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Alpenglück und Herzgeflüster (eBook)

eBook Download: EPUB
2025 | 1. Aufl. 2025
295 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-7517-8254-8 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Alpenglück und Herzgeflüster - Gabriele von Braun
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Am Abend, bevor Florentine für ein paar Tage in ihre alte Heimat aufbrechen will, eskaliert ein Streit mit ihrem Freund Kai - auf einmal stellt er ihre ganze Beziehung infrage. Überfordert und unsicher, was sie wirklich fühlt, hofft sie in ihrem Heimatdorf in den bayerischen Alpen Klarheit zu finden.
Kaum angekommen spürt sie, wie die frische Bergluft ihr Gedankenkarussell zur Ruhe kommen lässt. Bei einer Wandertour trifft sie unerwartet auf Franz - ihre erste große Liebe und Vater ihres Teenager-Sohnes. Doch Franz weiß nichts davon, denn er hatte sich damals nach Portugal abgesetzt, noch bevor sie ihm von der Schwangerschaft erzählen konnte. Nach all den Jahren keimen die alten Gefühle wieder auf. Florentine ist hin- und hergerissen. Und dann taucht plötzlich auch noch Kai auf - ihr Gefühlschaos ist perfekt!

Der erste Band der gefühlvollen und romantischen Reihe von Gabriele von Braun in dem idyllischen bayrischen Alpendorf Kranzwinkl und der wildromantischen Natur der Alpen.

eBooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.



<p>Gabriele von Braun brach ihr Soziologiestudium ab, um etwas absolut Ausgefallenes zu wagen: Sie studierte BWL. Doch es nützte nichts - sie landete auf direktem Weg 'in den Medien', wo sie u.a. als PR-Redakteurin tätig war, bevor sie zu SPIEGEL TV überlief. Inzwischen arbeitet sie im Programm-Marketing für eine Landesrundfunkanstalt. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.</p>

1


Wenn mir Scherben jemals Glück gebracht hätten, dann würde ich jetzt vor Freude kreischen. Haben sie aber nicht.

»O nein! Nicht diese Vase!«, schreie ich hysterisch.

Sie ist ein Neuzugang, mehr Kunst als Vase. Feinstes Porzellan in skulpturalem Design, siebzig Zentimeter hoch, Unikat einer aufstrebenden Designerin aus Mailand, Verkaufspreis knapp zweitausend Euro. Frau von Hagen hat sie bis morgen reservieren lassen. Aus groß mach klein, so schnell geht das, schießt es mir durch den Kopf, während mir die Tränen kommen. Es ist kurz vor Feierabend, meine Nerven sind schwächer als der argentinische Peso. Längst schon wollte ich nicht mehr hier sein, aber meine Mitarbeiterin Clara ist wegen einer üblen Migräneattacke ausgefallen.

Stefan sieht mich an, als wäre er soeben zum Tode verurteilt worden. Kreidebleich ist er. Verstört schüttelt er den Kopf. »So etwas ist mir noch nie passiert! Es tut mir so leid, Florentine. Das regele ich alles über meine Haftpflichtversicherung, versprochen.«

»Hm«, knurre ich und hole Handfeger und Müllschippe aus dem kleinen Büro neben dem Verkaufsraum.

Stefan macht mit seinem Handy Fotos von der Unfallstelle. So viele bunte, teure Scherben! Er kriecht auf allen vieren auf dem Boden herum und sammelt sie ein, ich fege die kleineren auf. Einatmen, Luft anhalten, ausatmen. Selbst wenn du dich noch so sehr aufregen würdest, es ändert nichts. Stimmt. Es ist, wie es ist, sage ich mir innerlich immer wieder wie ein Mantra. Ich werde ruhiger.

Mein alter Freund Stefan ist Innenarchitekt. Wir arbeiten öfter bei Einrichtungsprojekten zusammen. Bisher hat das unserer Freundschaft nicht geschadet.

Seit über zehn Jahren habe ich einen Interieur-Concept-Store mitten in München. Mein Laden heißt Raumseligkeit und läuft richtig gut.

Stefan hat für einen Kunden einen Beistelltisch, drei Kissen und eine Stehlampe ausgesucht. Schon seit über zwei Stunden ist er im Geschäft. Wie meist waren wir so vertieft in unsere Unterhaltung, dass wir die Zeit aus dem Blick verloren haben. Eben hatte er mir von einem neuen Kunden aus Grünwald berichtet, Fußballer und gesegnet mit einem Stilempfinden, das bei Stefan Ausschlag verursachen würde, wie er mir gestenreich erklärte. Er sprach gar von Gotteslästerung. Anders als er es gewohnt ist, folgt der Kicker nicht blind seinen Vorschlägen und Ideen, sondern hat eigene Vorstellungen, denen er sich nun notgedrungen fügen muss.

»Wie schön, dass du auch mal die Hure deines Bauherrn bist«, scherzte ich und dann – nur eine unbedarfte Geste – krachte es.

Der Verkaufsraum wird mit sanftem Chillout-Sound beschallt. Bloß gut, dass gerade keine Kunden hier sind. Es hat beinahe etwas Meditatives, wie wir schweigend den Scherbenhaufen beseitigen.

»Wenn das nur im Leben auch so einfach wäre«, flüstere ich, bevor ich zum Finale den kontemplativen Moment mit Staubsaugerlärm durchbreche. Dann wieder Ruhe und Stefans betretenes Gesicht.

»Jetzt sieh mich nicht so an!«

»Entschuldige, ich kann gerade nicht anders gucken. Florentine, wie kann ich das nur wiedergutmachen? Darf ich dich auf einen Drink einladen? Und zum Essen?«

Mir fällt auf, dass Stefan heute schon zum wiederholten Mal meinen vollen Vornamen ausgesprochen hat. Normalerweise schrumpfen meine vier Silben zu einer: Flo. Es ist wie ein Automatismus, in den die meisten Menschen verfallen, sobald sie mich etwas besser kennen. Aber ich habe kein Problem damit, denn weder besitze ich Züge eines Parasiten, noch mache ich allzu große Sprünge, außerdem bin ich knapp eins achtzig groß.

»Essen und Trinken immer gern, aber heute passt es nicht. Morgen fahre ich in die Berge. Den Abend habe ich Kai versprochen.«

Ich schließe den Laden von innen ab. Es ist Viertel vor sieben, erst in fünfzehn Minuten ist offiziell Schluss. Aber heute möchte ich niemanden mehr empfangen.

»Ach, stimmt ja, deine Wanderwoche in der alten Heimat, wie konnte ich die nur vergessen? Läuft es wieder besser mit Kai?«

Ich mache den Kassenabschluss und seufze. »Frag nicht! Aber es wäre jetzt zu ausufernd, darüber zu reden. Da wäre ich vor Mitternacht nicht zu Hause. Wir reden beim nächsten Mal, okay?«

»Alles klar. Dann macht euch einen romantischen Abend, bevor ihr euch tagelang nicht sehen werdet. Hach, was würde ich dich an seiner Stelle verwöhnen.«

Stefan sieht mich so hingebungsvoll an, dass ich grinsen muss. Er ist ein attraktiver Mann, groß gewachsen, gut gekleidet, charmant und stets wohlriechend.

»Danke. Daniel hat so ein Glück mit dir, du bist und bleibst der perfekte Mann.«

Ich kann Stefan nicht lange böse sein – nicht mal wegen einer Vase – und werfe ihm einen Luftkuss zu. Er erwidert ihn leidenschaftlich.

»Erinnere Daniel beim nächsten Mal daran. Nach fünf Jahren Ehe habe ich manchmal das Gefühl, dass ihm das nicht mehr bewusst ist.«

»Verlass dich drauf!«

In Eile schnappe ich mir meine Tasche und nehme den Trenchcoat von der Mid-Century-Garderobe. Heute Morgen war es kühl und regnerisch. Zum Feierabend kitzeln an diesem Maitag Sonnenstrahlen das Interieur im Schaufenster.

»Hast du schon etwas von Max gehört?«, fragt Stefan.

Wir gehen durch den Hinterausgang nach draußen.

»Nein, bisher nicht.«

Max ist mein sechzehnjähriger Sohn, und Stefan ist sein Patenonkel. Heute Morgen ist er mit seinem Französisch-Leistungskurs für eine Woche nach Lothringen gefahren. Ein Privileg, drei Wochen lang hat er keine Schule. Die Pfingstferien schließen sich gleich daran an.

»Na, er wird sicher Spaß haben mit den kleinen Französinnen.«

»Arrêtes, Stefan! Der Junge ist zum Lernen dort.«

»Eben drum.«

Ich rolle mit den Augen und schneide eine Grimasse, bevor wir uns mit einer Umarmung in verschiedene Richtungen verabschieden.

Der überraschend laue Frühlingsabend fühlt sich an wie eine zärtliche Umarmung. Ich nehme ein paar tiefe Atemzüge von der frisch gewaschenen Luft und marschiere schnellen Schrittes zur Tramhaltestelle am Sendlinger Tor.

Biergartenwetter, wer hätte das heute Morgen gedacht. Eine Frau mit Mütze und Daunenjacke kommt mir entgegen, dicht gefolgt von einem Pärchen in T-Shirts und Shorts. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich das Temperaturempfinden ist.

Auf meinem siebenminütigen Fußmarsch zur Haltestelle wird der Schreck um die kaputte Vase abgelöst von Gedanken an Max. Warum hat er sich noch nicht gemeldet? Langsam werde ich unruhig. Er wollte mir Bescheid geben, wenn er angekommen ist. Du wolltest, dass er sich meldet, wenn er angekommen ist. Ja, schon gut, es fällt mir schwer loszulassen. Kai würde jetzt sagen, dass ich mich entspannen soll, weil Max der beste Sohn der Welt ist, selbst, wenn er mal was vergisst, zum Beispiel den Müll runterzubringen, dass TikTok und Netflix keine Grundnahrungsmittel sind oder eben, sich zu melden.

Ich beschleunige meinen Schritt. Seit sechzehn Jahren bin ich mit Kai zusammen. Für Max ist er sein Papa, obwohl er nicht sein biologischer Vater ist. Kai war damals an meiner Seite, als mich Max’ Vater, der Mann, den ich geliebt und zu kennen geglaubt habe, völlig unerwartet verlassen hat. Kein schönes Thema.

Ich konzentriere mich darauf, auf keine Gehwegfuge zu treten. Das ist eine meiner bewährten Strategien, um auf andere Gedanken zu kommen. Dass ich dabei wie eine Zwangsneurotikerin – Tippelschritt hier, Ausfallschritt dort – wirke, ist mir mittlerweile egal.

Kai. Wir waren Freunde, irgendwann liebte ich ihn und er mich. Kai wurde mein Mann, obwohl wir nicht verheiratet sind. Gern hätte er Max adoptiert, aber irgendwas war immer, und so haben wir den Zeitpunkt verpasst.

Und heute? Ein Ziehen geht durch meine Brust. Ich weiß nicht, ob ich Kai noch liebe. Innerlich habe ich mich immer weiter von ihm zurückgezogen. Dafür hat sich in mir eine tiefe Sehnsucht ausgebreitet, die ich nicht in Worte fassen kann. Immer öfter frage ich mich, ob das alles gewesen sein soll im Leben. Wann fing das bloß an?

Mist, ich bin auf eine Fuge getreten. Mit Kai bin ich zwar heute Abend verabredet, aber es ist unklar, ob er es pünktlich schaffen wird. Noch habe ich nichts von ihm gehört.

Vor einem Jahr ist er Chefarzt in der Chirurgie der Uniklinik geworden. Mehr geht nicht, und ich habe ihn nie seltener gesehen.

Elf Tram-Stationen liegen vor mir, und dann noch acht Minuten Fußweg. Die nächste Bahn in Richtung Bogenhausen kommt in sechs Minuten, zeigt mir die Anzeigentafel an. Ich lehne mich gegen ein Geländer und schwelge in Gedanken.

Schon seit Tagen freue ich mich auf die Wanderwoche. Diese Zeit mit meinen Freunden in der alten Heimat ist mir heilig. Sie hat eine lange Tradition. Seitdem wir Kranzwinkl, unser kleines Alpendorf unweit der österreichischen Grenze, verlassen haben, treffen wir uns alle zwei Jahre dort. Wir übernachten in der abgelegenen Berghütte, in der wir schon als Jugendliche wilde Partys gefeiert haben. Sie steht am Waldrand mit Blick über ein weites Tal. Allein der Gedanke daran lässt mich aufatmen. Eine Woche lang weg vom Alltag, weg von Kai. Wahrscheinlich ist es genau das, was ich brauche, um wieder klarer zu sehen.

Mein Telefon vibriert. Eine Nachricht von Max. Endlich! Auch wenn er mir nur zwei Worte schickt, wir sind miteinander verbunden.

Alles okay.

Mein Mutterherz atmet auf. Ich antworte mit einem Kuss-Emoji.

Die Tram kommt. Ich setze mich ans Fenster, stöpsle meine Kopfhörer ein und rufe Kai an. Es meldet sich nur die Mailbox. Ich schicke ihm eine Nachricht.

Bleibt es bei unserem gemeinsamen...

Erscheint lt. Verlag 1.7.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Alpenromantik • Bayern Roman • bayrisch • Bergroman • Dorf • Freundschaftsroman • Heiterer Roman • kleines Dorf Roman • Liebesroman • Roman in den Alpen • Roman in den Bergen • sommerlicher roman • Sommerroman • Urlaubsroman
ISBN-10 3-7517-8254-0 / 3751782540
ISBN-13 978-3-7517-8254-8 / 9783751782548
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