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The Husband Killer | Ein packender Psychothriller über Rache und menschliche Abgründe (eBook)

Wie du mir, so ich dir

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025
295 Seiten
dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH (Verlag)
978-3-69090-168-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

The Husband Killer | Ein packender Psychothriller über Rache und menschliche Abgründe - Sonya Bateman
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Wenn aus Tätern Opfer werden …

Fünf Familien. Äußerlich perfekt. Innerlich zerbrochen.

Joslyn hat alles. Einen umwerfenden Ehemann, entzückende blauäugige und blonde Zwillinge. Wenn er sie mit einem Kneifen in die Rippen begrüßt, weiß sie, dass sie später Schlimmeres zu erwarten hat.

Crystal hat ihr Leben als exotische Tänzerin hinter sich gelassen, als sie den Mann heiratete, dem der Club gehörte. Den Preis dafür zahlt sie jedes Mal, wenn ein anderer Mann sie ansieht.

Lexis Mann ist ein großartiger Vater, für ihre drei Kinder ist er der beste der Welt. Es tut ihm immer leid, hinterher. Es gibt jedes Mal Blumen.

Maureen hat jung geheiratet, als sie schwanger wurde. Er konnte es nie ertragen, wenn das Baby weinte.

Sharas Mann ist Chirurg, eine Stütze der Gemeinde. Aber zu Hause ist er ein Ungeheuer.

Jetzt sind alle ihre Ehemänner tot.

Sie wollten immer, dass sie aus ihrem Leben verschwinden – das weiß auch die Polizei. Doch welche der Frauen hat die Täter zu Opfern gemacht?

Erste Leser:innenstimmen
„Wenn weiblicher Zusammenhalt bis zum Mord geht – ein fesselnder Psychothriller.“
„War bis zum Ende wie gefesselt von der Spannung und dennoch komplett unvorbereitet für den genialen Plottwist.“
„Ein Muss für jeden Fan von psychologischer Spannung und cleveren Wendungen.“
„Dieser Thriller mit seinen düsteren Geheimnissen und der unvorhersehbaren Auflösung hat mich bis zur letzten Seite nicht losgelassen.“



<p>Sonya Bateman ist eine preisgekr&ouml;nte Werbetexterin und Romanautorin, eine Liebhaberin von Fantasy-Filmen aus der Zeit zwischen Mitte der Achtziger und Ende der Neunziger, eine Kaffeehasserin und Sammlerin von coolen Steinen, die einen nicht unerheblichen Teil ihrer Kindheit damit verbracht hat, auf B&auml;ume zu klettern, um in Ruhe B&uuml;cher lesen zu k&ouml;nnen. Sie wuchs in Central New York auf, wo es die Jahreszeiten &bdquo;Winter&ldquo; und &bdquo;Stra&szlig;enbau&ldquo; gibt und &bdquo;nicht die Stadt&ldquo; offiziell Teil ihrer Adresse ist.</p> <p>Sonya schreibt seit mehr als 15 Jahren professionell. Derzeit lebt sie in einem gro&szlig;en Haus in einer kleinen Stadt, immer noch in Central New York (nicht in der Stadt), mit ihrem Mann, ihrem Sohn und ihren Katzen. Sie schreibt rasante urbane Fantasy und verworrene, schockierende psychologische Romane, die einen misstrauisch gegen&uuml;ber Freunden und Nachbarn werden lassen &ndash; und die einen nur mit eingeschaltetem Licht schlafen lassen.</p>

<h2>Kapitel 1</h2> <h2>Joslyn</h2> <p>Zum Abendessen probierte ich ein neues Rezept aus, das ich auf Instagram gesehen hatte. Schweinefilet im Speckmantel mit zweimal gebackenen Kartoffeln und frischen Zuckerschoten. Es sah fantastisch aus und zumindest die M&auml;dchen w&uuml;rden es lieben. Zum Gl&uuml;ck waren sie noch nie m&auml;kelig gewesen. Matthew war das Fragezeichen. Normalerweise hat mein Mann nichts dagegen, wenn ich neue Gerichte ausprobiere, solange sie nicht zu &bdquo;exotisch&ldquo; sind. Aber manchmal, nach einem langen Arbeitstag oder wenn er einen schwierigen Klienten gehabt hat, akzeptierte er nur etwas Gewohntes.</p> <p>Ich habe gelernt, f&uuml;r diese F&auml;lle immer ein paar seiner Lieblingsgerichte vorr&auml;tig zu haben, denn ich wusste nie, wann es so weit war.</p> <p>Die M&auml;dchen waren im Wohnzimmer und spielten irgendein Spiel, das sie sich in der Schule ausgedacht hatten, w&auml;hrend ich das Essen zubereitete. Matthew w&uuml;rde erst in einer Stunde nach Hause kommen. In der weitl&auml;ufigen K&uuml;che war es ruhig, und als ich das Pesto mixte, damit es k&uuml;hlen konnte, w&auml;hrend ich das Fleisch zubereitete, nahm ich mir einen Augenblick, um zu wertsch&auml;tzen, was ich hatte. Angefangen mit diesem Raum. Ich habe es immer geliebt zu kochen, hatte aber nie den Platz und die M&ouml;glichkeit. Die K&uuml;che, die ich nun hatte, war alles, wovon ich je getr&auml;umt hatte. Gro&szlig;, sauber und ultramodern, mit Kupfert&ouml;pfen, die &uuml;ber der Granitinsel in der Mitte hingen, einem erh&ouml;hten Backofen und einem Herd mit Cerankochfeld. Dazu ein riesiger K&uuml;hlschrank aus geb&uuml;rstetem Chrom neben einem Gefrierschrank mit automatischer Eisw&uuml;rfelausgabe. Eine Kaffeemaschine und ein Espressokocher. Endlose H&auml;ngeschr&auml;nke und gro&szlig;artige Keramikfliesen auf dem Boden. Und das alles im Herzen eines Backsteinhauses mit f&uuml;nf Schlafzimmern, drei B&auml;dern und einem Pool auf dem zwei Morgen gro&szlig;en Grundst&uuml;ck am Stadtrand, umgeben von einer wundersch&ouml;nen Landschaft mit viel Wald.</p> <p>Das perfekte Zuhause, der perfekte Lebensstil der Oberklasse. Ich war zu Hause und zog meine s&uuml;&szlig;en Zwillingsm&auml;dchen auf. Wir mussten uns nie darum sorgen, woher das Geld f&uuml;r die n&auml;chste Rechnung kam, f&uuml;r die Schulmaterialien oder die Lebensmittel f&uuml;r die Woche. Mein Ehemann hatte einen stabilen, gutbezahlten Job und war einfach umwerfend. Alle Frauen drehten sich nach ihm um, wohin er auch ging. Auch wenn sich zwischen uns nicht gerade die Romanze des Jahres abspielte, erschien ich doch wenigstens nach au&szlig;en hin perfekt. Wenn ich dar&uuml;ber nachdachte, wo ich angefangen habe und wie hart ich gearbeitet habe, um hierhin zu kommen, fiel mir nicht im Traum ein, das alles loszulassen.</p> <p>Ich legte den Schinken gerade in eine kleine Pfanne, als ich sp&uuml;rte, dass jemand hinter mir stand. Ein Schauder kroch mein R&uuml;ckgrat hinauf. Matthew tat das oft. Offenbar genoss er es, mich in einem Moment der Unaufmerksamkeit zu erwischen, als w&auml;re es ein Spiel zu sehen, wie lange mein Herz zu schlagen aufh&ouml;rte, w&auml;hrend ich Schmerzen litt. Wieso hatte ich ihn nicht kommen geh&ouml;rt?</p> <p>Mit zitternder Hand legte ich den Holzl&ouml;ffel nieder. Langsam drehte ich mich um und wappnete mich die ganze Zeit &ndash; nur um dann Rosie und Rory zu sehen, die Hand in Hand vor mir standen und mich in unheimlichem Schweigen anschauten.</p> <p>&bdquo;M&auml;dchen!&ldquo;, keuchte ich, legte eine Hand auf die Brust und lehnte mich an den Herd. &bdquo;Ihr habt mich erschreckt. Was ist denn?&ldquo;</p> <p>&bdquo;K&ouml;nnen wir einen Snack haben, Mommy?&ldquo;, sagten sie unisono.</p> <p>Ich lachte auf und hoffte, meine T&ouml;chter w&uuml;rden die Erleichterung darin nicht h&ouml;ren. Sie waren sechs Jahre alt. Nicht alt genug, um die bizarren Dynamiken in den Beziehungen Erwachsener begreifen zu k&ouml;nnen, aber alt genug, um zu wissen, dass Daddy Mommy manchmal traurig machte. Ich wollte sie so lange wie m&ouml;glich in ihrer Unschuld lassen.</p> <p>Ich setzte mein ernstes Gesicht auf. &bdquo;In einer Stunde gibt es Essen&ldquo;, sagte ich. &bdquo;Glaubt ihr, ihr haltet es noch so lange aus?&ldquo;</p> <p>Rosie, die offene der Zwillinge, runzelte die Stirn. &bdquo;Wir k&ouml;nnen nicht warten&ldquo;, sagte sie, rieb sich den Bauch und schaute ihre Schwester besorgt an. &bdquo;Rory verhungert.&ldquo;</p> <p>Ich musste eine Hand vor den Mund legen, um nicht zu lachen. Meine M&auml;dchen waren so s&uuml;&szlig;, besonders mit ihrem Zwillingsgetue, das sie immer an den Tag legten. Und das wussten sie. Blond und blau&auml;ugig waren sie alle beide Trickbetr&uuml;ger in Miniatur. Nat&uuml;rlich habe ich, als ich endlich schwanger geworden war, alle Elternratgeber gelesen, in denen stand, man solle standhaft bleiben und den Kindern keine Snacks geben, wenn sie sie nicht brauchten, damit sie nicht anfingen, aus Bequemlichkeit zu essen. Ich hatte mich darauf vorbereitet, andere M&uuml;tter mit ihren Kindern einzuladen, mit ihnen Wein zu trinken und &uuml;ber die verr&uuml;cktesten Dinge zu sprechen, die unsere Kinder getan hatten. Wir w&uuml;rden uns gegenseitig unterst&uuml;tzen, telefonieren und abends zusammen ausgehen.</p> <p>Ich hatte diese Freundinnen nie. Matthew hielt nichts von Verabredungen zum Spielen, anderen M&uuml;ttern oder davon, dass ich das Haus verlie&szlig;, w&auml;hrend er daheim war.</p> <p>Aber ich hatte die M&auml;dchen und konnte ihren s&uuml;&szlig;en, flehenden Blicken einfach nicht widerstehen.</p> <p>&bdquo;Na gut&ldquo;, gab ich schlie&szlig;lich nach. &bdquo;Im K&uuml;hlschrank sind K&auml;sesticks. Ihr k&ouml;nnt jede einen haben, wenn ihr versprecht, dass ihr danach nicht satt seid.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Wir versprechen es!&ldquo;, sagten sie gemeinsam und sprangen grinsend zum K&uuml;hlschrank hin&uuml;ber. Ich h&ouml;rte, wie sie miteinander fl&uuml;sterten, als sie ihre Troph&auml;en griffen und ins Wohnzimmer zur&uuml;ckhuschten, um weiterzuspielen, was immer Schwestern sich auch ausdachten.</p> <p>Das war eine weitere Sache, f&uuml;r die ich dankbar war: dass die M&auml;dchen einander hatten. Ich war ein Einzelkind und habe mir immer eine Schwester oder einen Bruder gew&uuml;nscht, doch meine alleinstehende Mutter konnte es sich nicht leisten, ein weiteres Kind gro&szlig;zuziehen. Eigentlich konnte sie sich noch nicht einmal das leisten, das sie hatte. Doch sie hat ihr Bestes gegeben. Meistens. Na ja, zumindest manchmal.</p> <p>Ich w&uuml;nschte, sie w&auml;re noch da, um zu sehen, wie weit ich es gebracht habe.</p> <p>Die Kartoffeln waren fast fertig mit ihrem ersten Backdurchgang, als ich das Hauptgericht in den Ofen stellte. Dann hatte ich eine kurze Pause. Ich machte mir eine Tasse Kaffee, setzte mich mit meinem iPad an die K&uuml;cheninsel, &ouml;ffnete einen neuen Tab neben dem mit dem Rezept und rief Facebook auf. Normalerweise verbrachte ich nicht viel Zeit mit sozialen Medien, denn ich hatte online sehr wenige Freundinnen, von denen ich nur eine pers&ouml;nlich kannte. Meistens am&uuml;sierte ich mich nur &uuml;ber die Katzen-Memes. Doch heute hatte mich jemand markiert. Es war eine Seite mit dem Namen &bdquo;Nehmt ihn nicht fest, er ist ein Held&ldquo;, und mein Name, Joslyn Carmichael, befand sich in der Mitte der Masse blauer Namen, die den ersten Kommentar zu dem Beitrag bildeten. Es schien, als h&auml;tte der Verantwortliche einfach blindlings alle auf jemandes Freundesliste markiert &ndash; vielleicht auf Crystals, weil sie die Einzige war, mit der ich wirklich kommunizierte. Der Post selbst war ein Video aus einer lokalen Nachrichtenredaktion. Die &Uuml;berschrift lautete &bdquo;Serienm&ouml;rder immer noch auf freiem Fu&szlig;, ein Jahr nach dem ersten Opfer&ldquo;.</p> <p>Mir gefror das Blut in den Adern. Ich wusste genau, worauf sich die &Uuml;berschrift bezog, und ich h&auml;tte das Video wirklich nicht anschauen sollen. Doch ich klickte auf Play und stellte die Lautst&auml;rke ein bisschen h&ouml;her, als das Video auf dem gesamten Bildschirm erschien.</p> <p>&bdquo;Heute ist ein d&uuml;sterer Jahrestag in Meadowdale, Pennsylvania&ldquo;, sagte die Nachrichtensprecherin auf der rechten Seite des Bildschirms, w&auml;hrend ihr Kollege links eine entsprechend ernste Miene bewahrte. &bdquo;Genau heute vor einem Jahr wurde der zweiunddrei&szlig;igj&auml;hrige Mechaniker Andreas Dunn auf dem Heimweg von einer Bar mit einem einzigen Schuss in den Kopf ermordet. Dunn wurde das erste und j&uuml;ngste Opfer des Crossed Hearts Killers, eines Serienm&ouml;rders, der bis jetzt in der Gegend von Meadowdale f&uuml;nf M&auml;nner ermordet hat.&ldquo;</p> <p>W&auml;hrend die Nachrichtensprecherin redete, liefen am unteren Bildschirmrand die Namen und das Alter der Opfer in der Reihenfolge ihres Ablebens. Bei George Ramirez, vierzig Jahre, stockte mir leicht der Atem. Er war der verstorbene Ehemann von Crystal. Meine Freundin und die einzige Person, die verstand, was ich durchmachte.</p> <p>Sein Tod war schwer gewesen und ich konnte Crystals Schwierigkeiten nachvollziehen, ihn zu betrauern, wo doch ein Teil von ihr erleichtert war, sogar gl&uuml;cklich &uuml;ber das brutale Ende ihres Ehemanns. Wie auch immer, jetzt war sie frei.</p> <p>Ich nahm mir vor, morgen bei Crystal vorbeizufahren, nachdem ich die Kinder in die Schule gebracht hatte. Es war zu lange her, dass ich sie gesehen hatte, und ich wusste, dass Matthew es niemals herausfinden w&uuml;rde, wenn ich sie morgen besuchte. Bei Crystal konnte ich sicher sein, dass sie nicht zuf&auml;llig etwas ausplauderte.</p> <p>&bdquo;Es ist beinahe einen Monat her, dass das letzte Opfer, der einundvierzigj&auml;hrige Barkeeper Dolan Barrow, tot neben seinem Auto auf einer wenig befahrenen Stra&szlig;e nach Meadowdale gefunden wurde&ldquo;, fuhr die Nachrichtensprecherin fort. &bdquo;Barrow wurde ebenfalls einmal in den Kopf geschossen. Er hinterl&auml;sst seine Frau Alexis und drei Kinder.&ldquo;</p> <p>Auf dem Bildschirm erschien ein Foto von Dolan Barrow. Er sah aus wie ein normaler, sogar freundlicher Mann, doch ich wusste besser als jeder andere, dass der Schein tr&uuml;gen konnte. Und wenn der Crossed Hearts Killer ihn ins Visier genommen hatte, musste er wie die anderen gewesen sein.</p> <p>&bdquo;Unsere Redaktion hat sich an das Polizeirevier gewandt, aber keine neuen Informationen zu dem Fall bekommen&ldquo;, &uuml;bernahm der Kollege der Nachrichtensprecherin. &bdquo;Die Polizei bittet jedenfalls dringend um f&uuml;r die Ermittlung zum Crossed Hearts Killer n&uuml;tzliche Hinweise. Unter der hier angegebenen Nummer k&ouml;nnen Sie die daf&uuml;r eingerichtete Hotline erreichen.&ldquo; Er schwieg und seine Kollegin &uuml;bernahm wieder. &bdquo;Die weiteren Nachrichten des Tages &hellip;&ldquo;</p> <p>&bdquo;Joslyn.&ldquo;</p> <p>Ich zuckte zusammen, als ich das einzelne tiefe Wort h&ouml;rte, das von der K&uuml;chent&uuml;r zu mir her&uuml;berdrang. Die Ger&auml;usche meines iPads nahm ich nicht mehr wahr und tippte verzweifelt auf dem Bildschirm herum, um das Video anzuhalten. <i>Er ist zu fr&uuml;h!</i> Mein Herz trommelte in schnellem Takt, doch ich setzte ein Willkommensl&auml;cheln auf, glitt von dem Barhocker und drehte mich zu meinem Mann um.</p> <p>Noch immer raubte er mir den Atem, jedes Mal, wenn ich ihn anschaute. Manchmal war es einfach, weil er so unm&ouml;glich gut aussah, sogar noch mit achtunddrei&szlig;ig. Und dann &mdash; wie jetzt &mdash; stockte mir der Atem, weil ich sein unterschwelliges Grollen sp&uuml;rte und genau wusste, was heute Abend passieren w&uuml;rde, egal was ich sagte oder tat.</p> <p>Er musste heute einen wirklich schlechten Tag gehabt haben.</p> <p>Bevor ich ein Wort herausbringen konnte, zeigte er auf das iPad. &bdquo;Warum schaust du dir diesen Mist &uuml;ber irgendwelche M&ouml;rder an?&ldquo;, wollte er wissen. &bdquo;Die M&auml;dchen k&ouml;nnten es geh&ouml;rt haben.&ldquo;</p> <p>Es war sinnlos, darauf hinzuweisen, dass Rosie und Rory das Video keinesfalls geh&ouml;rt haben konnten, weil sie im Wohnzimmer spielten. Ich wollte das Thema wechseln, aber ich wusste es besser als seine Frage nicht zu beantworten. &bdquo;Ich habe mich nur &uuml;ber die aktuellen Nachrichten informiert&ldquo;, sagte ich gespielt gut gelaunt. &bdquo;Wie war dein Tag?&ldquo;</p> <p>Er kam auf mich zu und blieb vor mir stehen. Ich versuchte, nicht vor Anspannung die Luft anzuhalten, konnte es aber nicht verhindern. Er legte seinen Arm um mich und ich sp&uuml;rte den harten Druck unterhalb meiner Rippen, der einen kleinen blauen Fleck hinterlassen w&uuml;rde, obwohl er mich dabei auf die Stirn k&uuml;sste. Es war ein Hinweis darauf, dass ich Schlimmeres zu erwarten hatte, sobald die M&auml;dchen schliefen.</p> <p>&bdquo;Was gibt es zum Essen?&ldquo;, fragte er und ignorierte meine Frage, so wie ich seine nicht ignorieren durfte.</p> <p>Meine Ver&auml;rgerung war kurz und schwach und verflog, bevor er sie bemerken konnte. &bdquo;Ich probiere ein neues Rezept aus&ldquo;, sagte ich ihm. &bdquo;Schweinefilet im Speckmantel mit &hellip;&ldquo;</p> <p>Er brachte mich mit einer Geste zum Schweigen. &bdquo;Klingt ja ekelhaft. Mach mir ein paar Lendenst&uuml;cke. Du wei&szlig;t, wie ich sie mag&ldquo;, sagte er, wandte sich ab und verlie&szlig; die K&uuml;che. &bdquo;Ich gehe duschen. Das Essen sollte fertig sein, wenn ich wiederkomme.&ldquo;</p> <p>Ich befahl mir, nicht zu weinen. Dann z&auml;hlte ich bis zehn und begann mit der Zubereitung eines zweiten komplizierten Essens zus&auml;tzlich zu dem, das ich bereits kochte. Ich h&auml;tte ihn schon lange verlassen sollen. Das war mir klar. Doch diese Seite an ihm war so allm&auml;hlich zutage getreten, dass es sich anf&uuml;hlte, als sei es zu sp&auml;t, irgendetwas zu tun, als es richtig schlimm geworden war.</p> <p>Und so sehr ich das auch vermeiden wollte, glaubte ein Teil von mir, dass ich diesen krassen Fehler in meinem ansonsten perfekten Leben verdiente. Nicht, weil ich im Gegensatz zu so vielen anderen der Armut entkommen war, sondern weil ich es auf diese Weise geschafft habe. Weil ich nur an diesen Punkt gekommen bin, weil ich jemanden get&ouml;tet habe.</p> <h2>Kapitel 2</h2> <h2>Lexi</h2> <p>Unsere Gastgeberin hatte ihre Beine an den Kn&ouml;cheln &uuml;bergeschlagen und l&auml;chelte von ihrem Sessel der Macht herab. So nannte ich den prunkvollen braunen Polstersessel, in dem sie w&auml;hrend dieser Gruppentreffen immer sa&szlig;. Wahrscheinlich hatte er ihrem Ehemann geh&ouml;rt und der hatte zu seinen Lebzeiten niemals jemanden darin sitzen lassen.</p> <p>Ich an ihrer Stelle h&auml;tte das Ding hinausgeschafft, es in St&uuml;cke gehackt und angez&uuml;ndet. Aber ich hatte nicht vor, diesen Frauen zu erz&auml;hlen, wie sie es ihren verstorbenen Ehem&auml;nnern so richtig heimzahlen konnten. Vielleicht war es der H&ouml;hepunkt des Tages von Crystal Ramirez, in diesem Sessel zu sitzen.</p> <p><i>Mach ruhig, M&auml;dchen.</i></p> <p>&bdquo;Also sch&ouml;n&ldquo;, begann Crystal. &bdquo;Heute ist Lexis drittes Treffen. Ihr wisst, was das bedeutet. Es ist Zeit, &uuml;ber den Elefanten zu sprechen.&ldquo;</p> <p>Die anderen beiden, Maureen Parker und Shara Hoyt, holten tief Luft. Ungl&uuml;cklicherweise kannte ich die beiden bereits. Wir sind zur selben Zeit auf die Meadowdale Central, die &ouml;rtliche Highschool, gegangen und haben drei Jahre unserer Jugend zusammen verbracht. Wir hatten ja keine Ahnung von dem Shitstorm, den das wirkliche Leben nach unserem Abschluss f&uuml;r uns bereithielt. Zwei Jahre waren wir sogar gut befreundet. In unserer Clique waren auch ein Ex-Freund von Shara gewesen und der Mann, den ich einmal heiraten sollte. Doch nachdem Maureen und ich w&auml;hrend meines Junior-Jahrs einen Streit gehabt hatten, redete sie nicht mehr mit mir. Shara, die Maureen immer folgte, tat es ihr gleich. Sie waren die coolen Kids. Und zumindest Maureen hielt sich immer noch daf&uuml;r. Ich f&uuml;r meinen Teil fand, dass mit Vierzig die Zeiten der coolen Kids lange vorbei waren.</p> <p>Maureen griff nach der Weinflasche auf dem Couchtisch und f&uuml;llte ihr Glas auf. Sie tat das bereits zum zweiten Mal innerhalb von zehn Minuten. Das musste es sein, warum sie glaubte, wie sie immer wieder betonte, keine Alkoholikerin zu sein: Wenn ihr Glas niemals leer wurde, hatte sie am Ende ja nur eines getrunken. Egal, ob dieses eine Glas mit einer ganzen Flasche aufgef&uuml;llt wurde.</p> <p>&bdquo;Ich verstehe nicht, warum wir dar&uuml;ber reden m&uuml;ssen&ldquo;, sagte Maureen, w&auml;hrend Shara zustimmend nickte. &bdquo;Wirklich, Crystal, warum glaubst du, du seist qualifiziert, dieses Gespr&auml;ch zu f&uuml;hren? Ist es, weil wir hier in deinem Haus sind? Dann gehen wir doch das n&auml;chste Mal in meins.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Ich habe euch gesagt, dass ich beinahe eine zertifizierte Therapeutin bin&ldquo;, sagte Crystal. &bdquo;Ich muss nur noch drei Kurse besuchen.&ldquo;</p> <p>Maureen nahm einen gro&szlig;en Schluck Wein. &bdquo;Aha. Und bist du zum College gegangen, bevor du Stripperin warst oder danach?&ldquo;</p> <p>Shara kicherte und ich sp&uuml;rte, wie meine Augen gro&szlig; wurden, obwohl ich mich bem&uuml;hte, nicht zu reagieren. Das wollte ich wirklich nicht wissen. Und ich erkannte genau, was Maureen tat, indem sie etwas aus Crystals Vergangenheit hochholte. Schon auf der Highschool hat Maureen nie eine Gelegenheit verpasst aufzusteigen, indem sie auf jemand anderen trat. Offensichtlich wollte sie Crystal nur vor mir schlechtmachen.</p> <p>Ich schenkte unserer Gastgeberin einen mitf&uuml;hlenden Blick und versuchte, ihr telepathisch zu &uuml;bermitteln, dass ich nicht schlecht von ihr dachte und dass sich Maureen wie ein Mistst&uuml;ck verhielt. Doch Crystal hatte die Situation bereits im Griff. &bdquo;Das habe ich beides zur selben Zeit gemacht, S&uuml;&szlig;e&ldquo;, sagte sie mit einem verschlagenen Grinsen. &bdquo;Vielseitig begabt wie ich bin. Au&szlig;erdem bekommt man f&uuml;r <i>exotisches Tanzen</i> viel Geld.&ldquo; Sie schwieg kurz und f&uuml;gte dann hinzu: &bdquo;Aber ich bin sicher, dass du auch einiges daf&uuml;r bekommst, zeitweilig auf ein Haus achtzugeben. Wir k&ouml;nnen uns sehr gern dort treffen und bringen unsere schmutzigen kleinen Kinder mit, die mit ihren klebrigen Fingern alles anfassen.&ldquo;</p> <p>Maureen stieg die R&ouml;te in die Wangen. Sie r&auml;usperte sich und fl&uuml;sterte Shara etwas zu, die daraufhin lachte.</p> <p>Ich verbarg ein L&auml;cheln. Letzte Woche hatte Maureens grobe Bemerkung &uuml;ber die Kinder dazu gef&uuml;hrt, dass sie von ihrer eigenen Tochter ermahnt worden war. Ich hatte das zweifelhafte Gl&uuml;ck, nur zwei H&auml;user von Maureen entfernt zu wohnen, in einer ruhigen Stra&szlig;e im Norden von Meadowdale. Ihre Tochter Padgett war einundzwanzig und passte manchmal auf meine Kinder auf. Wie durch ein Wunder hatte Padgett nichts mit ihrer Mutter gemein &mdash; sie war ein nettes M&auml;dchen. Jetzt gerade war sie unten in Crystals Wohnzimmer und hatte ein Auge auf Crystals neunj&auml;hrigen Sohn und meine drei Kinder. Sie war ein Einzelkind. Vielleicht, weil Maureen offensichtlich keine Kinder mochte.</p> <p>&bdquo;Wie auch immer, ich fange jetzt an&ldquo;, sagte Crystal strahlend und wandte sich mir zu. &bdquo;Maureen hat dir ja freundlicherweise erz&auml;hlt, dass ich Stripperin war&ldquo;, sagte sie. &bdquo;So habe ich George kennengelernt. Ihm geh&ouml;rte der Club, in dem ich arbeitete, und aus irgendeinem Grund habe ich seine Aufmerksamkeit erregt. Am Anfang war er toll. Zuvorkommend, gro&szlig;z&uuml;gig mit Geschenken, sogar irgendwie romantisch. Das erste Warnsignal habe ich vollkommen verpasst. Es war, als er mich bat aufzuh&ouml;ren, in seinem Club zu arbeiten, weil er nicht wollte, dass andere M&auml;nner meinen K&ouml;rper anschauten.&ldquo;</p> <p>Mein Magen zog sich ein wenig zusammen. Mir war klar, was sie gemeint hatte, als sie vom &bdquo;Elefanten&ldquo; gesprochen hatte, aber nun, da wir das Thema tats&auml;chlich angingen, war ich nicht sicher, ob ich es ertragen konnte, das zu h&ouml;ren. Geschweige denn dar&uuml;ber zu reden.</p> <p>&bdquo;Das verstehe ich gut&ldquo;, sagte Shara, legte ihren Kopf schief und betrachtete Crystal absch&auml;tzig. Crystal war die J&uuml;ngste hier, siebenunddrei&szlig;ig, schlank und geschmeidig. Eine klassische rothaarige Sirene mit leuchtend gr&uuml;nen Augen, makelloser Haut und perfekten Kurven. &bdquo;Wei&szlig;t du, ich w&uuml;rde dich wirklich gern einmal schnitzen.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Was?&ldquo;, platzte ich heraus. Hatte ich sie richtig verstanden? Crystal schien es nicht zu k&uuml;mmern.</p> <p>&bdquo;Aus Seife.&ldquo; Shara richtete ihren k&uuml;hlen grauen Blick auf mich und schnippte sich eine dunkle Str&auml;hne aus der Stirn. &bdquo;Hatte ich nicht erw&auml;hnt, dass ich jetzt K&uuml;nstlerin bin?&ldquo;</p> <p>Vielleicht hatte sie das. Und falls sie einen durchgeknallten K&uuml;nstlervibe anstrebte, hatte sie ihn bereits perfektioniert. Allerdings war Shara schon immer ein wenig merkw&uuml;rdig gewesen.</p> <p>Crystal ignorierte Sharas Begehren, sie in Badeprodukten zu verewigen. &bdquo;George und ich waren zw&ouml;lf Jahre lang verheiratet, als er starb&ldquo;, sagte sie. &bdquo;In dieser Zeit hat er mich zweimal in die Notaufnahme gebracht, mir mindestens vier Knochen gebrochen und unz&auml;hlige Prellungen zugef&uuml;gt. Ajax hat er allerdings nie anger&uuml;hrt. Es ging nur um mich. Er war unglaublich eifers&uuml;chtig und paranoid. Wenn ein anderer Mann mir auch nur einen Seitenblick zugeworfen hat, habe ich daf&uuml;r gezahlt.&ldquo; Sie erschauderte. Einen Augenblick lang formte sich ihr Mund zu einer schmalen Linie und sie hielt die Augen geschlossen. Als sie sie wieder &ouml;ffnete, war ihr L&auml;cheln zur&uuml;ck. &bdquo;Okay, wer ist die N&auml;chste?&ldquo;</p> <p>Ich hatte keine Ahnung, wie sie so viel hatte preisgeben k&ouml;nnen, ohne zusammenzubrechen. Auf der anderen Seite war sie ihren Peiniger bereits seit zehn Monaten los. Bei mir war es erst einen Monat her. Und bis zu dem Tag, an dem er starb, war ich &uuml;berzeugt gewesen, nie aus der Sache herauszukommen.</p> <p>Bis jemand das Problem mit einer Kugel f&uuml;r mich gel&ouml;st hatte.</p> <p>Maureen seufzte schwer und nahm sich ein paar K&auml;sew&uuml;rfel vom Tisch. &bdquo;Sch&ouml;n&ldquo;, sagte sie und begann mit monotoner Stimme zu reden, w&auml;hrend sie ihren Blick gesenkt hielt. &bdquo;Brent und ich haben jung geheiratet, weil ich schwanger war. Unsere Eltern hatten darauf bestanden. Wir waren noch nicht bereit, erwachsen zu sein, also waren wir zuerst furchtbar schlecht darin, verheiratet zu sein und Verantwortung zu &uuml;bernehmen. Als Padgett noch klein war, war es schlimmer, weil er es nicht ausstehen konnte, sie weinen zu h&ouml;ren. Er h&ouml;rte nie wirklich auf, aber es wurde seltener, sodass ich es verbergen konnte. Also blieb ich.&ldquo;</p> <p>Als sie fertig war, warf sie sich einen K&auml;sew&uuml;rfel in den Mund und leerte ihr fast volles Weinglas in einem Zug.</p> <p>Nun f&uuml;hlte ich mich schlecht, weil ich &uuml;ber den Kommentar mit den Kindern gelacht hatte.</p> <p>Crystal schaute sie mitf&uuml;hlend an. &bdquo;Wie oft warst du in der Notaufnahme?&ldquo;</p> <p>&bdquo;F&uuml;nfmal. Das letzte Mal liegt noch nicht lange zur&uuml;ck.&ldquo; Maureen schaute sie mit glitzernden Augen an. &bdquo;Und ein sechstes Mal wird es nicht geben, nicht wahr?&ldquo;</p> <p>Einen Moment lang war ich beinahe stolz auf Maureen mit ihren Designerklamotten, dem teuren Haarschnitt und dem herausfordernden Blick, der sagte: <i>Er ist tot und ich bin gl&uuml;cklich dar&uuml;ber &mdash; was willst du dagegen tun?</i> Doch dann fiel mir der eigentliche Groll wieder ein, den ich gegen sie hegte und der weit &uuml;ber die Highschool hinausging, und sie tat mir einfach nur noch leid. Mehr oder weniger.</p> <p>Shara dr&uuml;ckte Maureens Hand. &bdquo;Ich nehme an, du m&ouml;chtest, dass ich als N&auml;chste spreche&ldquo;, sagte sie und schaute Crystal mit hochgezogener Augenbraue an. &bdquo;Ich meine, eigentlich gibt es da nicht viel zu erz&auml;hlen. Harrison war Chirurg, ein wichtiger Mann. Er hatte &hellip; einen gesunden Appetit, der befriedigt werden musste. Das ist alles.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Was er getan hat, w&uuml;rde ich nicht unbedingt &sbquo;gesund&lsquo; nennen&ldquo;, sagte Crystal. &bdquo;Komm schon, Shara. Gruppentherapie hat nur einen Sinn, wenn man wirklich dar&uuml;ber redet. Wenn du das nicht tust, kann die Gruppe dich nicht unterst&uuml;tzen.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Das ist barbarisch&ldquo;, murmelte Shara leise, fuhr aber fort. &bdquo;Na gut. Alles spielte sich im Schlafzimmer ab&ldquo;, sagte sie unsicher. &bdquo;Er &hellip; oh, Gott, ich wei&szlig; nichts dar&uuml;ber. Wie oft muss ich das erkl&auml;ren?&ldquo;</p> <p>Maureen legte einen Arm um sie. &bdquo;Du schaffst das. Ich bin bei dir&ldquo;, sagte sie. &bdquo;Lass es raus, dann wird es dir besser gehen.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Gut.&ldquo; Shara biss sich auf die Lippe. &bdquo;Harrison behauptete, dass er auf S&amp;M stand, Sadomasochismus. Ihr wisst schon, dieses Fifty-Shades-Of-Gray-Zeug. Aber in Wirklichkeit hat es ihm einfach nur gefallen, mir beim Sex Schmerzen zuzuf&uuml;gen.&ldquo; Ein sichtbarer Schauder durchlief sie. &bdquo;Und er wollte keine Kinder, weil er meinte, dass eine Geburt meine &hellip; ihr wisst schon &hellip; ruinieren w&uuml;rde.&ldquo; Sie schluckte. &bdquo;Mich zu sehr dehnen&ldquo;, sagte sie schnell. &bdquo;Es tut mir leid, aber mehr m&ouml;chte ich wirklich nicht erz&auml;hlen, okay?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Nat&uuml;rlich&ldquo;, sagte Crystal beruhigend. &bdquo;M&ouml;chtest du uns sagen, wie oft du in der Notaufnahme gewesen bist? Wenn nicht, ist es auch in Ordnung.&ldquo;</p> <p>Als Shara ihren Kopf hob, lief eine einzelne Tr&auml;ne &uuml;ber ihre Wange. &bdquo;Nur einmal&ldquo;, fl&uuml;sterte sie. &bdquo;Es gab noch ein paar Gelegenheiten, zu denen ich wohl h&auml;tte gehen sollen. Aber meine Verletzungen waren so &hellip;&ldquo; Sie sch&uuml;ttelte den Kopf. &bdquo;Es war besch&auml;mend. Ich wollte nicht, dass es jemand sieht.&ldquo;</p> <p>Wei&szlig;gl&uuml;hende Wut ballte sich in mir zusammen, als ich h&ouml;rte, was diese Frauen mit ihren arroganten, selbsts&uuml;chtigen M&auml;nnern durchgemacht hatten. Es war die richtige Entscheidung gewesen, hierherzukommen. Als Crystal mich kurz nach der Beerdigung meines Mannes eingeladen hatte, war ich nicht sicher gewesen, ob es eine gute Idee war. Es schien mir riskant, besonders weil Maureen hier war. Die ersten beiden Treffen waren auch wirklich unangenehm gewesen, weil drei von uns eine gemeinsame Vergangenheit hatten, von der Crystal nichts wusste. Aber die Erleichterung zu sehen, die sie hieraus zogen, und die M&ouml;glichkeit, es ihnen gleichzutun, war es wert.</p> <p>Als Shara fertig war, herrschte eine tiefe Stille. Schlie&szlig;lich schaute Crystal mich an. &bdquo;Lexi?&ldquo;, sagte sie. &bdquo;Glaubst du, du kannst deine Geschichte mit uns teilen?&ldquo;</p> <p>Eigentlich wollte ich nicht. Alles f&uuml;hlte sich noch so frisch an und mich besch&auml;ftigte nicht nur der unerwartete Tod meines Mannes und meine pl&ouml;tzliche Freiheit, sondern auch die Situation mit der Polizei, die schlechter statt besser zu werden schien. Davon hatte ich der Gruppe noch nichts erz&auml;hlt. Wenn sie w&uuml;ssten, was man mir vorwarf, w&uuml;rden sie mich vielleicht ablehnen, bevor sie mich kennenlernten &hellip; Und ich hatte das Gef&uuml;hl, dass ich jemanden an meiner Seite brauchen k&ouml;nnte. Doch sie hatten bereits ihre Seelen entbl&ouml;&szlig;t, also fand ich, dass ich mich nicht mit der Ausrede der trauernden Witwe aus der Aff&auml;re ziehen konnte. Ich nahm einen zittrigen Atemzug und begann zu reden.</p> <p>&bdquo;Ob ihr es glaubt oder nicht, Dolan war ein guter Vater&ldquo;, sagte ich. &bdquo;Ich wei&szlig;, dass das nach der Entschuldigung klingt, die Frauen gern nutzen, um zu rechtfertigen, dass sie geblieben sind, aber es ist wahr. Er konnte toll mit den Kindern umgehen. Sie vermissen ihn auch wirklich.&ldquo; Tr&auml;nen stiegen mir in die Augen. Ich wischte sie fort. &bdquo;Meistens war er auch gut zu mir. Es tat ihm &hellip; leid. Wisst ihr?&ldquo; Ich schaute die anderen an und hoffte, in ihren Augen Verst&auml;ndnis zu sehen. Nat&uuml;rlich verstanden sie mich alle. Sogar die zickige Maureen. &bdquo;Nicht so sehr, dass er es nie wieder getan h&auml;tte. Doch jedes Mal, wenn es passierte, brachte er mir Blumen und Geschenke und versprach, sich zu bessern.&ldquo; Ich hatte nicht vor, im Detail zu erz&auml;hlen, was Dolan mir angetan hatte. Das konnte ich nicht. Doch ich war mir sicher, dass sie sich alle eine Menge vorstellen konnten.</p> <p>&bdquo;Ach, Liebes, das tut mir so leid&ldquo;, sagte Crystal, ihre Augen voller Mitgef&uuml;hl. &bdquo;M&ouml;chtest du uns sagen, wie oft du in der Notaufnahme gewesen bist?&ldquo;</p> <p>Ich sch&uuml;ttelte den Kopf. Nicht, weil ich es verheimlichen wollte, sondern weil ich nicht richtig begriff, warum Crystal so von der Anzahl unserer Besuche in der Notaufnahme besessen war. Ich fragte mich, ob sie damit auf irgendetwas hinauswollte, w&uuml;rde ihre Theorie aber nun auf die Probe stellen.</p> <p>&bdquo;Ich war nie dort&ldquo;, gestand ich. &bdquo;Ein paarmal h&auml;tte ich wohl gehen sollen, aber ich habe es nicht getan. Wenn auch nicht aus denselben Gr&uuml;nden wie Shara&ldquo;, f&uuml;gte ich schnell hinzu, damit sie nicht auf die Idee kam, ich h&auml;tte ihre Story geklaut. &bdquo;Ich wollte die Kinder nicht allein lassen. Sie sind noch so klein. Dolan war ein guter Vater, wollte die Kinder aber nicht allein betreuen.&ldquo;</p> <p>Die anderen nickten verst&auml;ndnisvoll, selbst die kinderlose Shara. Obwohl ich es beinahe erwartet hatte, &uuml;berraschte es mich, als ein Gef&uuml;hl der Ruhe sich in mir ausbreitete. Vielleicht das Beste, was ich seit Dolans Tod gef&uuml;hlt hatte. Diese Gruppe war vielleicht fragw&uuml;rdig besetzt und nicht genehmigt. Welche Organisation w&uuml;rde auch in eine Gruppe f&uuml;r Frauen mit einem so speziellen Trauma investieren? &bdquo;Misshandelte Frauen, deren Ehem&auml;nner vom Crossed Hearts Killer ermordet worden waren&ldquo; ergab keine so sch&ouml;ne Abk&uuml;rzung wie Anonyme Alkoholiker oder M&uuml;tter gegen Trunkenheit am Steuer. Doch hier sa&szlig;en wir und unterst&uuml;tzten einander. Aus der Asche der Trag&ouml;die war etwas Positives erwachsen. Und vielleicht w&uuml;rden wir eines Tages alle unseren inneren Ph&ouml;nix entdecken.</p> <h2>Kapitel 3</h2> <h2>Joslyn</h2> <p>Am n&auml;chsten Morgen bewegte ich mich langsam. Die Zwillinge w&auml;ren beinahe zu sp&auml;t zur Schule gekommen. Zum Gl&uuml;ck waren sie wegen eines Kunstprojekts in ihrer Klasse so aufgeregt und abgelenkt, dass sie nicht viel mitbekamen. Rory fragte mich, ob es mir gut ginge, als ich beim Einsteigen ins Auto zusammenzuckte.</p> <p>Die letzte Nacht war nicht die schlimmste gewesen. Zumindest war Matthew guter Laune gewesen, als er heute Morgen zur Arbeit gefahren war, also w&uuml;rde er es in n&auml;chster Zeit vermutlich nicht wieder tun.</p> <p>Ich hatte mich beinahe schon &uuml;berzeugt, Crystal nicht zu besuchen. Heute musste ich ein hochgeschlossenes Oberteil tragen, obwohl es drau&szlig;en warm war, und sie w&uuml;rde sofort wissen, warum. Doch dann warf ich einen Blick in den Kalender und mir fiel auf, wie lange es schon her war, dass ich mit jemandem Kontakt gehabt hatte, der nicht in meinem Haushalt lebte, und war entsetzt, dass es schon viel l&auml;nger her war, als ich gedacht hatte.</p> <p>Sechs Wochen. Und selbst da war ich nicht mit einer Freundin allein gewesen. Es war ein Elternabend in der Schule der M&auml;dchen gewesen und es hatte mich &uuml;berrascht, dass Matthew mich hatte teilnehmen lassen. Nat&uuml;rlich war er nicht mit mir gegangen.</p> <p>Crystal hatte ich seit &uuml;ber zwei Monaten nicht mehr gesehen. Seit dem Ende des Sommers.</p> <p>Es war kurz nach halb neun, als ich in die Auffahrt des leicht pomp&ouml;sen zweist&ouml;ckigen Hauses fuhr, das ihr Mann hatte bauen lassen, um seinen Reichtum zur Schau zu stellen, und vor der geschlossenen Garage parkte. Das Haus befand sich in der Stadtmitte, ein paar Bl&ouml;cke vom gr&ouml;&szlig;ten Gesch&auml;ftsviertel in Meadowdale entfernt. Nat&uuml;rlich hatte George den Standort ausgesucht. Er wollte sichergehen, dass niemand es &uuml;bersah.</p> <p>Ich wusste, dass Crystal bereits auf war, weil ihr neunj&auml;hriger Sohn Ajax auf dieselbe Schule ging wie die M&auml;dchen. Dennoch h&auml;tte ich beinahe gekniffen und war bereits dreimal wieder auf dem Weg zum Auto gewesen, bevor ich es zur Haust&uuml;r schaffte und klingelte.</p> <p>Einen Moment sp&auml;ter &ouml;ffnete Crystal die T&uuml;r und schaute heraus. Ihre leicht wachsame Miene, die verriet, dass sie niemanden erwartet hatte, verwandelte sich augenblicklich in ein strahlendes L&auml;cheln.</p> <p>&bdquo;Joslyn!&ldquo;, s&auml;uselte sie und &ouml;ffnete die T&uuml;r weit. &bdquo;Wo bist du gewesen? Ich &hellip;&ldquo;</p> <p>Sie brach ab, als sie den Rollkragen bemerkte, das zu dick aufgetragene Make-up, mein niedergeschlagenes Aussehen.</p> <p>&bdquo;Dieser Bastard&ldquo;, sagte sie durch zusammengepresste Z&auml;hne. Ohne ein weiteres Wort legte sie behutsam eine Hand auf meinen R&uuml;cken und f&uuml;hrte mich hinein. &bdquo;Wie schlimm ist es?&ldquo;, fragte sie, nachdem sie die T&uuml;r geschlossen hatte.</p> <p>Ich sch&uuml;ttelte den Kopf. &bdquo;Nicht besonders&ldquo;, log ich. &bdquo;Ich dachte, wir k&ouml;nnten einen Kaffee trinken und ein bisschen quatschen. Wir haben uns eine Weile nicht gesehen.&ldquo;</p> <p>Crystal sah aus, als wollte sie die Wahrheit h&ouml;ren, doch dann l&auml;chelte sie traurig. &bdquo;Da hast du Gl&uuml;ck. Ich habe gerade eine Kanne gemacht&ldquo;, sagte sie. &bdquo;Komm herein.&ldquo;</p> <p>Dankbar, dass sie mich zumindest nicht sofort ausfragen w&uuml;rde, folgte ich ihr durch das unglaublich saubere, helle Wohnzimmer, das dazu in Kontrast stehende dunklere Esszimmer, das keine Fenster hatte, in die K&uuml;che, wo es wieder hell und sauber war. Ihre K&uuml;che war fast so gro&szlig; wie meine, aber Crystal kochte nicht besonders gern. Sie hatte einfach gern viel Platz.</p> <p>Sie bestand darauf, dass ich an der K&uuml;cheninsel Platz nahm, w&auml;hrend sie Kaffee eingoss und ein paar Kleinigkeiten auf einem Tablett anrichtete &ndash; Geb&auml;ckst&uuml;cke von der angesagtesten B&auml;ckerei der Stadt, frisches Obst, ein paar Schokoladenpralinen, die sie offenbar gerade vorr&auml;tig gehabt hatte.</p> <p>Als sie sich mir gegen&uuml;ber setzte und das Tablett zwischen uns abstellte, schaute sie mich wieder aus zusammengekniffenen Augen an. Wahrscheinlich hatte sie bemerkt, dass ich mich nicht auf dem Stuhl zur&uuml;cklehnte.</p> <p>&bdquo;Wei&szlig;t du&ldquo;, sagte sie, hob ihre Kaffeetasse und nahm einen Schluck, wobei sie meinen Blick mied. &bdquo;Ich hoffe, dass der Crossed Hearts Killer sich als N&auml;chsten Matthew vorkn&ouml;pft.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Sag das nicht!&ldquo; Kurz schaute ich mich panisch um, als w&uuml;rde mein Ehemann irgendwo in einer Ecke stehen und in den Schatten darauf warten zuzuschlagen.</p> <p>&bdquo;Warum nicht? Du verdienst es, von ihm befreit zu sein, S&uuml;&szlig;e.&ldquo;</p> <p>Ich st&ouml;hnte und nahm einen Schluck Kaffee, um mich abzulenken. &bdquo;Ich wei&szlig;. Ich wei&szlig;, dass ich ihn verlassen sollte&ldquo;, sagte ich. &bdquo;Es ist nur &hellip; Nun, so einfach ist das nicht.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Ach S&uuml;&szlig;e, als w&uuml;rde ich das nicht wissen. Du tr&auml;gst hier gerade Eulen nach Athen.&ldquo; Sie streckte ihre Hand aus und dr&uuml;ckte meine. &bdquo;H&ouml;r zu, sollte es jemals etwas geben, womit ich dir helfen kann, sag es einfach und ich werde es tun. Dabei belassen wir es nun, ja?&ldquo;</p> <p>Ich nickte. &bdquo;Danke&ldquo;, fl&uuml;sterte ich mit Tr&auml;nen in den Augen.</p> <p>Sie gab mir ein paar Minuten, um mich zu sammeln, und plauderte dann, als h&auml;tte die vorherige Unterhaltung nicht stattgefunden. Das liebte ich an Crystal: Sie wusste immer, was sie sagen konnte und was nicht. &bdquo;Was machen die M&auml;dchen?&ldquo;, fragte sie.</p> <p>&bdquo;Es geht ihnen gut. Sie lieben es in der ersten Klasse&ldquo;, erz&auml;hlte ich ihr. &bdquo;Und Ajax?&ldquo;</p> <p>Sie lachte leise. &bdquo;Wie immer. Unbegreiflich&ldquo;, sagte sie. &bdquo;Er ist ein stilles Wasser, dieser Junge. Ich bin froh, wenn ich am Tag zwanzig W&ouml;rter aus ihm herausbekomme. Aber vor kurzem habe ich das Geheimnis der Kommunikation mit ihm gelernt.&ldquo; Sie beugte sich vor und senkte ihre Stimme zu einem dramatischen Fl&uuml;stern. &bdquo;Wenn ich dieselben B&uuml;cher lese wie er, redet er mit mir &uuml;ber sie.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Ach, wie sch&ouml;n! Ich wusste gar nicht, dass du gern liest&ldquo;, sagte ich und sp&uuml;rte sofort, wir mir die R&ouml;te ins Gesicht stieg. Das klang wirklich unsensibel. Ich meinte nur, dass das Thema B&uuml;cher noch nie zwischen uns aufgekommen war, weil wir normalerweise &uuml;ber weniger erfreuliche Dinge sprachen. Aber bei ihrem Hintergrund hatte es m&ouml;glicherweise geklungen, als ob ich sie f&uuml;r ungebildet hielt.</p> <p>Aber Crystal lachte nur. &bdquo;Keine Sorge, ich wei&szlig;, was du meinst&ldquo;, sagte sie. &bdquo;Aber ja, ich lese gern. Daher hat Ajax das. Von seinem Vater hat er es ganz sicher nicht. Au&szlig;erdem w&uuml;rde es ja nicht viel Sinn ergeben, ein Buch zu schreiben, wenn ich gar keine B&uuml;cher m&ouml;gen w&uuml;rde.&ldquo;</p> <p>Ich starrte sie an. &bdquo;Du hast ein Buch geschrieben?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Herrgott, wir haben uns wirklich schon lange nicht mehr gesehen.&ldquo; Sie l&auml;chelte. &bdquo;Ich h&auml;tte schw&ouml;ren k&ouml;nnen, dass ich es dir schon erz&auml;hlt habe. Ich habe ein Angebot von einem Verlag bekommen, ein Buch &uuml;ber den Crossed Hearts Killer zu schreiben. So eine Art True Crime/Biografie, wei&szlig;t du?&ldquo; Sie nahm sich eine Praline und schob sie sich in den Mund. &bdquo;Ich arbeite noch daran, aber es wird toll werden. All die wunderbaren Einzelheiten.&ldquo; Sie zwinkerte mir zu. &bdquo;Willst du es lesen?&ldquo;</p> <p>&bdquo;&Auml;h, nein!&ldquo; Ich lachte und nahm mir selbst eine Praline. Crystal wusste, dass ich kein Blut sehen konnte. Sie hat sich so &uuml;ber mich lustig gemacht, als sie herausfand, dass Horrorfilme mir Angst machen, und zwar so sehr, dass ich mich nach dem letzten, den ich gesehen habe, tats&auml;chlich unterm Bett versteckt habe. Ich nahm an, dass True Crime noch schlimmer war, weil ich wusste, dass all das blutige Zeug wirklich passiert war.</p> <p>Crystal l&auml;chelte mich liebevoll an. &bdquo;Ich w&uuml;nschte, wir w&auml;ren auf der Highschool schon Freundinnen gewesen&ldquo;, sagte sie und schaute dann ernst. &bdquo;Es ist meine Schuld, dass es nicht so war. Damals war ich dir gegen&uuml;ber so ein Mistst&uuml;ck. Ich wei&szlig; nicht, wir du mir je vergeben konntest.&ldquo;</p> <p>Ach je. Die Highschool. Normalerweise vermied ich es, an diesen Lebensabschnitt zu denken. Besonders daran, wie er geendet hatte. Crystal und ich waren beide auf die Monarch Academy gegangen, die Elite-Privatschule, die sich am S&uuml;dende der Stadt im Wald verbarg. Wir hatten im selben Jahr angefangen. Doch Crystal kam aus einer Familie mit altem Reichtum, w&auml;hrend ich nur dank eines Stipendiums dort sein konnte. Wie Kinder so sind, gab die Hackordnung vor, dass sie und ihre Freundinnen mich und meine Second-Hand-Sachen wie M&uuml;ll behandelten. Sie machten sich nie die M&uuml;he, meinen Namen zu lernen, wof&uuml;r ich einmal sehr dankbar sein sollte. Doch das hielt ihre Gang nicht davon ab, mich auf den Fluren, beim Essen und auch au&szlig;erhalb der Schule zu bel&auml;stigen. Sie war nicht so schlimm wie die anderen. Dennoch war sie der letzte Mensch, mit dem ich glaubte, als Erwachsene befreundet zu sein, als die Highschool vorbei war.</p> <p>Bis zu der Nacht, in der wir beide in einer Betreuungsstation in der Stadt landeten, wo Frauen wie wir hingingen, damit niemand sonst sah, was unsere Ehem&auml;nner uns angetan hatten. Irgendwie hatte sie mich unter meinen blauen Flecken erkannt. Sie kam sofort zu mir, setzte sich neben mich und fl&uuml;sterte: &bdquo;Deiner also auch, ja?&ldquo;</p> <p>Ich begann sofort zu weinen, aus purer Erleichterung, dass ich nicht allein war. Und aus dieser gr&auml;sslichen Situation heraus wuchs eine neue Freundschaft.</p> <p>&bdquo;So bist du nicht mehr&ldquo;, sagte ich l&auml;chelnd. Crystal und ich hatten nach der Highschool unterschiedliche Richtungen eingeschlagen. Ich bewegte mich auf den Reichtum zu, w&auml;hrend sie davor weglief. Es war ein Skandal f&uuml;r ihre altehrw&uuml;rdige Familie gewesen, als sie nach ihrem Abschluss Stripperin geworden war, und sie hatten sie enterbt.</p> <p>Dann hatte sie irgendwann wieder Geld, aber zu einem hohen pers&ouml;nlichen Preis. Genau wie ich.</p> <p>Unsere Wege waren also gar nicht so unterschiedlich gewesen.</p> <p>&bdquo;Da hast du recht. Als Teenager war ich gr&auml;sslich.&ldquo; Crystal zog eine Grimasse. &bdquo;Hey, ich hoffe, du l&auml;sst nicht wieder zwei Monate verstreichen, bis wir uns wieder treffen&ldquo;, sagte sie. &bdquo;Warum kommst du eigentlich nicht in meine Gruppe? Wir hatten erst gestern Abend ein Treffen. Du w&uuml;rdest sie alle m&ouml;gen. Niemand f&auml;llt dort ein Urteil. Na ja, Maureen vielleicht&ldquo;, sie lachte. &bdquo;Aber an sie gew&ouml;hnst du dich.&ldquo;</p> <p>Ich sch&uuml;ttelte meinen Kopf, bevor sie zu Ende gesprochen hatte. &bdquo;Ist das nicht f&uuml;r durch den &hellip; du wei&szlig;t schon, den Killer verwitwete Frauen?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Es ist f&uuml;r missbrauchte Witwen&ldquo;, pr&auml;zisierte sie. &bdquo;Und ich bin sicher, dass es niemanden st&ouml;ren w&uuml;rde, wenn du k&auml;mst. Du bist doch so gut wie Witwe.&ldquo;</p> <p>Ich sp&uuml;rte einen Klo&szlig; in meinem Hals und schob die schlimmen Bilder aus meiner Vergangenheit beiseite. Crystal war meine einzige Freundin, und sie war auch die Einzige, der ich von meiner ersten kurzen Ehe direkt nach der Highschool erz&auml;hlt hatte. Doch ich hatte ihr nicht alles gebeichtet.</p> <p>&bdquo;Nein. Danke, aber das f&uuml;hlt sich nicht richtig an&ldquo;, sagte ich. &bdquo;Au&szlig;erdem w&uuml;rde Matthew mich niemals &hellip;&ldquo;</p> <p>&bdquo;Lassen?&ldquo;, beendete sie den Satz, als ich es nicht tat. In ihren gr&uuml;nen Augen blitzte kurz Wut auf.</p> <p>Ich seufzte. &bdquo;Er w&uuml;rde wissen wollen, worum es geht und warum ich teilnehmen m&ouml;chte&ldquo;, sagte ich. &bdquo;Und &hellip; ich habe ihm nie von Ricky erz&auml;hlt.&ldquo;</p> <p>Sie &ouml;ffnete den Mund. Ich war sicher, dass sie mich tadeln wollte, weil ich meine schreckliche Ehe auf einer gro&szlig;en L&uuml;ge aufgebaut habe, selbst wenn es nur ein Verschweigen war, doch stattdessen schob sie das Geb&auml;ck auf dem Tablett hin und her und nahm sich dann eine B&auml;rentatze. &bdquo;Du solltest auch eine probieren&ldquo;, sagte sie. &bdquo;Wenn du es nicht tust, esse ich sie alle allein und nehme &uuml;ber Nacht zwanzig Kilo zu.&ldquo;</p> <p>Ich entspannte mich und entschied mich f&uuml;r ein Kirsch-Quark-Plunder. Sie war wirklich eine gute Freundin. Die beste.</p> <p>Wenn ich ihr doch auch nur eine bessere Freundin sein und f&uuml;r mich einstehen k&ouml;nnte, wie sie es gern s&auml;he. Doch wie ich bereits sagte, es war kompliziert. Besonders wegen der Sache, von der sie nichts wusste.</p> <p>&bdquo;Ernsthaft jetzt&ldquo;, sagte Crystal, nachdem sie ihr Geb&auml;ck gegessen hatte. &bdquo;Kommst du klar? Denn ich kann ganz leicht ein Eingreifen arrangieren.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Es wird schon gehen. Heute Morgen war er gut gelaunt&ldquo;, sagte ich und schob die d&uuml;stere Erkenntnis beiseite, dass es ihm gute Laune bereitete, mich zu verletzen. Danach war er immer gl&uuml;cklich. &bdquo;Au&szlig;erdem geht er dieses Wochenende jagen und bleibt &uuml;ber Nacht mit irgendwelchen Freunden in einer H&uuml;tte.&ldquo;</p> <p>Crystal verdrehte die Augen. &bdquo;Ich habe es immer gehasst, wenn George jagen ging&ldquo;, sagte sie. &bdquo;Er kam immer zur&uuml;ck und stank wie wei&szlig; Gott was. Es war gr&auml;sslich. Und er lehrte mich, einen Hirsch aufzuschneiden. Ekelhaft.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Der Geruch ist wirklich schlimm&ldquo;, sagte ich und grinste dann. &bdquo;Aber Matthew hat noch nie wirklich etwas erlegt. Ich bin ziemlich sicher, dass er das auch gar nicht vorhat. Ich meine, er ist Anwalt, um Himmels willen. So sehr er sich auch auf die Brust trommelt, er w&uuml;rde in Ohnmacht fallen, wenn er ein totes Tier ber&uuml;hren sollte.&ldquo; Ich schwieg kurz und f&uuml;gte dann hinzu: &bdquo;Es sei denn, er hat es im Mund, mit Meersalz und Oliven&ouml;l leicht angebraten. Dann lechzt er danach.&ldquo;</p> <p>Crystal starrte mich an und brach dann in Gel&auml;chter aus. Es dauerte nicht lange, bis ich einfiel. Es f&uuml;hlte sich gut an, &uuml;ber meinen Ehemann zu lachen, wenn auch nur f&uuml;r eine Minute, und zu wissen, dass es keine Konsequenzen geben w&uuml;rde.</p> <p>Ich brauchte diese Momente des gestohlenen Lichts, um durch die Dunkelheit zu kommen, die immer irgendwo vor mir lag.</p> <h2>Kapitel 4</h2> <h2>Lexi</h2> <p>Es war an der Zeit, das Abendessen f&uuml;r beendet zu erkl&auml;ren. Martin, mit zw&ouml;lf Jahren mein &Auml;ltester, hatte zwei Teller Roastbeef, Kartoffelp&uuml;ree und Karotten geleert und dr&uuml;ckte seine Komplimente an die K&ouml;chin aus, indem er so laut r&uuml;lpste, wie er konnte. Das am&uuml;sierte den f&uuml;nfj&auml;hrigen Timmy und entsetzte seine zehnj&auml;hrige Schwester Cynthia.</p> <p>&bdquo;Das ist wirklich ein Kompliment&ldquo;, sagte Martin zu mir, nachdem er einen R&uuml;lpser produziert hatte, der die W&auml;nde zum Beben brachte. &bdquo;Wir haben heute in der Schule dar&uuml;ber gelesen. Wenn du den Tisch unordentlich hinterl&auml;sst und r&uuml;lpst, wenn du fertig bist, bedeutet das, dass es dir geschmeckt hat.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Ja, so ist es. In China&ldquo;, sagte ich und w&auml;re angesichts seines erstaunten Blicks beinahe in Gel&auml;chter ausgebrochen.</p> <p>&bdquo;Hey, ich bin auf dieselbe Schule gegangen wie du und habe dieselben B&uuml;cher gelesen. Aber in diesem Land entschuldigen wir uns, wenn wir r&uuml;lpsen, in Ordnung?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Okay, gut. Entschuldigung, f&uuml;nf Mal.&ldquo; Er grinste. &bdquo;Oh, warte, vielleicht sechs Mal. Hier kommt noch einer.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Mom!&ldquo;, jammerte Cynthia. &bdquo;Er soll aufh&ouml;ren. Er ist so eklig.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Martin, bitte versuch, zwei Dezibel nicht zu &uuml;berschreiten und &auml;rgere deine Schwester nicht mit Absicht&ldquo;, sagte ich. &bdquo;Du bist heute mit Tischabr&auml;umen dran. Cynthia, kannst du alles in die Sp&uuml;lmaschine r&auml;umen?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Ja, Mom&ldquo;, grummelten sie beide.</p> <p>Timmy h&ouml;rte auf, eine Karotte im Rest seiner So&szlig;e hin und herzuschieben wie ein Boot und zog Martin am T-Shirt. Seine Finger hinterlie&szlig;en klebrige Abdr&uuml;cke, und einen Moment lang dachte ich an die Gruppe gestern Abend und Maureens tonlosen Bericht &uuml;ber die Gr&auml;ueltaten ihres Mannes. Vielleicht h&auml;tte das ausreichen sollen, damit ich ihr verzieh, doch das tat ich nicht. Zumindest noch nicht.</p> <p>&bdquo;Hey, Martin! Ich kann dir mit dem Tisch helfen&ldquo;, sagte Timmy. &bdquo;Spielst du dann mit mir Lego? Bitte?&ldquo;</p> <p>Manchmal war Martin ein bisschen frech, wenn Timmy ihn bat, mit ihm zu spielen, wie es unter Geschwistern &uuml;blich war. Dann musste ich ihn b&ouml;se anschauen, damit er lieb war. Doch seit ihr Vater gestorben war, waren die Kinder meistens besonders nett zueinander. Zumindest, wenn nicht eines von ihnen laut am Tisch r&uuml;lpste.</p> <p>&bdquo;Okay, Timmy&ldquo;, sagte er. &bdquo;Du nimmst das Besteck und nachher bauen wir Legoroboter.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Jippie!&ldquo; Timmy warf seine Arme hoch und das Karottenst&uuml;ckchen flog durch die Essecke an die gegen&uuml;berliegende Wand und hinterlie&szlig; eine orangebraune Spur, als es daran hinabglitt.</p> <p>Mein J&uuml;ngster kicherte. &bdquo;Ups&ldquo;, sagte er.</p> <p>&bdquo;Ja, ups.&ldquo; Ich streckte eine Hand aus und verwuschelte ihm l&auml;chelnd die Haare. &bdquo;Na los, Jungs, r&auml;umen wir schnell auf.&ldquo;</p> <p>Ich war gerade vom Tisch aufgestanden, als es an der Haust&uuml;r klingelte.</p> <p>Cynthias Miene hellte sich auf. &bdquo;Kann ich gehen, Mom?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Nein&ldquo;, sagte ich geistesabwesend mit einem schwerm&uuml;tigen Blick ins Wohnzimmer und konzentrierte mich dann auf meine Tochter. &bdquo;Tut mir leid, S&uuml;&szlig;e. Wir erwarten keinen Besuch. Es k&ouml;nnte also jeder sein. Ich verspreche dir, dass du das n&auml;chste Mal, wenn Padgett kommt, die T&uuml;r &ouml;ffnen darfst, ja?&ldquo;</p> <p>Kurz zog sie eine Schnute. &bdquo;Auch wenn du hier unten bist und ich oben bin?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Auch dann.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Okay&ldquo;, sagte sie. &bdquo;Abgemacht.&ldquo;</p> <p>Wieder klingelte es und mein schlechtes Gef&uuml;hl wuchs. Unser letzter unerwarteter Besucher war hier gewesen, um mir mitzuteilen, dass mein Ehemann tot war.</p> <p>&bdquo;Bleibt hier, Leute, ich mache das&ldquo;, sagte ich zu den Kindern und ging dann widerstrebend ins Wohnzimmer. Die schmalen Fenster neben der Haust&uuml;r erlaubten mir keinen Blick auf den, der drau&szlig;en stand, doch es gab einen Spion, durch den ich jetzt schaute. Beinahe w&auml;re mir das Abendessen wieder hochgekommen.</p> <p>Ich holte tief Luft und &ouml;ffnete die T&uuml;r, bevor ich mich wieder abwenden und fortlaufen konnte. &bdquo;Detectives&ldquo;, sagte ich steif. &bdquo;Kann ich Ihnen helfen?&ldquo;</p> <p>Detective Oscar Mulligan, der &Auml;ltere von beiden, l&auml;chelte mich falsch an. &bdquo;Guten Abend, Mrs Barrow. Wir m&ouml;chten Ihnen nur ein paar Fragen stellen&ldquo;, sagte er. &bdquo;Ich hoffe, wir kommen nicht ungelegen.&ldquo;</p> <p>Es kam immer ungelegen, wenn die Polizei mich mit Fragen &uuml;ber den Mord an meinem Ehemann l&ouml;cherte, obwohl ich es verdammt noch mal nicht getan habe. Aber das konnte ich nat&uuml;rlich nicht laut sagen. Ebenso wenig konnte ich mich weigern, ihre Fragen zu beantworten, weil sie mich dann aufs Revier mitnehmen w&uuml;rden.</p> <p>Ich unterdr&uuml;ckte ein Seufzen und trat aus dem Weg. &bdquo;Kommen Sie herein&ldquo;, sagte ich und wartete, bis Mulligan und sein Partner, Detective Diona Garvel, im Haus waren. &bdquo;Geben Sie mir eine Minute?&ldquo; Ich bedeutete ihnen, im Wohnzimmer Platz zu nehmen. &bdquo;Ich muss meinen Kindern sagen, dass ich mit Ihnen spreche.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Nat&uuml;rlich.&ldquo; Garvel, die etwas mitf&uuml;hlender war als ihr Partner, antwortete f&uuml;r sie beide. Sie setzte sich auf die Couch und starrte Mulligan an, bis er dasselbe tat. Ich hatte bereits vermutet, dass sie ebenfalls Mutter war, als ich sah, wie sie bei ihrem ersten Besuch hier mit meinen Kindern umging. Sie verstand also, dass die Kinder an erster Stelle standen. Mulligan sah ver&auml;rgert aus. Das tat er allerdings immer, wenn er nicht gerade richtig sauer wirkte. Er trug keinen Ehering und ich war froh, dass keine Frau es zu Hause mit ihm aufnehmen musste. Vielleicht hatte er eine Freundin, dann tat es mir um sie leid.</p> <p>Als ich in die K&uuml;che zur&uuml;ckkehrte, sa&szlig;en alle drei Kinder schweigend am Tisch und Timmy war den Tr&auml;nen nahe. Sie mussten gesehen haben, wer die Besucher waren.</p> <p>&bdquo;Kinder, ist schon gut&ldquo;, sagte ich. &bdquo;Ihr m&uuml;sst noch nicht einmal mehr den Tisch abr&auml;umen, okay? Warum geht ihr nicht alle nach oben und spielt eine Weile? Wenn ich hier fertig bin, rufe ich euch und wir essen Nachtisch.&ldquo;</p> <p>Timmys kleine Lippe zitterte. &bdquo;Mommy, ist noch jemand tot wie Daddy?&ldquo;</p> <p>Seine unschuldige plumpe Frage wirkte wie eine Ohrfeige auf die anderen beiden, die sofort blass wurden.</p> <p>&bdquo;Nein, Sch&auml;tzchen, nicht.&ldquo; Ich ging in die Hocke und umarmte ihn. Dann tat ich dasselbe bei Martin und Cynthia. &bdquo;Es geht allen gut. Die Polizei m&ouml;chte mir nur ein paar Fragen stellen.&ldquo;</p> <p>Wut &uuml;berlagerte nun Martins Angst. &bdquo;Wor&uuml;ber?&ldquo;</p> <p>&bdquo;&Uuml;ber deinen Vater, Schatz&ldquo;, sagte ich.</p> <p>Cynthia blinzelte schnell. &bdquo;Warum wollen sie das? Es macht dich traurig.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Ich wei&szlig;, aber das m&uuml;ssen sie. Es ist ihre Aufgabe, Fragen zu stellen, wenn etwas Schlimmes passiert, wie das, was mit Daddy geschehen ist.&ldquo;</p> <p>Martin starrte b&ouml;se in Richtung Wohnzimmer. &bdquo;Nun, ich wei&szlig; auf jeden Fall, was ich <i>nicht</i> werde, wenn ich gro&szlig; bin&ldquo;, sagte er viel zu laut. &bdquo;Polizist!&ldquo;</p> <p>Ich musste eine Hand auf meinen Mund legen, um nicht zu lachen. Das w&auml;re definitiv unangebracht. &bdquo;Dann ist es ja gut, dass dich niemand dazu zwingt&ldquo;, sagte ich mit einem Zwinkern. &bdquo;Jetzt geht und macht euch keine Sorgen. Sie werde nicht lange hier sein.&ldquo;</p> <p>Widerstrebend trollten sich die drei die Treppe hinauf. Martin hielt Timmy an der Hand. Ich wartete, bis ich h&ouml;rte, wie Zimmert&uuml;ren ge&ouml;ffnet und geschlossen wurden, und ging dann zu den beiden Polizisten.</p> <p>&bdquo;Nettes Kind&ldquo;, bemerkte Mulligan, als ich mich in einen der Sessel setzte. &bdquo;Sehr h&ouml;flich.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Ich erziehe meine Kinder zur Ehrlichkeit, Detective Mulligan&ldquo;, sagte ich so ruhig ich konnte. &bdquo;Und manchmal ist die Ehrlichkeit nicht h&ouml;flich.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Wundervoll. Wie w&auml;re es dann, wenn Sie anfingen, mit mir ehrlich zu sein?&ldquo;, sagte er, beugte sich vor und st&uuml;tzte seine Unterarme auf seine Oberschenkel. &bdquo;Wer auch immer Ihren Ehemann ermordet hat, hat versucht, es aussehen zu lassen, als w&auml;re es der Crossed Hearts Killer gewesen. Doch es war nicht ganz richtig. Wissen Sie, warum nicht, Mrs. Barrow?&ldquo;</p> <p>Ich antwortete nicht. Sie hatten mir bereits gesagt, dass Dolan nicht so arrangiert worden war wie die anderen Opfer. Deshalb gingen sie davon aus, es mit einem Trittbrettfahrer zu tun zu haben. Und sie glaubten, dieser Trittbrettfahrer sei ich, die versuchte, mit dem Mord davonzukommen, indem sie ihn einem Serient&auml;ter in die Schuhe schob. Ich konnte gar nicht richtig begreifen, dass ich in diesem Mordfall ernsthaft als Verd&auml;chtige in Betracht gezogen wurde.</p> <p>Nein, er war nicht gerade der Ehemann des Jahres gewesen, aber ich h&auml;tte Dolan nie get&ouml;tet.</p> <p>&bdquo;Mrs. Barrow?&ldquo;, hakte der Detective nach. &bdquo;Erinnern Sie sich?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Ich habe meinen Ehemann nicht get&ouml;tet&ldquo;, sagte ich und antwortete mit Absicht nicht auf seine dumme Frage.</p> <p>&bdquo;Das sagen Sie.&ldquo; Mulligan tauschte einen Blick mit Garvel. &bdquo;Aber ich <i>wei&szlig;</i>, dass es nicht der Serienm&ouml;rder war. Nicht nur, weil seine H&auml;nde nicht &uuml;ber dem Herzen gekreuzt waren. Sie wissen schon, das kleine Detail, das wir aus den Medien herausgehalten haben, von dem wir Ihnen bereits erz&auml;hlten. Sie waren doch so &uuml;berrascht, als Sie es erfuhren.&ldquo;</p> <p>Verdammt noch mal. Nat&uuml;rlich war ich &uuml;berrascht gewesen. Ich war &uuml;berrascht gewesen, dass mein Mann tot war.</p> <p>&bdquo;Wie dem auch sei, ich schweife ab. Daf&uuml;r k&ouml;nnte es alle m&ouml;glichen Gr&uuml;nde geben, nicht wahr?&ldquo; Ein schmieriges L&auml;cheln breitete sich auf dem Gesicht des Detectives aus, und ich wusste, dass er auf etwas hinauswollte. &bdquo;Vielleicht hat sich Ihr Ehemann gewehrt. Das h&auml;tte er auf jeden Fall getan, wenn er seinen Angreifer kannte&ldquo;, sagte er betont. &bdquo;Oder vielleicht hat der Crossed Hearts Killer einfach nur &hellip; vergessen, die Arme seines Opfers zu kreuzen. Sie wissen schon, nur dieses eine Mal.&ldquo; Mulligan richtete sich auf und verschr&auml;nkte seine H&auml;nde vor sich, um sein gro&szlig;es Finale zu verk&uuml;nden. &bdquo;Ihr Ehemann wurde nicht mit einer Neun-Millimeter-Ruger get&ouml;tet wie die anderen Opfer. Er wurde mit einem Gewehr erschossen. Um genau zu sein, mit einer 30-30-Winchester.&ldquo;</p> <p>Bevor ich darauf reagieren konnte, fiel Garvel ein. &bdquo;Mrs. Barrow, es liegt auf der Hand, dass Ihr Ehemann nicht von der Person get&ouml;tet wurde, die wir den Crossed Hearts Killer nennen&ldquo;, sagte sie. &bdquo;Im Licht dieser neuen Beweise m&uuml;ssen wir Sie fragen, ob Sie eine 30-30-Winchester besitzen.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Nein! Nat&uuml;rlich nicht.&ldquo; Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Sie glaubten wirklich nicht, dass es der Serienm&ouml;rder gewesen war. <i>Wer hat meinen Mann also umgebracht?</i> Ich war es zumindest nicht, und ein Motiv f&auml;llt mir auch nicht ein, abgesehen davon, dass er ein Arschloch war. &bdquo;Ich habe Ihnen bereits gesagt, dass ich keine Waffe besitze. Punkt. Ich habe Kinder hier im Haus.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Das verstehen wir, aber wir m&uuml;ssen fragen.&ldquo; Ich bemerkte, dass Garvel immer &bdquo;wir&ldquo; und &bdquo;uns&ldquo; sagte und damit anerkannte, dass sie einem Team angeh&ouml;rte, wohingegen Mulligan immer &bdquo;ich&ldquo; und &bdquo;mir&ldquo; sagte. &bdquo;Wir haben auch das Waffenregister &uuml;berpr&uuml;ft und festgestellt, dass auf Sie keine Waffen zugelassen sind.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Herrje, und warum fragen Sie dann?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Weil Sie Ihre Waffe wahrscheinlich nicht registrieren lassen w&uuml;rden, wenn Sie eine Verbrecherin sind&ldquo;, sagte Mulligan. &bdquo;Ist es nicht so?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Das wei&szlig; ich nicht, weil ich keine Verbrecherin bin&ldquo;, gab ich zur&uuml;ck.</p> <p>Ich musste mich auf jeden Fall zusammenrei&szlig;en, und das schaffte ich nur, weil der Gedanke an meine Kinder im oberen Stockwerk das Wichtigste war. Diese Polizisten brauchten sicher nicht viel von mir, um zu beschlie&szlig;en, dass es besser war, mich zum Verh&ouml;r aufs Revier zu holen, als hier in meinem Haus zu sitzen, wo ich das Recht besa&szlig;, sie hinauszuwerfen.</p> <p>Mir war schlecht vor Angst und Wut. Keine der anderen Witwen hatten sie so behandelt. Zur ersten, Emily, konnte ich nichts sagen, weil sie sich nicht der Gruppe angeschlossen hatte. Aber Maureen, Shara und Crystal waren wohlhabende wei&szlig;e Damen, die man nicht infrage stellte, wohingegen ich das obere Ende der Arbeiterklasse repr&auml;sentierte und nicht wei&szlig; genug war. Wenn man gemischtrassig war, war es immer ein Gl&uuml;cksspiel, wie die Beh&ouml;rden mit einem umgingen. Manchmal hatte ich Gl&uuml;ck und war nicht schwarz genug, aber diesmal offenbar nicht.</p> <p>Der einzige Grund, warum ich dieses Haus in diesem Viertel hatte, war, weil mein Ehemann es von seinen Eltern geerbt hatte. Doch das erz&auml;hlte ich ihnen nicht.</p> <p>&bdquo;Ich besitze keine Waffe&ldquo;, wiederholte ich so bestimmt ich konnte. &bdquo;Und ich habe meinen Ehemann nicht ermordet.&ldquo;</p> <p>Mulligan bedachte mich mit einem langen forschenden Blick, w&auml;hrend Garvel sich mit ihren Aufzeichnungen besch&auml;ftigte und mich nicht anschaute. Schlie&szlig;lich stand der &auml;ltere Polizist auf, gefolgt von seiner Partnerin. &bdquo;Rufen Sie uns an, wenn Ihnen jemand einf&auml;llt, der ihn gern tot gesehen h&auml;tte&ldquo;, sagte er und ich konnte den Gedanken, der seinen Worten folgte, beinahe h&ouml;ren.</p> <p><i>Mir f&auml;llt au&szlig;er Ihnen n&auml;mlich niemand ein.</i></p> <p>Mir auch nicht, um ehrlich zu sein. Aber verdammt, ich war es nicht gewesen.</p> <p>Ich begleitete die Polizisten nach drau&szlig;en und schloss die T&uuml;r hinter ihnen. Als ich h&ouml;rte, wie sie &uuml;ber die Veranda und die Treppe hinuntergingen, lehnte ich mich an die T&uuml;r und atmete zitternd aus. Sie w&uuml;rden mich nicht in Ruhe lassen. Und ich w&uuml;rde nicht f&uuml;r einen Mord ins Gef&auml;ngnis gehen, den ich nicht begangen hatte.</p>

Erscheint lt. Verlag 12.6.2025
Übersetzer Dorothee Scheuch
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Krimi / Thriller
Schlagworte Domestic Crime • dunkles Geheimnis • Mord • Psychological thriller • psychologische Abgründe • Serienmörder • toxische Beziehung • weiblicher Zusammenhalt
ISBN-10 3-69090-168-5 / 3690901685
ISBN-13 978-3-69090-168-0 / 9783690901680
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