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Lassiter Sonder-Edition 75 (eBook)

Die Goldkatze

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 1. Aufl. 2025
80 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-7517-8156-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Lassiter Sonder-Edition 75 - Jack Slade
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Lassiter hatte schon vor mehr als einer halben Stunde die Schüsse gehört, und er ahnte, was geschehen war. Seine Ahnung wurde zur Gewissheit, als zwischen den staubigen, karg bewachsenen Hügeln eine Rauchwolke in den Himmel stieg und wenig später die ersten kreisenden Punkte im weiten Blau zu sehen waren. Ein paar Meilen weiter voraus mussten wieder einmal Apachen zugeschlagen haben. Die Roten waren zwar 'befriedet', wie man das in der allgemeinen Amtssprache nannte, aber es kam immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen. Die Zeit hatte noch längst nicht alle Wunden geheilt. Der große Mann beeilte sich nicht. Er würde ja doch zu spät kommen, das stand fest. Apachen pflegten immer ganze Arbeit zu machen. Und wenn Lassiter nicht aufpasste, konnte auch sein Skalp schon bald am Gürtel eines roten Kriegers hängen.

DIE GOLDKATZE

von Jack Slade

Lassiter hatte schon vor mehr als einer halben Stunde die Schüsse gehört, und er ahnte, was geschehen war. Seine Ahnung wurde zur Gewissheit, als zwischen den staubigen, karg bewachsenen Hügeln eine Rauchwolke in den Himmel stieg und wenig später die ersten kreisenden Punkte im weiten Blau zu sehen waren. Ein paar Meilen weiter voraus mussten wieder einmal Apachen zugeschlagen haben. Die Roten waren zwar »befriedet«, wie man das in der allgemeinen Amtssprache nannte, aber es kam immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen. Die Zeit hatte noch längst nicht alle Wunden geheilt.

Der große Mann beeilte sich nicht. Er würde ja doch zu spät kommen, das stand fest. Apachen pflegten immer ganze Arbeit zu machen. Und wenn Lassiter nicht aufpasste, konnte auch sein Skalp schon bald am Gürtel eines roten Kriegers hängen.

Trotzdem ritt er in ziemlich gerader Linie auf die Stelle zu, wo die Rauchwolke zu sehen war. Er hätte einen Bogen schlagen können, um sich in Sicherheit zu bringen, aber das entsprach nicht seiner Art. Lassiter war eben anders. Er liebte es, immer das Gegenteil von dem zu tun, was man allgemein von einem Mann erwartete.

Er stutzte kurz, als er dann den Schrei hörte. Es war ein wilder, zorniger Schrei, der ebenso jäh abbrach, wie er aufgebrandet war. Und es war die Stimme einer Frau gewesen.

Fast gelassen ritt der große Mann weiter durch die Senke und dann den gegenüberliegenden Hang hinauf. Vorerst brauchte er nicht zu befürchten, dass man auf ihn aufmerksam wurde, denn der Staub schluckte den Hufschlag seines großen grauen Wüstenpferdes.

Auf halber Höhe des Hanges saß er ab. Es war eine von dürren Greasewoodsträuchern bewachsene Stelle, wo er den Grauen zurückließ. Mit dem Gewehr in der Hand glitt er weiter den Hang hinauf.

Wenig später befand er sich auf der Kuppe und blickte in die nächste Senke hinab. Er sah die qualmenden Trümmer eines niedergebrannten Blockhauses im Schatten von drei knorrigen Sykomoren. Durch das sonnenverbrannte Gras inmitten der Senke schlängelte sich ein ausgetrockneter Bachlauf. Die Flügel eines niedrigen Windrades reckten sich wie Totenfinger in die heiße Luft des Nachmittags.

Aber das alles nahm Lassiter nur am Rande wahr. Seine Aufmerksamkeit richtete sich auf die Indianer, die sich in der Nähe der qualmenden Trümmer aufhielten.

Es waren Apachen. Sechs Krieger mit nackten, fettglänzenden Oberkörpern und fransenbesetzten ledernen Leggins. Schwarzes Haar fiel auf muskulöse Schultern herab. Adlerfedern wippten, wenn sich die Apachen bewegten und gestikulierend aufeinander einsprachen.

Etwas abseits lagen fünf reglose Gestalten. Drei Apachen und zwei weiße Männer. Ein verdammt hoher Blutzoll für eine erbärmliche Hütte, dachte Lassiter. Das konnte nur bedeuten, dass hier mehr auf dem Spiel stand. Auch Apachen gingen in ihrem Hass nicht so weit, dass sie nur für solch einen relativ billigen Triumph das Leben riskierten. Sie hätten die beiden Männer in der Hütte auch auf andere Art erledigen können. Es gehörte zu ihren Eigenschaften, sich viel Zeit zu lassen, wenn es sein musste.

Diesmal hatten sie schnell und offen angegriffen, und das war eigentlich nicht ihre Art.

Aus welchem Grunde hatten sie es so eilig gehabt?

Jetzt hörte Lassiter wieder den Schrei der Frau. Er konnte sie noch immer nicht sehen. Die Apachen verdeckten sie. Wahrscheinlich lag sie zwischen ihnen und war gefesselt.

Einer der Apachen beugte sich hinab, und der Schrei der Frau verstummte abrupt.

Lassiter hielt sich noch zurück. Er war sich noch nicht ganz klar darüber, wie er sich verhalten sollte. Natürlich hätte er jetzt sofort und aus dem Hinterhalt angreifen können. Er war ein unheimlich schneller und sicherer Schütze, und er hätte alle sechs Indianer von den Beinen fegen können, bevor der erste von ihnen überhaupt in der Lage war, sein veraltetes Gewehr in Anschlag zu bringen.

Aber es w r nicht Lassiters Art, so zu kämpfen. Er verabscheute den Hinterhalt. Wenn es eben möglich war, hatte er seinen Gegner noch immer offen gestellt. Auge in Auge, das war Lassiters Kampfstil.

Er wunderte sich, warum die Apachen noch nicht angefangen hatten, ihre Gefangene zu vergewaltigen.

Was hatten sie mit ihr vor?

Für Lassiter gab es nur eine bestimmte Antwort auf diese Frage: Die Roten wollten etwas von der Frau wissen.

Der Apache, der sich über sie gebeugt hatte, riss sie jetzt hoch. Die anderen Rothäute traten etwas zur Seite, und Lassiter sah sie zum ersten Mal. Auf rund hundertfünfzig Schritt Entfernung konnte er natürlich keine Einzelheiten erkennen, aber es gab für ihn keinen Zweifel, dass es sich um eine schöne Frau handelte.

Sie trug eine helle Bluse und hatte schwarzes Haar, das lang auf ihre Schultern fiel. Eine knappsitzende Reithose spannte sich um ihre Hüften.

Der Apache hatte ihr die Arme auf den Rücken gedreht und trieb sie vor sich her auf einen der Bäume zu.

»Lasst mich!«, schrie die Frau. »Ihr verdammten Schufte, ihr sollt ...«

Der Rest ging in einem Wimmern unter. Ihr Körper machte eine sonderbare Verrenkung, dann sank sie in die Knie, und der Indianer versetzte ihr einen Fußtritt.

Die anderen lachten belustigt, als sie zu kriechen begann. Auf den Baum zu. Wenn sie eine Pause einlegen wollte, versetzte ihr der Apache einen erneuten Fußtritt.

Sie gehorchte und wagte nicht, sich wieder aufzurichten. Kurz vor dem Baum bellte der Apache ihr einen kurzen Befehl zu, und sie sank in sich zusammen und blieb zusammengekauert liegen.

Der Apache beugte sich über sie und packte mit der linken Hand in ihr volles Haar. Mit einem brutalen Ruck zerrte er sie hoch. Sie schrie. In der Rechten des Indianers blitzte ein Messer.

Zum Teufel! Wollte er sie etwa bei lebendigem Leibe skalpieren? Es sah jedenfalls ganz danach aus.

Lassiter setzte sich in Bewegung. Niemand bemerkte ihn, als er mit großen Schritten den staubigen Hang herunterkam.

Gerade setzte der Apache die Spitze seines großen Messers an die Kehle der Frau. Ihre Augen waren vor Angst weit aufgerissen. Sie öffnete den Mund, aber kein Laut drang über die zitternden Lippen.

Der Apache war ein großer, muskulöser Bursche, für einen Indianer dieses Stammes ausgesprochen hochgewachsen. In seiner ganzen Art erinnerte er mehr an einen Sioux oder Cheyenne der nördlichen Prärien.

Er sagte etwas zu der Gefangenen, aber Lassiter konnte die Worte noch immer nicht verstehen, da er zu weit entfernt war.

»Nein!«, schrie die Frau gellend. »Ich weiß von nichts. Ich kann es dir nicht verraten. Lasst mich doch endlich in Frieden!«

»In Frieden?«, rief der große Apache kehlig, und die anderen lachten höhnisch. »Natürlich lassen wir dich in Frieden. Aber erst dann, wenn wir mit dir fertig sind.«

Die Blicke der Frau irrten an ihm und den anderen vorbei und entdeckten plötzlich Lassiter. Ihre Augen weiteten sich noch mehr. Ungläubiges Staunen zeichnete sich auf ihrem Gesicht ab, gemischt mit einer Spur verzweifelter Hoffnung.

Lassiter war noch gut zwanzig Schritt von der Gruppe entfernt.

Die Apachen witterten die Gefahr und wirbelten herum. Sie rissen ihre alten, meist einschüssigen Gewehre hoch und wollten feuern. Sie kamen nicht dazu.

Der große Mann stand lässig da, die Winchester im Hüftanschlag. Zwei Schüsse peitschten so blitzschnell hintereinander auf, dass sie fast wie einer klangen.

Dann war es still.

Der große Apache, der die Frau – oder war es ein Mädchen? – in seiner Gewalt hatte, hielt weiterhin die Klinge an der Kehle der Gefangenen. Über die Schulter hinweg blickte er auf Lassiter.

Zwei der Apachenkrieger hielten ihre Gewehre nicht mehr in den Händen. Die Männer waren verwundet und standen schwankend da. Lassiters Angriff war so blitzartig über sie hereingebrochen, dass die anderen es vorzogen, sich ebenfalls ruhig zu verhalten.

Für Lassiter war es ein erneuter Beweis dafür, dass es sich hier um keine kriegs- und mordlüsterne Horde handelte, sondern um Männer, die ein bestimmtes Ziel vor Augen hatten.

Er sah dem hochgewachsenen Anführer in die Augen.

»Lass sie frei!«

Der große Apache zögerte. Sein Blick strahlte tiefe Ruhe und Klugheit aus. Es war einer der ungewöhnlichsten Indianer, denen Lassiter je begegnet war.

»Ich kann sie töten«, sagte er schließlich in seinem kehligen Englisch.

Lassiter zeigte ihm ein verächtliches Grinsen.

»Das wäre dein Pech, Häuptling. Dann müsste ich dich töten. Dich und deine Krieger.«

Einer der Apachen wandte sich dem Häuptling zu und rief in ihrer Stammessprache: »Ich kenne ihn. Es ist Großer Donnervogel.«

Er hatte recht. Bei einem Stamm der Jicarillas war Lassiter vor Jahren so genannt worden. Aber das war schon so lange her, dass er es fast vergessen hatte.

Der Häuptling wurde nachdenklich. Man sah es nur seinen dunklen Augen an, nicht der nach wie vor unbewegten Miene.

»Du hast es gehört«, sagte Lassiter auf Apache. »Ich könnte euch alle...

Erscheint lt. Verlag 21.6.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Abenteuer-Roman • alfred-bekker • Bestseller • Cassidy • Country • Cowboy • Deutsch • eBook • eBooks • erotisch • Erwachsene • erwachsene Romantik • Exklusiv • für • g f barner • Indianer • Karl May • Kindle • Klassiker • Laredo • Männer • Nackt • Reihe • Ringo • Roman-Heft • Serie • Sexy • Western-Erotik • Western-roman • Wilder Westen • Wyatt-Earp
ISBN-10 3-7517-8156-0 / 3751781560
ISBN-13 978-3-7517-8156-5 / 9783751781565
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