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Im kleinen Nordsee-Hafen 3 (eBook)

Sommerküsse im kleinen Nordsee-Hafen
eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
144 Seiten
Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG
978-3-7517-8535-8 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Im kleinen Nordsee-Hafen 3 -  Carolin von Campen
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Bei einem Spaziergang in der Nähe des kleinen Nordsee-Hafens gerät Nina in ein schweres Unwetter. Zum Glück ist Rettungsschwimmer Johann zur Stelle und bringt die verängstigte Urlauberin in Sicherheit. Der muskulöse Mann mit der geheimnisvollen Aura verdreht Nina sofort den Kopf. Wenig später taucht auch noch Luca Schröder in Fischersbüttel auf - der Sänger mit den unwiderstehlichen Augen, mit dem Nina einst zur Schule ging. Damals war sie unsterblich in ihn verliebt ... Zwei Männer, zwei völlig unterschiedliche Gefühle - auf Nina wartet ein Sommer voller Turbulenzen, Überraschungen und Sommerküsse ...

Zwangsurlaub war nichts für Nina Maiwald. Es war schrecklich ungewohnt, mitten in der Woche frei zu haben. Auch wenn der Himmel blau und die Luft so warm und mild war wie an diesem Sommermorgen. Die Vierunddreißigjährige pustete sich eine blonde Ponysträhne aus der Stirn und schaute sich auf der gut besuchten Terrasse des schicken Eiscafés um. Faszinierend, dass es an einem Donnerstag um elf Uhr so voll war. Leute jeden Alters tranken Cappuccino, futterten Eis und Gebäck und plauderten unter edlen weißen Sonnenschirmen. Das konnten doch nicht alles Rentner und Studenten sein!

Seufzend blickte Nina wieder auf die silberne Dessertschale vor sich. Das Erdbeereis mit Schlagsahne hatte sich bereits in eine rosa-weiße Soße verwandelt. Sie war ein ziemlicher Süßigkeiten-Junkie, aber irgendwie war ihr der Appetit vergangen.

Aus Gewohnheit sah sie auf die Uhr ihres Handys. Normalerweise hätte sie jetzt schon den fünften Patienten behandelt. Nervös schlug sie die Beine übereinander. Es machte sie wahnsinnig, dass ihr unfähiger Chef sie dazu gezwungen hatte, ihren gesamten Jahresurlaub auf einmal zu nehmen. Kurzfristig hatte er sich entschieden, aus »steuerlichen Gründen« – wie er ihr frech grinsend mitgeteilt hatte – die gesamte Ergotherapie-Praxis zu renovieren und zu digitalisieren. Dieser raffgierige Kerl! Ihr kam es vor wie eine Strafe. Aber wofür?

Dafür, dass sie sich seit fünf Jahren dort ausnutzen ließ? Das würde zumindest Jenny sagen, dachte Nina, während sie ihre Freundin anlächelte, die in diesem Moment von der Toilette zurück- und auf sie zukam.

Die beiden Frauen waren gleichaltrig, und seit der Schulzeit verband sie eine enge Freundschaft, obwohl sie unterschiedlicher nicht hätten sein können. Die gertenschlanke Jenny Hansen hatte flammend rotes, kurz geschnittenes Haar und trug gern grellbunte Klamotten, während Nina mit ihrer blonden Mähne, dem Pony und ihrer Vorliebe für romantische Blümchenkleider eher brav wirkte. Außerdem war Jenny ein Freigeist und wechselte ihre Liebhaber ebenso häufig wie ihre Unterwäsche.

Nina musterte die Freundin bewundernd, deren riesige goldene Ohrhänger in der Sonne blitzten.

»Puh.« Jenny rümpfte die Nase und ließ sich wieder in den Korbstuhl fallen. »Es war so voll bei den Damen, da bin ich auf die Herrentoilette gegangen.«

Nina grinste. Das war typisch. Manchmal beneidete sie ihre Freundin um deren Schneid. Den brauchte die flippige Jenny als selbständige Eventmanagerin aber auch. Sie war ihr eigener Chef, lebte in den Tag hinein und hangelte sich von Job zu Job. Dafür tat sie aber auch nur, was sie liebte.

Was man von Nina nicht behaupten konnte. Sie war Ergotherapeutin und hatte sich zusätzlich in Kunsttherapie ausbilden lassen. In der Praxis, in der sie angestellt war, bekam sie aber selten Gelegenheit, mit den Patienten so zu arbeiten, wie sie es für richtig hielt. Ständig wurde sie von der Krankenkasse mit Einsparungen getriezt, und ihr Chef kam ihr eher wie ein Unternehmensberater als wie ein Therapeut vor.

»Hast du es dir jetzt mal überlegt?« Jenny zupfte ihren weiten giftgrünen Kaftan zurecht und sprach in dem typischen ungeduldigen Tonfall, den sie immer dann anschlug, wenn sie Nina zu etwas überreden wollte.

Nina zuckte mit den Schultern. Sie würde sich erstmal bedeckt halten, obwohl sie Jennys Idee gar nicht schlecht fand.

»Das ist im Grunde ein kostenloser Urlaub«, analysierte Jenny und fuhr sich mit einer lässigen Bewegung durch die kurzen Locken. »Wir hätten die ganze Bude für uns, du könntest jeden Tag an den Strand und wirst endlich mal richtig braun.«

Nina presste ein wenig beleidigt die Lippen zusammen und zermatschte mit dem Löffel eine Erdbeere. So bleich war sie nun auch wieder nicht! Aber natürlich wäre es verlockend, ein paar Wochen in Emmi Hansens hübschem Haus an der Nordsee zu verbringen. Jennys Tante hatte irgendwas mit der Bandscheibe und musste zur Kur. Da Jenny einen Job bei einem norddeutschen Musikfestival angenommen hatte, bot es sich an, dass sie in der Zeit Emmis Haus hütete. Und sie wollte Nina unbedingt dabei haben. Aber garantiert steckte noch mehr dahinter.

»Und wo ist der Haken?«, fragte sie und versuchte, mit der Getränkekarte eine Wespe zu verscheuchen, die jetzt aufdringlich um ihr Dessert kreiste.

»Es ist nur eine Kleinigkeit.« Jenny kratzte sich an ihrer von Sommersprossen übersäten Nase. »Wir müssen auf Pauli aufpassen.«

»Aha.« Nina gab sich geschlagen und schob die Eisschale beiseite. »Und wer ist das? Ein Papagei?«

Jenny schüttelte den Kopf, fischte eine Zitronenscheibe aus ihrem Glas und knabberte lässig daran. »Emmis neuer Hund. Süß, aber nicht gerade ein Schoßtier. Ungefähr so groß.« Sie hielt die Hand nur knapp unter Tischhöhe.

»Och nee.« Nina zog eine Schnute. »Ich spiel doch nicht den Babysitter für so ein Riesenvieh.«

»Er ist der liebste Hund der Welt«, sagte Jenny und hob belehrend den Zeigefinger. »Ein Labradoodle. Sehr verträglicher Mix. Sie hat mir Videos geschickt.«

Nina kannte die Rasse. Die zutraulichen Tiere, die eine Mischung aus Labrador und Großpudel waren, wurden sogar als Therapiehunde eingesetzt. Sie blickte auf Jennys Smartphone. Er sah wirklich niedlich aus mit dem grauen, wuscheligen Fell und den schwarzen Knopfaugen. Trotzdem. So ein Tier brauchte ja fast so viel Betreuung wie ein Kind!

»Ich weiß nicht«, sagte sie und nahm einen Schluck von ihrer Kräuterlimonade.

»Emmi darf Pauli nicht mit zur Kur nehmen, und eine Pension kann sie sich nicht leisten. Sie ist schon ganz verzweifelt.«

Nina schwieg und beobachtete, wie die Wespe in der Eissuppe zappelte.

Jenny änderte offenbar ihre Taktik und appellierte nun an ihr weiches Herz. Kein schlechter Schachzug. Nina mochte Emmi. Sie war eine herzliche, humorvolle Frau. Vor zwei Jahren war ihr Mann verstorben, und seither lebte sie allein. Es wäre herzlos, ihr nicht zu helfen. Jenny war ein altes Biest.

»Du hast doch jetzt sowieso Zeit«, meinte sie und holte damit zum finalen Schlag aus, den sie damit unterstrich, dass sie die abgeknabberte Zitronenscheibe in den Aschenbecher warf.

»Danke«, sagte Nina ironisch. »Das hätte ich fast vergessen.« Sie ließ die Wespe auf ihren Löffel klettern, wo sie sich hektisch zu putzen begann.

Jenny, die wusste, dass sie auf der Zielgeraden war, überging die Bemerkung. Außerdem hatte sie Nina schon oft genug gepredigt, dass sie sich selbstständig machen sollte.

Ihre hellgrünen Augen und ihre Stimme wurden weicher. »Was willst du hier sechs Wochen lang allein machen? Du hältst es doch nicht aus, nichts zu tun zu haben.«

Die Wespe flog davon, und Nina sah ihr nach, wie sie über den Sonnenschirmen verschwand.

Jenny hatte ins Schwarze getroffen. Nichtstun machte sie tatsächlich verrückt. Normalerweise hätte sie eine interessante Reise gebucht, denn sie neigte zu einem gewissen Fernweh. Aber allein traute sie sich nicht, und vor acht Monaten hatte sie sich von ihrem langjährigen Freund getrennt. Sie war äußerst ungern Single. Achim trauerte sie zwar nicht im Geringsten hinterher, denn er hatte sich als untreuer Mistkerl entpuppt, aber sie hätte sich langsam lieber mit Familienplanung beschäftigt als mit Ü30-Singlepartys und Dating-Apps.

Der Gedanke daran ließ sie erschaudern. Sie blickte auf. »Wann müsste ich da sein?«

Ein kleines, zufriedenes Lächeln erschien auf Jennys Lippen. »Montag bringe ich Emmi nach Sylt in die Klinik. Aber an dem Tag habe ich einen wichtigen Termin, da kann ich Pauli nicht mitnehmen.«

Montag. Heute war Donnerstag. Nina überschlug, was sie bis dahin alles erledigen musste. Die Wohnung aufräumen, ihrer Nachbarin den Schlüssel für die Post geben, packen, einen neuen Bikini kaufen. Der Gedanke versetzte sie einen Moment in Panik. Doch dann fiel ihr ein, dass sie sich bei der Gelegenheit auch gleich ein paar schöne sommerliche Kleider  besorgen konnte, die ihren weiblichen Kurven schmeichelten. Und Schuhe. Vielleicht diese süßen Riemchensandalen, die sie im Ausverkauf gesehen hatte.

»Okay«, seufzte sie. »Du hast gewonnen. Ich bin Montag da.«

»Super.« Jenny lehnte sich zurück und grinste sie an. »Ich wusste, dass du Ja sagst!«

»Ich auch.« Nina war nicht ganz so begeistert. Hoffentlich würde sie das nicht bereuen.

»Warte ab, vielleicht lernst du ja einen süßen Fischer kennen.« Jenny zwinkerte. »Ich glaube, das wird der Sommer unseres Lebens!«

Nina zog eine kleine Grimasse. »Das sagst du aber jedes Jahr.«

»Aber dieses Mal stimmt es!« Jenny hob ihr Colaglas, und sie stießen an. Nina trank und schloss dabei die Augen. Ein aufregendes Prickeln machte sich in ihrer Magengegend breit. Aber an der Kräuterlimonade lag es nicht. Vielleicht hatte Jenny ja wirklich recht …

Am Montagnachmittag, dem Tag von Ninas Ankunft in Fischersbüttel, hatte es Dr. Johann Osterberg eilig. Die Sonne schien warm, und der Himmel war wolkenlos. Aus der Ferne klangen die Rufe der Möwen, und die Luft roch nach Salz und Meer.

Vom aufziehenden Gewitter war noch nichts zu spüren, außer einer frischen Brise, die dem Arzt die etwas wirren dunkelblonden Locken aus der Stirn wehte.

Auf dem Weg von der Praxis zu seiner Wohnung hatte er im Gehen...

Erscheint lt. Verlag 28.6.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Liebesroman • Nordsee, Romantik, Liebe, Seewetter, Hochzeit, Ferien, Tourismus, Urlaub, Familie, Hafen, Alltagsflucht, geheimnis, Meer, sehnsucht, Leuchtturm
ISBN-10 3-7517-8535-3 / 3751785353
ISBN-13 978-3-7517-8535-8 / 9783751785358
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