Wieder Hoffnung (eBook)
100 Seiten
Blattwerk Handel GmbH (Verlag)
978-3-69049-349-9 (ISBN)
Addi und Alois waren für einen Nachmittag nach München gefahren. Herlinde war in Kirchwalden geblieben, bei Gerda und ihrem Mann. Für Addi war es nicht leicht gewesen, Herlinde dazu zu überreden, in Kirchwalden zu bleiben. Sie hing ein bisserl an Addis Rockzipfel seit dem Gespräch mit ihrer Enkelin Christel. Gerda und Addi dachten sich als gute Freundinnen ein Komplott aus. Gerda täuschte trickreich Übelkeit und Kopfschmerzen vor. Herlinde, als Witwe eines Arztes, nahm sich ihrer sofort an.
»Addi, Gerda sollte einen Arzt konsultieren«, drängte Herlinde.
»Kommt nicht infrage«, protestierte Gerda. »Das ist nur eine Migräne. Ich kenne das. Ich bleibe ruhig im schattigen Zimmer. Morgen sind die Beschwerden wieder vorbei.«
»Wenn du morgen noch Schmerzen und Übelkeit hast, bestehe ich auf einem Arztbesuch«, betonte Herlinde.
Gerda seufzte.
»Herlinde, sprich bitte leiser! Alles dröhnt mir im Kopf!«, jammerte Gerda gekonnt.
»Tut mir leid, dass ich diesen wichtigen Termin in München habe«, seufzte Addi. »Leider kann ich ihn nicht verschieben. Wenn er nicht allzu lange dauert, kommen Alois und ich noch heute Abend zurück. Du bist bei Herlinde in guten Händen. Gute Besserung!«
»Addi, daran zweifele ich nicht. Sie gibt sich Mühe. Aber sie soll mir einfach meine Ruhe lassen. Ich kenne meinen Körper. Ich brauche nur Ruhe. Bitte mache das Herlinde klar.«
Nur mühsam unterdrückte Addi ein Schmunzeln.
»Herlinde, du hast Gerda gehört«, sagte Addi streng. »Richte dich bitte danach, sonst werde ich ernsthaft ungemütlich.«
Herlinde versprach es.
Sie ließen Gerda alleine.
»Sollte irgendetwas sein, kannst du mich jederzeit übers Handy anrufen«, sagte Addi.
Dann verabschiedete sich Addi und ging zum Auto. Dort wartete bereits Alois. Sie stiegen ein und Addi fuhr los.
Die Fahrt nach München verlief ohne Stau oder zähfließenden Verkehr. Dazu kam, dass Addis knallroter Oldtimer sehr auffiel und ihr fast immer die Vorfahrt eingeräumt wurde.
Es war kurz nach Mittag, als sie in der Villa in München ankamen. Alois ging sofort hinein, Addi leerte noch den Briefkasten. Sie sah oberflächlich die Post durch und sortierte die Reklame aus. Die restlichen Briefe legte sie zur Seite. Sie würde sie mit zurück nach Waldkogel nehmen und im Chalet bearbeiten oder Henk geben. Henk erledigte immer mehr die Schreibangelegenheiten für Addi. Es war nicht so, dass Addi aufgrund ihres Alters dazu nicht mehr fähig war. Nein, so war es nicht. Addi hatte diese Regelung trickreich eingeführt, damit Henk sich mehr und mehr in sein Erbe einarbeitete.
»Addi, ich gehe rauf und ziehe mich um. Will mich ein wenig hübsch machen für das Treffen mit den alten Schulkameraden im Hofbräuhaus. Vorher besuche ich Sebastian im Hotel Gerber. Ich habe Sebastian schon lange nicht mehr gesehen. Er freut sich ebenso. Sebastian war zwölf Jahre, als er mit seiner jüngeren Schwester Franziska von Toni und Anna auf der Berghütte als Pflegekinder aufgenommen wurde. Das war schlimm für die Kinder, nach dem plötzlichen Tod ihrer Eltern. Ich bemühte mich damals, die Rolle eines Großvaters auszufüllen. Denn die Bichler Kinder hatten keine Verwandte, bis Toni und Anna sie adoptierten.«
»Ich weiß, Alois, ich kenne die ganze tragische Geschichte«, seufzte Addi. »Weißt, da stellt sich mir die Frage, warum der Herrgott das zulässt?«
»Ach, Addi, darum bekommt niemand zu Lebzeiten eine Antwort«, sagte Alois bewegt.
Sie sahen sich in die Augen und nickten.
»Bestelle ihm Grüße und Sophie und dem kleinen Franzl ebenso.«
»Mache ich! Und dir einen erfolgreichen Nachmittag, Addi.«
»Du willst nicht hierbleiben? Ich werde bestimmt einen höchst interessanten Nachmittag haben.«
»Nein, Addi, nein! Dass du heimlich etwas ausheckst, das verstehe ich. Aber ich halte mich heraus. Herlinde ist deine Freundin. Außerdem ist es gut, wenn du mit mir einen Joker im Rücken hast.«
»Ja, das ist auch richtig«, stimmte ihm Addi zu.
Sie ging in die Küche und bereitete alles für den Kaffeetisch vor. Das Wetter war schön. Eigentlich hätte sich Addi mit ihrem Gast in den Garten setzen können. Aber Addi dachte, es sei besser, drinnen über die Sache zu sprechen. Damit nicht zufällig jemand von den Nachbarn lauschen könnte. Dabei war dies bei dem parkähnlichen Gelände kaum möglich.
Nachdem Alois gegangen war, wartete Addi auf ihren Gast. Sie hatte das schöne verschnörkelte Eisentor geöffnet, damit Lars in der Einfahrt vor der Villa parken konnte.
Immer wieder schaute Addi auf die Uhr. Sie freute sich auf Lars. Er war ein Schulkamerad von Henk und ein sehr guter Freund gewesen. Sie hatten zusammen Abitur gemacht. Nach dem Abitur hatten sich ihre Wege getrennt. Henk hatte Tiermedizin studiert und Lars Jura. Dass Lars Jura studierte, war naheliegend. Lars Vater, Doktor Laurenz Liermann, war Rechtsanwalt und Inhaber einer großen Kanzlei. Er hatte sich inzwischen weitgehend zurückgezogen und die Kanzlei Lars übergeben. Lars hatte sich damals nicht für Jura entschieden, weil der Beruf in der Tradition der Familie lag. Lars hatte einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und war durchdrungen, Unrecht zu bekämpfen. Strafrecht lag ihm nicht am Herzen. Wie sein Vater widmete er sich dem Familienrecht in allen Facetten.
Lars hielt direkt gegenüber dem Hauseingang.
Addi öffnete die Tür.
»Grüß Gott, Lars«, rief sie freudig aus.
Er ergriff ihre Hand und beugte ganz nach alter Schule den Kopf.
»Grüß Gott! Freut mich, Sie zu sehen«, sagt er.
Er überreichte ihr einen Blumenstrauß.
»Mei, ist der schön, das wäre nicht nötig gewesen«, sagte Addi.
»Oh doch, liebe Frau …«
»Jetzt mache nicht so ein Zinnober! Als Bub hast du Addi gesagt, genau wie alle und wie Henk. Ich hoffe, wir bleiben beim Du, auch wenn du jetzt einen Doktortitel hast und ein angesehener Familienanwalt bist, einverstanden?«
»Sicher, liebe Addi! Als Bub war ich öfter hier als bei uns daheim. Ich erinnere mich gern daran. Hier war Nestwärme.«
»Freut mich, dass du so gute Erinnerungen hast«, lächelte Addi.
»Ja, meine Eltern waren in der Kanzlei immer sehr beschäftigt. Okay, heute kann ich es verstehen und versuche, es besser zu machen.«
Addi winkte Lars, ihr zu folgen. Er sah ihr zu, wie sie die Blumen ins Wasser stellte.
Sie gingen ins Wohnzimmer, setzten sich. Addi schenkte Kaffee ein.
»Greife zu«, sagte sie.
Lars lächelte.
Er griff sofort nach einem Schokoladenplätzchen mit Haselnuss und biss hinein.
»Oh, schmecken immer noch so gut«, sagte Lars.
»Du hast dich dran erinnert?«, staunte Addi.
Lars lachte, als er ihr verwundertes Gesicht sah.
»Du hast mir oft eine Tüte mitgegeben.«
Addi lächelte.
»Ja, ich habe mich erinnert und Gerda auch. Ich soll dich herzlich von ihr grüßen.«
»Danke, dann arbeitet Gerda immer noch hier?«
»Ja, das tut sie. Sie arbeitet nicht nur, wir sind beste Freundinnen. Im Augenblick hütet sie das Chalet in Kirchwalden. Übrigens, inzwischen hat Gerda geheiratet.«
»Wow, was du nicht sagst?«
»Doch, so ist es. Ihr Mann ist ganz reizend. Ich hoffe, du besuchst mich öfter, dann siehst du sie.«
»Das mache ich gern und ich würde beim nächsten Mal meine Frau mitbringen.«
»Du bist verheiratet? Das wusste ich nicht.«
»Doch, das bin ich und wir haben drei Kinder. Sie sind fünf, drei und ein Jahr alt. Die beiden älteren sind Buben und das letzte war ein Madl. Die Kleine sieht ihrer Mutter sehr ähnlich.«
»Glückwunsch!«
»Danke!«
Lars zog ein Foto aus seiner Brieftasche. Darauf war seine Frau mit den Kindern zu sehen.
»Du hast eine ganz reizende Familie. Ist deine Frau auch Juristin?«
Lars lachte.
»Nein, sie hat Musik studiert. Sie gibt gelegentlich Privatunterricht für Kinder. Nicht um die Haushaltskasse aufzubessern, sondern weil es ihr Freude macht. Sie ist Hausfrau und Mutter.«
»Bringe alle mit bei deinem nächsten Besuch.«
»Danke für die Einladung. Das mache ich gern«, antwortete Lars.
Er aß ein weiteres Plätzchen und trank einen Schluck Kaffee.
»Ich habe mich gefreut, von Henk zu hören. Es ist so, dass man sich doch immer wieder vornimmt, sich zu melden. Aber dann schiebt man es hinaus und hinaus.«
»Musst dich nicht entschuldigen, Lars. Ich weiß, wie das ist.«
»Henk hat uns auf die Ziegenalm eingeladen.«
»Kommt bald, wir machen ein schönes Fest. Ich werde den Termin mit Henk absprechen und dich anrufen. Du weißt, dass Henk und Wendy Zwillinge haben?«
»Ja, er hat mir von ihnen erzählt und von seiner Frau. Allerdings hatte ich nur Zeit für ein kurzes Gespräch, weil ich aufs Gericht musste.«
»Du bist ein viel beschäftigter Anwalt. Deshalb danke ich dir, dass du trotzdem Zeit für einen Besuch hattest.«
»Ich nehme mir jede Woche einen Nachmittag frei für private Termine. Das habe ich mir schon in meiner Kindheit vorgenommen, nach den Erfahrungen im Elternhaus. Nun, verstehe mich richtig, ich trage meinen Eltern nix nach. Sie sind einfach von dem Erfolg überrannt worden. Ich setze nur andere Schwerpunkte.«
»Das machst du gut«, sagte Addi.
Lars lächelte Addi an.
»Henk bat mich, dich zu besuchen. Du hättest einige Fragen juristischer Art.«
»Lars hat Henk keine Andeutung gemacht?«
»Nein, er bat mich, selbst mit dir zu sprechen.«
Addi grinste.
»Der Schlingel! Ich habe ihm alles ausführlich...
| Erscheint lt. Verlag | 24.6.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | Alpen • Bauer • Bäuerin • Bauernhof • Berghütte • Bergpfarrer • Bergroman • Familiengeschichte • Familienroman • Familiensaga • Heimat • Landarzt • Landdoktor • Landleben • Martin Kelter Verlag • Sonnenwinkel • Waldkogel |
| ISBN-10 | 3-69049-349-8 / 3690493498 |
| ISBN-13 | 978-3-69049-349-9 / 9783690493499 |
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