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Familie mit Herz 208 (eBook)

Der unbekannte Bruder
eBook Download: EPUB
2025 | 1. Aufl. 2025
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-7517-8713-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Familie mit Herz 208 - Henriette Fröhlich
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Seit dem Tod seiner Frau Lena hält Manuel Berger seine kleine Familie mit Liebe und Kraft zusammen. Für seinen Sohn Lukas ist er Vater und Mutter zugleich - ein Fels in der Brandung. Doch dann entdeckt der zwölfjährige Lukas ein lange gehütetes Geheimnis: Er hat einen älteren Halbbruder! Lena musste in jungen Jahren ein Kind zur Adoption freigeben. Für Lukas ist sofort klar: Er muss diesen Bruder finden - koste es, was es wolle. Heimlich macht er sich auf die Suche nach Felix, obwohl sein Vater ihn eindringlich davor warnt. Erst als er ihn tatsächlich aufspürt und es zu Spannungen kommt, wird Lukas bewusst, wie viel er mit seiner Entdeckung in Bewegung gesetzt hat. Die Erwachsenen reagieren mit Angst, Ablehnung und der Sorge, das bisherige Gleichgewicht zu verlieren. Doch Lukas gibt nicht auf. Können zwei so unterschiedliche Familien zueinanderfinden? Und haben die Eltern den Mut, Familie neu zu denken?

Der unbekannte Bruder

Über den Mut, Familie neu zu denken

Von Henriette Fröhlich

Seit dem Tod seiner Frau Lena hält Manuel Berger seine kleine Familie mit Liebe und Kraft zusammen. Für seinen Sohn Lukas ist er Vater und Mutter zugleich – ein Fels in der Brandung. Doch dann entdeckt der zwölfjährige Lukas ein lange gehütetes Geheimnis: Er hat einen älteren Halbbruder! Lena musste in jungen Jahren ein Kind zur Adoption freigeben.

Für Lukas ist sofort klar: Er muss diesen Bruder finden – koste es, was es wolle. Heimlich macht er sich auf die Suche nach Felix, obwohl sein Vater ihn eindringlich davor warnt. Erst als er ihn tatsächlich aufspürt und es zu Spannungen kommt, wird Lukas bewusst, wie viel er mit seiner Entdeckung in Bewegung gesetzt hat.

Die Erwachsenen reagieren mit Angst, Ablehnung und der Sorge, das bisherige Gleichgewicht zu verlieren. Doch Lukas gibt nicht auf. Können zwei so unterschiedliche Familien zueinanderfinden? Und haben die Eltern den Mut, Familie neu zu denken?

Der Wecker summte leise wie immer, doch für Manuel war es an diesem Tag, als würde jemand direkt neben seinem Ohr eine Kreissäge anschalten. Er blinzelte in die Dunkelheit. Fünf Uhr fünfundvierzig. In der Werkstatt wartete eine unfertige Anrichte auf ihn, ein Auftrag, der schon am Vortag hätte fertig sein sollen.

Aber Lukas hatte am vorherigen Abend noch mit seinen Mathe-Hausaufgaben gekämpft, sie hatten gemeinsam für einen Englisch-Vokabeltest gelernt, und danach hatte Manuel ihn nicht einfach ins Bett schicken können. Nicht, nachdem Lukas vor Versagensängsten in Tränen ausgebrochen war und gemeint hatte: »Ich bin ein solcher Loser.«

Nichts schmerzte Manuel mehr, als wenn der kleine Mensch, für den er die alleinige Verantwortung trug, von dem er zwölf Jahre lang nicht einen einzigen Tag getrennt gewesen war, litt und an sich und am Leben verzweifelte.

Ein leiser Windstoß bewegte die Vorhänge, und Manuel atmete tief ein. Der Geruch von Holzspänen, ausgehend von seiner Arbeitshose, hing in der Luft – eine Mischung aus Buche, Leim und der warmen Note von Leinöl. Unten in der Werkstatt roch es noch intensiver.

Manuel schob die Bettdecke zurück und tappte barfuß zum Fenster. Das Dorf lag still im frühen Morgenlicht, die Dächer der Nachbarhäuser waren von einer blassen Nebelschicht umhüllt, so schien die Umgebung noch in einem märchenhaften Schlaf versunken. Ein paar Vögel zwitscherten bereits.

Er wusste, dass Lukas noch schlief – der Junge konnte mittlerweile bis mittags im Bett bleiben, wenn kein Schultag war. Ein Fortschritt, verglichen mit der Zeit nach Lenas Tod, als Manuel oft schon um fünf aufgestanden und zum weinenden Lukas ins Kinderzimmer gegangen war, sich zu ihm gelegt und ihn getröstet hatte, bis er endlich wieder eingeschlafen war.

Manuel zog sich schnell an: T-Shirt, das karierte Holzfällerhemd und die Arbeits-Latzhose drüber. Dann ging er zuerst in die Küche, um sich um das Allerwichtigste zu kümmern, was er für einen frischen Start in den Tag brauchte: Kaffee. Während die Maschine gluckerte, öffnete er das Küchenfenster, um frische Luft hereinzulassen.

Nach zwei Tassen Kaffee und einem dick mit Wurst belegten Brot ging er die Treppe hinunter, um mit seinem Tagwerk zu beginnen. In der Werkstatt knarrte der Holzfußboden unter seinen Füßen.

Der Anblick der halb fertigen Anrichte ließ ihn seufzen. Er fuhr mit der Hand über die glatt geschliffene Oberfläche, überprüfte die Ecken. Es fehlten die Einlegeböden, dann würde er die Scharniere richten und die Griffe anbringen. Anschließend noch eine letzte Schicht Wachs, dann endlich würde sie fertig sein. Doch bevor er dazu kam, hörte er das vertraute Knarzen der Treppe.

»Papa?«

Manuel drehte sich um. Lukas stand in der Tür, noch im Schlafanzug, die blonden Haare wirr, das Gesicht verschlafen, der Gesichtsausdruck neugierig.

»Warum bist du so früh wach? Du kannst doch heute ausschlafen. Es ist Samstag, und du wolltest den freien Vormittag genießen, Zeit fürs Lernen ist erst wieder am Nachmittag.« So hatten sie es abgesprochen.

»Du warst nicht in der Küche.«

Manuel stich gedankenverloren über das Holz der Anrichte. »War ich. Habe schon Kaffee gekocht und auch gefrühstückt. Hier gibt es noch einiges zu tun. Wenn du willst, spiel etwas am Computer.«

Eigentlich versuchte Manuel, Lukas' Computerzeit zu beschränken, doch nun brauchte er ein paar Stunden, um in Ruhe und konzentriert zu arbeiten.

Lukas trat näher und strich nun auch mit den Fingern über die Anrichte. »Ist schon bald fertig, oder?«

»Fast. Heute um sechzehn Uhr wird sie abgeholt.«

»Kann ich helfen?«

Manuel zögerte. Er überlegte. »Na ja, vielleicht beim Polieren. Aber erst, wenn du dich angezogen und gefrühstückt hast.«

Lukas verzog das Gesicht. »Hab keinen Hunger.«

Manuel sah ihm in die Augen. Sein Sohn hatte die gleichen Augen wie seine verstorbene Frau Lena. Ein Stich durchfuhr ihn, wie so oft. Würde der Schmerz wegen des Verlustes je weniger werden? »Du musst was essen.«

»Dann komm noch mal mit hoch in die Küche. Ich kann dir auch noch einen Kaffee kochen. Setz dich einfach dazu. Bitte.«

»Okay, eine Minute«, sagte Manuel mit einem Seufzen und dachte daran, dass es nur noch eine kurze Zeit sein würde, in der Lukas so sehr an ihm hing und ihn so intensiv brauchte. Bald würde er flügge werden, Grenzen austesten und auf Partys gehen, wie es manche seiner Klassenkameraden jetzt schon taten.

Gedankenverloren sah Manuel zu, wie Lukas nach einem weichen Lappen griff, genau wie er es seinem Sohn gezeigt hatte. Mit bedächtigen Bewegungen rieb Lukas über die Holzoberfläche, anstatt wie angekündigt in die Küche zu gehen.

»Erinnerst du dich noch an den Tisch, den Mama sich gewünscht hat? Den mit den geschwungenen Beinen?«, fragte Lukas.

Manuel nickte. Natürlich erinnerte er sich. Lena hatte einen solchen Tisch in einem Antiquitätengeschäft zu einen astronomischen Preis gesehen, ihn fotografiert und das Foto ausgedruckt. »Ja. Sie hat gesagt, sie will ihn für große Familientreffen. Aber dann wurde sie krank.« Manuel schluckte. Er hätte sich gewünscht, ihr diesen Tisch noch rechtzeitig fertigstellen zu können.

»Ich habe heute von dem Tisch geträumt«, sagte Lukas leise. »Weißt du was? Was hältst du davon, wenn wir ihn trotzdem bauen? Für uns.«

Manuel brauchte nicht lang zu überlegen. »Eine gute Idee.«

Lukas hielt inne, sah ihn an. »Echt?«

»Echt.«

Der Junge lächelte – ein strahlendes Lächeln, das von Herzen kam und Licht ins nebelige Grau des Morgens brachte.

Dann legte er den Lappen beiseite. »Ich geh mich anziehen. Und decke für uns beide den Frühstückstisch.«

Manuel atmete tief durch. Eine angenehme Wärme breitete sich in ihm aus. Wenn er jetzt ein zweites Mal frühstückte, würde er sich hinterher mit der Arbeit definitiv noch mehr ranhalten müssen. Aber das störte ihn nicht, im Gegenteil. Wer blieb ihm außer Lukas? Was war das Wichtigste in seinem Leben?

Ja, sie hatten nur sich. Aber das war genug, fand Manuel.

♥♥♥

Lukas stemmte die Hände in die Hüften und betrachtete das zerwühlte Bett seines Vaters. Von der Werkstatt drang das Geräusch einer kreischenden Säge herauf. Nach dem gemeinsamen Frühstück hatte Lukas in der Werkstatt geholfen, dann eine Stunde am Computer gespielt, doch auch das war ihm schnell langweilig geworden. Er hatte versucht, einen seiner Klassenkameraden anzurufen, um etwas zusammen zu unternehmen, aber keiner von ihnen war erreichbar gewesen.

Nun schaute er sich mit einem Seufzen im Schlafzimmer seines Vaters um. Es war keine große Überraschung, dass die Bettwäsche mal wieder gewechselt werden musste. Sein Vater war als Schreiner ein Meister seiner Kunst, aber wenn es um Ordnung oder um Haushaltstätigkeiten ging, war er manchmal – ein bisschen nachlässig, wenn Lukas es nett ausdrückte.

Heute wollte er seinen Vater überraschen. Er packte das zerknitterte Laken mit beiden Händen und zog es mit einem Ruck von der Matratze. Eine der Ecken klemmte fest. Grummelnd zog er noch einmal, diesmal mit mehr Schwung, und stolperte dabei rückwärts, als sich das Laken löste. Fast hätte er das Gleichgewicht verloren.

»Verdammtes Ding ...«

Er biss sich angespannt auf die Unterlippe, als hätte das Bett ihn gerade zu einem Kampf herausgefordert. Dann knüllte er das alte Laken zusammen und warf es auf den Boden. Der erste Schritt war getan.

Jetzt kam das neue Laken an die Reihe. Er holte ein frisches, noch nach Waschpulver duftendes Bettlaken aus der Kommode und breitete es über der Matratze aus. Doch kaum hatte er die zweite Ecke des Lakens über die zweite Ecke der Matratze gezogen, sprang die erste Ecke wieder los.

Lukas biss die Zähne zusammen und versuchte es erneut. Das konnte doch nicht so kompliziert sein! Diesmal...

Erscheint lt. Verlag 5.7.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2017 • 2018 • Bestseller • Cora • Deutsch • dr daniel • dr norden • Dr Stefan Frank • eBook • E-Book • eBooks • Familie • Familiengeschichten • Familienromane • Familiensaga • Fortsetzungsroman • Happy End • Kelter • Kindle • Liebe • Liebesgeschichte • Liebesroman • Liebesromane • Mama • Mami • martin-Kelter • Mira • Mutter-Kind • Romane • Roman-Heft • romantisch • Romanze • Serie • Sonnenwinkel • Sophienlust • Urlaubslektüre • Verlag
ISBN-10 3-7517-8713-5 / 3751787135
ISBN-13 978-3-7517-8713-0 / 9783751787130
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