Mord! Klappe, die erste (eBook)
348 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-8192-5369-0 (ISBN)
Amelia Green hat ihre früheste Kindheit in England verbracht, bevor sie in Süddeutschland heimisch wurde. Ihre Liebe zu Cottages, Tea Time und Crime lebt sie seither beim Schreiben aus. Amelia ist Gewinnerin des Bookdate Crime-Wettbewerbs 2021.
Der Fall: Erster Teil
Rückblende
Schrift liche Korrespondenz zwischen Adriana Shilling, Schauspielerin, und Laurentius Newcombe, Privatdetektiv, zwischen dem 23. Februar und dem Beginn der Ermittlungen am 19. März. Aufbewahrt im Archiv der Detektei Newcombe & Walker.
23. Februar
Lieber Laurentius!
Es ist etwas merkwürdig, demjenigen Briefe zu schreiben, von dem man abserviert wurde, aber du wolltest schließlich, dass ich mich bei euch melde, nachdem wir uns für unsere letzten gemeinsamen Ermittlungen notgedrungen zeitweise versöhnt haben. Erzähl mir also bloß nicht, dass ich deinen Vornamen nicht verwenden soll: DU wolltest Briefe, DU hast mir den Korb gegeben, dann rede ich dich auch an, wie ich möchte. Es tut mir übrigens leid, dass ich mich seit unseren Ermittlungen auf Lonemoor Estate erst jetzt melde, aber es war einfach zu viel los!
Heute habe ich aber endlich an Clifford und dich gedacht, es ist schließlich der Gründungstag eurer Detektei. Also, wie geht es euch? Wie habt ihr das Jubiläum der Detektei Newcombe & Walker gefeiert? Und habt ihr einen neuen Fall?
Du siehst, ich schreibe dir einen sehr fröhlichen Brief. Angesichts der Tatsache, dass ich bei unserem letzten Streit noch vorhatte, dir demnächst den Schädel mit der Axt zu spalten, kannst du dir vorstellen, wie gut ich gelaunt bin. (Sei versichert, dass ich dir deine Ablehnung keineswegs verziehen habe, wir haben das Kriegsbeil lediglich vorübergehend begraben. Außerdem bin ich unsagbar glücklich.)
Bis vor einer Stunde stand ich in einem Aufnahmestudio und habe gesungen, dass die Wände wackelten und ich den Ton bis in den letzten Zipfel meiner Lunge spüren konnte. Der Film, in dem ich mitspielen darf (in der Hauptrolle! Ein Hauptrollendebüt!!!), ist nämlich ein Musical. Alle Lieder werden vorher aufgenommen und später über den Film gelegt, damit der Gesang den bestmöglichen Klang hat. Ich habe also jeden Tag, seitdem ich in London bin, Singen geübt und Aufnahmen gemacht und viel mit einem Tanzlehrer trainiert, damit ich perfekt tanzen kann, wenn wir filmen. Es ist großartig, und ich liebe es!
Die Filmleute sind alle unheimlich nett, nur geraucht wird hier ohne Ende (aber das kenne ich von dir und Clifford) und auch einiges getrunken (aber das kenne ich vom Theater). Der Komponist behauptet, Filmstars würden viel mehr Sachen einnehmen als Theaterleute, aber das kann ich noch nicht bestätigen, weil ich noch fast niemanden wirklich kenne.
Nur den, mit dem ich Duette aufnehme und in den ich mich im Film verliebe, die männliche Hauptrolle nämlich, kenne ich. Er heißt Clyde Redford, ist blond und sieht unheimlich gut aus. Mit ihm Lieder aufzunehmen ist lustig, er albert viel herum, und tanzen kann er auch gut. Es ist so schön, einmal im Leben keinen planlosen Laien als Partner zu haben und Mezzosopran singen zu dürfen. Beim Theater muss ich immer den Sopran machen, weil niemand außer mir wirklich singen kann, und meinem geschätzten Kollegen Jeremiah Edwards fällt auf der Bühne gerne mal der falsche Bart ab. Was mich nur wieder daran erinnert, wie lange ich am Theater mein Talent vergeudet habe – um in deiner Nähe zu sein, wohlgemerkt! Fühl dich ruhig schlecht, dass du mich nicht wolltest. Ich werde jetzt ein Star! Haha!
Ich hätte wirklich nie gedacht, dass es so weit kommen würde – ich habe mich ja nicht selbst beworben, sondern wurde ausgewählt. Hatte ich davon erzählt? Wenn nicht, hier die Ereignisse im Schnelldurchlauf: Ein Mann wollte mich nach der Abendvorstellung am Theater sprechen und bestand darauf, am nächsten Tag mit mir zu Mittag zu essen. Als wir uns in dem Lokal trafen, war ich ziemlich misstrauisch, aber er hat mir dann erklärt, er wäre ein Agent, der jemanden für eine Filmrolle suche. Er sei auf mich gestoßen, weil ihm meine Ausstrahlung gefiele, und meine Stimme, und mein Spielen, und dann stellte er mir haufenweise Fragen zu meiner Laufbahn, während ich einen vorzüglichen Salat aß (mit Oliven). Er war besonders begeistert, als ich ihm erzählt habe, dass ich damals weggelaufen bin und bei meinem damaligen Verlobten gelebt hätte, um am Theater anfangen zu können, weil genau das die Rolle tut, die ich jetzt spiele. Der Agent fand dann, ich sei mehr als geeignet. Ich musste noch zu einem Vorsprechen und zu einem zweiten Vorsprechen und dann hatte ich auf einmal die Rolle! Dass ich singen kann, war ein großer Pluspunkt, wie gesagt, es ist ein Musical. Das einzige Problem war mein Alter, die Rolle ist nämlich Anfang zwanzig, aber dafür gibt es Make-up, und ich habe dem Agenten gesagt, dass ich immerhin ein Jahr jünger bin als Marlene Dietrich. Seitdem singe und tanze ich und lerne meinen Text und gehe abends in todschicken Kleidern essen. (Ich sehe umwerfend aus, und du darfst dich gern ärgern, dass du es nicht zu Gesicht bekommst.) Ich vermisse das Theater überhaupt nicht und dich und Clifford ein bisschen (ihn sehr und dich nicht, also im Schnitt wenig). Jetzt muss ich den Brief beenden, ich werde bei einer Kostümanprobe erwartet.
Ganz liebe Grüße an Cliff, für dich nur ein formelles Abschiedswort,
Deine
Adriana
PS: Wir filmen ab dem 5. März. Ich kann es kaum erwarten!
Mittwoch, den 28. Februar
Liebe Adriana,
vielen Dank für dein Schreiben. Sei versichert, dass unsere Abneigung zueinander auf Gegenseitigkeit beruht. Clifford und ich beglückwünschen dich zu diesem neuen Abschnitt in deiner Karriere.
Hier die Informationen, die ich der Höflichkeit halber ergänzen werde: Das Wetter hier ist ausgesprochen kalt und regnerisch. Wir bearbeiten einen neuen Fall, der die Durchsicht zahlreicher Dokumente erfordert. Der damit verbundene Aufwand und die Tatsache, dass ich mich ein wenig erkältet habe, sind für den späten Zeitpunkt verantwortlich, zu dem ich diese Antwort verfasse. Entschuldige bitte vielmals.
Erzähle uns gern etwas über den Film. Wovon handelt das Drehbuch? Wo werdet ihr drehen? Wir bedanken uns im Voraus für deine Antwort.
Clifford richtet herzliche Grüße aus.
Auf ein baldiges Wiederhören, dein
Etc. Etc.
***
03. März
Laurentius, mein Bester,
was war das denn für ein Brief? Nächstes Mal darfst du etwas schicken, das netter klingt als ein Bescheid der Steuerbehörde. Außerdem hat seit Jane Austen niemand mehr irgendetwas mit »etc. etc.« unterschrieben. Also bitte!
Bestelle Clifford meine Grüße zurück. Ich hoffe, du hörst auf seine medizinische Expertise und kurierst dich vernünftig aus, anstatt nachts im Regen zu stehen und Häuser zu beschatten. Natürlich kenne ich dich und weiß, dass du bestimmt Letzteres tust, weil du dich wahrscheinlich auch auf dem Sterbebett noch zur Arbeit zwingen wirst, aber bitte hol dir keine Lungenentzündung, dann muss ich mich nämlich schlecht fühlen, weil ich vor deinem tragisch frühen Ableben so gemein zu dir gewesen bin.
Aber weißt du was? Ich bin viel zu gut gelaunt, um mir den Tag von deiner abweisenden Kommunikation vermiesen zu lassen. Vielleicht bin ich auch einfach nur betrunken, ich hatte nämlich Aperitif und Wein, was definitiv zu viel für mich ist, aber jetzt ist es zu spät. Clyde hat mich an unserem letzten Abend in der Stadt ausgeführt, weil er meinte, um ab Montag vor der Kamera meinen Geliebten zu spielen, müsse er mit mir ausgegangen sein. Also waren wir zusammen im Restaurant, und es war traumhaft. Clyde ist witzig und hat so viel zu erzählen, weil er schon eine Menge Filme in Hollywood gedreht hat. Außerdem trug er einen tollen modischen Anzug und seine Clark-Gable-Imitationen waren zum Schreien. Ich hatte mein enges glitzerndes Rotes mit der Schärpe an und die Bernsteinohrringe, die du so viel anstarrst und die anscheinend ein Männermagnet sind, denn Clyde mag sie auch. Wir haben gegessen, geredet, danach waren wir noch tanzen, und dann hat uns noch am selben Abend ein schickes Auto hinaus aufs Land gefahren. Wir saßen gemeinsam auf der Rückbank und ein Chauffeur hat uns kutschiert. So ist also das Leben als Filmstar!
Der Dreh findet in einem Örtchen namens Buckington statt, und der Goldene Löwe dort ist unser Hotel für die Drehzeit. Später filmen wir auch Szenen im Studio, aber es soll alles ganz authentisch wirken, deswegen nutzen wir ein echtes Dorf und eine echte Dorfkirche für den Film.
Damit wären wir auch schon beim eigentlichen Thema: Der Film.
Ich spiele Rosalie. Rosalie läuft ihrem Vater weg, der Landpfarrer ist, um in der Stadt Schauspielerin zu werden. Sie spricht am Theater vor (ich LIEBE das Lied, das ich da singe), aber der Intendant will sie nur engagieren, wenn sie seine Mätresse wird, was leider viel zu oft die Bedingung ist. Rosalie ist aber sehr selbstbewusst, sonst würde ich sie ja auch nicht spielen, deswegen schlüpft sie bei einem gutaussehenden Schauspielkollegen unter, der sie beim Vorsprechen ganz toll fand. Er heißt David und...
| Erscheint lt. Verlag | 16.4.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Historische Romane |
| ISBN-10 | 3-8192-5369-6 / 3819253696 |
| ISBN-13 | 978-3-8192-5369-0 / 9783819253690 |
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