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Beethoven war Zeuge (eBook)

Spannender Ermittlerkrimi im Bonn der 70er Jahre
eBook Download: EPUB
2025
360 Seiten
BoD - Books on Demand (Verlag)
978-3-8192-1979-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Beethoven war Zeuge - Gudrun Leyendecker
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Was bleibt, wenn die Familie nur Fassade war? Bonn, 1973: Die Stadt steht still, als mitten im belebten Zentrum eine allseits geschätzte Frau brutal ermordet wird. Ehefrau, Mutter, Großmutter, wer sollte ihr etwas antun wollen? Für die junge Ermittlerin Johanna beginnt ein Fall, der mehr Fragen aufwirft als Antworten liefert. Während Johanna sich in das Netz der familiären Beziehungen vertieft, stößt sie auf unterdrückte Gefühle, unausgesprochene Konflikte und eine Vergangenheit, die nicht ruhen will. Mit feinem Gespür dringt sie in die brüchige Fassade einer scheinbar heilen Welt ein, bis sie eine Spur entdeckt, die alles verändert. Ein psychologisch dichter Kriminalroman, der Spannung und menschliche Tiefe meisterhaft vereint. Wie gut kennt man die, die man liebt - und was bleibt, wenn Vertrauen bricht?

Gudrun Leyendecker ist seit 1995 Buchautorin. Sie wurde 1948 in Bonn geboren. Siehe Wikipedia. Sie veröffentlichte bisher über 110 Bücher, unter anderem Sachbücher, Kriminalromane, Liebesromane, und Satire. Leyendecker schreibt auch als Ghostwriterin für namhafte Regisseure. Sie ist Mitglied in schriftstellerischen Verbänden und in einem italienischen Kulturverein. Erfahrungen für ihre Tätigkeit sammelte sie auch in ihrer Jahrzehntelangen Tätigkeit als Lebensberaterin.

Kapitel 3


Albrecht Witto erwartet mich im gepflegten Garten seiner Villa. Ich betrachte ihn genauer und versuche, mir ein Bild seiner aktuellen Verfassung zu machen, während er mich begrüßt.

Seine Hand ergreift meine Rechte sicher, fest und kräftig drückt er zu, doch sein Blick zeigt Unsicherheit, die mir auch wie Ratlosigkeit vorkommt.

Höflich bittet er mich, auf dem mit mehreren Kissen belegten Gartensessel Platz zu nehmen. Nachdem ich ihm kondoliert habe, komme ich schnell zum Thema.

„Es tut mir leid, Sie jetzt mit unsensiblen Fragen belästigen zu müssen, aber ich benötige dringend ein paar Informationen von Ihnen.“

Er fasst sich mit der Hand an die Schläfe. „Ich kann das alles noch nicht verstehen, nicht, dass sie weg ist, und auch nicht, was passiert ist. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll, denn ich bin weder ein Dichter noch ein Poet. Sie gehörte in mein Leben wie mein rechter Fuß. Jetzt komme ich mir vor wie amputiert, und mein Leben ist aus den Fugen geraten.“

Jetzt oder nie, denke ich mir und wage eine indiskrete Frage. „Wenn man so lange verheiratet ist wie Sie, und man sicherlich keine Schmetterlinge mehr im Bauch hat, wie sind dann die Gefühle zum Partner?“

Er sieht mich erstaunt an. „Darüber macht man sich nach so vielen Jahren Ehe keine Gedanken mehr. Ulrike ist, ich meine, sie war, die wichtigste Person in meinem Leben. Sie gehörte in meinen Alltag und in meinen Sonntag. Weil sie da war, war die Welt in Ordnung.“

„Das heißt also, dass sie sich sehr geliebt haben“, versuche ich, ihn zu einer genaueren Aussage zu verleiten.

„Aber natürlich“, sagt er schnell, „und das ist Liebe. Sie verändert sich mit den Jahren, ist vielleicht nicht mehr so aufregend, aber sie wird dadurch nicht schlechter.“

Jetzt hoffe ich, ihn im Netz zu haben. „Und die Aufregung, die Schmetterlinge, finden Sie die jetzt stattdessen im Beruf?“

Er ist nicht dumm, denn er hat wohl gemerkt, dass ich indirekt auch nach seiner Treue frage. „Aufregung jeder Art, kann man sich überall holen. Und ich denke, Sie haben auch schon gehört, dass über mich und meine Sekretärin Marianne gemunkelt wird. Ja, wir haben ein Techtelmechtel, aber es ist nichts Ernstes. Meine Frau war mir immer wichtiger, und sie ist in allem die große Stütze in meinem Leben, auch wenn sich Ulrike nie wie der Herr im Haus aufgeführt hat.“

„Können Sie mir das auch näher erklären?“ frage ich ihn mit einem bittenden Blick. „Sie war sozusagen der gütige Chef in Ihrem Leben?“

Er schüttelt den Kopf. „Nein, so würde ich das nicht nennen. Sie hat mich nie spüren lassen, dass sie die Klügere und Stärkere von uns beiden ist. Im Gegenteil, sie hat sich immer bemüht, alle Entscheidungen mir zu überlassen. Aber weil ich wusste, dass sie außerhalb der Firma wirklich alles besser beherrscht als ich, so haben wir uns gegenseitig ganz in Ruhe gelassen. Jeder hatte seinen Bereich, in dem er das Sagen hatte. Wir haben uns immer sehr gut ergänzt, waren ein ideales Team. Dazu gehörte, dass wir uns respektiert und geachtet haben. Wir haben immer alles sehr friedlich geregelt.“

„Wusste sie von Ihrem Techtelmechtel?“ hake ich nach.

„Über so etwas haben wir nie gesprochen. Sie hat mich nicht gefragt, und ich habe sie nicht damit belastet. Ich bin sicher, dass es so besser für uns beide war.“

„Und dieses Techtelmechtel? Lieben Sie diese Frau?“ wage ich mich vor.

„Ja irgendwie schon, aber es ist eine andere Form von Liebe. Ich denke, diese Frau wäre für mich notfalls ersetzbar, während meine Frau für mich unersetzlich ist.“

Immerhin scheint er ehrlich zu sein, das kann mich weiterbringen. „Denkt ihre Freundin genauso? Sieht sie die Beziehung auch so locker, oder hoffte sie auf eine Scheidung von Ihnen und Ihrer Frau?“

„Über so etwas haben wir nie gesprochen, Marianne und ich. Ich denke, sie weiß auch, dass es nichts Ernstes zwischen uns ist.“

„Viele Frauen haben mit den lockeren Beziehungen ihre Probleme“, kläre ich ihn auf. „Könnte Marianne nicht doch auch mehr von Ihnen gewollt haben?“

Er seufzt. „Das kann ich mir nicht vorstellen. „Aber ich werde sie einmal fragen.“

Von diesem Vorhaben möchte ich ihn abbringen. „Lassen Sie mich das bitte zuerst tun! Ich bin sowieso später noch mit ihrer Sekretärin verabredet. Aber jetzt hätte ich doch noch von Ihnen gern gewusst, ob Ihre Frau Feinde hatte, mehrere, oder auch nur einen einzigen. Wer könnte ihre Frau abgelehnt haben?“

„Da gibt es niemanden. Sie war ein lieber und diplomatischer Mensch, der alles auf eine friedliche Art und Weise regelte. Sie wusste, was sie wollte, und es waren auch immer durchdachte und gute Aktionen, letztendlich konnte man sich da ganz auf sie verlassen. Sie war halt ziemlich perfekt, sie wusste alles und konnte alles. Aber sie war immer bemüht, all ihr Wissen und Können für andere einzusetzen.“

Ich staune. „So viel Lob von überall. Das schreit ja förmlich nach einem Haken. Hatte sie keine Fehler, keine Schwächen?“

Er muss nicht überlegen. „Nein, da wüsste ich wirklich nichts.“

„Hatte sie vielleicht einen heimlichen Freund?“

„Nein, das wüsste ich. Ihr Tagesplan lag mir immer vor, und sie war überall zu erreichen.“

„Und wenn sie unterwegs waren, wie am Tag ihres Todes?“

„Dann hat sie sich um ihre wohltätigen Vereine gekümmert oder um unseren Sohn mit seiner Frau und unseren Enkel. Für die hat sie auch alles getan, ihnen auch auf jede Art und Weise geholfen.“

Ich denke kurz nach. Gibt es wirklich solch einen menschlichen Engel, der keine dunklen Seiten hat?!

„Könnte jemand neidisch auf Ihre Frau gewesen sein? Wenn sie alles konnte und immer hilfreich war, hat sich vielleicht auch jemand in ihrem Schatten etwas klein gefühlt. Ich habe gehört, dass sie auch außerhalb der Familie tätig war.“

Er nickt seufzend. „Ja, sie war immer beschäftigt und hat immer eine Arbeit gefunden, bei der sie sich nützlich machen konnte. Sie hat eine Gruppe von Frauen um sich herum versammelt, die sie als eine Art „Grüne Damen“ angeleitet hat. Mit ihnen hat sie gemeinsam in Krankenhäusern und Seniorenheime dafür gesorgt, dass Menschen das Gefühl bekamen, es kümmert sich jemand um sie.“

„Dann war sie sicherlich rund um die Uhr beschäftigt“, sehe ich ein. „Und am Abend war sie dann noch in der Messe im Bonner Münster. Ging sie dort oft hin?“

„So oft sie Zeit hatte, ja. Nicht regelmäßig, aber wenn es gerade in ihren Plan passte.“

„Wusste denn jemand, dass sie an diesem Abend dorthin gehen wollte?“

Er atmet tief. „Das kann ich mir nicht vorstellen. So etwas beschloss sie eben immer spontan. Aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ihr jemand zur Kirche folgt, wenn er vorhat sie umzubringen. Warum ist er nicht zu Hause in die Wohnung eingebrochen oder hat sie an einem einsamen Ort abgepasst?“

„Das kann ich mir bis jetzt auch noch nicht erklären, deswegen hatten wir zuerst an einen versuchten Raub gedacht. Aber davon bin ich wieder abgekommen, denn bei dem Gewitter mit dem starken Hagel hätte der Täter sicher ohne Zeugen unbemerkt auch noch die Handtasche mitnehmen können. Jeder, der zu diesem Zeitpunkt unterwegs war, hat sich bestimmt irgendwo untergestellt, während das Denkmal ziemlich frei auf dem Münsterplatz steht.“

„Wenn ich nicht so verzweifelt wäre, würde ich auch die Zeitung verklagen, die dem Artikel über den Mord an meiner Frau diese spöttische Überschrift aufgesetzt hat“, teilt er mir erbost mit.

Ich hebe die Augenbrauen. „Jetzt müssen Sie mir helfen! Es gab so viele Artikel in der Zeitung, von welchem sprechen Sie?“

„Na, von dem Artikel mit der Überschrift: „Nur Beethoven war Zeuge.“

Ich kann mir schon denken, bei wem die Journalisten diesen Satz gefunden haben. Mauser freut sich jedes Mal diebisch, wenn er irgendeinem Fall seinen Stempel aufdrücken kann.

„Ja, das ist pietätlos und auch sehr geschmacklos“, gebe ich ihm recht. „Vielleicht finden wir doch noch einen echten Zeugen. In der Zeitung wird jedenfalls ein Aufruf abgedruckt, der sich an Personen richtet, die möglicherweise eine flüchtende Person gesehen haben.“

Er runzelt die Stirn. „Das wiederum kann ich mir nicht vorstellen. Wenn bei diesem Wetter einige Menschen, die sich noch draußen herumtrieben, sich sehr schnell nach Hause bewegt haben, so ist das durchaus verständlich. Das hatte dann lediglich mit dem Unwetter zu tun, das zur selben Zeit stattfand.“

„Auf jeden Fall verspreche ich Ihnen, mein...

Erscheint lt. Verlag 28.5.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Krimi / Thriller
Schlagworte Bücher für Krimifans • Bücher Mordfall • Bücher über Mord und Ehekonflikte? • Cold-Case-Krimi • Detektivgeschichte für anspruchsvolle Leserinnen • deutsche Ermittlergeschichte mit Herz • Deutscher Kriminalroman • Dunkle Geheimnisse Krimi • emotionaler Ermittlerkrimi • Historischer Krimi 70er Jahre • Historischer Krimi mit weiblicher Ermittlerin • Krimi mit familiären Konflikten • Krimi mit psychologischem Unterton • Kriminalroman Bonn 1973 • Krimi über unterdrückte Gefühle • Leserinnenkrimi mit feinem Stil • Mordfall ohne erkennbares Motiv • Polizeiroman deutsch • Psychologischer Krimi über Familie • Psychothriller mit familiärem Hintergrund • spannender Krimi Deutschland • Spannungskrimi mit Ermittlerin • Tatort Deutschland • True Crime inspiriertes Familiendrama • Was ist ein spannender Krimi über Familie?
ISBN-10 3-8192-1979-X / 381921979X
ISBN-13 978-3-8192-1979-5 / 9783819219795
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