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Glanz der Zukunft & Schatten der Freiheit & Wege des Schicksals (eBook)

Drei Teile der Familiensaga in einem Band

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025
867 Seiten
dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH (Verlag)
978-3-69090-308-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Glanz der Zukunft & Schatten der Freiheit & Wege des Schicksals - Elisa Rimpach
Systemvoraussetzungen
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Zwei Schwestern streben nach einer selbstbestimmten Zukunft im München des 19. Jahrhunderts
Drei Bestseller in einem Band – die ersten drei Teile der bewegenden Familiensaga

Glanz der Zukunft
München, 1895: Isolde und Elsa führen ein behütetes Leben in der Oberschicht Münchens. Als ihr Vater unerwartet stirbt und die Hofsattlerei vor dem Ruin steht, müssen die Schwestern einen Weg finden, um das Familienunternehmen zu retten. Dabei stehen ihnen nicht nur ihre eigenen Erwartungen ans Leben im Weg, sondern auch gesellschaftliche Vorurteile gegen die sie mit allen Mitteln ankämpfen. Während Isolde versucht ihren Wunsch nach Unabhängigkeit und beruflicher Selbstständigkeit über das familiäre Pflichtgefühl zu stellen, strebt Elsa nach einem glanzvollen Leben in der Münchner High Society und sozialem Aufstieg. Doch ihr Herz hat eigene Pläne und auf einmal muss sie eine Entscheidung treffen, die ihr ganzes Leben verändern wird …

 

Schatten der Freiheit
München, 1899: Nach dem Tod ihres Vaters und dem Verlust des gewohnten Umfelds versuchen die beiden Schwestern Elsa und Isolde alles, um sich in ihrem neuen Leben zurechtzufinden. Allerdings ist Elsa gefangen in einer lieblosen Ehe und nur ihr dreijähriger Sohn sorgt für etwas Glück in ihrem tristen Alltag. Als sie auf einer Gesellschaft einen früheren Bekannten wieder trifft, erwachen vergangen geglaubte Gefühle, die ihr endlich wieder Mut geben. Währenddessen fu?hrt Isolde ein glu?ckliches Leben an der Seite von Emily. Die beiden genießen die Kunst und die ausschweifenden Feste des Fin de Siècle. Doch das Schicksal hat grausame Pläne für die Schwestern, denn die Schatten der Vergangenheit greifen nach ihnen und ein weiterer Verlust könnte ihr Leben erneut ins Chaos stürzen.

 

Wege des Schicksals
Tanga, 1906: Nachdem Elsa nun schon mehrere Jahre in der Kolonie Deutsch-Ostafrika lebt, folgt ihr schließlich ihre Schwester Isolde nach. Deren Mission ist es, die bahnbrechenden Forschungen von Robert Koch zur Schlafkrankheit fotografisch zu dokumentieren. Doch was sie dabei entdeckt, erschüttert nicht nur ihre Überzeugungen, sondern lässt sie an den Grenzen der Wissenschaft zweifeln. Auch Elsa hat es alles andere als leicht, denn ein Nervenzusammenbruch zwingt sie in ein abgelegenes Sanatorium und ihre Plantage steht kurz vor dem Konkurs. Zwischen Intrigen, Sabotagen und Tragödien versuchen sich die Schwestern allen Widrigkeiten zum Trotz durchzusetzen. Wird es ihnen gelingen, ihren Herzen zu folgen und eine gemeinsame Zukunft aufzubauen?

Erste Leser:innenstimmen
„Eine packende Geschichte über Mut, Liebe und dem Streben nach Unabhängigkeit. Klare Leseempfehlung!“
„Mitreißende Familiensaga, die mich von der ersten Seite an in ihren Bann gezogen hat! Die vielschichtigen Charaktere und ihre individuellen Träume haben mich tief berührt.“
„Fesselndes Zusammenspiel aus historischen Ereignissen und persönlichen Schicksalen.“
„Ich habe mit Isolde und Elsa mitgelitten, gelacht und ihre Erfolge gefeiert. Wundervolle historische Romane!“



<p>Elisa Rimpach ist das Pseudonym des Autors Matthias Ernst, der 1980 in Ulm geboren wurde. Er arbeitet tags&uuml;ber als Psychologe mit Vorschulkindern und schreibt abends Krimis, Thriller und historische Romane. Im dp Verlag erschienen zuletzt die Thriller &bdquo;Der Therapeut&ldquo;, &bdquo;Die Professorin&ldquo; und &bdquo;Die Headhunterin&ldquo;. Matthias Ernst lebt mit seiner Familie, einer betagten Schildkr&ouml;te und einer neurotischen Hundedame in Oberschwaben.</p>

<h2>Kapitel 1</h2> <div class="style_time_loc"> <p>Sonntag, 6. Mai 1895</p> </div> <p>Ein Sturm tobte in den Bergen. Die F&ouml;hnlage, die seit Tagen f&uuml;r herrliches Fr&uuml;hsommerwetter gesorgt hatte, brach blitzend und donnernd in sich zusammen. In der Stadt war nichts davon zu sp&uuml;ren. Die M&uuml;nchener genossen den lauen Abend. Sp&auml;te Spazierg&auml;nger flanierten durch den Englischen Garten. In den Bierkellern wurde getrunken und Karten gespielt, in den Kaffeeh&auml;usern diskutiert und philosophiert. Die Daheimgebliebenen auf ihren Terrassen, Balkonen oder an ihren weit ge&ouml;ffneten Fenstern bestaunten das Schauspiel, das ihnen das ferne Wetterleuchten &uuml;ber der Zugspitze bot.</p> <p>In der Bogenhausener Villa des Sattlermeisters und Leder-Fabrikanten Maximilian Hartmann war das Personal mit den letzten Vorbereitungen f&uuml;r den abendlichen Empfang besch&auml;ftigt. Die Dienstm&auml;dchen r&uuml;ckten das im Schein der Gl&uuml;hbirnen funkelnde Silbergeschirr auf der langen Tafel zurecht. Angus, der Butler, begutachtete derweil die Weinflaschen, die eine nicht abrei&szlig;ende Prozession von K&uuml;chenjungen aus dem Keller herauf schafften, mit einem, von einem Monokel riesenhaft vergr&ouml;&szlig;erten Auge. W&uuml;rzige Bratend&uuml;fte waberten von der K&uuml;che her in den gro&szlig;en Saal, in dem das Festbankett stattfinden sollte. Dessen Glast&uuml;ren &ouml;ffneten sich zum Garten hin und gaben den Blick frei auf die blau-wei&szlig; geflieste Terrasse, wo zwei Diener die Kerzenleuchter auf den in einem Halbrund angeordneten Stehtischchen entz&uuml;ndeten.</p> <p>Das grelle Licht der elektrischen Beleuchtung des Saals reichte bis zum ersten der beiden, durch einen Rosenbogen und vier hohe Tannen getrennten Rondelle aus englischem Rasen, die den gr&ouml;&szlig;ten Teil des Gartens der Villa einnahmen. Es wurde von pfirsichfarbenen Rosen eingerahmt, deren noch halb geschlossene Bl&uuml;ten das Nahen des Sommers ank&uuml;ndigten. Die zweite Rasenfl&auml;che lag im abendlichen Schatten. Das Klirren der Gl&auml;ser und die Gespr&auml;che der Dienstboten drangen nur ged&auml;mpft durch die Nadeln der B&auml;ume und die dichten Rosenb&uuml;sche. Ganz am Ende des Gartens stand ein von einem Zwiebelt&uuml;rmchen gekr&ouml;nter persischer Pavillon. Auf einer Bank sa&szlig; dort eine junge Frau und las im Schein einer Petroleumlampe in einem Buch. Ihre Stirn war gefurcht und ihre Augen glitten unentwegt &uuml;ber die Zeilen. Sie war so in ihre Lekt&uuml;re vertieft, dass sie das M&auml;dchen nicht h&ouml;rte, das sich ihr mit raschen Schritten n&auml;herte.</p> <p>&bdquo;Wusste ich doch, dass ich dich hier finden w&uuml;rde&ldquo;, sagte die neu Angekommene.</p> <p>Die Angesprochene las den Absatz fertig, ehe sie aufblickte.</p> <p>&bdquo;Was gibt es, Elsa?&ldquo;, fragte sie.</p> <p>&bdquo;Du sollst zu Papa kommen. Die G&auml;ste werden jeden Augenblick eintreffen.&ldquo;</p> <p>Die Leserin seufzte. &bdquo;Manchmal w&uuml;nschte ich, Papa w&uuml;rde wieder heiraten. Am besten eine Frau, die in der Rolle der Gastgeberin aufgeht. So wie du&ldquo;, sagte sie.</p> <p>Elsa lachte hell auf. &bdquo;Ach, Isolde, eine Stiefmutter w&uuml;nschst du dir ebenso wenig wie ich. Und jetzt komm! Du solltest dich frisch machen. Deine Haare sehen aus, als ob ein Vogelschwarm darin leben w&uuml;rde. Und was tr&auml;gst du denn da f&uuml;r ein Kleid? Herrje, du hast dich ja gar nicht umgezogen!&ldquo;</p> <p>Isolde seufzte noch einmal und sah auf ihr wei&szlig;es Leinenkleid hinab. &bdquo;Geh schon vor, ich komme gleich nach.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Gut, aber beeil dich! Die ersten G&auml;ste treffen bereits ein.&ldquo;</p> <p>Von der Stra&szlig;e her war das Rumpeln schwerer R&auml;der zu h&ouml;ren. Isolde nickte, doch ihr Blick fand den Absatz wieder, bei dem sie zu lesen aufgeh&ouml;rt hatte, und als ihre Schwester durch den Rosenbogen eilte, waren ihre Gedanken l&auml;ngst an einem weit entfernten Ort.</p> <div class="divider"> <p>***</p> </div> <p>Als Elsa in den Saal zur&uuml;ckkehrte, waren die ersten G&auml;ste bereits eingetroffen. Der Vater stand bei einer Gruppe von Herren seines Alters. Er trug einen schwarzen Frack, den ein Dienstm&auml;dchen am Nachmittag stundenlang von Fusseln befreit hatte, sowie ein bl&uuml;tenwei&szlig;es Hemd, von Angus geb&uuml;gelt und gest&auml;rkt. Das Gesicht ihres Vaters war ger&ouml;tet und die Spitzen seines Schnurrbartes h&uuml;pften auf und ab, w&auml;hrend er sich unterhielt.</p> <p>Der Butler f&uuml;hrte vom kleinen Salon her drei M&auml;nner in blauen Galauniformen mit scharlachroten Kr&auml;gen und Aufschl&auml;gen in den Saal. Ihr Anblick lie&szlig; Elsas Herz ein wenig rascher schlagen. Es waren Offiziere, Unterlieutenants zwar nur, wie sie an der einzelnen goldenen Metalltresse an den Kragenenden erkannte. Aber in einem Alter, in dem sie auf gl&auml;nzende Laufbahnen hoffen konnten.</p> <p>Sie eilte auf die Soldaten zu, die ihre mit Hahnenfedern geschm&uuml;ckten Zweispitze absetzten, Haltung annahmen und salutierten.</p> <p>Elsa schenkte ihnen ihr sch&ouml;nstes L&auml;cheln. &bdquo;Im Namen meines Vaters darf ich Sie von Herzen zu unserem kleinen Empfang begr&uuml;&szlig;en. Es freut mich ganz besonders, dass Sie als Angeh&ouml;rige des Offizierskorps uns mit Ihrer Anwesenheit beehren.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Mademoiselle&ldquo;, sagten die drei Unterlieutenants im Chor und schlugen dabei ihre Hacken so knallend zusammen, dass die &auml;ltere Frau, die eben am Arm ihres Gatten vorbei flanierte, zusammenzuckte.</p> <p>&bdquo;Gestatten Sie mir, dass ich Ihnen meine Kameraden vorstelle?&ldquo;, fragte einer der drei, ein H&uuml;ne mit flachsblondem, kurz geschorenem Haar, einem sorgf&auml;ltig gestutzten Schnurrbart und einer wulstigen Narbe auf der rechten Wange. Elsa neigte den Kopf zur Seite und hob auffordernd die Augenbrauen. Das war ganz nach ihrem Geschmack. F&uuml;r Offiziere mit einem Schmiss hatte sie eine Schw&auml;che.</p> <p>&bdquo;Zu meiner Linken Unterlieutenant von Waldsee, zu meiner Rechten Unterlieutenant von Heilmann. Und meine Wenigkeit, Bruno, Graf von Scharfenberg, ebenfalls Unterlieutenant. Vom 1. Schweren Reiterregiment.&ldquo;</p> <p>Die Vorgestellten verneigten sich.</p> <p>&bdquo;Es ist mir eine Ehre&ldquo;, sagte Elsa. &bdquo;Ich hoffe, die Herren haben einen bequemen Sitz auf unseren S&auml;tteln?&ldquo;</p> <p>Die breite Mensurnarbe auf der linken Wange von Unterlieutenant von Waldsee gl&auml;nzte fleischig im Schein der Gl&uuml;hbirnen. &bdquo;Zu bequem darf ein echter Kavalleriesattel nicht sein. Wenn wir im Felde dem Feinde mit gezogenem S&auml;bel entgegen jagen, z&auml;hlt allein die Festigkeit. Ein sicherer Sitz, das ist es, was wir Kavalleristen brauchen, und das zeichnet die Hartmannschen S&auml;ttel vor allen anderen aus.&ldquo;</p> <p>Seine Begleiter nickten beif&auml;llig. Elsa l&auml;chelte.</p> <p>&bdquo;Es freut mich, das zu h&ouml;ren. Ich hoffe, die Herren am&uuml;sieren sich auch gut auf unserem bescheidenen kleinen Empfang?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Ausgezeichnet, Fr&auml;ulein Hartmann&ldquo;, sagte der Graf. &bdquo;Wobei ich hervorheben muss, dass es insbesondere Ihre angenehme Gesellschaft ist, die verspricht, dass aus diesem sch&ouml;nen Abend ein gl&auml;nzender werden k&ouml;nnte.&ldquo;</p> <p>Das Kompliment lie&szlig; einen behaglichen Schauer durch ihren K&ouml;rper laufen.</p> <p>&bdquo;Wohl gesprochen, Scharfenberg&ldquo;, sagte von Heilmann und nickte ihr l&auml;chelnd zu.</p> <p>&bdquo;Nun, dann sollten wir auf diesen gl&auml;nzenden Abend ansto&szlig;en, meinen Sie nicht?&ldquo;</p> <p>Sie winkte den Dienstboten herbei, der ein Tablett voller Champagnerkelche durch die Gr&uuml;ppchen der G&auml;ste balancierte. Von Scharfenberg reichte Elsa ein Glas, dann bedienten er und seine Kameraden sich.</p> <p>Sie hob den Kelch. &bdquo;Auf das Schwere Reiterregiment Nummer 1.&ldquo;</p> <p>Die Offiziere schlugen die Hacken zusammen und wiederholten den Toast wie aus einem Munde. Elsa verkniff sich ein zufriedenes L&auml;cheln, als sie den Kelch an ihre Lippen f&uuml;hrte. Sie sp&uuml;rte das Kribbeln des Champagners auf ihrer Zunge, schmeckte die herbe Fruchtigkeit des Getr&auml;nks und genoss die bewundernden Blicke der Herren. Das versprach tats&auml;chlich ein gro&szlig;artiger Abend zu werden.</p> <div class="divider"> <p>***</p> </div> <p>Isoldes K&ouml;rper sa&szlig; noch immer auf der Bank im Pavillon. Doch in ihrer Fantasie war sie inmitten des indischen Neujahrsfests. Staunend beobachtete sie die mit roter und gelber Farbe besprengten Menschen, die zu einer fremdartigen Musik sangen und tanzten. Der Duft von Zimt, Kardamom und tausend anderen Gew&uuml;rzen, deren Namen sie nicht kannte, erf&uuml;llte ihre Nase. Ein feiner Schwei&szlig;film bildete sich auf ihrer Haut.</p> <p>&bdquo;Entschuldigen Sie&ldquo;, sagte eine Stimme und die Fantasie brach in sich zusammen.</p> <p>Sie blinzelte. Vor ihr stand ein Mann. Er war noch jung, in ihrem Alter. Das dunkelblonde Haar war mit einer geh&ouml;rigen Menge Wichse zu einer gl&auml;nzenden Tolle geb&auml;ndigt worden. Seine grauen Augen musterten sie aufmerksam. Isolde sp&uuml;rte, wie eine Woge der Wut in ihr anbrandete. Was wollte der Kerl hier? Konnte er sie nicht einfach in Ruhe lassen? Er musste doch gesehen haben, dass sie las. Sie war schon im Begriff, ihn darauf hinzuweisen, als ihr einfiel, dass es sich wohl um einen Gast ihres Vaters handeln musste. Da w&uuml;rde sie sich zusammenrei&szlig;en m&uuml;ssen. Sie atmete tief durch und versuchte, ihr Bestes zu geben.</p> <p>&bdquo;Ja, bitte?&ldquo;, erwiderte sie.</p> <p>&bdquo;Verzeihen Sie mir meine Unverfrorenheit. Ich habe auf Einladung des Hausherrn ein wenig den Garten erkundet und als ich Sie hier sitzen sah, ein Buch in H&auml;nden, wollte ich Sie nicht in Ihrer Lekt&uuml;re unterbrechen.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Nun, warum haben Sie mich dann angesprochen?&ldquo; Isolde biss sich auf die Zunge. Das war unversch&auml;mt gewesen. Ihr Gegen&uuml;ber schien sich daran jedoch nicht zu st&ouml;ren. Die Gr&uuml;bchen vertieften sich in dem Ma&szlig;e, in dem sein L&auml;cheln sich verbreiterte.</p> <p>&bdquo;Der Einwand ist berechtigt, ich hoffe aber, mich hinreichend verteidigen zu k&ouml;nnen. Ich habe mich der S&uuml;nde der Neugier schuldig gemacht. Das Lesen ist eine meiner gr&ouml;&szlig;ten Leidenschaften. Als ich Sie hier sitzen sah, musste ich erfahren, welches Buch die Macht besitzt, Sie derart in seinen Bann zu ziehen, dass Sie es der gl&auml;nzenden Soir&eacute;e dort dr&uuml;ben vorziehen.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Ich w&uuml;rde auch einem deutlich langweiligeren Werk den Vorzug gegen&uuml;ber dem Empfang geben&ldquo;, erwiderte Isolde. &bdquo;Aber dieses hier ist tats&auml;chlich eines der besten B&uuml;cher, die ich je gelesen habe. Es ist der dritte Band des Reiseberichts von Ida Pfeiffer.&ldquo;</p> <p>Der Gast pfiff leise vor sich hin. &bdquo;<i>Eine Frauenfahrt um die Welt</i>. Da haben Sie recht. Das ist ein gro&szlig;artiges Buch. Ich bewundere Frau Pfeiffer f&uuml;r ihren Mut.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Warum? Weil eine Frau es gewagt hat, eine Weltreise zu unternehmen, oder weil sie dar&uuml;ber schreibt?&ldquo;</p> <p>Er legte den Kopf schief. &bdquo;Nun, ersteres. Wobei ich einer Frau nicht das Recht absprechen m&ouml;chte, zu reisen. Eine Weltreise ist ein Abenteuer und ich bewundere jeden, der dieses Wagnis auf sich nimmt. Oder jede.&ldquo;</p> <p>Er l&auml;chelte sie wieder an.</p> <p>&bdquo;Ich bewundere und beneide Frau Pfeiffer&ldquo;, sagte Isolde mit leiser Stimme. &bdquo;Was g&auml;be ich darum, durch die Welt zu reisen und fremde L&auml;nder und Menschen kennenzulernen.&ldquo;</p> <p>Er nickte. &bdquo;Ja, davon tr&auml;ume ich auch.&ldquo;</p> <p>Sie schwiegen und je l&auml;nger die Stille andauerte, desto unbehaglicher f&uuml;hlte sich Isolde. Sie hatte die K&uuml;nstlichkeit des gesellschaftlichen Miteinanders noch nie ausstehen k&ouml;nnen und die Myriaden an Regeln des Umgangs und der H&ouml;flichkeit waren ihr ein R&auml;tsel geblieben. Sollte sie etwas sagen? Das Gespr&auml;ch wieder aufnehmen? Die Gastgeberin spielen? Sie hatte keine Ahnung, wie sie das anstellen konnte. Konnte der Mann sie nicht einfach in Ruhe lassen? Sie wollte doch nur weiterlesen.</p> <p>&bdquo;Nun&ldquo;, sagte der Gast und nahm ihr damit eine schwierige Entscheidung ab. &bdquo;Dann werde ich Ihre Lekt&uuml;re nicht weiter st&ouml;ren. Gr&uuml;&szlig;en Sie die weite Welt von mir!&ldquo;</p> <p>Er nickte ihr zu und ging in Richtung Haus davon. Isolde z&ouml;gerte. Sollte sie ihn bitten, zu bleiben? Wer war der Mann &uuml;berhaupt? Er hatte sich ihr gar nicht vorgestellt. Doch w&auml;hrend sie dar&uuml;ber nachdachte, hatte er bereits den Rosenbogen erreicht. Waren seine Worte nicht eine eindeutige Aufforderung gewesen? Sie klappte das Buch auf und fuhr fort, zu lesen.</p> <div class="divider"> <p>***</p> </div> <p>Elsa war ein wenig schwindelig. Das musste der Champagner sein. Vielleicht war es aber auch der Rausch des Abends. Die bewundernden Blicke der Offiziere, die Komplimente der &auml;lteren Herren, die neidischen Mienen der sie begleitenden Damen. Elsa f&uuml;hlte sich sch&ouml;n und begehrt und dieses Gef&uuml;hl war so erhebend, dass sie hoffte, es w&uuml;rde nie vergehen.</p> <p>&bdquo;Ich sehe, du genie&szlig;t das Fest&ldquo;, h&ouml;rte sie eine vertraute Stimme in ihrem Ohr. Sie wandte sich um.</p> <p>&bdquo;Ja, Papa, es ist gro&szlig;artig.&ldquo;</p> <p>Die Lippen unter dem Walrossschnurrbart ihres Vaters verzogen sich zur Andeutung eines L&auml;chelns. Sein Gesicht war krebsrot und auf der Stirn standen dicke Schwei&szlig;tropfen, die er sich mit einem bereits feuchten Taschentuch abtupfte.</p> <p>&bdquo;Ist dir nicht wohl?&ldquo;, fragte sie.</p> <p>Er sch&uuml;ttelte den Kopf. &bdquo;Es ist die Hitze. Du wei&szlig;t doch, wie schlecht ich damit zurechtkomme. Hoffentlich gibt es bald ein ordentliches Gewitter.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Aber erst, wenn der Empfang vorbei ist&ldquo;, erwiderte Elsa.</p> <p>Das L&auml;cheln unter dem Schnurrbart wurde breiter.</p> <p>&bdquo;Du hast ein nat&uuml;rliches Talent zur Gastgeberin. Das hast du von deiner Mutter geerbt. Ich w&uuml;nschte nur, dass Isolde sich auch einmal M&uuml;he geben w&uuml;rde, ihren Pflichten nachzukommen. Wo ist sie denn?&ldquo;</p> <p>Elsa sah sich um. Sie konnte ihre Schwester nirgendwo entdecken.</p> <p>&bdquo;Ich habe sie vorhin im Garten getroffen und sie gebeten, ihre Lekt&uuml;re zu beenden. Du kennst sie doch, wahrscheinlich ist sie wieder in einem ihrer B&uuml;cher verschwunden.&ldquo;</p> <p>Ihr Vater atmete schwer aus. &bdquo;Dieses Kind. Was soll nur aus ihr werden?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Eine Forscherin&ldquo;, entgegnete Elsa. &bdquo;Deswegen will sie doch auch die Universit&auml;t besuchen. Um danach die Welt zu bereisen.&ldquo;</p> <p>Er rollte mit den Augen. &bdquo;Man sollte nicht glauben, dass sie bald vollj&auml;hrig sein wird. Diese st&auml;ndigen Tr&auml;umereien. Studieren. Reisen. Wo sind wir denn? Ich bin froh, dass es ihr nicht gelungen ist, ihrer j&uuml;ngeren Schwester einen dieser Fl&ouml;he ins Ohr zu setzen.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Nein, das ist nichts f&uuml;r mich.&ldquo; Elsa sch&uuml;ttelte den Kopf. &bdquo;Ich liebe die gute Gesellschaft. Und deshalb werde ich mir einen Gatten ausw&auml;hlen, in dessen Haus ich meine eigenen Soir&eacute;es geben kann.&ldquo;</p> <p>Papa nickte. &bdquo;Meinen Segen hast du.&ldquo; Er zwinkerte ihr zu. &bdquo;Ist heute Abend jemand dabei, den du dir als zuk&uuml;nftigen Ehemann vorstellen k&ouml;nntest?&ldquo;</p> <p>Elsa lie&szlig; ihren Blick schweifen und blieb schlie&szlig;lich an den drei Offizieren h&auml;ngen. &bdquo;Der Graf von Scharfenberg ist fesch.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Und reich. Seine Eltern geh&ouml;ren zu den gr&ouml;&szlig;ten Grundbesitzern in der Oberpfalz&ldquo;, entgegnete er mit einem L&auml;cheln.</p> <p>&bdquo;Wenn es nach dem Reichtum ginge, m&uuml;sste ich wohl eher den Sohn von Herrn Berlitz w&auml;hlen&ldquo;, sagte sie.</p> <p>Ihr Vater schnaubte. &bdquo;Berlitz. Untersteh dich, den Erben meines gr&ouml;&szlig;ten Konkurrenten zu heiraten. Das k&ouml;nnte ihm so passen. Es w&auml;re die perfekte Gelegenheit, sich meine Firma unter den Nagel zu rei&szlig;en.&ldquo;</p> <p>Sie lie&szlig; ein kurzes Lachen ert&ouml;nen. &bdquo;Keine Sorge. Dieses blasse J&uuml;ngelchen kann mir gestohlen bleiben. Der hat ja nicht einmal gedient.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Gut&ldquo;, sagte Papa. Sein Blick wanderte zur Salont&uuml;r und seine Augen weiteten sich. Elsa sah ebenfalls hin. Angus hatte einen weiteren Offizier hereingef&uuml;hrt. Es war ein &auml;lterer Mann mit einem Vollbart, dessen unauff&auml;llige Erscheinung durch das Dutzend Orden wettgemacht wurden, die an seiner Brust gl&auml;nzten.</p> <p>&bdquo;Generalmajor von Schacky auf Sch&ouml;nfeld&ldquo;, sagte Papa. &bdquo;Endlich.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Wer ist das?&ldquo;, fragte Elsa.</p> <p>&bdquo;Er ist der Grund, weshalb ich diesen Empfang gebe. Dieser Abend ist wichtig. Sehr wichtig. Von seinem Gelingen h&auml;ngt vieles ab.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Ein Gesch&auml;ft?&ldquo;</p> <p>Der alte Hartmann nickte. &bdquo;Es geht um die neuen Milit&auml;rs&auml;ttel. Wenn ich den Zuschlag erhalte, sind unsere Auftragsb&uuml;cher f&uuml;r die n&auml;chsten beiden Jahre gef&uuml;llt. Zweitausend S&auml;ttel, dazu Zaumzeug, Taschen und Zubeh&ouml;r. Entschuldige mich bitte, ich muss den General begr&uuml;&szlig;en.&ldquo;</p> <p>Er eilte davon. Elsa lie&szlig; den Blick schweifen. Vielleicht gab es ja noch ein paar fesche Offiziere zu entdecken?</p> <div class="divider"> <p>***</p> </div> <p>Isolde war zur&uuml;ck in Indien. Sie folgte der Erz&auml;hlerin, die einen Tempel erkundete. Im Fackelschein konnte sie erkennen, dass die W&auml;nde mit Reliefs von G&ouml;ttinnen und G&ouml;ttern geschm&uuml;ckt waren. Einige von ihnen hatten Tierk&ouml;pfe, andere sechs Arme. Unheimliche Ger&auml;usche drangen aus den verborgenen Kammern des Heiligtums, ein &Auml;chzen, ein St&ouml;hnen. Isolde sp&uuml;rte, wie eine G&auml;nsehaut sich &uuml;ber ihren R&uuml;cken ausbreitete. Stimmen dr&auml;ngten sich durch den Schleier ihrer Fantasie und holten sie in die Bogenhausener Realit&auml;t zur&uuml;ck. Sie brummte und klappte das Buch zu.</p> <p>&bdquo;Aber Herr General, ich dachte, der Abschluss des Gesch&auml;fts w&auml;re nur eine Formalit&auml;t.&ldquo;</p> <p>Das war ihr Vater. Die andere Stimme erwiderte:</p> <p>&bdquo;Ich bedauere sehr, wenn Sie aus unseren unverbindlichen Gespr&auml;chen darauf geschlossen haben, dass schon eine Entscheidung gefallen sei. Aber nachdem nun alle Gebote vorliegen, muss ich Ihnen leider mitteilen, dass wir ein wesentlich g&uuml;nstigeres Angebot angenommen haben.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Wie g&uuml;nstig? Ich unterbiete es.&ldquo; Ihr Vater klang atemlos, gehetzt.</p> <p>&bdquo;Ich f&uuml;rchte, das ist nicht m&ouml;glich. Der Vertrag ist schon unterzeichnet.&ldquo;</p> <p>Sie h&ouml;rte, wie ihr Vater scharf die Luft einzog. &bdquo;Wer &hellip; wer wird Ihnen die S&auml;ttel liefern?&ldquo;, fragte er. Seine Stimme zitterte.</p> <p>&bdquo;Herr Berlitz.&ldquo;</p> <p>Ihr Vater st&ouml;hnte. <i>Berlitz.</i> Den Namen hatte er &ouml;fter einmal bei Tisch erw&auml;hnt. Wenn sie sich richtig erinnerte, besa&szlig; dieser ebenfalls eine gro&szlig;e Lederwarenfabrik.</p> <p>&bdquo;Und nun muss ich mich leider schon von Ihnen verabschieden, Herr Kommerzienrat. Die Pflicht ruft&ldquo;, sagte der General. Sie h&ouml;rte feste Schritte, die sich langsam in Richtung des Hauses entfernten.</p> <p>Isolde erhob sich und eilte auf ihren Vater zu, der mit einer Hand am Rosenbogen lehnte. Sein Oberk&ouml;rper war nach vorne gebeugt. Er atmete schwer, japste sto&szlig;weise nach Luft. Als sie sich n&auml;herte, hob er den Kopf und sah sie an. Sein wirrer Blick lie&szlig; sie zun&auml;chst daran zweifeln, dass er sie erkannte.</p> <p>&bdquo;Isolde?&ldquo;, sagte er dann doch leise.</p> <p>&bdquo;Ja, ich bin es. Was ist geschehen?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Es ist aus&ldquo;, fl&uuml;sterte er.</p> <p>&bdquo;Was ist aus?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Alles.&ldquo;</p> <p>Sie kniete sich neben ihn und nahm seine freie Hand. Sie f&uuml;hlte sich eiskalt und schwei&szlig;ig an. Er erwiderte ihren sanften Druck nicht, murmelte weiter nur leise vor sich hin.</p> <p>&bdquo;Alles ist aus. Alles.&ldquo;</p> <p>Er schloss die Augen. Ein Krampf zuckte durch seinen K&ouml;rper. Seine Hand entwich Isoldes Griff und fuhr an seine Kehle, der ein ersticktes St&ouml;hnen entfuhr. Sie sah mit wachsender Sorge, wie das Gesicht ihres Vaters sich violett verf&auml;rbte. Seine massige Gestalt wankte und kippte schlie&szlig;lich zur Seite in einen Rosenbusch, dessen Zweige knackten und raschelten, als sie unter seinem Gewicht zerbrachen.</p> <div class="divider"> <p>***</p> </div> <p>Elsa hatte keine weiteren Offiziere mehr entdeckt. Stattdessen war sie Alfred Berlitz und seinem Sohn in die Arme gelaufen. Sie kannte den Unternehmer von fr&uuml;heren Empf&auml;ngen. Und sie mochte ihn nicht. Lang und hager war er. Die Spitzen seines drahtigen, schwarzen Schnurrbarts waren wie Pfeile in die H&ouml;he gereckt, seine kleinen, braunen Augen wanderten wachsam &uuml;ber die Umgebung, so als ob sie Ausschau nach bedeutsameren Gespr&auml;chspartnern hielten.</p> <p>&bdquo;Fr&auml;ulein Hartmann, welche Freude, Sie zu sehen&ldquo;, sagte er. Elsa reichte ihm die Hand und er hauchte einen Kuss darauf. Sie war froh, dass seine Lippen nicht ihre Haut ber&uuml;hrten.</p> <p>&bdquo;Die Freude ist ganz auf meiner Seite&ldquo;, erwiderte sie und hoffte, dass das L&auml;cheln, das sie aufsetzte, echt genug wirkte.</p> <p>Auch sein Sohn begr&uuml;&szlig;te sie nun, ein blasser J&uuml;ngling von vielleicht achtzehn Jahren, auf dessen Oberlippe ein erster, zarter Flaum spross. Er spulte seine H&ouml;flichkeitsfloskeln so leise ab, dass Elsa ihn kaum verstand.</p> <p>&bdquo;Einen sch&ouml;nen Empfang haben Sie ausgerichtet. Das muss eine Stange Geld gekostet haben&ldquo;, sagte Berlitz senior.</p> <p>&bdquo;Darum k&uuml;mmert sich mein Vater&ldquo;, sagte Elsa, die diese Bemerkung reichlich unversch&auml;mt fand.</p> <p>&bdquo;Richtig. Ein erfolgreicher Gesch&auml;ftsmann wie er kann sich das sicherlich leisten. Vor allem, wenn die Auftragslage anhaltend gut bleibt.&ldquo;</p> <p>Er zwinkerte ihr scheinbar vergn&uuml;gt zu, doch hinter seinen kleinen Augen erahnte sie eine Schlange, die auf ihre Beute lauerte.</p> <p>&bdquo;S&auml;ttel werden gebraucht, solange es Pferde gibt&ldquo;, sagte Elsa. &bdquo;Ich sehe nicht, dass sich an dieser Tatsache so bald etwas &auml;ndern wird.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Die Nachfrage ist das eine. Aber das Angebot muss stimmen, wenn man eine Ware absetzen m&ouml;chte.&ldquo;</p> <p>Elsa l&auml;chelte. &bdquo;Das sollte in unserem Fall kein Problem sein. Die Hartmannschen Produkte sind ausgezeichnet. Mein Gro&szlig;vater wurde zum k&ouml;niglich-bayerischen Hoflieferanten ernannt, weil er dem verstorbenen K&ouml;nig die sch&ouml;nsten und pr&auml;chtigsten S&auml;ttel angefertigt hat. Und f&uuml;r meinen Vater war diese Handwerkskunst immer der hellste Leitstern, als er die Firma erweiterte und vergr&ouml;&szlig;erte.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Die Qualit&auml;t ist ein wichtiger Faktor, da gebe ich Ihnen Recht, aber ausschlaggebend ist heutzutage meistens der Preis. Ich wei&szlig; nicht, ob das alle in der Branche verstanden haben.&ldquo;</p> <p>Sie wollte etwas erwidern, doch da ert&ouml;nte ein Rufen aus Richtung des Gartens &ndash; Isolde! Elsa wandte sich um und st&uuml;rmte hinaus. Der Schrei ebbte nicht ab. Nun konnte sie h&ouml;ren, dass er aus einem Wort bestand, das ihre Schwester st&auml;ndig wiederholte. &bdquo;Hilfe! Hilfe! Hilfe!&ldquo;</p> <p>Elsa rannte &uuml;ber die Terrasse. Hinter ihr h&ouml;rte sie die Schritte weiterer G&auml;ste. Sie flog &uuml;ber das erste Rondell. Als sie den Rosenbogen erreichte, hielt sie erschrocken inne. Eine gro&szlig;e, massige Gestalt lag auf dem Rasen. Die wulstigen Lippen waren violett angelaufen, das Gesicht von blutigen Kratzern entstellt. Isolde kauerte neben ihrem Vater und schrie in einem fort.</p> <h2>Kapitel 2</h2> <div class="style_time_loc"> <p>Samstag, 12. Mai 1895</p> </div> <p>&bdquo;Et lux perpetua luceat eo.&ldquo;</p> <p>Die Stimme des Pfarrers hallte durch das Kirchenschiff und dr&ouml;hnte in Isoldes Ohren.</p> <p>&bdquo;Amen&ldquo;, erwiderte der Chor der Trauergemeinde.</p> <p>Isolde bewegte ihre Lippen, doch kein Laut drang aus ihrer ausgetrockneten Kehle hervor. Vier Gesellen der Hartmannschen Lederwarenfabrik hoben den Sarg, der auf den Stufen vor dem Chorraum der Kirche aufgestellt worden war, auf ihre Schultern. Sie schwankten ein wenig hin und her, ehe sie einen festen Stand fanden. Der Kommerzienrat war f&uuml;llig gewesen und sein Gewicht lastete schwer auf den M&auml;nnern. Langsam und vorsichtig trugen sie seine sterblichen &Uuml;berreste durch den Mittelgang des Kirchenschiffs. Die Trauerg&auml;ste bekreuzigten sich, als der Leichnam sie passierte.</p> <p>Isolde griff nach Elsas Hand. Der K&ouml;rper ihrer Schwester bebte. Sie schluchzte, lie&szlig; sich jedoch widerstandslos mitziehen. Isolde beugte das Knie vor dem Hochaltar und wandte sich um. Die Kirche war bis auf den letzten Platz mit schwarz gekleideten Menschen gef&uuml;llt. Und nun schienen sich alle Augen auf sie zu richten. Auf sie, die dabei gewesen war, als ihr Papa den t&ouml;dlichen Herzanfall erlitten hatte. Auf sie, die nichts hatte tun k&ouml;nnen, als daneben zu kauern, um Hilfe zu schreien und zuzusehen, wie das Leben ihren Vater verlie&szlig;. Die Erinnerungen an diesen Abend, an ihre Verzweiflung und ihre Hilflosigkeit trieben ihr die Tr&auml;nen in die Augen.</p> <p>Ihr Blick fiel auf ihren Onkel, Anton W&uuml;rth, den Bruder ihrer verstorbenen Mutter. Er trug einen ausgebeulten schwarzen Anzug. Der Stoff war an den Ellenbogen abgewetzt und einer der silbernen Kn&ouml;pfe baumelte an einem schmalen Faden. Auf dem R&uuml;cken seiner rechten Hand prangte ein gr&uuml;ner Farbklecks. Der Onkel nickte ihr zu und sie erwiderte den Gru&szlig;. Seine Gegenwart tr&ouml;stete sie und der Sturm aus Verzweiflung, Traurigkeit und Schuldgef&uuml;hlen, der in ihrem Innern tobte, flaute ein wenig ab.</p> <p>Die Blicke der anderen G&auml;ste, der Nachbarn, der Bekannten, der Gesch&auml;ftspartner und der Arbeiter ihres Vaters mied sie jedoch, aus Furcht, darin die Anklage zu lesen, die sie selbst gegen sich erhob. Den Vorwurf, versagt zu haben. Ihres Papas Tod verschuldet oder zumindest nicht verhindert zu haben.</p> <p>Endlich passierte der Sarg und kurz darauf auch Isolde das Kirchenportal. Sie sp&uuml;rte die Erleichterung, ein Schweregef&uuml;hl in ihren Gliedern, als sie aus dem Blickfeld der Anwesenden trat. Doch dieses angenehme Gef&uuml;hl w&uuml;rde nur wenige Momente w&auml;hren, denn gleich am Grab w&auml;ren alle Augen wieder auf sie gerichtet. Was g&auml;be sie darum, weit weg zu sein, auf einem Pferder&uuml;cken durch das persische Gebirge zu galoppieren oder den rauen Pazifik in einer Nussschale zu &uuml;berqueren!</p> <p>Sie folgten dem Sarg &uuml;ber die Kieswege, die den Friedhof der Bogenhausener Pfarrkirche durchzogen. Im Gegensatz zu den riesigen Totenackern in der Stadt hatte dieser seinen d&ouml;rflichen Charakter weitestgehend bewahrt. Und doch war un&uuml;bersehbar, dass der Zuzug der reichen K&uuml;nstler und Gesch&auml;ftsleute, die dieses Viertel in den letzten Jahren f&uuml;r sich entdeckt hatten, auch hier seine Spuren hinterlassen w&uuml;rde. Die alten, schmucklosen Grabsteine und simplen Metallkreuze waren noch in der Mehrzahl. Doch dazwischen ragten die aufwendig in Marmor gemei&szlig;elten Epitaphe der Zugezogenen auf. <i>Ob Papa sich ein derart protziges Denkmal gew&uuml;nscht h&auml;tte?</i> Isolde wusste es nicht. Sie hatte nie mit ihm dar&uuml;ber gesprochen. Warum auch? Bis vor einer Woche war er kerngesund gewesen. Zumindest hatte er so gewirkt. Aber nun war er tot. Erneut traten die Tr&auml;nen in ihre Augen und verschleierten ihr die Sicht.</p> <p>Die Gesellen hielten vor einer tiefen Grube an. Behutsam legten sie den Sarg auf zwei Seile, die von dem Totengr&auml;ber und seinen Gehilfen in ihren schwarzen Fr&auml;cken und &uuml;berdimensionierten Zylinderh&uuml;ten &uuml;ber der &Ouml;ffnung gespannt wurden. Als das Gewicht des Vaters vollst&auml;ndig darauf ruhte, lie&szlig;en sie den Sarg langsam hinabsinken. Der Pfarrer trat neben das Grab und sprach seine lateinischen Gebete. Er sch&uuml;ttete Erde auf den Sargdeckel und besprenkelte ihn mit Weihwasser. Aus dem Rauchfass, das einer der Ministranten schwenkte, waberten schwere, s&uuml;&szlig;lich duftende Wolken hervor. Die mit wei&szlig;en Lilien geschm&uuml;ckte Holzkiste verschwand immer tiefer im Boden. Isolde wurde bewusst, dass hier und heute etwas zu Ende ging. Es war nicht nur das irdische Leben ihres Vaters. Es war auch ihr Dasein und das ihrer Schwester, das nun unwiderruflich eine neue, ungewisse Bahn eingeschlagen hatte. Der Gedanke &auml;ngstigte sie und gleichzeitig trauerte sie um eine Vergangenheit, die nie wiederkehren w&uuml;rde. Als die oberste der Lilien aus ihrem Blickfeld verschwunden war, dr&auml;ngten die Tr&auml;nen in ihre Augen und sie weinte und schluchzte ebenso hemmungslos wie Elsa.</p> <p>Da sp&uuml;rte sie, wie die Hand ihrer Schwester, die sie noch immer in der ihren hielt, sich fest um ihre Finger schloss. Durch einen Tr&auml;nenschleier sah sie Elsa an. Deren Augen und blasse Wangen waren vom Weinen ger&ouml;tet. Ein Rotzfaden hing ihr aus dem linken Nasenloch und eine Locke ihres dicken, braunen Haares klebte an der schwei&szlig;nassen Stirn. Sie sah aus wie ein todungl&uuml;ckliches, verzweifeltes M&auml;dchen, viel j&uuml;nger als die achtzehn Jahre, die sie alt war.</p> <p>&bdquo;Ich habe Angst&ldquo;, fl&uuml;sterte Elsa. &bdquo;Was soll aus uns werden?&ldquo;</p> <p>Isolde erwiderte den Druck ihrer Hand. &bdquo;Ich wei&szlig; es nicht&ldquo;, sagte sie leise. &bdquo;Aber was auch geschieht. Du bist nicht allein. Ich bin bei dir.&ldquo;</p> <div class="divider"> <p>***</p> </div> <p>&bdquo;Muss das sein?&ldquo;, fragte Elsa. Sie sa&szlig; auf der Bank im persischen Pavillon. Neben ihr lehnte ein mit schwarzer Seide bespanntes Schirmchen, das sie vor der unbarmherzig stechenden Sonne besch&uuml;tzt hatte. Die letzten Trauerg&auml;ste waren eine Stunde zuvor aufgebrochen, doch nun hatte der Notar seinen Besuch angek&uuml;ndigt.</p> <p>&bdquo;Ja, ich f&uuml;rchte schon&ldquo;, erwiderte Isolde. &bdquo;Wenn Vaters Testament er&ouml;ffnet wird, m&uuml;ssen wir als seine Erbinnen anwesend sein.&ldquo;</p> <p>Elsa brach in Tr&auml;nen aus. &bdquo;Es ist so ungerecht. Warum musste Papa sterben?&ldquo;</p> <p>&bdquo;Ich wei&szlig; es nicht.&ldquo; Isoldes Stimme klang br&uuml;chig wie altes Papier und ihre Augen waren ger&ouml;tet.</p> <p>Elsa sah sie erstaunt und ein wenig besorgt an. Sie hatte ihre Schwester noch nie weinen sehen, doch heute schien sie damit gar nicht mehr aufh&ouml;ren zu k&ouml;nnen. Sanft dr&uuml;ckte sie ihr die Hand. &bdquo;Lass uns reingehen, wenn es sein muss&ldquo;, fl&uuml;sterte sie.</p> <p>Dr. Nottke, der Notar, war ein spindeld&uuml;rres M&auml;nnchen mit einem enormen, schlohwei&szlig;en Backenbart. Seine stecknadelkopfgro&szlig;en Augen huschten aufmerksam zwischen den Schwestern hin und her. Elsa und Isolde lie&szlig;en sich auf den beiden St&uuml;hlen nieder, die Angus im gro&szlig;en Salon bereitgestellt hatte. Nottke sa&szlig; ihnen gegen&uuml;ber. Er zog einen mit einem Siegel versehenen Umschlag aus einer Aktenmappe und legte ihn auf seinen Scho&szlig;. Dann r&auml;usperte er sich und begann, mit einer seltsam hohen und gleichzeitig heiseren Stimme zu sprechen. &bdquo;Meine Damen, mein Herr&ldquo;, begann er und nickte Onkel Anton zu, der hinter den M&auml;dchen Platz genommen hatte, &bdquo;Es ist meine traurige Pflicht, den letzten Willen von Herrn Kommerzienrat Maximilian Hartmann zu verlesen.&ldquo;</p> <p>Elsa schluchzte laut auf und nun war es Isolde, die ihre Hand dr&uuml;ckte. Die Ber&uuml;hrung tat ihr wohl. Sie holte tief Luft und beruhigte sich.</p> <p>Der Notar zerbrach das Siegel und &ouml;ffnete den Umschlag. Er zog einen Bogen Papier heraus. Selbst aus mehreren Metern Entfernung konnte Elsa erkennen, dass das Dokument in der engen, ordentlichen Schrift ihres Vaters verfasst worden war. Der Anblick versetzte ihr einen Stich ins Herz. <i>Letzter Wille</i>. Was f&uuml;r ein furchtbarer Begriff.</p> <p>Nottke r&auml;usperte sich noch einmal und las dann vor:</p> <div class="style_letters"> <p>&bdquo;Ich, Maximilian Hartmann, k&ouml;niglich-bayerischer Hofsattler, verf&uuml;ge, dass mit meinem Besitz nach meinem Tode folgenderma&szlig;en verfahren werde:</p> <p>1. Mein Barverm&ouml;gen, meine Wertpapiere und mein Haus in Bogenhausen gehen zu gleichen Teilen an meine T&ouml;chter Isolde und Elsa Hartmann. Ein Verkauf der Immobilie kann nur durch eine einstimmige Willensbekundung der beiden genannten bzw. bis zu deren Vollj&auml;hrigkeit durch Schiedsspruch ihres Vormundes erfolgen.</p> <p>2. Meine Firma inklusive der Liegenschaften, der Maschinen und des Kapitals vermache ich meiner Tochter Isolde. Sie soll&nbsp;&ndash;&nbsp;wenn m&ouml;glich&nbsp;&ndash;&nbsp;den Familienbetrieb im Sinne ihres Vaters und ihres Gro&szlig;vaters fortf&uuml;hren.&ldquo;</p> </div> <p>Elsa schluckte. Sie sah ihre Schwester an, deren Gesicht kreidewei&szlig; geworden war. Isolde sollte die Firma leiten? Ausgerechnet Isolde?</p> <div class="style_letters"> <p>&bdquo;3. Meine von meinem Gro&szlig;vater ererbten Werkzeuge sowie die Werkstatt meines Vaters vermache ich meiner Tochter Elsa. M&ouml;ge sie die in ihr schlummernden Fertigkeiten in den Dienst der Familientradition stellen.&ldquo;</p> </div> <p>Elsa sp&uuml;rte Isoldes Blick, erwiderte ihn aber nicht. <i>Wie konnte Vater ihr das antun?</i> Ihre Schwester erbte die Firma und sie nur einen Haufen abgegriffener, halb vermoderter Werkzeuge und eine seit Jahren leer stehende Werkstatt?</p> <div class="style_letters"> <p>&bdquo;4. Sollten meine T&ouml;chter zum Zeitpunkt meines Todes die Vollj&auml;hrigkeit noch nicht erreicht haben, ist es mein Wunsch, dass mein Schwager, Anton W&uuml;rth, die Vormundschaft f&uuml;r sie &uuml;bernehmen m&ouml;ge.&ldquo;</p> </div> <p>Elsa drehte sich um und sah ihren Onkel an. Kam es ihr nur so vor oder war der Teil seines Gesichts, den der Rauschebart freilie&szlig;, um drei Schattierungen bleicher geworden?</p> <div class="style_letters"> <p>&bdquo;5. Mein Schwager Anton W&uuml;rth m&ouml;ge auch die Verwaltung des Erbes meiner verstorbenen Frau &uuml;bernehmen. Jeder meiner T&ouml;chter wird aus diesem Fonds bei Erreichen der Vollj&auml;hrigkeit oder beim Eintreten in den Ehestand ein Betrag von 10.000 Mark ausbezahlt.&ldquo;</p> </div> <p>Elsa sog die Luft ein. Das war eine f&uuml;rstliche Summe. Eine Mitgift, die ihr die T&uuml;ren in die h&ouml;chsten Kreise der M&uuml;nchener Gesellschaft &ouml;ffnen w&uuml;rde. Allerdings erst zu ihrem 21. Geburtstag in drei Jahren. Drei lange Jahre. Sie sp&uuml;rte, wie ein neues, starkes Gef&uuml;hl sich in ihrem K&ouml;rper ausbreitete und die Traurigkeit verdr&auml;ngte: eine hei&szlig;e, rauschende, alles verzehrende Wut. Wut auf Isolde, die es als die &auml;ltere Schwester so viel besser getroffen hatte. Wut auf ihren Onkel, der &uuml;ber ihr Schicksal entscheiden konnte, wie er wollte. Wut auf ihren Vater, dass er sich so einfach aus dem Staub gemacht hatte und ihr nichts als eine Tasche mit Werkzeugen und eine modrige Werkstatt hinterlassen hatte. Und vor allem Wut auf sich selbst, die in diesem Augenblick nicht um einen lieben Menschen trauerte, sondern voller Zorn und Bitterkeit war.</p> <p>&bdquo;Ich stelle fest, dass das Testament ordnungsgem&auml;&szlig; von zwei vollj&auml;hrigen Herren bezeugt und von mir notariell beurkundet wurde. Es ist somit g&uuml;ltig&ldquo;, sagte der Notar, erhob sich, trat auf die Schwestern zu und verbeugte sich. &bdquo;Ich darf Ihnen mein tiefstes Beileid ausdr&uuml;cken.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Wir danken Ihnen&ldquo;, sagte Isolde.</p> <p>Angus f&uuml;hrte den Notar zur T&uuml;r. Isolde stand auf. Onkel Anton tat es ihr nach. Nur Elsa blieb sitzen.</p> <p>&bdquo;Und nun?&ldquo;, fragte sie. Ihre Stimme klang unnat&uuml;rlich schrill in ihren Ohren und sie musste die linke Hand mit der rechten festhalten, um das Zittern zu verbergen, das sie nicht mehr kontrollieren konnte.</p> <p>&bdquo;Nun werden wir ausf&uuml;hren m&uuml;ssen, was Vater uns in seinem Testament aufgetragen hat&ldquo;, sagte Isolde.</p> <p>&bdquo;Was er dir aufgetragen hat, willst du wohl sagen&ldquo;, erwiderte Elsa. &bdquo;Du hast die Firma geerbt. Und da du bald vollj&auml;hrig sein wirst, kannst du &uuml;ber deine 10.000 Mark frei verf&uuml;gen. Was soll mit mir geschehen? Soll ich zu Onkel Anton ziehen, wo er doch jetzt unser Vormund ist? Das w&auml;re zu deinem Vorteil, dann h&auml;ttest du die Villa f&uuml;r dich allein!&ldquo;</p> <p>&bdquo;Elsa!&ldquo;, rief der Onkel. &bdquo;Bitte m&auml;&szlig;ige dich! Ich kann verstehen, dass du aufgebracht bist. Du hast einen schrecklichen Verlust erlitten. Glaub mir, auch ich bin zutiefst schockiert &uuml;ber den Tod deines Vaters. Ich habe mir nicht ausgesucht, euer Vormund zu werden. Hoffentlich werden wir eine L&ouml;sung finden, mit der wir alle leben k&ouml;nnen.&ldquo;</p> <p>Es klopfte an der T&uuml;r und Angus k&uuml;ndigte Albert Kirmayer an, den Prokurator der Hartmannschen Lederwarenfabrik. Er sch&uuml;ttelte die Hand des Onkels und verbeugte sich vor den Schwestern.</p> <p>&bdquo;Ich bin hier wohl &uuml;berfl&uuml;ssig&ldquo;, knurrte Elsa und wollte sich verabschieden, doch Isolde hielt sie zur&uuml;ck.</p> <p>&bdquo;Bleib&ldquo;, sagte sie, und als sich Elsa anschickte, sich loszurei&szlig;en, f&uuml;gte sie hinzu: &bdquo;Bitte. Ich m&ouml;chte nicht, dass du dich ausgeschlossen f&uuml;hlst.&ldquo;</p> <p>Elsa nahm wieder Platz. Sie hatte keinerlei Lust darauf, sich mit gesch&auml;ftlichen Fragen auseinanderzusetzen, und hoffte, dass jeder im Raum dies an ihrem sauert&ouml;pfischen Gesichtsausdruck ablesen konnte.</p> <p>&bdquo;Ich muss leider gleich zum Punkt kommen&ldquo;, sagte Herr Kirmayer mit betretener Miene.</p> <p>&bdquo;Wie meinen Sie das?&ldquo;, fragte Isolde.</p> <p>&bdquo;Eigentlich sollte ich Ihnen zur &Uuml;bernahme der Sattlerei gratulieren und Ihnen gleichzeitig meinen R&uuml;cktritt als Prokurator anbieten, wie es die Tradition will&ldquo;, sagte Kirmayer. &bdquo;Doch stattdessen muss ich Ihnen mitteilen, dass die Firma zahlungsunf&auml;hig ist.&ldquo;</p> <p>Elsa hielt den Atem an. Sie hatte keine Ahnung von wirtschaftlichen Zusammenh&auml;ngen, aber das Wort &bdquo;zahlungsunf&auml;hig&ldquo; klang selbst in ihren Ohren katastrophal.</p> <p>&bdquo;Was bedeutet das?&ldquo;, fragte Onkel Anton.</p> <p>&bdquo;Es bedeutet, dass wir unsere Verbindlichkeiten nicht mehr begleichen k&ouml;nnen. Wir sind bankrott.&ldquo;</p> <p>Isoldes Gesicht wurde um eine Schattierung bleicher.</p> <p>&bdquo;Wie &hellip; wie konnte es so weit kommen? Papa hat immer den Eindruck vermittelt, dass das Unternehmen auf einem sicheren Grund stehe.&ldquo;</p> <p>Kirmayer kratzte sich am Kinn. &bdquo;Nun, ich muss wohl annehmen, dass Ihr Herr Vater Sie und Ihre Schwester schonen wollte. Die Gesch&auml;fte liefen bereits seit L&auml;ngerem nicht mehr gut. Zudem haben wir uns mit Investitionen in neue Maschinen &uuml;bernommen. Die Firma h&auml;tte gerettet werden k&ouml;nnen, wenn wir den Auftrag f&uuml;r die Neuausstattung der k&ouml;niglich-bayerischen Kavallerieregimenter bekommen h&auml;tten. Doch nun sind unsere finanziellen Reserven ausgesch&ouml;pft.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Was bedeutet das?&ldquo;, fragte der Onkel noch einmal.</p> <p>Kirmayer r&auml;usperte sich und wandte sich direkt an Isolde. &bdquo;Es bedeutet, dass alles, was Ihr Vater Ihnen und Ihrer Schwester vererbt hat, in die Konkursmasse einflie&szlig;en wird. Wenn Sie Gl&uuml;ck haben, reicht es aus, um die Verbindlichkeiten der Firma zu bezahlen.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Und wenn nicht?&ldquo;, fragte Isolde.</p> <p>Der Prokurator sah sie lange an. &bdquo;Dann werden Sie den Rest Ihres Lebens damit verbringen, die Schulden Ihres Vaters abzutragen.&ldquo;</p>

Erscheint lt. Verlag 1.6.2025
Reihe/Serie Die große München-Saga
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Historische Romane
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Bundle • Familiengeschichte • Frauenbewegung • Gleichberechtigung • Historischer Roman • Liebesroman • Starke Frauenfiguren
ISBN-10 3-69090-308-4 / 3690903084
ISBN-13 978-3-69090-308-0 / 9783690903080
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