Alpengold 458 (eBook)
64 Seiten
Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG
978-3-7517-8742-0 (ISBN)
Er ist ein reicher und geachteter Mann, der Rupert Hollerbeck, der in seinem kleinen Bergdorf mit seinem Sohn einen prächtigen Hof bewirtschaftet. Seine schwer kranke Frau ist schon seit längerer Zeit ans Bett gefesselt. Anstatt ihr zur Seite zu stehen und sein Gelöbnis 'in guten wie in schlechten Zeiten' zu erfüllen, glaubt Rupert sich im Recht, sich sein Vergnügen außerhalb des Hauses zu suchen. Und so wandelt der Bauer rücksichtslos auf Abwegen und stürzt manches junge Madl ins Unglück. Den selbstgerechten Rupert interessiert das nicht. Doch eines Tages bekommt er die Rechnung für sein lasterhaftes Treiben präsentiert. Sein Sohn stirbt in der Blüte seiner Jahre, die Mutter folgt ihm ins Grab, und Rupert steht plötzlich ganz allein da. Aber das ist erst der Anfang, denn das Schicksal schlägt erneut erbarmungslos zu ...
Wenn alles zerbricht
Packender Roman um ein Doppelleben, das nicht ewig gutgehen kann
Von Marianne Burger
Er ist ein reicher und geachteter Mann, der Rupert Hollerbeck, der in seinem kleinen Bergdorf mit seinem Sohn einen prächtigen Hof bewirtschaftet. Seine schwer kranke Frau ist schon seit längerer Zeit ans Bett gefesselt. Anstatt ihr zur Seite zu stehen und sein Gelöbnis »in guten wie in schlechten Zeiten« zu erfüllen, glaubt Rupert sich im Recht, sich sein Vergnügen außerhalb des Hauses zu suchen. Und so wandelt der Bauer rücksichtslos auf Abwegen und stürzt manches junge Madl ins Unglück. Den selbstgerechten Rupert interessiert das nicht. Doch eines Tages bekommt er die Rechnung für sein lasterhaftes Treiben präsentiert. Sein Sohn stirbt in der Blüte seiner Jahre, die Mutter folgt ihm ins Grab, und Rupert steht plötzlich ganz allein da.
Aber das ist erst der Anfang, denn das Schicksal schlägt erneut erbarmungslos zu ...
Vom Lackensee her führte ein Feldweg durch die saftig grünen Wiesen direkt zum Hollerbeckhof. Mitten in dem prangenden Grün schimmerte es rötlich. Dort äste ein Reh und ließ sich durch das Geknatter eines vorbeiflitzenden Motorrads nicht stören.
Der junge Mann auf dem Motorrad hatte das Reh gesehen, aber heute hielt er nicht an, um sich eine Weile an dem friedlichen Bild zu erfreuen. Heute hatte Christian Hollerbeck es eilig. Denn in seinem wasserdichten Rucksack steckten die prächtigen Fische, die er eben aus dem Lackensee geangelt hatte. Die mussten schnell zubereitet werden.
Gesottenen Fisch aß die Mutter so gern. Sie gehörten zu den wenigen Speisen, die sie noch vertragen konnte. Magdalena Hollerbeck war sehr krank. Schon seit einem guten halben Jahr lag sie danieder. Und es war keine Hoffnung mehr, dass sie genesen würde.
Christian hing sehr an seiner Mutter, und er haderte mit dem Schicksal, das sie so schwer heimsuchte.
Seinen Vater aber schien es nicht zu berühren, dass Magdalenas Lebenstage gezählt waren. Er kümmerte sich kaum um die kranke Frau, ging in gewohnter Ruhe seiner Arbeit nach und verbrachte die Abende meist im Wirtshaus.
Manchmal fragte sich Christian, ob es jemals etwas wie Liebe und Zärtlichkeit zwischen diesen beiden Menschen gegeben hatte, die seine Eltern waren. Er konnte es sich einfach nicht vorstellen. Sie waren so verschieden wie Tag und Nacht, die kleine, zierliche, sanfte Frau und der kräftige, derbe Mann mit seiner polternden Art.
Der Vater ist ein Egoist, dachte Christian, während er seine schwere Maschine in den Hof lenkte und beim Wagenschuppen abstellte. Arme Mutter, im Spital wärst du wohl besser aufgehoben, in der Obhut fürsorglicher Schwestern!
Aber Magdalena Hollerbeck sträubte sich mit Händen und Füßen dagegen, ins Krankenhaus zu gehen, obwohl der Arzt es ihr immer wieder riet.
Christian wusste, ohne dass die Mutter es ausgesprochen hätte, dass sie ein wenig Trost fand, sooft er zu ihr in die Kammer ging, um eine Weile bei ihr zu sitzen und ihr zu erzählen, wie die Arbeit draußen auf den Feldern voranging.
Schwer fiel es Christian auf die Seele, dass er jetzt bald würde fortgehen müssen. Er hatte seinen Einberufungsbefehl zu den Gebirgsjägern schon in der Tasche. Gleich nach der Ernte musste er fort. Er hatte es der Mutter noch nicht gesagt.
Der hochgewachsene junge Mann trat ins Haus und trug seinen Rucksack in die Küche. Dort werkelte die Hausdirn Kreszenz am Herd. Ein hübsches und braves Dirndl war die Kreszenz.
Längst hatte Christian bemerkt, dass sie ihm verliebte Augen machte. Aber ihm stand der Sinn nicht nach Liebesgetändel. Er sorgte sich zu sehr um die Mutter.
»Richte der Bäuerin ein gutes Essen, Kreszenz«, bat er und packte die Angelbeute aus.
»Ist recht, Christian.« Kreszenz machte sich eifrig zu schaffen. Da kam der Bauer hereingepoltert. Er warf einen Blick auf die Fische.
»Die bratest du mir gleich in Schmalz, Kreszenz«, sagte er dann.
»Die Fische sind für die Mutter«, rief Christian.
Rupert Hollerbeck strich sich den Schnurrbart, der eisengrau war wie sein borstiges Haar.
»Die Mutter schläft«, erwiderte er knapp. »Die braucht heut nix mehr zu essen.«
»Geht es ihr schlechter?«, fragte Christian erschrocken.
»Scheint so«, kam es gleichgültig zurück. »Jedenfalls hat sie vorhin nach dem Arzt verlangt. Er hat ihr eine Spritze gegeben, jetzt wird wohl Ruhe sein fürs Erste.«
Christian wandte sich ab und eilte in die Kammer der Mutter. Leise trat er an ihr Bett. Magdalena lag still da, die Hände auf der Bettdecke gefaltet. Sie sah aus, als habe der finstere Todesengel bereits seine Hand auf sie gelegt.
»Mutter«, flüsterte Christian und bekreuzigte sich mit zitternder Hand. Dann beugte er sich zu ihr herab. Jetzt hörte er sie leise und gleichmäßig atmen. Er küsste sie sanft auf die Wange und stahl sich auf Zehenspitzen hinaus.
***
Zum Abendessen versammelte sich das Gesinde des Hollerbeckhofs am langen Tisch in der Küche. Am Kopfende saß Rupert, breit und wuchtig, die Ellenbogen auf die Tischplatte gestemmt.
Christian setzte sich neben den Vater. Kreszenz trug das Essen auf. Es gab Tiroler Gröstel mit Kraut. Der Bauer aber verspeiste mit sichtlichem Behagen die Fische, die Kreszenz gebacken hatte.
Nach beendeter Mahlzeit wies der Bauer seinen Leuten die Arbeit für morgen an.
»Ich geh auf einen Plausch zum Bürgermeister«, sagte er dann und stand auf.
Der Sohn schlenderte in den Garten hinaus. Auf die Bank unter dem alten Birnbaum setzte er sich nieder und hing seinen Gedanken nach. Dann vernahm er Schritte.
»Bist es du, Christian?«, flüsterte eine schüchterne Stimme »Darf ich mich ein bisserl zu dir setzen?«
Kreszenz wartete keine Antwort ab und saß schon bei ihm.
»Gell, es fällt dir net leicht, zum Militärdienst einzurücken im Herbst?«, fragte sie leise.
»Woher weißt denn du ...«, wunderte Christian sich.
»Zufällig hab ich gehört, wie der Bauer es deiner Mutter erzählt hat. Hab gewiss net lauschen wollen, aber die Kammertür stand offen«, rechtfertigte sie sich.
Christian biss sich auf die Lippen und schwieg. Jetzt wusste er, warum es der Mutter plötzlich schlechter ging. Zorn auf den Vater ergriff ihn. Er sprang auf, sodass Kreszenz erschrocken zusammenfuhr.
»Was hast du denn auf einmal?«
Er gab ihr keine Antwort, sondern lief mit langen Schritten davon, den Wiesenpfad entlang zum See hinunter. Auf halbem Weg besann er sich anders und machte kehrt. Christian strebte dem Haus des Bürgermeisters zu. Es stand der Kirche gegenüber.
Plötzlich verließ ihn der Mut. Er kannte den Vater ganz genau. Der würde jeden Vorwurf abschütteln wie eine lästige Fliege. Und so wandte Christian sich zum Gehen.
Da trat sein Vater aus dem Haus des Bürgermeisters. Groß und wuchtig, die Hände tief in den Taschen der hirschledernen Bundhose, stapfte Rupert die Dorfstraße entlang. Er hatte Christian nicht bemerkt.
Der junge Mann schaute dem Vater finster nach. Jetzt würde er sich wieder ins Wirtshaus hocken und erst zu später Stunde heimkommen!
Als Christian sah, dass sein Vater gar nicht zum Adlerwirt wollte, stutzte er. Er hatte die Richtung zu den Heuwiesen eingeschlagen drunten am See.
Der Bursche wusste selbst nicht, warum es ihn drängte, dem Vater heimlich zu folgen. Er gab seinem Impuls nach, hielt sich jedoch in einiger Entfernung.
Inzwischen war es dunkel geworden. Eine schmale Mondsichel stand am Himmel und spiegelte sich im Lackensee.
Verwundert blieb Christian stehen, als sein Vater jetzt den Feldweg verließ und quer über die Wiese stapfte. Sein Ziel schien die alte Hütte zu sein, unweit vom Seeufer. Dort verwahrte Christian seine Angelruten, den Kescher, die hohen Wasserstiefel und andere Gerätschaften.
Was will der Vater nur in der Hütte?, fragte sich Christian erstaunt. Er aß zwar gern Fisch, aber es war ihm bisher noch nie eingefallen, selber zum Angeln zu gehen.
***
Tatsächlich betrat Rupert Hollerbeck nun die Fischerhütte, Christian vernahm das Knarren der Tür. Seltsamerweise blieb das kleine Fenster dunkel. Und der Vater kam nicht wieder zum Vorschein!
»Was treibt der da nur?«, murmelte Christian und setzte sich in Bewegung. Er ging langsam und vermied jedes Geräusch.
Endlich hatte er die Hütte erreicht und presste sich gegen die Bretterwand. Stimmengemurmel drang an sein Ohr; dann vernahm Christian ein helles Lachen, das ihn jäh zusammenfahren ließ. Dieses Lachen kannte er!
Dort drinnen war sein Vater mit der Walli beisammen, der rothaarigen Kellnerin vom »Adler«!
Mit angehaltenem Atem lauschte Christian.
»Rupert, ich bin es arg leid, dass wir uns immer nur heimlich treffen können, hier in dieser schrecklichen alten Hütte, wo es Mäuse und Spinnen gibt!«, hörte er die junge Frau deutlich sagen. »Und überhaupt, was tun wir hernach, wenn der Winter da ist?«
»Mei, bis zum Winter ist es noch sehr lang hin, Walli«, erwiderte Rupert gelassen. »Bis dahin kann noch viel...
| Erscheint lt. Verlag | 19.7.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | 2017 • 2018 • Alpen-Krimi • alpen-roman • Arzt • Arztroman • Arztromane • Bastei • Bergdoktor • Berge • Bergpfarrer • Bergroman • Bestseller • Bianca • Cora • Deutsch • dr daniel • dr laurin • dr norden • Dr Stefan Frank • eBook • E-Book • eBooks • Familiensaga • Großdruck • große-schrift • Hans Ernst • Heimat • Heimatromane • hermann-broch • Julia • Kelter • Kindle • Landarzt • Liebe • Liebesromane • Mira • Modern • Patient • Roman-Heft • romantisch • Schwarzwald • Serie • steingruber • Toni-Hüttenwirt • waidacher |
| ISBN-10 | 3-7517-8742-9 / 3751787429 |
| ISBN-13 | 978-3-7517-8742-0 / 9783751787420 |
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