Hashtag Glückskinder (eBook)
360 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-8192-1906-1 (ISBN)
Lupo Lito wurde in Innsbruck geboren. Nach der Matura an einem Gymnasium sowie der Ableistung seines Zivildiensts studierte er Erziehungswissenschaften an der Universität Innsbruck. Bereits während des Bachelorstudiums, welches er auch abschloss, arbeitete er im sozialpädagogischen Bereich. Zuletzt war er als Leiter eines Projekts für Jugendliche tätig, bevor er diesen Beruf aufgrund eines Burn-outs mitsamt wiederkehrenden Angstzuständen und Panikattacken aufgeben musste. Im Rahmen seiner deshalb angefangenen Psychotherapie (wieder-)entdeckte er das Schreiben für sich. Er beschloss seinem Traum zu folgen und einen Roman zu schreiben. Zu diesem Zweck nahm er sich eine selbst finanzierte berufliche Auszeit, bevor sich sein Erspartes im Spätherbst 2024 dem Ende zu neigte. Deshalb und auch aufgrund der Länge des bis dahin Geschriebenen beschloss er, die fertig gestellten ersten drei der geplanten sieben Teile zu veröffentlichen und "Hashtag Glückskinder" als Romanreihe herauszubringen. Es war ihm ein Anliegen, den dritten Teil so enden zu lassen, dass die Romanreihe nach diesem mit sehr offenem Ende stehen bleiben kann, falls keine weitere folgen sollten. Die Romanreihe "#Glückskinder" ist die erste Veröffentlichung von Lupo Lito. Folge Lupo Lito auf instagram: www.instagram.com/lupo_lito
In der Zwischenzeit hatte es nicht zum ersten Mal an dem heutigen Tag und an diesem Ort zu dämmern begonnen und nur Momente später war es auch schon Nacht geworden und dennoch war es nicht dunkel. Der Platz, an dem sie standen, war in ein angenehmes gedämpftes Licht gehüllt, welches ihn an dieses von den Laternen und Fackeln erzeugte Licht bei Sonjas Hüttenpartys erinnerte.
Für einen Moment war er wieder dort und spürte die Freiheit und Vertrautheit, bevor es diesmal nicht ein Griff auf sein Handgelenk war, der ihn zurück in die Realität holte, sondern ein abermaliger von der Menschenmenge gestarteter Countdown. Das angenehme Licht war verschwunden, es war stockdunkel und weder der Mond noch die Sterne waren zu sehen. Die Eltern hatten, während er mit seinen Gedanken woanders gewesen war, ein auf die Innenseite der Fassade der Kuppel projiziertes Feuerwerk angekündigt und es erneut der Menge überlassen, den Start von diesem einzuzählen.
„Das ist dann wohl die Überraschung von der Dr. Braunhofer gesprochen hat“, ging es ihm durch den Kopf, als hunderte Menschen „fünf“ ausriefen und begannen ihren Blick gebannt Richtung Himmel zu richten. Selbst Aurora ließ sich mitreißen und er hörte, wie sie „vier, drei, zwei“ aussprach und dabei näher an ihn heranrückte. Bei „eins“ griff sie seine Hand und nahm dabei nicht ihren Blick vom Himmel.
Ein zischendes Geräusch hallte von dort, wo zuvor noch die Gesichter der Eltern auf der Fassade zu sehen waren, in seine Ohren und als er zu der Stelle hinsah, stiegen von dort Raketen und Feuerwerkskörper auf. Sie wurden von eben jenem Geräusch begleitet, bevor sie hoch oben an der Decke der Kuppel angekommen waren, explodierten und verschiedenste Farben und Figuren in den Himmel zeichneten. Es wurden immer mehr und von allen Seiten schienen Raketen nach oben zu wandern, um am Ende unter einem Knall ihre faszinierende Schönheit zu entfalten. Ein leichter beißender Geruch von verbranntem Schwarzpulver lag in der Luft und ebenso war Rauch sowohl zu sehen als auch zu riechen.
„Wie kann das kein echtes Feuerwerk sein?“, fragte er sich zuerst selbst, bevor er die Frage nach einer kurzen Pause leise an Aurora stellte, doch er erhielt von dieser genauso wenig eine Antwort wie von sich selbst.
„Die perfekte Nachahmung und Täuschung ... Es ist wunderschön ...“, war es schließlich wieder einmal Dr. Braunhofer der ihnen wenigstens eine Art von Antwortet lieferte und dabei gerührt wirkte.
„Es ist wirklich wunderschön ...“, gab Aurora diesem recht, während sie weiterhin seine Hand hielt und mit erstauntem Blick das Feuerwerk beobachtete.
Immer wieder aufs Neue vernahm er von den anwesenden Personen „Ahs“ oder „Ohs“, wenn ein besonders schönes Muster aus einer abgeschossenen Rakete entstand oder - was es in Wahrheit war - wenn ein Film mitsamt dazu passenden Audio- und Geruchseindrücken von einer solchen gezeigt und simuliert wurde.
„Es ist nicht echt ... Selbst wenn es so wirkt, es ist nicht echt“, sagte er nicht unbedingt mit vollster Überzeugung zu sich selbst, während nun auch noch festliche Klaviermusik in seine Ohren drang.
Er beobachtete, wie sich manche Menschen fanden, um gemeinsam zu dieser zu tanzen.
„Und trotzdem fühlt es sich so an, als wäre gerade Silvester ...“, fand er schließlich den Grund, warum es ihm zuvor so schwergefallen war, sich selbst von dieser faktischen Tatsache zu überzeugen.
Während der dunkle Himmel weiterhin in verschiedene Farben getaucht wurde, gingen uniformierte Personen umher und verteilten bis zum Rand gefüllte Champagnergläser. Auch Aurora und er nahmen sich eines davon, während sich Dr. Braunhofer gleich zwei auf einmal schnappte und eines davon direkt in seine Kehle leerte.
Aurora hingegen sah ihn an und forderte ihn mit einem Lächeln sowie den von einem Augenzwinkern begleiteten Worten „So stelle ich mir meine 'Bestanden-Feier' vor“ und ihrem entgegengestreckten Glas dazu auf, mit ihr anzustoßen. Bevor er darauf eingehen konnte, machte sie der Uniformierte, von dem sie das Glas genommen hatten, jedoch darauf aufmerksam, dass das Austrinken der Gläser erst nach der Beendigung des Feuerwerks vorgesehen war.
„Naja, das bestimmen wohl immer noch die Eltern, wie deine Feier abzulaufen hat ...“, konnte er sich einen leise ausgesprochenen, blöden Spruch nicht verkneifen, was Aurora mit einem Lachen und den Worten „die Betonung liegt auf 'noch'...“ zur Kenntnis nahm.
Sie schauten nach oben und bestaunten noch einmal die künstlerischen Explosionen, die langsam weniger wurden, bis die letzten Raketen schließlich ein golden glitzerndes „DANKE“ in den Himmel schrieben und somit verkündeten, dass dieser Teil des Abends sein Ende gefunden hatte. Innerhalb eines Wimpernschlags war es so, als hätte dieses Feuerwerk niemals stattgefunden und der Platz war wieder in das dumpfe, wohlige Licht gehüllt.
Auf der Fassade waren wieder die Mutter und der Vater zu sehen. Sie hielten gefüllte Champagnerglä-ser in den Händen. „Ich hoffe, euch hat unsere Überraschung gefallen!“, frohlockte die Mutter und war sichtlich von dem eben Gezeigten begeistert.
Anschließend forderte der Vater alle Anwesenden dazu auf, gemeinsam mit ihnen auf das neue nun eingetretene Zeitalter anzustoßen. Dieser Aufruf wurde von der hörigen Menschenmenge sogleich bereitwillig befolgt und bejubelt.
Nach dem Anstoßen in Richtung der Eltern und einem kleinen Schluck holten Aurora und er ihr voriges Vorhaben nach und stießen auf Auroras imaginäre Feier zu Ehren ihres Bestehens des 'Evaluierungsgesprächs' an. Es fühlte sich gänzlich anders an, als es sich das noch vor ein paar Minuten getan hätte, denn es war gezwungener und fremdbestimmt. Mit Dr. Braunhofer stießen sie anschließend ebenfalls an und dieser nutzte die Gelegenheit auch gleich, um sich zu verabschieden.
„Ich habe gesehen, was ich sehen wollte, und mache mich deshalb auf den Weg zurück. In ein paar Minuten stehen alle, die hinaufwollen, bei der Untergrundbahn und ich möchte nicht in einer Schlange warten, bis ich irgendwann hochfahren kann. Und, naja, einen anderen Weg gibt es jetzt bekanntlich auch nicht mehr“, ließ sie der Doktor wissen und ging mit doch etwas wackelig wirkenden Schritten los.
Sie schauten dem leitenden Wissenschaftler noch eine Weile hinterher und er musste schmunzeln, als Aurora dessen eingeschlagenen Umweg an einer der aufgebauten Bars mit „aber erst wenn ich endlich wieder meinen Flachmann aufgefüllt habe“ kommentierte. Kaum dass sie es ausgesprochen hatte, tat dieser exakt das und torkelte erst anschließend in Richtung der Station der Untergrundbahn.
Gerade als Dr. Braunhofer aus ihrem Blickfeld verschwunden war, begannen die Mutter und der Vater den weiteren Verlauf des Abends zu erklären, was sie, wie bereits zuvor, neuerlich mit abwechselnden Wortmeldungen taten.
Die Wissenschaftler und Mitarbeiter, die nicht zu der Feier in der weißen Villa geladen waren, könnten oder, wie er es wahrnahm, durften nun zurück in ihre Unterkünfte gehen, erklärte die Mutter. Diejenigen, die, wie der Vater es nannte, „zu den glücklichen Auserwählten gehörten, welche mit ihnen weiterfeiern durften“, sollten noch mindestens zehn Minuten hier verweilen, bis sie sich zu den ihnen bereits bekannten Wägen mit den ebenso bereits bekannten Fahrern begeben könnten, die sie dann zur weißen Villa bringen würden.
Falls jemand Gepäck mit sich geführt und vor der Kuppel zurückgelassen hatte, wäre dieses schon in die für die jeweiligen Personen vorgesehenen sowie bezugsfertigen Zimmer gebracht worden. In diesen konnte man sich dann frischmachen, bevor man endgültig zur Party stoße, war die letzte vom Vater allein vorgetragene Information. Sie wurde mit einem vergleichsweise verhaltenen Applaus zur Kenntnis genommen. Im Gegensatz dazu wurde die Bemerkung der Mutter, dass falls man das eigene Zimmer nicht finden sollte, auch bei ihr im Bett nächtigen könnte, von der ersten Reihe durch lautes präpotentes Gejohle und zweideutige Zwischenrufe sowie tosenden Applaus geradezu gefeiert.
„Wir sehen uns dann gleich in unserer Villa!“ waren die letzten von den Eltern gemeinsam ausgerufenen Worte. Sie verabschiedeten sich und stiegen in einen golden lackierten Wagen, der sofort davonbrauste.
Nachdem die Eltern weg waren, konnte man sogleich die Personen erkennen, deren Ziel nicht die ausgerufene After-Party war. Rasch bildete sich eine Schlange vor der Untergrundbahnstation und eine andere große Gruppe schien zu Fuß ihre Reise zu den Unterkünften anzutreten, die sich nicht in der weißen Villa befanden. Diejenigen, für die die Eröffnungsfeier noch andauerte, schienen es hingegen nicht unbedingt eilig zu haben und bewegten sich, wenn überhaupt, nur langsam von ihren Plätzen.
Aurora und er beschlossen, diesmal eine andere Strategie zu wählen, und wollten unter den Ersten sein, die bei der weißen Villa ankamen, um dort in einem ihrer Zimmer nochmals in Ruhe reden...
| Erscheint lt. Verlag | 6.6.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| ISBN-10 | 3-8192-1906-4 / 3819219064 |
| ISBN-13 | 978-3-8192-1906-1 / 9783819219061 |
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