig;ten in Nordamerika. Im Sommer ist hier viel mehr los, da wei&szlig; man gar nicht, wo man zuerst hinsehen soll.&laquo; Richard lacht und Sophia hakt sich ebenso l&auml;chelnd bei ihm unter. &raquo;Diese H&auml;user&laquo;, er deutet auf die andere Seite, &raquo;waren fr&uuml;her Lagerh&auml;user von Piraten.&laquo;</p> <p>&raquo;Wirklich?&laquo;, frage ich erstaunt und betrachte die Restaurants und Bars.</p> <p>&raquo;Im Moment wirkt es nicht so, aber das Hafenviertel ist in den Nachtstunden vor allem bei jungen Leuten sehr beliebt.&laquo; Sophia l&auml;chelt vielsagend und deutet mit dem Kinn auf eine Bar.</p> <p>&raquo;Wenn wir schon hier sind, sollte Anna auch die Zitadelle sehen. Oder was denkst du, Mom?&laquo;</p> <p>&raquo;Das ist eine hervorragende Idee!&laquo;, ruft Richard begeistert und Sophia stimmt nickend zu.</p> <p>&Uuml;ber Fynns Gesicht huscht ein L&auml;cheln, bevor er wieder einen ernsten Blick aufsetzt. &raquo;Ich m&uuml;sste dann nur wieder zum Auto. Der Eishockey-Shop w&uuml;rde zumachen, bis wir von der Zitadelle zur&uuml;ck sind.&laquo;</p> <p>Warum war mir klar, dass es sich dabei um keine nette Geste handelt? Er versucht uns loszuwerden.</p> <p>Sophia presst die Lippen zusammen. Sie scheint ebenso wenig davon zu halten, dass Fynn sich abseilen m&ouml;chte.</p> <p>&raquo;Da k&ouml;nntest du recht haben&laquo;, wendet Richard ein. &raquo;Dann treffen wir uns wieder am Parkplatz? Um f&uuml;nf?&laquo; Er sieht fragend zu Sophia, die ergeben mit den Schultern zuckt.</p> <p>Fynn nickt und f&auml;hrt sich mit der Hand durchs dunkelblonde Haar. &raquo;In Ordnung. Brauche nur den Autoschl&uuml;ssel.&laquo;</p> <p>Richard kramt in seiner Jackentasche und &uuml;berreicht ihm das gew&uuml;nschte Objekt. &raquo;Dass du mir blo&szlig; nicht wegf&auml;hrst, Junge.&laquo; Er lacht viel zu laut und keiner steigt auf seinen Witz ein.</p> <p>Fynn hebt die Hand mit dem Schl&uuml;ssel. &raquo;Danke.&laquo; Dann dreht er sich um und l&auml;uft davon.</p> <p>F&uuml;r einen Moment sehen wir ihm hinterher. Erst als Sophia sanft, aber bestimmt, an Richards Jacke zupft, f&auml;ngt sich dieser wieder. Er r&auml;uspert sich leise. &raquo;Na dann wollen wir mal. Auf zur Zitadelle von Halifax w&uuml;rde ich sagen.&laquo;</p> <p>Auf dem H&uuml;gel, Citadel Hill, angekommen, lasse ich meinen Blick &uuml;ber die Landschaft schweifen. Trotz des Schnees und der ungem&uuml;tlichen Temperaturen haben sich einige Menschen dazu entschlossen, die Anh&ouml;he zu erklimmen. Viele von ihnen schie&szlig;en Fotos mit diesen bescheuerten Selfie-Sticks. Meine beste Freundin Lena nennt sie Deppenzepter und auch wenn ich ihre Meinung nicht teile, finde ich diesen Vergleich ziemlich lustig.</p> <p>&raquo;Dort vorne ist die Town Clock.&laquo;</p> <p>Ich drehe mich wieder zu Richard um und sehe in die besagte Richtung. Ein eckiger Turm steht auf einem quaderf&ouml;rmigen, wei&szlig;en Geb&auml;ude mit Fenstern. Die Old Town Clock ist scheinbar in drei Ebenen aufgeteilt. Die Erste wird von mehreren S&auml;ulen umrahmt. Die zweite Ebene besitzt ein gro&szlig;es, blaues Zifferblatt mit goldenen r&ouml;mischen Ziffern. Da f&auml;llt mir etwas auf, was mich kurz stutzen l&auml;sst. &raquo;Wieso ist die Vier auf dem Zifferblatt der Uhr falsch geschrieben?&laquo; Anstatt &rsaquo;IV&lsaquo; steht dort &rsaquo;IIII&lsaquo;.</p> <p>&raquo;Gut aufgepasst. Daf&uuml;r gibt es tats&auml;chlich verschiedene Gr&uuml;nde. Bei sehr alten Uhren wurde das h&auml;ufig so gemacht. Zum einen, weil das damals noch die richtige Schreibweise war, zum anderen aber auch, weil die Uhrenmacher so nur drei Formen gebraucht haben, um die Zahlen darzustellen. Meine Lieblingserkl&auml;rung ist aber eine andere.&laquo; Er schmunzelt und seine Augen leuchten begeistert auf. &raquo;Die Buchstaben IV waren die Anfangsbuchstaben von Jupiter. Fr&uuml;her hat man es als respektlos empfunden, diese auf dem absteigenden Teil einer Uhr zu verewigen.&laquo;</p> <p>Ich sehe w&auml;hrend Richards Erkl&auml;rung zu dem Zifferblatt auf. &raquo;Das ist echt interessant.&laquo;</p> <p>&raquo;Wenn ich mich nicht t&auml;usche, ist es bei allen vier Uhren so.&laquo;</p> <p>&raquo;Vier?&laquo; Ich sehe aus dieser Perspektive nur eine.</p> <p>&raquo;Es sind vier Uhren, die in die vier Himmelsrichtungen weisen.&laquo;</p> <p>&raquo;Wof&uuml;r wurde sie erbaut?&laquo;, frage ich Richard ohne meinen Blick von dem Glockenturm zu l&ouml;sen.</p> <p>&raquo;Das ist eine komische Geschichte.&laquo; Richard r&auml;uspert sich und l&auml;chelt leicht. &raquo;Die Old Town Clock wurde im 19. Jahrhundert erbaut. Prinz Edward, der Graf von Kent und Strathearn und Queen Victorias Vater, hat sie in Auftrag gegeben und der Stadt geschenkt. Als Oberbefehlshaber der britischen Streitkr&auml;fte in Nordamerika war er um 1800 in Halifax stationiert. Edward lie&szlig; diesen Glockenturm bauen, um die angebliche Unp&uuml;nktlichkeit der Truppeneinheit einzud&auml;mmen. Du musst wissen, dass er eher von der Sorte oberp&uuml;nktlich war.&laquo; Es klingt, als h&auml;tte Richard ein Geschichtsbuch verschluckt. Er scheint in solchen Dingen richtig aufzugehen. Wir setzen unseren Weg zur Zitadelle fort.</p> <p>Staunend betrachte ich die sternf&ouml;rmige Anlage und die Besucherstr&ouml;me. Ich bin fast ein wenig entt&auml;uscht, dass die Zeit nicht ausreicht, um an einer F&uuml;hrung teilzunehmen. Aber Richard wirft mit so vielen Fakten und Informationen um sich, dass ich nicht einmal ann&auml;hernd ein Drittel davon behalten kann. Er bl&uuml;ht f&ouml;rmlich auf und zum ersten Mal wird mir klar, wieso er als Immobilienmakler so erfolgreich ist: Richard schafft es, die Menschen mit seiner Euphorie anzustecken und mitzurei&szlig;en.</p> <p>Sophia tippt l&auml;chelnd auf ihre Uhr und es kommt mir vor, als w&auml;ren erst f&uuml;nf Minuten vergangen. &raquo;Wie du siehst, sind wir nicht zum ersten Mal hier. Und wenn ich meinen Liebsten&laquo;, Sophia wirft Richard ein herzerw&auml;rmendes L&auml;cheln zu, &raquo;jetzt nicht unterbreche, werden wir mit noch mehr Informationen &uuml;berh&auml;uft. Richard k&ouml;nnte eine F&uuml;hrung alleine veranstalten und w&uuml;rde den Besuchern vermutlich mehr Wissen vermitteln als jeder Angestellte. Er ist ein gro&szlig;er Fan der Architektur.&laquo; Sophia zwinkert mir vielsagend zu und sieht dann zu ihrem Mann auf. Sanft t&auml;tschelt sie seinen Unterarm. &raquo;Aber heute sollte die Lehrstunde etwas k&uuml;rzer ausfallen. Viel Zeit bleibt uns nicht mehr, bis wir den R&uuml;ckweg antreten m&uuml;ssen und uns mit Fynn auf dem Parkplatz treffen. Wie w&auml;re es, wenn wir noch einen Abstecher in das Pier 21 Museum machen?&laquo;</p> <p>&raquo;Ich glaube, davon habe ich schon mal gelesen. Das ist das Einwanderungsmuseum, oder?&laquo;</p> <p>Sophia nickt. &raquo;Genau. Als ich das erste Mal dort war, war ich wirklich begeistert. Ich k&ouml;nnte mir vorstellen, dass es dir dort gut gef&auml;llt.&laquo;</p> <p>&raquo;Also ich w&uuml;rde es mir gerne ansehen.&laquo;</p> <p>Richard, Sophia und ich machen uns auf den R&uuml;ckweg, der sehr ruhig verl&auml;uft. Ein starker Kontrast zu davor. Wir schlendern an der Waterfront entlang, bis wir vor einem quaderf&ouml;rmigen Geb&auml;ude aus roten Backsteinen ankommen. Auf der Vorderseite &uuml;ber dem Eingangsbereich steht in gro&szlig;en schwarzen Lettern &raquo;Pier 21&laquo;.</p> <p>&raquo;Vor knapp einhundert Jahren kamen hier die ersten europ&auml;ischen Immigranten auf den Schiffen an. Auf der Suche nach einem besseren Leben haben sie den Atlantik &uuml;berquert und wurden dann hier in eine Halle gebracht, um ihre Einwanderungspapiere genehmigen zu lassen&laquo;, erkl&auml;rt mir Sophia, nachdem wir hineingegangen sind und unsere Tickets bezahlt haben.</p> <p>&raquo;Das ist noch gar nicht so lange her, wie man zuerst denkt. Von mir ist das so weit weg, dass es mir wie aus einem v&ouml;llig anderen Leben vorkommt.&laquo;</p> <p>Ich trete n&auml;her an eines der zahlreichen Schriftst&uuml;cke heran, die seit der Er&ouml;ffnung des Museums gesammelt wurden. Die Schrift wirkt alt und einige W&ouml;rter sind kaum noch zu lesen. Es dauert eine Weile, bis ich es durchgelesen habe und mit jedem weiteren Wort schn&uuml;rt es mir die Kehle ein wenig mehr zu. Dieser Brief ist so voller Hoffnung auf ein neues, besseres Leben in Kanada, aber auch die Angst ist deutlich herauszulesen.</p> <p>&raquo;Ich glaube, ich kann mir nicht einmal ann&auml;hernd vorstellen, wie viel Angst diese Menschen gehabt haben m&uuml;ssen. Ich meine, sie haben ihre Heimat und alles, was sie kannten, hinter sich gelassen. Sie kamen in ein anderes Land mit fremden Menschen und einer fremden Sprache. Es war unsicher, wie es weitergeht und sie haben sich trotzdem auf dieses Abenteuer eingelassen&laquo;, wende ich mich an Sophia, die sich gerade eine der zahlreichen schriftlichen Aufzeichnungen ansieht.</p> <p>&raquo;Oh ja, der Mut dieser Menschen ist beeindruckend. Auch heute noch.&laquo;</p> <p>&raquo;Absolut&laquo;, murmle ich.</p> <p>Der Besuch in dem Museum ist eine der besten Ideen &uuml;berhaupt gewesen. Die Geschichten dieser Menschen gehen mir unglaublich nah. Es sind nicht nur die schriftlichen Aufzeichnungen, die man sich hier ansehen kann. Sondern es gibt auch viele Audio- und Videoaufzeichnungen von Interviews mit Immigranten und Menschen, die damals hier gearbeitet haben. Am meisten fasziniert mich das Archiv. Dort sind Passagierlisten enthalten, man kann sich die verschiedenen Routen der Schiffe und Immigrationsdokumente ansehen.</p> <p>Ich komme einfach nicht von dem Gedanken weg, wie mutig diese Menschen waren. Es herrschte Krieg. Viele von ihnen haben Familienmitglieder verloren und mussten sich ein neues Leben aufbauen. Und dann diesen Schritt zu gehen und einfach in das Unbekannte loszuziehen, ist extrem beeindruckend. Ein Klo&szlig; bildet sich in meinem Hals.</p> <p>Auch Papa und ich haben nach dem Tod von Mama versucht, weiterzumachen. Wieder zu leben. Aber ich bin nicht so mutig, wie diese Menschen. Ich habe es bis heute nicht geschafft loszulassen. Mein altes Leben zur&uuml;ckzulassen und etwas Neues anzufangen. Ich wei&szlig;, dass das nicht hei&szlig;t, Mama zu vergessen. Und trotzdem kann ich es nicht.</p> <p>&raquo;Anna?&laquo; Sophia dr&uuml;ckt meinen Oberarm und wirft mir einen Blick zu, den ich nicht deuten kann. &raquo;Es wird langsam Zeit, zu gehen. Fynn wartet bestimmt schon auf uns.&laquo;</p> <p>Ich brauche einen Augenblick, bis ihre Worte bei mir ankommen. Zu tief stecke ich noch in meinen Gedanken, die ich weit von mir schiebe. &raquo;Oh, jetzt schon?&laquo;</p> <p>Richard schiebt sich neben Sophia und schmunzelt. &raquo;Schon ist gut, wir sind fast zwei Stunden hier gewesen.&laquo;</p> <p>&raquo;Das habe ich gar nicht bemerkt&laquo;, gebe ich zu, worauf Sophia lacht.</p> <p>&raquo;Ja, das kenne ich zu gut. Die Geschichten hier sind so ergreifend, dass man kaum merkt, wie die Zeit vergeht.&laquo;</p> <p>Am Parkplatz angekommen, wartet Fynn tats&auml;chlich bereits auf uns. L&auml;ssig an den Kofferraum von Richards Auto gelehnt, scrollt er auf seinem Smartphone herum und scheint uns entweder nicht zu bemerken oder absichtlich zu ignorieren.</p> <p>Erst als Richard neben ihm zum Stehen kommt und Fynn freundschaftlich auf die Schulter boxt, sieht dieser von dem Handy auf. &raquo;Da seid ihr ja endlich.&laquo; Er dr&uuml;ckt seinem Stiefvater den Autoschl&uuml;ssel in die Hand und begibt sich zur hinteren Autot&uuml;r auf der linken Seite.</p> <p>Die Autofahrt zur&uuml;ck nach Tangier verl&auml;uft genauso unangenehm wie die Hinfahrt. Denn das, was an altem Hockeykram im Laden zur&uuml;ckgeblieben ist, liegt jetzt in fast derselben Menge in Form von neuen Sachen auf der R&uuml;ckbank. Daher atme ich erst einmal erleichtert auf, als wir auf die verschneite Einfahrt fahren und ich nur wenig sp&auml;ter aus dem Auto steigen und Fynns N&auml;he entfliehen kann.</p> <p>&raquo;Gut, dass ich das Essen heute Morgen schon vorbereitet habe. Es muss nur noch einmal aufgew&auml;rmt werden.&laquo;</p> <p>Richard nickt. &raquo;Das war tats&auml;chlich eine hervorragende Idee.&laquo; Er k&uuml;sst Sophia l&auml;chelnd auf den Scheitel. &raquo;Ich wei&szlig; nicht, wie es euch geht, aber ich habe einen Riesenhunger.&laquo;</p> <p>&raquo;Hast du das nicht immer?&laquo; Fynn verzieht missbilligend den Mund und wirft einen vielsagenden Blick auf Richards Bauch.</p> <p>&raquo;Ich habe auch gro&szlig;en Hunger&laquo;, beeile ich mich zu sagen, um dem Gespr&auml;ch die H&auml;rte zu nehmen.</p> <p>Weder Richard noch Sophia gehen auf Fynns h&auml;mischen Kommentar ein. Sie sieht ihm nur kopfsch&uuml;ttelnd hinterher und Richard wirkt bedr&uuml;ckt, als Fynn immer zwei Stufen auf einmal nehmend, nach oben in sein Zimmer verschwindet.</p> <p>Sophia zieht sich in die K&uuml;che zur&uuml;ck und ich folge ihr. &raquo;Kann ich dir etwas helfen?&laquo;</p> <p>&raquo;Sehr gerne. Das ist lieb von dir.&laquo; Sie schenkt mir ein warmes L&auml;cheln, doch ich erkenne in ihren Augen, dass Fynns Verhalten nicht spurlos an ihr vorbeigeht. &raquo;K&ouml;nntest du den Tisch decken?&laquo;</p> <p>&raquo;Schon so gut wie erledigt.&laquo;</p> <p>Zwanzig Minuten sp&auml;ter sitzen wir alle gemeinsam am gedeckten Esstisch. Es duftet wieder herrlich und mein Magen gibt bei dem wunderbaren Geruch ein forderndes Knurren von sich. Gerade hoffe ich noch, dass es niemand geh&ouml;rt hat, aber dann lacht Richard leise auf und zwinkert mir zu. &raquo;So geht es mir auch immer, wenn sie gekocht hat.&laquo; Er wirft Sophia einen Blick zu, der so voller Liebe ist, dass mir zuerst warm ums Herz wird, bevor es sich schmerzhaft zusammenzieht.</p> <p>Schnell schaue ich weg. Bei diesem Anblick &uuml;berkommen mich augenblicklich Erinnerungen, die mir die Kehle zuschn&uuml;ren. Um mich abzulenken, esse ich die erste Portion, worauf mein Magen einen kleinen H&uuml;pfer vollf&uuml;hrt. Sophia ist wirklich eine begnadete K&ouml;chin.</p> <p>&raquo;Kochst du eigentlich beruflich?&laquo; Sophia stand in der kurzen Zeit seit ich hier bin so oft in der K&uuml;che, dass ich sie kaum woanders zu Gesicht bekommen habe.</p> <p>&raquo;Nein, es ist nur ein sch&ouml;nes Hobby&laquo;, winkt sie ab. &raquo;Ich probiere einfach gern neue Rezepte aus. Meine Mutter war fr&uuml;her genauso.&laquo;</p> <p>Richard sch&uuml;ttelt den Kopf und beugt sich n&auml;her zu mir, als w&uuml;rde er mir ein Geheimnis erz&auml;hlen. Trotzdem spricht er laut genug, sodass jeder am Tisch ihn h&ouml;ren kann. &raquo;Irgendwie muss sie ihre verr&uuml;ckte Seite ausgleichen.&laquo;</p> <p>&raquo;Hey!&laquo;, ruft Sophia aus und droht Richard mit der erhobenen Gabel. &raquo;Pass blo&szlig; auf, was du sagst.&laquo;</p> <p>&raquo;Komm schon Schatz, sich aus einem Flugzeug zu st&uuml;rzen und das auch noch gerne zu machen, <i>ist</i> verr&uuml;ckt.&laquo;</p> <p>Sophia rollt mit den Augen, gleichzeitig liegen jedoch Lachf&auml;ltchen darum und ihre Mundwinkel zucken.</p> <p>&raquo;Muss ja nicht jeder ein Schisser sein&laquo;, wirft Fynn ein und sieht Richard mit hochgezogenen Augenbrauen an, damit jeder am Tisch wei&szlig;, dass er ihn damit meint. Er f&auml;ngt sich daf&uuml;r einen w&uuml;tenden Blick seiner Mutter ein und f&uuml;r ein paar Augenblicke entsteht Stille. Ich h&auml;tte gern mehr &uuml;ber Sophias Fallschirmsprung erfahren, traue mich jetzt aber nicht mehr, danach zu fragen.</p> <p>Richard &uuml;berbr&uuml;ckt das Schweigen schnell wieder, bevor es zu unangenehm wird. &raquo;Sag mal, Anna, was ist das genau f&uuml;r ein Eiskunstlaufwettbewerb, bei dem du dabei bist? Andreas hat mir am Telefon nur erz&auml;hlt, dass die Teilnahme f&uuml;r dich sehr wichtig ist.&laquo; Richard blinzelt und f&uuml;hrt die Gabel dann ein weiteres Mal zum Mund.</p> <p>&raquo;Es ist einer der Qualifikationswettbewerbe f&uuml;r die Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft und ich trete im Einzellauf der Damen an. Man muss einundzwanzig Tage vor der WM an einem von der Internationalen Eiskunstlaufunion eingetragenen Wettbewerbe teilnehmen. Und in einer dieser Qualifikationen dann unter den drei Besten sein, um ein Ticket f&uuml;r die WM zu ergattern. Die findet dann im Januar in Schweden statt.&laquo;</p> <p>&raquo;Und wegen so etwas Bescheuertem findet in den n&auml;chsten Wochen keine Auswahl f&uuml;r das Team statt. Sch&ouml;ner Schei&szlig;. Da k&ouml;nnte man meinen, dass die kommende Eishockey-Saison wichtiger w&auml;re, und dann &hellip;&laquo;</p> <p>Sophia saugt scharf die Luft ein und bedenkt Fynn mit einem feurigen Blick, der ihn augenblicklich verstummen l&auml;sst. &raquo;Du &uuml;berspannst den Bogen.&laquo;</p> <p>&raquo;Das klingt aufregend. Aber es ist bestimmt merkw&uuml;rdig f&uuml;r dich, dass deine Trainerin nicht mitkommen konnte und du jetzt allein hier bist, oder?&laquo;, schaltet sich Richard ein und setzt damit unser Gespr&auml;ch fort.</p> <p>&raquo;Ja, ein wenig schon&laquo;, gebe ich zu &raquo;Nach ihrem Schw&auml;cheanfall vor ein paar Wochen haben die &Auml;rzte ihr ein Flugverbot erteilt. Aber ich kann sie jederzeit telefonisch erreichen.&laquo; Ich r&auml;uspere mich leise, bevor ich weiterspreche. &raquo;Ich bin wirklich froh, hier sein zu d&uuml;rfen, vielen Dank daf&uuml;r. Papa hat mir damals oft von eurer gemeinsamen Schulzeit erz&auml;hlt und wie ihr die Lehrer in den Wahnsinn getrieben habt.&laquo;</p> <p>&raquo;Aber das ist doch selbstverst&auml;ndlich&laquo;, sagt Sophia.</p> <p>&raquo;Genau, wir freuen uns, dass du hier bist&laquo;, stimmt Richard zu. &raquo;Und ja, Andreas und ich hatten sehr viel Spa&szlig; dabei, unsere Lehrer auf den Arm zu nehmen. Es ist schade, dass der Kontakt abgebrochen ist.&laquo;</p> <p>&raquo;Das war auch einer der Gr&uuml;nde, warum ich Papa &uuml;berredet habe, dich anzurufen. Ich dachte, es w&auml;re sch&ouml;n, wenn ihr eure Freundschaft wiederaufleben lassen k&ouml;nntet.&laquo;</p> <p>Richard l&auml;chelt mich an, doch ein Schatten huscht &uuml;ber sein Gesicht. &raquo;Er war einer meiner besten Freunde, als ich noch in Deutschland gelebt habe. Wir waren fr&uuml;her unzertrennlich und jeden Tag nach der Schule noch zusammen unterwegs und haben die Stra&szlig;en unsicher gemacht&laquo;, schwelgt Richard in Erinnerungen. &raquo;Ich h&auml;tte es &ouml;fter versuchen m&uuml;ssen. Aber als er die Einladung zu unserer Hochzeit ablehnte, dachte ich, er w&uuml;rde den Kontakt nicht mehr wollen.&laquo;</p> <p>Ich sch&uuml;ttle hastig den Kopf. &raquo;Das war nicht der Grund.&laquo;</p> <p>Eine Stille entsteht am Tisch, die nur von dem Klirren des Bestecks unterbrochen wird. Richard isst den letzten Rest auf seinem Teller auf und wendet sich abermals an mich. &raquo;Das Eiskunstlaufen liegt dir gewiss im Blut. Ich erinnere mich noch genau daran, wie sehr deine Mutter es liebte, auf dem Eis zu stehen.&laquo;</p> <p>Durch seine Worte, mit denen er vermutlich ein in seinen Augen unverf&auml;nglicheres Thema anschneiden wollte, verkrampfe ich augenblicklich und sie versetzen der Stimmung am Tisch einen weiteren Tiefschlag. Wie bereits im Museum, bildet sich ein Klo&szlig; in meinem Hals und ich umklammere die Gabel in meiner Hand fest. Ich schlucke und versuche, mir von meinen aufgew&uuml;hlten Gef&uuml;hlen nichts anmerken zu lassen.</p> <p>&raquo;Ja, sie war wunderbar&laquo;, bringe ich ein wenig erstickt hervor. &raquo;Papa nannte sie immer seine Eisprinzessin.&laquo; Ich zwinge mich zu einem L&auml;cheln. Sophias besorgtem Blick nach zu urteilen, f&auml;llt es alles andere als echt aus. &raquo;Er hat es geliebt bei ihr zu sein, wenn sie trainiert hat und konnte stundenlang auf der Trib&uuml;ne sitzen und ihr dabei zusehen.&laquo; Fynns Blick liegt auf mir, doch dieses Mal sagt er nichts.</p> <p>&raquo;Entschuldige bitte, das war unsensibel. Ich dachte nur, nach all den Jahren &hellip;&laquo; Den Rest des Satzes kann ich selbst beenden. Nach all den Jahren solltest du &uuml;ber den Tod deiner Mutter hinweg sein. Dar&uuml;ber reden k&ouml;nnen, ohne dass sofort alles um dich herum schwarz wird und du das Gef&uuml;hl hast zu fallen. Immer tiefer zu st&uuml;rzen. Nach f&uuml;nf Jahren sollte dich dieser Schmerz nicht mehr wie eine Lawine &uuml;berrollen und unter sich begraben.</p> <p>Aber ich schaffe es nicht sie loszulassen. Besonders jetzt nicht, wo sich ihr Todestag bald ein weiteres Mal j&auml;hrt. Die Zeit um Weihnachten stellt f&uuml;r mich Jahr f&uuml;r Jahr eine scheinbar un&uuml;berwindbare H&uuml;rde dar. Ich dachte, es w&auml;re das Richtige hierher zu kommen, nach allem, was ich daf&uuml;r gegeben habe. Aber jetzt bin ich mir nicht mehr sicher. Zu viel prasselt auf mich ein und dass Richard Mama kannte, macht es nicht einfacher.</p> <p>&raquo;Danke f&uuml;r das wunderbare Essen. Nur bin ich furchtbar m&uuml;de und w&uuml;rde gerne nach oben gehen, wenn das f&uuml;r euch in Ordnung ist. Das sind bestimmt noch Nachwehen des Jetlags.&laquo;</p> <p>&raquo;Nat&uuml;rlich&laquo;, sagt Sophia. In ihren Augen spiegelt sich ihre Besorgnis wider. Es ist erst fr&uuml;h am Abend. Sie wissen, dass ich nicht schlafen werde. Trotzdem bin ich froh, dass mich niemand zur&uuml;ckh&auml;lt oder mit mir dar&uuml;ber sprechen will. Das w&uuml;rde alles nur verschlimmern.</p> <p>Im Zimmer oben angekommen, schlie&szlig;e ich die T&uuml;r hinter mir und lasse mich auf das Bett fallen. Mein Gesicht presse ich auf das Kissen und schon flie&szlig;en die ersten Tr&auml;nen. &raquo;Ich vermisse dich so sehr&laquo;, schluchze ich in das Polster. Mein Herz bricht ein weiteres Mal und ich wei&szlig; nicht, ob es je eine M&ouml;glichkeit geben wird, es von diesem Verlust zu heilen.</p>

Erscheint lt. Verlag 6.10.2022
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
ISBN-10 3-98637-965-7 / 3986379657
ISBN-13 978-3-98637-965-0 / 9783986379650
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