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Das Schicksal mischt die Karten (eBook)

Der Bergpfarrer 521 – Heimatroman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025
100 Seiten
Blattwerk Handel GmbH (Verlag)
978-3-69049-317-8 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Das Schicksal mischt die Karten - Toni Waidacher
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Mit dem Bergpfarrer hat der bekannte Heimatromanautor Toni Waidacher einen wahrhaft unverwechselbaren Charakter geschaffen. Die Romanserie läuft seit über 13 Jahren, hat sich in ihren Themen stets weiterentwickelt und ist interessant für Jung und Alt! Toni Waidacher versteht es meisterhaft, die Welt um seinen Bergpfarrer herum lebendig, eben lebenswirklich zu gestalten. Er vermittelt heimatliche Gefühle, Sinn, Orientierung, Bodenständigkeit. Zugleich ist er ein Genie der Vielseitigkeit, wovon seine bereits weit über 400 Romane zeugen. Diese Serie enthält alles, was die Leserinnen und Leser von Heimatromanen interessiert. Dietmar Bienapfl, der sechsundfünfzigjährige Großbauer aus der Gemeinde Engelsbach, fuhr mit seinem Kombi auf den Hof seines Anwesens. Es war Samstagnachmittag gegen halb sechs Uhr. Manuela, seine Tochter, beobachtete durch das Fenster der Küche, wie ihr Vater aus dem Auto ausstieg, den Rücken durchbog und die Schultern reckte. Er war mit einer schwarzen Hose und einem weißen, kurzärmligen Hemd bekleidet, seine grauen Haare waren ordentlich gekämmt und glänzten silbrig. Der Bauer vermittelte einen rundherum zufriedenen Eindruck. Manuela, dunkelhaarig und nicht gerade eine Schönheit, da sie eine ziemlich grobknochige Figur und ein etwas zu breitflächiges Gesicht besaß, verzog den Mund und ihre braunen Augen begannen zornig zu funkeln. Sie wandte sich vom Fenster ab. Ihre Lippen waren jetzt zusammengepresst, ihre Kiefer mahlten. Sie wusste, dass ihr verwitweter Vater auf Freiersfüßen wandelte. Und das war etwas, das Manuela ganz und gar nicht gefiel. Zum einen empfand sie es als Verrat an ihrer verstorbenen Mutter, wenn ihr Vater einer Frau den Hof machte, zum anderen war sie davon überzeugt, dass Jutta Bretschneider - das war die Frau, in die sich ihr Vater verliebt hatte -, sich und ihren siebzehnjährigen Sohn nur versorgt wissen wollte. Als Dietmar Bienapfl gleich darauf die Küche betrat, wandte sich ihm seine Tochter zu. »Grüß di«, murmelte er. Dass es Manuela nicht recht war, dass er um die Jutta warb, wusste er. Daraus hatte sie vom ersten Moment an kein Hehl gemacht. »Hast du dich wieder ein Stück mehr von der Jutta um den Finger wickeln lassen, wie?«, stieß die Sechsundzwanzigjährige hervor, statt seinen Gruß zu erwidern. »Merkst du denn nicht, Papa, dass die dich bloß ausnutzt.« »Es ist jedes Mal dasselbe, wenn ich bei der Jutta war!«

Dietmar Bienapfl, der sechsundfünfzigjährige Großbauer aus der Gemeinde Engelsbach, fuhr mit seinem Kombi auf den Hof seines Anwesens. Es war Samstagnachmittag gegen halb sechs Uhr.

Manuela, seine Tochter, beobachtete durch das Fenster der Küche, wie ihr Vater aus dem Auto ausstieg, den Rücken durchbog und die Schultern reckte. Er war mit einer schwarzen Hose und einem weißen, kurzärmligen Hemd bekleidet, seine grauen Haare waren ordentlich gekämmt und glänzten silbrig.

Der Bauer vermittelte einen rundherum zufriedenen Eindruck.

Manuela, dunkelhaarig und nicht gerade eine Schönheit, da sie eine ziemlich grobknochige Figur und ein etwas zu breitflächiges Gesicht besaß, verzog den Mund und ihre braunen Augen begannen zornig zu funkeln.

Sie wandte sich vom Fenster ab. Ihre Lippen waren jetzt zusammengepresst, ihre Kiefer mahlten. Sie wusste, dass ihr verwitweter Vater auf Freiersfüßen wandelte. Und das war etwas, das Manuela ganz und gar nicht gefiel. Zum einen empfand sie es als Verrat an ihrer verstorbenen Mutter, wenn ihr Vater einer Frau den Hof machte, zum anderen war sie davon überzeugt, dass Jutta Bretschneider - das war die Frau, in die sich ihr Vater verliebt hatte -, sich und ihren siebzehnjährigen Sohn nur versorgt wissen wollte.

Als Dietmar Bienapfl gleich darauf die Küche betrat, wandte sich ihm seine Tochter zu. »Grüß di«, murmelte er. Dass es Manuela nicht recht war, dass er um die Jutta warb, wusste er. Daraus hatte sie vom ersten Moment an kein Hehl gemacht.

»Hast du dich wieder ein Stück mehr von der Jutta um den Finger wickeln lassen, wie?«, stieß die Sechsundzwanzigjährige hervor, statt seinen Gruß zu erwidern. »Merkst du denn nicht, Papa, dass die dich bloß ausnutzt.«

»Es ist jedes Mal dasselbe, wenn ich bei der Jutta war!«, erregte sich der Bauer. »Du lässt kein gutes Haar an ihr. Was hast du eigentlich gegen sie? Sie ist anständig, bodenständig, arbeitsam und verträglich.«

»Natürlich zeigt sie sich dir von ihrer Schokoladenseite, Papa«, erwiderte Manuela geringschätzig. »Aber sie verfolgt ein Ziel und überlässt daher nix dem Zufall. Die Jutta möcht‘ Bäuerin auf dem Bienapflhof werden, sie will ihre Zukunft und die ihres Buben in warme Tücher gepackt wissen, und darum spielt sie dir Liebe und was weiß ich sonst noch alles vor.«

»Das ist eine Unterstellung«, versetzte der Bauer grimmig. »Die Jutta meint es absolut ehrlich mit mir. Auch mit ihrem Buben versteh‘ ich mich blendend. Der Aribert ist aus dem gleichen Holz geschnitzt wie ich. Er ist erst siebzehn, hat aber schon Vorstellungen vom Leben wie jemand, der auf ein langes Leben voller Erfahrung zurückblicken kann.«

»Seine Vorstellungen kenn‘ ich!«, fauchte Manuela. »Er möcht‘ sich hier ins gemachte Nest setzen und mal den Hof übernehmen. Wahrscheinlich wirst du dich in deiner blinden Verliebtheit sogar bereit erklären, das altkluge Bürscherl zu adoptieren, nur um der Jutta ja alles recht zu machen.«

Jetzt schaute der Bauer geradezu betreten zur Seite. Manuela entging es nicht. Ihre Augen weiteten sich, einen Moment lang fand sie vor Fassungslosigkeit keine Worte, denn die Ahnung, die sich ihr aufdrängte, was derart ungeheuerlich, dass sie ihre Stimmbänder regelrecht lähmte. Schließlich ächzte sie: »Daran hast du doch net schon im Ernst gedacht, Papa? So, wie du eben reagiert hast, muss ich das annehmen. Sag‘, dass ich mich täusch‘.«

»Hast du Angst um dein Erbe?«, fauchte der Bauer seine Tochter an, ohne auf ihre Äußerungen einzugehen. »Dabei bist du mit dem Detlef liiert, und der erbt selbst mal einen riesigen Bauernhof. Willst du, wenn ich nimmer kann und du mit dem Detlef verheiratet bist, zwei große Höfe bewirtschaften? Kannst du vielleicht nicht genug kriegen, Tochter?«

Manuela atmete durch. »Es geht mir nur um dich, Papa. Ich will nicht, dass du eines Tages erkennen musst, nur Mittel zum Zweck gewesen zu sein. Dann ist es vielleicht zu spät, dann hast du unter Umständen Dinge veranlasst, die du nimmer rückgängig machen kannst. Es geht um viel, um sehr viel. Natürlich will ich nicht, dass der Hof mal in fremde Hände fällt. Außerdem denk‘ ich an die Mama. Es ist gerade mal drei Jahre her, dass sie verstorben ist.«

»Ich liebe die Jutta, und sie liebt mich!«, behauptete Dietmar stur und schaute seine Tochter trotzig an. »Und ich werde dich gewiss nicht um Erlaubnis bitten, wenn ich sie bitt‘, meine Frau zu werden und ich ihr eines Tages einen Ehering an den Finger steck‘. Ja, ich hab‘ vor, den Aribert zu adoptieren. Mit der Jutta hab‘ ich mich darüber schon unterhalten. Sie will ihren geschiedenen Mann, den Vater vom Aribert, davon überzeugen, dass es das Beste für den Buben ist ...«

»Natürlich ists das Beste für den Burschen. Er hat, wenn du ihn adoptierst, die gleichen Rechte wie ein leibliches Kind, und ist dementsprechend auch mal erbberechtigt. Ich lass‘ aber nicht zu, dass der Hof, der seit Generationen in unserer Hand ist, jemand zufällt, in dessen Adern nicht unser Blut fließt.« Manuelas Stimme wurde geradezu flehend: »Bitte, Papa, nimm Vernunft an. Du wirst es eines Tages bereuen. Meinst du, die Jutta pflegt dich mal, wenn du alt und gebrechlich bist? Ganz sicher nicht! Die steckt dich in ein Heim und lässt es sich zusammen mit ihrem Spross auf unserem Hof gutgehen. Willst du das? Möchtest du in einem Pflegeheim enden?«

»Du malst den Teufel an die Wand, Manuela«, brummte Dietmar. »Wir lieben uns, die Jutta und ich. Das heißt ja auch gar nicht, dass ich das Gedenken an die Anneliese nicht in meinem Herzen bewahre. Doch es sind drei Jahre vergangen, seit sie verstorben ist. Ich aber leb‘. Ich denk‘, ich habe lang genug getrauert. Außerdem bin ich in einem Alter, in dem man noch am Leben teilhaben will. Wenn du das nicht verstehst, dann tut mir das leid. - Ich glaub‘, ich kenn‘ deine Beweggründe, Tochter. Es geht dir nicht um die Mama, es geht dir auch nicht drum, dass ich mal im Heim landen könnt‘. Es geht dir ausschließlich darum, dass du Angst hast, zu kurz zu kommen, wenn mal der Erbfall eintritt. Du würdest mich wahrscheinlich ins Heim abschieben, wenn ich nimmer kann. Ja, davon bin ich überzeugt. Jeder denkt nämlich von anderen so schlecht, wie er selber ist. Wie sonst kämst du auf den Gedanken, dass mich die Jutta mal ins Heim abschieben könnt‘?«

Manuela stieß scharf die Luft durch die Nase aus. »Ich sehe es schon, Papa, wir zwei kommen auf keinen grünen Zweig miteinander. Du bist verblendet und unterstellst mir in deiner Verblendung niedrige Beweggründe. Wer nicht zu raten ist, dem ist auch nicht zu helfen. Ich hoff‘ nur, dass das Erwachen, wenn dir mal die Augen aufgehen, kein böses wird. Dein Abendessen kannst du dir selber zubereiten. Ich dusch‘ mich jetzt nämlich, zieh‘ mich um und fahr‘ zum Detlef. Du kannst ja bei der Jutta nachfragen, ob sie nicht herkommen mag und dir was zum Essen kredenzt. Dann könnt‘ sie sich ja schon gleich ein bissel einarbeiten auf dem Hof und wär‘ nicht völlig unbedarft, wenn sie mal als Bäuerin hier einzieht.« Manuelas Stimme gewann an Schärfe. »Aber eins sag‘ ich dir, Papa: Mich siehst du dann auf dem Bienapflhof nimmer. Der Detlef und ich werden heiraten und ich werde mein Auskommen haben. Du kannst jedenfalls nimmer mit mir rechnen.«

»Du gönnst mir mein Glück nicht!«, knirschte der Bauer. »Und du hast Angst um dein Erbe. Net die Jutta ist habgierig und auf den Hof aus – du bist es, Tochter. Das muss einfach mal gesagt werden. Seit dem ersten Tag, an dem ich festgestellt hab‘, dass ich für die Jutta sehr viel empfind‘, versuchst du mir einzureden, dass sie es nur drauf abgesehen hat, abgesichert zu sein. Ich hab‘ dein ständiges Gehetze gegen die Jutta satt. Ja, es steht mir da!« Dietmar legte die rechte Hand mit der inneren Handkante unter seine Nase. Die Hand sank wieder nach unten und er fuhr fort: »Ich sag‘ dir jetzt eins, Tochter: Ich werde die Jutta fragen, ob sie meine Frau werden will, ob dir das gefällt oder nicht. Und wenn sie ja sagt, dann werde ich beim Standesamt einen Hochzeitstermin festlegen. Sollt‘ dir das nicht passen, dann musst du halt auf den Hörmannhof nach Waldeck ziehen. Was den Hof anbetrifft, so werde ich dir den gesetzlich vorgeschriebenen Erbanteil auszahlen, und dann sind wir geschiedene Leute.«

Jetzt füllten sich Manuelas Augen mit Tränen. »Das war ziemlich unmissverständlich, Papa«, murmelte sie mit brüchiger Stimme. »Jetzt weiß ich endgültig, wie der Hase läuft. Na schön, ich werde die Konsequenzen ziehen.«

Sie schoss ihrem Vater noch einen vernichtenden Blick zu, dann verließ sie die Küche und warf die Tür zu. Krachend fiel sie ins Schloss. Der Bauer kochte vor Zorn. »So weit käme es noch, dass ich mir von dir Vorschriften machen lass‘, Tochter«, sinnierte er laut. »Über mein Leben bestimm‘ immer noch ich. Und ich bin alt genug, um zu wissen, was richtig oder falsch ist.«

*

Wie jeden Tag begab sich Sophie Tappert, die mütterliche und herzensgute Pfarrhaushälterin, am Montagmorgen in die Bäckerei Terzing, um für den Pfarrer ein paar frische Semmeln zu besorgen.

Sophie rechnete regelrecht damit, vor der Bäckerei oder vielleicht auch im Laden die Erbling-Maria anzutreffen, deren Berufung es seit vielen Jahren war, in St. Johann für Ratsch und Tratsch zu sorgen. Böse Zungen bezeichneten sie als die ›Yellow Press‹ von St. Johann. Sie war immer auf dem neuesten Stand, und die Gefahr, dass sie aus der Mücke einen Elefanten machte, war immens. Wenn man etwas loswerden und sicher sein wollte, dass es die richtige Adresse erreichte, musste man es nur der Maria erzählen. Dann nahm alles den gewünschten...

Erscheint lt. Verlag 3.6.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Alpen • Heimat • Hüttenwirt • Liebesgeschichte • Liebesroman • Martin Kelter Verlag • Pfarrer • Sebastian Reiter • Sonnenwinkel • Sophienlust • Toni
ISBN-10 3-69049-317-X / 369049317X
ISBN-13 978-3-69049-317-8 / 9783690493178
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