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Die Töchter von Usedom - Das Geheimnis in den Dünen (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 1. Aufl. 2025
403 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-7517-6042-3 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Die Töchter von Usedom - Das Geheimnis in den Dünen - Jessica Weber
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Swinemünde, Sommer 1892: Ein Geheimnis, das alles ins Wanken bringt und die Bande der Familie auf eine harte Probe stellt.

Die Pension der Familie wächst, doch nicht alle Träume lassen sich zwischen ihren Mauern verwirklichen. Linas Tochter Lore sehnt sich nach einem selbstbestimmten Leben als Modezeichnerin in Berlin - ein Wunsch, der den Plänen ihrer Eltern widerspricht. So steht sie vor einer schweren Entscheidung: Soll sie ihrer Familie den Rücken kehren? Ihr jüngerer Bruder Paul hingegen hat große Ideen für die Pension, hütet jedoch ebenfalls ein folgenschweres Geheimnis.

Dann kommt mit einer reisenden Zirkustruppe die junge Rosalie in die Stadt. Auch sie kämpft mit sich und ihrer Herkunft. Das Leben auf der Straße hat Spuren hinterlassen, und die Sehnsucht nach einem echten Zuhause bringt sie dazu, gefährliche Wege zu gehen.

Alte Konflikte brechen auf, und verborgene Wahrheiten drohen ans Licht zu kommen - und alles zu verändern, was die Familie zusammenhält.

eBooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.



<p>Die Kieler Autorin Jessica Weber ist gelernte Schifffahrtskauffrau und liebt es, das Meer vor der Tür zu haben. Wenn sie nicht schreibt, arbeitet sie als Lektorin, Korrektorin und Sekretärin. In ihrer Freizeit fertigt sie ausgefallene Motivtorten an, ist in der Mittelalterdarstellung aktiv und reist viel, gern auch zu Recherchezwecken. Außer historischen Romanen mit und ohne Romantik schreibt sie Kurzgeschichten und liebt Gemeinschaftsprojekte mit Autorenkolleginnen. Sie ist Mitglied im Phantastik-Autoren-Netzwerk (PAN) e. V., in der Autorinnenvereinigung »Romance Alliance« und im Verband der Schriftsteller in Schleswig-Holstein e. V.</p>

Kapitel 1


Swinemünde, Pension Büchner (Stammhaus), September 1891


Lore


»Stellt euch vor, ihr hättet Karl damals wirklich als euren Sohn ausgegeben, Friedrich.«

Es klirrte, und Porzellanscherben und Kaffee spritzten über den fein gedeckten Tisch. Lore fuhr der Schreck in die Glieder, und sie starrte Mutter an, der die Tasse aus der Hand gefallen war. Ihr Gesicht war kreidebleich geworden. Auch Vater, Tante Ella und Onkel Ludwig schienen erstarrt zu sein, Urgroßmutter Elfriede dagegen verengte die Augen, was ihr ein verärgertes Aussehen verlieh. Es war totenstill im Familiensalon, nur Großvater Heinrichs leises Glucksen war zu hören.

Dann erst wurde Lore bewusst, was der alte Herr da gerade gesagt hatte. Er war in letzter Zeit oft verwirrt, aber … ihren Cousin Karl als das Kind ihrer Eltern auszugeben? Wie kam er denn nur auf so etwas? Sie sah Karl an, der neben ihr saß. Er hob leicht die Schultern. Auch Lores Bruder Paul hatte die Stirn in Falten gelegt.

»Vater, was redest du denn da?«, fragte Mutter endlich, griff nach ihrer Serviette und versuchte mit abgehackten Bewegungen, das Tischtuch zu säubern. Hatte ihre Stimme gezittert, oder war das Einbildung gewesen?

»Lass, Liebes«, sagte Vater und nahm Mutter das Tuch aus der Hand. »Du schneidest dich nur.« Er begann, die Scherben des zarten Tässchens einzusammeln und auf der Untertasse abzulegen, die wie durch ein Wunder heil geblieben war. »Vater, soll ich dir noch einen Schluck Kaffee nachschenken?« Er hob die Kanne an.

Großvater Heinrich ignorierte ihn, grinste nur weiter vor sich hin. »Dann hätten die zwei jetzt ein Problem«, fuhr er unbeeindruckt fort und deutete abwechselnd auf Lore und Karl. »So als Bruder und Schwester.« Nun zwinkerte er ihr sogar zu!

Lore war über alle Maßen verwirrt. Sie hatten in der Tat ein Problem, aber eines, das nichts damit zu tun hatte, wessen Kind Karl war, und außerdem wusste die Familie ja nichts davon. Was aber meinte Großvater Heinrich denn nur mit seinen Worten? Karl und sie, Bruder und Schwester?

»Heinrich, es ist genug!«, sagte Urgroßmutter Elfriede mit erstaunlich fester Stimme für eine Einundachtzigjährige. »Iss deine Torte und rede nicht solchen Unsinn. Wir wollen feiern und nicht deine kruden Gedanken hören. Schließlich ist heute Karls Geburtstag.«

»Stimmt doch gar nicht«, murmelte Großvater Heinrich trotzig, nahm aber dennoch eine große Gabel voll Quarksahnetorte, die ihn zumindest für den Moment zum Schweigen brachte. Er hatte nicht mehr all seine Zähne, und so mümmelte er das Gebäck langsam und schob es mit der Zunge im Mund hin und her.

»Wie schön, dass dein Geburtstag dieses Jahr auf einen Sonntag fällt, Karl!«, rief Ludwig ein kleines bisschen zu laut, ohne auf Großvater Heinrichs Worte einzugehen. »Sonst hättest du die Kaserne vielleicht gar nicht verlassen dürfen …«

Lore hörte nicht mehr hin.

Stimmt doch gar nicht.

Was sollte nicht stimmen, dass heute Karls Geburtstag war? Aber natürlich war er das! Ihr Cousin war nun achtzehn Jahre alt und damit ganze zweieinhalb Jahre jünger als Lore selbst. Was ihre Eltern nicht davon abhielt, sie seit Jahren als Paar zu sehen und fest davon auszugehen, dass sie einmal heiraten würden.

»Ihr versteht euch so gut, und Cousin und Cousine zweiten Grades, das ist doch kein Problem«, pflegten sie zu sagen, und nein, es wäre auch keines gewesen. Karl war groß, gut aussehend und reif für sein Alter, und Lore liebte ihn innig.

Wie einen Bruder.

Als der er offenbar beinahe ausgegeben worden wäre, wenn sie Großvater Heinrich richtig verstanden hatte. Und die Reaktionen ihrer Eltern hatten ebenfalls Bände gesprochen. Noch immer war die lockere Fröhlichkeit, die zuvor im Familiensalon des Stammhauses der Pension Büchner geherrscht hatte, nicht zurückgekehrt. Ludwig bemühte sich zwar, das Gespräch in Gang zu halten, indem er seinem Sohn Fragen über den Wehrdienst stellte, und Vater kommentierte Karls eher einsilbige Antworten ebenso eifrig. Den Frauen aber schien es vor allem ein Anliegen zu sein, Großvater Heinrich zu mästen und ihn damit von seinem vorherigen Thema abzulenken – oder ihn vielmehr davon abzuhalten, überhaupt noch einmal etwas zu sagen.

Lore lief es kalt über den Rücken. Was verheimlichten sie?

Paul stieß ihr Knie unter dem Tisch mit seinem an, und sie sah zu ihm hinüber. Er hob die Augenbrauen, sah sie durch seine goldgerahmte Brille eindringlich an und drehte den Kopf ganz leicht in Richtung Fenster. Lore verstand. Ohnehin verstanden sie einander meist wortlos, sie alle drei. Lore, Paul und Karl – das eingeschworene Kleeblatt, die junge Generation der Pension Büchner, die noch immer so hieß, obwohl nur noch Urgroßmutter Elfriede diesen Namen trug. Ihre Enkelinnen Lina – Lores und Pauls Mutter – und Ella – Karls Mutter – hatten den Namen mit ihren Hochzeiten abgelegt, doch alle drei sprachen oft und gern von ihrer Zeit als das Büchner-Frauen-Trio, das sich vor mehr als zwanzig Jahren ganz ohne männliche Unterstützung ein Geschäft aufgebaut und es über Jahre erfolgreich und mit viel harter Arbeit geführt hatte.

Diese schweren Zeiten lagen hinter der Familie. Sie hatten es geschafft, wie man so schön sagte. Die beiden Häuser der Pension – zur Unterscheidung »Stammhaus« und »Villa« genannt – waren über die ganze Saison und teilweise sogar in der Vor- und Nachsaison ausgebucht und ernährten alle neun Familienmitglieder problemlos. Die drei Kinder hatten gute Schulen besucht und abgeschlossen, und Karl, der sich vor dem Militärdienst gefürchtet hatte, da er jegliche Gewalt und Waffen verabscheute, wurde der kostspielige Einjährig-Freiwilligen-Dienst ermöglicht, sodass er bereits in zwei Wochen wieder zu Hause sein würde statt erst in zwei Jahren. Schon dieses eine Jahr war hart für sie alle gewesen, besonders natürlich für Karl selbst, aber auch für sie – und für Paul.

Dieser sah sie noch immer eindringlich an. Lore ergriff ihre Tasse und trank sie in einem Zug leer. Der Kaffee war ihr zu bitter, obwohl sie reichlich Sahne und Zucker hineingegeben hatte. »Dürfen wir ein Stück spazieren gehen?«, fragte sie laut, sobald es eine Gesprächspause gab. »Das Licht ist herrlich, und ich würde gern noch ein wenig zeichnen.«

»Das sollte Karl entscheiden, schließlich ist heute sein Ehrentag«, sagte Vater.

»Stimmt doch gar nicht«, nuschelte Großvater Heinrich erneut.

»Wartet mal!«, rief Ella rasch. »Ich habe doch noch eine Geburtstagsüberraschung für dich.« Sie sah Karl liebevoll an und drückte seine Hand, die auf der Tischplatte lag. »Eigentlich für euch alle.« Sie sah in die Runde. »Wollen wir zusammen ein Stück gehen? Ich möchte euch etwas zeigen.«

»Heinrich und ich bleiben hier«, sagte Urgroßmutter Elfriede bestimmt. »Nicht wahr, Heinrich? Wir sind zu langsam, außerdem will ich dich im Schach schlagen.«

»Schaffst du sowieso nicht.« Großvater Heinrich zeigte ein breites, zahnloses Grinsen.

Lore musste kichern. Obwohl sein Geist nicht mehr der wachste war, hatte er in dieser Sache vollkommen recht. Im Schach war er selten zu schlagen, das wusste Lore aus eigener leidvoller Erfahrung. Sie nahm sich vor, bald einmal wieder mit ihm zu spielen und dabei vielleicht mehr über seine seltsamen Aussagen herauszubekommen. Oder sie würde in einer stillen Stunde mit Vater darüber reden. Er hatte sie noch nie angelogen und würde es auch diesmal nicht tun. Lore vertraute ihm vollkommen. Mutter natürlich auch, aber sie und Vater hatten schon immer ein besonderes Verhältnis gehabt. Sie liebte es, wenn er sie »mein Mädchen« nannte, auch jetzt mit zwanzig noch.

Nein, er hatte sie noch nie angelogen. Sie log ihn beinahe täglich an. Aus gutem Grund, wenn nicht gar dem besten von allen, aber Lügen waren es dennoch. Das bekannte Schuldgefühl ließ ihre Kehle eng werden. Es gab nur nichts, was sie tun konnte. Nicht im Moment und vielleicht nie.

Sie erhoben sich vom Tisch. Lore bemerkte Pauls enttäuschten Gesichtsausdruck, trat neben ihn und klopfte ihm sanft auf den Rücken.

»Ist ja bald vorbei«, raunte sie ihm ins Ohr, wobei sie sich kaum strecken musste. Sie waren beinahe gleich groß, Lore hochgewachsen für eine Frau, Paul dagegen seit seiner zu frühen Geburt klein und zart geblieben. »Zwei Wochen, und du kannst froh sein –«

»Ich weiß«, unterbrach er sie leise. »Ich wäre trotzdem lieber nicht mit der ganzen Gesellschaft spazieren gegangen.«

Lore seufzte. »Ja, und ich wollte wirklich gern zeichnen.«

»Das kannst du immerhin jeden Tag.«

»Nicht, wenn das Wetter nun bald schlechter wird.« Aber natürlich verstand sie, was er meinte. Nein, ihre Probleme waren nichts gegen seine. Wobei seine mehr und mehr zu ihren wurden …

Lore ging voran, und Karl und Paul folgten ihr aus dem Raum. So war es immer. Sie, die Älteste, gab den Weg vor. Sie, die keine Schüchternheit kannte, die in einer Pension mit zwei großen Häusern voller Gäste aufgewachsen war und den Trubel über alles liebte. Die überquellenden Restaurants, die Tanzabende, die Strandbäder voller Urlauber, die Plantage, die Promenade. Sie, der Swinemünde im Grunde viel zu klein war, die von Berlin träumte, von der flirrenden Hauptstadt des Deutschen Reichs, in der seit drei Jahren ein neuer Kaiser herrschte. Von Theatern, von Kaffeehäusern, Modehäusern, Ateliers, Bars, Straßen voller Menschen, Besuchern aus aller Herren Länder.

Sie aber war hier, in ihrem vergleichsweise beschaulichen Swinemünde, und fühlte sich von Jahr zu Jahr gefangener. Im Gegensatz zu den weiter westlich gelegenen Bädern Ahlbeck und...

Erscheint lt. Verlag 1.9.2025
Reihe/Serie Ostsee-Familiensaga
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte beheartbeat • Berlin • dramatisch • fake dating • Familiengeheimnis • Familiensaga • female empowerment • Fesselnd • Forbidden Love • gefühlvoll • Große Gefühle • historisch • Historischer Liebesroman • Historischer Roman • Kaiserzeit • Küstenroman • Liebe • Ostsee • Queer • queere Liebegeschichte • Queer Love • Roman für den Urlaub • Saga • schwules Paar • Seebad • Sommerfrische • Sommerroman • Starke Frauen • starke Frauen um 1900 • Strandleben • Swinemünde • Urlaub • Urlaubsroman • Usedom • Verlust
ISBN-10 3-7517-6042-3 / 3751760423
ISBN-13 978-3-7517-6042-3 / 9783751760423
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