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Du mußt dein Leben ändern (eBook)

Gedichte der Erwartung
eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
143 Seiten
C.H.Beck (Verlag)
978-3-406-83718-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Du mußt dein Leben ändern - Rainer Maria Rilke
Systemvoraussetzungen
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Die Kleine Bibliothek der Weltweisheit versammelt berühmte Werke zur klugen und gelungenen Lebensführung. Sie befassen sich mit den zeitlos gültigen Fragen: Was überhaupt ist Glück? Was müssen wir tun, wie sollen wir handeln? Wie können wir mit Rückschlägen des Lebens am besten umgehen? Was sind wir unseren Mitmenschen schuldig? Und worin besteht ein richtiges, ein gerechtes Leben? Die hier versammelten Texte sind als Meisterwerke der Weltweisheit und Lebenskunst in das Gedächtnis der Menschheit eingegangen.

Rainer Maria Rilke150. Geburtstag 4. Dezember 2025

Der Prager Dichter Rainer Maria Rilke (1875-1926) zählt zu den bedeutendsten Lyrikern der Klassischen Moderne. Sein umfangreiches Werk leuchtet sämtliche Facetten des Menschseins aus und regt immer wieder aufs Neue zu Reflexionen über das eigene Dasein an. Vorliegende Gedichtauswahl stellt das Motiv der Erwartung in den Mittelpunkt und eröffnet poetische und zeitlose Blicke auf die großen Veränderungen des Lebens.

Der Prager Dichter Rainer Maria Rilke (1875-1926) zählt zu den bedeutendsten Lyrikern der Klassischen Moderne. <br> <br>Der Germanist und Komparatist Erich Unglaub ist ein profilierter Kenner des Rilke'schen ?uvres. Er lehrte an den Universitäten München, Innsbruck und Aarhus (Dänemark) sowie als Professor für Deutsche Literatur in Flensburg und Braunschweig.

Unter Künstlern (1897–1901)


Ich geh dir nach, wie aus der dumpfen Zelle

ein Halbgeheilter schreitet: in der Helle

mit hellen Händen winkt ihm der Jasmin.

Ein Atemholen hebt ihn von der Schwelle, –

er tastet vorwärts: Welle schlägt um Welle

der großbewegte Frühling über ihn.

Ich geh dir nach in tiefem Dirvertrauen.

Ich weiß deine Gestalt durch diese Auen

vor meinen ausgestreckten Händen gehn.

Ich geh dir nach, wie aus des Fiebers Grauen

erschreckte Kinder gehn zu lichten Frauen,

die sie besänftigen und Furcht verstehn.

Ich geh dir nach. Wohin dein Herz mich führe

frag ich nicht nach. Ich folge dir und spüre

wie alle Blumen deines Kleides Saum.

Ich geh dir nach auch durch die letzte Türe,

ich folge dir auch aus dem letzten Traum …

Wolfratshausen, 18. Juni 1897

Lösch mir die Augen aus: ich kann dich sehn,

wirf mir die Ohren zu: ich kann dich hören,

und ohne Füße kann ich zu dir gehn,

und ohne Mund noch kann ich dich beschwören.

Brich mir die Arme ab, ich fasse dich

mit meinem Herzen wie mit einer Hand,

halt mir das Herz zu und mein Hirn wird schlagen,

und wirfst du in mein Hirn den Brand,

so werd ich dich auf meinem Blute tragen.

Wolfratshausen, Sommer 1897

DER BLEICHE KNABE.


Da erzählte der Vater: Im Königspalast

War ich vor Jahren des Königs Gast.

Die Kinder lauschten alle.

Da erzählte der Vater: Dann hielten wir Rast

In goldenen Stühlen mit rothem Damast.

Die Kinder schauten die Halle.

Den Kindern ging leiser und leiser die Uhr,

Sie lugten und lauschten und folgten der Spur

Des purpurnen Märchens. Ein bleicher

Knabe allein schlich hinaus in den Flur.

Seine einsame Seele sang ihm: Nur?

Meine Träume sind reicher.

Wolfratshausen, 17. August 1897

MOTTO


Das ist die Sehnsucht: wohnen im Gewoge

und keine Heimat haben in der Zeit.

Und das sind Wünsche: leise Dialoge

der armen Stunden mit der Ewigkeit.

Und das ist Leben. Bis aus einem Gestern

die einsamste von allen Stunden steigt,

die, anders lächelnd wie die andern Schwestern,

dem Ewigen entgegenschweigt.

Berlin-Wilmersdorf, 3. November 1897

Ich möchte werden wie die ganz Geheimen:

Nicht auf der Stirne die Gedanken denken,

nur eine Sehnsucht reichen in den Reimen,

mit allen Blicken nur ein leises Keimen,

mit meinem Schweigen nur ein Schauern schenken.

Nicht mehr verraten und mich ganz verschanzen

und einsam bleiben; denn so thun die Ganzen:

Erst wenn, wie hingefällt von lichten Lanzen,

die laute Menge tief ins Knieen glitt,

dann heben sie die Herzen wie Monstranzen

aus ihrer Brust und segnen sie damit.

Berlin-Wilmersdorf, 29. Dezember 1897

Du musst das Leben nicht verstehen,

dann wird es werden wie ein Fest.

Und lass dir jeden Tag geschehen

so wie ein Kind im Weitergehen

von jedem Wehen

sich viele Blüten schenken lässt.

Sie aufzusammeln und zu sparen

das kommt dem Kind nicht in den Sinn.

Es löst sie leise aus den Haaren,

drin sie so gern gefangen waren,

und hält den lieben jungen Jahren

nach neuen seine Hände hin.

Berlin-Wilmersdorf, 8. Januar 1898

Alle Strassen führen

jetzt grade hinein ins Gold:

die Töchter vor den Thüren

haben das so gewollt.

Sie sagen nicht Abschied den Alten,

und ist doch: sie wandern weit;

da sie so fremd und befreit

anders einander halten,

und in anderen Falten

um die lichten Gestalten

gleitet das Kleid.

Florenz (San Domenico), 3. Mai 1898

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.

Sie sprechen alles so deutlich aus:

Und dieses heisst Hund und jenes heisst Haus,

und hier ist Beginn und das Ende ist dort.

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,

sie wissen alles, was wird und war;

kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;

ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.

Die Dinge singen hör ich so gern.

Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.

Ihr bringt mir alle die Dinge um.

Berlin-Wilmersdorf, 21. November 1898

BILDNIS AUS DER RENAISSANCE


Ihre Seele stieg in ihr entflammtes

Aug, wie in die Rüstung steigt der Wächter

weißer Türme oder sanfter Frauen

(eh die Blicke noch den Feind erschauen,

in der Ahnung seines Amtes),

und sie hebt mit ihrem Atmen breit

in den Glanz ihr schweres Halsgeschmeid;

und in ihrem rotverloschnen Kleide

ist ein Kämpfen zwischen Samt und Seide

und ein dunkler Widerstreit:

bis der Falten seidenes Gelächter

abbricht an dem Rand des ernsten Samtes.

St. Petersburg, Anfang Juni 1899

Da neigt sich die Stunde und rührt mich an

mit klarem, metallenem Schlag:

mir zittern die Sinne. Ich fühle: ich kann –

und ich fasse den plastischen Tag.

Nichts war noch vollendet, eh ich es erschaut,

ein jedes Werden stand still.

Meine Blicke sind reif, und wie eine Braut

kommt jedem das Ding, das er will.

Nichts ist mir zu klein und ich lieb es trotzdem

und mal es auf Goldgrund und groß,

und halte es hoch, und ich weiß nicht wem

löst es die Seele los …

Berlin-Schmargendorf, 20. September 1899

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,

die sich über die Dinge ziehn.

Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,

aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,

und ich kreise jahrtausendelang;

und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm

oder ein großer Gesang.

Berlin-Schmargendorf, 20. September 1899

Ich lebe grad, da das Jahrhundert geht.

Man fühlt den Wind von einem großen Blatt,

das Gott und du und ich beschrieben hat

und das sich hoch in fremden Händen dreht.

Man fühlt den Glanz von einer neuen Seite,

auf der noch alles werden kann.

Die stillen Kräfte prüfen ihre Breite

und sehn einander dunkel an.

Berlin-Schmargendorf, 22. September 1899

Werkleute sind wir: Knappen, Jünger, Meister,

und bauen dich, du hohes Mittelschiff.

Und manchmal kommt ein ernster Hergereister,

geht wie ein Glanz durch unsre hundert Geister

und zeigt uns zitternd einen neuen Griff.

Wir steigen in die wiegenden...

Erscheint lt. Verlag 24.7.2025
Reihe/Serie Beck Paperback
Vorwort Erich Unglaub
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Lyrik / Dramatik Lyrik / Gedichte
Schlagworte 20. Jahrhundert • Du mußt dein Leben ändern • Erwartung • existenziell • Existenzreflexion • Gedichte • innere Wandlung • Klassische Moderne • Lebensführung • Lebenskunst • Lebensveränderung • Lyrik • Rainer Maria Rilke • Rilke-Gedichte • Selbstfindung • Spirituelle Lyrik • Transformation • Veränderung • Zeit
ISBN-10 3-406-83718-2 / 3406837182
ISBN-13 978-3-406-83718-0 / 9783406837180
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