Der Bergdoktor 2294 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-7517-8726-0 (ISBN)
Warum ist das Schicksal manchmal so unerträglich hart, das man fast daran zerbricht? Um zu verstehen, warum Alina Bensecker aus St. Christoph ihre Träume schneller davonfliegen sieht, als sie es überhaupt begreifen kann, muss man tiefer blicken - in ihre Vergangenheit, in ihre Wunden, in die stillen Tränen, die sie so lange allein geweint hat. Zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Schmerz und Sehnsucht ringt die junge Frau um einen neuen Anfang. Und ihre stille Verzweiflung bleibt nicht unbemerkt. Dr. Martin Burger, der Bergdoktor, spürt vom ersten Augenblick an, wie sehr ihr Schicksal ihn berührt. Mit aller Kraft setzt er sich für Alina ein - als Arzt und als Mensch, der nicht nur heilen, sondern auch verstehen will ...
Für Träume ist es nie zu spät
Dr. Burgers einsame Patientin entdeckt sich neu und blüht auf
Von Andreas Kufsteiner
Warum ist das Schicksal manchmal so unerträglich hart, das man fast daran zerbricht? Um zu verstehen, warum Alina Bensecker aus St. Christoph ihre Träume schneller davonfliegen sieht, als sie es überhaupt begreifen kann, muss man tiefer blicken – in ihre Vergangenheit, in ihre Wunden, in die stillen Tränen, die sie so lange allein geweint hat.
Zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Schmerz und Sehnsucht ringt die junge Witwe um einen neuen Anfang. Und ihre stille Verzweiflung bleibt nicht unbemerkt. Dr. Martin Burger, der Bergdoktor, spürt vom ersten Augenblick an, wie sehr ihr Schicksal ihn berührt. Mit aller Kraft setzt er sich für Alina ein – als Arzt und als Mensch, der nicht nur heilen, sondern auch verstehen will ...
Alina Bensecker hatte viele Träume – und damit stand sie nicht allein da.
Wer sehnte sich nicht danach, dass sich in seinem Leben Wünsche erfüllten und lang gehegte Pläne verwirklicht werden konnten? Natürlich traf man auch hier und da Menschen, die behaupteten, wunschlos glücklich zu sein und keine Träume zu haben, weil doch immer nur das Hier und Jetzt wichtig war.
Man lebte eben nicht in einem Wolkenkuckucksheim oder im Märchenland, in dem es Sterntaler aus purem Gold regnete. Wenn man das Leben sachlich und ohne rosarote Brille betrachtete, kam man am weitesten, das war die Meinung all jener Zeitgenossen, die immer auf die Stimme der Vernunft hörten – jedenfalls sagten sie das,
Ihrer Meinung nach kam es darauf an, dass man die Anforderungen, die das Leben an jeden Einzelnen stellte, erfüllen konnte. Und zwar nach Möglichkeit in einer Weise, die einen ordentlichen Profit versprach. Wenn schon keine Sterntaler vom Himmel fielen – ein Zahlungsmittel war das eh nicht – dann sollte es doch wenigstens ein gesichertes Einkommen sein und gern noch ein bisschen mehr. Wozu träumen und bunten Schmetterlingen nachjagen, die man ja eh nicht einfangen konnte?
Für Alina Bensecker war das Wichtigste in diesen Sommertagen die Zweisamkeit mit ihrem Mann.
Leon und sie waren seit drei Jahren verheiratet und so glücklich miteinander, dass ihnen auch gelegentlich auftauchende dunkle Wölkchen am Ehehimmel nichts anhaben konnten. Sie waren nicht immer einer Meinung, aber sie schafften es stets, sich auf einen Kompromiss zu einigen. Niemals wären sie abends eingeschlafen, ohne sicher zu sein, dass ihre Liebe jedes Hindernis überwinden konnte.
Der Sommer war besonders für Alina die schönste Jahreszeit. Überall blühten die Blumen in den herrlichsten Farben, die Sonne strahlte vom blauen Himmel, und jeder Morgen fühlte sich an wie ein Ferientag, auch dann, wenn man seiner Arbeit nachgehen musste.
Im Sommer war alles leichter. Auch heute begann der Tag heiter und sonnig mit dem Duft der Heckenrosen und dem Lachen der Kinder auf dem Schulweg.
Es war ein Freitag, der sehr heiß werden sollte, das Wochenende versprach Temperaturen bis dreißig Grad. Die neue Woche sollte – nach der Vorhersage der Wetterfrösche – genauso weitergehen: Sommer pur, vielleicht zog ab und zu ein Gewitter in den Bergen auf.
Der heutige Abend sollte ganz besonders schön werden, das war Alinas Plan. Sie werkelte in der Küche umeinander. Im Kühlschrank stand eine Flasche Sekt, es duftete verlockend nach frischen Piroggen, den köstlichen, gefüllten Tiroler Blätterteig-Hörnchen – ein echtes »Schmankerl«.
Vorher wollte Alina eine große Pfanne Eieromelett mit frischen Kräutern auf den Tisch bringen. Salat aus dem Garten durfte nicht fehlen, natürlich mit einer hausgemachten Salatsoße. Außerdem stand eine Platte mit Almkäse und Rauchschinken bereit, dazu gab es das rustikale Steinofen-Landbrot vom nahen Winklerhof, das nur auf Vorbestellung gebacken wurde.
Wenn die Winkler-Bäuerin einmal wöchentlich den Ofen anheizte, hatte sie so gut zu tun, dass vom frühen Morgen bis in den Abend hinein das »große Backen« im Gange war.
Alina unterrichtete die Kinder in den ersten drei Grundschulklassen im Fach Naturkunde und »Kunst«. Dazu gehörten Malen und Bastelarbeiten, die dem jeweiligen Alter der Kinder angepasst waren. Anstelle fester Vorgaben in einigen Lehrplänen konnten die Kinder ihre eigenen Ideen einbringen.
In St. Christoph war man dazu übergegangen, den Schulkindern »Luft nach oben« zu lassen, das bezog sich auch auf den Musikunterricht. Es war erstaunlich, wie viel Fantasie die Kinder besaßen. Man sah es unter anderem an der jährlichen Ausstellung der »Kunstwerke« im neu gestalteten Veranstaltungssaal der Schule, in dem es übrigens auch eine kleine Bühne gab. Denn natürlich standen auch Musik und Theater auf dem Programm!
Eine junge und immer gut gelaunte Lehrerin wie Alina Bensecker war natürlich bei allen Kindern beliebt – auch bei den Eltern. Denn wer sah es nicht gern, dass sein Kind gern zur Schule ging und sich nicht morgens unter der Bettdecke verkroch?
Am heutigen Abend, an dem Alina ein ganz privates Fest mit ihrem Leon feiern wollte, kam ihr Mann sogar früher heim als sonst. Seine Arbeit als Agraringenieur im Biologischen Gut Lenzerhöhe, einem Vorzeigebetrieb zwischen Mayrhofen und St. Christoph, war sehr verantwortungsvoll.
Überstunden ließen sich nicht vermeiden, aber es gab als Ausgleich die Möglichkeit, an anderen Tagen auch mal vorzeitig heimzufahren. Nebenher engagierte sich Leon in der Bergwacht, auf ihn war immer Verlass. Er schreckte vor nichts zurück.
Was auch passierte, Leon Bensecker war zur Stelle. Alina fand, dass er sich zu viel aufbürdete, aber wenn sie ihn bat, mehr an sich selbst zu denken, stieß sie bei ihm auf taube Ohren. Dabei wirkte er manchmal erschöpft und klagte über hämmernde Kopfschmerzen. Zum Arzt ging er deshalb aber nicht.
»Was feiern wir denn heute, Schatzl?«, fragte er seine Frau, als sie die Sektgläser auf den Tisch stellte. »Hab ich irgendetwas Wichtiges vergessen? Unser Hochzeitstag ist es nicht. Es liegt auch kein Geburtstag an, kein Jubiläum oder irgendein anderer Gedenktag.«
»Nein. Das nicht«, lächelte Alina. »Kannst du bitte mal die Flasche öffnen? Und dann denk mal ein bisserl nach. Vielleicht fällt es dir ja doch noch ein.«
»Keine Ahnung.« Leon schüttelte den Kopf. »Vielleicht liegt es daran, dass ich in den letzten Tagen ziemlich viel organisieren musste. Es war eine stressige Woche. Ich weiß zwar nicht, ob mein Gehirn deswegen ausgetrocknet ist, aber es könnte sein, dass es ein bisschen schwächelt. Hilf mir auf die Sprünge, Lini!«
Lini hatte er sie von Anfang an genannt. Ein Kosename, an den Alina sich gewöhnt hatte, obwohl sie ihn nicht besonders mochte. Lini und Leon, das klang ein bisschen wie Hanni und Nanni, Kiki und Koko oder Pucki und Schnucki. Andererseits klang »Lini« aus Leons Mund richtig lieb und in bestimmten Momenten auch sehr zärtlich.
»Wir essen jetzt erst mal, Leon«, sagte Alina. »Danach darfst du weiterraten. Ach, da kommt Barni. Er hat natürlich gehört, dass die Teller klappern und dass wir uns an den Tisch setzen wollen.«
»Der Geruch steigt ihm in die Nase«, meinte Leon und fügte hinzu: »Vorhin hat er mich übrigens begrüßt, und gleichzeitig ist er wieder zur Tür zurückgelaufen. Er kam mir heute ein bisserl unruhig vor. War jemand da?«
»Nein, es war alles wie immer, Leon. Es ist niemand hier gewesen. Vielleicht hat er gemerkt, dass es ziemlich schwül geworden ist, und gleichzeitig ist so ein warmer Wind aufgekommen. Das mag er wohl nicht«, antwortete Alina.
»Na ja, man weiß nie, was so ein Hund sieht oder hört, angeblich merken Hunde ja viel mehr als Menschen«, warf Leon ein. »Essen wir denn heute drinnen?«
»Ja, ich hab im Stüberl den Tisch gedeckt. Einfach so, ich wollte mal das gute Geschirr nehmen. Außerdem hab ich draußen so viele Mücken gesehen, dass uns diese kleinen Monster das Abendessen verderben würden. Und die Mückenkerzen riechen so komisch. Sie nützen auch überhaupt nichts.«
»Das finde ich net«, widersprach Leon. »Aber wie du willst, mir ist es egal. Gut, dann gehen wir erst später nach draußen. Vorausgesetzt, das Wetter hält sich, es könnte ein Gewitter im Anzug sein. Ich hab übrigens so eine Art Räucherschale aus Mayrhofen mitgebracht, man kann Duftkegel darin abbrennen. Der Geruch ist zwar stark, aber trotzdem angenehm. Es sind natürliche Kräuterdüfte. Das mögen die Mücken auch nicht. Und vor allem hassen sie den Rauch.«
Barni durfte sich über eine Kostprobe des Abendessens freuen, ein »Magentratzerl«, wie man so ein Mini-Portiönchen nannte. Aber natürlich stand sein Futter im Hundenapf für ihn schon bereit.
Sofort nach der Hochzeit hatten Leon und Alina den Golden Retriever zu sich genommen.
Damals war er schon zwei Jahre alt gewesen und ziemlich verstört, weil ihn sein Vorbesitzer aus gesundheitlichen Gründen eine Weile vernachlässigt und dann...
| Erscheint lt. Verlag | 12.7.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | 2017 • 2018 • Alpen • Alpen-Krimi • alpenkrimi kindle • alpen-roman • Arzt • Arztroman • Arztromane • Bastei • bastei hefte • bastei heftromane • bastei romane • bastei romane hefte • Bergdoktor • Berge • Bergpfarrer • Bergroman • berg romane • bergromane • bergromane kindle • bergromane kindle ebook • Bestseller • Bianca • Cora • Deutsch • dr daniel • dr laurin • dr norden • Dr Stefan Frank • eBook • E-Book • eBooks • Fortsetzungsroman • Frauen romane • Frauenromane • Großdruck • große-schrift • Hans Ernst • Heft • Heftchen • Heftroman • heftromane bastei • Heimat • Heimat-Krimi • Heimatromane • heimatromane bastei • heimatromane hefte • Heimatromane kindle • heimatromane kindle ebook • heimatromane kindle ebooks deutsch • hermann-broch • Hütte • Julia • Kelter • Kindle • Landarzt • Liebe • Liebesromane • liebesroman heimat • Mira • Patient • Reihe • Rettung • Romanheft • Roman-Heft • romantik deutsch • romantisch • schicksalsromane • schicksalsromane kindle • schicksalsromane kindle ebooks deutsch • schöne romane • Schwarzwald • Serie • spannend • steingruber • Toni-Hüttenwirt |
| ISBN-10 | 3-7517-8726-7 / 3751787267 |
| ISBN-13 | 978-3-7517-8726-0 / 9783751787260 |
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