Der Bergdoktor 2295 (eBook)
64 Seiten
Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG
978-3-7517-8741-3 (ISBN)
Der Sommer ist ins Zillertal eingezogen, und St. Christoph glänzt im Licht der Sonne wie ein Paradies. Während Wanderer auf den Gipfeln 'Berg Heil!' rufen und in den Hütten Gulasch, Speckknödel und Maßkrüge kreisen, arbeiten die Bauern unermüdlich auf den Feldern und Almen. Auf dem Kastnerhof herrscht David - groß, wortkarg, allein. Eine Frau braucht er nicht, davon ist er überzeugt. Der Hof läuft, das Gesinde gehorcht - und für einsame Nächte gibt es die Stadt. Doch dann tritt Lucia in sein Leben: ein schüchternes Madel mit großen Augen und noch größerem Herzen. Frisch am Hof, steht sie plötzlich im Mittelpunkt einer Wette, bei der es um nichts Geringeres geht als um Davids Besitz - und um sein verschlossenes Herz ...
Bauer sucht keine Frau
Ein sturer Junggeselle und sein Spiel mit der Liebe
Von Andreas Kufsteiner
Der Sommer ist ins Zillertal eingezogen, und St. Christoph glänzt im Licht der Sonne wie ein Paradies. Während Wanderer auf den Gipfeln »Berg Heil!« rufen und in den Hütten die Maßkrüge kreisen, arbeiten die Bauern unermüdlich auf den Feldern und Almen.
Auf dem Kastnerhof herrscht David – groß, wortkarg, allein. Eine Frau braucht er nicht, davon ist er überzeugt. Der Hof läuft, das Gesinde gehorcht – und für einsame Nächte gibt es die Stadt.
Doch dann tritt Lucia in sein Leben: ein schüchternes Madel mit großen Augen und noch größerem Herzen. Frisch am Hof, steht sie plötzlich im Mittelpunkt einer Wette, bei der es um nichts Geringeres geht als um Davids Besitz – und um sein verschlossenes Herz ...
Der Sommer war in St. Christoph im Zillertal eingekehrt. Für die Urlauber gab es nirgendwo ein schöneres Fleckchen als hier!
Schon früh am Morgen strahlte die Sonne auf jene Gäste herab, die mit der allerersten Gondel auf den Feldkopf fuhren und dort auf der Terrasse der Feldkopfhütte ihr Frühstück genossen. Andere grüßten einander am Hexenstein oder auf dem schwierig zu besteigenden Achenkegel mit einem fröhlichen: »Berg Heil!« Die Hüttenwirte kamen mit dem Servieren von Gulasch und Speckknödeln kaum nach. Ihre Madeln schleppten pausenlos Maßkrüge voller Bier – oft fünf oder sechs auf einmal.
Auch den Bauern auf den Höfen blieb im Sommer keine Zeit für Müßiggang. Die Felder voller Gerste, Mais und Hafer wollten abgeerntet werden. Auf den steilen Bergwiesen mähte man das Heu noch mit Sensen; ganze Familien standen dort gemeinsam auf den Hängen. Nebenbei galt es, das Vieh zu versorgen, das Obst und Gemüse der Saison zu pflücken und tausend andere Arbeiten zu erledigen.
Selbst die fleißigsten Knechte und Mägde brauchten von all dem hin und wieder eine Pause. Da wurde dann der Rücken gestreckt, der Durst gelöscht und in einer stillen Ecke ein wenig getratscht.
»Geh dort net hinein!« Ilse, seit einigen Jahren Magd beim Kastnerbauern, fasste die junge Lucia am Ellbogen und zog sie vom Eingang der Werkstatt weg. Die »Luzerl«, wie die anderen vom Gesinde ihren Neuzugang liebevoll nannten, war erst sechsundzwanzig und noch keine zwei Wochen am Hof.
»Warum denn net?« Lucia spähte auf den Berg voller dreckiger Latzhosen und Overalls herab, den sie trug.
»Weil der Bauer grad vom Feld gekommen und reingegangen ist«, mischte sich Ilses Freundin Hanni ein.
»Jetzt duscht er. Und wie ich ihn kenn', versperrt er dabei net die Tür«, erklärte Ilse.
Mit einem wissenden Nicken ergänzte Hanni: »Und wenn er nackert aus der Kabine steigt und dich sieht, reißt er dir den Kopf ab.«
Bei der Vorstellung eines unbekleideten Bauern stieg Lucia sogleich die Schamesröte in die Wangen. Sie war ein schüchternes Madel, das wussten alle. Der Knecht Schorsch hatte den anderen sogar eine Wette darüber angetragen, ob die Luzerl wohl noch Jungfrau sei. Wo sie so g'schamig den Blick abwandte, wann immer der Bauer und die Knechte bei der Feldarbeit ihre Hemden auszogen!
Unschlüssig blickte sie erneut auf die Ladung dreckiger Arbeitskleidung herab.
»Die Resi hat gesagt, ich soll das im Becken in der Werkstatt auswaschen. Jetzt gleich. Bevor sich die Schweißflecken festsetzen.«
»Vergiss es!«, riet ihr Hanni. »Die Resi ist schon ganz plemplem.«
Ilse warf ihr einen strafenden Blick zu.
Hanni seufzte genervt und verbesserte sich: »Fein, dann eben net plemplem. Dement oder was weiß ich. Sie kennt sich jedenfalls nimmer aus und glaubt, wir hausen hier wie vor hundert Jahren. Wahrscheinlich hat sie glatt vergessen, dass wir eine Waschmaschine haben!«
»Sie hat mich ›Klara‹ genannt«, gab Lucia leise zu.
Hanni schnaufte. »Na eben! Hör net auf sie. Obwohl ...« Ein gefährliches Glitzern trat in ihre Augen. »Du könntest schon reingehen. Und wenn dich der Bauer erwischt, sagst du zu ihm, die Resi hätt' dich geschickt. Wenigstens kriegst du dann etwas zu sehen, was dir den Tag versüßt.«
»Wer kriegt etwas zu sehen?«, erkundigte sich der Großknecht Gustl, der soeben gemeinsam mit den anderen Knechten um die Ecke kam. Er war ein stämmiger Enddreißiger wie der Bauer und trug in der Sommerhitze nur Jeans, sonst nichts. Mit einem Zipfel seines abgelegten Hemds wischte er sich den Schweiß von der Stirn.
»Die Luzerl«, verriet ihm Ilse schelmisch. »Wenn sie den Bauern in der Dusche überrascht.«
Alle sahen zu der jungen Magd hin. Lucias Wangen brannten wie Feuer.
Schorsch grunzte verächtlich. »Was gibt's da groß zu sehen?«
»Du würdest dich wundern!«, entgegnete Hanni selbstzufrieden.
Ilse prustete los. Sogar der wortkarge Knecht Sepp lachte. Gustl hingegen legte argwöhnisch die Stirn in Falten.
»Woher weißt du das?«
Schadenfroh antwortete Ilse: »Aus dem gleichen Grund, aus dem sie weiß, dass einem der Bauer den Kopf abreißt, wenn man ihn in der Dusche überrascht.«
Hanni schubste sie. »Du Petze! Ich wollt' ihnen gerade einreden, der Bauer und ich hätten miteinander ein Gspusi.«
»Kein Mensch hätt' dir das geglaubt«, versicherte ihr Gustl.
Schorsch schlug Hanni vor: »Willst du mich net in der Dusche überraschen? Ich hätt' gar nix dagegen.«
Sie rümpfte die Nase. »Dich doch net! Wenn ich einmal heirate, dann einen Bauern mit eigenem Hof.«
»Von Heiraten hab ich nix gesagt.« Schorsch schob sich näher an sie heran. Der Schweiß rann über seine nackte Brust, und Hanni wich aus, als er sie in eine Umarmung ziehen wollte. »Aber bis du deinen Bauern mit seinem eigenen Hof findest, könnten wir beide doch ein bisserl Spaß miteinander haben.«
Angewidert stieß ihn Hanni vor die Brust.
»Du, wasch dich erst, bevor du den Madeln nachsteigst! Keine will einen Burschen, der wie ein Schweinderl stinkt.«
»Und kein Bauer mit eigenem Hof will eine Magd, die alleweil nur herumzickt«, entgegnete Schorsch genervt. Er kehrte sich von Hanni ab und erspähte ein weiteres Mal Lucia. »Was hältst du davon, Luzerl?« Erwartungsvoll grinste er sie an. »Ich geh' duschen, und du seifst mir den Rücken ein?«
Lucia öffnete den Mund, doch kein Laut entkam ihr. Sie ließ die Wäsche fallen und rannte mit brennenden Wangen davon.
***
Erst auf dem schattigen Fleckerl hinter der Garage, außer Sicht und außer Hörweite der anderen, hielt Lucia inne. Sie keuchte und kam langsam wieder zu Atem. Das Herz hämmerte in ihrer Brust, und das Blut rauschte ihr in den Ohren.
Ihr Gesicht fühlte sich noch immer brandheiß an. Beschämt sank sie zu Boden, lehnte den Rücken an die Wand und umschlang ihre Knie mit beiden Armen. Eine angenehme Brise wehte ihr den Duft des nahen Obstgartens entgegen.
Lucia atmete ihn ein, während sie vergeblich versuchte, ihr inneres Gleichgewicht wiederzufinden.
Du musst lernen, solche Bemerkungen net an dich heranzulassen, schalt sie sich in Gedanken. Aber das war leichter gesagt als getan!
Auf ihrem vorigen Hof hatten völlig andere Sitten geherrscht. Der Bauer und die Bäuerin waren beide über sechzig gewesen. Ein frommes, ruhiges, kinderloses Paar. Er wäre am liebsten Pfarrer geworden, hätte er den Hof nicht übernehmen müssen. Sie ging unverdrossen jeden Tag zur Frühmesse in den Ort, mochte es stürmen oder schneien.
Die Knechte und Mägde hatten sich ihren Dienstgebern angepasst. Alle verrichteten pflichtbewusst ihre Arbeit, gelacht wurde selten, und kaum einmal sprach jemand ein lautes Wort.
Wie ungestüm und wild erschien Lucia dagegen das Leben am Kastnerhof!
Die Knechte trieben mit den Mägden derbe Scherze, und diese zahlten es ihnen mit scharfzüngigen Bemerkungen heim. Auch wurde viel getrunken. Nicht bloß ein Achterl Rotwein beim sonntäglichen Mittagsmahl. Nein, Schorsch und Gustl wetteiferten, wer von ihnen nach dem zehnten Stamperl Schnaps noch stehen konnte. Dazu kamen die alte Resi, deren wirres Gerede meistens keinen Sinn ergab. Und der Bauer.
David.
Lucias Wangen röteten sich weiter, als sie an ihn dachte. Der Kastnerbauer war ein stattlicher Gebirgler. Ende dreißig wie Gustl und nicht ganz so stämmig gebaut wie der Großknecht, dafür aber von beeindruckend großem Wuchs. Und kräftig! Jedes Mal wenn ihn Lucia am Feld schuften sah, fragte sie sich: Wie würde es sich anfühlen, in seinen Armen zu liegen?
Beschämt vergrub sie das Gesicht in den Armen. Von solchen Hirngespinsten durften die anderen Knechte und Mägde auf gar keinen Fall etwas erfahren. Schlimm genug, dass Schorsch sie an ihrem dritten Arbeitstag gefragt hatte, ob sie denn schon einmal einem Burschen gehört habe!
Und Hanni mit ihrer Dreistigkeit! Ihretwegen konnte Lucia jetzt an nichts anderes mehr denken als an den Bauern in der Dusche. Sie erkannte sich...
| Erscheint lt. Verlag | 19.7.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | 2017 • 2018 • Alpen • Alpen-Krimi • alpenkrimi kindle • alpen-roman • Arzt • Arztroman • Arztromane • Bastei • bastei hefte • bastei heftromane • bastei romane • bastei romane hefte • Bergdoktor • Berge • Bergpfarrer • Bergroman • berg romane • bergromane • bergromane kindle • bergromane kindle ebook • Bestseller • Bianca • Cora • Deutsch • dr daniel • dr laurin • dr norden • Dr Stefan Frank • eBook • E-Book • eBooks • Fortsetzungsroman • Frauen romane • Frauenromane • Großdruck • große-schrift • Hans Ernst • Heft • Heftchen • Heftroman • heftromane bastei • Heimat • Heimat-Krimi • Heimatromane • heimatromane bastei • heimatromane hefte • Heimatromane kindle • heimatromane kindle ebook • heimatromane kindle ebooks deutsch • hermann-broch • Hütte • Julia • Kelter • Kindle • Landarzt • Liebe • Liebesromane • liebesroman heimat • Mira • Patient • Reihe • Rettung • Romanheft • Roman-Heft • romantik deutsch • romantisch • schicksalsromane • schicksalsromane kindle • schicksalsromane kindle ebooks deutsch • schöne romane • Schwarzwald • Serie • spannend • steingruber • Toni-Hüttenwirt |
| ISBN-10 | 3-7517-8741-0 / 3751787410 |
| ISBN-13 | 978-3-7517-8741-3 / 9783751787413 |
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