Ecuador (eBook)
480 Seiten
BoD - Books on Demand (Verlag)
978-3-8192-2028-9 (ISBN)
Kurt Koch, geboren in Weilerbach in der Westpfalz, zeigte von früh an außergewöhnliche Fähigkeiten. Nach einer Schulzeit als Klassenbester absolvierte er eine Lehre als Maschinenschlosser mit Bestnoten und eine Sonderausbildung bei PFAFF Kaiserslautern. Er sammelte internationale Erfahrungen, darunter drei Jahre in Ecuador und weitere Jahre in Lateinamerika, wo er als Berater und Betriebsleiter tätig war. Nach seiner Rückkehr aus Chile baute er in Deutschland ein erfolgreiches Kunsthandwerk auf, veröffentlichte 13 Fachbücher, entwickelte Videolehrmaterialien und patentierte technische Hilfsmittel für das Holzschnitzen. Seit 2000 widmet er sich ausschließlich dem Schreiben und hat bis 2023 insgesamt 22 Bücher veröffentlicht. Kurt Koch, Vater von fünf Kindern und mit der Pariserin Anne-Marie verheiratet, bleibt ein waschechter Pfälzer, dessen Karriere von Kreativität, Tatkraft und Vielseitigkeit geprägt ist.
Das Angebot, das ich nicht ausschlagen konnte.
Als Teil meiner intensiven und besonders exklusiven Ausbildung - direkt unter der Schirmherrschaft der drei Direktoren Heimann, Schläfer, Kieffer - sollte ich auch Erfahrungen <an der Front>, im Außendienst sammeln. Die Wahl - warum auch immer, weiß ich nicht mehr - fiel auf Bremen. Neun Monate waren vorgesehen.
Ich war zum ersten Mal von zu <Hause weg>. Ich musste mein Alleinsein organisieren. Zu Hause gab es kein Telefon, jedweder elektronischer Schnickschnack war noch Zukunftsmusik. Ich war also, zumindest eine erste Zeit, wirklich allein. Aber ich konnte mich an die neue Art von Freiheit gewöhnen. Sie begann mir sehr schnell zu gefallen. Mit kleinen Schönheitsfehlern. Nichts ist halt perfekt.
Ich wohnte bei Frau Meine, einer Kriegerwitwe in Bremen-Hemelingen. Ihr einziger Sohn wohnte auch in dem schönen Haus. Ich wurde von Frau Meine verwöhnt, sie wurde so etwas wie eine Ersatzmutter.
Nicht weit weg war die damals hoch angesehene Autofabrik BORGWARD. Irgendwie war dieses Werk kriegswichtig gewesen und man hatte in der Nähe Hochbunker gebaut. Diese dienten nun allgemein als Restaurants. In einem solchen hatte ich dann meine erste Unterweisung in Esskultur bekommen. Bis dahin waren die Tischsitten meiner Heimat, der Pfalz, meine in dieser Richtung einzige kulturelle Ausstattung. Ich muss das doch noch präzisieren. Es war nicht einfach als Pfälzer. Es war die Hinterpfalz und wir gehörten in Weilerbach (damals) schon beinahe zur „Alten Welt“ - dort, wo man, „den Mond in klaren Nächten mit langen Stangen über die Berge schob“.
Als Fisch kannten wir - eben in unserer Hinterpfalz - nur den in einem Fass in Salzlauge eingelegten Hering. Einen Fisch, über weite Strecken mit den damals zur Verfügung stehenden Transportmitteln zu verfrachten, verbot sich aus naheliegenden Gründen. Die Tiefkühltruhe, und die damit zusammenhängenden Transportmöglichkeiten, war noch nicht erfunden.
So wagte ich in Bremen schon ziemlich bald, an einem Sonntag, in einem Bunkerrestaurant Fisch zu bestellen. Der sah gut aus und roch auch gut. Mein erster Seefisch. Doch das war nicht das Entscheidende. Entscheidend war, dass ich nicht wie üblich <Messer und Gabel> erhielt. Die Bedienung hatte sie offensichtlich vergessen. Dafür hatte ich zwei Gabeln. Einfach lächerlich, sich so zu vertun.
Ich winkte sie freundlich herbei und machte auf den Irrtum aufmerksam. Sie schaute mich an, als wollte sie sagen: „Aus welchem Loch kommt denn so was Unkultiviertes hervorgekrochen?“
Dann klärte sie mich mit ziemlich herablassender und auch besonders lauter Stimmlage auf. Sie stellte sich an, als hätte sie nun wiederum die Kultur mit dem <Löffel gefressen>.
„Das wissen Sie nicht? Fisch wird nicht mit Messer und Gabel gegessen. Dafür nimmt man zwei Gabeln. Und die habe ich Ihnen ja gebracht. Guten Appetit - trotzdem!“
Ich hatte etwas gelernt und die <Dame> hatte ihren Auftritt. Sie schaute sich noch triumphierend um, versicherte sich, dass die Szene auch von den anderen Gästen im Spitzbunker miterlebt wurde.
Peng, das war´s mal fürs Erste.
Ich war in der großen weiten Welt angekommen. Fortan durfte ich in dieser Liga mitspielen.
Das war mein erster Seefisch und es dauerte lange - Jahre - bis mir Seefisch richtig schmecken wollte. Wenn ich als Besteck irgendwo und irgendwann die beiden Gabeln sah, kam mir meine kulturelle Niederlage immer wieder peinlich ins Gedächtnis.
Das mit den zwei Gabeln. Oder so.
Es war Anfang November, meine vorgesehene Zeit in Bremen lief in einem Monat ab. Ich bereitete mich auf den Abschied vor. Von einer Stadt, die mir inzwischen doch an´s Herz gewachsen war. Und auch von Freunden und einer Freundin, die meinetwegen eine siebenjährige Verlobung gelöst hatte. Was aber nicht auf meine Initiative hin geschah - das möchte ich ausdrücklich betonen.
Liebe Dora, wenn Du das hier einmal lesen solltest. Ich bestätige Dir, dass es mir schwer gefallen ist Dich zu verlassen. Vergessen habe ich Dich nie. Aber Bremen war ja für mich nur eine Zwischenetappe - auf meinem Weg in die Welt hinaus. Der zeichnete sich sehr realistisch ab. Ich hatte keinen anderen Gedanken mehr.
Und gerade Bremen, diese weltoffene Stadt, hat mich in meiner Stimmung und Absichten noch verstärkt. Ich kann sogar sagen, dass diese Stadt zu meiner Heimat wie ein erzieherisches Gegenstück darstellt. Wie oft habe ich die Schiffe - die Dampfer - im Hafen kommen und abfahren sehen - in die weite Welt hinaus, aus der weiten Welt kommend, von der ich so wenig wusste und die kennenzulernen mein Herz schlug.
Klar, dass Du es nicht verstehen konntest. Bestimmt zu Recht interessierten Dich Indios, Urwald und Fünftausender ziemlich wenig. Mich umso mehr und das hat Dir sicher mindestens einen Teil Deines Herzens gebrochen. Verzeih mir meinen „Egoismus“.
Aber, da kam eines Tages ein Brief der Exportabteilung <meines Mutter-Betriebes>, in dem von einer offenen Stelle in Ecuador - in ECUADOR!! - berichtet wurde und wenn ich Interesse daran hätte, möge ich mich doch alsbald melden. Man würde mir dann die nötigen Informationen zukommen lassen. Details würde man <im Hause> besprechen. Nun, wenn ich Lust hätte dieses Abenteuer einzugehen, dann ...
Nun lieber Leser bzw. Leserin, Sie können sich denken, was sich da zusammengebraut hatte. Von tausenden von anderen Möglichkeiten für meine Kumpels und mich, reichte mir das Schicksal punktgenau die Hand. Mein Leben begann definitiv eine neue, besonders aufregende Richtung einzuschlagen.
Für mich gab es keine weitere Sekunde zu zögern. Ich hatte die Chance nach Quito, meiner Traumstadt in Ecuador zu kommen. Das Geschäft für meine Firma in diesem Land aufbauen, so lautete die Aufgabe. Helfen das moderne Zeitalter in diese Region zu bringen. Sozusagen Entwicklungshilfe leisten. So etwas Ähnliches machen, was die Missionare auf einer anderen Ebene verwirklichten.(??? Verzeihen Sie mir bitte meine Anmaßung.)
Ich brauchte also kein Missionar zu werden, um meine Fähigkeiten zum Wohle der Menschen „dort“ einzusetzen. Aber so ein bisschen fühlte ich mich schon wie ein Missionar. Ich würde zu fremden Menschen gehen, um ihnen meine Hilfe anzubieten. Nun, so stellte ich mir das wenigstens vor. Mein Idealismus war grenzenlos. Ich trieb mich in diesem Sinne vorwärts - natürlich auch mit einer guten Portion Abenteuerlust. Gott konnte ich aber getrost außen vor lassen.
Dabei sollte ich auch noch die Überfahrten bezahlt bekommen und monatlich ein Salär. Für zwei Jahre ein Vertrag. Nun, das sah doch mal nach einem guten Anfang aus. Ich sah das als ein glückliches Omen an. Ich griff zu.
Ich hatte nicht damit gerechnet, dass das monatelange Warten dann doch so nervenaufreibend wurde. Nach einer mir endlos erscheinenden Wartezeit, in der allerlei bürokratischer <Kram> zu erledigen war, u.a. ein Visum, das wochenlang unterwegs war, wurde eine Überfahrt auf einem deutschen Schiff mit dem Namen Heidelberg gebucht.
Was ich nicht wusste, verdrängte oder auch nicht wissen wollte, war, dass die Postverbindung mit Ecuador noch ziemlich <vorsintflutig> funktionierte. So ähnlich wie die Flaschenpost - nun - doch etwas schneller.
Ein Brief war in der Regel sehr scnelle 10 - 12 Tage unterwegs, wenn man so aufmerksam war mit großer Schrift auf den Umschlag zu schreiben: VIA NEW YORK.
Dann wurde der Brief per Luftpost nach New York transportiert und von dort - weiß der Geier wie weiter - jedenfalls nicht ausschließlich per Luftpost.
Man kann sich ausrechnen, dass der Erhalt einer Antwort nicht unter drei Wochen zu schaffen war.
Telefonieren? Das geht noch nicht. Vielleicht in ein paar Jahren.
Telegramme - ja das ging. Aber auch diese Nachrichtenübermittlung konnte zwei Tage dauern, denn es ging wieder über New York. Dort wurde das Telegramm umgeschrieben und neu per Morsezeichen nach Quito weitergeleitet. Und wenn in New York gebummelt wurde - was aus Ecuador kam konnte ja nicht wichtig sein, oder schrieb zunächst einmal die CIA ab? - dann verzögerten sich die paar teuren Worte noch mehr.
Ich verbrachte noch den letzten Winter in Deutschland, vor dem großen Abenteuer.
In der zweiten Maihälfte sollte ich - wieder in Bremen, einschiffen.
In meiner Begleitung würden 56 Nähmaschinen, meist für den modernen Industrieeinsatz mitreisen. <Meine zukünftige Arbeit>. Ein großer Vertrauensvorschuss. Ein übergroßer optimistischer, wie sich zeigen sollte.
Dabei waren mir die technischen Besonderheiten der Maschinen und deren Leistungsdaten kein Geheimnis und in keiner Hinsicht problematisch.
PS.: Mit ihnen hätte ich, wenn alle Gedankenspiele der dabei Mitentscheidenden aufgegangen wären, eines der damals rückständigsten Länder der Welt, mit einem Schlag in die Moderne katapultiert. Wenigstens auf dem Bekleidungssektor.
Aber die Entscheidung fiel in Kaiserslautern. Betrieben von Menschen mit den besten Absichten aber - nur eben aus der Sicht von Menschen die wenig oder kaum aus „dem Wald“ rings um Kaiserslautern...
| Erscheint lt. Verlag | 16.6.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | Autobiografie Ecuador • Deutsche in Südamerika • Indigene Kulturkritik • koloniale Ausbeutung • Leben in der Andenregion |
| ISBN-10 | 3-8192-2028-3 / 3819220283 |
| ISBN-13 | 978-3-8192-2028-9 / 9783819220289 |
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