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Tote Fische fängt man schneller, Mordesstund hat Gold im Mund & Der Tod schickt Blumen (eBook)

Drei Mord an der Nordsee-Krimis in einem Band

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025
480 Seiten
dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH (Verlag)
978-3-69090-290-8 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Tote Fische fängt man schneller, Mordesstund hat Gold im Mund & Der Tod schickt Blumen - Annie de Vries
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Drei rätselhafte Morde und ein Küstenstädtchen in Aufruhr – Hobbyermittlerin Jenny hat alle Hände voll zu tun
Ein humorvoll Cosy Krimi-Sammelband voller skurriler Verbrechen und nordischem Flair

Mordesstund hat Gold im Mund

Nachdem Pensionsbesitzerin Jenny erst vor Kurzem einen spektakulären Kriminalfall gelöst hat, kehrt in dem kleinen Küstenort Zuiderdijk immer noch keine Ruhe ein. Die Frau eines Gastes wird erstochen aufgefunden und für die Polizei steht der Mörder schnell fest: Der Ehemann verhält sich mehr als verdächtig und könnte sogar der seit Jahren gesuchte 'Zeeland Ripper' sein. Das geht Jenny nun wirklich zu weit und sie stürzt sich in waghalsige Ermittlungen, um die Unschuld ihres Gastes zu beweisen – ob die Polizei nun will oder nicht …

 

Tote Fische fängt man schneller

In dem beschaulichen Örtchen Zuiderdijk in Zeeland geht eigentlich alles seinen gewohnten Gang – bis zu dem Tag, an dem Pensionsbesitzerin Jenny am Deich auf ihren Gast Markus trifft … ermordet. Die Ermittlungen der Polizei laufen schleppend, und als eine zweite Leiche gefunden wird, kann Jenny nicht widerstehen, dem müden Polizeiapparat ein bisschen unter die Arme zu greifen. Mit detektivischem Eifer macht sie den Bruder des ersten Opfers ausfindig, der sich sicher ist, dass Markus in krumme Geschäfte verwickelt war. Gemeinsam folgen sie den dubiosen Spuren des Verstorbenen durch das behagliche Küstenstädtchen auf der Suche nach dem Mörder. Doch wer ist hier eigentlich wem auf den Fersen?

 

Der Tod schickt Blumen

Ein jahrelanger Dauercamper bekommt tagelang schwarze Tulpen geschickt … und am zehnten Tag wird seine Leiche gefunden. So ein merkwürdiges Verbrechen hat der kleine Küstenort noch nie gesehen. Als der Blumenhändler erneut anonyme Bestellungen für schwarze Tulpen bekommt, wendet er sich an die Polizei – und an Pensionswirtin Jenny, die für ihre Spürnase inzwischen stadtbekannt ist. Sie muss so schnell wie möglich die Gemeinsamkeit zwischen den Blumen-Empfängern finden, um den Täter zu stellen, denn er scheint noch lange nicht fertig zu sein …

Erste Leser:innenstimmen
„Unterhaltsame und fesselnde Kriminalfälle – perfekt zum Miträtseln und voller Charme.“
„Drei spannende Wohlfühlkrimis voller skurriler Charaktere und cleverer Wendungen.“
„Küstenkrimis mit Suchtpotenzial: Die perfekte Mischung aus Spannung, Humor und Atmosphäre!“
„Amateurermittlerin Jenny macht diese Cosy Krimis zu einem wahren Lesegenuss für alle Fans von gemütlichen Nordseekrimis.“



<p>Annie de Vries ist in Den Haag geboren und arbeitet seit dem Abschluss ihres Wirtschaftsstudiums in der Stadtverwaltung von Den Haag. Sie liebt Spazierg&auml;nge am Meer, vorzugsweise im Herbst und Winter, hei&szlig;en Kakao mit (viel) Sahne, vegetarische Kroketten und Falafel.</p> <p>Mit ihrem Lebensgef&auml;hrten Rik van der Velde pendelt sie zwischen ihrer Wohnung am Stadtrand von Delft und ihrem Wohnwagen auf einem Campingplatz nahe Westkapelle. Immer an ihrer Seite ist ihr Terrier Foxy.</p>

<h2>1. Kapitel</h2> <p>Jenny van Oosterburg stand an der Empfangstheke und betrachtete den Zweiertisch ganz vorn im Speisesaal, der nach wie vor f&uuml;r einen Gast gedeckt war. F&uuml;r einen Gast, der allem Anschein nach verschwunden war.</p> <p>&bdquo;Soll ich abr&auml;umen?&ldquo;, fragte ihre Angestellte Sietske, die sich seit ein paar Tagen mit einer feuerroten Kurzhaarfrisur pr&auml;sentierte, an deren Anblick sich Jenny noch immer nicht gew&ouml;hnt hatte. Das w&uuml;rde wohl auch eine Weile so bleiben, da es ihr schwerfiel, das neue Aussehen zu akzeptieren. Bis vor Kurzem war die junge Frau mit bis tief in den R&uuml;cken reichenden, tiefschwarzen Haaren gesegnet gewesen, die ihren von Natur aus dunklen Teint unterstrichen hatten.</p> <p>&bdquo;Hm? Oh. Nein, noch nicht&ldquo;, antwortete sie, als sie sah, dass Sietske auf den Zweiertisch zeigte. Das Fr&uuml;hst&uuml;cksbuffet war vor wenigen Minuten abger&auml;umt worden. Nat&uuml;rlich gab es auch danach die M&ouml;glichkeit, ein Fr&uuml;hst&uuml;ck zu bestellen, weil ihre G&auml;ste es zu sch&auml;tzen wussten, wenn sie nicht auch im Urlaub mit starren Vorschriften konfrontiert wurden, von denen sie im Alltag schon mehr als genug hatten. Sollte ihr verschollener Gast gleich zur T&uuml;r hereinspaziert kommen, dann w&uuml;rde er dennoch ein Fr&uuml;hst&uuml;ck serviert bekommen, wenn er es wollte.</p> <p>&bdquo;Guten Morgen!&ldquo; Eine M&auml;nnerstimme riss sie auf Deutsch aus ihren Gedanken, die ihr irgendwie vertraut war, aber einen Akzent aufwies, den sie so nicht in Erinnerung hatte.</p> <p>Sie sah zur Eingangst&uuml;r, wo ein gro&szlig;er Mann mit grauem Bart und grauen Haaren stand, die er zur&uuml;ckgek&auml;mmt und zum Pferdeschwanz zusammengebunden hatte. Er trug eine dicke Stoffjacke, die den mittlerweile herrschenden Temperaturen durchaus angemessen war, und in jeder Hand hielt er einen altmodischen Koffer, die offenbar keine Rollen hatten, auf denen er die beiden hinter sich h&auml;tte herziehen k&ouml;nnen.</p> <p>&bdquo;Guten Morgen&ldquo;, erwiderte sie z&ouml;gerlich, da sie noch nicht so genau wusste, wo sie diesen Mann hinsortieren sollte. &bdquo;Was kann ich f&uuml;r Sie tun?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Erst mal kannst du zum Du zur&uuml;ckkehren, Blondie&ldquo;, sagte er, grinste sie breit an und kam n&auml;her. Dann stellte er die Koffer ab.</p> <p>Sie kniff die Augen zusammen und murmelte: &bdquo;Niemand wagt es, mich Blondie zu nennen &hellip;&ldquo;</p> <p>&bdquo;Au&szlig;er &hellip;?&ldquo;</p> <p>&bdquo;&hellip; au&szlig;er Rainer Trompeter&ldquo;, f&uuml;hrte sie den Satz zu Ende und sch&uuml;ttelte den Kopf. &bdquo;Bist du das wirklich, Rainer?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Tja, entweder bin ich es oder ich bin ein anderer und trage nur eine Maske, die aussieht wie ich&ldquo;, konterte er. &bdquo;Was meinst du?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Das werde ich schon herausfinden&ldquo;, sagte sie. &bdquo;Wenn du anf&auml;ngst, zu schreien, sobald ich versuche, dir die Maske vom Gesicht zu rei&szlig;en, wei&szlig; ich ja, ob ich einen Betr&uuml;ger vor mir habe.&ldquo; Dabei machte sie mit ihren Fingern Lockerungs&uuml;bungen, als wollte sie ihre letzten Worte jeden Moment in die Tat umsetzen. Sie tat drei Schritte auf ihn zu und fiel ihm um den Hals, was kein leichtes Unterfangen war, da er mehr als einen Kopf gr&ouml;&szlig;er war als sie.</p> <p>Allerdings kam der Mann ihr entgegen, indem er sich gleichzeitig vorbeugte, sodass ihre K&ouml;pfe auf gleicher H&ouml;he waren, w&auml;hrend sie sich an ihn dr&uuml;ckte. &bdquo;Beinahe h&auml;tte ich dich nicht wiedererkannt&ldquo;, sagte er. &bdquo;Ich hatte eine Frau mit wallenden goldblonden Locken erwartet, nicht mit diesem k&uuml;mmerlichen Rest da oben auf dem Kopf.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Von den goldblonden Locken hab ich mich schon vor langer Zeit verabschiedet, weil die bei dem Wind, der hier fast immer weht, einfach auf Dauer unpraktisch sind. Aber erz&auml;hl mir lieber, wieso du hier bist. Wie hast du mich gefunden?&ldquo;, wollte sie wissen, als sie sich wieder von ihm gel&ouml;st hatte.</p> <p>&bdquo;Das war ganz einfach&ldquo;, sagte Rainer. &bdquo;Na, okay, ganz so einfach war es nicht. Ich kannte nur die alte Telefonnummer von deinen Eltern, aber der Anschluss existiert nicht mehr. Dann habe ich mir im Internet den Stadtplan von Westkapelle angesehen und festgestellt, dass einer der Souvenirl&auml;den immer noch den gleichen Inhaber hat wie damals. Also habe ich da angerufen und er hat mir die Telefonnummer vom Hotel deiner Eltern in Lissabon gegeben. Ich dachte zuerst, der gute Mann hat was durcheinandergeworfen, aber dann meldete sich tats&auml;chlich deine Mutter, als ich da anrief.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Ja, mein Gro&szlig;vater hat meiner Mutter das Hotel vererbt. Sie konnte einfach nicht widerstehen, das Haus zu &uuml;bernehmen. Aber das ist jetzt auch schon wieder acht oder neun Jahre her.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Ich st&ouml;re nur ungern, Jenny&ldquo;, meldete sich ein Mann, der noch keine drei&szlig;ig zu sein schien und dessen r&ouml;tliches Haar auffallend sch&uuml;tter war. &bdquo;Aber ich muss einen Berg Rechnungen &uuml;berweisen und ich wei&szlig; nicht, ob du diese drei sachlich richtig gezeichnet hast oder ob das &hellip;&ldquo;</p> <p>&bdquo;Gekritzel&ldquo;, half sie ihm mit einem Grinsen auf die Spr&uuml;nge, als sie sein Z&ouml;gern bemerkte.</p> <p>&bdquo;&hellip; ob das &sbquo;Gekritzel&lsquo; etwas anderes zu bedeuten hat.&ldquo; Er hielt ihr die Rechnungen hin.</p> <p>Sie betrachtete ihre Notiz und gr&uuml;belte einen Moment lang, was das von ihr stammende K&uuml;rzel bedeuten sollte. &bdquo;Ach ja, richtig. Bei den Rechnungen stimmt das Datum nicht. Der neue Kaffeelieferant hat die Rechnung und das Lieferdatum um zwei Wochen zur&uuml;ckdatiert, womit sie jetzt schon &uuml;berf&auml;llig sein m&uuml;ssten, obwohl er erst am Freitag geliefert hat. Da hattest du ja frei.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Gut, dann werde ich ihn anrufen, damit er das korrigiert&ldquo;, sagte er.</p> <p>&bdquo;Schreib ihm lieber eine Mail, dann k&ouml;nnen wir es besser dokumentieren, falls es bei ihm eine Masche ist, um seinen Kunden Mahngeb&uuml;hren in Rechnung zu stellen.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Bestimmt nur ein &sbquo;Computerfehler&lsquo;&ldquo;, gab der Mann ironisch zur&uuml;ck.</p> <p>&bdquo;Ganz bestimmt&ldquo;, pflichtete sie ihm augenzwinkernd bei. Sie drehte sich zu ihrem Besucher um. &bdquo;Das ist &uuml;brigens Jan-Willem Dekker, meine rechte Hand.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Hallo&ldquo;, begr&uuml;&szlig;te ihn Rainer mit einem Nicken. Der Mann erwiderte die Geste.</p> <p>"Und das ist", fuhr sie fort, "ein alter Freund von mir. Rainer Trompeter. Rainer ist &hellip;&ldquo;</p> <p>&bdquo;&hellip; Software-Entwickler f&uuml;r Computerprogramme&ldquo;, fiel er ihr ins Wort.</p> <p>&bdquo;Ja, richtig&ldquo;, sagte sie, nachdem sie eine Sekunde lang gestutzt hatte.</p> <p>&bdquo;Irgendwelche Programme, die man kennt?&ldquo;, fragte Jan-Willem interessiert.</p> <p>&bdquo;Nur, wenn man sich in der chemischen Industrie auskennt&ldquo;, antwortete Rainer.</p> <p>&bdquo;Oh&ldquo;, machte der j&uuml;ngere Mann. &bdquo;Das ist ganz und gar nicht mein Fachgebiet.&ldquo;</p> <p>Rainer l&auml;chelte ihn verst&auml;ndnisvoll an. &bdquo;Das h&ouml;re ich so ungef&auml;hr zehnmal am Tag.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Wir kennen uns schon ewig&ldquo;, redete Jenny weiter. &bdquo;Rainer war fr&uuml;her bereits Gast im Hotel meiner Eltern.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Richtig&ldquo;, stimmte der ihr zu. &bdquo;Ich glaube, als ich sie das erste Mal gesehen habe, muss sie vier oder f&uuml;nf gewesen sein. Und beim letzten Mal so ungef&auml;hr vierzehn, f&uuml;nfzehn. Aber das ist schon ewig her.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Das ist gerade mal zwanzig Jahre her&ldquo;, berichtigte sie ihn prompt. &bdquo;F&uuml;r wie alt soll Jan-Willem mich denn halten, wenn das ewig her w&auml;re? Siebzig? Achtzig? Und vergiss nicht, dass du zwanzig Jahre &auml;lter bist. Dann w&uuml;rde er dich f&uuml;r neunzig oder hundert halten.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Maximal f&uuml;nfundneunzig&ldquo;, gab er lachend zur&uuml;ck. &bdquo;Aber das ist nat&uuml;rlich Bl&ouml;dsinn. Niemand w&uuml;rde dich f&uuml;r einen Tag &auml;lter halten, als du wirklich bist. Schlie&szlig;lich siehst du aus wie eine junge Meg Ryan vor ihren Sch&ouml;nheitsoperationen.&ldquo; Dann f&uuml;gte er noch rasch ironisch an: &bdquo;Wobei ich nicht verstehe, warum wir Deutschen immer von <i>Sch&ouml;nheits</i>operationen reden, wenn doch &uuml;blicherweise das genaue Gegenteil dabei herauskommt.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Ich &hellip; &auml;hm &hellip; will nicht unh&ouml;flich sein&ldquo;, meldete sich Jan-Willem wieder zu Wort, &bdquo;aber ich m&uuml;sste mich jetzt um die &Uuml;berweisungen k&uuml;mmern.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Jan-Willem, du musst dich nicht erst abmelden&ldquo;, sagte Jenny. &bdquo;Wir beide reden sowieso gerade &uuml;ber alte Zeiten, und das meiste davon w&uuml;rde dich ohnehin nur langweilen, weil du nicht mit dabei warst.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Okay, danke&ldquo;, sagte er und zog sich zur&uuml;ck.</p> <p>Jenny deutete auf die Hocker, die vor der Empfangstheke standen. &bdquo;Im Sitzen l&auml;sst es sich besser reden, glaube ich.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Ich werde dir nicht widersprechen&ldquo;, gab Rainer zur&uuml;ck.</p> <p>&bdquo;Au&szlig;er es geht um deinen Beruf&ldquo;, meinte sie grinsend.</p> <p>&bdquo;Au&szlig;er es geht um meine Ruhe&ldquo;, stellte er richtig. &bdquo;Ich will hier nur Rainer Trompeter sein, der Privatmensch, aber nicht Arnold Shaeffer, der preisgekr&ouml;nte Maskenbildner aus Hollywood &hellip;&ldquo;</p> <p>&bdquo;Der Oscar-Preistr&auml;ger&ldquo;, erg&auml;nzte Jenny.</p> <p>&bdquo;Ja, den habe ich auch bekommen&ldquo;, r&auml;umte er ein. &bdquo;Aber nicht f&uuml;r die Arbeit, f&uuml;r die ich den Oscar eigentlich verdient h&auml;tte. Nur weil dieser Herzschmerzfilm so viele Millionen Menschen ins Kino gelockt hat, wurde dem auch noch der Oscar f&uuml;r die besten Masken hinterhergeworfen.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Aber du hast die Auszeichnung trotzdem im Jahr darauf bekommen.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Das ja, aber f&uuml;r eine mittelm&auml;&szlig;ige Arbeit, weil man mich im Jahr davor &uuml;bergangen hatte.&ldquo; Er zuckte mit den Schultern. &bdquo;Das ist so &auml;hnlich wie ein Oscar f&uuml;rs Lebenswerk. Man ist auch bei zwanzig Nominierungen nicht ein einziges Mal besser als die Konkurrenz. Und zum Trost wird man f&uuml;rs Lebenswerk ausgezeichnet, was ja so grandios gar nicht gewesen sein kann &hellip;&ldquo;</p> <p>&bdquo;Klar, weil man ja vorher nie gewonnen hat&ldquo;, sagte Jenny. &bdquo;Das kann ich nachvollziehen. Doch jetzt verrat mir endlich, wieso du mit zwei Koffern hier hereinspaziert bist.&ldquo;</p> <p>Er r&auml;usperte sich, w&auml;hrend Sietske vorbeikam und eine Handvoll Servietten auf einen der Tische legte. Mit gespielter Gesch&auml;ftigkeit wartete er, bis Sietske nicht mehr zu sehen war, bevor er antwortete: &bdquo;Weil ich beschlossen habe, eine Auszeit zu nehmen. Hollywood geht mir auf den Geist. Ich wei&szlig; gar nicht, wie ich das zwanzig Jahre lang ausgehalten habe. St&auml;ndig dieses falsche L&auml;cheln und die gegenseitige Bewunderung und Verehrung. Und sobald du jemandem den R&uuml;cken zudrehst, marschiert er geradewegs zum anwesenden Produzenten und schw&auml;rzt dich wegen irgendeiner un&uuml;berlegten &Auml;u&szlig;erung an. Dann bist du den n&auml;chsten gro&szlig;en Job los, ohne dass du wei&szlig;t, wem du eigentlich was getan hast. Meine S&ouml;hne d&uuml;rfen sich damit herumschlagen, die sollen meine Werkstatt sowieso irgendwann &uuml;bernehmen. Ich will jetzt erst mal meine Ruhe haben.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Die hast du hier&ldquo;, versicherte sie ihm. &bdquo;Wie lange willst du bleiben? Vier Wochen? F&uuml;nf Wochen?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Oh, ich dachte eher an sechs oder sieben Monate. Wenn das kein Problem darstellt.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Warum sollte das ein Problem sein?&ldquo; Sie sch&uuml;ttelte den Kopf. &bdquo;Ich habe drei, vier G&auml;ste, die sich auch f&uuml;r ein paar Monate hier einquartieren. Es gibt auch einen ordentlichen Rabatt auf den normalen Zimmerpreis.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Hast du hier auch so was wie eine Suite?&ldquo;, wollte er wissen. &bdquo;Fr&uuml;her haben mir diese kleinen Zimmer nichts ausgemacht. Und eine Woche k&ouml;nnte ich&rsquo;s schon auf ein paar Quadratmetern aushalten, notfalls auch noch l&auml;nger. Aber es w&auml;re sch&ouml;n, wenn du etwas verschwenderisch Gro&szlig;es h&auml;ttest.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Nat&uuml;rlich habe ich das im Angebot", antwortete sie und f&uuml;gte grinsend hinzu: &bdquo;Die Koningskamer nimmt das halbe Dachgeschoss in Anspruch. Die habe ich schlie&szlig;lich nur eingerichtet, weil ich wusste, dass du eines Tages eine Auszeit in Zeeland nehmen wirst. Daf&uuml;r wollte ich gewappnet sein.&ldquo;</p> <p>Er lachte. &bdquo;Das k&ouml;nnte ich fast noch glauben. Aber sag mal, wieso bist du hier und nicht in Lissabon?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Der S&uuml;den ist nichts f&uuml;r mich. Alles, was s&uuml;dlicher liegt als Zeeland, ist nicht meine Welt&ldquo;, erwiderte sie. &bdquo;Vor allem meine Mutter f&uuml;hlt sich da unten pudelwohl. Meinem Vater ist es ziemlich egal, ob es kalt, warm oder br&uuml;tend hei&szlig; ist. Ich bin hier in meinem Element.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Und wie kommt es, dass du dich hier in Zuiderdijk niedergelassen hast, anstatt die Pension deiner Eltern in Westkapelle zu &uuml;bernehmen?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Meine Eltern hatten mir die alte Pension sogar &uuml;berlassen&ldquo;, erz&auml;hlte sie. &bdquo;Ich sollte mit dem Haus und dem Grundst&uuml;ck machen, was ich f&uuml;r richtig hielt. Verkaufen war genau das, was ich wollte.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Aber die Pension lief doch gut&ldquo;, wandte Rainer ein. &bdquo;War das nicht ziemlich riskant, das alte Zuhause zu verkaufen und hier neu anzufangen?&ldquo;</p> <p>Sie sch&uuml;ttelte den Kopf. &bdquo;Nein, ganz im Gegenteil. Es nicht zu machen, w&auml;re ein Fehler gewesen. Westkapelle wird seit einer Weile von immer mehr Touristen &uuml;berlaufen. Und es wird nicht mehr allzu lange dauern, bis der Punkt kommt, an dem der Trubel einem gro&szlig;en Teil der Stammg&auml;ste zu viel wird und dann bleiben sie weg. Ich habe das Haus und das Grundst&uuml;ck nicht sofort verkauft, sondern erst noch zwei bis drei Jahre die Pension weiterbetrieben. Doch da gab es schon die ersten Klagen meiner G&auml;ste, dass es drau&szlig;en auf der Stra&szlig;e nachts zu laut ist. Und tags&uuml;ber waren etliche von ihnen gar nicht gl&uuml;cklich dar&uuml;ber, kaum aus dem Haus zu kommen, weil immer wieder Massen von Touristen vorbeistr&ouml;mten. Wenn sich diese Unzufriedenheit erst mal herumspricht, dann verlieren m&ouml;gliche Investoren das Interesse und damit sinken die Immobilienpreise.&ldquo; Sie machte eine vage Handbewegung. &bdquo;Man k&ouml;nnte sagen, dass mir f&uuml;r unsere alte Pension ein Angebot gemacht wurde, dass ich nicht ausschlagen konnte.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Und dann hast du ein paar Kilometer weiter n&ouml;rdlich gleich eine neue Pension er&ouml;ffnet&ldquo;, sagte er und nickte beeindruckt.</p> <p>&bdquo;Ja, aber das Hauptgeb&auml;ude hier war vorher schon eine Pension gewesen&ldquo;, antwortete sie. &bdquo;Ich bekam das Haus mehr oder weniger geschenkt, weil der Eigent&uuml;mer kurz zuvor verstorben war und der einzige Sohn nach Australien ausgewandert ist, wo er es zum Multimillion&auml;r gebracht hatte. Er wollte den Verkauf so schnell und so unkompliziert wie m&ouml;glich abwickeln. Und da ich als Erste angefragt habe, &uuml;berlie&szlig; er mir die Pension f&uuml;r einen Spottpreis.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Gl&uuml;ckspilz&ldquo;, kommentierte Rainer.</p> <p>&bdquo;Von dem Geld, das ich hier eingespart habe, konnte ich die beiden angrenzenden Einfamilienh&auml;user dazukaufen, die gl&uuml;cklicherweise gerade leerstanden&ldquo;, fuhr sie fort. &bdquo;Damit habe ich die Zahl der Betten verdoppelt.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Und die G&auml;ste fallen entsprechend ein?&ldquo;, fragte er.</p> <p>Sie nickte und l&auml;chelte zufrieden. &bdquo;Fast all unsere G&auml;ste aus Westkapelle sind uns hierher gefolgt. Und sie sind von Zuiderdijk so begeistert, dass sie uns ihren Freunden und Bekannten weiterempfehlen. Hier gibt es nicht so viele Lokale und bei denen handelt es sich durchweg um Restaurants.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Also keine Wirtschaft, in die man gehen kann, nur um zu trinken?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Richtig. Das macht dieses Dorf so uninteressant f&uuml;r die Leute, f&uuml;r die Urlaub in erster Linie darin besteht, sich jeden Tag zu betrinken. Ich hoffe, das bleibt hier auch noch lange so.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Wie sieht es denn mit der Konkurrenz f&uuml;r dich aus?&ldquo;, wollte Rainer wissen. &bdquo;Gibt es noch andere Pensionen? Oder Hotels?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Nein, nur Privatleute, die ein Zimmer oder eine umgebaute Garage auf dem Hinterhof an Touristen vermieten&ldquo;, erwiderte sie. &bdquo;Keine Konkurrenz f&uuml;r mich. Wer will, kann drei Mahlzeiten am Tag buchen. Das spart eine Menge Geld im Gegensatz zu t&auml;glichen Restaurantbesuchen und darauf achten viele meiner G&auml;ste.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Also ein richtig sch&ouml;ner, rundum langweiliger Urlaubsort&ldquo;, stellte er am&uuml;siert fest. &bdquo;Und man muss nicht mal das Haus verlassen, um ein Mittagessen oder ein Abendessen zu bekommen.&ldquo; Er nickte angetan. &bdquo;Es war richtig von mir herzukommen. Ich brauche so einen Ort, an dem einfach gar nichts passiert.&ldquo;</p> <p>Jenny musste lachen, w&auml;hrend sie mahnend den Zeigefinger hob. &bdquo;Einfach gar nichts stimmt so nicht. Dienstags m&uuml;ssen wir bis um sieben Uhr morgens die M&uuml;lltonnen rausstellen.&ldquo;</p> <p>Rainer verzog das Gesicht. &bdquo;So viel Aufregung ist nicht gut f&uuml;r mich, glaube ich.&ldquo; Er stutzte, als ihm auffiel, dass Jenny einen der Tische mit einem d&uuml;steren Blick bedachte. &bdquo;Stimmt irgendwas nicht?&ldquo;, fragte er besorgt.</p> <p>&bdquo;Nein, nein, alles in Ordnung&ldquo;, beteuerte sie.</p> <p>&bdquo;Na, komm schon, Jenny&ldquo;, erwiderte Rainer. &bdquo;Ich kenne dich gut genug, um zu wissen, wann etwas nicht in Ordnung ist. Und das ist jetzt gerade der Fall.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Na ja, es ist einfach seltsam&ldquo;, brachte sie nach kurzem, nachdenklichem Schweigen heraus.</p> <p>&bdquo;Was ist seltsam?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Einer meiner G&auml;ste ist verschwunden&ldquo;, sagte sie.</p> <p>&bdquo;Verschwunden? Sa&szlig; er eben noch da und ist jetzt weg?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Nein, er ist nicht zum Fr&uuml;hst&uuml;ck erschienen.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Dann hat er wohl verschlafen&ldquo;, meinte Rainer.</p> <p>&bdquo;Ich habe seine Codekarte &uuml;berpr&uuml;ft. Er hat gestern Abend um kurz nach halb zehn sein Zimmer verlassen und ist seitdem nicht wieder aufgetaucht.&ldquo; Jenny seufzte. &bdquo;Es w&uuml;rde mich nicht so irritieren, wenn er nicht gestern nach dem Abendessen ausdr&uuml;cklich gesagt h&auml;tte, dass er heute Morgen eine gro&szlig;e Portion R&uuml;hrei haben wollte.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Na, wenn du jetzt nicht wei&szlig;t, wohin damit, dann kannst du mir das R&uuml;hrei &uuml;berlassen&ldquo;, scherzte er.</p> <p>Aber sie blieb ernst und sch&uuml;ttelte fl&uuml;chtig den Kopf, um ihm zu signalisieren, dass sie das Ganze nicht lustig fand. &bdquo;M&ouml;chtest du was essen?&ldquo;, fragte sie. &bdquo;Oder etwas trinken? Entschuldige, aber daran habe ich bis jetzt nicht gedacht, weil ich viel zu erstaunt war, dich nach so langer Zeit wiederzusehen.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Kein Problem, Jenny&ldquo;, versicherte er ihr. &bdquo;Wenn ich was haben m&ouml;chte, melde ich mich schon, okay?&ldquo;</p> <p>Sie l&auml;chelte ihn an. &bdquo;Ja, okay.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Was deinen verschwundenen Gast angeht&ldquo;, &uuml;berlegte Rainer, &bdquo;hat er vielleicht gestern Abend eine nette Dorfbewohnerin kennengelernt und die Nacht mit ihr verbracht. Da w&auml;re es doch kein Wunder, wenn er dar&uuml;ber vergisst, dass hier eine gro&szlig;e Portion R&uuml;hrei auf ihn wartet.&ldquo;</p> <p>Jenny seufzte frustriert. &bdquo;Nat&uuml;rlich w&auml;re das m&ouml;glich, aber ich werde das Gef&uuml;hl nicht los, dass ihm etwas zugesto&szlig;en ist.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Ah&ldquo;, machte Rainer und musste unwillk&uuml;rlich l&auml;cheln. &bdquo;Du meinst, ihm hat wom&ouml;glich ein Scharfsch&uuml;tze aufgelauert, angeheuert von einem w&uuml;tenden Ehemann, der davon &uuml;berzeugt ist, dass dein Gast eine Aff&auml;re mit seiner Frau hat?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Ausgeschlossen ist so was doch nicht&ldquo;, gab sie zur&uuml;ck.</p> <p>&bdquo;Bist du immer noch so ein Krimi-Fan wie damals?&ldquo;, fragte Rainer.</p> <p>&bdquo;Ja, aber was hat das &hellip;&ldquo; Sie riss ungl&auml;ubig die Augen auf. &bdquo;Moment mal, willst du mir unterstellen, ich w&uuml;rde gleich ein Verbrechen vermuten, nur weil ich Krimis liebe?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Wei&szlig;t du was, Jenny?&ldquo;, sagte er. &bdquo;Was h&auml;ltst du davon, wenn wir beide ein bisschen auf dem Deich spazieren gehen, um da weiterzureden?&ldquo;</p> <p>Sie verschr&auml;nkte die Arme vor der Brust. &bdquo;Hast du Angst, ich k&ouml;nnte mich vor meinen Angestellten und meinen G&auml;sten zum Gesp&ouml;tt machen, wenn jemand meine Mordtheorie mitbekommt?&ldquo;</p> <p>Rainer legte seine Hand auf ihre Schulter. &bdquo;Nein, ich bef&uuml;rchte vielmehr, dass sp&auml;testens morgen die wildesten Ger&uuml;chte die Runde machen, wenn irgendjemand mitbekommt, welche M&ouml;glichkeiten du in Betracht ziehst.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Oh.&ldquo; Jenny verzog den Mund. &bdquo;Daran hatte ich gar nicht gedacht. Stimmt, drau&szlig;en k&ouml;nnen wir ungest&ouml;rter reden.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Gut. Dann bringe ich mein Gep&auml;ck nach oben, mache mich kurz frisch und danach k&ouml;nnen wir losgehen.&ldquo; Er ging zur&uuml;ck zu seinen Koffern.</p> <p>&bdquo;Und du willst wirklich nicht vorher noch etwas essen oder trinken?&ldquo;, vergewisserte sie sich.</p> <p>&bdquo;Wenn du dir unbedingt Umst&auml;nde machen willst, dann h&auml;tte ich gern ein &hellip; wie hie&szlig; das &hellip; ein Broodje Kaas. Mit jungem Gouda.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Sollst du bekommen&ldquo;, versprach sie ihm und steckte ihm die Codekarte f&uuml;r sein Zimmer in die obere Jackentasche, da er bereits die Koffer in den H&auml;nden hielt.</p> <p>Als sie die steile Treppe bew&auml;ltigt hatten, die auf der anderen Stra&szlig;enseite schr&auml;g gegen&uuml;ber der Pension hinauf zum Deich f&uuml;hrte, blieben sie stehen und drehten sich um, weil Rainer einen Blick auf das idyllische D&ouml;rfchen Zuiderdijk werfen wollte. Von einem Meer aus roten Ziegeld&auml;chern zu reden, w&auml;re sicher &uuml;bertrieben gewesen. Das Rot reichte nicht bis zum Horizont, sondern nur bis zu einem ausladenden Wald, der im &uuml;bertragenen Sinn das gegen&uuml;berliegende Ufer von Zuiderdijk darstellte. Lediglich die Kirche und der Leuchtturm ragten hoch &uuml;ber die D&auml;cher hinaus &ndash; und in gewisser Weise galt das auch f&uuml;r Jennys Pension: Ihr Geb&auml;ude war das Einzige im Ort, das noch ein zweites Stockwerk hatte. Allerdings wirkte sich dieser Umstand nicht nachteilig aus, da der Dachfirst noch unterhalb der Deichkrone lag und die Sicht auf das Dorf dadurch nicht beeintr&auml;chtigt wurde. Zudem stand das Haus genau an der Stra&szlig;e, die direkt am Deich entlang verlief, sodass es nicht einmal Nachbarn gab, die gegen&uuml;ber wohnten und sich in ihrem Sichtfeld eingeschr&auml;nkt f&uuml;hlen konnten.</p> <p>&bdquo;Huis Zonnebloem&ldquo;, las er den Namen vor, der in gro&szlig;en wei&szlig;en Buchstaben auf dem Dach geschrieben stand, um Touristen auf dem Deich auf sich aufmerksam zu machen. &bdquo;Bei uns w&uuml;rde deine Pension Haus Bienlein hei&szlig;en.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Bienlein? Nicht Sonnenblume?&ldquo;, fragte Jenny verwundert und zog den Rei&szlig;verschluss ihrer leicht gef&uuml;tterten Jacke zu. Obwohl die Sonne schien, war es nicht so warm, wie man h&auml;tte vermuten k&ouml;nnen. Ein kr&auml;ftiger Wind trieb die Wellen mit ihren wei&szlig;en Schaumkronen in Richtung K&uuml;ste und sorgte daf&uuml;r, dass man lieber zu einem d&uuml;nnen Pullover griff, wenn man das Haus verlie&szlig;.</p> <p>&bdquo;Eigentlich m&uuml;sste sie Pension Sonnenblume hei&szlig;en&ldquo;, stimmte er ihr zu und genoss den k&uuml;hlen Wind so sehr, dass er sich mit einem d&uuml;nnen Jeanshemd und einem leichten Mantel begn&uuml;gte, den er nicht mal zugekn&ouml;pft hatte. &bdquo;Aber in <i>deinem</i> Fall w&uuml;rde sie trotzdem Bienlein hei&szlig;en, weil ich mir sicher bin, dass du bei diesem Namen an Professor Zonnebloem gedacht hast. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie du damals die &sbquo;<i>Tim und Struppi&lsquo;</i>-Alben gelesen hast &hellip;&ldquo; Er bemerkte ihren fragenden Blick. &bdquo;Was bei euch &sbquo;<i>Kuifje&lsquo;</i> hei&szlig;t. Das waren ja auch immer kleine Krimis.&ldquo; Jetzt nickte sie verstehend. &bdquo;Euer Professor Zonnebloem hei&szlig;t bei uns Professor Bienlein. So viel wie kleine Biene.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Dir entgeht auch nichts, wie? Du bist wirklich gut&ldquo;, sagte sie. &bdquo;Zu gut. Und du wei&szlig;t zu viel. Ich werde dich verschwinden lassen m&uuml;ssen. Ganz unauff&auml;llig.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Sag mir, wenn ich dir dabei behilflich sein kann&ldquo;, konterte er ironisch. &bdquo;Vielleicht die Axt halten? Oder die giftige Tinktur r&uuml;hren?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Ich werde dir schon Bescheid sagen&ldquo;, erwiderte sie und zeigte auf die beiden einzigen markanten Punkte von Zuiderdijk. &bdquo;Da rechts siehst du unseren Leuchtturm, der aber schon vor Jahren abgeschaltet wurde. Besichtigen kann man ihn aber immer noch.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Und viele viele Stufen bew&auml;ltigen. Danke, aber das ist nichts f&uuml;r mich.&ldquo; Nachdenklich betrachtete er das schmale, hohe Bauwerk. &bdquo;Ich k&ouml;nnte schw&ouml;ren, dass ich hier fr&uuml;her mal durchgefahren bin und den wei&szlig;-rot gestreiften Leuchtturm gesehen habe, nicht komplett in Backsteinrot.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Deine Erinnerung tr&uuml;gt dich nicht, Rainer&ldquo;, antwortete sie. &bdquo;Fr&uuml;her hatte der Leuchtturm wei&szlig;e Streifen, aber nicht von Anfang an. Irgendwann hat irgendwer beschlossen, ihm wei&szlig;e Streifen zu verpassen. Aber als daraus ein Denkmal werden sollte, stellte man fest, dass das nicht der Originalzustand war. Also wurde erst mal die wei&szlig;e Farbe entfernt, ehe er zum Denkmal werden konnte.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Interessant. Und die Kirche?&ldquo;, wollte er wissen und zeigte nach links. &bdquo;Ist das noch eine Kirche?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Auch schon lange nicht mehr.&ldquo; Jenny musste grinsen und stupste ihn an, damit er sich umdrehte und sie auf dem Deich entlanggehen konnten. Am Strand rechts von ihnen waren ein paar Leute mit ihren Hunden unterwegs, die sich jetzt wieder dort tummeln durften, nachdem die letzten Touristen abgereist waren. &bdquo;Das Kuriose daran ist, dass die Menschen aus Zuiderdijk auf dem Platz rund um die Kirche einen Markt haben wollten. Doch die Kirchenleitung hat sich immer geweigert, den Platz daf&uuml;r freizugeben. Nachdem die Kirche dann keine Kirche mehr war, hat die Gemeinde beschlossen, sie in eine Markthalle umzubauen, in der die H&auml;ndler vor Wind und Wetter gesch&uuml;tzt ihre regionalen Waren anbieten k&ouml;nnen. Es war ein voller Erfolg und das ist bis heute so geblieben.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Und ein Tritt in den Hintern der Kirchenoberen, w&uuml;rde ich sagen.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Wir hatten alle unseren Spa&szlig; auf deren Kosten&ldquo;, bekr&auml;ftigte Jenny am&uuml;siert, wurde dann aber ernst. &bdquo;Lass uns &uuml;ber meinen verschwundenen Gast reden, Rainer.&ldquo;</p> <p>Er sch&uuml;ttelte den Kopf. &bdquo;Erst will ich wissen, ob du immer noch so eine Krimifanatikerin bist wie fr&uuml;her, als du dir so gut wie jede Krimiserie angesehen hast.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Nicht so gut wie jede&ldquo;, stellte sie schnell klar. &bdquo;All das blutr&uuml;nstige Zeug wollte ich nie sehen und das will ich heute auch noch nicht. Mich interessiert mehr, wie die Polizisten ermitteln und wie sie dann den T&auml;ter &uuml;berf&uuml;hren. Du wei&szlig;t schon: So wie bei &sbquo;<i>Derrick&lsquo;</i> und &sbquo;<i>Der Alte&lsquo;</i> und &sbquo;<i>Baantjer&lsquo;</i>.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Was ist &sbquo;Baantjer&lsquo;?&ldquo;, fragte er.</p> <p>&bdquo;Ach, stimmt, die kannst du ja gar nicht kennen. Die lief nur bei uns&ldquo;, antwortete sie. &bdquo;&sbquo;<i>Baantjer&lsquo;</i> ist so was wie der &sbquo;hollandse Derrick&lsquo;, aber noch viel cooler.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Also jung und dynamisch?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Ganz im Gegenteil. Commissaris de Cock ist eher so ein Typ, bei dem man denkt, dass er n&auml;chste Woche pensioniert wird. Der wirkt immer total entspannt, geht von einem Verd&auml;chtigen zum n&auml;chsten, stellt Fragen, macht Notizen und kurz vor Ende pr&auml;sentiert er den M&ouml;rder, wenn er sich ganz sicher ist, dass er den Richtigen hat.&ldquo;</p> <p>Rainer runzelte die Stirn. &bdquo;Wenn der Kommissar de Cock hei&szlig;t, wer ist dann dieser &sbquo;Baantjer&lsquo;?&ldquo;</p> <p>&bdquo;So hei&szlig;t der Mann, der die Romane geschrieben hat, nach denen die Serie entstanden ist&ldquo;, erkl&auml;rte sie. &bdquo;Aber nur weil ich Krimis liebe, hei&szlig;t das nicht, dass ich &uuml;berall Mord, Raub und andere Verbrechen sehe.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Du meinst, so wie damals, als deine beste Freundin entf&uuml;hrt worden war, nur weil sie nicht wie verabredet an eurem Stammtreffpunkt erschienen war?&ldquo;, fragte Rainer schmunzelnd. &bdquo;Oder als du die Polizei angerufen hast, weil du davon &uuml;berzeugt warst, dass euer Klassenlehrer seine Frau im Keller gefangen hielt? Oder als &hellip;&ldquo;</p> <p>&bdquo;Schon gut, h&ouml;r auf!&ldquo;, ging sie dazwischen. &bdquo;Damals war ich zehn oder elf. Da haben solche Geschichten eine ganz andere Wirkung. Heute sehe ich nicht &uuml;berall M&ouml;rder oder Entf&uuml;hrer oder was wei&szlig; ich. Trotzdem bin ich mir sicher, dass meinem Gast etwas zugesto&szlig;en ist.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Kannst du ihn nicht anrufen?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Das habe ich heute fr&uuml;h schon versucht, als ich festgestellt habe, dass er nicht zur&uuml;ck ins Haus gekommen ist&ldquo;, antwortete Jenny frustriert. &bdquo;Dummerweise ist der Teilnehmer nicht erreichbar.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Dann ruf die Polizei an, wenn dir das so zu schaffen macht&ldquo;, schlug er vor.</p> <p>Sie warf ihm einen Seitenblick zu. &bdquo;Dann glaubst du mir? Dass ihm etwas zugesto&szlig;en ist?&ldquo;</p> <p>Sofort hob er abwehrend die H&auml;nde. &bdquo;Nicht so hastig, Blondie. Ich glaube dir, dass du beunruhigt bist, aber aus meiner Sicht spricht nichts f&uuml;r ein Verbrechen oder ein Ungl&uuml;ck. Ich sage nur, dass du deine Beobachtung der Polizei melden k&ouml;nntest. Wenn du seinen Namen und eine Personenbeschreibung liefern kannst, dann k&ouml;nnen die sich umh&ouml;ren, ob er zum Beispiel in einen Unfall verwickelt war und im Krankenhaus liegt.&ldquo;</p> <p>Jenny verzog den Mund. &bdquo;Leider habe ich das schon versucht, aber der zust&auml;ndige Agent &hellip;&ldquo;</p> <p>&bdquo;Agent ist ein einfacher Polizist, richtig?&ldquo;, unterbrach er. &bdquo;Ich habe in zwanzig Jahren zwar einiges vergessen, aber ich glaube, das ist noch im Hirn.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Richtig, Rainer&ldquo;, sagte sie. &bdquo;Auf jeden Fall meinte er, ich m&uuml;sste mindestens achtundvierzig Stunden warten, wenn ich keinen konkreten Anhaltspunkt f&uuml;r ein Verbrechen habe.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Hat er das n&auml;her definiert?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Nein, er sagte nur, mein Gef&uuml;hl w&uuml;rde nicht z&auml;hlen, auch nicht meine Gewissheit.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Dann frage ich mich, was z&auml;hlt&ldquo;, sagte Rainer und lie&szlig; den Blick &uuml;ber das Meer schweifen. M&ouml;wen kreisten kreischend dort &uuml;ber dem Wasser, wo ein kleiner Fischkutter seine Netze ausgeworfen hatte. Einige Frachtschiffe waren nahe der K&uuml;ste unterwegs, da sie wohl den Hafen von Antwerpen ansteuerten.</p> <p>&bdquo;Seine Leiche&ldquo;, fl&uuml;sterte Jenny.</p> <p>&bdquo;Wenn du erst mal seine Leiche gefunden hast, dann musst du ihn ja nicht mehr als vermisst melden&ldquo;, gab er zur&uuml;ck.</p> <p>&bdquo;Nein, seine Leiche&ldquo;, wiederholte sie. &bdquo;Da unten liegt <i>seine Leiche</i>.&ldquo;</p> <h2>2. Kapitel</h2> <p>&bdquo;Was redest du da?&ldquo;, fragte Rainer verwundert und drehte sich zu ihr um.</p> <p>Jenny zeigte nach unten auf die B&uuml;sche, die am Rand des Deichs gepflanzt worden waren, um Spazierg&auml;nger dazu zu zwingen, nur die angelegten Treppen zu benutzen, aber nicht an jeder beliebigen Stelle den Deich platt zu trampeln.</p> <p>&bdquo;Da liegt er&ldquo;, fl&uuml;sterte sie. &bdquo;Da unten! Das ist Markus S&auml;nger, mein vermisster Gast!&ldquo;</p> <p>Er stellte sich zu ihr, beugte sich vor und kniff die Augen zusammen. &bdquo;Wie willst du das bitte erkennen? Mir ist ja nicht mal klar, was ich da &uuml;berhaupt sehe.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Der Mann liegt l&auml;ngs unter den B&uuml;schen. Die F&uuml;&szlig;e links, der Kopf rechts&ldquo;, erkl&auml;rte sie. &bdquo;Mir war seine etwas &hellip; sagen wir mal extravagante Farbkombination schon am ersten Tag aufgefallen. Da trug er diese gelbe Jacke mit roten Streifen. Sie war mir direkt aufgefallen, weil er von Weitem genauso wie einer von diesen Paketauslieferern aussah. Dazu diese weinrote Hose und diese Sneakers in Schwarz und Giftgr&uuml;n.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Jemand l&auml;uft freiwillig so durch die Gegend?&ldquo;, wunderte sich Rainer.</p> <p>&bdquo;Sagt der Mann, der in Hollywood jahrelang von noch exotischeren V&ouml;geln umgeben gewesen ist&ldquo;, konterte sie.</p> <p>&bdquo;Ja, aber das war das schrille Hollywood, nicht das beschauliche Zuiderdijk in Zeeland&ldquo;, erwiderte er.</p> <p>&bdquo;Vielleicht war S&auml;nger ja auch schon mal da und hat den Stil von da mitgebracht.&ldquo;</p> <p>Rainer sagte nichts, sondern lie&szlig; sich ihre Beschreibung der Kleidung dieses Mannes noch einmal durch den Kopf gehen. St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck begriff sein Verstand das Bild, das sich ihm bot. Und dann auf einmal konnte er genau erkennen, was Jenny sofort durchschaut hatte. Da lag tats&auml;chlich eine Person im Geb&uuml;sch, die keine Anzeichen daf&uuml;r erkennen lie&szlig;, dass sie noch lebte.</p> <p>Rainer schaute nach links und rechts. &bdquo;Es kommt keiner, lass uns hier runtergehen&ldquo;, sagte er und setzte vorsichtig einen Fu&szlig; vor den anderen, um auf dem feuchten Gras nicht auszurutschen.</p> <p>Jenny folgte ihm. Am Geb&uuml;sch ging sie in H&ouml;he des Kopfs neben dem Toten in die Hocke. Eine innere Stimme ermahnte sie, nicht gleich vom Schlimmsten auszugehen, denn Markus S&auml;nger war wom&ouml;glich nur ohnm&auml;chtig.</p> <p>Da er mit dem R&uuml;cken zu ihr lag, musste sie ihn ein St&uuml;ck weit zu sich drehen. Der Kopf hing nach rechts. Doch als sie mit Rainers Hilfe fest genug an dem K&ouml;rper zog, rollte er sich auf einmal wie von selbst auf den R&uuml;cken. Durch den Schwung kippte auch sein Kopf nach links, sodass seine Augen Jenny mit leerem Blick anstarrten.</p> <p>Sie brauchte einen Moment, um sich von diesem erschreckenden Anblick zu erholen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. &bdquo;Das <i>ist</i> Markus S&auml;nger&ldquo;, sagte sie mit absoluter Gewissheit. Sie hatte den Mann in den letzten paar Tagen etliche Male gesehen und sich immer &uuml;ber dies und jenes unterhalten, weshalb es keinen Zweifel an seiner Identit&auml;t gab. Und an der Tatsache, dass er tot war. &bdquo;Sieh dir mal seinen Hals an&ldquo;, bat sie Rainer, da er so aussah, als h&auml;tte jemand mit einem Messer ringsherum eine tiefe Kerbe hineingeritzt.</p> <p>&bdquo;Er wurde wohl mit einem Draht stranguliert&ldquo;, erkl&auml;rte Rainer. &bdquo;Sieh dir nur an, wie tief der sich ins Fleisch geschnitten hat.&ldquo;</p> <p>Jenny sah ihn erstaunt an. &bdquo;Bist du Fachmann f&uuml;r so was?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Ja, bin ich&ldquo;, gab er zur&uuml;ck. &bdquo;Aber nicht, was du denkst. Ich hatte das &sbquo;Vergn&uuml;gen&lsquo;, f&uuml;r einen Film gleich f&uuml;nf Schauspielerinnen mit solchen Maskenteilen zu versehen, damit es exakt so aussieht wie mit einem Draht stranguliert.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Dann wirst du wohl recht haben&ldquo;, stimmte sie ihm zu und griff nach dem Smartphone, um den Notruf zu w&auml;hlen. Als ihr Anruf endlich angenommen wurde, schilderte sie ihren Fund. &bdquo;Es kommt so schnell wie m&ouml;glich jemand her&ldquo;, sagte sie, nachdem sie wieder aufgelegt hatte.</p> <p>&bdquo;Na, dann bin ich mal gespannt, wie schnell &sbquo;so schnell wie m&ouml;glich&lsquo; ist&ldquo;, kommentierte Rainer.</p> <p>&bdquo;Vor allem frage ich mich, was wir jetzt machen sollen&ldquo;, &uuml;berlegte Jenny. &bdquo;Ich meine, wenn wir hier weiter rumstehen, wird irgendwer aus der Nachbarschaft auf uns aufmerksam werden und uns fragen, was denn los ist. Wenn wir gehen und lassen ihn so liegen, bemerken ihn andere und kommen auch noch her, um sich anzusehen, wer da liegt und was wohl passiert ist.&ldquo;</p> <p>Rainer kratzte sich nachdenklich am Kinn und sah sich wieder um. &bdquo;Sag mal, hinter den B&auml;umen da befindet sich doch dein G&auml;steparkplatz, richtig?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Ja, richtig.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Dann bin ich gleich wieder da&ldquo;, sagte er und schob zwei B&uuml;sche auseinander, um auf die andere Seite der Hecke zu gelangen.</p> <p>Unterdessen stand Jenny da und betrachtete ihre Umgebung, da sie sich fragte, wo S&auml;nger von seinem M&ouml;rder angegriffen und get&ouml;tet worden sein mochte. Hatte sich die Tat oben auf dem Deich ereignet? Ja, das war durchaus m&ouml;glich, weil sich dieser Abschnitt genau zwischen zwei Laternen befand und damit so sehr im Dunkeln lag, dass selbst ein Beobachter des Mordes nichts Genaues h&auml;tte erkennen k&ouml;nnen. Au&szlig;erdem war die Stelle weit genug von den H&auml;usern unten am Deich entfernt, sodass das Risiko eines zuf&auml;lligen Augenzeugens schon deutlich geringer war. Hatte er ihn einfach hier runterrollen lassen, ohne sich weiter um sein Opfer zu k&uuml;mmern? Sie sah sich den Toten genauer an, kam aber zu dem Schluss, dass das wohl nicht der Fall gewesen war. Seine Kleidung war weitestgehend sauber und das w&auml;re kaum m&ouml;glich gewesen, wenn er &uuml;ber das Gras gerollt w&auml;re. Erde und ein paar Halme w&auml;ren sicher am Stoff h&auml;ngengeblieben.</p> <p>Etwas verwunderte sie in diesem Moment &uuml;ber alle Ma&szlig;en: Sie sah heute zum ersten Mal in ihrem Leben einen toten Menschen und dazu noch jemanden, der einem Mord zum Opfer gefallen war. Sie hatte immer gedacht, dass sie so reagieren w&uuml;rde wie viele Leute in ihren Lieblingskrimis, die nach einem Blick auf den Toten erst mal ins Geb&uuml;sch liefen, weil sie sich &uuml;bergeben mussten.</p> <p>Aber das war nicht der Fall. Stattdessen war sie die Ruhe selbst und machte sich dar&uuml;ber Gedanken, wie sie mit dem Toten am besten verfahren sollten, bis die Polizei eintraf. Sie hatte nicht mal vor Schreck aufgeschrien, sie war nicht ver&auml;ngstigt zur&uuml;ckgewichen oder vor Entsetzen nicht in der Lage, einen zusammenh&auml;ngenden Satz zu bilden.</p> <p>Es erschien ihr nicht sehr &uuml;berzeugend, dass die vielen Filmtoten sie hatte abstumpfen lassen. Denn da war ihr ja immer klar gewesen, dass es sich bei ihnen um Schauspieler handelte, die nach der Szene wieder quicklebendig waren. Im Fall von Markus S&auml;nger wusste sie, dass er nicht wieder aufstehen w&uuml;rde. Aber vielleicht war es ja diese Gewissheit, nichts mehr tun zu k&ouml;nnen, die ihr diese innere Ruhe gab. Wom&ouml;glich w&auml;re es anders gewesen, wenn sie ihn schwer verletzt vorgefunden h&auml;tten und jetzt darum bangen m&uuml;ssten, dass die Ambulanz rechtzeitig eintraf, um ihn ins Krankenhaus zu bringen und sein Leben zu retten. Ja, vermutlich w&auml;re sie dann ein Nervenb&uuml;ndel gewesen, wenn sie gewusst h&auml;tte, dass es auf jede Sekunde ankam. F&uuml;r Markus S&auml;nger kam dagegen jede Hilfe zu sp&auml;t. Das Einzige, was man f&uuml;r ihn noch tun konnte, war die &Uuml;berf&uuml;hrung und Verurteilung seines M&ouml;rders.</p> <p>&bdquo;Da bin ich&ldquo;, rief Rainer ihr zu, der sich soeben wieder zwischen den B&uuml;schen hindurchgezw&auml;ngt hatte und ihr eine gro&szlig;e graue Plastikplane pr&auml;sentierte. &bdquo;Die ist f&uuml;r den Dachgep&auml;cktr&auml;ger gedacht. Darum ist sie gro&szlig; genug, um sie &uuml;ber deinen Toten zu legen.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Er ist nicht mein Toter&ldquo;, widersprach Jenny, griff nach einem Ende der Plane, hielt dann aber inne. &bdquo;Augenblick&ldquo;, sagte sie und zog ihr Smartphone aus der Tasche, tippte auf das Kamerasymbol und schoss Fotos von dem Toten.</p> <p>&bdquo;Jetzt sag nicht, du machst zum Andenken ein paar Fotos&ldquo;, knurrte Rainer ungehalten, der sein Ende der Plane noch festhielt.</p> <p>&bdquo;Ich w&uuml;rde es liebend gern nicht machen&ldquo;, versicherte sie ihm. &bdquo;Aber ich will mich nicht auf mein Ged&auml;chtnis verlassen m&uuml;ssen, wenn die Polizei nach drei oder vier Wochen noch mal vorbeikommt und weitere Fragen hat. Bis dahin hat sich in der Pension und ringsherum so viel ereignet, dass ich irgendein Detail l&auml;ngst vergessen habe.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Ich w&uuml;sste zwar nicht, welches Detail so wichtig sein k&ouml;nnte&ldquo;, entgegnete Rainer, &bdquo;aber prinzipiell hast du sicher recht. Wir neigen alle dazu, in unserer Erinnerung das eine oder andere zu ver&auml;ndern, wenn nur gen&uuml;gend Zeit verstrichen ist. Da sind Fotos schon besser, weil sie unbestechlich sind. Jedenfalls solange sie niemand bearbeitet.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Danke&ldquo;, sagte sie leise und machte weitere Fotos auch von der Umgebung, um die Stelle zweifelsfrei wiederfinden zu k&ouml;nnen. Als sie das Gef&uuml;hl hatte, jeden ma&szlig;geblichen Winkel erfasst zu haben, steckte sie ihr Smartphone wieder ein, griff nach dem anderen Ende der Plane und breitete sie &uuml;ber dem Toten aus. &bdquo;Wir sollten am besten auf dem Deich warten, bis die Polizei kommt. Da oben finden sie uns am leichtesten und von hier aus gelangen sie auch besser an den Toten.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Keine Einw&auml;nde von meiner Seite&ldquo;, sagte Rainer und folgte ihr zur&uuml;ck auf die Deichkrone. Ein paar Radfahrer waren dort unterwegs, aber keine anderen Spazierg&auml;nger.</p> <p>&bdquo;Du wirkst sehr gefasst, Jenny&ldquo;, stellte er fest, nachdem sie eine Weile schweigend Seite an Seite dagestanden hatten und jeder von ihnen seinen Gedanken nachgehangen war.</p> <p>&bdquo;Ja, das war mir selbst schon aufgefallen, als du die Plane geholt hast.&ldquo; Sie schilderte ihm, zu welcher Erkenntnis sie gekommen war.</p> <p>Rainer konnte ihr nur zustimmen, denn er hatte sie als mitf&uuml;hlenden Menschen kennengelernt, auch wenn sie da erst dreizehn oder vierzehn gewesen war.</p> <p>&bdquo;Du bist aber auch die Ruhe selbst&ldquo;, entgegnete Jenny schlie&szlig;lich.</p> <p>&bdquo;Das bringt wohl der Beruf als Maskenbildner so mit sich&ldquo;, antwortete er und verzog den Mund. &bdquo;Jeden Tag modellierst du blutende Fleischwunden, Verbrennungen jeden Grades, Verletzungen wirklich aller Art. Da denkst du nach einer Weile &hellip;&ldquo; Er unterbrach sich. &bdquo;Halt mich bitte nicht f&uuml;r herzlos oder piet&auml;tlos, wenn du das gleich h&ouml;rst. Aber wenn ich bei deinem Ex-Gast diese Verletzung sehe, dann denke ich: &sbquo;Ach, so sieht das in echt aus? Davon kann ich mir was abgucken.&lsquo; Bei anderen Fotos von Verletzungen denke ich dann wieder: &sbquo;Also, wenn ich so was mache, dann sieht das aber viel besser aus.&lsquo; Glaub mir, ich hasse mich selbst daf&uuml;r.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Das ist ja &hellip; ich wei&szlig; gar nicht, wie ich das bezeichnen soll&ldquo;, murmelte Jenny und musste unwillk&uuml;rlich auflachen, woraufhin sie erschrocken eine Hand vor den Mund hielt. &bdquo;Oh, das &hellip; das wollte ich gar nicht, tut mir leid. Aber irgendwo hat das schon was Lustiges, muss ich sagen.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Das sind halt die &uuml;blichen Berufskrankheiten&ldquo;, sagte er. &bdquo;Ein Malermeister entdeckt bei jeder Wand auf Anhieb die eine Stelle, an der die Farbe nicht richtig aufgetragen wurde. Ein Korrektor sieht sofort die zwanzig Rechtschreibfehler auf der Speisekarte beim Italiener. Dich kann man in ein beliebiges Hotelzimmer irgendwo auf der Welt stellen und du siehst sofort, was beim Bett falschgemacht wurde, was nicht da steht, wo es hingeh&ouml;rt, wo nicht Staub gewischt wurde und so weiter &hellip;&ldquo;</p> <p>&bdquo;Solange es uns nicht zu herzlosen Menschen macht&ldquo;, meinte Jenny, &bdquo;ist noch alles in Ordnung.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Richtig&ldquo;, stimmte er ihr zu und sah hinaus aufs Meer, w&auml;hrend ihnen der Seewind ins Gesicht blies. &bdquo;W&auml;ren wir das, dann k&ouml;nnten wir auch nicht eine solche Aussicht genie&szlig;en.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Oh ja&ldquo;, fl&uuml;sterte Jenny und kniff die Augen zu, um das Meeresrauschen auf sich wirken zu lassen, das sie stets in einen tiefenentspannten Zustand versetzte, aus dem sie am liebsten gar nicht geweckt werden wollte. Etwas sagte ihr, dass sie diese intensive Entspannung jetzt noch genie&szlig;en sollte, weil sie sp&auml;ter kaum noch Gelegenheit dazu bekommen w&uuml;rde. Warum sie so empfand, konnte sie sich nicht erkl&auml;ren &hellip;</p> <p>Die Erkl&auml;rung erhielt sie nur eine Dreiviertelstunde sp&auml;ter, als die Polizei eintraf, allen voran Commissaris Ilse Ruijters, noch keine drei&szlig;ig, sehr bestimmend und sicher auch sehr ehrgeizig &ndash; und sehr engstirnig, wie sich in den n&auml;chsten Minuten zeigen w&uuml;rde. Die dunkelbraunen Haare hatte sie streng nach hinten gek&auml;mmt und zu einem kurzen und so straffen Pferdeschwanz zusammengebunden, dass es so wirkte, als w&uuml;rde ihr ganzes Gesicht mit nach hinten gezogen. Vermutlich war sie nicht mal in der Lage, irgendeine Gef&uuml;hlsregung zu zeigen, weil die Haut keinen Spielraum mehr hatte. Sie trug ein Jackett und eine Anzughose und machte den Eindruck einer Managerin, die nur kurz ein Meeting verlassen hatte, um frische Luft zu schnappen. Wobei die Sache mit dem Luftschnappen gar nicht so einfach zu sein schien, da das Jackett wie auf den Leib gen&auml;ht sa&szlig; und scheinbar nur flache Atemz&uuml;ge zulie&szlig;.</p> <p>&bdquo;Guten Tag, ich bin Commissaris Ruijters&ldquo;, sagte sie in einem unverbindlichen Tonfall. &bdquo;Sie haben uns informiert, dass Sie hier eine Leiche gefunden haben?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Ja, ich bin Jenny van Oosterburg&ldquo;, stellte sie sich vor und deutete mit einem Kopfnicken auf ihren Begleiter. &bdquo;Und das ist Rainer Trompeter, ein guter Freund meiner Familie.&ldquo;</p> <p>Die Polizistin, die in Begleitung von zwei uniformierten Polizisten auf den Deich gekommen war, nickte nur knapp und fragte. &bdquo;Und wo ist die Leiche.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Da unten am Fu&szlig; des Deichs&ldquo;, sagte Jenny und zeigte in die entsprechende Richtung.</p> <p>Commissaris Ruijters stutzte. &bdquo;Woher wussten Sie, dass unter der Plane eine Leiche liegt?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Der Tote lag nicht unter der Plane&ldquo;, erkl&auml;rte Rainer. &bdquo;Die haben wir eben &uuml;ber ihn gelegt, um ihn vor den Blicken von Gaffern zu sch&uuml;tzen.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Das hei&szlig;t, Sie haben den Tatort ver&auml;ndert&ldquo;, sagte die Frau und schnaubte.</p> <p>&bdquo;Wir wollten nicht, dass jemand auf ihn aufmerksam wird und vielleicht auch noch Fotos im Internet postet&ldquo;, gab Jenny zur&uuml;ck. &bdquo;Au&szlig;erdem muss sich das nicht gleich im ganzen Dorf herumsprechen.&ldquo;</p> <p>Die Polizistin gab ihren Kollegen ein Zeichen, dass sie nach unten gehen sollten, und folgte ihnen auf ihren flachen Schuhen, die sich mit ihrem sonst so adretten Outfit stachen.</p> <p>Jenny und Rainer gingen hinter ihr her, da damit zu rechnen war, dass es Fragen zu beantworten gab. Als sie unten ankamen, zogen die beiden Polizisten die Plane weg und gaben sie an Rainer zur&uuml;ck, der mit Handzeichen seinen Besitzanspruch geltend gemacht hatte. Er nahm sie an sich und faltete sie ordentlich zusammen.</p> <p>&bdquo;Und so haben Sie ihn hier entdeckt?&ldquo;, fragte die Polizistin.</p> <p>&bdquo;Nein, er lag auf der rechten Seite unter der Hecke&ldquo;, erkl&auml;rte Jenny. &bdquo;Bemerkt habe ich ihn auch nur wegen seiner auff&auml;llig gef&auml;rbten Kleidung.&ldquo;</p> <p>Die Polizistin sah sie eindringlich an. &bdquo;Sie haben den Leichnam bewegt?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Ja&ldquo;, antwortete Jenny. &bdquo;Wir mussten uns ja wenigstens vergewissern, dass er tot ist.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Das h&auml;tten wir schon noch erledigt.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Nachdem Sie fast eine Stunde gebraucht haben, um herzukommen, Mevrouw Commissaris?&ldquo;, konterte Jenny. &bdquo;Vielleicht h&auml;tte er noch gelebt, als wir ihn fanden, aber nicht eine Stunde lang durchgehalten. H&auml;tte ich ihn sterben lassen sollen?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Sie haben die Position des Toten ver&auml;ndert, das ist nicht gut.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Ich habe sie ver&auml;ndert, um festzustellen, ob er noch lebt!&ldquo;, beharrte sie. &bdquo;Ich frage Sie noch einmal, Commissaris: H&auml;tte ich ihn sterben lassen sollen? Dann w&auml;re ich noch wegen unterlassener Hilfeleistung vor Gericht gestellt worden.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Nat&uuml;rlich h&auml;tten Sie ihn nicht sterben lassen sollen, Mevrouw van Oosterburg. Aber es gibt auch andere Mittel und Wege, um festzustellen, ob ein mutma&szlig;lich Toter auch tats&auml;chlich tot ist.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Tut mir leid&ldquo;, gab Jenny zur&uuml;ck. &bdquo;Aber ich hatte das Handbuch f&uuml;r tausend unerwartete Situationen leider zu Hause vergessen. Au&szlig;erdem war ich noch nicht bis zum Kapitel zehn &sbquo;Tot oder nicht tot?&lsquo; gekommen.&ldquo;</p> <p>Die Polizistin lie&szlig; den vorwurfsvollen Ton von sich abprallen, als w&uuml;rde sie nur dabeistehen und das Geschehen beobachten. &bdquo;Man kann der mutma&szlig;lich toten Person auch einen Taschenspiegel vor Mund und Nase halten, um zu sehen, ob der Spiegel beschl&auml;gt.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Ich hatte aber keinen Spiegel zur Hand.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Man kann auch den Puls f&uuml;hlen&ldquo;, gab sie zu bedenken.</p> <p>Jenny verzog den Mund. &bdquo;Wenn es danach ginge, w&auml;re ich schon seit Jahrzehnten tot. Ich kann ja nicht mal meinen eigenen Puls ertasten.&ldquo;</p> <p>Die Polizistin atmete seufzend aus und sch&uuml;ttelte den Kopf, bevor sie sich die Umgebung rund um den Toten ansah. Nach einem Blick auf Jennys und Rainers Schuhe fuhr sie fort: &bdquo;Ich muss wohl annehmen, dass da alles Abdr&uuml;cke Ihrer Schuhsohlen sind, richtig?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Richtig&ldquo;, best&auml;tigte Jenny. &bdquo;Wir mussten ja schlie&szlig;lich erst feststellen, ob da wirklich jemand liegt oder ob nur irgendwer Kleidung da hingelegt hat. Ich glaube, Sie w&auml;ren nicht hergekommen, wenn ich angerufen und gemeldet h&auml;tte, dass hier eine Jacke, eine Hose und ein Paar Schuhe so im Geb&uuml;sch liegen, dass es aussieht, als h&auml;tte man eine Leiche zur&uuml;ckgelassen.&ldquo;</p> <p>Die Polizistin zog eine Augenbraue hoch.</p> <p>&bdquo;Sie d&uuml;rfen gerne sagen, dass wir uns richtig verhalten haben&ldquo;, f&uuml;gte Jenny m&uuml;rrisch an. &bdquo;Oder h&auml;tten Sie in den Medien lieber die Schlagzeile &sbquo;Sterbender Mann liegt am Deich &ndash; f&uuml;nfzig Spazierg&auml;nger schauen weg&lsquo; gelesen?&ldquo;</p> <p>Commissaris Ruijters sah auf ihr Tablet, als w&uuml;rde dort die Antwort auf Jennys Frage zu finden sein. Schlie&szlig;lich murmelte sie: &bdquo;Sie haben sich richtig verhalten. Trotzdem h&auml;tte ich es lieber gesehen, wenn der Tatort nicht ver&auml;ndert worden w&auml;re.&ldquo; Als Jenny zu einem erneuten Protest ansetzen wollte, hob die Polizistin abwehrend die Hand: &bdquo;Ja, ich wei&szlig;. Sie mussten sich erst mal vergewissern, ob da &uuml;berhaupt jemand liegt, und Sie konnten nicht ohne Weiteres feststellen, ob die Person noch lebt. Beides kann aber dazu gef&uuml;hrt haben, dass wichtige Spuren zerst&ouml;rt wurden, die uns zum T&auml;ter h&auml;tten f&uuml;hren k&ouml;nnen.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Wie sollten wir das verhindern?&ldquo;, warf Rainer ein. &bdquo;Jeder w&uuml;rde doch erst mal instinktiv versuchen, einen m&ouml;glicherweise Schwerverletzten zu retten, wenn es nicht wirklich offensichtlich ist, dass derjenige ohne Zweifel tot ist. Ich meine, man kann ja auch nicht zuallererst von einem Verbrechen ausgehen. Er k&ouml;nnte ja auch auf dem Deich das Bewusstsein verloren haben, ist zur Seite gekippt und die Schr&auml;ge hinuntergerollt.&ldquo;</p> <p>Die Polizistin h&ouml;rte sich scheinbar geduldig alles an, was die beiden ihr zu sagen hatten, auch wenn es mehr als offensichtlich war, dass sie sie am liebsten einfach h&auml;tte stehen lassen. In gewisser Weise tat sie das auch, da sie Einweghandschuhe anzog, sich hinkniete und den Leichnam abtastete. &bdquo;Ich verstehe, was Sie meinen, und ich verstehe auch das Dilemma, in dem man sich in einem solchen Moment befindet. Ich m&ouml;chte Sie nur daf&uuml;r sensibilisieren, m&ouml;glichst wenig zu ver&auml;ndern, wenn Sie das n&auml;chste Mal einen Toten finden &hellip;&ldquo;</p> <p>&bdquo;&hellip; was hoffentlich nie geschehen wird&ldquo;, gab Jenny zur&uuml;ck. &bdquo;Eine Leiche reicht mir f&uuml;rs ganze Leben.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Was k&ouml;nnen Sie mir &uuml;ber den Mann sagen?&ldquo;, wechselte Commissaris Ruijters das Thema.</p> <p>&bdquo;Er hei&szlig;t Marcus S&auml;nger, kommt aus Deutschland, hat einige N&auml;chte in meiner Pension verbracht &hellip;&ldquo;</p> <p>&bdquo;Welche Pension ist das?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Die Einzige in Zuiderdijk. Huis Bie&hellip; Zonnebloem&ldquo;, antwortete sie und warf Rainer einen gespielt w&uuml;tenden Blick zu, da er bei ihrem Versprecher zu grinsen begonnen hatte.</p> <p>&bdquo;Okay&ldquo;, sagte die Polizistin und machte eine Notiz.</p> <p>&bdquo;Er wollte noch bis n&auml;chste Woche bleiben. Gestern Abend ist er gegen halb zehn am Abend noch mal weggegangen. F&uuml;r heute Morgen hatte er ausdr&uuml;cklich R&uuml;hrei bestellt, aber zum Fr&uuml;hst&uuml;ck ist er nicht mehr erschienen.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Haben Sie ihn als vermisst gemeldet?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Das habe ich heute Morgen versucht, aber der Mitarbeiter in Ihrer Dienststelle, oder wo auch immer er gesessen haben mag, war der Meinung, dass ich so schnell noch keine Vermisstenmeldung machen k&ouml;nne&ldquo;, erkl&auml;rte Jenny.</p> <p>&bdquo;Dem Kollegen werde ich mal Bescheid geben m&uuml;ssen, dass es so nicht geht&ldquo;, erwiderte die Polizistin.</p> <p>&bdquo;Oh, ich m&ouml;chte aber nicht, dass der junge Mann meinetwegen &Auml;rger bekommt!&ldquo;</p> <p>&bdquo;Keine Sorge, es wird nur eine Ermahnung sein.&ldquo; Dann zeigte sie auf den Toten. &bdquo;Er hat keine Papiere bei sich. Kann es sein, dass die sich noch in Ihrer Pension befinden?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Das ist m&ouml;glich&ldquo;, antwortete Jenny. &bdquo;Ich habe heute fr&uuml;h nur einen fl&uuml;chtigen Blick in sein Zimmer geworfen, um mich zu vergewissern, dass er nicht doch in der Nacht zur&uuml;ckgekommen ist und das System das nicht erfasst hat.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Gut, dann lasse ich anschlie&szlig;end einen meiner Leute zu Ihnen kommen, damit er nach den Papieren sucht und sich bei der Gelegenheit das Zimmer ansieht, ob Hinweise auf den T&auml;ter zu finden sind.&ldquo; Nach einer kurzen Pause f&uuml;gte sie hinzu: &bdquo;Vorausgesetzt, Sie haben dort nicht auch irgendwelche Ver&auml;nderungen vorgenommen.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Keine Sorge&ldquo;, antwortete sie ein wenig pikiert. &bdquo;W&auml;hrend wir auf Ihre Ankunft gewartet haben, habe ich meinen Zimmerm&auml;dchen gesagt, dass sie den Raum komplett in Ruhe lassen sollen.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Gut. Der Kollege wird bei der Gelegenheit auch die Personalien von Ihnen beiden aufnehmen&ldquo;, fuhr sie fort. &bdquo;Ach ja, und er wird von Ihnen beiden die Schuhsohlen fotografieren und Ihre Fingerabdr&uuml;cke nehmen. Umso leichter finden wir vielleicht noch brauchbare Spuren, wenn wir wissen, was wir alles unber&uuml;cksichtigt lassen k&ouml;nnen.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Wir stellen alles zur Verf&uuml;gung, was Sie ben&ouml;tigen, um diese grausige Tat aufzukl&auml;ren&ldquo;, versicherte Jenny ihr. &bdquo;Ich will schlie&szlig;lich wissen, wer meinen Gast auf dem Gewissen hat und warum S&auml;nger sterben musste.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Sie wissen aber, dass ich Ihnen w&auml;hrend der Ermittlungen keine Auskunft dar&uuml;ber erteilen kann, was wir herausgefunden haben?&ldquo;, hakte die Polizistin nach.</p> <p>&bdquo;Ja, ich wei&szlig;&ldquo;, best&auml;tigte Jenny. &bdquo;Aber wenn von dem T&auml;ter Gefahr f&uuml;r andere G&auml;ste ausgehen k&ouml;nnte, werden Sie mir doch Bescheid geben, nicht wahr?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Selbstverst&auml;ndlich, Mevrouw van Oosterburg&ldquo;, antwortete Commissaris Ruijters, doch ihre Worte klangen mehr wie eine dahingesagte Floskel.</p> <p>Jenny konnte nur hoffen, dass dieser Eindruck t&auml;uschte und die &uuml;brigen G&auml;ste in ihrer Pension vor dem M&ouml;rder sicher waren.</p>

Erscheint lt. Verlag 1.6.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Schlagworte Bundle • Cosy Crime • Ermittlerin • Krimi • Küste • Küstenkrimi • Meer • Mord • Nordsee • Nordseekrimi • Spannung
ISBN-10 3-69090-290-8 / 3690902908
ISBN-13 978-3-69090-290-8 / 9783690902908
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